Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,2. Nürnberg, 1679.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] Viel vornehme Römer ließe er mit Brandmahlen schänden/ und verurtheilte sie nachmals/ in Erzgruben und auf gemeinen Strassen zu arbeiten/ oder mit Bestien zu kämpfen/ und ließe sie/ er die Bestie/ zu ihnen verschliessen/ auch mit Sägen voneinander schneiden. Die Eltern nötigte er/ der Kinder Hinrichtung mit anzusehen/ und als sich einer mit seiner Unpäßlichkeit entschuldigt/ ließe er ihn auf der Sänfte herbey holen; einen andern aber/ welcher bate/ daß er doch die Augen zudrucken möchte/ liesse er zugleich mit hinmetzelen. Er selbst sahe die Metzeleyen nicht allein mit an/ sondern rieffe auch immer dem Scharfrichter zu mit diesen Worten: Triff ihn also/ daß er das Sterben fühle. Oftmals klagte er/ daß zu seiner Zeit sich kein großes Unglück begäbe/ und wünschte einen grossen Brand/ Land-Sterb/ Erdbeben oder dergleichen zu beleben. Als einsmals beyde Burgermeister neben ihm sassen/ fienge er an zu lachen/ und gefragt/ warum? sagte er: ich lache/ weil ich mit einem Wink schaffen kan/ daß man euch beyden die Köpfe abreiße. Wie er dann immer einen Soldaten bey sich gehabt/ der die Köpfe meisterlich abhauen konte. Wann er seiner Gemahlin oder einer andern Frauen Nacken küssete/ sagte er: wie ein schöner Nacken! aber wann ich werde wollen/ so muß er über das Schwerd springen. Zuweilen verschlosse er die Kornhäuser/ und ließ den Römern eine Theurung ansagen. Als man ihm sagte/ wie er sich bey den Römern würde verhasst machen/ sagte er: Oderint, dum metuant! Sie mögen mich hassen/ wann sie mich nur fürchten. Er ließe auch/ dieser Wüterichs-Rede/ sich vernehmen: Er wünsche/ daß alle Römer zusammen nur einen Hals hätten/ so könte er solchen mit einem Streich herunter hauen lassen. War eine Henckers- und keine Kaisers-Rede.

Gottlosigkeit: Er hätte auch/ wann er gekönt/ wider die Obern und den Himmel gewütet. Als es/ da er ein Saufgelag hielte/ gedonnert und geblitzet/ fuhr er auf/ und forderte den Jupiter zum Kampf/ die Worte Homeri oft wiederholend: Aut tu me tolle, aut ego te! du solst mich/ oder ich will dich ausrotten. Er bildete ihm auch ein/ er wäre der Latinische Jupiter/ (Jupiter Latialis) und schickte in solcher Gestalt sein Bildnis an alle Oerter des Röm. Reichs/ daß man es in den Jovis-Tempeln ausstellen solte. Er ließe den Götzen die Köpfe abnehmen/ und seinen dafür auf den Rumpf stecken. Er wolte auch diesen Götzen/ da er im Guten nicht mochte/ im Bösen nachahmen: deswegen beschlieffe er seine Schwestern/ und triebe allerhand Buhlerey. Er wolte dem Donner nachahmen/ tönete mit eignen darzu bereiteten Gefässen/ und machte einen kleinen Blitz erscheinen: und so oft ein Donnerkeil fiele/ warfe er einen Stein wider die Erde/ und sprache die vor-angezogene Worte. Sonsten ließe er sich öfters/ in Kleidern der Götter/ auch Göttinnnen sehen/ ihre Gestalt an sich zu nehmen. Er gabe vor/ er buhle mit der Göttin Diana oder dem Monde/ und ward hierin beschmeichelt durch L. Vitellium, welcher/ als er ihn fragte/ ob er diese Göttin nicht mit ihm der Liebe pflegen sähe/ die Augen zur Erden [Spaltenumbruch] schluge und antwortete: Nur euch Göttern ist vergönnt/ eiander zu sehen. Diese Finsternis/ war eine rechte Straffe auf die Heiden/ die den nunmehr im Fleisch erschienenen HErrn und Welt-Heiland nicht erkennen/ noch annehmen wolten/ und solchen Wüstlingen unterthänig seyn musten. Seneca schreibt von ihme/ die Natur habe ihn darum hervorgebracht/ um zu zeigen/ was die höchste Lasterhaftigkeit in der höchsten Würde vermöge. Er würde aber anders geredet haben/ wann er des Heil. Pauli Unterrichtung hätte annehmen wollen.

