Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Spielhagen, Friedrich: Problematische Naturen. Bd. 2. Berlin, 1861.

Bild:
<< vorherige Seite

gute Kameradschaft mit seinem neuen Freunde zu
halten, der ihm im Laufe des Nachmittags schon mehr
als eine Gefälligkeit erwiesen hatte.

"Sie scheinen die Gesellschaft nicht besonders zu
lieben, Herr von Langen," sagte er lächelnd über die
Eilfertigkeit des jungen Mannes.

"Die große Gesellschaft -- nein! Ich bin in fast
absoluter Einsamseit aufgewachsen. Mein Vater, der
nicht eben reich war, schloß sich in dem Interesse
seiner Kinder von dem geselligen Leben des hiesigen
Adels fast gänzlich ab. Hernach kam ich auf die
Schule. Ich hätte gern studirt; aber der Vater be¬
durfte meiner für die Wirthschaft, welche er bei zu¬
nehmendem Alter nicht mit derselben Rüstigkeit leiten
konnte; so mußte ich denn von der Schule abgehen,
als ich ein Jahr in Prima gesessen hatte. Seitdem
ist der gute Vater gestorben und ich habe die paterna
rura
, die ich für mich und meine jüngern Geschwister
verwalte, kaum verlassen. Sind Sie Jäger?"

"Nein, ich habe bis jetzt nicht die mindeste Ge¬
legenheit gehabt, die Nimrodnatur, die möglicherweise
in mir schlummert, zu cultiviren."

"Ah, das ist schade; aber das lernt sich -- wir
haben eine recht hübsche Hühner- und Hasenjagd.
Sie sollten vorläufig etwas mit der Pistole schießen.

gute Kameradſchaft mit ſeinem neuen Freunde zu
halten, der ihm im Laufe des Nachmittags ſchon mehr
als eine Gefälligkeit erwieſen hatte.

„Sie ſcheinen die Geſellſchaft nicht beſonders zu
lieben, Herr von Langen,“ ſagte er lächelnd über die
Eilfertigkeit des jungen Mannes.

„Die große Geſellſchaft — nein! Ich bin in faſt
abſoluter Einſamſeit aufgewachſen. Mein Vater, der
nicht eben reich war, ſchloß ſich in dem Intereſſe
ſeiner Kinder von dem geſelligen Leben des hieſigen
Adels faſt gänzlich ab. Hernach kam ich auf die
Schule. Ich hätte gern ſtudirt; aber der Vater be¬
durfte meiner für die Wirthſchaft, welche er bei zu¬
nehmendem Alter nicht mit derſelben Rüſtigkeit leiten
konnte; ſo mußte ich denn von der Schule abgehen,
als ich ein Jahr in Prima geſeſſen hatte. Seitdem
iſt der gute Vater geſtorben und ich habe die paterna
rura
, die ich für mich und meine jüngern Geſchwiſter
verwalte, kaum verlaſſen. Sind Sie Jäger?“

„Nein, ich habe bis jetzt nicht die mindeſte Ge¬
legenheit gehabt, die Nimrodnatur, die möglicherweiſe
in mir ſchlummert, zu cultiviren.“

