Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,2. Nürnberg, 1679.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] Hülfe/ und belagerte Jerusalem: muste aber wieder abziehen/ und verlohre sechstausend Mann/ darunter auch Florus mit der Haut bezahlet.

Vespasiani Krieg mit ihnen. Sobald nun die Zeitung hievon nach Rom gekommen/ schickte Kaiser Nero Flavium Vespasianum mit aller Vollmacht/ die Juden abzustraffen. Dieser kame/ im Früling/ mit seinem Heer angezogen/ eroberte Anfangs etliche Städte in Galilea/ als Gadara/ Zapher/ Samaria/ und Jotapata: in welcher letzern der Geschichtschreiber Josephus Commendant gewesen/ und als er gefangen worden/ beyden Vespasianen/ Vatter und Sohne/ geweissaget/ daß sie würden Römische Kaiser werden; womit er sein Leben errettet/ aber zwey Jahre lang gefangen gehalten worden. Er eroberte hierauf ferner gantz Judaea, auser Jerusalem/ und den drey Schlössern Herodium, Massada und Macherus: welche er/ als er zum Kaiser erwehlt worden/ seinem Sohn zu bestreiten hinterlassen/ und nach Rom geeilet/ die Regirung zu übernehmen. Er hatte diesen Belägerungen so dapfer beygewohnet/ daß er einsmals mit einem Stein an das Knie verletzet worden/ und den Schild mit Pfeilen wol gespickt davon getragen.

Vorzeichen seines Todes. Sein Tod/ ward von einem Cometen vorangedeutet/ von welchem/ als er krank daniederligend/ seine Leute lang reden gehöret/ sagte er endlich zu ihnen: Worzu dienet euer Gewäsche? Dieser Haar-Stern kündigt dem König der Parthenier/ der Haare am Kopf hat/ den Tod an/ und nicht mir/ der ich kahl bin. Als auch Kais. Augusti Begräbnis-Kluft sich selbst aufgethan/ und etliche solches für ein Vorzeichen von des Kaisers Tod hielten/ widerredte er ihnen/ und sagte: Es würde die Juniam Calvinam antreffen/ die von Kais. Augusti Geschlecht wäre. Wie er aber endlich sahe/ daß er sterben würde/ ließe er dieser Worte sich vernehmen: Mich deucht/ ich fange nun an/ ein Gott zu werden. Womit er absahe auf die Gewonheit/ damit man die Kaisere nach ihrem Tode zu vergöttern pflegte.

Als er durch kalt Wasser-trincken ihme den Durchlauf zugezogen/ und die Medici, weil er gleichwol immer noch schaffete/ auch so gar fremde Abgesandten ligend anhörte/ ihn vermahnten/ daß er ihm selber etwas Ruhe gönnen wolte/ gab er zur Antwort: Einem Feldherrn will obligen/ daß Sein Tod. er stehend sterbe. Er thäte auch/ was er redte. Dann als die Gesandten nur zur Thür hinaus waren/ wolte er/ als vom Ligen ermüdet/ aufstehen: starbe aber den Seinen/ auf die er sich gesteuret/ unter den Händen. Diß geschahe auf seinem Mairhof/ den 24 Junii A. Chr. 80/ seines Reichs [Spaltenumbruch] im er füllten (ohne sechs Tage) zehendem/ und seines Alters im 70 Jahr. Unter ihm hat sich Rom wieder zu erheben angefangen: Wiewol die Ruhe nicht lang gewähret/ und mit seinem Sohn Domitiano die Torheit sich wieder auf den Thron gesetzet.

Sein Bildnis und selner Gemahlin. Dieses Kaisers Bildnis hierbey ligend/ ist von einer Marmornen Statua in Lebens-größe entnommen: deme oben seiner Gemahlin Flaviae Domitillae Bildnis zugefüget worden.

Der Streit.Die obere mittlere zweyte Figur/ macht vorstellig einen Teutschen Soldaten zu Fuß/ welcher ganz nacket und ohn einige Rüstung/ auser seines Schildes/ gegen einem Römischen Ritter zu Pferd sich dapfer zur Wehr setzet: wie dann dergleichen/ von den Teutschen/ in den alten Historien Der Fechter. zu lesen ist. Also zeiget die folgende dritte Figur einen Römischen Fechter von denen/ die man Rudiarios genannt/ von dem hölzernen Gewehr/ das sie geführet: wovon auch droben bey Kais. Galba Anregung beschehen.