und Torheit. Es konte nicht fehlen/ es muste aus diesem Stoltz endlich die Stultitia und Narrheit hervorkeumen. Er hatte ein Pferd/ welches er Incitatum, den Angespörten/ nennte. Dieses muste sein Collega werden/ als er/ nach Gewonheit der Römer/ welches Amt er sonst um 100000 Gulden zu verkauffen pflegte/ das Priesterthum übernahme. Er ließ dasselbe zur Tafel bitten/ ihme vergüldten Habern vorschütten/ und Wein aus Gold zu trincken geben. Er schwure bey dessen Leben und Wolergehen/ und hätte es gar zum Burgermeister gemacht/ wann es nicht verreckt wäre. Er ließe ihm einen Stand von Marmor und eine Krippe von Helfenbein machen/ auch purpurne Decken auflegen. Er widmete ihm ein Haus/ mit behörigen Bedienten und allem Vorraht. Also mochte man wol von ihm sagen: der/ so da lebet wie eine Bestie/ hat keine bässere Gesellschaft/ als Bestien. Aus dem Krieg machte er ein Spiegelfechten/ ließe ein großes Heer zesammen führen/ und zoge zu Feld/ mit dem Vorwand/ daß er wider die Teutschen/ wie sein Vatter/ kriegen wolte. Dieses geschahe vier Monat vor seinem Tode/ da er allerhand Torheiten angestellt/ das Volck am Meer in eine Schlachtordnung stellen lassen/ und sie endlich die Muscheln auflesen heissen/ solche/ als Beuten vom Ocean/ im Triumf nach Rom mit zu bringen.

Er wil Gott seyn [...] im Tempel zu Jerusalem/ Das Bäste/ das er in seinem Leben/ wiewol unwissend/ warum er es thäte/ gethan hat/ war dieses/ daß er den Tempel zu Jerusalem ihme selber gewidmet/ und den Landpfleger Petronium dahin gesendet/ sein Bild/ als Caji des neuen Jupiters/ allda aufzustellen: dann weil die Juden den rechten Hohenpriester ihres Tempels verworfen/ und geruffen/ sie hätten keinen König als den Kaiser/ und ihren König JEsum/ den GOTT ihnen und allen Menschen vom Himmel gesandt/ nicht annehmen wollen/ sondern gekreutzigt und getödet hatten/ solten sie den Kaiser/ einen Menschen/ zum Gott annehmen. Sie haben zwar solches abgewendet/ indem sie Petronio entgegen gezogen/ ihre bloße Hälse dargebotten/ und gesagt: Sie wolten lieber alle ihr Leben übergeben/ als ihre alte Religion und Stadt mit solchem Götzenwerk verunreinigen lassen.

