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Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894.

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A. Erster (allgemeiner) Teil.

Während aber die letztgenannten Faktoren überall in genügender
und annähernd gleicher Menge vorhanden sind, zeigt die Standortsgüte
ausserordentliche Verschiedenheiten.

Selbst wenn man nur die Verhältnisse der gemässigten Zone be-
rücksichtigt, so wird die Forstwirtschaft betrieben von den Grenzen des
ewigen Schnees im Hochgebirge bis zur Küste des Ozeans und von
der sterilen Flugsandscholle im Steppengebiete bis zum besten Weizen-
boden im milden Klima, wo bereits Wein und Oelbaum gedeihen.

Die Forstwirtschaft erhebt weniger Ansprüche an die Standortsgüte
als die meisten Zweige der Landwirtschaft und muss sich daher im
allgemeinen mit dem rauheren Klima, dem ärmeren Boden und den
steileren Lagen begnügen. Nur die Weidewirtschaft steht ihr in
dieser Beziehung gleich und übertrifft sie teilweise sogar noch (Alpen-
wirtschaft!), weshalb es öfters zweifelhaft ist, ob Weidewirtschaft oder
Holzzucht in einem gegebenen Falle vorzuziehen ist. Technisch möglich
sind meist beide Formen, die Entscheidung muss im Einzelfall nach den
hier nicht weiter zu erörternden finanziellen und allgemeinen volkswirt-
schaftlichen Rücksichten getroffen werden.

Ein prinzipieller und volkswirtschaftlich sehr wichtiger Unterschied
zwischen Land- und Forstwirtschaft besteht darin, dass erstere mit
Hilfe der Naturkräfte hauptsächlich die unmittelbar zur Ernährung des
Menschen und der Tiere verwendbaren Stoffe: Stärkemehl, Zucker,
Proteinstoffe und Fleisch erzeugt, während die Forstwirtschaft in erster
Linie Cellulose und deren Umwandlungsstoffe liefert, nur einzelne forst-
liche Betriebe produzieren vorwiegend Gerbstoffe und Harz.

Die Anspruchslosigkeit der Forstwirtschaft bezüglich des Standortes
tritt namentlich hinsichtlich der Anforderungen an die wichtigsten mine-
ralischen Pflanzennährstoffe: Kali und Phosphorsäure hervor.

Die Waldbäume haben einen geringeren Aschengehalt als die land-
wirtschaftlichen Kulturgewächse und liefern deshalb mit der gleichen
Menge mineralischer Nährstoffe eine viel grössere Menge organischer
Substanz als diese 1).

Der Forstbetrieb kann daher auf Böden stattfinden, welche aus
Mangel an genügenden mineralischen Nährstoffen für landwirtschaftliche
Zwecke ungeeignet oder durch Raubbau in ihrer Fruchtbarkeit zu sehr
geschwächt sind, um noch landwirtschaftliche Ernten hervorzubringen.

Die Waldbäume haben ferner die Fähigkeit, durch ihre tiefgehen-

1) Ein Kartoffelfeld bedarf zu einer mittleren Ernte pro ha an Phosphorsäure
3 mal mehr als der Buchenwald, 5 mal mehr als der Fichtenwald und 9 mal mehr
als der Kiefernwald zur jährlichen Produktion, während der jährliche Kalibedarf des
Kartoffelfeldes das 9 fache, 13 fache und 17 fache von dem des Buchen-, Fichten-
und Kiefernbestandes ist.
Nähere Angaben über den Bedarf der Waldbäume an mineralischen Nährstoffen
finden sich bei: Weber in Loreys Handbuch I1, S. 62 ff.
A. Erster (allgemeiner) Teil.

Während aber die letztgenannten Faktoren überall in genügender
und annähernd gleicher Menge vorhanden sind, zeigt die Standortsgüte
auſserordentliche Verschiedenheiten.

Selbst wenn man nur die Verhältnisse der gemäſsigten Zone be-
rücksichtigt, so wird die Forstwirtschaft betrieben von den Grenzen des
ewigen Schnees im Hochgebirge bis zur Küste des Ozeans und von
der sterilen Flugsandscholle im Steppengebiete bis zum besten Weizen-
boden im milden Klima, wo bereits Wein und Oelbaum gedeihen.

Die Forstwirtschaft erhebt weniger Ansprüche an die Standortsgüte
als die meisten Zweige der Landwirtschaft und muſs sich daher im
allgemeinen mit dem rauheren Klima, dem ärmeren Boden und den
steileren Lagen begnügen. Nur die Weidewirtschaft steht ihr in
dieser Beziehung gleich und übertrifft sie teilweise sogar noch (Alpen-
wirtschaft!), weshalb es öfters zweifelhaft ist, ob Weidewirtschaft oder
Holzzucht in einem gegebenen Falle vorzuziehen ist. Technisch möglich
sind meist beide Formen, die Entscheidung muſs im Einzelfall nach den
hier nicht weiter zu erörternden finanziellen und allgemeinen volkswirt-
schaftlichen Rücksichten getroffen werden.

Ein prinzipieller und volkswirtschaftlich sehr wichtiger Unterschied
zwischen Land- und Forstwirtschaft besteht darin, daſs erstere mit
Hilfe der Naturkräfte hauptsächlich die unmittelbar zur Ernährung des
Menschen und der Tiere verwendbaren Stoffe: Stärkemehl, Zucker,
Proteïnstoffe und Fleisch erzeugt, während die Forstwirtschaft in erster
Linie Cellulose und deren Umwandlungsstoffe liefert, nur einzelne forst-
liche Betriebe produzieren vorwiegend Gerbstoffe und Harz.

