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Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894.

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A. Erster (allgemeiner) Teil.

Gute Belege in dieser Hinsicht bieten die ortsüblichen Ankaufs-
preise für Waldboden.

In Preussen wurden nach dem Berichte des Landwirtschaftsministers
über Preussens landwirtschaftliche Verwaltung in den Jahren 1884--1887
bei einem Ankauf an circa 25000 ha durchschnittlich pro ha 218 Mk.
bezahlt (Minimum 48 Mk. im Regierungsbezirk Bromberg, Maximum
333 Mk. in der Provinz Schleswig-Holstein). Dieser Durchschnitt enthält
übrigens auch den Preis geringer Bestände und von Gebäuden, welche
gelegentlich mit gekauft wurden. Bei den neueren Ankäufen in Ost-
preussen stellt sich der Preis pro ha teilweise sogar nur auf 30 Mk.

Besserer Ackerboden kostet dagegen in der Mark 1000--1600 Mk.
pro ha.

Wimmenauer gibt (in der Allgem. Forst- und Jagdzeitung 1891
S. 261) als durchschnittliche ortsübliche Ankaufspreise pro ha Waldboden
in Hessen an: 300 Mk. (Vogelsberg), 400 Mk. (Odenwald), 450 Mk.
(Rhein-Mainebene).

In Thüringen werden nach Stötzer (Waldwertrechnung u. s. w.
S. 71) Waldbodenwerte von 200--600 Mk. und selbst 800 Mk. für 1 ha
angelegt. Hier sind allerdings die Holzpreise und Forsterträge meist
hoch und ebenso die Werte des landwirtschaftlich benutzten Bodens nicht
gerade niedrig.

Nach den neuesten sächsischen Ermittelungen schwankt der Boden-
wert in den Staatswaldungen pro ha zwischen 153 Mk. (Forstbezirk
Dresden) und 486 Mk. (Forstbezirk Grimma).

Während die Forstwirtschaft nur ein verhältnismässig kleines Boden-
kapital erfordert, braucht sie gegenüber der Landwirtschaft ein erheb-
lich grösseres Betriebskapital in dem Holzvorrat.

Bei der Landwirtschaft lässt sich die jährliche Crescenz unmittelbar
nutzen, die Forstwirtschaft gestattet dieses nicht, sondern erfordert, um
jährlich eine gleichgrosse, nachhaltige Rente zu erzielen, das Vorhanden-
sein eines Holzkapitals von einer gewissen Grösse, welches erst durch
Anhäufung vieler Jahreszuwachse in einer bestimmten Flächengruppierung
gebildet werden muss. Der jeweilige Holzertrag eines Waldes hängt
fast allein von dem gegenwärtigen Vorrat an nutzbarem und aus frühe-
ren Jahren herstammendem Zuwachs ab, dagegen entscheidet der fort-
währende jährliche Zuwachs über die späteren Holznutzungen und deren
nachhaltigen Fortbezug.

Die Holzernte wird alsdann durch die Abnutzung des jeweils älte-
sten Bestandes (wenigstens im sogenannten Normalwald), mithin in
anderer Form entnommen, als die faktische Jahresmehrung, welcher
sie aber in Bezug auf Grösse gleichkommt, und wird durch den Holz-
zuwachs des der Ernte folgenden Jahres immer wieder aufs neue
ersetzt.


A. Erster (allgemeiner) Teil.

Gute Belege in dieser Hinsicht bieten die ortsüblichen Ankaufs-
preise für Waldboden.

In Preuſsen wurden nach dem Berichte des Landwirtschaftsministers
über Preuſsens landwirtschaftliche Verwaltung in den Jahren 1884—1887
bei einem Ankauf an circa 25000 ha durchschnittlich pro ha 218 Mk.
bezahlt (Minimum 48 Mk. im Regierungsbezirk Bromberg, Maximum
333 Mk. in der Provinz Schleswig-Holstein). Dieser Durchschnitt enthält
übrigens auch den Preis geringer Bestände und von Gebäuden, welche
gelegentlich mit gekauft wurden. Bei den neueren Ankäufen in Ost-
preuſsen stellt sich der Preis pro ha teilweise sogar nur auf 30 Mk.

Besserer Ackerboden kostet dagegen in der Mark 1000—1600 Mk.
pro ha.

Wimmenauer gibt (in der Allgem. Forst- und Jagdzeitung 1891
S. 261) als durchschnittliche ortsübliche Ankaufspreise pro ha Waldboden
in Hessen an: 300 Mk. (Vogelsberg), 400 Mk. (Odenwald), 450 Mk.
(Rhein-Mainebene).

In Thüringen werden nach Stötzer (Waldwertrechnung u. s. w.
S. 71) Waldbodenwerte von 200—600 Mk. und selbst 800 Mk. für 1 ha
angelegt. Hier sind allerdings die Holzpreise und Forsterträge meist
hoch und ebenso die Werte des landwirtschaftlich benutzten Bodens nicht
gerade niedrig.