und verbannet Herodem den Johanes-Mörder. Er hat auch Herodem Antipam gestraffet/ welcher Johannem den Täuffer getödtet/ und sechs Jahre vorher A. 34 den HErrn Christum in der Passion mit seinem Hofgesinde verspottet hatte. Dann als derselbe/ weil er nur Vier-Fürst war/ mit grossem Geschleppe nach Rom kame/ die

[Spaltenumbruch] Viel vornehme Römer ließe er mit Brandmahlen schänden/ und verurtheilte sie nachmals/ in Erzgruben und auf gemeinen Strassen zu arbeiten/ oder mit Bestien zu kämpfen/ und ließe sie/ er die Bestie/ zu ihnen verschliessen/ auch mit Sägen voneinander schneiden. Die Eltern nötigte er/ der Kinder Hinrichtung mit anzusehen/ und als sich einer mit seiner Unpäßlichkeit entschuldigt/ ließe er ihn auf der Sänfte herbey holen; einen andern aber/ welcher bate/ daß er doch die Augen zudrucken möchte/ liesse er zugleich mit hinmetzelen. Er selbst sahe die Metzeleyen nicht allein mit an/ sondern rieffe auch immer dem Scharfrichter zu mit diesen Worten: Triff ihn also/ daß er das Sterben fühle. Oftmals klagte er/ daß zu seiner Zeit sich kein großes Unglück begäbe/ und wünschte einen grossen Brand/ Land-Sterb/ Erdbeben oder dergleichen zu beleben. Als einsmals beyde Burgermeister neben ihm sassen/ fienge er an zu lachen/ und gefragt/ warum? sagte er: ich lache/ weil ich mit einem Wink schaffen kan/ daß man euch beyden die Köpfe abreiße. Wie er dann immer einen Soldaten bey sich gehabt/ der die Köpfe meisterlich abhauen konte. Wann er seiner Gemahlin oder einer andern Frauen Nacken küssete/ sagte er: wie ein schöner Nacken! aber wann ich werde wollen/ so muß er über das Schwerd springen. Zuweilen verschlosse er die Kornhäuser/ und ließ den Römern eine Theurung ansagen. Als man ihm sagte/ wie er sich bey den Römern würde verhasst machen/ sagte er: Oderint, dum metuant! Sie mögen mich hassen/ wann sie mich nur fürchten. Er ließe auch/ dieser Wüterichs-Rede/ sich vernehmen: Er wünsche/ daß alle Römer zusammen nur einen Hals hätten/ so könte er solchen mit einem Streich herunter hauen lassen. War eine Henckers- und keine Kaisers-Rede.

Gottlosigkeit: Er hätte auch/ wann er gekönt/ wider die Obern und den Himmel gewütet. Als es/ da er ein Saufgelag hielte/ gedonnert und geblitzet/ fuhr er auf/ und forderte den Jupiter zum Kampf/ die Worte Homeri oft wiederholend: Aut tu me tolle, aut ego te! du solst mich/ oder ich will dich ausrotten. Er bildete ihm auch ein/ er wäre der Latinische Jupiter/ (Jupiter Latialis) und schickte in solcher Gestalt sein Bildnis an alle Oerter des Röm. Reichs/ daß man es in den Jovis-Tempeln ausstellen solte. Er ließe den Götzen die Köpfe abnehmen/ und seinen dafür auf den Rumpf stecken. Er wolte auch diesen Götzen/ da er im Guten nicht mochte/ im Bösen nachahmen: deswegen beschlieffe er seine Schwestern/ und triebe allerhand Buhlerey. Er wolte dem Donner nachahmen/ tönete mit eignen darzu bereiteten Gefässen/ und machte einen kleinen Blitz erscheinen: und so oft ein Donnerkeil fiele/ warfe er einen Stein wider die Erde/ und sprache die vor-angezogene Worte. Sonsten ließe er sich öfters/ in Kleidern der Götter/ auch Göttinnnen sehen/ ihre Gestalt an sich zu nehmen. Er gabe vor/ er buhle mit der Göttin Diana oder dem Monde/ und ward hierin beschmeichelt durch L. Vitellium, welcher/ als er ihn fragte/ ob er diese Göttin nicht mit ihm der Liebe pflegen sähe/ die Augen zur Erden [Spaltenumbruch] schluge und antwortete: Nur euch Göttern ist vergönnt/ eiander zu sehen. Diese Finsternis/ war eine rechte Straffe auf die Heiden/ die den nunmehr im Fleisch erschienenen HErrn und Welt-Heiland nicht erkennen/ noch annehmen wolten/ und solchen Wüstlingen unterthänig seyn musten. Seneca schreibt von ihme/ die Natur habe ihn darum hervorgebracht/ um zu zeigen/ was die höchste Lasterhaftigkeit in der höchsten Würde vermöge. Er würde aber anders geredet haben/ wann er des Heil. Pauli Unterrichtung hätte annehmen wollen.

