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St. Galler Volksblatt. Nr. 73, Uznach, 13. 09. 1893.

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erste Seite

Uznach, Mittwoch No 73. den 13. September 1893.


St. Galler-Volksblatt.
Publikationsorgan der Bezirke See und Gaster.
Obligatorisch in Uznach, Jona, Eschenbach, Schmerikon, St. Gallenkappel, Ernetschwil, Gommiswald, Goldingen

[Spaltenumbruch]

Abonnementspreis: Bei den Verträgern und mit Adresse in der Schweiz
halbjährlich Fr. 2. 50 Rp., vierteljährlich Fr. 1. 30 Rp. Bei der eidgen.
Post jährlich Fr. 5. -- Rp., halbjährlich Fr. 2. 60 Rp., vierteljährlich Fr. 1.
40 Rp. Für das Ausland (Postverein) jede Nummer mit Adresse halbjähr-
lich Fr. 5. -- Rp., wöchentlich ein Mal halbjährlich Fr. 3. 50 Rp.


[Spaltenumbruch] [Abbildung]
38. Jahrgang.

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Insertionsgebühr für den Seebezirk und Gaster (ohne Vermittlung der
Inseratenbureaux): Die kleinspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Rp. --
Für die übrigen Inserenten kostet die kleinspaltige Petitzeile oder deren Raun
15 Rp. Bei Wiederholungen Rabatt. -- Inserate müssen jeweilen bis spä-
testens Dienstag und Freitag, Vormittags 9 Uhr, abgegeben werden.




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Erscheint Mittwoch und Samstag.


[Spaltenumbruch]
[Abbildung] Druck und Verlag von K. Oberholzer's Buchdruckerei. [Abbildung]

[Spaltenumbruch]

Wöchentl. Gratisbeilage: "Linth-Blätter".




[Spaltenumbruch]
Auf der Gant.
Die Monte Generoso-Bahn
Kommt nächstens unter'n Hammer;
Das Mitleid ist im Volk nicht groß,
Geschweige denn der Jammer.
Die Aktionäre, die geprellt,
Beginnen zwar zu klagen;
Doch haben sie noch and'res Geld;
Sie können's schon ertragen.
Des Südens Wunder aufzuthun
Hat man die Bahn errichtet;
Nun scheint die ganze Herrlichkeit
Von A bis Z erdichtet.
Denn was es noch Besucher gibt,
Rentirt kaum für die Kohlen,
Und das begreift doch jedermann.
So ist's zum Kuckuckholen.
Zwar tagten Kommissionen dort
Bei Sonnenschein und Humpen;
Doch halt der Bahn ihr Renommee
Auch nicht vor dem Verlumpen.
Warum habt ihr das Glück gestellt
Auf theure Bummelreisen;
Die Aussicht ist bald satt geseh'n,
Jetzt habt ihr -- altes Eisen.
Und wenn das nur die einz'ge Bahn.
Die so ihr Glück erfahren,
Die in die Rumpelkammer fuhr
So jäh nach wenig Jahren!
Es trifft das Loos noch and're wohl,
Die Zukunft wird es zeigen;
Die Monte Generoso-Bayn
Eröffnet nur den Reigen.
Auf jeden Berg bald eine Bahn,
So kann es doch nicht gehen;
Vor lauter Reid und Konkurrenz
Wird keine lang bestehen.



§ Aus der Zeit.

Immer und immer wieder ertönt uns Konservativen aus
dem Lager derjenigen, die sich stolz die volltönenden Namen
"Freisinnige" und "Liberale" beilegen, der Ruf entgegen: "Ihr
könnt euch nicht in den Geist der heutigen Zeit einleben; ihr
seid Fortschrittsfeinde". Wenn unsereiner bedächtig die Achseln
zuckt und etwelche Zweifel äußert, ob denn alle Errungenschaften
der Neuzeit auch wahre Fortschritte seien, ruft man uns von
allen Seiten zu: "Seht dort jenen Draht, der als Träger einer
geheimnißvollen Kraft die Gedanken des Menschen mit Blitzes-
schnelle von einem Ende der Erde zum andern vermittelt. Denkt
an das weitverzweigte Netz der Eisenbahnen, die mit Hülfe des
Dampfes die Produkte des Menschen in alle Länder spediren.
Und ihr "Dunkelmänner", reist dorthin, wo der menschliche
Gewerbefleiß blüht, in die großen Städte. Dort seht ihr die
rauchenden Schlote der Fabriken, sie verkünden euch, daß da durch
die Kraft der Maschinen alles im Großen hergestellt wird. Und
denkt einmal an die Elektrizität! Bereits steht sie im Begriffe,
das früher für unübertrefflich gehaltene Gas in den "Schatten"
zu stellen; das Telephon wirft den Telegraphen in die Rumpel-
kammer. Nicht in bloßen Strichen und Punkten kann man ver-
mittelst desselben verkehren, von Mund zu Mund spricht man
mit ihm." -- Kein normaler Mensch mit fünf gesunden Sinnen
wird sich nur träumen lassen, diese gewaltigen Errungenschaften
der Neuzeit nicht voll und ganz zu würdigen. Staunen wird
er vielmehr über die Schärfe des Menschengeistes, welcher der
rohen Erde diese geheimnißvollen Kräfte zu entlocken und für sich
nutzbar zu machen wußte.

