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Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweitzerlands. Bd. 3. Zürich, 1708.

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N. 4.)



Schweizerische
Berg-Reisen.


OBgedachte Charte setzet Bettschwanden/ ein Dorff/ das an der
Linth liget hinder Schwanden/ an dem Zusamenfluß der Sernft/
und Linth/ da aber diser Ohrt zustehet dem Flecken Schwanden.
Allhier ist uns grosse Ehr und Freundschaft bezeigt worden von dem
Ehrw. Herren Henrich Tschudi/ Diacono des Ohrts/ welcher zu seinem
und des Landes Ruhm auß arbeitet eine Historische Beschreibung des
Glarnerlands/
dessen Situation, der Einwohneren Sitten/ Regiment/
und erzellung aller Geschichten/ welche das Vatterland angehen/ in Chro-
nolo
gischer Ordnung/ erneueret also die Gedächtnuß Gilg Tschudis/
eines vornemmen und hochgelehrten Herren seines Geschlechts/ welcher einer
der besten Geschichtschreiberen/ so iemahls in unseren Landen gelebet.

Jn begleit obbelobten Herren/ und seines Herren Bruders/ welcher
des Ohrts Richter/ haben wir bestiegen den Berg Guppen/ welches der
letste Anhang ist des Weltberühmten/ und hohen Glarnisch Bergs/
der von dem Flecken Glarus sich rechter seits erstreket bis hieher/ und auf
der anderen seiten bis zum end des Clönthals.

Was wir auf heutiger Berg-Reise verrichtet/ wird jezt der Ordnung
nach folgen.

Ob Schwanden traffen wir an einen sehr kalten Brunnen/ oder
Bach/ welchen oben Tom. II. p. 105. under die

Meybrünnen

gezellet/ weilen er den Winter durch sich verbirget/ und im Meymonat wide-
rum auß der Erden hervor quillet/ von welcher Begebenheit an jezt ange-
zogenem Ohrt mit mehrerem geschrieben worden. Es gewahren die An-
wohnere von disem Bach/ daß er nicht anfangt fliessen/ bis der Winter völ-
lig vorüber/ und keine rauhe Winterkälte mehr dahinden/ daß daher der
Fluß dises Wassers angesehen wird als
Ein Zeichen der vorstehenden Frühlingswärme/
über welche Begebenheit also urtheile/ daß der jenige Wasser gehalter/ auß
welchem der Brunn fliesset/ nicht mag angefüllet werden/ bis durch beständig

warme
N. 4.)



Schweizeriſche
Berg-Reiſen.


OBgedachte Charte ſetzet Bettſchwanden/ ein Dorff/ das an der
Linth liget hinder Schwanden/ an dem Zuſamenfluß der Sernft/
und Linth/ da aber diſer Ohrt zuſtehet dem Flecken Schwanden.
Allhier iſt uns groſſe Ehr und Freundſchaft bezeigt worden von dem
Ehrw. Herꝛen Henrich Tſchudi/ Diacono des Ohrts/ welcher zu ſeinem
und des Landes Ruhm auß arbeitet eine Hiſtoriſche Beſchreibung des
Glarnerlands/
deſſen Situation, der Einwohneren Sitten/ Regiment/
und erzellung aller Geſchichten/ welche das Vatterland angehen/ in Chro-
nolo
giſcher Ordnung/ erneueret alſo die Gedaͤchtnuß Gilg Tſchudis/
eines vornemmen und hochgelehrten Herꝛen ſeines Geſchlechts/ welcher einer
der beſten Geſchichtſchreiberen/ ſo iemahls in unſeren Landen gelebet.

Jn begleit obbelobten Herꝛen/ und ſeines Herꝛen Bruders/ welcher
des Ohrts Richter/ haben wir beſtiegen den Berg Guppen/ welches der
letſte Anhang iſt des Weltberuͤhmten/ und hohen Glarniſch Bergs/
der von dem Flecken Glarus ſich rechter ſeits erſtreket bis hieher/ und auf
der anderen ſeiten bis zum end des Cloͤnthals.