und Torheit. Es konte nicht fehlen/ es muste aus diesem Stoltz endlich die Stultitia und Narrheit hervorkeumen. Er hatte ein Pferd/ welches er Incitatum, den Angespörten/ nennte. Dieses muste sein Collega werden/ als er/ nach Gewonheit der Römer/ welches Amt er sonst um 100000 Gulden zu verkauffen pflegte/ das Priesterthum übernahme. Er ließ dasselbe zur Tafel bitten/ ihme vergüldten Habern vorschütten/ und Wein aus Gold zu trincken geben. Er schwure bey dessen Leben und Wolergehen/ und hätte es gar zum Burgermeister gemacht/ wann es nicht verreckt wäre. Er ließe ihm einen Stand von Marmor und eine Krippe von Helfenbein machen/ auch purpurne Decken auflegen. Er widmete ihm ein Haus/ mit behörigen Bedienten und allem Vorraht. Also mochte man wol von ihm sagen: der/ so da lebet wie eine Bestie/ hat keine bässere Gesellschaft/ als Bestien. Aus dem Krieg machte er ein Spiegelfechten/ ließe ein großes Heer zesammen führen/ und zoge zu Feld/ mit dem Vorwand/ daß er wider die Teutschen/ wie sein Vatter/ kriegen wolte. Dieses geschahe vier Monat vor seinem Tode/ da er allerhand Torheiten angestellt/ das Volck am Meer in eine Schlachtordnung stellen lassen/ und sie endlich die Muscheln auflesen heissen/ solche/ als Beuten vom Ocean/ im Triumf nach Rom mit zu bringen.

Er wil Gott seyn […] im Tempel zu Jerusalem/ Das Bäste/ das er in seinem Leben/ wiewol unwissend/ warum er es thäte/ gethan hat/ war dieses/ daß er den Tempel zu Jerusalem ihme selber gewidmet/ und den Landpfleger Petronium dahin gesendet/ sein Bild/ als Caji des neuen Jupiters/ allda aufzustellen: dann weil die Juden den rechten Hohenpriester ihres Tempels verworfen/ und geruffen/ sie hätten keinen König als den Kaiser/ und ihren König JEsum/ den GOTT ihnen und allen Menschen vom Himmel gesandt/ nicht annehmen wollen/ sondern gekreutzigt und getödet hatten/ solten sie den Kaiser/ einen Menschen/ zum Gott annehmen. Sie haben zwar solches abgewendet/ indem sie Petronio entgegen gezogen/ ihre bloße Hälse dargebotten/ und gesagt: Sie wolten lieber alle ihr Leben übergeben/ als ihre alte Religion und Stadt mit solchem Götzenwerk verunreinigen lassen.

und verbannet Herodem den Johanes-Mörder. Er hat auch Herodem Antipam gestraffet/ welcher Johannem den Täuffer getödtet/ und sechs Jahre vorher A. 34 den HErrn Christum in der Passion mit seinem Hofgesinde verspottet hatte. Dann als derselbe/ weil er nur Vier-Fürst war/ mit grossem Geschleppe nach Rom kame/ die

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <div xml:id="d918">
          <p xml:id="p920.5"><pb facs="#f0052" xml:id="pb-921" n="[II (Skulptur), S. 38]"/><cb/>
Viel vornehme Römer ließe er mit Brandmahlen schänden/ und verurtheilte sie nachmals/ in Erzgruben und auf gemeinen Strassen zu arbeiten/ oder mit Bestien zu kämpfen/ und ließe sie/ er die Bestie/ zu ihnen verschliessen/ auch mit Sägen voneinander schneiden. Die Eltern nötigte er/ der Kinder Hinrichtung mit anzusehen/ und als sich einer mit seiner Unpäßlichkeit entschuldigt/ ließe er ihn auf der Sänfte herbey holen; einen andern aber/ welcher bate/ daß er doch die Augen zudrucken möchte/ liesse er zugleich mit hinmetzelen. Er selbst sahe die Metzeleyen nicht allein mit an/ sondern rieffe auch immer dem Scharfrichter zu mit diesen Worten: Triff ihn also/ daß er das Sterben fühle. Oftmals klagte er/ daß zu seiner Zeit sich kein großes Unglück begäbe/ und wünschte einen grossen Brand/ Land-Sterb/ Erdbeben oder dergleichen zu beleben. Als einsmals beyde Burgermeister neben ihm sassen/ fienge er an zu lachen/ und gefragt/ warum? sagte er: ich lache/ weil ich mit einem