Doch fragen wir auf der andern Seite: "Wie kommt es,
daß die menschliche Gesellschaft sich der errungenen materiel-
len
Güter nicht ruhig und dankbar erfreut und daß sie im
Grunde ihres Herzens doch nicht glücklich ist?" Du guter
Himmel! Wie viele Ursachen dieser täglich zu beobachtenden
Erscheinungen sind nicht schon angegeben worden! Bald mußten
die wirthschaftlichen Fehljahre hieran Schuld sein, dann wieder
die Sozialdemokratie u. s. w. Wir können diese Ansichten nicht
theilen, denn Wirren und Kämpfe auf sozialem Gebiete sind kei-
nem Volke und keiner Zeit erspart geblieben; der Grund liegt
tiefer. Jener großartige Kampf zwischen Christenthum und
Atheismus, der Kampf zwischen Glaube und Nichtglaube,
der ganzen Jahrhunderten ein charakteristisches Gepräge aufdrückte,
läßt die Völker niemals zur Ruhe kommen. Dieses Ringen,
welches der freigeistige Göthe "das eigentlichste und tiefste Problem
der Menschheit" nannte, kann wohl zeitweise auf die Seite ge-
drängt werden, doch vergessen wird es nie. Die Stimme des
Glaubens, der hehre Gottesfunke vom gütigen Schöpfer in jede
Menschenbrust gesenkt, läßt sich nie vollends aus derselben ver-
bannen. Es war für uns eine Lust, als vor einigen Wochen
die Runde durch die Blätter ging, daß in Zürich ein Reform-
paster den dortigen Sozialisten ihre Irrthümer in religiöser Be-
ziehung vorhielt und das Christenthum vertheidigte. Ist das
nicht ein Fortschritt? Noch vor wenigen Jahren wurden unsere
Geistlichen als "Pfaffen" ärgster Färbung bezeichnet, wenn sie
[Spaltenumbruch] in Predigten oder Vorträgen ein Gleiches thaten. "Hie
Christenthum
", "hie modernes Heidenthum", unter
diesen beiden Devisen wird sich der große Kampf einst ausfech-
ten. Welchem von denselben der Sieg winken wird, ist für den
Katholiken keine Frage.

Aber auch in sozialer und politischer Beziehung drän-
gen neue Ideen, neue Aufgaben, neue Kämpfe an das Licht.
Die alten politischen Parteien und ihre Schlagwörter haben nicht
mehr die ihnen früher beigemessene Bedeutung. Wir können es
alle Tage sehen, daß der Liberalismus von ehedem seine Blü-
thenzeit hinter sich hat. Mit krampfhaften Händen wehrt er sich
heute noch gegen die sogenannten sozialistischen Ideen, denn die
sozialen Strebungen sind es, das muß jeder vorurtheilslose Bür-
ger zugeben, welche unserer Zeit Zeichen und Stempel aufdrücken,
mögen sie nun als sozialdemokratische, sozialpolitische und christ-
lichsoziale auftreten. Diese Lage der Dinge zwingt auch jene
Partei, die wir mit Stolz und aus voller Ueberzeugung die
unsrige nennen, ihre frühern Gesichtspunkte zu erweitern und
sich mehr mit sozialen Bestrebungen zu befassen als früher. Wir
verhehlen nicht, daß noch nicht alle unserer Gesinnungsgenossen
hievon vollständig überzeugt sind. Glaube man aber ja nicht,
daß die soziale Frage nur in den Städten existire, nein, die
letzte Generalversammlung der kath. Männer- und Arbeitervereine,
diese schöne Institution, welcher eine schöne Anzahl hervorragen-
der Katholiken ihre Kräfte in uneigennütziger Weise leihen, hat
uns gezeigt, daß diese auch auf dem Lande zu finden ist. Hand
auf's Herz! Wo finden wir in unserm lb. Dürrwäldlerlande
noch jene wackere, behäbige Bauernsame, die es zu den Zeiten
gab, da "der Großvater die Großmutter nuhm"; wo jenem so-
liden Handwerkerstand, da das Sprichwort "das Handwerk hat
einen goldenen Boden" seine volle Berechtigung hatte! Auf-
richtig gestanden: Was gewinnen wir mit dem bloßen Verwerfen
und dem ewigen "Nein" sagen? Muthig wollen wir die Bahn
beschreiten, die uns ein Leo XIII. in seinen sozialen Encheliken
vorgezeichnet hat, auf der ein Decurtins, ein Dr. Beck, ein Burt-
scher u. a. die Fahne vorantragen und nicht mit verschränkten
Armen das Feld den Sozialdemokraten, mit ihren kalten, ver-
giftenden Ideen, allein überlassen. Sicher ist, daß wir dennoch
gute, überzeugungstreue Kinder unserer hl. Kirche sein können.

