Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Salzmann, Christian Gotthilf: Ueber die heimlichen Sünden der Jugend. Leipzig, 1785.

Bild:
<< vorherige Seite
VIII.

Meine übrige Cammeraden waren gleich-
falls mit dieser Seuche angesteckt: da war
niemand, der uns vor diesem Verderben warn-
te: denn obgleich der Rector bey einigen die
Abnahme ihrer Gestalt wahrnahm; so besass
er doch zu viel Glaubensgnade und zu wnig
Menschenkenntniss und Erfahrung, als dass
er den wahren Grund davon haette entdecken
können: also blieb ich noch ein Jahr lang in
diesem unglaucklichen Taumel der Leiden-
schaft, bis endlich die Lesung einiger guten
Schriften, besonders Gellerts moralische Vor-
lesungen und der Kinderfreund, meine Ver-
nunft, und mein eingeschlaefertes Gewissen
wieder aufweckten.

IX.

Auszug aus dem Schreiben eines Arztes:

Im Anfange wusste er gar nicht, dass seine
Handlung etwas unrechtes sei, oder dass sie
ihm Schaden bringen könnte, weil er davon

noch
VIII.

Meine übrige Cammeraden waren gleich-
falls mit dieſer Seuche angeſteckt: da war
niemand, der uns vor dieſem Verderben warn-
te: denn obgleich der Rector bey einigen die
Abnahme ihrer Geſtalt wahrnahm; ſo beſaſs
er doch zu viel Glaubensgnade und zu wnig
Menſchenkenntniſs und Erfahrung, als daſs
er den wahren Grund davon hætte entdecken
können: alſo blieb ich noch ein Jahr lang in
dieſem unglûcklichen Taumel der Leiden-
ſchaft, bis endlich die Leſung einiger guten
Schriften, beſonders Gellerts moraliſche Vor-
leſungen und der Kinderfreund, meine Ver-
nunft, und mein eingeſchlæfertes Gewiſſen
wieder aufweckten.

IX.

Auszug aus dem Schreiben eines Arztes:

Im Anfange wuſste er gar nicht, daſs ſeine
Handlung etwas unrechtes ſei, oder daſs ſie
ihm Schaden bringen könnte, weil er davon

noch
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0034" n="24"/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">VIII.</hi> </head><lb/>
            <p>Meine übrige Cammeraden waren gleich-<lb/>
falls mit die&#x017F;er Seuche ange&#x017F;teckt: da war<lb/>
niemand, der uns vor die&#x017F;em Verderben warn-<lb/>
te: denn obgleich der Rector bey einigen die<lb/>
Abnahme ihrer Ge&#x017F;talt wahrnahm; &#x017F;o be&#x017F;a&#x017F;s<lb/>
er doch zu viel Glaubensgnade und zu wnig<lb/>
Men&#x017F;chenkenntni&#x017F;s und Erfahrung, als da&#x017F;s<lb/>
er den wahren Grund davon hætte entdecken<lb/>
können: al&#x017F;o blieb ich noch ein Jahr lang in<lb/>
die&#x017F;em unglûcklichen Taumel der Leiden-<lb/>
&#x017F;chaft, bis endlich die Le&#x017F;ung einiger guten<lb/>
Schriften, be&#x017F;onders Gellerts morali&#x017F;che Vor-<lb/>
le&#x017F;ungen und der Kinderfreund, meine Ver-<lb/>
nunft, und mein einge&#x017F;chlæfertes Gewi&#x017F;&#x017F;en<lb/>
wieder aufweckten.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">IX.</hi> </head><lb/>
            <p><hi rendition="#i">Ausz</hi>u<hi rendition="#i">g aus dem Schreiben eines Arztes:</hi></p><lb/>
            <p><hi rendition="#in">I</hi>m Anfange wu&#x017F;ste er gar nicht, da&#x017F;s &#x017F;eine<lb/>
Handlung etwas unrechtes &#x017F;ei, oder da&#x017F;s &#x017F;ie<lb/>
ihm Schaden bringen könnte, weil er davon<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">noch</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[24/0034] VIII. Meine übrige Cammeraden waren gleich- falls mit dieſer Seuche angeſteckt: da war niemand, der uns vor dieſem Verderben warn- te: denn obgleich der Rector bey einigen die Abnahme ihrer Geſtalt wahrnahm; ſo beſaſs er doch zu viel Glaubensgnade und zu wnig Menſchenkenntniſs und Erfahrung, als daſs er den wahren Grund davon hætte entdecken können: alſo blieb ich noch ein Jahr lang in dieſem unglûcklichen Taumel der Leiden- ſchaft, bis endlich die Leſung einiger guten Schriften, beſonders Gellerts moraliſche Vor- leſungen und der Kinderfreund, meine Ver- nunft, und mein eingeſchlæfertes Gewiſſen wieder aufweckten. IX. Auszug aus dem Schreiben eines Arztes: Im Anfange wuſste er gar nicht, daſs ſeine Handlung etwas unrechtes ſei, oder daſs ſie ihm Schaden bringen könnte, weil er davon noch

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/salzmann_suenden_1785
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/salzmann_suenden_1785/34
Zitationshilfe: Salzmann, Christian Gotthilf: Ueber die heimlichen Sünden der Jugend. Leipzig, 1785, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/salzmann_suenden_1785/34>, abgerufen am 18.08.2019.