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Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

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Familie: Cyprinoidei.
kleine schwarzkörnige Pigmentflecke mehr oder weniger getrübt. Diese
schwarzen Pigmentflecke stehen oft so dicht, dass sie verschiedene Zeich-
nungen darstellen; am häufigsten macht sich auf der Mittellinie des Rückens
ein schwarzer Längsstreif bemerklich, der vom Nacken bis zur Schwanz-
flosse verläuft, zuweilen durch Unterbrechungen nur einzelne Flecke dar-
stellt oder fast ganz erloschen ist. Auf dem übrigen Rücken der Pfrille kann
durch stärkere Entwicklung jener Pigmentflecke eine schwarze Marmorirung
hervortreten. Bei sehr vielen Individuen sind auch die Seiten des Leibes
mehr oder weniger schwarz pigmentirt; entweder tritt diese Pigmentirung
gleichmässig verbreitet auf oder sie stellt eine breite Fleckenbinde dar, deren
Flecke nicht selten zu einer ununterbrochenen schwarzen Seitenbinde ver-
flossen sein können. Sehr charakteristisch für die Pfrille ist ein goldglänzen-
der Längsstreif, welcher aus der Tiefe der Haut zu beiden Seiten des Rückens
hervorschimmert und hinter den Augen beginnend, sich bis zur Schwanz-
wurzel erstreckt. Die Körperseiten, sowie der Bauch dieses Fisches geben
einen Silberglanz, noch häufiger aber einen Messingglanz von sich, der stets
gegen die beiden vorhin erwähnten goldglänzenden Rücken-Seitenbinden
deutlich absticht.

Alle Flossen besitzen eine blassgelbe Grundfarbe, welche auf der Rük-
kenflosse, auf der After- und Schwanzflosse, sowie am Aussenrande der bei-
den Brustflossen durch schwarzes Pigment verdunkelt ist. Die Lippen, die
Basis der paarigen Flossen und der Afterflosse sind oft glänzend purpurroth
gefärbt. Diese prächtige Farbe breitet sich nicht selten von der Basis der
genannten Flossen auf dem Bauche nach vorn bis gegen die Kehle und nach
hinten bis zum Schwanzende aus, wodurch zuweilen die ganze Unterseite der
Pfrillen in purpurglänzender Farbe prangt. Diese Farbenpracht ist bei der
Pfrille nicht von der Laichzeit abhängig, die in den Monat Mai fällt, sondern
kömmt auch ausser der Laichzeit sowohl bei männlichen wie weiblichen In-
dividuen zum Vorschein, wovon ich mich mitten im Winter, im Januar über-
zeugt habe. Die Laichzeit verräth sich bei beiden Geschlechtern durch den
bekannten Hautausschlag, der sich in Form von spitzen Höckern auf der Haut-
oberfläche des Scheitels ausbreitet. Eine solche am Kopfe bedornte, brün-
stige Pfrille hat Meidinger 1) als Cyprinus aphya abgebildet. Ausserdem er-
scheinen zur Laichzeit sämmtliche Schuppen der männlichen und weiblichen
Pfrillen an ihrem Hinterrande mit einer einfachen Reihe sehr kleiner aber
dicht gedrängt stehender Körnchen gesäumt, auch die Innenseite der Brust-
flossen-Strahlen trägt solche Reihen dicht stehender Körnchen.

Das Vorkommen der Pfrille, welche sich meistens von kleinen Wasser-
insecten und Gewürm ernährt, ist ein sehr verbreitetes. In allen Flüssen und

1) Vergl. dessen Icones piscium Austriae. A. a. O. Dec. II. Tab. 15.

Familie: Cyprinoidei.
kleine schwarzkörnige Pigmentflecke mehr oder weniger getrübt. Diese
schwarzen Pigmentflecke stehen oft so dicht, dass sie verschiedene Zeich-
nungen darstellen; am häufigsten macht sich auf der Mittellinie des Rückens
ein schwarzer Längsstreif bemerklich, der vom Nacken bis zur Schwanz-
flosse verläuft, zuweilen durch Unterbrechungen nur einzelne Flecke dar-
stellt oder fast ganz erloschen ist. Auf dem übrigen Rücken der Pfrille kann
durch stärkere Entwicklung jener Pigmentflecke eine schwarze Marmorirung
hervortreten. Bei sehr vielen Individuen sind auch die Seiten des Leibes
mehr oder weniger schwarz pigmentirt; entweder tritt diese Pigmentirung
gleichmässig verbreitet auf oder sie stellt eine breite Fleckenbinde dar, deren
Flecke nicht selten zu einer ununterbrochenen schwarzen Seitenbinde ver-
flossen sein können. Sehr charakteristisch für die Pfrille ist ein goldglänzen-
der Längsstreif, welcher aus der Tiefe der Haut zu beiden Seiten des Rückens
hervorschimmert und hinter den Augen beginnend, sich bis zur Schwanz-
wurzel erstreckt. Die Körperseiten, sowie der Bauch dieses Fisches geben
einen Silberglanz, noch häufiger aber einen Messingglanz von sich, der stets
gegen die beiden vorhin erwähnten goldglänzenden Rücken-Seitenbinden
deutlich absticht.

