Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken-Philosophia, oder auffrichtige Untersuchung derer von vielen super-klugen Weibern hochgehaltenen Aberglauben. Bd. 1. Chemnitz, 1705.

Bild:
<< vorherige Seite
Vorrede.

Aberglauben steht dem einigen
wahren seligmachenden Glauben
entgegen/ wer nun abergläubisch ist/
kan in rechten Glauben nicht auff-
richtig seyn/ und gehöret unter die
Zahl derer/ welche weder kalt noch
warm sind/ und diese will GOtt aus
seinem Munde ausspeyen. O weh!
das ist ein schöner Lohn/ (scilicet) den
sich solche Thoren muthwillig ver-
dienen.

Dieses habe ich manchmahl
erwogen/ wenn ich öffters/ mit schau-
render Haut angesehen/ und gleich-
wohl solches zu hintertreiben nicht
vermögend gewesen/ daß von ein und
andern Gauckel-Affen/ sonderlich
aber Weibs-Personen/ allerhand a-
bergläubische Fratzen/ auch zuweilen
mit Mißbrauchung des allerheilig-
sten Nahmens GOttes/ gantz unbe-
dachtsam sind vorgenommen wor-
den.

Und
(a) 3
Vorrede.

Aberglauben ſteht dem einigen
wahren ſeligmachenden Glauben
entgegen/ wer nun aberglaͤubiſch iſt/
kan in rechten Glauben nicht auff-
richtig ſeyn/ und gehoͤret unter die
Zahl derer/ welche weder kalt noch
warm ſind/ und dieſe will GOtt aus
ſeinem Munde ausſpeyen. O weh!
das iſt ein ſchoͤner Lohn/ (ſcilicet) den
ſich ſolche Thoren muthwillig ver-
dienen.

Dieſes habe ich manchmahl
erwogen/ wenn ich oͤffters/ mit ſchau-
render Haut angeſehen/ und gleich-
wohl ſolches zu hintertreiben nicht
vermoͤgend geweſen/ daß von ein und
andern Gauckel-Affen/ ſonderlich
aber Weibs-Perſonen/ allerhand a-
berglaͤubiſche Fratzen/ auch zuweilen
mit Mißbrauchung des allerheilig-
ſten Nahmens GOttes/ gantz unbe-
dachtſam ſind vorgenommen wor-
den.

Und
(a) 3
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0013"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#fr">Vorrede.</hi> </fw><lb/>
        <p>Aberglauben &#x017F;teht dem einigen<lb/>
wahren &#x017F;eligmachenden Glauben<lb/>
entgegen/ wer nun abergla&#x0364;ubi&#x017F;ch i&#x017F;t/<lb/>
kan in rechten Glauben nicht auff-<lb/>
richtig &#x017F;eyn/ und geho&#x0364;ret unter die<lb/>
Zahl derer/ welche weder kalt noch<lb/>
warm &#x017F;ind/ und die&#x017F;e will GOtt aus<lb/>
&#x017F;einem Munde aus&#x017F;peyen. O weh!<lb/>
das i&#x017F;t ein &#x017F;cho&#x0364;ner Lohn/ (<hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">&#x017F;cilicet</hi></hi>) den<lb/>
&#x017F;ich &#x017F;olche Thoren muthwillig ver-<lb/>
dienen.</p><lb/>
        <p>Die&#x017F;es habe ich manchmahl<lb/>
erwogen/ wenn ich o&#x0364;ffters/ mit &#x017F;chau-<lb/>
render Haut ange&#x017F;ehen/ und gleich-<lb/>
wohl &#x017F;olches zu hintertreiben nicht<lb/>
vermo&#x0364;gend gewe&#x017F;en/ daß von ein und<lb/>
andern Gauckel-Affen/ &#x017F;onderlich<lb/>
aber Weibs-Per&#x017F;onen/ allerhand a-<lb/>
bergla&#x0364;ubi&#x017F;che Fratzen/ auch zuweilen<lb/>
mit Mißbrauchung des allerheilig-<lb/>
&#x017F;ten Nahmens GOttes/ gantz unbe-<lb/>
dacht&#x017F;am &#x017F;ind vorgenommen wor-<lb/>
den.</p><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">(a) 3</fw>
        <fw place="bottom" type="catch">Und</fw><lb/>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0013] Vorrede. Aberglauben ſteht dem einigen wahren ſeligmachenden Glauben entgegen/ wer nun aberglaͤubiſch iſt/ kan in rechten Glauben nicht auff- richtig ſeyn/ und gehoͤret unter die Zahl derer/ welche weder kalt noch warm ſind/ und dieſe will GOtt aus ſeinem Munde ausſpeyen. O weh! das iſt ein ſchoͤner Lohn/ (ſcilicet) den ſich ſolche Thoren muthwillig ver- dienen. Dieſes habe ich manchmahl erwogen/ wenn ich oͤffters/ mit ſchau- render Haut angeſehen/ und gleich- wohl ſolches zu hintertreiben nicht vermoͤgend geweſen/ daß von ein und andern Gauckel-Affen/ ſonderlich aber Weibs-Perſonen/ allerhand a- berglaͤubiſche Fratzen/ auch zuweilen mit Mißbrauchung des allerheilig- ſten Nahmens GOttes/ gantz unbe- dachtſam ſind vorgenommen wor- den. Und (a) 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia01_1705
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia01_1705/13
Zitationshilfe: Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken-Philosophia, oder auffrichtige Untersuchung derer von vielen super-klugen Weibern hochgehaltenen Aberglauben. Bd. 1. Chemnitz, 1705, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia01_1705/13>, abgerufen am 19.07.2019.