Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844.

Bild:
<< vorherige Seite
Fremder. Dasjenige, was Wasser und Feuer nicht verzeh-
ren kann.
Altgesell. Was ist das Beste bei einer Mauer?
Fremder. Das Wasser.

Gruß und Umschau der Schlosser, Uhr-, Spor-,
Büchsen- und Windenmacher
.

Die reisenden Gesellen dieser vereinigten Gewerke durften
in den Orten, wo sie eine Lade und Handwerksgewohnheit ver-
muthen konnten, nicht persönlich bei den Meistern um Arbeit
anhalten, sondern mußten sich auf ihre Herberge begeben. Der
Herbergswirth (Vater) schickte darauf zu dem Ordenjünger oder
Gesellen und ließ ihm sagen, es sei ein fremder Gesell angekom-
men und verlange die Umschau.

Wenn dieser ankam, ließ er zunächst nach Landesgebrauch
Bier oder Wein auf den Tisch stellen, über welchem das Schild
der vereinigten Handwerke hing, dann nahm er die Meistertafel
aus einem Schrank, klopfte damit dreimal auf und sprach:
Also mit Gunst! Sind fremde Schlosser, Uhr-, Spor-,
Büchsen- und Windenmacher vorhanden, so setzen sie
sich an diesen Tisch, es soll ihnen Handwerksgebrauch
und Gewohnheit erwiesen werden, wie mir und andern
rechtschaffenen Gesellen und Jüngern ist erwiesen wor-
den, also mit Gunst zum ersten, zweiten und dritten
Mal, was Fremde sind, herbei!

Der Wandergesell, welcher bis dahin an einem andern Tisch
gesessen, setzte sich nun zur Rechten des Ordengesellen, dieser
reichte ihm die Hand, beide standen auf und ersterer fragte:
Mit Gunst Fremder, Schlosser?

Fremder. Stück davon. *)
*) Nehmlich eines von den vereinigten Gewerken.
Fremder. Dasjenige, was Waſſer und Feuer nicht verzeh-
ren kann.
Altgeſell. Was iſt das Beſte bei einer Mauer?
Fremder. Das Waſſer.

Gruß und Umſchau der Schloſſer, Uhr-, Spor-,
Büchſen- und Windenmacher
.

Die reiſenden Geſellen dieſer vereinigten Gewerke durften
in den Orten, wo ſie eine Lade und Handwerksgewohnheit ver-
muthen konnten, nicht perſönlich bei den Meiſtern um Arbeit
anhalten, ſondern mußten ſich auf ihre Herberge begeben. Der
Herbergswirth (Vater) ſchickte darauf zu dem Ordenjünger oder
Geſellen und ließ ihm ſagen, es ſei ein fremder Geſell angekom-
men und verlange die Umſchau.

Wenn dieſer ankam, ließ er zunächſt nach Landesgebrauch
Bier oder Wein auf den Tiſch ſtellen, über welchem das Schild
der vereinigten Handwerke hing, dann nahm er die Meiſtertafel
aus einem Schrank, klopfte damit dreimal auf und ſprach:
Alſo mit Gunſt! Sind fremde Schloſſer, Uhr-, Spor-,
Büchſen- und Windenmacher vorhanden, ſo ſetzen ſie
ſich an dieſen Tiſch, es ſoll ihnen Handwerksgebrauch
und Gewohnheit erwieſen werden, wie mir und andern
rechtſchaffenen Geſellen und Jüngern iſt erwieſen wor-
den, alſo mit Gunſt zum erſten, zweiten und dritten
Mal, was Fremde ſind, herbei!

Der Wandergeſell, welcher bis dahin an einem andern Tiſch
geſeſſen, ſetzte ſich nun zur Rechten des Ordengeſellen, dieſer
reichte ihm die Hand, beide ſtanden auf und erſterer fragte:
Mit Gunſt Fremder, Schloſſer?

