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Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Bd. 1. Leipzig, 1900.

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Die Zunahme der städtischen Bevölkerung.

Eine genauere Statistik, wie sich die gesamte Bevölkerung nach der abgestuften
Größe der Wohnorte verteile, ist nur vereinzelt, z. B. in Österreich 1880, erhoben. Ich
teile aus dieser Statistik folgendes mit: Es lebten in Ortschaften bis 500 Einwohner
von je 1000 Menschen 322,7 (in Kärnten 767, in Oberösterreich 690, in Niederöster-
reich 238), in solchen von 500--1000 Einwohner 205,6, in solchen von 1000--2000
175,4, in solchen von 2000--5000 127,1, in solchen von 5000--10000 41,2, in solchen
von über 10000 128,0. In Deutschland hat die Reichsstatistik seit 1871 1. Großstädte
mit über 100000, 2. Mittelstädte mit 20--100000, 3. Kleinstädte mit 5--20000,
4. Landstädte mit 2--5000 und 5. plattes Land unter 2000 Seelen unterschieden. Die
Ergebnisse stellten sich:

[Tabelle]
Man hat hauptsächlich die Wirkung der Eisenbahnen 1867--80 auf diese Größenklassen
untersucht und fand, daß die Groß- und Mittelstädte alle solche Verbindung hatten und
um 2,9 und 2,4 %, von den Kleinstädten die mit Bahn um 1,4--1,8 %, die ohne Bahn
um 2,8 %, die Landstädte mit und ohne Bahn etwa gleich 1 % zunahmen. Eine ältere
preußische Berechnung für 1840--55 hatte ergeben, daß der Staat um 14,4, das Land
um 12,1, die Städte unter 30000 Seelen um 19,6, die darüber um 32,4 % zu-
genommen hatten.

Die Großstädte mit über 100000 Seelen betrugen 1880 in den Vereinigten
Staaten 12,2, in Frankreich 10, in Deutschland 7, in Italien 6, in Großbritannien
über 25 % der Bevölkerung. Es gab solche Städte 1890 129, in Deutschland 26, in
Großbritannien und Irland 36, in Frankreich 12, in Rußland 16. Über eine Million
hatten 1890 5 Städte: London 4,2, Paris 2,4, Berlin 1,5, Wien 1,3, Petersburg 1,03.
Die Bevölkerung in Orten über 2000 Seelen war 1875 in Rußland 10, in Bayern 26,
in den meisten deutschen Staaten 33--42, in Frankreich 42, in Belgien 67, in Holland
29 %; in Preußen 1817 21, 1880 42 %. England und Wales hatte 1891 62 Städte
mit über 50000 Einwohnern, gleich 40,6 % der Bevölkerung, die gesamte städtische
Bevölkerung war 71 %. Von 1000 Einwohnern lebten 1890 in Großstädten von über
100000 Seelen in Großbritannien-Irland 285, in der europäischen Türkei 218, in
den Niederlanden und Belgien 179 und 169, in Deutschland 135, in Frankreich 119,
in Italien 100.

Das prozentuale jährliche Wachstum war in Preußen 1885--90 in den Städten
21,35 %0, in den Landgemeinden 5,94 %0, in den Gutsbezirken 1,51 %0; in 10 Jahren
(1881 und 1882 bis 1890 und 1891) nahmen zu Paris 8,3, London 10,4, Leipzig 20,5,
Berlin 40,2, Rom 45,2 %, also sehr verschieden. Auch zeitlich ist das Anwachsen der
Städte ein sehr schwankendes. Man konnte 1890 vielfach den Eindruck haben, sie seien
jetzt gesättigt, aber teilweise stieg die Zunahme wieder 1895--1900.

Daß das große Wachstum wesentlich auf Zuwanderung beruht, nicht auf eigener
Vermehrung, ist selbstverständlich. Nicht ebenso bekannt war lange, daß die Zuwande-
rung meist aus der Nähe stammt, und daß auch das platte Land einen so sehr starken
Bevölkerungsaustausch, eine bedeutende zugewanderte Bevölkerung hat. In Bayern
waren 1871

in den Städten.... 507381 Ortsgeborene, 519499 Zugewanderte,
- - Landgemeinden . 2467765 - 1357981 -.

Nur die große Zuwanderung nach den alexandrinischen und spätrömischen Städten
kann dem Umfange nach mit der heutigen verglichen werden; die mittelalterliche war
nicht so groß. Gesunder als die antike ist die heutige sicher, weil sie mehr auf
berechtigten wirtschaftlichen Motiven beruht, auch das Land nicht so entvölkert wie

Die Zunahme der ſtädtiſchen Bevölkerung.

