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Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

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Gattung: Telestes.
feststellte. Heckel hat aber diese Eintheilung später wieder aufgegeben,
wahrscheinlich weil gerade Tel. Agassizii und seine nächsten Verwandten
Tel. Savignyi und muticellus gar nicht als kleinschuppig betrachtet werden
können. Bonaparte1) sagt zwar von seiner Gattung Telestes, dass sie "squame
piccolissime
" besitze, allein weder auf der Abbildung von Tel. muticellus noch
auf der von Tel. Savignyi sieht man die Schuppen klein, geschweige winzig
klein dargestellt2). Wegen der Unhaltbarkeit dieses Gattungscharakters
sehen wir daher, dass Heckel und Kner (Nr. 13: pag. 206), indem sie Bona-
parte
's Gattung Telestes beibehielten, als diagnostisches Merkmal für diese
Gattung die "Schuppen mittelgross" angaben, indessen sind sich beide
Ichthyologen nicht consequent geblieben, denn indem sie auf diese Weise die
sehr kleinschuppigen Squalius-Arten Sq. Turskyi, microlepis, tenellus von Te-
lestes
getrennt, haben sie auf der anderen Seite diese kleinschuppigen Squa-
lien
wieder mit grossschuppigen Squalien vereinigt, so dass der von ihnen für
Squalius festgestellte Gattungscharakter (Nr. 13: pag. 180) "Schuppen ziem-
lich gross
" auf die eben genannten Squalius-Arten durchaus nicht passt. Ein
anderes Gattungsmerkmal, welches Bonaparte für seine Telestes-Gattung gel-
tend machte, nämlich ein "unterständiges Maul" haben Heckel und Kner
(Nr. 13: pag. 206) mit Stillschweigen übergangen, was ich nur billigen kann,
da die verschiedene Stellung des Maules als endständig und unterständig bei
den Cyprinoiden viel besser für Artkennzeichen als für Gattungskennzeichen
berücksichtigt zu werden verdient; es springt dies sogleich in die Augen,
wenn wir Bonaparte's Gattung Squalius betrachten, für welche als Gattungs-
charakter unter anderen ein "endständiges Maul" angegeben ist3), ob-
wohl dieses von Heckel und Kner (Nr. 13: pag. 180) beibehaltene Gattungs-
merkmal auf viele Squalius-Arten, nämlich auf Sq. Leuciscus und dessen nächste
Verwandte ganz und gar nicht anwendbar ist.

Der Strömer wird gewöhnlich in der Grösse von 5 bis 51/2 Zoll auf den
hiesigen Markt gebracht, doch sind mir auch schon 7 bis 9 Zoll lange Indivi-
duen zu Gesicht gekommen. Es wird übrigens dieser Fisch hier sehr gern
als Futter- und Köderfisch für die Salmoneer verwendet.

Die Laichzeit des Strömers fällt in die Monate März und April, um welche
Zeit sich dieser Fisch in seiner hochzeitlichen Färbung sehr schön ausnimmt.

Das Vorkommen des Strömer beschränkt sich in Bayern nur auf die
schnell fliessenden Seitenströme der Donau; ich erhielt Exemplare dieses Fi-
sches aus der Iller, dem Lech, der Amper, der Würm, der Isar, der Mangfall
und dem Inn. Auch im Oestreichischen kömmt der Strömer nach Heckel und

1) S. dessen Iconografia della Fauna italica. Tom. III. n. 115. Telestes Savignyi.
2) Ebenda. Tav. 29 (112) Fig. 3 und Tav. 32. (115.) Fig. 1.
3) Vergl. Heckel's Fische Syriens. a. a. O. pag. 1040.

Gattung: Telestes.
feststellte. Heckel hat aber diese Eintheilung später wieder aufgegeben,
wahrscheinlich weil gerade Tel. Agassizii und seine nächsten Verwandten
Tel. Savignyi und muticellus gar nicht als kleinschuppig betrachtet werden
können. Bonaparte1) sagt zwar von seiner Gattung Telestes, dass sie »squame
piccolissime
« besitze, allein weder auf der Abbildung von Tel. muticellus noch
auf der von Tel. Savignyi sieht man die Schuppen klein, geschweige winzig
klein dargestellt2). Wegen der Unhaltbarkeit dieses Gattungscharakters
sehen wir daher, dass Heckel und Kner (Nr. 13: pag. 206), indem sie Bona-
parte
’s Gattung Telestes beibehielten, als diagnostisches Merkmal für diese
Gattung die »Schuppen mittelgross« angaben, indessen sind sich beide
Ichthyologen nicht consequent geblieben, denn indem sie auf diese Weise die
sehr kleinschuppigen Squalius-Arten Sq. Turskyi, microlepis, tenellus von Te-
lestes
getrennt, haben sie auf der anderen Seite diese kleinschuppigen Squa-
lien
wieder mit grossschuppigen Squalien vereinigt, so dass der von ihnen für
Squalius festgestellte Gattungscharakter (Nr. 13: pag. 180) »Schuppen ziem-
lich gross
« auf die eben genannten Squalius-Arten durchaus nicht passt. Ein
anderes Gattungsmerkmal, welches Bonaparte für seine Telestes-Gattung gel-
tend machte, nämlich ein »unterständiges Maul« haben Heckel und Kner
(Nr. 13: pag. 206) mit Stillschweigen übergangen, was ich nur billigen kann,
da die verschiedene Stellung des Maules als endständig und unterständig bei
den Cyprinoiden viel besser für Artkennzeichen als für Gattungskennzeichen
berücksichtigt zu werden verdient; es springt dies sogleich in die Augen,
wenn wir Bonaparte’s Gattung Squalius betrachten, für welche als Gattungs-
charakter unter anderen ein »endständiges Maul« angegeben ist3), ob-
wohl dieses von Heckel und Kner (Nr. 13: pag. 180) beibehaltene Gattungs-
merkmal auf viele Squalius-Arten, nämlich auf Sq. Leuciscus und dessen nächste
Verwandte ganz und gar nicht anwendbar ist.