Philosophus Cathedrarius. In der mittleren Figur zur Rechten/ erscheinet ein alter Philosophus, deren einer/ welche Seneca Cathedrarios genennt: massen er auf einem Sessel sitzet/ mit solchen Geberden/ die einen Lehrer vorstellen/ der da discurriret und profitiret.

Q. Cincinnatum. Die mittlere Figur zur Lincken/ weiset uns den fürtrefflichen alten Römer Q. Cincinnatum, welcher vom Pflug zum höchsten Amt der Dictatur in Rom beruffen worden: und sihet man allhier/ wie er die Strümpfe anziehet/ (weil ihn die Römische Legaten barfüssig hinter dem Pflug gefunden) und sich bewaffnet. Ist von einem schönen antichen Stuck abgebildet worden.

Biga. Auf diese/ zeiget sich unten eine Biga oder offene Fuhr mit zwey Pferden/ einem weissen und braunen. Der Cameus, davon diese Figur abgezeichnet/ ist hochschätzbar und an Kunst fürtrefflich/ weil daran der Grund ganz dunckel/ das eine weiße Pferd aus einem Sardonyx/ und das andere braun aus einem Sapphir/ geschnitten ist: hat also die Natur dem Künstler zu seinem Vorhaben dienen müssen.

Cursor. Die letzte Figur bildet einen alten Cursorem oder Renner/ auf welche Weise Caligula, Nero und andere/ der Kaiserlichen Würde zu Schimpf/ sich vielfältig offentlich haben sehen lassen: und solche Rennspiel-Art/ haben erstlich Carvilius und Popilius aus Griechenland nach Rom gebracht/ und daselbst eingeführet.

[Spaltenumbruch] Hülfe/ und belagerte Jerusalem: muste aber wieder abziehen/ und verlohre sechstausend Mann/ darunter auch Florus mit der Haut bezahlet.

Vespasiani Krieg mit ihnen. Sobald nun die Zeitung hievon nach Rom gekommen/ schickte Kaiser Nero Flavium Vespasianum mit aller Vollmacht/ die Juden abzustraffen. Dieser kame/ im Früling/ mit seinem Heer angezogen/ eroberte Anfangs etliche Städte in Galilea/ als Gadara/ Zapher/ Samaria/ und Jotapata: in welcher letzern der Geschichtschreiber Josephus Commendant gewesen/ und als er gefangen worden/ beyden Vespasianen/ Vatter und Sohne/ geweissaget/ daß sie würden Römische Kaiser werden; womit er sein Leben errettet/ aber zwey Jahre lang gefangen gehalten worden. Er eroberte hierauf ferner gantz Judaea, auser Jerusalem/ und den drey Schlössern Herodium, Massada und Macherus: welche er/ als er zum Kaiser erwehlt worden/ seinem Sohn zu bestreiten hinterlassen/ und nach Rom geeilet/ die Regirung zu übernehmen. Er hatte diesen Belägerungen so dapfer beygewohnet/ daß er einsmals mit einem Stein an das Knie verletzet worden/ und den Schild mit Pfeilen wol gespickt davon getragen.

Vorzeichen seines Todes. Sein Tod/ ward von einem Cometen vorangedeutet/ von welchem/ als er krank daniederligend/ seine Leute lang reden gehöret/ sagte er endlich zu ihnen: Worzu dienet euer Gewäsche? Dieser Haar-Stern kündigt dem König der Parthenier/ der Haare am Kopf hat/ den Tod an/ und nicht mir/ der ich kahl bin. Als auch Kais. Augusti Begräbnis-Kluft sich selbst aufgethan/ und etliche solches für ein Vorzeichen von des Kaisers Tod hielten/ widerredte er ihnen/ und sagte: Es würde die Juniam Calvinam antreffen/ die von Kais. Augusti Geschlecht wäre. Wie er aber endlich sahe/ daß er sterben würde/ ließe er dieser Worte sich vernehmen: Mich deucht/ ich fange nun an/ ein Gott zu werden. Womit er absahe auf die Gewonheit/ damit man die Kaisere nach ihrem Tode zu vergöttern pflegte.