Eine genauere Statiſtik, wie ſich die geſamte Bevölkerung nach der abgeſtuften
Größe der Wohnorte verteile, iſt nur vereinzelt, z. B. in Öſterreich 1880, erhoben. Ich
teile aus dieſer Statiſtik folgendes mit: Es lebten in Ortſchaften bis 500 Einwohner
von je 1000 Menſchen 322,7 (in Kärnten 767, in Oberöſterreich 690, in Niederöſter-
reich 238), in ſolchen von 500—1000 Einwohner 205,6, in ſolchen von 1000—2000
175,4, in ſolchen von 2000—5000 127,1, in ſolchen von 5000—10000 41,2, in ſolchen
von über 10000 128,0. In Deutſchland hat die Reichsſtatiſtik ſeit 1871 1. Großſtädte
mit über 100000, 2. Mittelſtädte mit 20—100000, 3. Kleinſtädte mit 5—20000,
4. Landſtädte mit 2—5000 und 5. plattes Land unter 2000 Seelen unterſchieden. Die
Ergebniſſe ſtellten ſich:

[Tabelle]
Man hat hauptſächlich die Wirkung der Eiſenbahnen 1867—80 auf dieſe Größenklaſſen
unterſucht und fand, daß die Groß- und Mittelſtädte alle ſolche Verbindung hatten und
um 2,9 und 2,4 %, von den Kleinſtädten die mit Bahn um 1,4—1,8 %, die ohne Bahn
um 2,8 %, die Landſtädte mit und ohne Bahn etwa gleich 1 % zunahmen. Eine ältere
preußiſche Berechnung für 1840—55 hatte ergeben, daß der Staat um 14,4, das Land
um 12,1, die Städte unter 30000 Seelen um 19,6, die darüber um 32,4 % zu-
genommen hatten.

Die Großſtädte mit über 100000 Seelen betrugen 1880 in den Vereinigten
Staaten 12,2, in Frankreich 10, in Deutſchland 7, in Italien 6, in Großbritannien
über 25 % der Bevölkerung. Es gab ſolche Städte 1890 129, in Deutſchland 26, in
Großbritannien und Irland 36, in Frankreich 12, in Rußland 16. Über eine Million
hatten 1890 5 Städte: London 4,2, Paris 2,4, Berlin 1,5, Wien 1,3, Petersburg 1,03.
Die Bevölkerung in Orten über 2000 Seelen war 1875 in Rußland 10, in Bayern 26,
in den meiſten deutſchen Staaten 33—42, in Frankreich 42, in Belgien 67, in Holland
29 %; in Preußen 1817 21, 1880 42 %. England und Wales hatte 1891 62 Städte
mit über 50000 Einwohnern, gleich 40,6 % der Bevölkerung, die geſamte ſtädtiſche
Bevölkerung war 71 %. Von 1000 Einwohnern lebten 1890 in Großſtädten von über
100000 Seelen in Großbritannien-Irland 285, in der europäiſchen Türkei 218, in
den Niederlanden und Belgien 179 und 169, in Deutſchland 135, in Frankreich 119,
in Italien 100.

Das prozentuale jährliche Wachstum war in Preußen 1885—90 in den Städten
21,35 ‰, in den Landgemeinden 5,94 ‰, in den Gutsbezirken 1,51 ‰; in 10 Jahren
(1881 und 1882 bis 1890 und 1891) nahmen zu Paris 8,3, London 10,4, Leipzig 20,5,
Berlin 40,2, Rom 45,2 %, alſo ſehr verſchieden. Auch zeitlich iſt das Anwachſen der
Städte ein ſehr ſchwankendes. Man konnte 1890 vielfach den Eindruck haben, ſie ſeien
jetzt geſättigt, aber teilweiſe ſtieg die Zunahme wieder 1895—1900.

Daß das große Wachstum weſentlich auf Zuwanderung beruht, nicht auf eigener
Vermehrung, iſt ſelbſtverſtändlich. Nicht ebenſo bekannt war lange, daß die Zuwande-
rung meiſt aus der Nähe ſtammt, und daß auch das platte Land einen ſo ſehr ſtarken
Bevölkerungsaustauſch, eine bedeutende zugewanderte Bevölkerung hat. In Bayern
waren 1871

in den Städten.... 507381 Ortsgeborene, 519499 Zugewanderte,
- - Landgemeinden . 2467765 - 1357981 -.

