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Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844.

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bis Morgens um 4 Uhr, so lange der Groschen unter dem
Teller liegt.
Rummelsmann. So mit Gunst ihr günstige Gesellen, wie
auch wohl erwanderte Kupferknaben, ich bitte, Sie wollen
mich mit dem Trunk verschonen, weil ich das Bier nicht
gewohnt bin.
Alle Meister und Gesellen. Setze Dich nieder, es wird
Dir nicht zu viel geschehen.

Darauf trinkt der Fremde allen Gesellen zu, steht auf und
bedankt sich dreimal bei dem Schenkgesellen:
So mit Gunst Kupferknabe, ich bedanke mich ganz
freundlich, zum ersten Mal, zum andern Mal und zum
dritten Mal; ich bitte, wenn Du mir wollest den ehr-
lichen Willkommen vorstellen, nach Handwerksge-
wohnheit und Gebrauch.

Schenkgesell. So mit Gunst Kupferknabe, setze Dich nie-
der und trinke, es wird Dir widerfahren nach Handwerks-
gewohnheit und Gebrauch.

Hierauf bittet er einen aus der Gesellschaft, den Fremden in
Acht zu nehmen (zu unterhalten) und spricht zu einem andern:
So mit Gunst Kupferknabe, ich wollte Dich gebeten
haben, wenn Du mir wolltest den ehrlichen Willkom-
men helfen zurecht machen (füllen helfen).

Beide. So mit Gunst, daß ich mag einen Abtritt nehmen.

Wenn sie wieder herein kommen, setzt der Gehülfe den
Daumen auf den Tisch und spricht: So mit Gunst setz' ich
mich wieder nieder.

Schenkgesell. Trägt den ehrlichen Willkommen und den
ehrlichen Umläufer; ehe er beide auf die Tafel setzt,
spricht er: So mit Gunst ihr günstigen Gesellen, ist auch
reiner Tisch? Wenn etwa einer oder der andere gescholten
ist, der kann einen Abtritt nehmen. (Wenn sich keiner
meldet:) So mit Gunst, daß ich mag den ehrlichen Will-
kommen nebst dem ehrlichen Umläufer auf den Tisch setzen.
Zu dem Fremden: Hast auch Du reinen Tisch?
Fremder. So mit Gunst ja!
bis Morgens um 4 Uhr, ſo lange der Groſchen unter dem
Teller liegt.
Rummelsmann. So mit Gunſt ihr günſtige Geſellen, wie
auch wohl erwanderte Kupferknaben, ich bitte, Sie wollen
mich mit dem Trunk verſchonen, weil ich das Bier nicht
gewohnt bin.
Alle Meiſter und Geſellen. Setze Dich nieder, es wird
Dir nicht zu viel geſchehen.

Darauf trinkt der Fremde allen Geſellen zu, ſteht auf und
bedankt ſich dreimal bei dem Schenkgeſellen:
So mit Gunſt Kupferknabe, ich bedanke mich ganz
freundlich, zum erſten Mal, zum andern Mal und zum
dritten Mal; ich bitte, wenn Du mir wolleſt den ehr-
lichen Willkommen vorſtellen, nach Handwerksge-
wohnheit und Gebrauch.

Schenkgeſell. So mit Gunſt Kupferknabe, ſetze Dich nie-
der und trinke, es wird Dir widerfahren nach Handwerks-
gewohnheit und Gebrauch.

Hierauf bittet er einen aus der Geſellſchaft, den Fremden in
Acht zu nehmen (zu unterhalten) und ſpricht zu einem andern:
So mit Gunſt Kupferknabe, ich wollte Dich gebeten
haben, wenn Du mir wollteſt den ehrlichen Willkom-
men helfen zurecht machen (füllen helfen).

Beide. So mit Gunſt, daß ich mag einen Abtritt nehmen.

Wenn ſie wieder herein kommen, ſetzt der Gehülfe den
Daumen auf den Tiſch und ſpricht: So mit Gunſt ſetz’ ich
mich wieder nieder.

Schenkgeſell. Trägt den ehrlichen Willkommen und den
ehrlichen Umläufer; ehe er beide auf die Tafel ſetzt,
ſpricht er: So mit Gunſt ihr günſtigen Geſellen, iſt auch
reiner Tiſch? Wenn etwa einer oder der andere geſcholten
iſt, der kann einen Abtritt nehmen. (Wenn ſich keiner
meldet:) So mit Gunſt, daß ich mag den ehrlichen Will-
kommen nebſt dem ehrlichen Umläufer auf den Tiſch ſetzen.
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[43/0053] bis Morgens um 4 Uhr, ſo lange der Groſchen unter dem Teller liegt. Rummelsmann. So mit Gunſt ihr günſtige Geſellen, wie auch wohl erwanderte Kupferknaben, ich bitte, Sie wollen mich mit dem Trunk verſchonen, weil ich das Bier nicht gewohnt bin. Alle Meiſter und Geſellen. Setze Dich nieder, es wird Dir nicht zu viel geſchehen. Darauf trinkt der Fremde allen Geſellen zu, ſteht auf und bedankt ſich dreimal bei dem Schenkgeſellen: So mit Gunſt Kupferknabe, ich bedanke mich ganz freundlich, zum erſten Mal, zum andern Mal und zum dritten Mal; ich bitte, wenn Du mir wolleſt den ehr- lichen Willkommen vorſtellen, nach Handwerksge- wohnheit und Gebrauch. Schenkgeſell. So mit Gunſt Kupferknabe, ſetze Dich nie- der und trinke, es wird Dir widerfahren nach Handwerks- gewohnheit und Gebrauch. Hierauf bittet er einen aus der Geſellſchaft, den Fremden in Acht zu nehmen (zu unterhalten) und ſpricht zu einem andern: So mit Gunſt Kupferknabe, ich wollte Dich gebeten haben, wenn Du mir wollteſt den ehrlichen Willkom- men helfen zurecht machen (füllen helfen). Beide. So mit Gunſt, daß ich mag einen Abtritt nehmen. Wenn ſie wieder herein kommen, ſetzt der Gehülfe den Daumen auf den Tiſch und ſpricht: So mit Gunſt ſetz’ ich mich wieder nieder. Schenkgeſell. Trägt den ehrlichen Willkommen und den ehrlichen Umläufer; ehe er beide auf die Tafel ſetzt, ſpricht er: So mit Gunſt ihr günſtigen Geſellen, iſt auch reiner Tiſch? Wenn etwa einer oder der andere geſcholten iſt, der kann einen Abtritt nehmen. (Wenn ſich keiner meldet:) So mit Gunſt, daß ich mag den ehrlichen Will- kommen nebſt dem ehrlichen Umläufer auf den Tiſch ſetzen. Zu dem Fremden: Haſt auch Du reinen Tiſch? Fremder. So mit Gunſt ja!

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Zitationshilfe: Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844, S. 43. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stock_gesellenwesen_1844/53>, abgerufen am 19.06.2019.