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Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799.

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ist es wirklich eine komische Situa-
zion, ein unschuldiges Mädchen zu
seyn. -- Das erinnert mich an den
berühmten Buffo der selbst oft sehr
traurig war, während er alle zu
lachen machte. -- Die Gesellschaft ist
ein Chaos, das nur durch Witz zu
bilden und in Harmonie zu bringen
ist; und wenn man nicht scherzt und
tändelt mit den Elementen der Lei-
denschaft, so ballt sie sich in dicke
Massen und verfinstert alles. -- So
mögen hier wohl Leidenschaften in
der Luft seyn: denn es ist beynah
finster. -- Gewiß haben Sie Ihre
Augen zugeschlossen, Dame meines
Herzens! Sonst würde eine allge-
meine Klarheit unfehlbar das Zim-
mer durchstrahlen. -- Wer ist wohl

iſt es wirklich eine komiſche Situa-
zion, ein unſchuldiges Mädchen zu
ſeyn. — Das erinnert mich an den
berühmten Buffo der ſelbſt oft ſehr
traurig war, während er alle zu
lachen machte. — Die Geſellſchaft iſt
ein Chaos, das nur durch Witz zu
bilden und in Harmonie zu bringen
iſt; und wenn man nicht ſcherzt und
tändelt mit den Elementen der Lei-
denſchaft, ſo ballt ſie ſich in dicke
Maſſen und verfinſtert alles. — So
mögen hier wohl Leidenſchaften in
der Luft ſeyn: denn es iſt beynah
finſter. — Gewiß haben Sie Ihre
Augen zugeſchloſſen, Dame meines
Herzens! Sonſt würde eine allge-
meine Klarheit unfehlbar das Zim-
mer durchſtrahlen. — Wer iſt wohl

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[117/0122] iſt es wirklich eine komiſche Situa- zion, ein unſchuldiges Mädchen zu ſeyn. — Das erinnert mich an den berühmten Buffo der ſelbſt oft ſehr traurig war, während er alle zu lachen machte. — Die Geſellſchaft iſt ein Chaos, das nur durch Witz zu bilden und in Harmonie zu bringen iſt; und wenn man nicht ſcherzt und tändelt mit den Elementen der Lei- denſchaft, ſo ballt ſie ſich in dicke Maſſen und verfinſtert alles. — So mögen hier wohl Leidenſchaften in der Luft ſeyn: denn es iſt beynah finſter. — Gewiß haben Sie Ihre Augen zugeſchloſſen, Dame meines Herzens! Sonſt würde eine allge- meine Klarheit unfehlbar das Zim- mer durchſtrahlen. — Wer iſt wohl

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Zitationshilfe: Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799, S. 117. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_lucinde_1799/122>, abgerufen am 16.09.2019.