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Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784.

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bald Mangel an Büchern und gelehrten Freun-
den leiden, bald Neid und Unterdrückung finden,
wo sie Beyfall und Aufmunterung erwarteten,
und nachdem sie anfänglich viel thun wolten,
endlich damit aufhören, daß sie nichts thun, was
der Erwartung, die sie erregten, nur einigermas-
sen entspräche, hätte er, sag' ich, als Landpre-
diger dieses Schicksal auch nicht gehabt, so
würde er doch auf dem Lande auch bei den besten
Vorsätzen, das nicht haben leisten können, was
er als Professor in Karlsruhe wirklich geleistet
hat, und in der Folge geleistet haben würde.
Ich fürchte nicht, daß irgend ein geschickter, fleis-
siger und thätiger Landprediger diese Aeußerung
als eine Herabwürdigung des Predigerstandes
ansehen werde. Ich weis es recht gut, wie viel
alle Zweige der Wissenschaften den Landpredi-
gern zu danken haben. Ich rede nicht von den
Ausnahmen, ich rede von der Regel. Die häu-
figen Klagen geschickter Landgeistlichen über die
Menge lästiger Haus- und Wirthschaftssorgen,
über den Mangel der Bücher, der Journale, der
Aufmunterung, Unterstützung und des gelehrten
Umgangs rechtfertigen meine Meinung, daß
Sander als Professor in Karlsruhe sich ge-
meinnütziger machen konnte, als es auf dem Lande

würde
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bald Mangel an Buͤchern und gelehrten Freun-
den leiden, bald Neid und Unterdruͤckung finden,
wo ſie Beyfall und Aufmunterung erwarteten,
und nachdem ſie anfaͤnglich viel thun wolten,
endlich damit aufhoͤren, daß ſie nichts thun, was
der Erwartung, die ſie erregten, nur einigermaſ-
ſen entſpraͤche, haͤtte er, ſag’ ich, als Landpre-
diger dieſes Schickſal auch nicht gehabt, ſo
wuͤrde er doch auf dem Lande auch bei den beſten
Vorſaͤtzen, das nicht haben leiſten koͤnnen, was
er als Profeſſor in Karlsruhe wirklich geleiſtet
hat, und in der Folge geleiſtet haben wuͤrde.
Ich fuͤrchte nicht, daß irgend ein geſchickter, fleiſ-
ſiger und thaͤtiger Landprediger dieſe Aeußerung
als eine Herabwuͤrdigung des Predigerſtandes
anſehen werde. Ich weis es recht gut, wie viel
alle Zweige der Wiſſenſchaften den Landpredi-
gern zu danken haben. Ich rede nicht von den
Ausnahmen, ich rede von der Regel. Die haͤu-
figen Klagen geſchickter Landgeiſtlichen uͤber die
Menge laͤſtiger Haus- und Wirthſchaftsſorgen,
uͤber den Mangel der Buͤcher, der Journale, der
Aufmunterung, Unterſtuͤtzung und des gelehrten
Umgangs rechtfertigen meine Meinung, daß
Sander als Profeſſor in Karlsruhe ſich ge-
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[IX/0015] bald Mangel an Buͤchern und gelehrten Freun- den leiden, bald Neid und Unterdruͤckung finden, wo ſie Beyfall und Aufmunterung erwarteten, und nachdem ſie anfaͤnglich viel thun wolten, endlich damit aufhoͤren, daß ſie nichts thun, was der Erwartung, die ſie erregten, nur einigermaſ- ſen entſpraͤche, haͤtte er, ſag’ ich, als Landpre- diger dieſes Schickſal auch nicht gehabt, ſo wuͤrde er doch auf dem Lande auch bei den beſten Vorſaͤtzen, das nicht haben leiſten koͤnnen, was er als Profeſſor in Karlsruhe wirklich geleiſtet hat, und in der Folge geleiſtet haben wuͤrde. Ich fuͤrchte nicht, daß irgend ein geſchickter, fleiſ- ſiger und thaͤtiger Landprediger dieſe Aeußerung als eine Herabwuͤrdigung des Predigerſtandes anſehen werde. Ich weis es recht gut, wie viel alle Zweige der Wiſſenſchaften den Landpredi- gern zu danken haben. Ich rede nicht von den Ausnahmen, ich rede von der Regel. Die haͤu- figen Klagen geſchickter Landgeiſtlichen uͤber die Menge laͤſtiger Haus- und Wirthſchaftsſorgen, uͤber den Mangel der Buͤcher, der Journale, der Aufmunterung, Unterſtuͤtzung und des gelehrten Umgangs rechtfertigen meine Meinung, daß Sander als Profeſſor in Karlsruhe ſich ge- meinnuͤtziger machen konnte, als es auf dem Lande wuͤrde a 5

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Zitationshilfe: Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784, S. IX. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784/15>, abgerufen am 24.08.2019.