Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pahl, Johann Gottfried: Wohlgemeyntes, in Vernunft und Schrift bestgegründetes, jedoch unmaaßgebliches Gutachten, über die Wahlfähigkeit eines Landtagsdeputirten in Wirtemberg. 1797.

Bild:
<< vorherige Seite

Menschenmasse in jedem Staate, besteht aus zwo Klassen, aus der regierenden und der gehorchenden. Die erstre, die regierende, hat ihre Macht von dem Fürsten, in dessen Person alle Staatsgewalt koncentrirt ist, und ob sie gleich nur stellvertretend handelt, und nur ein von der Willkühr des höchsten Oberhauptes abhängiges Recht besizt, so muß in ihr doch die Person des Fürsten respektirt werden: hingegen die leztre, die gehorchende Klasse, ist im Staate eine blosse Null, sie ist in der Hand der erstern eine Maschine ohne Selbstständigkeit und Persönlichkeit, sie hat keinen eigenen Willen, und muß sich in allen Fällen nur passiv verhalten. Diese Grundsäze sind ganz unbedingt wahr, und weicht man manchesmal in praxi von ihnen ab, so geschiehet es blos aus allerhöchster Milde, die aber meistens viel Böses erzeugt, so wie überhaupt die milden Regierungen weit mehr Tadel verdienen als die strengen. Wenn nun aber ein Fürst einen Landtag ausschreibt, um sich mit seinen Unterthanen über irgend eine

Menschenmasse in jedem Staate, besteht aus zwo Klassen, aus der regierenden und der gehorchenden. Die erstre, die regierende, hat ihre Macht von dem Fürsten, in dessen Person alle Staatsgewalt koncentrirt ist, und ob sie gleich nur stellvertretend handelt, und nur ein von der Willkühr des höchsten Oberhauptes abhängiges Recht besizt, so muß in ihr doch die Person des Fürsten respektirt werden: hingegen die leztre, die gehorchende Klasse, ist im Staate eine blosse Null, sie ist in der Hand der erstern eine Maschine ohne Selbstständigkeit und Persönlichkeit, sie hat keinen eigenen Willen, und muß sich in allen Fällen nur passiv verhalten. Diese Grundsäze sind ganz unbedingt wahr, und weicht man manchesmal in praxi von ihnen ab, so geschiehet es blos aus allerhöchster Milde, die aber meistens viel Böses erzeugt, so wie überhaupt die milden Regierungen weit mehr Tadel verdienen als die strengen. Wenn nun aber ein Fürst einen Landtag ausschreibt, um sich mit seinen Unterthanen über irgend eine

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0049" n="49"/>
Menschenmasse in jedem Staate, besteht aus zwo Klassen, aus der <hi rendition="#g">regierenden</hi> und der <hi rendition="#g">gehorchenden</hi>. Die erstre, die regierende, hat ihre Macht von dem Fürsten, in dessen Person alle Staatsgewalt koncentrirt ist, und ob sie gleich nur stellvertretend handelt, und nur ein von der Willkühr des höchsten Oberhauptes abhängiges Recht besizt, so muß in ihr doch die Person des Fürsten respektirt werden: hingegen die leztre, die gehorchende Klasse, ist im Staate eine blosse Null, sie ist in der Hand der erstern eine Maschine ohne Selbstständigkeit und Persönlichkeit, sie hat keinen eigenen Willen, und muß sich in allen Fällen nur passiv verhalten. Diese Grundsäze sind ganz unbedingt wahr, und weicht man manchesmal <hi rendition="#aq">in praxi</hi> von ihnen ab, so geschiehet es blos aus allerhöchster Milde, die aber meistens viel Böses erzeugt, so wie überhaupt die milden Regierungen weit mehr Tadel verdienen als die strengen. Wenn nun aber ein Fürst einen Landtag ausschreibt, um sich mit seinen Unterthanen über irgend eine
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[49/0049] Menschenmasse in jedem Staate, besteht aus zwo Klassen, aus der regierenden und der gehorchenden. Die erstre, die regierende, hat ihre Macht von dem Fürsten, in dessen Person alle Staatsgewalt koncentrirt ist, und ob sie gleich nur stellvertretend handelt, und nur ein von der Willkühr des höchsten Oberhauptes abhängiges Recht besizt, so muß in ihr doch die Person des Fürsten respektirt werden: hingegen die leztre, die gehorchende Klasse, ist im Staate eine blosse Null, sie ist in der Hand der erstern eine Maschine ohne Selbstständigkeit und Persönlichkeit, sie hat keinen eigenen Willen, und muß sich in allen Fällen nur passiv verhalten. Diese Grundsäze sind ganz unbedingt wahr, und weicht man manchesmal in praxi von ihnen ab, so geschiehet es blos aus allerhöchster Milde, die aber meistens viel Böses erzeugt, so wie überhaupt die milden Regierungen weit mehr Tadel verdienen als die strengen. Wenn nun aber ein Fürst einen Landtag ausschreibt, um sich mit seinen Unterthanen über irgend eine

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_gutachten_1797
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_gutachten_1797/49
Zitationshilfe: Pahl, Johann Gottfried: Wohlgemeyntes, in Vernunft und Schrift bestgegründetes, jedoch unmaaßgebliches Gutachten, über die Wahlfähigkeit eines Landtagsdeputirten in Wirtemberg. 1797, S. 49. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_gutachten_1797/49>, abgerufen am 24.05.2019.