Als er durch kalt Wasser-trincken ihme den Durchlauf zugezogen/ und die Medici, weil er gleichwol immer noch schaffete/ auch so gar fremde Abgesandten ligend anhörte/ ihn vermahnten/ daß er ihm selber etwas Ruhe gönnen wolte/ gab er zur Antwort: Einem Feldherrn will obligen/ daß Sein Tod. er stehend sterbe. Er thäte auch/ was er redte. Dann als die Gesandten nur zur Thür hinaus waren/ wolte er/ als vom Ligen ermüdet/ aufstehen: starbe aber den Seinen/ auf die er sich gesteuret/ unter den Händen. Diß geschahe auf seinem Mairhof/ den 24 Junii A. Chr. 80/ seines Reichs [Spaltenumbruch] im er füllten (ohne sechs Tage) zehendem/ und seines Alters im 70 Jahr. Unter ihm hat sich Rom wieder zu erheben angefangen: Wiewol die Ruhe nicht lang gewähret/ und mit seinem Sohn Domitiano die Torheit sich wieder auf den Thron gesetzet.

Sein Bildnis und selner Gemahlin. Dieses Kaisers Bildnis hierbey ligend/ ist von einer Marmornen Statua in Lebens-größe entnommen: deme oben seiner Gemahlin Flaviae Domitillae Bildnis zugefüget worden.

Der Streit.Die obere mittlere zweyte Figur/ macht vorstellig einen Teutschen Soldaten zu Fuß/ welcher ganz nacket und ohn einige Rüstung/ auser seines Schildes/ gegen einem Römischen Ritter zu Pferd sich dapfer zur Wehr setzet: wie dann dergleichen/ von den Teutschen/ in den alten Historien Der Fechter. zu lesen ist. Also zeiget die folgende dritte Figur einen Römischen Fechter von denen/ die man Rudiarios genannt/ von dem hölzernen Gewehr/ das sie geführet: wovon auch droben bey Kais. Galba Anregung beschehen.

Philosophus Cathedrarius. In der mittleren Figur zur Rechten/ erscheinet ein alter Philosophus, deren einer/ welche Seneca Cathedrarios genennt: massen er auf einem Sessel sitzet/ mit solchen Geberden/ die einen Lehrer vorstellen/ der da discurriret und profitiret.

Q. Cincinnatum. Die mittlere Figur zur Lincken/ weiset uns den fürtrefflichen alten Römer Q. Cincinnatum, welcher vom Pflug zum höchsten Amt der Dictatur in Rom beruffen worden: und sihet man allhier/ wie er die Strümpfe anziehet/ (weil ihn die Römische Legaten barfüssig hinter dem Pflug gefunden) und sich bewaffnet. Ist von einem schönen antichen Stuck abgebildet worden.

Biga. Auf diese/ zeiget sich unten eine Biga oder offene Fuhr mit zwey Pferden/ einem weissen und braunen. Der Cameus, davon diese Figur abgezeichnet/ ist hochschätzbar und an Kunst fürtrefflich/ weil daran der Grund ganz dunckel/ das eine weiße Pferd aus einem Sardonyx/ und das andere braun aus einem Sapphir/ geschnitten ist: hat also die Natur dem Künstler zu seinem Vorhaben dienen müssen.