Wink schaffen kan/ daß man euch beyden die Köpfe abreiße. Wie er dann immer einen Soldaten bey sich gehabt/ der die Köpfe meisterlich abhauen konte. Wann er seiner Gemahlin oder einer andern Frauen Nacken küssete/ sagte er: wie ein schöner Nacken! aber wann ich werde wollen/ so muß er über das Schwerd springen. Zuweilen verschlosse er die Kornhäuser/ und ließ den Römern eine Theurung ansagen. Als man ihm sagte/ wie er sich bey den Römern würde verhasst machen/ sagte er: <hi rendition="#aq">Oderint, dum metuant</hi>! Sie mögen mich hassen/ wann sie mich nur fürchten. Er ließe auch/ dieser Wüterichs-Rede/ sich vernehmen: Er wünsche/ daß alle Römer zusammen nur einen Hals hätten/ so könte er solchen mit einem Streich herunter hauen lassen. War eine Henckers- und keine Kaisers-Rede.</p>
          <p xml:id="p921.1"><note place="right">Gottlosigkeit:</note> Er hätte auch/ wann er gekönt/ wider die Obern und den Himmel gewütet. Als es/ da er ein Saufgelag hielte/ gedonnert und geblitzet/ fuhr er auf/ und forderte den <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jupiter</persName> zum Kampf/ die Worte <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-109 http://d-nb.info/gnd/11855333X http://viaf.org/viaf/63292865">Homeri</persName></hi> oft wiederholend: <hi rendition="#aq">Aut tu me tolle, aut ego te</hi>! du solst mich/ oder ich will dich ausrotten. Er bildete ihm auch ein/ er wäre der Latinische Jupiter/ (<hi rendition="#aq">Jupiter Latialis</hi>) und schickte in solcher Gestalt sein Bildnis an alle Oerter des Röm. Reichs/ daß man es in den <hi rendition="#aq">Jovis</hi>-Tempeln ausstellen solte. Er ließe den Götzen die Köpfe abnehmen/ und seinen dafür auf den Rumpf stecken. Er wolte auch diesen Götzen/ da er im Guten nicht mochte/ im Bösen nachahmen: deswegen beschlieffe er seine Schwestern/ und triebe allerhand Buhlerey. Er wolte dem Donner nachahmen/ tönete mit eignen darzu bereiteten Gefässen/ und machte einen kleinen Blitz erscheinen: und so oft ein Donnerkeil fiele/ warfe er einen Stein wider die Erde/ und sprache die vor-angezogene Worte. Sonsten ließe er sich öfters/ in Kleidern der Götter/ auch Göttinnnen sehen/ ihre Gestalt an sich zu nehmen. Er gabe vor/ er buhle mit <choice><sic>drr</sic><corr>der</corr></choice> Göttin <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-60 http://d-nb.info/gnd/118678132 http://viaf.org/viaf/806296">Diana</persName></hi> oder dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3295 http://d-nb.info/gnd/118634615 http://viaf.org/viaf/45095692">Monde</persName>/ und ward hierin beschmeichelt durch <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2261">L. Vitellium</persName>,</hi> welcher/ als er ihn fragte/ ob er diese Göttin nicht mit ihm der Liebe pflegen sähe/ die Augen zur Erden
<cb/>
schluge und antwortete: Nur euch Göttern ist vergönnt/ eiander zu sehen. Diese Finsternis/ war eine rechte Straffe auf die Heiden/ die den nunmehr im Fleisch erschienenen <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-15 http://d-nb.info/gnd/118557513 http://viaf.org/viaf/73945424">HErrn</persName> und <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-15 http://d-nb.info/gnd/118557513 http://viaf.org/viaf/73945424">Welt-Heiland</persName> nicht erkennen/ noch annehmen wolten/ und solchen Wüstlingen unterthänig seyn musten. <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-842 http://d-nb.info/gnd/118613200 http://viaf.org/viaf/90637919">Seneca</persName></hi> schreibt von ihme/ die Natur habe ihn darum hervorgebracht/ um zu zeigen/ was die höchste Lasterhaftigkeit in der höchsten Würde vermöge. Er würde aber anders geredet haben/ wann er des <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-256 http://d-nb.info/gnd/118641549 http://viaf.org/viaf/100178828">Heil. <hi rendition="#aq">Pauli</hi></persName> Unterrichtung hätte annehmen wollen.</p>