Diese religiösen und politischen und sozialen
Kämpfe sind es also, die trotz der gewaltigen, eingangs erwähn-
ten materiellen Fortschritte, die Menschheit zu keinem ruhigen
Genusse des erworbenen Gutes gelangen lassen. Aber so dunkel
auch die Zukunft vor uns liegt, -- das eine ist gewiß, daß in
diesem Ringen und Kämpfen die Wahrheit doch endlich Sie-
gerin bleiben wird, denn das Antlitz der Menschheit ist dem
Himmel, dem Lichte zugewendet!


[Abbildung]
Fahnenweihe des kathol. Gesellenvereins Uznach.

Am letzten Sonntag hielt der kath. Gesellenverein von
Uznach seine Fahnenweihe. Vor etwa 3 Jahren wurde der
hiesige Verein in's Leben gerufen und seitdem hat er sich auf
das Prächtigste entwickelt, so daß er letzten Sonntag seine
Fahnenweihe halten konnte. Das originelle, kunstvolle Bild
zu der Fahne entwarf Herr Kunstmaler Vettiger in Uznach und
Herr Fräfel in St. Gallen brachte den Gedanken des Künstlers
durch seine Stickerei in herrlicher Weise zum Ausdruck. Die
Fahne stellt auf weißer, blau umrahmter Seide den hl. Joseph
bei der Arbeit dar, wie er vom Jesuskind gesegnet wird. Auf
der andern Seite ist das Wappen von Uznach mit den ver-
schiedenen Emblemen des Gesellenvereines angebracht. Diese
Fahne zeigt wieder, daß solche Arbeiten bei Herrn Fräfel in
guten Händen sind. -- Das Fest am letzten Sonntag nahm
einen sehr schönen Verlauf. Nachdem die Regengüsse am Frei-
tag und Samstag die Befürchtung nohe gelegt hatten, es
möchte die Witterung am Sonntag für die Entfaltung der
Banner nicht gar günstig sein, da brachte der Sonntag das
herrlichste Festwetter. Schon am Samstag Abend rückten die
entfernteren Vereine ein. Die näheren brachte das Dampfroß
am Sonntag Morgen. 13 Brudervereine mit ihren Fahnen
nahmen am Feste theil, nämlich Einsiedeln, Luzern, Schwyz,
Winterthur, Zürich, Rapperswil, Chur, Flums, Altstätten,
Rorschach, St. Gallen, Goßau und Wyl. Der Festprediger,
hochw. Herr Pfarrer Bürkler von Goßau, erster Präses des
Vereins, erklärte in seiner Predigt den Segen der Arbeit. Nach
dem Hochamte nahm der hochw. Herr Centralpräses die feier-
liche Einsegnung der neuen Fahne vor. Die schönen, ergreifen-
den Worte, die er feierlich an die Gesellen richtete, gaben zu-
gleich auch Antwort auf die Frage, warum strebt jede Sektion
des kathol. Gesellenvereins darnach, eine Fahne zu haben. Die
Fahne ist das Banner, um das wir uns schaaren; sie ist der
Ausdruck der innern Einheit, welche alle Mitglieder umschließen
soll. Sie ist eine Fahne des Friedens, indem sie uns anspornt
zu friedlicher Arbeit; aber sie ist auch zugleich eine Fahne des
Kampfes insoferne sie uns begeistert, für die Grundsätze und die
Ideale des Vereines mannhaft einzustehen, was freilich ohne
Kampf und Anfeindung nicht abläuft. Aber das Banner, das
die Kirche geweiht, soll für diesen Kampf uns Muth und Kraft
[Spaltenumbruch] geben. Es ist ein religiöses Banner, geschmückt mit dem Segen
der Kirche, und das Bild, das darauf prangt, der hl. Joseph
mit dem Jesuskinde, soll vor Allem uns anspornen, dem ersten
Ideale des Vereines nachzuleben. Nach Schluß des Gottes-
dienstes stellte sich der Zug zum Gange in's Festlokal auf. Die
Musik von Uznach und die des kath. Gesellenvereins von Ein-
siedeln an der Spitze, bewegte sich der imposante Zug mit seinen
14 Fahnen und ca. 200 Mitgliedern des kath. Gesellenvereines
durch die zwei Straßen des reichbeflaggten Städtchens zum
Festlokal. Toaste, Gesang, Musik und verschiedene Aufführungen
brachten beim Mittagessen reiche Abwechslung. Um 2 Uhr be-
gab sich der ganze Zug wieder zum Nachmittagsgottesdienste.
Nachdem man so am Vormittag und Nachmittag Gott die Ehre
gegeben, durfte auch die andere Devise des Vereines "Frohsinn
und Scherz" zum Ausdruck kommen. Vom schönsten Wetter
begünstigt, begab sich die ganze Gesellschaft zunächst auf den
Buchwald, zum ehemaligen väterlichen Heim des jetzigen gnäd.
Herrn von Einsiedeln, Abt Basilius. Herr Präsident Fäh zum
"Ochsen" machte in einer kurzen Ansprache an Ort und Stelle
die Gesellschaft hierauf aufmerksam und ein donnerndes drei-
faches Hoch wurde auf diesem herrlichen Aussichtspunkte Sr.
Gn. dem hochw. Hrn. Abte Basilius von Einsiedeln gebracht.
Der Buchwald wird wohl wieder lange warten müssen, bis ein
solches Hoch auf ihm ertönt. Einige Stunden verbrachte man
dann noch in gemüthlicher Unterhaltung in der "Neumühle".
Unter den Klängen der Musik verließ uns gegen Abend ein
Verein nach dem andern bis auf einige entferntere. -- Abends
halb 11 Uhr suchte jeder sein Nachtquartier auf und Montag
Morgen haben auch die letzten Gäste uns verlassen. Das Fest
war schön und hat auf den hiesigen Gesellenverein fördernd ein-
gewirkt. Ein besonderes Kränzlein sei hier noch dem hochw.
Herrn Präses, Professor Fäh, gewunden. Mit unermüdlichster
Sorgfalt hat er das Fest vorbereitet und organisirt, und daß
das Fest so wohl gelungen, verdanken wir zum großen Theile
seiner Aufopferung. Der aufrichtigste Dank sei ihm hiemit
ausgesprochen.




