Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pocci, Franz von: Lustiges Komödienbüchlein. Bd. 3. München, 1869.

Bild:
<< vorherige Seite
Auch dieses melodische Lied scheint Niemanden
herbeigelockt zu haben.

(Eine Kuh schaut zum Fenster berein und schreit "Muh, muh"!)
Ah! Da ist ja doch ein Wesen irdischer Be-
stimmung! Aber ein Kalbsbratl auf'n Tisch wär mir
lieber als die Kuh vorm Haus draussen. -- Jetzt
bin ich ganz caput. Jch leg mich da a bißl auf'n
Boden hin und will's schlafen probiren. Derweil
kann hinter meinem Rücken der Hunger mein' Durst
fressen und der Durst mein' Hunger trinken.
(Legt sich hin und schlaft ein. Die Kuh tritt ein, schnuppert herum und fangt
an, Kasperls Mantelsack zu fressen.)


Verwandlung.
Wald mit dem Häuschen des Professors
Fleischmann.
Hansl
und Grethl (treten auf.)
Hansl.
Grethl! wo sind wir denn jetzt?
Grethl.
Jch weiß nit, Hansl. Jch glaub, wir hab'n uns
vergangen.
Auch dieſes melodiſche Lied ſcheint Niemanden
herbeigelockt zu haben.

(Eine Kuh ſchaut zum Fenſter berein und ſchreit „Muh, muh‟!)
Ah! Da iſt ja doch ein Weſen irdiſcher Be-
ſtimmung! Aber ein Kalbsbratl auf’n Tiſch wär mir
lieber als die Kuh vorm Haus drauſſen. — Jetzt
bin ich ganz caput. Jch leg mich da a bißl auf’n
Boden hin und will’s ſchlafen probiren. Derweil
kann hinter meinem Rücken der Hunger mein’ Durſt
freſſen und der Durſt mein’ Hunger trinken.
(Legt ſich hin und ſchlaft ein. Die Kuh tritt ein, ſchnuppert herum und fangt
an, Kasperls Mantelſack zu freſſen.)


Verwandlung.
Wald mit dem Häuschen des Profeſſors
Fleiſchmann.
Hansl
und Grethl (treten auf.)
Hansl.
Grethl! wo ſind wir denn jetzt?
Grethl.
Jch weiß nit, Hansl. Jch glaub, wir hab’n uns
vergangen.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <sp who="#KASL">
            <pb facs="#f0014" n="10"/>
            <p>Auch die&#x017F;es melodi&#x017F;che Lied &#x017F;cheint Niemanden<lb/>
herbeigelockt zu haben.</p><lb/>
            <stage> <hi rendition="#c">(Eine Kuh &#x017F;chaut zum Fen&#x017F;ter berein und &#x017F;chreit &#x201E;Muh, muh&#x201F;!)</hi> </stage><lb/>
            <p>Ah! Da i&#x017F;t ja doch ein We&#x017F;en irdi&#x017F;cher Be-<lb/>
&#x017F;timmung! Aber ein Kalbsbratl auf&#x2019;n Ti&#x017F;ch wär mir<lb/>
lieber als die Kuh vorm Haus drau&#x017F;&#x017F;en. &#x2014; Jetzt<lb/>
bin ich ganz caput. Jch leg mich da a bißl auf&#x2019;n<lb/>
Boden hin und will&#x2019;s &#x017F;chlafen probiren. Derweil<lb/>
kann hinter meinem Rücken der Hunger mein&#x2019; Dur&#x017F;t<lb/>
fre&#x017F;&#x017F;en und der Dur&#x017F;t mein&#x2019; Hunger trinken.</p>
          </sp><lb/>
          <stage> <hi rendition="#c">(Legt &#x017F;ich hin und &#x017F;chlaft ein. Die Kuh tritt ein, &#x017F;chnuppert herum und fangt<lb/>
an, Kasperls Mantel&#x017F;ack zu fre&#x017F;&#x017F;en.)</hi> </stage><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Verwandlung.</hi> </head><lb/>
            <stage> <hi rendition="#c"><hi rendition="#g">Wald mit dem Häuschen des Profe&#x017F;&#x017F;ors<lb/>
Flei&#x017F;chmann.<lb/>
Hansl</hi> und <hi rendition="#g">Grethl</hi> (treten auf.)</hi> </stage><lb/>
            <sp who="#HANSL">
              <speaker> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#b">Hansl.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <p>Grethl! wo &#x017F;ind wir denn jetzt?</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#GRETHEL">
              <speaker> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#b">Grethl.</hi> </hi> </speaker><lb/>
              <p>Jch weiß nit, Hansl. Jch glaub, wir hab&#x2019;n uns<lb/>
vergangen.</p>
            </sp><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[10/0014] Auch dieſes melodiſche Lied ſcheint Niemanden herbeigelockt zu haben. (Eine Kuh ſchaut zum Fenſter berein und ſchreit „Muh, muh‟!) Ah! Da iſt ja doch ein Weſen irdiſcher Be- ſtimmung! Aber ein Kalbsbratl auf’n Tiſch wär mir lieber als die Kuh vorm Haus drauſſen. — Jetzt bin ich ganz caput. Jch leg mich da a bißl auf’n Boden hin und will’s ſchlafen probiren. Derweil kann hinter meinem Rücken der Hunger mein’ Durſt freſſen und der Durſt mein’ Hunger trinken. (Legt ſich hin und ſchlaft ein. Die Kuh tritt ein, ſchnuppert herum und fangt an, Kasperls Mantelſack zu freſſen.) Verwandlung. Wald mit dem Häuschen des Profeſſors Fleiſchmann. Hansl und Grethl (treten auf.) Hansl. Grethl! wo ſind wir denn jetzt? Grethl. Jch weiß nit, Hansl. Jch glaub, wir hab’n uns vergangen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pocci_komoedienbuechlein03_1869
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pocci_komoedienbuechlein03_1869/14
Zitationshilfe: Pocci, Franz von: Lustiges Komödienbüchlein. Bd. 3. München, 1869, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pocci_komoedienbuechlein03_1869/14>, abgerufen am 23.05.2019.