Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799.

Bild:
<< vorherige Seite

statt witzig zu reden, gleich witzig
handelt, bey jenen naiven Andeu-
tungen denken mag, welche gebilde-
te Redner nur durch ihre Namenlo-
sigkeit benennen.

Und diese Namenlosigkeit selbst
ist von zweydeutiger Bedeutung. Je
verschämter und je moderner man
ist, je mehr wird es Mode sie aufs
Schamlose zu deuten. Für die al-
ten Götter hingegen hat alles Le-
ben eine gewisse classische Würde
und so auch die unverschämte Hel-
denkunst lebendig zu machen. Die
Menge solcher Werke und die Grö-
ße der Erfindungskraft in ihr be-
stimmt Rang und Adel im Reiche
der Mythologie.

Diese Zahl und diese Kraft sind

ſtatt witzig zu reden, gleich witzig
handelt, bey jenen naiven Andeu-
tungen denken mag, welche gebilde-
te Redner nur durch ihre Namenlo-
ſigkeit benennen.

Und dieſe Namenloſigkeit ſelbſt
iſt von zweydeutiger Bedeutung. Je
verſchämter und je moderner man
iſt, je mehr wird es Mode ſie aufs
Schamloſe zu deuten. Für die al-
ten Götter hingegen hat alles Le-
ben eine gewiſſe claſſiſche Würde
und ſo auch die unverſchämte Hel-
denkunſt lebendig zu machen. Die
Menge ſolcher Werke und die Grö-
ße der Erfindungskraft in ihr be-
ſtimmt Rang und Adel im Reiche
der Mythologie.

Dieſe Zahl und dieſe Kraft ſind

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0268" n="263"/>
&#x017F;tatt witzig zu reden, gleich witzig<lb/>
handelt, bey jenen naiven Andeu-<lb/>
tungen denken mag, welche gebilde-<lb/>
te Redner nur durch ihre Namenlo-<lb/>
&#x017F;igkeit benennen.</p><lb/>
            <p>Und die&#x017F;e Namenlo&#x017F;igkeit &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
i&#x017F;t von zweydeutiger Bedeutung. Je<lb/>
ver&#x017F;chämter und je moderner man<lb/>
i&#x017F;t, je mehr wird es Mode &#x017F;ie aufs<lb/>
Schamlo&#x017F;e zu deuten. Für die al-<lb/>
ten Götter hingegen hat alles Le-<lb/>
ben eine gewi&#x017F;&#x017F;e cla&#x017F;&#x017F;i&#x017F;che Würde<lb/>
und &#x017F;o auch die unver&#x017F;chämte Hel-<lb/>
denkun&#x017F;t lebendig zu machen. Die<lb/>
Menge &#x017F;olcher Werke und die Grö-<lb/>
ße der Erfindungskraft in ihr be-<lb/>
&#x017F;timmt Rang und Adel im Reiche<lb/>
der Mythologie.</p><lb/>
            <p>Die&#x017F;e Zahl und die&#x017F;e Kraft &#x017F;ind<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[263/0268] ſtatt witzig zu reden, gleich witzig handelt, bey jenen naiven Andeu- tungen denken mag, welche gebilde- te Redner nur durch ihre Namenlo- ſigkeit benennen. Und dieſe Namenloſigkeit ſelbſt iſt von zweydeutiger Bedeutung. Je verſchämter und je moderner man iſt, je mehr wird es Mode ſie aufs Schamloſe zu deuten. Für die al- ten Götter hingegen hat alles Le- ben eine gewiſſe claſſiſche Würde und ſo auch die unverſchämte Hel- denkunſt lebendig zu machen. Die Menge ſolcher Werke und die Grö- ße der Erfindungskraft in ihr be- ſtimmt Rang und Adel im Reiche der Mythologie. Dieſe Zahl und dieſe Kraft ſind

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Darüber hinaus sind keine weiteren Teile erschien… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_lucinde_1799
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_lucinde_1799/268
Zitationshilfe: Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799, S. 263. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_lucinde_1799/268>, abgerufen am 13.08.2020.