Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Käsbohrer, Sebastian [i. e. Johann Gottfried Pahl]: Vernunft- und schriftmäßiges Schutz- Trutz- und Vertheidigungs-Libell für den Wirtembergischen Adel, gegen die demokratischen und jakobinischen Belialssöhne unserer Zeit. Waldangelloch und Leipzig [Stuttgart], 1797.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorzug vor dem Edelmann Anspruch machen. Denn wollte man die Menschen immer nach Maaßgabe ihrer Einsichten und ihrer Tugenden placiren, so wäre ein ewiges Abschaffen und Anstellen im Lande, die unbärtige Jugend verdränge überall das Alter, und die Söhne der angesehensten und reichsten Eltern würden oft kaum eine Hauptzollerey oder eine Kastenknechtsstelle erlangen. Aber so treten, von Rechtswegen, zum Verdiente, Gewohnheit, Vetterschaften, Heirathen, Geschenke, Maitressen, Hofgunst, und dergleichen Dinge hinzu, und bringen, in Gottes Namen, alles wieder ins richtige Geleis. Mein Provisor spielt seinen Generalbaß so gut als der seelige Stötzel, und versteht seine Geometrie troz dem Herrn Pfleiderer in Tübingen, und im Rechnen ist Schmalzried nur ein Stümper gegen ihn. Ich aber kann ihm in allen diesen Stücken das Wasser nicht bieten. Mein Herr Vicarius versteht sein Hebräisch

Vorzug vor dem Edelmann Anspruch machen. Denn wollte man die Menschen immer nach Maaßgabe ihrer Einsichten und ihrer Tugenden placiren, so wäre ein ewiges Abschaffen und Anstellen im Lande, die unbärtige Jugend verdränge überall das Alter, und die Söhne der angesehensten und reichsten Eltern würden oft kaum eine Hauptzollerey oder eine Kastenknechtsstelle erlangen. Aber so treten, von Rechtswegen, zum Verdiente, Gewohnheit, Vetterschaften, Heirathen, Geschenke, Maitressen, Hofgunst, und dergleichen Dinge hinzu, und bringen, in Gottes Namen, alles wieder ins richtige Geleis. Mein Provisor spielt seinen Generalbaß so gut als der seelige Stötzel, und versteht seine Geometrie troz dem Herrn Pfleiderer in Tübingen, und im Rechnen ist Schmalzried nur ein Stümper gegen ihn. Ich aber kann ihm in allen diesen Stücken das Wasser nicht bieten. Mein Herr Vicarius versteht sein Hebräisch

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0024" n="24"/>
Vorzug vor dem Edelmann Anspruch machen. Denn wollte man die Menschen immer nach Maaßgabe ihrer Einsichten und ihrer Tugenden placiren, so wäre ein ewiges Abschaffen und Anstellen im Lande, die unbärtige Jugend verdränge überall das Alter, und die Söhne der angesehensten und reichsten Eltern würden oft kaum eine Hauptzollerey oder eine Kastenknechtsstelle erlangen. Aber so treten, von Rechtswegen, zum Verdiente, Gewohnheit, Vetterschaften, Heirathen, Geschenke, Maitressen, Hofgunst, und dergleichen Dinge hinzu, und bringen, in Gottes Namen, alles wieder ins richtige Geleis. Mein Provisor spielt seinen Generalbaß so gut als der seelige <hi rendition="#i">Stötzel</hi>, und versteht seine Geometrie troz dem Herrn <hi rendition="#i">Pfleiderer</hi> in <hi rendition="#i">Tübingen</hi>, und im Rechnen ist <hi rendition="#i">Schmalzried</hi> nur ein Stümper gegen ihn. Ich aber kann ihm in allen diesen Stücken das Wasser nicht bieten. Mein Herr Vicarius versteht sein Hebräisch
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[24/0024] Vorzug vor dem Edelmann Anspruch machen. Denn wollte man die Menschen immer nach Maaßgabe ihrer Einsichten und ihrer Tugenden placiren, so wäre ein ewiges Abschaffen und Anstellen im Lande, die unbärtige Jugend verdränge überall das Alter, und die Söhne der angesehensten und reichsten Eltern würden oft kaum eine Hauptzollerey oder eine Kastenknechtsstelle erlangen. Aber so treten, von Rechtswegen, zum Verdiente, Gewohnheit, Vetterschaften, Heirathen, Geschenke, Maitressen, Hofgunst, und dergleichen Dinge hinzu, und bringen, in Gottes Namen, alles wieder ins richtige Geleis. Mein Provisor spielt seinen Generalbaß so gut als der seelige Stötzel, und versteht seine Geometrie troz dem Herrn Pfleiderer in Tübingen, und im Rechnen ist Schmalzried nur ein Stümper gegen ihn. Ich aber kann ihm in allen diesen Stücken das Wasser nicht bieten. Mein Herr Vicarius versteht sein Hebräisch

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Geviertstriche (—) wurden durch Halbgeviertstriche ersetzt (–).
  • lang + rund s wird ß; Ligaturen werden getrennt (æ = ae); vv wird als w trankribiert



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_libell_1797
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_libell_1797/24
Zitationshilfe: Käsbohrer, Sebastian [i. e. Johann Gottfried Pahl]: Vernunft- und schriftmäßiges Schutz- Trutz- und Vertheidigungs-Libell für den Wirtembergischen Adel, gegen die demokratischen und jakobinischen Belialssöhne unserer Zeit. Waldangelloch und Leipzig [Stuttgart], 1797, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_libell_1797/24>, abgerufen am 15.08.2020.