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Pachelbel-Gehag, Johann Christoph von: Ausführliche Beschreibung Des Fichtel-Berges, Jn Norgau liegend. Leipzig, 1716.

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Beschreibung des Fichtelbergs.
felst/ und empfähet nebst vielen andern geringen Bächlein in 11/2
Meilen bey dem Neuburgischen Marck Calmünz die herrliche
Vills; gehet von dannen in 11/2 Meilen auf Pullenhoffen/ in eine
Meil auf Alsberg zwey Neuburgische Flecken/ in 3/4 Meilen auf
Reichlingen/ allwo sie endlich eine gute halbe Meile oberhalb Re-Nabe ergies-
set sich in die
Donau.

genspurg sich in die vortreffliche Donau ergiesset/ nachdem sie al-
so 18. und 1/4 Meile von ihrem Ursprung im Umschweiff herumb-
gewandert ist. Nun wollen wir uns gegen der nacher Osten flies-
senden Eger wenden/ nachdem wir die unmittelbahr aus dem sehr
tieffen und hochgelegenen Fichtel-See entspringende Flüße genug-
sam betrachtet haben.

Anno 1699. im Augusto habe ich solchen Fluß bey seinemBeschrei-
bung der E-
ger.

Ursprung besehen/ und wahrgenommen/ daß Herr Brusch und
nach ihm Herr Groß in der Beschreibung desselben/ gar richtig
verfahren. Dann/ wie beede schreiben/ so entspringet er zwischen Ge-
freeß und Bischoffgrün bey Heydles/ einem nach diesem letzten Ort
gepfarrten Dorff/ aus einem Berg/ die Heyde genannt/ welche ein
Stück des Fichtelbergs ist; Dieser Bronnen liegt 3. viertel Stun-
den von Bischoffgrün gegen Weissenstadt zu/ wann man die
Heyde/ so ein gar hoher Berg ist/ überstiegen hat. Dieser Fluß
hat einen gar kleinen und geringen Urqvell/ so gleich umb die mitten
deß Bergs entspringet/ welche Gegend der Kreßenbach oder Kreb-
senbach genannt wird/ welchen Nahmen er eine 4tel Stunde
lang biß zur Strassen behält/ hernach nennen ihn die Bauern zu
Voitsumrach/ wann sie ihre Wiesen damit wässern/ die Eger/
von dannen er sich einer starcken 4tel Stunden lang zum Dorff
Weißenheyde erstrecket. Es fliesset aber auch auf der rechten
Seiten aus einer Lohe des Schneebergs/ das Butter-Faß genannt/
ein ander Flüßlein hervor/ welches aus unterschiedenen Bronnen
zusammen rinnet/ lauffet gegen Schönlind/ stärcket sich daselbsten mit
einem andern Bächlein/ und treibet also gleich eine Mühle und
hohen Offen/ vergesellschafftet sich aber zu Weissenhäyd mit
dem aus dem Krebsenbach entsprungenen Fluß. Etliche von
denen Anwohnern halten dafür/ dieser letzte Fluß sey vor
den rechten Ursprung der Eger zu halten/ welche auch eine da-

bey

Beſchreibung des Fichtelbergs.
felſt/ und empfaͤhet nebſt vielen andern geringen Baͤchlein in 1½
Meilen bey dem Neuburgiſchen Marck Calmuͤnz die herrliche
Vills; gehet von dannen in 1½ Meilen auf Pullenhoffen/ in eine
Meil auf Alsberg zwey Neuburgiſche Flecken/ in ¾ Meilen auf
Reichlingen/ allwo ſie endlich eine gute halbe Meile oberhalb Re-Nabe eꝛgieſ-
ſet ſich in die
Donau.

genſpurg ſich in die vortreffliche Donau ergieſſet/ nachdem ſie al-
ſo 18. und ¼ Meile von ihrem Urſprung im Umſchweiff herumb-
gewandert iſt. Nun wollen wir uns gegen der nacher Oſten flieſ-
ſenden Eger wenden/ nachdem wir die unmittelbahr aus dem ſehr
tieffen und hochgelegenen Fichtel-See entſpringende Fluͤße genug-
ſam betrachtet haben.

Anno 1699. im Auguſto habe ich ſolchen Fluß bey ſeinemBeſchrei-
bung der E-
ger.

