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Schopenhauer, Johanna: Johann van Eyck und seine Nachfolger. Bd. 1. Frankfurt (Main), 1822.

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zu Kräften gelangte. Doch während dem waren
auch die fröhlichen Faschingstage vorübergezogen,
man bedurfte der Bildchen vor der Hand nicht
weiter, und Quyntin mußte sich wieder, wenn
gleich mit schwerem Herzen, dem Ambose zuwenden,
und der weit liebern Beschäftigung entsagen, zu
der bittre Noth ihn geführt hatte.

Er lebte und hämmerte nun wieder eine Weile
so fort, im dumpfbeklemmenden sehnsüchtigen Ge-
fühl, das so oft den Frühling talentreicher Jüng-
linge umdüstert, die ohne Mittel und Wege dazu
zu entdecken, dennoch den Trieb zum Höheren
dringend in sich empfinden. Doch endlich ging ein
heller Stern seinem Leben auf, der ihm wirklich
der rechten Bahn zuleuchtete.

Dieser Stern stralte in dem Auge eines sehr
schönen Mädchens, und dem armen Schmiedejungen
gerade ins Herz. Das hübsche Kind war nicht von
so hohem Stande, daß Quyntin sich ihr nicht hätte
nahen dürfen, es schien ihm auch sogar, als ob er
nicht ungern würde gesehen werden, wenn nur
nicht seine schmutzige Arbeitsjacke, seine vom Führen


zu Kräften gelangte. Doch während dem waren
auch die fröhlichen Faſchingstage vorübergezogen,
man bedurfte der Bildchen vor der Hand nicht
weiter, und Quyntin mußte ſich wieder, wenn
gleich mit ſchwerem Herzen, dem Amboſe zuwenden,
und der weit liebern Beſchäftigung entſagen, zu
der bittre Noth ihn geführt hatte.

Er lebte und hämmerte nun wieder eine Weile
ſo fort, im dumpfbeklemmenden ſehnſüchtigen Ge-
fühl, das ſo oft den Frühling talentreicher Jüng-
linge umdüſtert, die ohne Mittel und Wege dazu
zu entdecken, dennoch den Trieb zum Höheren
dringend in ſich empfinden. Doch endlich ging ein
heller Stern ſeinem Leben auf, der ihm wirklich
der rechten Bahn zuleuchtete.

Dieſer Stern ſtralte in dem Auge eines ſehr
ſchönen Mädchens, und dem armen Schmiedejungen
gerade ins Herz. Das hübſche Kind war nicht von
ſo hohem Stande, daß Quyntin ſich ihr nicht hätte
nahen dürfen, es ſchien ihm auch ſogar, als ob er
nicht ungern würde geſehen werden, wenn nur
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[198/0210] zu Kräften gelangte. Doch während dem waren auch die fröhlichen Faſchingstage vorübergezogen, man bedurfte der Bildchen vor der Hand nicht weiter, und Quyntin mußte ſich wieder, wenn gleich mit ſchwerem Herzen, dem Amboſe zuwenden, und der weit liebern Beſchäftigung entſagen, zu der bittre Noth ihn geführt hatte. Er lebte und hämmerte nun wieder eine Weile ſo fort, im dumpfbeklemmenden ſehnſüchtigen Ge- fühl, das ſo oft den Frühling talentreicher Jüng- linge umdüſtert, die ohne Mittel und Wege dazu zu entdecken, dennoch den Trieb zum Höheren dringend in ſich empfinden. Doch endlich ging ein heller Stern ſeinem Leben auf, der ihm wirklich der rechten Bahn zuleuchtete. Dieſer Stern ſtralte in dem Auge eines ſehr ſchönen Mädchens, und dem armen Schmiedejungen gerade ins Herz. Das hübſche Kind war nicht von ſo hohem Stande, daß Quyntin ſich ihr nicht hätte nahen dürfen, es ſchien ihm auch ſogar, als ob er nicht ungern würde geſehen werden, wenn nur nicht ſeine ſchmutzige Arbeitsjacke, ſeine vom Führen

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Zitationshilfe: Schopenhauer, Johanna: Johann van Eyck und seine Nachfolger. Bd. 1. Frankfurt (Main), 1822, S. 198. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schopenhauer_eyck01_1822/210>, abgerufen am 15.08.2020.