          <p xml:id="p921.2"><note place="right">und Torheit.</note> Es konte nicht fehlen/ es muste aus diesem Stoltz endlich die <hi rendition="#aq">Stultitia</hi> und Narrheit hervorkeumen. Er hatte ein Pferd/ welches er <hi rendition="#aq">Incitatum,</hi> den Angespörten/ nennte. Dieses muste sein <hi rendition="#aq">Collega</hi> werden/ als er/ nach Gewonheit der Römer/ welches Amt er sonst um 100000 Gulden zu verkauffen pflegte/ das Priesterthum übernahme. Er ließ dasselbe zur Tafel bitten/ ihme vergüldten Habern vorschütten/ und Wein aus Gold zu trincken geben. Er schwure bey dessen Leben und Wolergehen/ und hätte es gar zum Burgermeister gemacht/ wann es nicht verreckt wäre. Er ließe ihm einen Stand von Marmor und eine Krippe von Helfenbein machen/ auch purpurne Decken auflegen. Er widmete ihm ein Haus/ mit behörigen Bedienten und allem Vorraht. Also mochte man wol von ihm sagen: der/ so da lebet wie eine Bestie/ hat keine bässere Gesellschaft/ als Bestien. Aus dem Krieg machte er ein Spiegelfechten/ ließe ein großes Heer zesammen führen/ und zoge zu Feld/ mit dem Vorwand/ daß er wider die Teutschen/ wie sein Vatter/ kriegen wolte. Dieses geschahe vier Monat vor seinem Tode/ da er allerhand Torheiten angestellt/ das Volck am Meer in eine Schlachtordnung stellen lassen/ und sie endlich die Muscheln auflesen heissen/ solche/ als Beuten vom Ocean/ im Triumf nach <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> mit zu bringen.</p>
          <p xml:id="p921.3"><note place="right">Er wil Gott seyn <choice><sic>seyn</sic><corr/></choice> im <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-917">Tempel zu Jerusalem</placeName>/</note> Das Bäste/ das er in seinem Leben/ wiewol unwissend/ warum er es thäte/ gethan hat/ war dieses/ daß er den <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-917">Tempel zu Jerusalem</placeName> ihme selber gewidmet/ und den Landpfleger <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5303">Petronium</persName></hi> dahin gesendet/ sein Bild/ als <hi rendition="#aq">Caji</hi> des neuen Jupiters/ allda aufzustellen: dann weil die Juden den rechten Hohenpriester ihres Tempels verworfen/ und geruffen/ sie hätten keinen König als den Kaiser/ und ihren König <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-15 http://d-nb.info/gnd/118557513 http://viaf.org/viaf/73945424">JEsum</persName>/ den <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-204">GOTT</persName> ihnen und allen Menschen vom Himmel gesandt/ nicht annehmen wollen/ sondern gekreutzigt und getödet hatten/ solten sie den Kaiser/ einen Menschen/ zum Gott annehmen. Sie haben zwar solches abgewendet/ indem sie <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5303">Petronio</persName></hi> entgegen gezogen/ ihre bloße Hälse dargebotten/ und gesagt: Sie wolten lieber alle ihr Leben übergeben/ als ihre alte Religion und Stadt mit solchem Götzenwerk verunreinigen lassen.</p>