Eidgenössisches.
-- Eidgen. Gesetzgebung.

Die radikale N. Zürcher Ztg.
schreibt: "Die Klagen über das Bundesgesetz betr. Schuldbetrei-
bung und Konkurs mehren sich in unserm Kanton immer mehr,
sowohl von Seiten der betreibenden Gläubiger, wie auch von
Seiten derjenigen Schuldner, die noch etwas besitzen, zahlen
wollen, aber momentan in Verlegenheit sind; zur Freude gereicht
es einzig jenen gesetzlich geschützten Schwindlern, die ihr Einkom-
men verprassen und den geprellten Kreditoren leere Pfandscheine
an Zahlungsstatt abliefern." Sie kommen nun zum Verstande,
die ehemaligen Freunde der eidgen. Gesetzesmaschine, aber zu spät.




St. Gallisches.

-- Regierungsrathsverhandlungen vom 7. u. 8. Septbr.

An Stelle des verstorbenen Herrn Adolf Eberli in Wyl wird zum
Mitgliede des Erziehungsrathes gewählt: Herr Pfarrer Joh. Brüllmann
von Amrisweil in Ebnat.

Die von der kath. Kirchgemeinde Schmerikon getroffene Wahl des
Herrn Josef Büßer von Amden derzeit Pfarrer in Bollingen zu ihrem
künftigen Kaplan erhält die hoheitliche Anerkennung.

Die am 3. September ds. I. stattgefundene Wahl eines Ersatzrichters
für das Bezirksgericht Wyl, die auf Herrn Gemeindeammann Lenz in
Niederbüren gefallen ist, wird validiert.

Dem Gemeinderath der Stadt St. Gallen wird zur Ausführung der
Wasserversorgung aus dem Bodensee, unter Vorbehalt der Genehmigung
der Detailpläne, die Konzession zum Wasserbezug aus dem Bodensee und
zur Erstellung einer elektrischen Starkstromleitung vom Turbinenhaus an
der Goldach bis zur Pumpstation am Bodensee und gleichzeitig die Be-
willigung ertheilt, die Hauptwasserleitung in die Staatsstraße St. Gallen-
Chur einzulegen. Das zur Erstellung der gesammten Anlage nothwendige
Expropriationsrecht ist dem Gemeinderathe grundsätzlich und definitiv schon
im Jahre 1892 ertheilt worden.

Der Regierungsrath tritt in die Berathung des von der Sanitäts-
kommission vorgelegten Gesetzesentwurfes betr. das Sanitätswesen ein.

Von der Thur.