„Ah, das iſt ſchade; aber das lernt ſich — wir
haben eine recht hübſche Hühner- und Haſenjagd.
Sie ſollten vorläufig etwas mit der Piſtole ſchießen.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0047" n="37"/>
gute Kamerad&#x017F;chaft mit &#x017F;einem neuen Freunde zu<lb/>
halten, der ihm im Laufe des Nachmittags &#x017F;chon mehr<lb/>
als eine Gefälligkeit erwie&#x017F;en hatte.</p><lb/>
        <p>&#x201E;Sie &#x017F;cheinen die Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft nicht be&#x017F;onders zu<lb/>
lieben, Herr von Langen,&#x201C; &#x017F;agte er lächelnd über die<lb/>
Eilfertigkeit des jungen Mannes.</p><lb/>
        <p>&#x201E;Die große Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft &#x2014; nein! Ich bin in fa&#x017F;t<lb/>
ab&#x017F;oluter Ein&#x017F;am&#x017F;eit aufgewach&#x017F;en. Mein Vater, der<lb/>
nicht eben reich war, &#x017F;chloß &#x017F;ich in dem Intere&#x017F;&#x017F;e<lb/>
&#x017F;einer Kinder von dem ge&#x017F;elligen Leben des hie&#x017F;igen<lb/>
Adels fa&#x017F;t gänzlich ab. Hernach kam ich auf die<lb/>
Schule. Ich hätte gern &#x017F;tudirt; aber der Vater be¬<lb/>
durfte meiner für die Wirth&#x017F;chaft, welche er bei zu¬<lb/>
nehmendem Alter nicht mit der&#x017F;elben Rü&#x017F;tigkeit leiten<lb/>
konnte; &#x017F;o mußte ich denn von der Schule abgehen,<lb/>
als ich ein Jahr in Prima ge&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en hatte. Seitdem<lb/>
i&#x017F;t der gute Vater ge&#x017F;torben und ich habe die <hi rendition="#aq">paterna<lb/>
rura</hi>, die ich für mich und meine jüngern Ge&#x017F;chwi&#x017F;ter<lb/>
verwalte, kaum verla&#x017F;&#x017F;en. Sind Sie Jäger?&#x201C;</p><lb/>
        <p>&#x201E;Nein, ich habe bis jetzt nicht die minde&#x017F;te Ge¬<lb/>
legenheit gehabt, die Nimrodnatur, die möglicherwei&#x017F;e<lb/>
in mir &#x017F;chlummert, zu cultiviren.&#x201C;</p><lb/>
        <p>&#x201E;Ah, das i&#x017F;t &#x017F;chade; aber das lernt &#x017F;ich &#x2014; wir<lb/>
haben eine recht hüb&#x017F;che Hühner- und Ha&#x017F;enjagd.<lb/>
Sie &#x017F;ollten vorläufig etwas mit der Pi&#x017F;tole &#x017F;chießen.<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[37/0047] gute Kameradſchaft mit ſeinem neuen Freunde zu halten, der ihm im Laufe des Nachmittags ſchon mehr als eine Gefälligkeit erwieſen hatte. „Sie ſcheinen die Geſellſchaft nicht beſonders zu lieben, Herr von Langen,“ ſagte er lächelnd über die Eilfertigkeit des jungen Mannes. „Die große Geſellſchaft — nein! Ich bin in faſt abſoluter Einſamſeit aufgewachſen. Mein Vater, der nicht eben reich war, ſchloß ſich in dem Intereſſe ſeiner Kinder von dem geſelligen Leben des hieſigen Adels faſt gänzlich ab. Hernach kam ich auf die Schule. Ich hätte gern ſtudirt; aber der Vater be¬ durfte meiner für die Wirthſchaft, welche er bei zu¬ nehmendem Alter nicht mit derſelben Rüſtigkeit leiten konnte; ſo mußte ich denn von der Schule abgehen, als ich ein Jahr in Prima geſeſſen hatte. Seitdem iſt der gute Vater geſtorben und ich habe die paterna rura, die ich für mich und meine jüngern Geſchwiſter verwalte, kaum verlaſſen. Sind Sie Jäger?“ „Nein, ich habe bis jetzt nicht die mindeſte Ge¬ legenheit gehabt, die Nimrodnatur, die möglicherweiſe in mir ſchlummert, zu cultiviren.“ „Ah, das iſt ſchade; aber das lernt ſich — wir haben eine recht hübſche Hühner- und Haſenjagd. Sie ſollten vorläufig etwas mit der Piſtole ſchießen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/spielhagen_problematische02_1861
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/spielhagen_problematische02_1861/47
Zitationshilfe: Spielhagen, Friedrich: Problematische Naturen. Bd. 2. Berlin, 1861, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spielhagen_problematische02_1861/47>, abgerufen am 17.11.2019.