Urſprung beſehen/ und wahrgenommen/ daß Herr Bruſch und
nach ihm Herr Groß in der Beſchreibung deſſelben/ gar richtig
verfahren. Dann/ wie beede ſchreiben/ ſo entſpringet er zwiſchen Ge-
freeß und Biſchoffgruͤn bey Heydles/ einem nach dieſem letzten Ort
gepfarrten Dorff/ aus einem Berg/ die Heyde genannt/ welche ein
Stuͤck des Fichtelbergs iſt; Dieſer Bronnen liegt 3. viertel Stun-
den von Biſchoffgruͤn gegen Weiſſenſtadt zu/ wann man die
Heyde/ ſo ein gar hoher Berg iſt/ uͤberſtiegen hat. Dieſer Fluß
hat einen gar kleinen und geringen Urqvell/ ſo gleich umb die mitten
deß Bergs entſpringet/ welche Gegend der Kreßenbach oder Kreb-
ſenbach genannt wird/ welchen Nahmen er eine 4tel Stunde
lang biß zur Straſſen behaͤlt/ hernach nennen ihn die Bauern zu
Voitſumrach/ wann ſie ihre Wieſen damit waͤſſern/ die Eger/
von dannen er ſich einer ſtarcken 4tel Stunden lang zum Dorff
Weißenheyde erſtrecket. Es flieſſet aber auch auf der rechten
Seiten aus einer Lohe des Schneebergs/ das Butter-Faß genannt/
ein ander Fluͤßlein hervor/ welches aus unterſchiedenen Bronnen
zuſammen rinnet/ lauffet gegen Schoͤnlind/ ſtaͤrcket ſich daſelbſten mit
einem andern Baͤchlein/ und treibet alſo gleich eine Muͤhle und
hohen Offen/ vergeſellſchafftet ſich aber zu Weiſſenhaͤyd mit
dem aus dem Krebſenbach entſprungenen Fluß. Etliche von
denen Anwohnern halten dafuͤr/ dieſer letzte Fluß ſey vor
den rechten Urſprung der Eger zu halten/ welche auch eine da-

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[23/0036] Beſchreibung des Fichtelbergs. felſt/ und empfaͤhet nebſt vielen andern geringen Baͤchlein in 1½ Meilen bey dem Neuburgiſchen Marck Calmuͤnz die herrliche Vills; gehet von dannen in 1½ Meilen auf Pullenhoffen/ in eine Meil auf Alsberg zwey Neuburgiſche Flecken/ in ¾ Meilen auf Reichlingen/ allwo ſie endlich eine gute halbe Meile oberhalb Re- genſpurg ſich in die vortreffliche Donau ergieſſet/ nachdem ſie al- ſo 18. und ¼ Meile von ihrem Urſprung im Umſchweiff herumb- gewandert iſt. Nun wollen wir uns gegen der nacher Oſten flieſ- ſenden Eger wenden/ nachdem wir die unmittelbahr aus dem ſehr tieffen und hochgelegenen Fichtel-See entſpringende Fluͤße genug- ſam betrachtet haben. Nabe eꝛgieſ- ſet ſich in die Donau. Anno 1699. im Auguſto habe ich ſolchen Fluß bey ſeinem Urſprung beſehen/ und wahrgenommen/ daß Herr Bruſch und nach ihm Herr Groß in der Beſchreibung deſſelben/ gar richtig verfahren. Dann/ wie beede ſchreiben/ ſo entſpringet er zwiſchen Ge- freeß und Biſchoffgruͤn bey Heydles/ einem nach dieſem letzten Ort gepfarrten Dorff/ aus einem Berg/ die Heyde genannt/ welche ein Stuͤck des Fichtelbergs iſt; Dieſer Bronnen liegt 3. viertel Stun- den von Biſchoffgruͤn gegen Weiſſenſtadt zu/ wann man die Heyde/ ſo ein gar hoher Berg iſt/ uͤberſtiegen hat. Dieſer Fluß hat einen gar kleinen und geringen Urqvell/ ſo gleich umb die mitten deß Bergs entſpringet/ welche Gegend der Kreßenbach oder Kreb- ſenbach genannt wird/ welchen Nahmen er eine 4tel Stunde lang biß zur Straſſen behaͤlt/ hernach nennen ihn die Bauern zu Voitſumrach/ wann ſie ihre Wieſen damit waͤſſern/ die Eger/ von dannen er ſich einer ſtarcken 4tel Stunden lang zum Dorff Weißenheyde erſtrecket. Es flieſſet aber auch auf der rechten Seiten aus einer Lohe des Schneebergs/ das Butter-Faß genannt/ ein ander Fluͤßlein hervor/ welches aus unterſchiedenen Bronnen zuſammen rinnet/ lauffet gegen Schoͤnlind/ ſtaͤrcket ſich daſelbſten mit einem andern Baͤchlein/ und treibet alſo gleich eine Muͤhle und hohen Offen/ vergeſellſchafftet ſich aber zu Weiſſenhaͤyd mit dem aus dem Krebſenbach entſprungenen Fluß. Etliche von denen Anwohnern halten dafuͤr/ dieſer letzte Fluß ſey vor den rechten Urſprung der Eger zu halten/ welche auch eine da- bey Beſchrei- bung der E- ger.

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Zitationshilfe: Pachelbel-Gehag, Johann Christoph von: Ausführliche Beschreibung Des Fichtel-Berges, Jn Norgau liegend. Leipzig, 1716, S. 23. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pachelbel_fichtelberg_1716/36>, abgerufen am 26.08.2019.