Cursor. Die letzte Figur bildet einen alten Cursorem oder Renner/ auf welche Weise Caligula, Nero und andere/ der Kaiserlichen Würde zu Schimpf/ sich vielfältig offentlich haben sehen lassen: und solche Rennspiel-Art/ haben erstlich Carvilius und Popilius aus Griechenland nach Rom gebracht/ und daselbst eingeführet.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <div xml:id="d0946">
          <p xml:id="p0948.5"><pb facs="#f0086" xml:id="pb-949" n="[II (Skulptur), S. 60]"/><cb/>
Hülfe/ und belagerte <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-123 http://www.geonames.org/281184/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7001371">Jerusalem</placeName>: muste aber wieder abziehen/ und verlohre sechstausend Mann/ darunter auch <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2389">Florus</persName></hi> mit der Haut bezahlet.</p>
          <p xml:id="p949.1"><note place="right"><hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-289 http://d-nb.info/gnd/11862671X http://viaf.org/viaf/96539514">Vespasiani</persName></hi> Krieg mit ihnen.</note> Sobald nun die Zeitung hievon nach <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> gekommen/ schickte <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-219 http://d-nb.info/gnd/118586998 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500115696 http://viaf.org/viaf/84036175">Kaiser <hi rendition="#aq">Nero</hi></persName> <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-289 http://d-nb.info/gnd/11862671X http://viaf.org/viaf/96539514">Flavium Vespasianum</persName></hi> mit aller Vollmacht/ die Juden abzustraffen. Dieser kame/ im Früling/ mit seinem Heer angezogen/ eroberte Anfangs etliche Städte in <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-838 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000250">Galilea</placeName>/ als <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-2100">Gadara</placeName>/ <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-2231">Zapher</placeName>/ <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-961 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7016998">Samaria</placeName>/ und <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1839">Jotapata</placeName>: in welcher letzern der Geschichtschreiber <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-324 http://d-nb.info/gnd/118640003 http://viaf.org/viaf/22143666">Josephus</persName> Commendant</hi> gewesen/ und als er gefangen worden/ beyden <hi rendition="#aq">Vespasian</hi>en/ <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-289 http://d-nb.info/gnd/11862671X http://viaf.org/viaf/96539514">Vatter</persName> und <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1024 http://d-nb.info/gnd/118622951 http://viaf.org/viaf/83217593">Sohne</persName>/ geweissaget/ daß sie würden Römische Kaiser werden; womit er sein Leben errettet/ aber zwey Jahre lang gefangen gehalten worden. Er eroberte hierauf ferner gantz <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-266 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7001407">Judaea</placeName>,</hi> auser <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-123 http://www.geonames.org/281184/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7001371">Jerusalem</placeName>/ und den drey Schlössern <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1840">Herodium</placeName>, <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1838 http://www.geonames.org/294682/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7001381">Massada</placeName></hi> und <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1841 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7002463">Macherus</placeName></hi>: welche er/ als er zum Kaiser erwehlt worden/ seinem Sohn zu bestreiten hinterlassen/ und nach <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> geeilet/ die Regirung zu übernehmen. Er hatte diesen Belägerungen so dapfer beygewohnet/ daß er einsmals mit einem Stein an das Knie verletzet worden/ und den Schild mit Pfeilen wol gespickt davon getragen.</p>