          <p xml:id="p921.4"><note place="right">und verbannet <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2018 http://d-nb.info/gnd/118703781 http://viaf.org/viaf/62343172">Herodem</persName></hi> den <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2018 http://d-nb.info/gnd/118703781 http://viaf.org/viaf/62343172">Johanes-Mörder</persName>.</note> Er hat auch <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2018 http://d-nb.info/gnd/118703781 http://viaf.org/viaf/62343172">Herodem Antipam</persName></hi> gestraffet/ welcher <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-10 http://d-nb.info/gnd/118557858 http://viaf.org/viaf/98494815"><hi rendition="#aq">Johannem</hi> den Täuffer</persName> getödtet/ und sechs Jahre vorher <date rendition="#aq" when="0034">A. 34</date> den <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-15 http://d-nb.info/gnd/118557513 http://viaf.org/viaf/73945424">HErrn Christum</persName> in der <hi rendition="#aq">Passion</hi> mit seinem Hofgesinde verspottet hatte. Dann als derselbe/ weil er nur Vier-Fürst war/ mit grossem Geschleppe nach <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> kame/ die
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[II (Skulptur), S. 38]/0052] Viel vornehme Römer ließe er mit Brandmahlen schänden/ und verurtheilte sie nachmals/ in Erzgruben und auf gemeinen Strassen zu arbeiten/ oder mit Bestien zu kämpfen/ und ließe sie/ er die Bestie/ zu ihnen verschliessen/ auch mit Sägen voneinander schneiden. Die Eltern nötigte er/ der Kinder Hinrichtung mit anzusehen/ und als sich einer mit seiner Unpäßlichkeit entschuldigt/ ließe er ihn auf der Sänfte herbey holen; einen andern aber/ welcher bate/ daß er doch die Augen zudrucken möchte/ liesse er zugleich mit hinmetzelen. Er selbst sahe die Metzeleyen nicht allein mit an/ sondern rieffe auch immer dem Scharfrichter zu mit diesen Worten: Triff ihn also/ daß er das Sterben fühle. Oftmals klagte er/ daß zu seiner Zeit sich kein großes Unglück begäbe/ und wünschte einen grossen Brand/ Land-Sterb/ Erdbeben oder dergleichen zu beleben. Als einsmals beyde Burgermeister neben ihm sassen/ fienge er an zu lachen/ und gefragt/ warum? sagte er: ich lache/ weil ich mit einem Wink schaffen kan/ daß man euch beyden die Köpfe abreiße. Wie er dann immer einen Soldaten bey sich gehabt/ der die Köpfe meisterlich abhauen konte. Wann er seiner Gemahlin oder einer andern Frauen Nacken küssete/ sagte er: wie ein schöner Nacken! aber wann ich werde wollen/ so muß er über das Schwerd springen. Zuweilen verschlosse er die Kornhäuser/ und ließ den Römern eine Theurung ansagen. Als man ihm sagte/ wie er sich bey den Römern würde verhasst machen/ sagte er: Oderint, dum metuant! Sie mögen mich hassen/ wann sie mich nur fürchten. Er ließe auch/ dieser Wüterichs-Rede/ sich vernehmen: Er wünsche/ daß alle Römer zusammen nur einen Hals hätten/ so könte er solchen mit einem Streich herunter hauen lassen. War eine Henckers- und keine Kaisers-Rede. Er hätte auch/ wann er gekönt/ wider die Obern und den Himmel gewütet. Als es/ da er ein Saufgelag hielte/ gedonnert und geblitzet/ fuhr er auf/ und forderte den Jupiter zum Kampf/ die Worte Homeri oft wiederholend: Aut tu me tolle, aut ego te! du solst mich/ oder ich will dich ausrotten. Er bildete ihm auch ein/ er wäre der Latinische Jupiter/ (Jupiter Latialis) und schickte in solcher Gestalt sein Bildnis an alle Oerter des Röm. Reichs/ daß man es in den Jovis-Tempeln ausstellen solte. Er ließe den Götzen die Köpfe abnehmen/ und seinen dafür auf den Rumpf stecken. Er wolte auch diesen Götzen/ da er im Guten nicht mochte/ im Bösen nachahmen: deswegen beschlieffe er seine Schwestern/ und triebe allerhand Buhlerey. Er wolte dem Donner nachahmen/ tönete mit eignen darzu bereiteten Gefässen/ und machte einen kleinen Blitz erscheinen: und so oft ein Donnerkeil fiele/ warfe er einen Stein wider die Erde/ und sprache die vor-angezogene Worte. Sonsten ließe er sich