Nach den neuesten sächsischen Ermittelungen schwankt der Boden-
wert in den Staatswaldungen pro ha zwischen 153 Mk. (Forstbezirk
Dresden) und 486 Mk. (Forstbezirk Grimma).

Während die Forstwirtschaft nur ein verhältnismäſsig kleines Boden-
kapital erfordert, braucht sie gegenüber der Landwirtschaft ein erheb-
lich gröſseres Betriebskapital in dem Holzvorrat.

Bei der Landwirtschaft läſst sich die jährliche Crescenz unmittelbar
nutzen, die Forstwirtschaft gestattet dieses nicht, sondern erfordert, um
jährlich eine gleichgroſse, nachhaltige Rente zu erzielen, das Vorhanden-
sein eines Holzkapitals von einer gewissen Gröſse, welches erst durch
Anhäufung vieler Jahreszuwachse in einer bestimmten Flächengruppierung
gebildet werden muſs. Der jeweilige Holzertrag eines Waldes hängt
fast allein von dem gegenwärtigen Vorrat an nutzbarem und aus frühe-
ren Jahren herstammendem Zuwachs ab, dagegen entscheidet der fort-
währende jährliche Zuwachs über die späteren Holznutzungen und deren
nachhaltigen Fortbezug.

Die Holzernte wird alsdann durch die Abnutzung des jeweils älte-
sten Bestandes (wenigstens im sogenannten Normalwald), mithin in
anderer Form entnommen, als die faktische Jahresmehrung, welcher
sie aber in Bezug auf Gröſse gleichkommt, und wird durch den Holz-
zuwachs des der Ernte folgenden Jahres immer wieder aufs neue
ersetzt.


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[12/0030] A. Erster (allgemeiner) Teil. Gute Belege in dieser Hinsicht bieten die ortsüblichen Ankaufs- preise für Waldboden. In Preuſsen wurden nach dem Berichte des Landwirtschaftsministers über Preuſsens landwirtschaftliche Verwaltung in den Jahren 1884—1887 bei einem Ankauf an circa 25000 ha durchschnittlich pro ha 218 Mk. bezahlt (Minimum 48 Mk. im Regierungsbezirk Bromberg, Maximum 333 Mk. in der Provinz Schleswig-Holstein). Dieser Durchschnitt enthält übrigens auch den Preis geringer Bestände und von Gebäuden, welche gelegentlich mit gekauft wurden. Bei den neueren Ankäufen in Ost- preuſsen stellt sich der Preis pro ha teilweise sogar nur auf 30 Mk. Besserer Ackerboden kostet dagegen in der Mark 1000—1600 Mk. pro ha. Wimmenauer gibt (in der Allgem. Forst- und Jagdzeitung 1891 S. 261) als durchschnittliche ortsübliche Ankaufspreise pro ha Waldboden in Hessen an: 300 Mk. (Vogelsberg), 400 Mk. (Odenwald), 450 Mk. (Rhein-Mainebene). In Thüringen werden nach Stötzer (Waldwertrechnung u. s. w. S. 71) Waldbodenwerte von 200—600 Mk. und selbst 800 Mk. für 1 ha angelegt. Hier sind allerdings die Holzpreise und Forsterträge meist hoch und ebenso die Werte des landwirtschaftlich benutzten Bodens nicht gerade niedrig. Nach den neuesten sächsischen Ermittelungen schwankt der Boden- wert in den Staatswaldungen pro ha zwischen 153 Mk. (Forstbezirk Dresden) und 486 Mk. (Forstbezirk Grimma). Während die Forstwirtschaft nur ein verhältnismäſsig kleines Boden- kapital erfordert, braucht sie gegenüber der Landwirtschaft ein erheb- lich gröſseres Betriebskapital in dem Holzvorrat. Bei der Landwirtschaft läſst sich die jährliche Crescenz unmittelbar nutzen, die Forstwirtschaft gestattet dieses nicht, sondern erfordert, um jährlich eine gleichgroſse, nachhaltige Rente zu erzielen, das Vorhanden- sein eines Holzkapitals von einer gewissen Gröſse, welches erst durch Anhäufung vieler Jahreszuwachse in einer bestimmten Flächengruppierung gebildet werden muſs. Der jeweilige Holzertrag eines Waldes hängt fast allein von dem gegenwärtigen Vorrat an nutzbarem und aus frühe- ren Jahren herstammendem Zuwachs ab, dagegen entscheidet der fort- währende jährliche Zuwachs über die späteren Holznutzungen und deren nachhaltigen Fortbezug. Die Holzernte wird alsdann durch die Abnutzung des jeweils älte- sten Bestandes (wenigstens im sogenannten Normalwald), mithin in anderer Form entnommen, als die faktische Jahresmehrung, welcher sie aber in Bezug auf Gröſse gleichkommt, und wird durch den Holz- zuwachs des der Ernte folgenden Jahres immer wieder aufs neue ersetzt.

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Zitationshilfe: Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwappach_forstpolitik_1894/30>, abgerufen am 22.05.2019.