Der Herbst ist in's Land gezogen
und die Rechnungsgemeinden nehmen ihren Anfang. Letzten
Sonntag versammelten sich die Bürger der Kirchgemeinde Wyl
zur Entgegennahme des Berichtes der Rechnungskommission.
Herr Kürschner Alois Moser, Konkursbeamter des Bezirkes
Wyl, gab in sehr schöner und exakter Weise Aufschluß über
Rechnungswesen und Amtsverwaltung. Wir entnehmen der
Rechnung und dem Berichte folgende auch weitere Kreise in-
teressirende Einzelheiten. Der Gesammtwerth sämmtlicher Ge-
bäude und Liegenschaften beträgt Fr. 403200. Von den
Gebäulichkeiten ist die Pfarrkirche zu St. Nikolaus mit 120 000,
die neue St. Peterskirche mit 146 000, die Liebfrauenkapelle
mit 16 000, die Kapelle zu Dreibrunnen, dem bekannten viel-
besuchten Wallfahrtsorte mit 30 000, und die zur Zeit des
schwarzen Todes von der Bürgerschaft Wyls gegründete Kapelle
auf Gärtensberg mit 3000 Fr. versichert. Das im Jahre 1691
erbaute Meßnerhaus zu St. Peter, das dem schönen Bau der
neuen Kirche nicht mehr entspricht, und mit Fr. 4500 versichert
ist, soll laut Beschluß der heutigen Kirchgemeindeversammlung
im Laufe des nächsten Rechnungsjahres auf Abbruch versteigert


Uznach, Mittwoch No 73. den 13. September 1893.


St. Galler-Volksblatt.
Publikationsorgan der Bezirke See und Gaſter.
Obligatoriſch in Uznach, Jona, Eſchenbach, Schmerikon, St. Gallenkappel, Ernetſchwil, Gommiswald, Goldingen

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Poſt jährlich Fr. 5. — Rp., halbjährlich Fr. 2. 60 Rp., vierteljährlich Fr. 1.
40 Rp. Für das Ausland (Poſtverein) jede Nummer mit Adreſſe halbjähr-
lich Fr. 5. — Rp., wöchentlich ein Mal halbjährlich Fr. 3. 50 Rp.


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38. Jahrgang.

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Inſertionsgebühr für den Seebezirk und Gaſter (ohne Vermittlung der
Inſeratenbureaux): Die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Rp. —
Für die übrigen Inſerenten koſtet die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raun
15 Rp. Bei Wiederholungen Rabatt. — Inſerate müſſen jeweilen bis ſpä-
teſtens Dienſtag und Freitag, Vormittags 9 Uhr, abgegeben werden.




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Erſcheint Mittwoch und Samſtag.


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[Abbildung] Druck und Verlag von K. Oberholzer’s Buchdruckerei. [Abbildung]

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Wöchentl. Gratisbeilage: „Linth-Blätter“.




[Spaltenumbruch]
Auf der Gant.
Die Monte Generoſo-Bahn
Kommt nächſtens unter’n Hammer;
Das Mitleid iſt im Volk nicht groß,
Geſchweige denn der Jammer.
Die Aktionäre, die geprellt,
Beginnen zwar zu klagen;
Doch haben ſie noch and’res Geld;
Sie können’s ſchon ertragen.
Des Südens Wunder aufzuthun
Hat man die Bahn errichtet;
Nun ſcheint die ganze Herrlichkeit
Von A bis Z erdichtet.
Denn was es noch Beſucher gibt,
Rentirt kaum für die Kohlen,
Und das begreift doch jedermann.
So iſt’s zum Kuckuckholen.
Zwar tagten Kommiſſionen dort
Bei Sonnenſchein und Humpen;
Doch halt der Bahn ihr Renommee
Auch nicht vor dem Verlumpen.
Warum habt ihr das Glück geſtellt
Auf theure Bummelreiſen;
Die Ausſicht iſt bald ſatt geſeh’n,
Jetzt habt ihr — altes Eiſen.
Und wenn das nur die einz’ge Bahn.
Die ſo ihr Glück erfahren,
Die in die Rumpelkammer fuhr
So jäh nach wenig Jahren!
Es trifft das Loos noch and’re wohl,
Die Zukunft wird es zeigen;
Die Monte Generoſo-Bayn
Eröffnet nur den Reigen.
Auf jeden Berg bald eine Bahn,
So kann es doch nicht gehen;
Vor lauter Reid und Konkurrenz
Wird keine lang beſtehen.



§ Aus der Zeit.