öfters/ in Kleidern der Götter/ auch Göttinnnen sehen/ ihre Gestalt an sich zu nehmen. Er gabe vor/ er buhle mit der Göttin Diana oder dem Monde/ und ward hierin beschmeichelt durch L. Vitellium, welcher/ als er ihn fragte/ ob er diese Göttin nicht mit ihm der Liebe pflegen sähe/ die Augen zur Erden schluge und antwortete: Nur euch Göttern ist vergönnt/ eiander zu sehen. Diese Finsternis/ war eine rechte Straffe auf die Heiden/ die den nunmehr im Fleisch erschienenen HErrn und Welt-Heiland nicht erkennen/ noch annehmen wolten/ und solchen Wüstlingen unterthänig seyn musten. Seneca schreibt von ihme/ die Natur habe ihn darum hervorgebracht/ um zu zeigen/ was die höchste Lasterhaftigkeit in der höchsten Würde vermöge. Er würde aber anders geredet haben/ wann er des Heil. Pauli Unterrichtung hätte annehmen wollen. Gottlosigkeit: Es konte nicht fehlen/ es muste aus diesem Stoltz endlich die Stultitia und Narrheit hervorkeumen. Er hatte ein Pferd/ welches er Incitatum, den Angespörten/ nennte. Dieses muste sein Collega werden/ als er/ nach Gewonheit der Römer/ welches Amt er sonst um 100000 Gulden zu verkauffen pflegte/ das Priesterthum übernahme. Er ließ dasselbe zur Tafel bitten/ ihme vergüldten Habern vorschütten/ und Wein aus Gold zu trincken geben. Er schwure bey dessen Leben und Wolergehen/ und hätte es gar zum Burgermeister gemacht/ wann es nicht verreckt wäre. Er ließe ihm einen Stand von Marmor und eine Krippe von Helfenbein machen/ auch purpurne Decken auflegen. Er widmete ihm ein Haus/ mit behörigen Bedienten und allem Vorraht. Also mochte man wol von ihm sagen: der/ so da lebet wie eine Bestie/ hat keine bässere Gesellschaft/ als Bestien. Aus dem Krieg machte er ein Spiegelfechten/ ließe ein großes Heer zesammen führen/ und zoge zu Feld/ mit dem Vorwand/ daß er wider die Teutschen/ wie sein Vatter/ kriegen wolte. Dieses geschahe vier Monat vor seinem Tode/ da er allerhand Torheiten angestellt/ das Volck am Meer in eine Schlachtordnung stellen lassen/ und sie endlich die Muscheln auflesen heissen/ solche/ als Beuten vom Ocean/ im Triumf nach Rom mit zu bringen. und Torheit. Das Bäste/ das er in seinem Leben/ wiewol unwissend/ warum er es thäte/ gethan hat/ war dieses/ daß er den Tempel zu Jerusalem ihme selber gewidmet/ und den Landpfleger Petronium dahin gesendet/ sein Bild/ als Caji des neuen Jupiters/ allda aufzustellen: dann weil die Juden den rechten Hohenpriester ihres Tempels verworfen/ und geruffen/ sie hätten keinen König als den Kaiser/ und ihren König JEsum/ den GOTT ihnen und allen Menschen vom Himmel gesandt/ nicht annehmen wollen/ sondern gekreutzigt und getödet hatten/ solten sie den Kaiser/ einen Menschen/ zum Gott annehmen. Sie haben zwar solches abgewendet/ indem sie Petronio entgegen gezogen/ ihre bloße Hälse dargebotten/ und gesagt: Sie wolten lieber alle ihr Leben übergeben/ als ihre alte Religion und Stadt mit solchem Götzenwerk verunreinigen lassen. Er wil Gott seyn im Tempel zu Jerusalem/ Er hat auch Herodem Antipam gestraffet/ welcher Johannem den Täuffer getödtet/ und sechs Jahre vorher A. 34 den HErrn Christum in der Passion mit seinem Hofgesinde verspottet hatte. Dann als derselbe/ weil er nur Vier-Fürst war/ mit grossem Geschleppe nach Rom kame/ die und verbannet Herodem den Johanes-Mörder.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0202_1679
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0202_1679/52
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,2. Nürnberg, 1679, S. [II (Skulptur), S. 38]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0202_1679/52>, abgerufen am 30.09.2020.