Die Anspruchslosigkeit der Forstwirtschaft bezüglich des Standortes
tritt namentlich hinsichtlich der Anforderungen an die wichtigsten mine-
ralischen Pflanzennährstoffe: Kali und Phosphorsäure hervor.

Die Waldbäume haben einen geringeren Aschengehalt als die land-
wirtschaftlichen Kulturgewächse und liefern deshalb mit der gleichen
Menge mineralischer Nährstoffe eine viel gröſsere Menge organischer
Substanz als diese 1).

Der Forstbetrieb kann daher auf Böden stattfinden, welche aus
Mangel an genügenden mineralischen Nährstoffen für landwirtschaftliche
Zwecke ungeeignet oder durch Raubbau in ihrer Fruchtbarkeit zu sehr
geschwächt sind, um noch landwirtschaftliche Ernten hervorzubringen.

Die Waldbäume haben ferner die Fähigkeit, durch ihre tiefgehen-

1) Ein Kartoffelfeld bedarf zu einer mittleren Ernte pro ha an Phosphorsäure
3 mal mehr als der Buchenwald, 5 mal mehr als der Fichtenwald und 9 mal mehr
als der Kiefernwald zur jährlichen Produktion, während der jährliche Kalibedarf des
Kartoffelfeldes das 9 fache, 13 fache und 17 fache von dem des Buchen-, Fichten-
und Kiefernbestandes ist.
Nähere Angaben über den Bedarf der Waldbäume an mineralischen Nährstoffen
finden sich bei: Weber in Loreys Handbuch I1, S. 62 ff.
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[8/0026] A. Erster (allgemeiner) Teil. Während aber die letztgenannten Faktoren überall in genügender und annähernd gleicher Menge vorhanden sind, zeigt die Standortsgüte auſserordentliche Verschiedenheiten. Selbst wenn man nur die Verhältnisse der gemäſsigten Zone be- rücksichtigt, so wird die Forstwirtschaft betrieben von den Grenzen des ewigen Schnees im Hochgebirge bis zur Küste des Ozeans und von der sterilen Flugsandscholle im Steppengebiete bis zum besten Weizen- boden im milden Klima, wo bereits Wein und Oelbaum gedeihen. Die Forstwirtschaft erhebt weniger Ansprüche an die Standortsgüte als die meisten Zweige der Landwirtschaft und muſs sich daher im allgemeinen mit dem rauheren Klima, dem ärmeren Boden und den steileren Lagen begnügen. Nur die Weidewirtschaft steht ihr in dieser Beziehung gleich und übertrifft sie teilweise sogar noch (Alpen- wirtschaft!), weshalb es öfters zweifelhaft ist, ob Weidewirtschaft oder Holzzucht in einem gegebenen Falle vorzuziehen ist. Technisch möglich sind meist beide Formen, die Entscheidung muſs im Einzelfall nach den hier nicht weiter zu erörternden finanziellen und allgemeinen volkswirt- schaftlichen Rücksichten getroffen werden. Ein prinzipieller und volkswirtschaftlich sehr wichtiger Unterschied zwischen Land- und Forstwirtschaft besteht darin, daſs erstere mit Hilfe der Naturkräfte hauptsächlich die unmittelbar zur Ernährung des Menschen und der Tiere verwendbaren Stoffe: Stärkemehl, Zucker, Proteïnstoffe und Fleisch erzeugt, während die Forstwirtschaft in erster Linie Cellulose und deren Umwandlungsstoffe liefert, nur einzelne forst- liche Betriebe produzieren vorwiegend Gerbstoffe und Harz. Die Anspruchslosigkeit der Forstwirtschaft bezüglich des Standortes tritt namentlich hinsichtlich der Anforderungen an die wichtigsten mine- ralischen Pflanzennährstoffe: Kali und Phosphorsäure hervor. Die Waldbäume haben einen geringeren Aschengehalt als die land- wirtschaftlichen Kulturgewächse und liefern deshalb mit der gleichen Menge mineralischer Nährstoffe eine viel gröſsere Menge organischer Substanz als diese 1). Der Forstbetrieb kann daher auf Böden stattfinden, welche aus Mangel an genügenden mineralischen Nährstoffen für landwirtschaftliche Zwecke ungeeignet oder durch Raubbau in ihrer Fruchtbarkeit zu sehr geschwächt sind, um noch landwirtschaftliche Ernten hervorzubringen. Die Waldbäume haben ferner die Fähigkeit, durch ihre tiefgehen- 1) Ein Kartoffelfeld bedarf zu einer mittleren Ernte pro ha an Phosphorsäure 3 mal mehr als der Buchenwald, 5 mal mehr als der Fichtenwald und 9 mal mehr als der Kiefernwald zur jährlichen Produktion, während der jährliche Kalibedarf des Kartoffelfeldes das 9 fache, 13 fache und 17 fache von dem des Buchen-, Fichten- und Kiefernbestandes ist. Nähere Angaben über den Bedarf der Waldbäume an mineralischen Nährstoffen finden sich bei: Weber in Loreys Handbuch I1, S. 62 ff.

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Zitationshilfe: Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwappach_forstpolitik_1894/26>, abgerufen am 19.09.2019.