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Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweitzerlands. Bd. 3. Zürich, 1708.

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N. 8.)



Schweizerische
Berg-Reisen.


JNd zwaren ist durch sonderbare Weißheit des Grossen Gottes das
Schweizerland also eingetheilt/ daß wegen vilfaltiger Situation der
Thäleren/ und Berg-Jochen/ hier dise gattung der Früchten eher
hervor komt/ und dort eine andere/ damit hierdurch die Gemeinschaft und
Commercia der Helvetischen Nation desto mehr besteiffet/ und selbs unsere
Gemühter durch so thanes natürliche Band vereiniget wurden. Es kan aber
eben disere jeztgepriesene Allmacht des Schöpfers auch bey zunemmenden
unseren Sünden/ und muhtwilligem Gebrauch unserer Landesgaben/ uns
alle Augenblick straffen nach ihrer Gerechtigkeit; Es ist der Bogen allezeit
gespannet/ um die Wasser-Schnee- und Eis-Pfeile auf uns los zu schiessen/
und uns heimzusuchen mit Winden/ Regen/ Uberschwemmungen/ und
Erdbidmen; wie dann diß vor uns ligende Grosse Thal denen

Erderschüttungen

sonderbar/ und vor allen Ohrten des Schweizerlands auß/ unterworffen/
welches uns Anlas gegeben Tom. I. pag. 117. hiervon einen besonderen Ti-
tul zu machen/ wohin auch den geehrten Leser weise/ und aber allhier die
jenigen Erdbidem des Glarnerlands zu erzellen mich verpflichtet finde/ wel-
che domahlen außgelassen. Es ist namlich An. 1573. an St. Thomas
Abend ein grosser Erdbidem im Glarnerland vermerket worden.

An. 1594. auf St. Martinstag erhebte sich ein gewaltiger Erdbidem/
in welchem ein stuck ab dem Gipfel des Glärnisch Bergs mit entsetzli-
chem praschlen auf der seite gegen dem Hauptflecken Glarus hinunter
gefallen/ und nicht allein den dasigen Brunnen/ oder Bach (der hernach mit
grossem Kosten widerum in seinen Gang gebracht werden müssen) verlegt/
sondern auch ein grosses Stuck Bannwald mit einem guten Theil der bey-
gelegenen Felderen überdecket/ und unnütz gemachet.

An. 1663. den 10. Sept. Abends um 10. Uhr ist ein zimlich starker
Erdbidem vermerket worden/ und folgenden Sonntags/ den 13. dito ein
anderer.

An. 1665. den 1. Merz. Nachts um 2. Uhr/ ist ein gewaltiger Erd-
bidem im ganzen Land/ mit jedermanns grossem Schrecken/ gespürt worden.

An. 1668.
N. 8.)



Schweizeriſche
Berg-Reiſen.


JNd zwaren iſt durch ſonderbare Weißheit des Groſſen Gottes das
Schweizerland alſo eingetheilt/ daß wegen vilfaltiger Situation der
Thaͤleren/ und Berg-Jochen/ hier diſe gattung der Fruͤchten eher
hervor komt/ und dort eine andere/ damit hierdurch die Gemeinſchaft und
Commercia der Helvetiſchen Nation deſto mehr beſteiffet/ und ſelbs unſere
Gemuͤhter durch ſo thanes natuͤrliche Band vereiniget wurden. Es kan aber
eben diſere jeztgeprieſene Allmacht des Schoͤpfers auch bey zunemmenden
unſeren Suͤnden/ und muhtwilligem Gebrauch unſerer Landesgaben/ uns
alle Augenblick ſtraffen nach ihrer Gerechtigkeit; Es iſt der Bogen allezeit
geſpannet/ um die Waſſer-Schnee- und Eis-Pfeile auf uns los zu ſchieſſen/
und uns heimzuſuchen mit Winden/ Regen/ Uberſchwemmungen/ und
Erdbidmen; wie dann diß vor uns ligende Groſſe Thal denen

Erderſchüttungen

ſonderbar/ und vor allen Ohrten des Schweizerlands auß/ unterworffen/
welches uns Anlas gegeben Tom. I. pag. 117. hiervon einen beſonderen Ti-
tul zu machen/ wohin auch den geehrten Leſer weiſe/ und aber allhier die
jenigen Erdbidem des Glarnerlands zu erzellen mich verpflichtet finde/ wel-
che domahlen außgelaſſen. Es iſt namlich An. 1573. an St. Thomas
Abend ein groſſer Erdbidem im Glarnerland vermerket worden.