Nur die große Zuwanderung nach den alexandriniſchen und ſpätrömiſchen Städten
kann dem Umfange nach mit der heutigen verglichen werden; die mittelalterliche war
nicht ſo groß. Geſunder als die antike iſt die heutige ſicher, weil ſie mehr auf
berechtigten wirtſchaftlichen Motiven beruht, auch das Land nicht ſo entvölkert wie

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[271/0287] Die Zunahme der ſtädtiſchen Bevölkerung. Eine genauere Statiſtik, wie ſich die geſamte Bevölkerung nach der abgeſtuften Größe der Wohnorte verteile, iſt nur vereinzelt, z. B. in Öſterreich 1880, erhoben. Ich teile aus dieſer Statiſtik folgendes mit: Es lebten in Ortſchaften bis 500 Einwohner von je 1000 Menſchen 322,7 (in Kärnten 767, in Oberöſterreich 690, in Niederöſter- reich 238), in ſolchen von 500—1000 Einwohner 205,6, in ſolchen von 1000—2000 175,4, in ſolchen von 2000—5000 127,1, in ſolchen von 5000—10000 41,2, in ſolchen von über 10000 128,0. In Deutſchland hat die Reichsſtatiſtik ſeit 1871 1. Großſtädte mit über 100000, 2. Mittelſtädte mit 20—100000, 3. Kleinſtädte mit 5—20000, 4. Landſtädte mit 2—5000 und 5. plattes Land unter 2000 Seelen unterſchieden. Die Ergebniſſe ſtellten ſich: Man hat hauptſächlich die Wirkung der Eiſenbahnen 1867—80 auf dieſe Größenklaſſen unterſucht und fand, daß die Groß- und Mittelſtädte alle ſolche Verbindung hatten und um 2,9 und 2,4 %, von den Kleinſtädten die mit Bahn um 1,4—1,8 %, die ohne Bahn um 2,8 %, die Landſtädte mit und ohne Bahn etwa gleich 1 % zunahmen. Eine ältere preußiſche Berechnung für 1840—55 hatte ergeben, daß der Staat um 14,4, das Land um 12,1, die Städte unter 30000 Seelen um 19,6, die darüber um 32,4 % zu- genommen hatten. Die Großſtädte mit über 100000 Seelen betrugen 1880 in den Vereinigten Staaten 12,2, in Frankreich 10, in Deutſchland 7, in Italien 6, in Großbritannien über 25 % der Bevölkerung. Es gab ſolche Städte 1890 129, in Deutſchland 26, in Großbritannien und Irland 36, in Frankreich 12, in Rußland 16. Über eine Million hatten 1890 5 Städte: London 4,2, Paris 2,4, Berlin 1,5, Wien 1,3, Petersburg 1,03. Die Bevölkerung in Orten über 2000 Seelen war 1875 in Rußland 10, in Bayern 26, in den meiſten deutſchen Staaten 33—42, in Frankreich 42, in Belgien 67, in Holland 29 %; in Preußen 1817 21, 1880 42 %. England und Wales hatte 1891 62 Städte mit über 50000 Einwohnern, gleich 40,6 % der Bevölkerung, die geſamte ſtädtiſche Bevölkerung war 71 %. Von 1000 Einwohnern lebten 1890 in Großſtädten von über 100000 Seelen in Großbritannien-Irland 285, in der europäiſchen Türkei 218, in den Niederlanden und Belgien 179 und 169, in Deutſchland 135, in Frankreich 119, in Italien 100. Das prozentuale jährliche Wachstum war in Preußen 1885—90 in den Städten 21,35 ‰, in den Landgemeinden 5,94 ‰, in den Gutsbezirken 1,51 ‰; in 10 Jahren (1881 und 1882 bis 1890 und 1891) nahmen zu Paris 8,3, London 10,4, Leipzig 20,5, Berlin 40,2, Rom 45,2 %, alſo ſehr verſchieden. Auch zeitlich iſt das Anwachſen der Städte ein ſehr ſchwankendes. Man konnte 1890 vielfach den Eindruck haben, ſie ſeien jetzt geſättigt, aber teilweiſe ſtieg die Zunahme wieder 1895—1900. Daß das große Wachstum weſentlich auf Zuwanderung beruht, nicht auf eigener Vermehrung, iſt ſelbſtverſtändlich. Nicht ebenſo bekannt war lange, daß die Zuwande- rung meiſt aus der Nähe ſtammt, und daß auch das platte Land einen ſo ſehr ſtarken Bevölkerungsaustauſch, eine bedeutende zugewanderte Bevölkerung hat. In Bayern waren 1871 in den Städten.... 507381 Ortsgeborene, 519499 Zugewanderte, - - Landgemeinden . 2467765 - 1357981 -. Nur die große Zuwanderung nach den alexandriniſchen und ſpätrömiſchen Städten kann dem Umfange nach mit der heutigen verglichen werden; die mittelalterliche war nicht ſo groß. Geſunder als die antike iſt die heutige ſicher, weil ſie mehr auf berechtigten wirtſchaftlichen Motiven beruht, auch das Land nicht ſo entvölkert wie

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Zitationshilfe: Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Bd. 1. Leipzig, 1900, S. 271. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schmoller_grundriss01_1900/287>, abgerufen am 18.01.2020.