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Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799.

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sehr trostlos. Erst jetzt weiß ich's
recht, wie er war, da ich durch die
fröhliche Bothschaft deiner Gesund-
heit wiedergeboren bin. Denn ge-
sund bist du nun, so gut als völlig
gesund. Das schließe ich aus allen
Berichten mit eben der Zuversicht,
mit der ich vor wenigen Tagen das
Todesurtheil über uns aussprach.

Ich dachte es mir gar nicht als
noch künftig oder als geschehe es
jetzt. Alles war vergangen; schon
lange warst du im Schooß der küh-
len Erde verhüllt, Blumen keimten
allmählig auf dem geliebten Grabe,
und meine Thränen flossen schon
milder. Stumm und einsam stand
ich und sah nichts als die geliebten
Züge und die süßen Blitze der spre-

ſehr troſtlos. Erſt jetzt weiß ich's
recht, wie er war, da ich durch die
fröhliche Bothſchaft deiner Geſund-
heit wiedergeboren bin. Denn ge-
ſund biſt du nun, ſo gut als völlig
geſund. Das ſchließe ich aus allen
Berichten mit eben der Zuverſicht,
mit der ich vor wenigen Tagen das
Todesurtheil über uns ausſprach.

Ich dachte es mir gar nicht als
noch künftig oder als geſchehe es
jetzt. Alles war vergangen; ſchon
lange warſt du im Schooß der küh-
len Erde verhüllt, Blumen keimten
allmählig auf dem geliebten Grabe,
und meine Thränen floſſen ſchon
milder. Stumm und einſam ſtand
ich und ſah nichts als die geliebten
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[251/0256] ſehr troſtlos. Erſt jetzt weiß ich's recht, wie er war, da ich durch die fröhliche Bothſchaft deiner Geſund- heit wiedergeboren bin. Denn ge- ſund biſt du nun, ſo gut als völlig geſund. Das ſchließe ich aus allen Berichten mit eben der Zuverſicht, mit der ich vor wenigen Tagen das Todesurtheil über uns ausſprach. Ich dachte es mir gar nicht als noch künftig oder als geſchehe es jetzt. Alles war vergangen; ſchon lange warſt du im Schooß der küh- len Erde verhüllt, Blumen keimten allmählig auf dem geliebten Grabe, und meine Thränen floſſen ſchon milder. Stumm und einſam ſtand ich und ſah nichts als die geliebten Züge und die ſüßen Blitze der ſpre-

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Zitationshilfe: Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799, S. 251. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_lucinde_1799/256>, abgerufen am 05.08.2020.