          <p xml:id="p949.2"><note place="right">Vorzeichen seines Todes.</note> Sein Tod/ ward von einem Cometen vorangedeutet/ von welchem/ als er krank daniederligend/ seine Leute lang reden gehöret/ sagte er endlich zu ihnen: Worzu dienet euer Gewäsche? Dieser Haar-Stern kündigt dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5632">König der Parthenier</persName>/ der Haare am Kopf hat/ den Tod an/ und nicht mir/ der ich kahl bin. Als auch <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-2231">Kais. <hi rendition="#aq">Augusti</hi> Begräbnis-Kluft</placeName>  sich selbst aufgethan/ und etliche solches für ein Vorzeichen von des Kaisers Tod hielten/ widerredte er ihnen/ und sagte: Es würde die <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5532">Juniam Calvinam</persName></hi> antreffen/ die von Kais. <hi rendition="#aq"><choice><sic>Angusti</sic><corr>Augusti</corr></choice></hi> Geschlecht wäre. Wie er aber endlich sahe/ daß er sterben würde/ ließe er dieser Worte sich vernehmen: Mich deucht/ ich fange nun an/ ein <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4146 http://d-nb.info/gnd/4021469-2">Gott</persName> zu werden. Womit er absahe auf die Gewonheit/ damit man die Kaisere nach ihrem Tode zu vergöttern pflegte.</p>
          <p xml:id="p949.3">Als er durch kalt Wasser-trincken ihme den Durchlauf zugezogen/ und die <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1099 http://d-nb.info/gnd/118732455 http://viaf.org/viaf/13102402">Medici</persName>,</hi> weil er gleichwol immer noch schaffete/ auch so gar fremde Abgesandten ligend anhörte/ ihn vermahnten/ daß er ihm selber etwas Ruhe gönnen wolte/ gab er zur Antwort: Einem Feldherrn will obligen/ daß <note place="right">Sein Tod.</note> er stehend sterbe. Er thäte auch/ was er redte. Dann als die Gesandten nur zur Thür hinaus waren/ wolte er/ als vom Ligen ermüdet/ aufstehen: starbe aber den Seinen/ auf die er sich gesteuret/ unter den Händen. Diß geschahe auf seinem <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-2231">Mairhof</placeName>/ den <date rendition="#aq" when="0080-06-24">24 Junii A. Chr. 80</date>/ seines Reichs
<cb/>
im er füllten (ohne sechs Tage) zehendem/ und seines Alters im 70 Jahr. Unter ihm hat sich <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> wieder zu erheben angefangen: Wiewol die Ruhe nicht lang gewähret/ und mit seinem Sohn <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-864 http://d-nb.info/gnd/118672231 http://viaf.org/viaf/96284078">Domitiano</persName></hi> die Torheit sich wieder auf den Thron gesetzet.</p>
          <p xml:id="p949.4"><note place="right">Sein Bildnis und selner Gemahlin.</note><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2732" type="artificialWork">Dieses Kaisers Bildnis hierbey ligend</name>/ ist von einer <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-5524" type="artificialWork">Marmornen <hi rendition="#aq">Statua</hi> in Lebens-größe</name> entnommen: deme oben <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2734" type="artificialWork">seiner Gemahlin <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1228">Flaviae Domitillae</persName></hi> Bildnis</name> zugefüget worden.</p>
          <p xml:id="p949.5"><note place="right"><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2735" type="artificialWork">Der Streit</name>.</note><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2735" type="artificialWork">Die obere mittlere zweyte Figur</name>/ macht vorstellig einen Teutschen Soldaten zu Fuß/ welcher ganz nacket und ohn einige Rüstung/ auser seines Schildes/ gegen einem Römischen Ritter zu Pferd sich dapfer zur Wehr setzet: wie dann dergleichen/ von den Teutschen/ in den alten Historien <note place="right"><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2736" type="artificialWork">Der Fechter</name>.</note> zu lesen ist. Also zeiget <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2736" type="artificialWork">die folgende dritte Figur</name> einen Römischen Fechter von denen/ die man <hi rendition="#aq">Rudiarios</hi> genannt/ von dem hölzernen Gewehr/ das sie geführet: wovon auch droben bey <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-978 http://d-nb.info/gnd/118716166 http://viaf.org/viaf/89549872">Kais. <hi rendition="#aq">Galba</hi></persName> Anregung beschehen.</p>