Alle Flossen besitzen eine blassgelbe Grundfarbe, welche auf der Rük-
kenflosse, auf der After- und Schwanzflosse, sowie am Aussenrande der bei-
den Brustflossen durch schwarzes Pigment verdunkelt ist. Die Lippen, die
Basis der paarigen Flossen und der Afterflosse sind oft glänzend purpurroth
gefärbt. Diese prächtige Farbe breitet sich nicht selten von der Basis der
genannten Flossen auf dem Bauche nach vorn bis gegen die Kehle und nach
hinten bis zum Schwanzende aus, wodurch zuweilen die ganze Unterseite der
Pfrillen in purpurglänzender Farbe prangt. Diese Farbenpracht ist bei der
Pfrille nicht von der Laichzeit abhängig, die in den Monat Mai fällt, sondern
kömmt auch ausser der Laichzeit sowohl bei männlichen wie weiblichen In-
dividuen zum Vorschein, wovon ich mich mitten im Winter, im Januar über-
zeugt habe. Die Laichzeit verräth sich bei beiden Geschlechtern durch den
bekannten Hautausschlag, der sich in Form von spitzen Höckern auf der Haut-
oberfläche des Scheitels ausbreitet. Eine solche am Kopfe bedornte, brün-
stige Pfrille hat Meidinger 1) als Cyprinus aphya abgebildet. Ausserdem er-
scheinen zur Laichzeit sämmtliche Schuppen der männlichen und weiblichen
Pfrillen an ihrem Hinterrande mit einer einfachen Reihe sehr kleiner aber
dicht gedrängt stehender Körnchen gesäumt, auch die Innenseite der Brust-
flossen-Strahlen trägt solche Reihen dicht stehender Körnchen.

Das Vorkommen der Pfrille, welche sich meistens von kleinen Wasser-
insecten und Gewürm ernährt, ist ein sehr verbreitetes. In allen Flüssen und

1) Vergl. dessen Icones piscium Austriae. A. a. O. Dec. II. Tab. 15.
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[224/0237] Familie: Cyprinoidei. kleine schwarzkörnige Pigmentflecke mehr oder weniger getrübt. Diese schwarzen Pigmentflecke stehen oft so dicht, dass sie verschiedene Zeich- nungen darstellen; am häufigsten macht sich auf der Mittellinie des Rückens ein schwarzer Längsstreif bemerklich, der vom Nacken bis zur Schwanz- flosse verläuft, zuweilen durch Unterbrechungen nur einzelne Flecke dar- stellt oder fast ganz erloschen ist. Auf dem übrigen Rücken der Pfrille kann durch stärkere Entwicklung jener Pigmentflecke eine schwarze Marmorirung hervortreten. Bei sehr vielen Individuen sind auch die Seiten des Leibes mehr oder weniger schwarz pigmentirt; entweder tritt diese Pigmentirung gleichmässig verbreitet auf oder sie stellt eine breite Fleckenbinde dar, deren Flecke nicht selten zu einer ununterbrochenen schwarzen Seitenbinde ver- flossen sein können. Sehr charakteristisch für die Pfrille ist ein goldglänzen- der Längsstreif, welcher aus der Tiefe der Haut zu beiden Seiten des Rückens hervorschimmert und hinter den Augen beginnend, sich bis zur Schwanz- wurzel erstreckt. Die Körperseiten, sowie der Bauch dieses Fisches geben einen Silberglanz, noch häufiger aber einen Messingglanz von sich, der stets gegen die beiden vorhin erwähnten goldglänzenden Rücken-Seitenbinden deutlich absticht. Alle Flossen besitzen eine blassgelbe Grundfarbe, welche auf der Rük- kenflosse, auf der After- und Schwanzflosse, sowie am Aussenrande der bei- den Brustflossen durch schwarzes Pigment verdunkelt ist. Die Lippen, die Basis der paarigen Flossen und der Afterflosse sind oft glänzend purpurroth gefärbt. Diese prächtige Farbe breitet sich nicht selten von der Basis der genannten Flossen auf dem Bauche nach vorn bis gegen die Kehle und nach hinten bis zum Schwanzende aus, wodurch zuweilen die ganze Unterseite der Pfrillen in purpurglänzender Farbe prangt. Diese Farbenpracht ist bei der Pfrille nicht von der Laichzeit abhängig, die in den Monat Mai fällt, sondern kömmt auch ausser der Laichzeit sowohl bei männlichen wie weiblichen In- dividuen zum Vorschein, wovon ich mich mitten im Winter, im Januar über- zeugt habe. Die Laichzeit verräth sich bei beiden Geschlechtern durch den bekannten Hautausschlag, der sich in Form von spitzen Höckern auf der Haut- oberfläche des Scheitels ausbreitet. Eine solche am Kopfe bedornte, brün- stige Pfrille hat Meidinger 1) als Cyprinus aphya abgebildet. Ausserdem er- scheinen zur Laichzeit sämmtliche Schuppen der männlichen und weiblichen Pfrillen an ihrem Hinterrande mit einer einfachen Reihe sehr kleiner aber dicht gedrängt stehender Körnchen gesäumt, auch die Innenseite der Brust- flossen-Strahlen trägt solche Reihen dicht stehender Körnchen. Das Vorkommen der Pfrille, welche sich meistens von kleinen Wasser- insecten und Gewürm ernährt, ist ein sehr verbreitetes. In allen Flüssen und 1) Vergl. dessen Icones piscium Austriae. A. a. O. Dec. II. Tab. 15.

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Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 224. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/237>, abgerufen am 14.10.2019.