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Jean Paul: D. Katzenbergers Badereise. Bd. 1. Heidelberg, 1809.

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uhinus -- Fontenelle -- caetera -- et
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u. s. w.

10) Das neunte Seelen- und Bett-Lau-
danum
kann jeder gebrauchen, er habe so viele
Ideen als er will, oder so wenige, oder keine.
Ich schäme mich es aber anzugeben, da es in
nichts Geistigerem besteht, als darin, daß man
die fünf Finger, einen nach dem andern, lang-
sam auf oder unter dem Deckbette auf- und nie-
der bewegt, und fortfährt und daran so lange
denkt, bis man, ohne daran zu denken, an
kein Aufheben oder Achtgeben mehr denkt, son-
dern schnarcht. Es ist erbärmlich, daß unser
Geist so oft der Mitbelehnte des Leibes ist, und
besonders hier das Faustrecht der todten Hand,
und deren Fingersetzung hat, und daß sein gei-
stiger oder geistlicher Arm in der Armröhre des
weltlichen steckt. Schlafdurstige, also Schlaf-
trunkene, z. B. Soldaten, Postillions, schlum-
mern im Reiten und marschiren halb ein, bloß
weil gleiche Bewegungen des Körpers dieselben
langweilig-geistigen, die das Gehirn wenig mehr

nerſteine — Hunde — Blutſcheu — atque —
uhinus — Fontenelle — caetera — et

u. ſ. w.

10) Das neunte Seelen- und Bett-Lau-
danum
kann jeder gebrauchen, er habe ſo viele
Ideen als er will, oder ſo wenige, oder keine.
Ich ſchaͤme mich es aber anzugeben, da es in
nichts Geiſtigerem beſteht, als darin, daß man
die fuͤnf Finger, einen nach dem andern, lang-
ſam auf oder unter dem Deckbette auf- und nie-
der bewegt, und fortfaͤhrt und daran ſo lange
denkt, bis man, ohne daran zu denken, an
kein Aufheben oder Achtgeben mehr denkt, ſon-
dern ſchnarcht. Es iſt erbärmlich, daß unſer
Geiſt ſo oft der Mitbelehnte des Leibes iſt, und
beſonders hier das Fauſtrecht der todten Hand,
und deren Fingerſetzung hat, und daß ſein gei-
ſtiger oder geiſtlicher Arm in der Armroͤhre des
weltlichen ſteckt. Schlafdurſtige, alſo Schlaf-
trunkene, z. B. Soldaten, Poſtillions, ſchlum-
mern im Reiten und marſchiren halb ein, bloß
weil gleiche Bewegungen des Koͤrpers dieſelben
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[232/0250] nerſteine — Hunde — Blutſcheu — atque — uhinus — Fontenelle — caetera — et — u. ſ. w. 10) Das neunte Seelen- und Bett-Lau- danum kann jeder gebrauchen, er habe ſo viele Ideen als er will, oder ſo wenige, oder keine. Ich ſchaͤme mich es aber anzugeben, da es in nichts Geiſtigerem beſteht, als darin, daß man die fuͤnf Finger, einen nach dem andern, lang- ſam auf oder unter dem Deckbette auf- und nie- der bewegt, und fortfaͤhrt und daran ſo lange denkt, bis man, ohne daran zu denken, an kein Aufheben oder Achtgeben mehr denkt, ſon- dern ſchnarcht. Es iſt erbärmlich, daß unſer Geiſt ſo oft der Mitbelehnte des Leibes iſt, und beſonders hier das Fauſtrecht der todten Hand, und deren Fingerſetzung hat, und daß ſein gei- ſtiger oder geiſtlicher Arm in der Armroͤhre des weltlichen ſteckt. Schlafdurſtige, alſo Schlaf- trunkene, z. B. Soldaten, Poſtillions, ſchlum- mern im Reiten und marſchiren halb ein, bloß weil gleiche Bewegungen des Koͤrpers dieſelben langweilig-geiſtigen, die das Gehirn wenig mehr

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Zitationshilfe: Jean Paul: D. Katzenbergers Badereise. Bd. 1. Heidelberg, 1809, S. 232. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/paul_katzenberger01_1809/250>, abgerufen am 18.09.2019.