          <p xml:id="p949.6"><note rendition="#aq" place="right"><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2737" type="artificialWork">Philosophus Cathedrarius</name>.</note> In der <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2737" type="artificialWork">mittleren Figur zur Rechten</name>/ erscheinet ein alter <hi rendition="#aq">Philosophus,</hi> deren einer/ welche <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-842 http://d-nb.info/gnd/118613200 http://viaf.org/viaf/90637919">Seneca</persName> Cathedrarios</hi> genennt: massen er auf einem Sessel sitzet/ mit solchen Geberden/ die einen Lehrer vorstellen/ der da <hi rendition="#aq">discurri</hi>ret und <hi rendition="#aq">profiti</hi>ret.</p>
          <p xml:id="p949.7"><note rendition="#aq" place="right"><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2731" type="artificialWork"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4028 http://d-nb.info/gnd/124874576 http://viaf.org/viaf/37862826">Q. Cincinnatum</persName>.</name></note><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2731" type="artificialWork">Die mittlere Figur zur Lincken</name>/ weiset uns den fürtrefflichen alten Römer <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4028 http://d-nb.info/gnd/124874576 http://viaf.org/viaf/37862826">Q. Cincinnatum</persName>,</hi> welcher vom Pflug zum höchsten Amt der <hi rendition="#aq">Dictatur</hi> in <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> beruffen worden: und sihet man allhier/ wie er die Strümpfe anziehet/ (weil ihn die Römische <hi rendition="#aq">Legaten</hi> barfüssig hinter dem Pflug gefunden) und sich bewaffnet. Ist von <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2419" type="artificialWork">einem schönen <hi rendition="#aq">antich</hi>en Stuck abgebildet worden</name>.</p>
          <p xml:id="p949.8"><note rendition="#aq" place="right"><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-4574" type="artificialWork">Biga</name>.</note> Auf diese/ zeiget sich <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-4574" type="artificialWork">unten eine <hi rendition="#aq">Biga</hi> oder offene Fuhr mit zwey Pferden</name>/ einem weissen und braunen. Der <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-5524" type="artificialWork"><hi rendition="#aq">Cameus,</hi> davon diese Figur abgezeichnet</name>/ ist hochschätzbar und an Kunst fürtrefflich/ weil daran der Grund ganz dunckel/ das eine weiße Pferd aus einem Sardonyx/ und das andere braun aus einem Sapphir/ geschnitten ist: hat also die Natur dem Künstler zu seinem Vorhaben dienen müssen.</p>
          <p xml:id="p949.9"><note rendition="#aq" place="right"><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-4576" type="artificialWork">Cursor</name>.</note><name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-4576" type="artificialWork">Die letzte Figur</name> bildet einen alten <hi rendition="#aq">Cursorem</hi> oder Renner/ auf welche Weise <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-868 http://d-nb.info/gnd/118518410 http://viaf.org/viaf/59052351">Caligula</persName>, <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-219 http://d-nb.info/gnd/118586998 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500115696 http://viaf.org/viaf/84036175">Nero</persName></hi> und andere/ der Kaiserlichen Würde zu Schimpf/ sich vielfältig offentlich haben sehen lassen: und solche Rennspiel-Art/ haben erstlich <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5632">Carvilius</persName></hi> und <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5632">Popilius</persName></hi> aus <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-336 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=1000074">Griechenland</placeName> nach <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> gebracht/ und daselbst eingeführet.</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[II (Skulptur), S. 60]/0086] Hülfe/ und belagerte Jerusalem: muste aber wieder abziehen/ und verlohre sechstausend Mann/ darunter auch Florus mit der Haut bezahlet. Sobald nun die Zeitung hievon nach Rom gekommen/ schickte Kaiser Nero Flavium Vespasianum mit aller Vollmacht/ die Juden abzustraffen. Dieser kame/ im Früling/ mit seinem Heer angezogen/ eroberte Anfangs etliche Städte in Galilea/ als Gadara/ Zapher/ Samaria/ und Jotapata: in welcher letzern der Geschichtschreiber Josephus Commendant gewesen/ und als er gefangen worden/ beyden Vespasianen/ Vatter und Sohne/ geweissaget/ daß sie würden Römische Kaiser werden; womit er sein Leben errettet/ aber zwey Jahre lang gefangen gehalten worden. Er eroberte hierauf ferner gantz Judaea, auser