Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pocci, Franz von: Lustiges Komödienbüchlein. Bd. 3. München, 1869.

Bild:
<< vorherige Seite
Fleischmann (läuft herein und fällt auf den Bauch.)
Potz Element! -- gerade war noch heller Mond-
schein; da wird's auf einmal dunkel und ich stolpere
über einen Stein. Die Kinder hab' ich aus dem
Gesicht verloren. Verfluchte Geschichte! Der Henker
hole den Schneidergesellen! Der ist mir auch ausge-
kommen; Und die Kinder waren schon so hübsch her-
ausgefüttert! Der vermaledeite gute Wein! -- Auch
die Kathrine ist mir durchgegangen! -- Alles geht
mir der Quere! -- Müd bin ich wie ein alter Post-
gaul; was ist zu machen als hier ein Bischen ruhen?
Dort sehe ich einen Hügel im Halbdunkel. Jch will
mich niederlegen und ein wenig schlafen.

(Er legt sich auf den Hügel und schläft ein.)
(Der Mond tritt hinter den Wolken bervor und leuchtet wieder.)
Der Mond.
Er schläft, nun kann ich wieder scheinen,
Vielleicht nütz' ich den lieben Kleinen;
Doch wie? Da naht sich dieser Stelle
Ganz abgehetzt ein drolliger Geselle.
Kasperl.
Tausendschlipperment, das war aber eine Hetz!
Wie der Professor sein Rausch ausg'schlafen hat und
ich den meinigen und wir so aufenand g'legen sind,
Fleiſchmann (läuft herein und fällt auf den Bauch.)
Potz Element! — gerade war noch heller Mond-
ſchein; da wird’s auf einmal dunkel und ich ſtolpere
über einen Stein. Die Kinder hab’ ich aus dem
Geſicht verloren. Verfluchte Geſchichte! Der Henker
hole den Schneidergeſellen! Der iſt mir auch ausge-
kommen; Und die Kinder waren ſchon ſo hübſch her-
ausgefüttert! Der vermaledeite gute Wein! — Auch
die Kathrine iſt mir durchgegangen! — Alles geht
mir der Quere! — Müd bin ich wie ein alter Poſt-
gaul; was iſt zu machen als hier ein Bischen ruhen?
Dort ſehe ich einen Hügel im Halbdunkel. Jch will
mich niederlegen und ein wenig ſchlafen.

(Er legt ſich auf den Hügel und ſchläft ein.)
(Der Mond tritt hinter den Wolken bervor und leuchtet wieder.)
Der Mond.
Er ſchläft, nun kann ich wieder ſcheinen,
Vielleicht nütz’ ich den lieben Kleinen;
Doch wie? Da naht ſich dieſer Stelle
Ganz abgehetzt ein drolliger Geſelle.
Kasperl.
Tauſendſchlipperment, das war aber eine Hetz!
Wie der Profeſſor ſein Rauſch ausg’ſchlafen hat und
ich den meinigen und wir ſo aufenand g’legen ſind,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0042" n="38"/>
            <sp who="#FLE">
              <speaker> <hi rendition="#b">Flei&#x017F;chmann</hi> </speaker>
              <stage>(läuft herein und fällt auf den Bauch.)</stage><lb/>
              <p>Potz Element! &#x2014; gerade war noch heller Mond-<lb/>
&#x017F;chein; da wird&#x2019;s auf einmal dunkel und ich &#x017F;tolpere<lb/>
über einen Stein. Die Kinder hab&#x2019; ich aus dem<lb/>
Ge&#x017F;icht verloren. Verfluchte Ge&#x017F;chichte! Der Henker<lb/>
hole den Schneiderge&#x017F;ellen! Der i&#x017F;t mir auch ausge-<lb/>
kommen; Und die Kinder waren &#x017F;chon &#x017F;o hüb&#x017F;ch her-<lb/>
ausgefüttert! Der vermaledeite gute Wein! &#x2014; Auch<lb/>
die Kathrine i&#x017F;t mir durchgegangen! &#x2014; Alles geht<lb/>
mir der Quere! &#x2014; Müd bin ich wie ein alter Po&#x017F;t-<lb/>
gaul; was i&#x017F;t zu machen als hier ein Bischen ruhen?<lb/>
Dort &#x017F;ehe ich einen Hügel im Halbdunkel. Jch will<lb/>
mich niederlegen und ein wenig &#x017F;chlafen.</p><lb/>
              <stage> <hi rendition="#c">(Er legt &#x017F;ich auf den Hügel und &#x017F;chläft ein.)<lb/>
(Der Mond tritt hinter den Wolken bervor und leuchtet wieder.)</hi> </stage>
            </sp><lb/>
            <sp who="#MOND">
              <speaker> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#b">Der Mond.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <lg type="poem">
                <l>Er &#x017F;chläft, nun kann ich wieder &#x017F;cheinen,</l><lb/>
                <l>Vielleicht nütz&#x2019; ich den lieben Kleinen;</l><lb/>
                <l>Doch wie? Da naht &#x017F;ich die&#x017F;er Stelle</l><lb/>
                <l>Ganz abgehetzt ein drolliger Ge&#x017F;elle.</l>
              </lg>
            </sp><lb/>
            <sp who="#KASL">
              <speaker> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#b">Kasperl.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <p>Tau&#x017F;end&#x017F;chlipperment, das war aber eine Hetz!<lb/>
Wie der Profe&#x017F;&#x017F;or &#x017F;ein Rau&#x017F;ch ausg&#x2019;&#x017F;chlafen hat und<lb/>
ich den meinigen und wir &#x017F;o aufenand g&#x2019;legen &#x017F;ind,<lb/></p>
            </sp>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[38/0042] Fleiſchmann (läuft herein und fällt auf den Bauch.) Potz Element! — gerade war noch heller Mond- ſchein; da wird’s auf einmal dunkel und ich ſtolpere über einen Stein. Die Kinder hab’ ich aus dem Geſicht verloren. Verfluchte Geſchichte! Der Henker hole den Schneidergeſellen! Der iſt mir auch ausge- kommen; Und die Kinder waren ſchon ſo hübſch her- ausgefüttert! Der vermaledeite gute Wein! — Auch die Kathrine iſt mir durchgegangen! — Alles geht mir der Quere! — Müd bin ich wie ein alter Poſt- gaul; was iſt zu machen als hier ein Bischen ruhen? Dort ſehe ich einen Hügel im Halbdunkel. Jch will mich niederlegen und ein wenig ſchlafen. (Er legt ſich auf den Hügel und ſchläft ein.) (Der Mond tritt hinter den Wolken bervor und leuchtet wieder.) Der Mond. Er ſchläft, nun kann ich wieder ſcheinen, Vielleicht nütz’ ich den lieben Kleinen; Doch wie? Da naht ſich dieſer Stelle Ganz abgehetzt ein drolliger Geſelle. Kasperl. Tauſendſchlipperment, das war aber eine Hetz! Wie der Profeſſor ſein Rauſch ausg’ſchlafen hat und ich den meinigen und wir ſo aufenand g’legen ſind,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pocci_komoedienbuechlein03_1869
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pocci_komoedienbuechlein03_1869/42
Zitationshilfe: Pocci, Franz von: Lustiges Komödienbüchlein. Bd. 3. München, 1869, S. 38. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pocci_komoedienbuechlein03_1869/42>, abgerufen am 19.09.2019.