Was wir auf heutiger Berg-Reiſe verꝛichtet/ wird jezt der Ordnung
nach folgen.

Ob Schwanden traffen wir an einen ſehr kalten Brunnen/ oder
Bach/ welchen oben Tom. II. p. 105. under die

Meybrünnen

gezellet/ weilen er den Winter durch ſich verbirget/ und im Meymonat wide-
rum auß der Erden hervor quillet/ von welcher Begebenheit an jezt ange-
zogenem Ohrt mit mehrerem geſchrieben worden. Es gewahren die An-
wohnere von diſem Bach/ daß er nicht anfangt flieſſen/ bis der Winter voͤl-
lig voruͤber/ und keine rauhe Winterkaͤlte mehr dahinden/ daß daher der
Fluß diſes Waſſers angeſehen wird als
Ein Zeichen der vorſtehenden Fruͤhlingswaͤrme/
uͤber welche Begebenheit alſo urtheile/ daß der jenige Waſſer gehalter/ auß
welchem der Brunn flieſſet/ nicht mag angefüllet werden/ bis durch beſtaͤndig

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[(13)[13]/0020] N. 4.) (Den 26. Jan. 1707. Schweizeriſche Berg-Reiſen. OBgedachte Charte ſetzet Bettſchwanden/ ein Dorff/ das an der Linth liget hinder Schwanden/ an dem Zuſamenfluß der Sernft/ und Linth/ da aber diſer Ohrt zuſtehet dem Flecken Schwanden. Allhier iſt uns groſſe Ehr und Freundſchaft bezeigt worden von dem Ehrw. Herꝛen Henrich Tſchudi/ Diacono des Ohrts/ welcher zu ſeinem und des Landes Ruhm auß arbeitet eine Hiſtoriſche Beſchreibung des Glarnerlands/ deſſen Situation, der Einwohneren Sitten/ Regiment/ und erzellung aller Geſchichten/ welche das Vatterland angehen/ in Chro- nologiſcher Ordnung/ erneueret alſo die Gedaͤchtnuß Gilg Tſchudis/ eines vornemmen und hochgelehrten Herꝛen ſeines Geſchlechts/ welcher einer der beſten Geſchichtſchreiberen/ ſo iemahls in unſeren Landen gelebet. Jn begleit obbelobten Herꝛen/ und ſeines Herꝛen Bruders/ welcher des Ohrts Richter/ haben wir beſtiegen den Berg Guppen/ welches der letſte Anhang iſt des Weltberuͤhmten/ und hohen Glarniſch Bergs/ der von dem Flecken Glarus ſich rechter ſeits erſtreket bis hieher/ und auf der anderen ſeiten bis zum end des Cloͤnthals. Was wir auf heutiger Berg-Reiſe verꝛichtet/ wird jezt der Ordnung nach folgen. Ob Schwanden traffen wir an einen ſehr kalten Brunnen/ oder Bach/ welchen oben Tom. II. p. 105. under die Meybrünnen gezellet/ weilen er den Winter durch ſich verbirget/ und im Meymonat wide- rum auß der Erden hervor quillet/ von welcher Begebenheit an jezt ange- zogenem Ohrt mit mehrerem geſchrieben worden. Es gewahren die An- wohnere von diſem Bach/ daß er nicht anfangt flieſſen/ bis der Winter voͤl- lig voruͤber/ und keine rauhe Winterkaͤlte mehr dahinden/ daß daher der Fluß diſes Waſſers angeſehen wird als Ein Zeichen der vorſtehenden Fruͤhlingswaͤrme/ uͤber welche Begebenheit alſo urtheile/ daß der jenige Waſſer gehalter/ auß welchem der Brunn flieſſet/ nicht mag angefüllet werden/ bis durch beſtaͤndig warme

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Zitationshilfe: Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweitzerlands. Bd. 3. Zürich, 1708, S. (13)[13]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/scheuchzer_naturgeschichten03_1708/20>, abgerufen am 21.10.2019.