Fremder. Stück davon. *)
*) Nehmlich eines von den vereinigten Gewerken.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0071" n="61"/>
            <list>
              <item><hi rendition="#g">Fremder</hi>. Dasjenige, was Wa&#x017F;&#x017F;er und Feuer nicht verzeh-<lb/>
ren kann.</item><lb/>
              <item><hi rendition="#g">Altge&#x017F;ell</hi>. Was i&#x017F;t das Be&#x017F;te bei einer Mauer?</item><lb/>
              <item><hi rendition="#g">Fremder</hi>. Das Wa&#x017F;&#x017F;er.</item>
            </list>
          </div><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Gruß und Um&#x017F;chau der Schlo&#x017F;&#x017F;er, Uhr-, Spor-,<lb/>
Büch&#x017F;en- und Windenmacher</hi>.</hi> </head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <p>Die rei&#x017F;enden Ge&#x017F;ellen die&#x017F;er vereinigten Gewerke durften<lb/>
in den Orten, wo &#x017F;ie eine Lade und Handwerksgewohnheit ver-<lb/>
muthen konnten, nicht per&#x017F;önlich bei den Mei&#x017F;tern um Arbeit<lb/>
anhalten, &#x017F;ondern mußten &#x017F;ich auf ihre Herberge begeben. Der<lb/>
Herbergswirth (Vater) &#x017F;chickte darauf zu dem Ordenjünger oder<lb/>
Ge&#x017F;ellen und ließ ihm &#x017F;agen, es &#x017F;ei ein fremder Ge&#x017F;ell angekom-<lb/>
men und verlange die Um&#x017F;chau.</p><lb/>
            <p>Wenn die&#x017F;er ankam, ließ er zunäch&#x017F;t nach Landesgebrauch<lb/>
Bier oder Wein auf den Ti&#x017F;ch &#x017F;tellen, über welchem das Schild<lb/>
der vereinigten Handwerke hing, dann nahm er die Mei&#x017F;tertafel<lb/>
aus einem Schrank, klopfte damit dreimal auf und &#x017F;prach:<lb/><hi rendition="#et">Al&#x017F;o mit Gun&#x017F;t! Sind fremde Schlo&#x017F;&#x017F;er, Uhr-, Spor-,<lb/>
Büch&#x017F;en- und Windenmacher vorhanden, &#x017F;o &#x017F;etzen &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;ich an die&#x017F;en Ti&#x017F;ch, es &#x017F;oll ihnen Handwerksgebrauch<lb/>
und Gewohnheit erwie&#x017F;en werden, wie mir und andern<lb/>
recht&#x017F;chaffenen Ge&#x017F;ellen und Jüngern i&#x017F;t erwie&#x017F;en wor-<lb/>
den, al&#x017F;o mit Gun&#x017F;t zum er&#x017F;ten, zweiten und dritten<lb/>
Mal, was Fremde &#x017F;ind, herbei!</hi></p><lb/>
            <p>Der Wanderge&#x017F;ell, welcher bis dahin an einem andern Ti&#x017F;ch<lb/>
ge&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en, &#x017F;etzte &#x017F;ich nun zur Rechten des Ordenge&#x017F;ellen, die&#x017F;er<lb/>
reichte ihm die Hand, beide &#x017F;tanden auf und er&#x017F;terer fragte:<lb/><hi rendition="#et">Mit Gun&#x017F;t Fremder, Schlo&#x017F;&#x017F;er?</hi></p><lb/>
            <list>
              <item><hi rendition="#g">Fremder</hi>. Stück davon. <note place="foot" n="*)">Nehmlich eines von den vereinigten Gewerken.</note></item>
            </list><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[61/0071] Fremder. Dasjenige, was Waſſer und Feuer nicht verzeh- ren kann. Altgeſell. Was iſt das Beſte bei einer Mauer? Fremder. Das Waſſer. Gruß und Umſchau der Schloſſer, Uhr-, Spor-, Büchſen- und Windenmacher. Die reiſenden Geſellen dieſer vereinigten Gewerke durften in den Orten, wo ſie eine Lade und Handwerksgewohnheit ver- muthen konnten, nicht perſönlich bei den Meiſtern um Arbeit anhalten, ſondern mußten ſich auf ihre Herberge begeben. Der Herbergswirth (Vater) ſchickte darauf zu dem Ordenjünger oder Geſellen und ließ ihm ſagen, es ſei ein fremder Geſell angekom- men und verlange die Umſchau. Wenn dieſer ankam, ließ er zunächſt nach Landesgebrauch Bier oder Wein auf den Tiſch ſtellen, über welchem das Schild der vereinigten Handwerke hing, dann nahm er die Meiſtertafel aus einem Schrank, klopfte damit dreimal auf und ſprach: Alſo mit Gunſt! Sind fremde Schloſſer, Uhr-, Spor-, Büchſen- und Windenmacher vorhanden, ſo ſetzen ſie ſich an dieſen Tiſch, es ſoll ihnen Handwerksgebrauch und Gewohnheit erwieſen werden, wie mir und andern rechtſchaffenen Geſellen und Jüngern iſt erwieſen wor- den, alſo mit Gunſt zum erſten, zweiten und dritten Mal, was Fremde ſind, herbei! Der Wandergeſell, welcher bis dahin an einem andern Tiſch geſeſſen, ſetzte ſich nun zur Rechten des Ordengeſellen, dieſer reichte ihm die Hand, beide ſtanden auf und erſterer fragte: Mit Gunſt Fremder, Schloſſer? Fremder. Stück davon. *) *) Nehmlich eines von den vereinigten Gewerken.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/stock_gesellenwesen_1844
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/stock_gesellenwesen_1844/71
Zitationshilfe: Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844, S. 61. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stock_gesellenwesen_1844/71>, abgerufen am 19.06.2019.