Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Stirner, Max: Der Einzige und sein Eigenthum. Leipzig, 1845.

Bild:
<< vorherige Seite

Beiderlei Betrachtungsweisen erfährt die Handelsfreiheit, indem
sie theils für eine Freiheit angesehen wird, welche unter Um¬
ständen
gewährt oder entzogen werden könne, theils für eine
solche, die unter allen Umständen heilig zu halten sei.

Ist Mir an einer Sache nicht an und für sich gelegen
und begehre Ich sie nicht um ihrer selbst willen, so verlange
Ich sie lediglich wegen ihrer Zweckdienlichkeit, Nützlichkeit,
um eines andern Zweckes willen, z. B. Austern zum Wohlge¬
schmack. Wird nun nicht dem Egoisten jede Sache als Mittel
dienen, dessen letzter Zweck er selber ist, und soll er eine Sache
beschützen, die ihm zu nichts dient, z. B. der Proletarier den
Staat?

Die Eigenheit schließt jedes Eigene in sich und bringt
wieder zu Ehren, was die christliche Sprache verunehrte. Die
Eigenheit hat aber auch keinen fremden Maaßstab, wie sie denn
überhaupt keine Idee ist, gleich der Freiheit, Sittlichkeit,
Menschlichkeit u. dgl.: sie ist nur eine Beschreibung des --
Eigners.


15

Beiderlei Betrachtungsweiſen erfährt die Handelsfreiheit, indem
ſie theils für eine Freiheit angeſehen wird, welche unter Um¬
ſtänden
gewährt oder entzogen werden könne, theils für eine
ſolche, die unter allen Umſtänden heilig zu halten ſei.

Iſt Mir an einer Sache nicht an und für ſich gelegen
und begehre Ich ſie nicht um ihrer ſelbſt willen, ſo verlange
Ich ſie lediglich wegen ihrer Zweckdienlichkeit, Nützlichkeit,
um eines andern Zweckes willen, z. B. Auſtern zum Wohlge¬
ſchmack. Wird nun nicht dem Egoiſten jede Sache als Mittel
dienen, deſſen letzter Zweck er ſelber iſt, und ſoll er eine Sache
beſchützen, die ihm zu nichts dient, z. B. der Proletarier den
Staat?

Die Eigenheit ſchließt jedes Eigene in ſich und bringt
wieder zu Ehren, was die chriſtliche Sprache verunehrte. Die
Eigenheit hat aber auch keinen fremden Maaßſtab, wie ſie denn
überhaupt keine Idee iſt, gleich der Freiheit, Sittlichkeit,
Menſchlichkeit u. dgl.: ſie iſt nur eine Beſchreibung des —
Eigners.


15
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0233" n="225"/>
Beiderlei Betrachtungswei&#x017F;en erfährt die Handelsfreiheit, indem<lb/>
&#x017F;ie theils für eine Freiheit ange&#x017F;ehen wird, welche <hi rendition="#g">unter Um¬<lb/>
&#x017F;tänden</hi> gewährt oder entzogen werden könne, theils für eine<lb/>
&#x017F;olche, die <hi rendition="#g">unter allen Um&#x017F;tänden heilig</hi> zu halten &#x017F;ei.</p><lb/>
          <p>I&#x017F;t Mir an einer Sache nicht an und für &#x017F;ich gelegen<lb/>
und begehre Ich &#x017F;ie nicht um ihrer &#x017F;elb&#x017F;t willen, &#x017F;o verlange<lb/>
Ich &#x017F;ie lediglich wegen ihrer <hi rendition="#g">Zweckdienlichkeit</hi>, Nützlichkeit,<lb/>
um eines andern Zweckes willen, z. B. Au&#x017F;tern zum Wohlge¬<lb/>
&#x017F;chmack. Wird nun nicht dem Egoi&#x017F;ten jede Sache als Mittel<lb/>
dienen, de&#x017F;&#x017F;en letzter Zweck er &#x017F;elber i&#x017F;t, und &#x017F;oll er eine Sache<lb/>
be&#x017F;chützen, die ihm zu nichts dient, z. B. der Proletarier den<lb/>
Staat?</p><lb/>
          <p>Die Eigenheit &#x017F;chließt jedes Eigene in &#x017F;ich und bringt<lb/>
wieder zu Ehren, was die chri&#x017F;tliche Sprache verunehrte. Die<lb/>
Eigenheit hat aber auch keinen fremden Maaß&#x017F;tab, wie &#x017F;ie denn<lb/>
überhaupt keine <hi rendition="#g">Idee</hi> i&#x017F;t, gleich der Freiheit, Sittlichkeit,<lb/>
Men&#x017F;chlichkeit u. dgl.: &#x017F;ie i&#x017F;t nur eine Be&#x017F;chreibung des &#x2014;<lb/><hi rendition="#g">Eigners</hi>.</p><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <fw place="bottom" type="sig">15<lb/></fw>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[225/0233] Beiderlei Betrachtungsweiſen erfährt die Handelsfreiheit, indem ſie theils für eine Freiheit angeſehen wird, welche unter Um¬ ſtänden gewährt oder entzogen werden könne, theils für eine ſolche, die unter allen Umſtänden heilig zu halten ſei. Iſt Mir an einer Sache nicht an und für ſich gelegen und begehre Ich ſie nicht um ihrer ſelbſt willen, ſo verlange Ich ſie lediglich wegen ihrer Zweckdienlichkeit, Nützlichkeit, um eines andern Zweckes willen, z. B. Auſtern zum Wohlge¬ ſchmack. Wird nun nicht dem Egoiſten jede Sache als Mittel dienen, deſſen letzter Zweck er ſelber iſt, und ſoll er eine Sache beſchützen, die ihm zu nichts dient, z. B. der Proletarier den Staat? Die Eigenheit ſchließt jedes Eigene in ſich und bringt wieder zu Ehren, was die chriſtliche Sprache verunehrte. Die Eigenheit hat aber auch keinen fremden Maaßſtab, wie ſie denn überhaupt keine Idee iſt, gleich der Freiheit, Sittlichkeit, Menſchlichkeit u. dgl.: ſie iſt nur eine Beſchreibung des — Eigners. 15

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/stirner_einzige_1845
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/stirner_einzige_1845/233
Zitationshilfe: Stirner, Max: Der Einzige und sein Eigenthum. Leipzig, 1845, S. 225. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stirner_einzige_1845/233>, abgerufen am 24.09.2020.