Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Oest, Johann Friedrich: Nöthige Belehrung und Warnung für Jüngling und solche Knaben. In: Allgemeine Revision des gesammten Schul- und Erziehungswesens: von einer Gesellschaft practischer Erzieher, Bd. 6. Wolfenbüttel, 1787. S. 293-434

Bild:
<< vorherige Seite

war. Jch habe ihn seit der Zeit nie froh gesehen.

Ein andrer Knabe, nicht fern von meinem Geburtsorte, verfiel von selbst auf eine solche Mißhandlung seines Körpers. Was er für tägliches Elend ausgestanden haben mag, ist mir unbekannt. Er war kaum funfzehn Jahr alt, als er an der Auszehrung starb.

Jn einer gewissen Stadt starb ein neunjähriges Kind an den Folgen dieses Lasters, nachdem es schon eine geraume Zeit vorher völlig blind geworden war. Solche Beispiele sind schreckhaft und zeigen uns das Laster der Selbstschändung in seiner ganzen Abscheulichkeit.

Was es aber ausserdem noch für den Menschen so entehrend macht, ist der große und schleunige Verfall aller Verstandeskräfte. Davon habe ich euch vorher schon den Grund angeführt, und die Erfahrung hat es an so vielen Knaben und Jünglingen bestätigt! Selbst diejenigen, bei denen noch nicht alle Neigung für Beschäftigungen des Verstandes erstorben war, waren nicht vermögend, mit einiger Anstrengung über etwas nachzudenken. Es kostete sie unbeschreibliche Mühe, ihre Aufmerksamkeit auf etwas fest zu halten. Zu dieser Verstandesschwäche kam noch,

war. Jch habe ihn seit der Zeit nie froh gesehen.

Ein andrer Knabe, nicht fern von meinem Geburtsorte, verfiel von selbst auf eine solche Mißhandlung seines Körpers. Was er für tägliches Elend ausgestanden haben mag, ist mir unbekannt. Er war kaum funfzehn Jahr alt, als er an der Auszehrung starb.

Jn einer gewissen Stadt starb ein neunjähriges Kind an den Folgen dieses Lasters, nachdem es schon eine geraume Zeit vorher völlig blind geworden war. Solche Beispiele sind schreckhaft und zeigen uns das Laster der Selbstschändung in seiner ganzen Abscheulichkeit.

Was es aber ausserdem noch für den Menschen so entehrend macht, ist der große und schleunige Verfall aller Verstandeskräfte. Davon habe ich euch vorher schon den Grund angeführt, und die Erfahrung hat es an so vielen Knaben und Jünglingen bestätigt! Selbst diejenigen, bei denen noch nicht alle Neigung für Beschäftigungen des Verstandes erstorben war, waren nicht vermögend, mit einiger Anstrengung über etwas nachzudenken. Es kostete sie unbeschreibliche Mühe, ihre Aufmerksamkeit auf etwas fest zu halten. Zu dieser Verstandesschwäche kam noch,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0054" n="346"/>
war. Jch habe ihn seit der Zeit nie froh gesehen.</p>
        <p>Ein andrer Knabe, nicht fern von meinem Geburtsorte, verfiel von selbst auf eine solche Mißhandlung seines Körpers. Was er für tägliches Elend ausgestanden haben mag, ist mir unbekannt. Er war kaum funfzehn Jahr alt, als er an der Auszehrung starb.</p>
        <p>Jn einer gewissen Stadt starb ein neunjähriges Kind an den Folgen dieses Lasters, nachdem es schon eine geraume Zeit vorher völlig blind geworden war. Solche Beispiele sind schreckhaft und zeigen uns das Laster der Selbstschändung in seiner ganzen Abscheulichkeit.</p>
        <p>Was es aber ausserdem noch für den Menschen so entehrend macht, ist der große und schleunige Verfall aller Verstandeskräfte. Davon habe ich euch vorher schon den Grund angeführt, und die Erfahrung hat es an so vielen Knaben und Jünglingen bestätigt! Selbst diejenigen, bei denen noch nicht alle Neigung für Beschäftigungen des Verstandes erstorben war, waren nicht vermögend, mit einiger Anstrengung über etwas nachzudenken. Es kostete sie unbeschreibliche Mühe, ihre Aufmerksamkeit auf etwas fest zu halten. Zu dieser Verstandesschwäche kam noch,
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[346/0054] war. Jch habe ihn seit der Zeit nie froh gesehen. Ein andrer Knabe, nicht fern von meinem Geburtsorte, verfiel von selbst auf eine solche Mißhandlung seines Körpers. Was er für tägliches Elend ausgestanden haben mag, ist mir unbekannt. Er war kaum funfzehn Jahr alt, als er an der Auszehrung starb. Jn einer gewissen Stadt starb ein neunjähriges Kind an den Folgen dieses Lasters, nachdem es schon eine geraume Zeit vorher völlig blind geworden war. Solche Beispiele sind schreckhaft und zeigen uns das Laster der Selbstschändung in seiner ganzen Abscheulichkeit. Was es aber ausserdem noch für den Menschen so entehrend macht, ist der große und schleunige Verfall aller Verstandeskräfte. Davon habe ich euch vorher schon den Grund angeführt, und die Erfahrung hat es an so vielen Knaben und Jünglingen bestätigt! Selbst diejenigen, bei denen noch nicht alle Neigung für Beschäftigungen des Verstandes erstorben war, waren nicht vermögend, mit einiger Anstrengung über etwas nachzudenken. Es kostete sie unbeschreibliche Mühe, ihre Aufmerksamkeit auf etwas fest zu halten. Zu dieser Verstandesschwäche kam noch,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription. (2013-06-18T07:52:44Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Frederike Neuber: Bearbeitung der digitalen Edition. (2013-06-18T07:52:44Z)
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-06-18T07:52:44Z)

Weitere Informationen:

Als Grundlage dienen die Wikisource-Editionsrichtlinien.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/oest_knaben_1787
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/oest_knaben_1787/54
Zitationshilfe: Oest, Johann Friedrich: Nöthige Belehrung und Warnung für Jüngling und solche Knaben. In: Allgemeine Revision des gesammten Schul- und Erziehungswesens: von einer Gesellschaft practischer Erzieher, Bd. 6. Wolfenbüttel, 1787. S. 293-434, S. 346. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/oest_knaben_1787/54>, abgerufen am 14.10.2019.