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Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784.

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gendhaften Seele durch zufällige Vorzüge der Ge-
burt oder des Vermögens zu ersetzen suchten.
Seine Anmerkungen, die er über diesen Gegen-
stand machte, waren so freymüthig als bitter.
Schade, daß er den Brief des Königs von Preus-
sen
nicht gelesen hat, der neulich in den öffentli-
chen Blättern stand, worinne der gekrönte Phi-
losoph blos das persönliche Verdienst auf Ko-
sten aller zufälligen Vorzüge erhebt, die er
ohne Umschweife für Narrenspossen erklärt, so
bald sie nicht durch Weisheit und Tugend gel-
tend gemacht werden. Dieser Brief würde ihm
unendlich viel Freude gemacht haben, da er ein
so erklärter Feind der Unwissenheit und des win-
dichten Stolzes war. Von der Religion Jesu
war sein Herz ganz eingenommen; auch in seiner
fröhlichsten Laune entwischte ihm nichts, was
mit seinem Eifer für Weisheit und Tugend, wo-
von alle seine Schriften voll sind, in Widerspruch
gestanden hätte. Das Lob, welches ihm ein öf-
fentliches Blatt ertheilt, ist gewiß nicht übertrie-
ben, und jeder, der ihn von Person kannte, oder
ihn aus seinen Schriften kennt, wird es unter-
schreiben: "Alle seine Schriften athmen tiefe
"innige Verehrung der Christlichen Religion mit
"Wärme und Feuer vorgetragen, und sind bey

"einen

gendhaften Seele durch zufaͤllige Vorzuͤge der Ge-
burt oder des Vermoͤgens zu erſetzen ſuchten.
Seine Anmerkungen, die er uͤber dieſen Gegen-
ſtand machte, waren ſo freymuͤthig als bitter.
Schade, daß er den Brief des Koͤnigs von Preuſ-
ſen
nicht geleſen hat, der neulich in den oͤffentli-
chen Blaͤttern ſtand, worinne der gekroͤnte Phi-
loſoph blos das perſoͤnliche Verdienſt auf Ko-
ſten aller zufaͤlligen Vorzuͤge erhebt, die er
ohne Umſchweife fuͤr Narrenspoſſen erklaͤrt, ſo
bald ſie nicht durch Weisheit und Tugend gel-
tend gemacht werden. Dieſer Brief wuͤrde ihm
unendlich viel Freude gemacht haben, da er ein
ſo erklaͤrter Feind der Unwiſſenheit und des win-
dichten Stolzes war. Von der Religion Jeſu
war ſein Herz ganz eingenommen; auch in ſeiner
froͤhlichſten Laune entwiſchte ihm nichts, was
mit ſeinem Eifer fuͤr Weisheit und Tugend, wo-
von alle ſeine Schriften voll ſind, in Widerſpruch
geſtanden haͤtte. Das Lob, welches ihm ein oͤf-
fentliches Blatt ertheilt, iſt gewiß nicht uͤbertrie-
ben, und jeder, der ihn von Perſon kannte, oder
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[XXIX/0035] gendhaften Seele durch zufaͤllige Vorzuͤge der Ge- burt oder des Vermoͤgens zu erſetzen ſuchten. Seine Anmerkungen, die er uͤber dieſen Gegen- ſtand machte, waren ſo freymuͤthig als bitter. Schade, daß er den Brief des Koͤnigs von Preuſ- ſen nicht geleſen hat, der neulich in den oͤffentli- chen Blaͤttern ſtand, worinne der gekroͤnte Phi- loſoph blos das perſoͤnliche Verdienſt auf Ko- ſten aller zufaͤlligen Vorzuͤge erhebt, die er ohne Umſchweife fuͤr Narrenspoſſen erklaͤrt, ſo bald ſie nicht durch Weisheit und Tugend gel- tend gemacht werden. Dieſer Brief wuͤrde ihm unendlich viel Freude gemacht haben, da er ein ſo erklaͤrter Feind der Unwiſſenheit und des win- dichten Stolzes war. Von der Religion Jeſu war ſein Herz ganz eingenommen; auch in ſeiner froͤhlichſten Laune entwiſchte ihm nichts, was mit ſeinem Eifer fuͤr Weisheit und Tugend, wo- von alle ſeine Schriften voll ſind, in Widerſpruch geſtanden haͤtte. Das Lob, welches ihm ein oͤf- fentliches Blatt ertheilt, iſt gewiß nicht uͤbertrie- ben, und jeder, der ihn von Perſon kannte, oder ihn aus ſeinen Schriften kennt, wird es unter- ſchreiben: „Alle ſeine Schriften athmen tiefe „innige Verehrung der Chriſtlichen Religion mit „Waͤrme und Feuer vorgetragen, und ſind bey „einen

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Zitationshilfe: Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784, S. XXIX. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784/35>, abgerufen am 26.08.2019.