Immer und immer wieder ertönt uns Konſervativen aus
dem Lager derjenigen, die ſich ſtolz die volltönenden Namen
„Freiſinnige“ und „Liberale“ beilegen, der Ruf entgegen: „Ihr
könnt euch nicht in den Geiſt der heutigen Zeit einleben; ihr
ſeid Fortſchrittsfeinde“. Wenn unſereiner bedächtig die Achſeln
zuckt und etwelche Zweifel äußert, ob denn alle Errungenſchaften
der Neuzeit auch wahre Fortſchritte ſeien, ruft man uns von
allen Seiten zu: „Seht dort jenen Draht, der als Träger einer
geheimnißvollen Kraft die Gedanken des Menſchen mit Blitzes-
ſchnelle von einem Ende der Erde zum andern vermittelt. Denkt
an das weitverzweigte Netz der Eiſenbahnen, die mit Hülfe des
Dampfes die Produkte des Menſchen in alle Länder ſpediren.
Und ihr „Dunkelmänner“, reist dorthin, wo der menſchliche
Gewerbefleiß blüht, in die großen Städte. Dort ſeht ihr die
rauchenden Schlote der Fabriken, ſie verkünden euch, daß da durch
die Kraft der Maſchinen alles im Großen hergeſtellt wird. Und
denkt einmal an die Elektrizität! Bereits ſteht ſie im Begriffe,
das früher für unübertrefflich gehaltene Gas in den „Schatten“
zu ſtellen; das Telephon wirft den Telegraphen in die Rumpel-
kammer. Nicht in bloßen Strichen und Punkten kann man ver-
mittelſt desſelben verkehren, von Mund zu Mund ſpricht man
mit ihm.“ — Kein normaler Menſch mit fünf geſunden Sinnen
wird ſich nur träumen laſſen, dieſe gewaltigen Errungenſchaften
der Neuzeit nicht voll und ganz zu würdigen. Staunen wird
er vielmehr über die Schärfe des Menſchengeiſtes, welcher der
rohen Erde dieſe geheimnißvollen Kräfte zu entlocken und für ſich
nutzbar zu machen wußte.

Doch fragen wir auf der andern Seite: „Wie kommt es,
daß die menſchliche Geſellſchaft ſich der errungenen materiel-
len
Güter nicht ruhig und dankbar erfreut und daß ſie im
Grunde ihres Herzens doch nicht glücklich iſt?“ Du guter
Himmel! Wie viele Urſachen dieſer täglich zu beobachtenden
Erſcheinungen ſind nicht ſchon angegeben worden! Bald mußten
die wirthſchaftlichen Fehljahre hieran Schuld ſein, dann wieder
die Sozialdemokratie u. ſ. w. Wir können dieſe Anſichten nicht
theilen, denn Wirren und Kämpfe auf ſozialem Gebiete ſind kei-
nem Volke und keiner Zeit erſpart geblieben; der Grund liegt
tiefer. Jener großartige Kampf zwiſchen Chriſtenthum und
Atheismus, der Kampf zwiſchen Glaube und Nichtglaube,
der ganzen Jahrhunderten ein charakteriſtiſches Gepräge aufdrückte,
läßt die Völker niemals zur Ruhe kommen. Dieſes Ringen,
welches der freigeiſtige Göthe „das eigentlichſte und tiefſte Problem
der Menſchheit“ nannte, kann wohl zeitweiſe auf die Seite ge-
drängt werden, doch vergeſſen wird es nie. Die Stimme des
Glaubens, der hehre Gottesfunke vom gütigen Schöpfer in jede
Menſchenbruſt geſenkt, läßt ſich nie vollends aus derſelben ver-
bannen. Es war für uns eine Luſt, als vor einigen Wochen
die Runde durch die Blätter ging, daß in Zürich ein Reform-
paſter den dortigen Sozialiſten ihre Irrthümer in religiöſer Be-
ziehung vorhielt und das Chriſtenthum vertheidigte. Iſt das
nicht ein Fortſchritt? Noch vor wenigen Jahren wurden unſere
Geiſtlichen als „Pfaffen“ ärgſter Färbung bezeichnet, wenn ſie
[Spaltenumbruch] in Predigten oder Vorträgen ein Gleiches thaten. „Hie
Chriſtenthum
“, „hie modernes Heidenthum“, unter
dieſen beiden Deviſen wird ſich der große Kampf einſt ausfech-
ten. Welchem von denſelben der Sieg winken wird, iſt für den
Katholiken keine Frage.

