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Schenk, Gottfried Anton: Geschicht–Beschreibung der Stadt Wißbaden. Frankfurt (Main), 1758.

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aber dennoch ihre Städte, oder vielmehr Flecken, nach ihrer Teutschen Art, gehabt. Und Tacitus selbst, wie auch andere Römische Geschicht- und Erd-Beschreiber machen uns deren nicht wenige in ihren Schriften nahmhaft. Absonderlich haben sie sich gar gerne an solchen Orten angebauet, welcher mit besonderen Vorzügen der Natur, vor andern, begabet gewesen; weil sie, nach dem Bericht des Taciti A. 13. c. 57. geglaubet, die Götter wären in solchen Gegenden näher, als in andern, und könnten also das Gebät der Menschen daselbst eher hören, als an andern Orten. Da nun Wißbaden ein solcher Ort ist, welcher, wegen des daselbst hervor quillenden warmen Gesund-Wassers, einen gar nahmhaften Vorzug vor manchen andern Gegenden des Teutschlandes behaupten kan, als ist ziemlich sicher zu vermuthen, daß solcher in Zeiten, von denen in die dasige Gegend gekommenen alten Teutschen Völckern, werde seyn wohnhaft gemacht worden. Wenn aber, oder, zu welcher Zeit eigentlich solches geschehen sey? das ist unmöglich zu sagen. Denn die alte Teutschen haben, wie Tacitus G. c. 2. und 19. meldet, keine Schriften gekennet, noch Bücher gehabt, dadurch sie das Andencken von dergleichen Dingen auf die Nachkommene haben übertragen und fortpflantzen können. Die alte Römer aber, denen es am Können und Wollen, etwas schriftlich

aber dennoch ihre Städte, oder vielmehr Flecken, nach ihrer Teutschen Art, gehabt. Und Tacitus selbst, wie auch andere Römische Geschicht- und Erd-Beschreiber machen uns deren nicht wenige in ihren Schriften nahmhaft. Absonderlich haben sie sich gar gerne an solchen Orten angebauet, welcher mit besonderen Vorzügen der Natur, vor andern, begabet gewesen; weil sie, nach dem Bericht des Taciti A. 13. c. 57. geglaubet, die Götter wären in solchen Gegenden näher, als in andern, und könnten also das Gebät der Menschen daselbst eher hören, als an andern Orten. Da nun Wißbaden ein solcher Ort ist, welcher, wegen des daselbst hervor quillenden warmen Gesund-Wassers, einen gar nahmhaften Vorzug vor manchen andern Gegenden des Teutschlandes behaupten kan, als ist ziemlich sicher zu vermuthen, daß solcher in Zeiten, von denen in die dasige Gegend gekommenen alten Teutschen Völckern, werde seyn wohnhaft gemacht worden. Wenn aber, oder, zu welcher Zeit eigentlich solches geschehen sey? das ist unmöglich zu sagen. Denn die alte Teutschen haben, wie Tacitus G. c. 2. und 19. meldet, keine Schriften gekennet, noch Bücher gehabt, dadurch sie das Andencken von dergleichen Dingen auf die Nachkommene haben übertragen und fortpflantzen können. Die alte Römer aber, denen es am Können und Wollen, etwas schriftlich

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[10/0046] aber dennoch ihre Städte, oder vielmehr Flecken, nach ihrer Teutschen Art, gehabt. Und Tacitus selbst, wie auch andere Römische Geschicht- und Erd-Beschreiber machen uns deren nicht wenige in ihren Schriften nahmhaft. Absonderlich haben sie sich gar gerne an solchen Orten angebauet, welcher mit besonderen Vorzügen der Natur, vor andern, begabet gewesen; weil sie, nach dem Bericht des Taciti A. 13. c. 57. geglaubet, die Götter wären in solchen Gegenden näher, als in andern, und könnten also das Gebät der Menschen daselbst eher hören, als an andern Orten. Da nun Wißbaden ein solcher Ort ist, welcher, wegen des daselbst hervor quillenden warmen Gesund-Wassers, einen gar nahmhaften Vorzug vor manchen andern Gegenden des Teutschlandes behaupten kan, als ist ziemlich sicher zu vermuthen, daß solcher in Zeiten, von denen in die dasige Gegend gekommenen alten Teutschen Völckern, werde seyn wohnhaft gemacht worden. Wenn aber, oder, zu welcher Zeit eigentlich solches geschehen sey? das ist unmöglich zu sagen. Denn die alte Teutschen haben, wie Tacitus G. c. 2. und 19. meldet, keine Schriften gekennet, noch Bücher gehabt, dadurch sie das Andencken von dergleichen Dingen auf die Nachkommene haben übertragen und fortpflantzen können. Die alte Römer aber, denen es am Können und Wollen, etwas schriftlich

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Zitationshilfe: Schenk, Gottfried Anton: Geschicht–Beschreibung der Stadt Wißbaden. Frankfurt (Main), 1758, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schenck_wissbaden_1758/46>, abgerufen am 18.09.2019.