Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 5. Berlin, 1841.

Bild:
<< vorherige Seite
Viertes Kapitel.
Verletzung der Rechte.
§. 204.
Einleitung.

Bisher wurden die Rechte an sich betrachtet, als die
nothwendigen Bedingungen des Zusammenlebens freyer
Wesen (§ 52). In dem durch die Rechtsregeln beherrsch-
ten Leben besteht die Rechtsordnung, welche mithin durch
Freyheit hervorgebracht und erhalten wird. Indem wir
aber das Wesen derselben in die Freyheit setzen, müssen
wir zugleich die Möglichkeit einer freyen Gegenwirkung
hinzu denken, also einer Rechtsverletzung, welche die Stö-
rung jener Rechtsordnung ist.

Aus dieser Möglichkeit der Rechtsverletzung entwickelt
sich das Bedürfniß folgender Reihe neuer Rechtsinstitute,
die wir mit einem gemeinschaftlichen Namen als Schutz-
anstalten für die Rechtsordnung bezeichnen können:

1) Die Gerichtsbarkeit, als Bestandtheil des Staats-
rechts.
2) Die Strafe, als Inhalt des Criminalrechts.

V. 1
Viertes Kapitel.
Verletzung der Rechte.
§. 204.
Einleitung.

Bisher wurden die Rechte an ſich betrachtet, als die
nothwendigen Bedingungen des Zuſammenlebens freyer
Weſen (§ 52). In dem durch die Rechtsregeln beherrſch-
ten Leben beſteht die Rechtsordnung, welche mithin durch
Freyheit hervorgebracht und erhalten wird. Indem wir
aber das Weſen derſelben in die Freyheit ſetzen, müſſen
wir zugleich die Möglichkeit einer freyen Gegenwirkung
hinzu denken, alſo einer Rechtsverletzung, welche die Stö-
rung jener Rechtsordnung iſt.

Aus dieſer Möglichkeit der Rechtsverletzung entwickelt
ſich das Bedürfniß folgender Reihe neuer Rechtsinſtitute,
die wir mit einem gemeinſchaftlichen Namen als Schutz-
anſtalten für die Rechtsordnung bezeichnen können:

1) Die Gerichtsbarkeit, als Beſtandtheil des Staats-
rechts.
2) Die Strafe, als Inhalt des Criminalrechts.

V. 1
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0015" n="[1]"/>
      <div n="1">
        <head/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b">Viertes Kapitel.</hi><lb/><hi rendition="#g">Verletzung der Rechte</hi>.</head><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 204.<lb/><hi rendition="#g">Einleitung</hi>.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">B</hi>isher wurden die Rechte an &#x017F;ich betrachtet, als die<lb/>
nothwendigen Bedingungen des Zu&#x017F;ammenlebens freyer<lb/>
We&#x017F;en (§ 52). In dem durch die Rechtsregeln beherr&#x017F;ch-<lb/>
ten Leben be&#x017F;teht die Rechtsordnung, welche mithin durch<lb/>
Freyheit hervorgebracht und erhalten wird. Indem wir<lb/>
aber das We&#x017F;en der&#x017F;elben in die Freyheit &#x017F;etzen, mü&#x017F;&#x017F;en<lb/>
wir zugleich die Möglichkeit einer freyen Gegenwirkung<lb/>
hinzu denken, al&#x017F;o einer Rechtsverletzung, welche die Stö-<lb/>
rung jener Rechtsordnung i&#x017F;t.</p><lb/>
            <p>Aus die&#x017F;er Möglichkeit der Rechtsverletzung entwickelt<lb/>
&#x017F;ich das Bedürfniß folgender Reihe neuer Rechtsin&#x017F;titute,<lb/>
die wir mit einem gemein&#x017F;chaftlichen Namen als Schutz-<lb/>
an&#x017F;talten für die Rechtsordnung bezeichnen können:</p><lb/>
            <list>
              <item>1) Die Gerichtsbarkeit, als Be&#x017F;tandtheil des Staats-<lb/>
rechts.</item><lb/>
              <item>2) Die Strafe, als Inhalt des Criminalrechts.</item>
            </list><lb/>
            <fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#aq">V.</hi> 1</fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[1]/0015] Viertes Kapitel. Verletzung der Rechte. §. 204. Einleitung. Bisher wurden die Rechte an ſich betrachtet, als die nothwendigen Bedingungen des Zuſammenlebens freyer Weſen (§ 52). In dem durch die Rechtsregeln beherrſch- ten Leben beſteht die Rechtsordnung, welche mithin durch Freyheit hervorgebracht und erhalten wird. Indem wir aber das Weſen derſelben in die Freyheit ſetzen, müſſen wir zugleich die Möglichkeit einer freyen Gegenwirkung hinzu denken, alſo einer Rechtsverletzung, welche die Stö- rung jener Rechtsordnung iſt. Aus dieſer Möglichkeit der Rechtsverletzung entwickelt ſich das Bedürfniß folgender Reihe neuer Rechtsinſtitute, die wir mit einem gemeinſchaftlichen Namen als Schutz- anſtalten für die Rechtsordnung bezeichnen können: 1) Die Gerichtsbarkeit, als Beſtandtheil des Staats- rechts. 2) Die Strafe, als Inhalt des Criminalrechts. V. 1

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841/15
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 5. Berlin, 1841, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841/15>, abgerufen am 16.09.2019.