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Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894.

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I. Abschnitt. Produktionsverhältnisse der Forstwirtschaft.

Die Grösse des sogenannten Normalvorrates 1) und ebenso jene
der Naturalrente hängt in der Hauptsache von den 3 Faktoren: Holzart,
Betriebsart und Umtriebszeit, sowie von den Standortsverhältnissen ab.

Es beträgt nach den Ermittelungen des Verfassers 2) der Wert des
Normalvorrates bei 120 jährigem Umtrieb

[Tabelle]

Bezüglich der thatsächlichen Bestandswerte im grossen Betriebe geben
die eben bereits benutzten Erhebungen in den sächsischen Staatsforsten
Aufschluss. Hiernach schwankt der Bestandswert pro ha zwischen
924 Mk. (Forstbezirk Moritzburg) und 1895 Mk. (Forstbezirk Bärenfels
und Marienburg).

Ob der Holzvorrat als fixes oder als flüssiges Kapital aufzu-
fassen sei, ist eine viel erörterte Streitfrage. Wo noch kein Wald vor-
handen ist, bildet sich das Holzkapital durch allmähliche Ansammlung
und Fixierung des umlaufenden Kapitales und der Nutzungen desselben
sowie des Bodenkapitales.

Solange der Wald als solcher überhaupt und in dem angenommenen
Umtrieb behandelt wird, ist der Holzvorrat entschieden ein fixes Kapital;
wird aber der Wald ganz abgetrieben oder dessen Umtrieb verkürzt,
so bildet der Holzvorrat oder der Vorratsüberschuss über den zur kür-
zeren Umtriebszeit gehörigen Normalvorrat ein umlaufendes Kapital.
Der Unterschied zwischen fixem und flüssigem Kapital liegt auch hier
nicht im Charakter des Objektes, sondern in dessen wirtschaftlicher Be-
stimmung. (Helferich.)

Eine Eigentümlichkeit des Holzkapitals besteht darin, dass die älte-
ren Bestandsglieder besonders leicht und ohne Wertsminderung aus
fixem Kapital in flüssiges Kapital übergeführt werden können. Es ist
deswegen bei Beurteilung der Ergebnisse eines forstlichen Betriebes
nicht ohne weiteres möglich anzugeben, ob diese nur die Nutzungen
des Kapitales oder nicht auch zugleich einen Teil des Kapitales selbst
enthalten.


1) Der Normalvorrat ist der Holzvorrat in einem Walde mit normalem Alters-
klassenverhältnis und Zuwachs. In der einfachsten Form lässt er sich in folgender
Weise darstellen: Wenn der älteste Bestand jeweils u Jahre alt werden soll, ehe er
abgetrieben wird (u-jähriger Umtrieb), so müssen u ha Holzbestand von 1 -- u-
jährigem Alter mit normalem Zuwachs vorhanden sein.
2) Vgl. die Zahlen in meinen Untersuchungen über Wachstum und Ertrag
normaler Kiefernbestände, normaler Fichtenbestände und normaler Rotbuchenbestände,
Die Zahlen der Gelderträge für Kiefer und Fichte sind um 20 % reduziert. Vgl.
meine diesbezügliche Bemerkungen in "Wachstum und Ertrag normaler Rotbuchen-
bestände", S. 103.
I. Abschnitt. Produktionsverhältnisse der Forstwirtschaft.

Die Gröſse des sogenannten Normalvorrates 1) und ebenso jene
der Naturalrente hängt in der Hauptsache von den 3 Faktoren: Holzart,
Betriebsart und Umtriebszeit, sowie von den Standortsverhältnissen ab.

Es beträgt nach den Ermittelungen des Verfassers 2) der Wert des
Normalvorrates bei 120 jährigem Umtrieb

[Tabelle]

Bezüglich der thatsächlichen Bestandswerte im groſsen Betriebe geben
die eben bereits benutzten Erhebungen in den sächsischen Staatsforsten
Aufschluſs. Hiernach schwankt der Bestandswert pro ha zwischen
924 Mk. (Forstbezirk Moritzburg) und 1895 Mk. (Forstbezirk Bärenfels
und Marienburg).

Ob der Holzvorrat als fixes oder als flüssiges Kapital aufzu-
fassen sei, ist eine viel erörterte Streitfrage. Wo noch kein Wald vor-
handen ist, bildet sich das Holzkapital durch allmähliche Ansammlung
und Fixierung des umlaufenden Kapitales und der Nutzungen desselben
sowie des Bodenkapitales.

Solange der Wald als solcher überhaupt und in dem angenommenen
Umtrieb behandelt wird, ist der Holzvorrat entschieden ein fixes Kapital;
wird aber der Wald ganz abgetrieben oder dessen Umtrieb verkürzt,
so bildet der Holzvorrat oder der Vorratsüberschuſs über den zur kür-
zeren Umtriebszeit gehörigen Normalvorrat ein umlaufendes Kapital.
Der Unterschied zwischen fixem und flüssigem Kapital liegt auch hier
nicht im Charakter des Objektes, sondern in dessen wirtschaftlicher Be-
stimmung. (Helferich.)