Jerusalem/ und den drey Schlössern Herodium, Massada und Macherus: welche er/ als er zum Kaiser erwehlt worden/ seinem Sohn zu bestreiten hinterlassen/ und nach Rom geeilet/ die Regirung zu übernehmen. Er hatte diesen Belägerungen so dapfer beygewohnet/ daß er einsmals mit einem Stein an das Knie verletzet worden/ und den Schild mit Pfeilen wol gespickt davon getragen. Vespasiani Krieg mit ihnen. Sein Tod/ ward von einem Cometen vorangedeutet/ von welchem/ als er krank daniederligend/ seine Leute lang reden gehöret/ sagte er endlich zu ihnen: Worzu dienet euer Gewäsche? Dieser Haar-Stern kündigt dem König der Parthenier/ der Haare am Kopf hat/ den Tod an/ und nicht mir/ der ich kahl bin. Als auch Kais. Augusti Begräbnis-Kluft sich selbst aufgethan/ und etliche solches für ein Vorzeichen von des Kaisers Tod hielten/ widerredte er ihnen/ und sagte: Es würde die Juniam Calvinam antreffen/ die von Kais. Augusti Geschlecht wäre. Wie er aber endlich sahe/ daß er sterben würde/ ließe er dieser Worte sich vernehmen: Mich deucht/ ich fange nun an/ ein Gott zu werden. Womit er absahe auf die Gewonheit/ damit man die Kaisere nach ihrem Tode zu vergöttern pflegte. Vorzeichen seines Todes.Als er durch kalt Wasser-trincken ihme den Durchlauf zugezogen/ und die Medici, weil er gleichwol immer noch schaffete/ auch so gar fremde Abgesandten ligend anhörte/ ihn vermahnten/ daß er ihm selber etwas Ruhe gönnen wolte/ gab er zur Antwort: Einem Feldherrn will obligen/ daß er stehend sterbe. Er thäte auch/ was er redte. Dann als die Gesandten nur zur Thür hinaus waren/ wolte er/ als vom Ligen ermüdet/ aufstehen: starbe aber den Seinen/ auf die er sich gesteuret/ unter den Händen. Diß geschahe auf seinem Mairhof/ den 24 Junii A. Chr. 80/ seines Reichs im er füllten (ohne sechs Tage) zehendem/ und seines Alters im 70 Jahr. Unter ihm hat sich Rom wieder zu erheben angefangen: Wiewol die Ruhe nicht lang gewähret/ und mit seinem Sohn Domitiano die Torheit sich wieder auf den Thron gesetzet. Sein Tod. Dieses Kaisers Bildnis hierbey ligend/ ist von einer Marmornen Statua in Lebens-größe entnommen: deme oben seiner Gemahlin Flaviae Domitillae Bildnis zugefüget worden. Sein Bildnis und selner Gemahlin.Die obere mittlere zweyte Figur/ macht vorstellig einen Teutschen Soldaten zu Fuß/ welcher ganz nacket und ohn einige Rüstung/ auser seines Schildes/ gegen einem Römischen Ritter zu Pferd sich dapfer zur Wehr setzet: wie dann dergleichen/ von den Teutschen/ in den alten Historien zu lesen ist. Also zeiget die folgende dritte Figur einen Römischen Fechter von denen/ die man Rudiarios genannt/ von dem hölzernen Gewehr/ das sie geführet: wovon auch droben bey Kais. Galba Anregung beschehen. Der Streit. Der Fechter. In der mittleren Figur zur Rechten/ erscheinet ein alter Philosophus, deren einer/ welche Seneca Cathedrarios genennt: massen er auf einem Sessel sitzet/ mit solchen Geberden/ die einen Lehrer vorstellen/ der da discurriret und profitiret. Philosophus Cathedrarius. Die mittlere Figur zur Lincken/ weiset uns den fürtrefflichen alten Römer Q. Cincinnatum, welcher vom Pflug zum höchsten Amt der Dictatur in Rom beruffen worden: und sihet man allhier/ wie er die Strümpfe anziehet/ (weil ihn die Römische Legaten barfüssig hinter dem Pflug gefunden) und sich bewaffnet. Ist von einem schönen antichen Stuck abgebildet worden. Q. Cincinnatum. Auf diese/ zeiget sich unten eine Biga oder offene Fuhr mit zwey Pferden/ einem weissen und braunen. Der Cameus, davon diese Figur abgezeichnet/ ist hochschätzbar und an Kunst fürtrefflich/ weil daran der Grund ganz dunckel/ das eine weiße Pferd aus einem Sardonyx/ und das andere braun aus einem Sapphir/ geschnitten ist: hat also die Natur dem Künstler zu seinem Vorhaben dienen müssen. Biga. Die letzte Figur bildet einen alten Cursorem oder Renner/ auf welche Weise Caligula, Nero und andere/ der Kaiserlichen Würde zu Schimpf/ sich vielfältig offentlich haben sehen lassen: und solche Rennspiel-Art/ haben erstlich Carvilius und Popilius aus Griechenland nach Rom gebracht/ und daselbst eingeführet. Cursor.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0202_1679
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0202_1679/86
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,2. Nürnberg, 1679, S. [II (Skulptur), S. 60]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0202_1679/86>, abgerufen am 19.09.2020.