An. 1594. auf St. Martinstag erhebte ſich ein gewaltiger Erdbidem/
in welchem ein ſtuck ab dem Gipfel des Glaͤrniſch Bergs mit entſetzli-
chem praſchlen auf der ſeite gegen dem Hauptflecken Glarus hinunter
gefallen/ und nicht allein den daſigen Brunnen/ oder Bach (der hernach mit
groſſem Koſten widerum in ſeinen Gang gebracht werden muͤſſen) verlegt/
ſondern auch ein groſſes Stuck Bannwald mit einem guten Theil der bey-
gelegenen Felderen uͤberdecket/ und unnuͤtz gemachet.

An. 1663. den 10. Sept. Abends um 10. Uhr iſt ein zimlich ſtarker
Erdbidem vermerket worden/ und folgenden Sonntags/ den 13. dito ein
anderer.

An. 1665. den 1. Merz. Nachts um 2. Uhr/ iſt ein gewaltiger Erd-
bidem im ganzen Land/ mit jedermanns groſſem Schrecken/ geſpuͤrt worden.

An. 1668.
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[(29)[29]/0039] N. 8.) (Den 23. Febr. 1707. Schweizeriſche Berg-Reiſen. JNd zwaren iſt durch ſonderbare Weißheit des Groſſen Gottes das Schweizerland alſo eingetheilt/ daß wegen vilfaltiger Situation der Thaͤleren/ und Berg-Jochen/ hier diſe gattung der Fruͤchten eher hervor komt/ und dort eine andere/ damit hierdurch die Gemeinſchaft und Commercia der Helvetiſchen Nation deſto mehr beſteiffet/ und ſelbs unſere Gemuͤhter durch ſo thanes natuͤrliche Band vereiniget wurden. Es kan aber eben diſere jeztgeprieſene Allmacht des Schoͤpfers auch bey zunemmenden unſeren Suͤnden/ und muhtwilligem Gebrauch unſerer Landesgaben/ uns alle Augenblick ſtraffen nach ihrer Gerechtigkeit; Es iſt der Bogen allezeit geſpannet/ um die Waſſer-Schnee- und Eis-Pfeile auf uns los zu ſchieſſen/ und uns heimzuſuchen mit Winden/ Regen/ Uberſchwemmungen/ und Erdbidmen; wie dann diß vor uns ligende Groſſe Thal denen Erderſchüttungen ſonderbar/ und vor allen Ohrten des Schweizerlands auß/ unterworffen/ welches uns Anlas gegeben Tom. I. pag. 117. hiervon einen beſonderen Ti- tul zu machen/ wohin auch den geehrten Leſer weiſe/ und aber allhier die jenigen Erdbidem des Glarnerlands zu erzellen mich verpflichtet finde/ wel- che domahlen außgelaſſen. Es iſt namlich An. 1573. an St. Thomas Abend ein groſſer Erdbidem im Glarnerland vermerket worden. An. 1594. auf St. Martinstag erhebte ſich ein gewaltiger Erdbidem/ in welchem ein ſtuck ab dem Gipfel des Glaͤrniſch Bergs mit entſetzli- chem praſchlen auf der ſeite gegen dem Hauptflecken Glarus hinunter gefallen/ und nicht allein den daſigen Brunnen/ oder Bach (der hernach mit groſſem Koſten widerum in ſeinen Gang gebracht werden muͤſſen) verlegt/ ſondern auch ein groſſes Stuck Bannwald mit einem guten Theil der bey- gelegenen Felderen uͤberdecket/ und unnuͤtz gemachet. An. 1663. den 10. Sept. Abends um 10. Uhr iſt ein zimlich ſtarker Erdbidem vermerket worden/ und folgenden Sonntags/ den 13. dito ein anderer. An. 1665. den 1. Merz. Nachts um 2. Uhr/ iſt ein gewaltiger Erd- bidem im ganzen Land/ mit jedermanns groſſem Schrecken/ geſpuͤrt worden. An. 1668.

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Zitationshilfe: Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweitzerlands. Bd. 3. Zürich, 1708, S. (29)[29]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/scheuchzer_naturgeschichten03_1708/39>, abgerufen am 27.06.2019.