Aber auch in ſozialer und politiſcher Beziehung drän-
gen neue Ideen, neue Aufgaben, neue Kämpfe an das Licht.
Die alten politiſchen Parteien und ihre Schlagwörter haben nicht
mehr die ihnen früher beigemeſſene Bedeutung. Wir können es
alle Tage ſehen, daß der Liberalismus von ehedem ſeine Blü-
thenzeit hinter ſich hat. Mit krampfhaften Händen wehrt er ſich
heute noch gegen die ſogenannten ſozialiſtiſchen Ideen, denn die
ſozialen Strebungen ſind es, das muß jeder vorurtheilsloſe Bür-
ger zugeben, welche unſerer Zeit Zeichen und Stempel aufdrücken,
mögen ſie nun als ſozialdemokratiſche, ſozialpolitiſche und chriſt-
lichſoziale auftreten. Dieſe Lage der Dinge zwingt auch jene
Partei, die wir mit Stolz und aus voller Ueberzeugung die
unſrige nennen, ihre frühern Geſichtspunkte zu erweitern und
ſich mehr mit ſozialen Beſtrebungen zu befaſſen als früher. Wir
verhehlen nicht, daß noch nicht alle unſerer Geſinnungsgenoſſen
hievon vollſtändig überzeugt ſind. Glaube man aber ja nicht,
daß die ſoziale Frage nur in den Städten exiſtire, nein, die
letzte Generalverſammlung der kath. Männer- und Arbeitervereine,
dieſe ſchöne Inſtitution, welcher eine ſchöne Anzahl hervorragen-
der Katholiken ihre Kräfte in uneigennütziger Weiſe leihen, hat
uns gezeigt, daß dieſe auch auf dem Lande zu finden iſt. Hand
auf’s Herz! Wo finden wir in unſerm lb. Dürrwäldlerlande
noch jene wackere, behäbige Bauernſame, die es zu den Zeiten
gab, da „der Großvater die Großmutter nuhm“; wo jenem ſo-
liden Handwerkerſtand, da das Sprichwort „das Handwerk hat
einen goldenen Boden“ ſeine volle Berechtigung hatte! Auf-
richtig geſtanden: Was gewinnen wir mit dem bloßen Verwerfen
und dem ewigen „Nein“ ſagen? Muthig wollen wir die Bahn
beſchreiten, die uns ein Leo XIII. in ſeinen ſozialen Encheliken
vorgezeichnet hat, auf der ein Decurtins, ein Dr. Beck, ein Burt-
ſcher u. a. die Fahne vorantragen und nicht mit verſchränkten
Armen das Feld den Sozialdemokraten, mit ihren kalten, ver-
giftenden Ideen, allein überlaſſen. Sicher iſt, daß wir dennoch
gute, überzeugungstreue Kinder unſerer hl. Kirche ſein können.

Dieſe religiöſen und politiſchen und ſozialen
Kämpfe ſind es alſo, die trotz der gewaltigen, eingangs erwähn-
ten materiellen Fortſchritte, die Menſchheit zu keinem ruhigen
Genuſſe des erworbenen Gutes gelangen laſſen. Aber ſo dunkel
auch die Zukunft vor uns liegt, — das eine iſt gewiß, daß in
dieſem Ringen und Kämpfen die Wahrheit doch endlich Sie-
gerin bleiben wird, denn das Antlitz der Menſchheit iſt dem
Himmel, dem Lichte zugewendet!


[Abbildung]
Fahnenweihe des kathol. Geſellenvereins Uznach.