Eine Eigentümlichkeit des Holzkapitals besteht darin, daſs die älte-
ren Bestandsglieder besonders leicht und ohne Wertsminderung aus
fixem Kapital in flüssiges Kapital übergeführt werden können. Es ist
deswegen bei Beurteilung der Ergebnisse eines forstlichen Betriebes
nicht ohne weiteres möglich anzugeben, ob diese nur die Nutzungen
des Kapitales oder nicht auch zugleich einen Teil des Kapitales selbst
enthalten.


1) Der Normalvorrat ist der Holzvorrat in einem Walde mit normalem Alters-
klassenverhältnis und Zuwachs. In der einfachsten Form läſst er sich in folgender
Weise darstellen: Wenn der älteste Bestand jeweils u Jahre alt werden soll, ehe er
abgetrieben wird (u-jähriger Umtrieb), so müssen u ha Holzbestand von 1 — u-
jährigem Alter mit normalem Zuwachs vorhanden sein.
2) Vgl. die Zahlen in meinen Untersuchungen über Wachstum und Ertrag
normaler Kiefernbestände, normaler Fichtenbestände und normaler Rotbuchenbestände,
Die Zahlen der Gelderträge für Kiefer und Fichte sind um 20 % reduziert. Vgl.
meine diesbezügliche Bemerkungen in „Wachstum und Ertrag normaler Rotbuchen-
bestände“, S. 103.
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[13/0031] I. Abschnitt. Produktionsverhältnisse der Forstwirtschaft. Die Gröſse des sogenannten Normalvorrates 1) und ebenso jene der Naturalrente hängt in der Hauptsache von den 3 Faktoren: Holzart, Betriebsart und Umtriebszeit, sowie von den Standortsverhältnissen ab. Es beträgt nach den Ermittelungen des Verfassers 2) der Wert des Normalvorrates bei 120 jährigem Umtrieb Bezüglich der thatsächlichen Bestandswerte im groſsen Betriebe geben die eben bereits benutzten Erhebungen in den sächsischen Staatsforsten Aufschluſs. Hiernach schwankt der Bestandswert pro ha zwischen 924 Mk. (Forstbezirk Moritzburg) und 1895 Mk. (Forstbezirk Bärenfels und Marienburg). Ob der Holzvorrat als fixes oder als flüssiges Kapital aufzu- fassen sei, ist eine viel erörterte Streitfrage. Wo noch kein Wald vor- handen ist, bildet sich das Holzkapital durch allmähliche Ansammlung und Fixierung des umlaufenden Kapitales und der Nutzungen desselben sowie des Bodenkapitales. Solange der Wald als solcher überhaupt und in dem angenommenen Umtrieb behandelt wird, ist der Holzvorrat entschieden ein fixes Kapital; wird aber der Wald ganz abgetrieben oder dessen Umtrieb verkürzt, so bildet der Holzvorrat oder der Vorratsüberschuſs über den zur kür- zeren Umtriebszeit gehörigen Normalvorrat ein umlaufendes Kapital. Der Unterschied zwischen fixem und flüssigem Kapital liegt auch hier nicht im Charakter des Objektes, sondern in dessen wirtschaftlicher Be- stimmung. (Helferich.) Eine Eigentümlichkeit des Holzkapitals besteht darin, daſs die älte- ren Bestandsglieder besonders leicht und ohne Wertsminderung aus fixem Kapital in flüssiges Kapital übergeführt werden können. Es ist deswegen bei Beurteilung der Ergebnisse eines forstlichen Betriebes nicht ohne weiteres möglich anzugeben, ob diese nur die Nutzungen des Kapitales oder nicht auch zugleich einen Teil des Kapitales selbst enthalten. 1) Der Normalvorrat ist der Holzvorrat in einem Walde mit normalem Alters- klassenverhältnis und Zuwachs. In der einfachsten Form läſst er sich in folgender Weise darstellen: Wenn der älteste Bestand jeweils u Jahre alt werden soll, ehe er abgetrieben wird (u-jähriger Umtrieb), so müssen u ha Holzbestand von 1 — u- jährigem Alter mit normalem Zuwachs vorhanden sein. 2) Vgl. die Zahlen in meinen Untersuchungen über Wachstum und Ertrag normaler Kiefernbestände, normaler Fichtenbestände und normaler Rotbuchenbestände, Die Zahlen der Gelderträge für Kiefer und Fichte sind um 20 % reduziert. Vgl. meine diesbezügliche Bemerkungen in „Wachstum und Ertrag normaler Rotbuchen- bestände“, S. 103.

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Zitationshilfe: Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894, S. 13. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwappach_forstpolitik_1894/31>, abgerufen am 23.10.2019.