Der Strömer wird gewöhnlich in der Grösse von 5 bis 5½ Zoll auf den
hiesigen Markt gebracht, doch sind mir auch schon 7 bis 9 Zoll lange Indivi-
duen zu Gesicht gekommen. Es wird übrigens dieser Fisch hier sehr gern
als Futter- und Köderfisch für die Salmoneer verwendet.

Die Laichzeit des Strömers fällt in die Monate März und April, um welche
Zeit sich dieser Fisch in seiner hochzeitlichen Färbung sehr schön ausnimmt.

Das Vorkommen des Strömer beschränkt sich in Bayern nur auf die
schnell fliessenden Seitenströme der Donau; ich erhielt Exemplare dieses Fi-
sches aus der Iller, dem Lech, der Amper, der Würm, der Isar, der Mangfall
und dem Inn. Auch im Oestreichischen kömmt der Strömer nach Heckel und

1) S. dessen Iconografia della Fauna italica. Tom. III. n. 115. Telestes Savignyi.
2) Ebenda. Tav. 29 (112) Fig. 3 und Tav. 32. (115.) Fig. 1.
3) Vergl. Heckel’s Fische Syriens. a. a. O. pag. 1040.
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[215/0228] Gattung: Telestes. feststellte. Heckel hat aber diese Eintheilung später wieder aufgegeben, wahrscheinlich weil gerade Tel. Agassizii und seine nächsten Verwandten Tel. Savignyi und muticellus gar nicht als kleinschuppig betrachtet werden können. Bonaparte 1) sagt zwar von seiner Gattung Telestes, dass sie »squame piccolissime« besitze, allein weder auf der Abbildung von Tel. muticellus noch auf der von Tel. Savignyi sieht man die Schuppen klein, geschweige winzig klein dargestellt 2). Wegen der Unhaltbarkeit dieses Gattungscharakters sehen wir daher, dass Heckel und Kner (Nr. 13: pag. 206), indem sie Bona- parte’s Gattung Telestes beibehielten, als diagnostisches Merkmal für diese Gattung die »Schuppen mittelgross« angaben, indessen sind sich beide Ichthyologen nicht consequent geblieben, denn indem sie auf diese Weise die sehr kleinschuppigen Squalius-Arten Sq. Turskyi, microlepis, tenellus von Te- lestes getrennt, haben sie auf der anderen Seite diese kleinschuppigen Squa- lien wieder mit grossschuppigen Squalien vereinigt, so dass der von ihnen für Squalius festgestellte Gattungscharakter (Nr. 13: pag. 180) »Schuppen ziem- lich gross« auf die eben genannten Squalius-Arten durchaus nicht passt. Ein anderes Gattungsmerkmal, welches Bonaparte für seine Telestes-Gattung gel- tend machte, nämlich ein »unterständiges Maul« haben Heckel und Kner (Nr. 13: pag. 206) mit Stillschweigen übergangen, was ich nur billigen kann, da die verschiedene Stellung des Maules als endständig und unterständig bei den Cyprinoiden viel besser für Artkennzeichen als für Gattungskennzeichen berücksichtigt zu werden verdient; es springt dies sogleich in die Augen, wenn wir Bonaparte’s Gattung Squalius betrachten, für welche als Gattungs- charakter unter anderen ein »endständiges Maul« angegeben ist 3), ob- wohl dieses von Heckel und Kner (Nr. 13: pag. 180) beibehaltene Gattungs- merkmal auf viele Squalius-Arten, nämlich auf Sq. Leuciscus und dessen nächste Verwandte ganz und gar nicht anwendbar ist. Der Strömer wird gewöhnlich in der Grösse von 5 bis 5½ Zoll auf den hiesigen Markt gebracht, doch sind mir auch schon 7 bis 9 Zoll lange Indivi- duen zu Gesicht gekommen. Es wird übrigens dieser Fisch hier sehr gern als Futter- und Köderfisch für die Salmoneer verwendet. Die Laichzeit des Strömers fällt in die Monate März und April, um welche Zeit sich dieser Fisch in seiner hochzeitlichen Färbung sehr schön ausnimmt. Das Vorkommen des Strömer beschränkt sich in Bayern nur auf die schnell fliessenden Seitenströme der Donau; ich erhielt Exemplare dieses Fi- sches aus der Iller, dem Lech, der Amper, der Würm, der Isar, der Mangfall und dem Inn. Auch im Oestreichischen kömmt der Strömer nach Heckel und 1) S. dessen Iconografia della Fauna italica. Tom. III. n. 115. Telestes Savignyi. 2) Ebenda. Tav. 29 (112) Fig. 3 und Tav. 32. (115.) Fig. 1. 3) Vergl. Heckel’s Fische Syriens. a. a. O. pag. 1040.

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Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 215. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/228>, abgerufen am 26.05.2019.