Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 5. Leipzig, 1839.

Bild:
<< vorherige Seite
Wie kommt die Herrlichkeit in einen Kindesmund?
Da that es ihr der Geist, der überm Kind war, kund:
Im Mund beschlossen sind Himmel und Paradiese;
Entfalten wird das Kind in seiner Lehre diese.

5.
Vom Gärtner kauft' ich mir ein schönes Blumenstöckchen,
So reich an Hoffnungen in halberschlossnen Glöckchen.
Ich wandte meine Müh und meine Zeit darauf;
Die Glöckchen blühten zu, doch blühten sie nicht auf.
Sie blühten immer zu, bis sie unaufgeblüht
Abwelkten, und betrübt darob ward mein Gemüt.
Hat dich der Gärtner, hat die Hoffnung dich betrogen?
Sie wären aufgeblüht, vom Gärtner selbst gezogen.
Die Freude blühet auf nur in des Gärtners Hand,
Bei dir zu knospen ist die Hoffnung nur im Stand.

Wie kommt die Herrlichkeit in einen Kindesmund?
Da that es ihr der Geiſt, der uͤberm Kind war, kund:
Im Mund beſchloſſen ſind Himmel und Paradieſe;
Entfalten wird das Kind in ſeiner Lehre dieſe.

5.
Vom Gaͤrtner kauft' ich mir ein ſchoͤnes Blumenſtoͤckchen,
So reich an Hoffnungen in halberſchloſſnen Gloͤckchen.
Ich wandte meine Muͤh und meine Zeit darauf;
Die Gloͤckchen bluͤhten zu, doch bluͤhten ſie nicht auf.
Sie bluͤhten immer zu, bis ſie unaufgebluͤht
Abwelkten, und betruͤbt darob ward mein Gemuͤt.
Hat dich der Gaͤrtner, hat die Hoffnung dich betrogen?
Sie waͤren aufgebluͤht, vom Gaͤrtner ſelbſt gezogen.
Die Freude bluͤhet auf nur in des Gaͤrtners Hand,
Bei dir zu knoſpen iſt die Hoffnung nur im Stand.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0016" n="6"/>
            <lg n="4">
              <l>Wie kommt die Herrlichkeit in einen Kindesmund?</l><lb/>
              <l>Da that es ihr der Gei&#x017F;t, der u&#x0364;berm Kind war, kund:</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Im Mund be&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ind Himmel und Paradie&#x017F;e;</l><lb/>
              <l>Entfalten wird das Kind in &#x017F;einer Lehre die&#x017F;e.</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head>5.</head><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l>Vom Ga&#x0364;rtner kauft' ich mir ein &#x017F;cho&#x0364;nes Blumen&#x017F;to&#x0364;ckchen,</l><lb/>
              <l>So reich an Hoffnungen in halber&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;nen Glo&#x0364;ckchen.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <l>Ich wandte meine Mu&#x0364;h und meine Zeit darauf;</l><lb/>
              <l>Die Glo&#x0364;ckchen blu&#x0364;hten zu, doch blu&#x0364;hten &#x017F;ie nicht auf.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <l>Sie blu&#x0364;hten immer zu, bis &#x017F;ie unaufgeblu&#x0364;ht</l><lb/>
              <l>Abwelkten, und betru&#x0364;bt darob ward mein Gemu&#x0364;t.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <l>Hat dich der Ga&#x0364;rtner, hat die Hoffnung dich betrogen?</l><lb/>
              <l>Sie wa&#x0364;ren aufgeblu&#x0364;ht, vom Ga&#x0364;rtner &#x017F;elb&#x017F;t gezogen.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Die Freude blu&#x0364;het auf nur in des Ga&#x0364;rtners Hand,</l><lb/>
              <l>Bei dir zu kno&#x017F;pen i&#x017F;t die Hoffnung nur im Stand.</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[6/0016] Wie kommt die Herrlichkeit in einen Kindesmund? Da that es ihr der Geiſt, der uͤberm Kind war, kund: Im Mund beſchloſſen ſind Himmel und Paradieſe; Entfalten wird das Kind in ſeiner Lehre dieſe. 5. Vom Gaͤrtner kauft' ich mir ein ſchoͤnes Blumenſtoͤckchen, So reich an Hoffnungen in halberſchloſſnen Gloͤckchen. Ich wandte meine Muͤh und meine Zeit darauf; Die Gloͤckchen bluͤhten zu, doch bluͤhten ſie nicht auf. Sie bluͤhten immer zu, bis ſie unaufgebluͤht Abwelkten, und betruͤbt darob ward mein Gemuͤt. Hat dich der Gaͤrtner, hat die Hoffnung dich betrogen? Sie waͤren aufgebluͤht, vom Gaͤrtner ſelbſt gezogen. Die Freude bluͤhet auf nur in des Gaͤrtners Hand, Bei dir zu knoſpen iſt die Hoffnung nur im Stand.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane05_1839
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane05_1839/16
Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 5. Leipzig, 1839, S. 6. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane05_1839/16>, abgerufen am 26.05.2019.