Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rhode, Johann Gottlieb: Theorie der Verbreitung des Schalles für Baukünstler. Berlin, 1800.

Bild:
<< vorherige Seite

sie jene Gesetze hinlänglich kennen, aber der
Baukünstler bezweifelt es. Den Grund
dieses Zweifels nimmt er aus der Er¬
fahrung. Er glaubt seine Gebäude,
z. B. die Schauspielhäuser ganz nach
jenen, von dem Physiker aufgestellten
Gesetzen, einzurichten, und dennoch ent¬
spricht der gewöhnliche Erfolg seinen
Erwartungen so wenig, dass oft das
Gegentheil von dem eintrift, was er be¬
absichtigte. Da er nun in die Rich¬
tigkeit seiner Anwendung jener
Gesetze keinen Zweifel setzt
, so
bezweifelt er die Gesetze selbst

und behauptet: der Schall müsse sich
auf eine noch unbekannte Art, und
nach noch unentdeckten Gesetzen verbrei¬
ten. Es ist der Zweck gegenwärtiger
Schrift, das Gegentheil dieser Behauptung
zu beweisen, und darzuthuen: dass der
schlechte Erfolg bei den Absich¬
ten unsrer Baumeister nicht in

ſie jene Geſetze hinlänglich kennen, aber der
Baukünſtler bezweifelt es. Den Grund
dieſes Zweifels nimmt er aus der Er¬
fahrung. Er glaubt ſeine Gebäude,
z. B. die Schauſpielhäuſer ganz nach
jenen, von dem Phyſiker aufgeſtellten
Geſetzen, einzurichten, und dennoch ent¬
ſpricht der gewöhnliche Erfolg ſeinen
Erwartungen ſo wenig, daſs oft das
Gegentheil von dem eintrift, was er be¬
abſichtigte. Da er nun in die Rich¬
tigkeit ſeiner Anwendung jener
Geſetze keinen Zweifel ſetzt
, ſo
bezweifelt er die Geſetze ſelbſt

und behauptet: der Schall müſse ſich
auf eine noch unbekannte Art, und
nach noch unentdeckten Geſetzen verbrei¬
ten. Es iſt der Zweck gegenwärtiger
Schrift, das Gegentheil dieſer Behauptung
zu beweiſen, und darzuthuen: daſs der
ſchlechte Erfolg bei den Abſich¬
ten unſrer Baumeiſter nicht in

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0013" n="7"/>
&#x017F;ie jene Ge&#x017F;etze hinlänglich kennen, aber der<lb/>
Baukün&#x017F;tler bezweifelt es. Den Grund<lb/>
die&#x017F;es Zweifels nimmt er aus der Er¬<lb/>
fahrung. Er glaubt &#x017F;eine Gebäude,<lb/>
z. B. die Schau&#x017F;pielhäu&#x017F;er ganz nach<lb/>
jenen, von dem Phy&#x017F;iker aufge&#x017F;tellten<lb/>
Ge&#x017F;etzen, einzurichten, und dennoch ent¬<lb/>
&#x017F;pricht der gewöhnliche Erfolg &#x017F;einen<lb/>
Erwartungen &#x017F;o wenig, da&#x017F;s oft das<lb/>
Gegentheil von dem eintrift, was er be¬<lb/>
ab&#x017F;ichtigte. Da er nun in <hi rendition="#g">die Rich¬<lb/>
tigkeit &#x017F;einer Anwendung jener<lb/>
Ge&#x017F;etze keinen Zweifel &#x017F;etzt</hi>, <hi rendition="#g">&#x017F;o<lb/>
bezweifelt er die Ge&#x017F;etze &#x017F;elb&#x017F;t</hi><lb/>
und behauptet: der Schall mü&#x017F;se &#x017F;ich<lb/>
auf eine noch unbekannte Art, und<lb/>
nach noch unentdeckten Ge&#x017F;etzen verbrei¬<lb/>
ten. Es i&#x017F;t der Zweck gegenwärtiger<lb/>
Schrift, das Gegentheil die&#x017F;er Behauptung<lb/>
zu bewei&#x017F;en, und darzuthuen: <hi rendition="#g">da&#x017F;s der<lb/>
&#x017F;chlechte Erfolg bei den Ab&#x017F;ich¬<lb/>
ten un&#x017F;rer Baumei&#x017F;ter nicht in<lb/></hi></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[7/0013] ſie jene Geſetze hinlänglich kennen, aber der Baukünſtler bezweifelt es. Den Grund dieſes Zweifels nimmt er aus der Er¬ fahrung. Er glaubt ſeine Gebäude, z. B. die Schauſpielhäuſer ganz nach jenen, von dem Phyſiker aufgeſtellten Geſetzen, einzurichten, und dennoch ent¬ ſpricht der gewöhnliche Erfolg ſeinen Erwartungen ſo wenig, daſs oft das Gegentheil von dem eintrift, was er be¬ abſichtigte. Da er nun in die Rich¬ tigkeit ſeiner Anwendung jener Geſetze keinen Zweifel ſetzt, ſo bezweifelt er die Geſetze ſelbſt und behauptet: der Schall müſse ſich auf eine noch unbekannte Art, und nach noch unentdeckten Geſetzen verbrei¬ ten. Es iſt der Zweck gegenwärtiger Schrift, das Gegentheil dieſer Behauptung zu beweiſen, und darzuthuen: daſs der ſchlechte Erfolg bei den Abſich¬ ten unſrer Baumeiſter nicht in

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rhode_schall_1800
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rhode_schall_1800/13
Zitationshilfe: Rhode, Johann Gottlieb: Theorie der Verbreitung des Schalles für Baukünstler. Berlin, 1800, S. 7. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rhode_schall_1800/13>, abgerufen am 26.06.2019.