Am letzten Sonntag hielt der kath. Geſellenverein von
Uznach ſeine Fahnenweihe. Vor etwa 3 Jahren wurde der
hieſige Verein in’s Leben gerufen und ſeitdem hat er ſich auf
das Prächtigſte entwickelt, ſo daß er letzten Sonntag ſeine
Fahnenweihe halten konnte. Das originelle, kunſtvolle Bild
zu der Fahne entwarf Herr Kunſtmaler Vettiger in Uznach und
Herr Fräfel in St. Gallen brachte den Gedanken des Künſtlers
durch ſeine Stickerei in herrlicher Weiſe zum Ausdruck. Die
Fahne ſtellt auf weißer, blau umrahmter Seide den hl. Joſeph
bei der Arbeit dar, wie er vom Jeſuskind geſegnet wird. Auf
der andern Seite iſt das Wappen von Uznach mit den ver-
ſchiedenen Emblemen des Geſellenvereines angebracht. Dieſe
Fahne zeigt wieder, daß ſolche Arbeiten bei Herrn Fräfel in
guten Händen ſind. — Das Feſt am letzten Sonntag nahm
einen ſehr ſchönen Verlauf. Nachdem die Regengüſſe am Frei-
tag und Samstag die Befürchtung nohe gelegt hatten, es
möchte die Witterung am Sonntag für die Entfaltung der
Banner nicht gar günſtig ſein, da brachte der Sonntag das
herrlichſte Feſtwetter. Schon am Samstag Abend rückten die
entfernteren Vereine ein. Die näheren brachte das Dampfroß
am Sonntag Morgen. 13 Brudervereine mit ihren Fahnen
nahmen am Feſte theil, nämlich Einſiedeln, Luzern, Schwyz,
Winterthur, Zürich, Rapperswil, Chur, Flums, Altſtätten,
Rorſchach, St. Gallen, Goßau und Wyl. Der Feſtprediger,
hochw. Herr Pfarrer Bürkler von Goßau, erſter Präſes des
Vereins, erklärte in ſeiner Predigt den Segen der Arbeit. Nach
dem Hochamte nahm der hochw. Herr Centralpräſes die feier-
liche Einſegnung der neuen Fahne vor. Die ſchönen, ergreifen-
den Worte, die er feierlich an die Geſellen richtete, gaben zu-
gleich auch Antwort auf die Frage, warum ſtrebt jede Sektion
des kathol. Geſellenvereins darnach, eine Fahne zu haben. Die
Fahne iſt das Banner, um das wir uns ſchaaren; ſie iſt der
Ausdruck der innern Einheit, welche alle Mitglieder umſchließen
ſoll. Sie iſt eine Fahne des Friedens, indem ſie uns anſpornt
zu friedlicher Arbeit; aber ſie iſt auch zugleich eine Fahne des
Kampfes inſoferne ſie uns begeiſtert, für die Grundſätze und die
Ideale des Vereines mannhaft einzuſtehen, was freilich ohne
Kampf und Anfeindung nicht abläuft. Aber das Banner, das
die Kirche geweiht, ſoll für dieſen Kampf uns Muth und Kraft
[Spaltenumbruch] geben. Es iſt ein religiöſes Banner, geſchmückt mit dem Segen
der Kirche, und das Bild, das darauf prangt, der hl. Joſeph
mit dem Jeſuskinde, ſoll vor Allem uns anſpornen, dem erſten
Ideale des Vereines nachzuleben. Nach Schluß des Gottes-
dienſtes ſtellte ſich der Zug zum Gange in’s Feſtlokal auf. Die
Muſik von Uznach und die des kath. Geſellenvereins von Ein-
ſiedeln an der Spitze, bewegte ſich der impoſante Zug mit ſeinen
14 Fahnen und ca. 200 Mitgliedern des kath. Geſellenvereines
durch die zwei Straßen des reichbeflaggten Städtchens zum
Feſtlokal. Toaſte, Geſang, Muſik und verſchiedene Aufführungen
brachten beim Mittageſſen reiche Abwechslung. Um 2 Uhr be-
gab ſich der ganze Zug wieder zum Nachmittagsgottesdienſte.
Nachdem man ſo am Vormittag und Nachmittag Gott die Ehre
gegeben, durfte auch die andere Deviſe des Vereines „Frohſinn
und Scherz“ zum Ausdruck kommen. Vom ſchönſten Wetter
begünſtigt, begab ſich die ganze Geſellſchaft zunächſt auf den
Buchwald, zum ehemaligen väterlichen Heim des jetzigen gnäd.
Herrn von Einſiedeln, Abt Baſilius. Herr Präſident Fäh zum
„Ochſen“ machte in einer kurzen Anſprache an Ort und Stelle
die Geſellſchaft hierauf aufmerkſam und ein donnerndes drei-
faches Hoch wurde auf dieſem herrlichen Ausſichtspunkte Sr.
Gn. dem hochw. Hrn. Abte Baſilius von Einſiedeln gebracht.
Der Buchwald wird wohl wieder lange warten müſſen, bis ein
ſolches Hoch auf ihm ertönt. Einige Stunden verbrachte man
dann noch in gemüthlicher Unterhaltung in der „Neumühle“.
Unter den Klängen der Muſik verließ uns gegen Abend ein
Verein nach dem andern bis auf einige entferntere. — Abends
halb 11 Uhr ſuchte jeder ſein Nachtquartier auf und Montag
Morgen haben auch die letzten Gäſte uns verlaſſen. Das Feſt
war ſchön und hat auf den hieſigen Geſellenverein fördernd ein-
gewirkt. Ein beſonderes Kränzlein ſei hier noch dem hochw.
Herrn Präſes, Profeſſor Fäh, gewunden. Mit unermüdlichſter
Sorgfalt hat er das Feſt vorbereitet und organiſirt, und daß
das Feſt ſo wohl gelungen, verdanken wir zum großen Theile
ſeiner Aufopferung. Der aufrichtigſte Dank ſei ihm hiemit
ausgeſprochen.




Eidgenöſſiſches.
Eidgen. Geſetzgebung.

Die radikale N. Zürcher Ztg.
ſchreibt: „Die Klagen über das Bundesgeſetz betr. Schuldbetrei-
bung und Konkurs mehren ſich in unſerm Kanton immer mehr,
ſowohl von Seiten der betreibenden Gläubiger, wie auch von
Seiten derjenigen Schuldner, die noch etwas beſitzen, zahlen
wollen, aber momentan in Verlegenheit ſind; zur Freude gereicht
es einzig jenen geſetzlich geſchützten Schwindlern, die ihr Einkom-
men verpraſſen und den geprellten Kreditoren leere Pfandſcheine
an Zahlungsſtatt abliefern.“ Sie kommen nun zum Verſtande,
die ehemaligen Freunde der eidgen. Geſetzesmaſchine, aber zu ſpät.




St. Galliſches.

Regierungsrathsverhandlungen vom 7. u. 8. Septbr.

An Stelle des verſtorbenen Herrn Adolf Eberli in Wyl wird zum
Mitgliede des Erziehungsrathes gewählt: Herr Pfarrer Joh. Brüllmann
von Amrisweil in Ebnat.

Die von der kath. Kirchgemeinde Schmerikon getroffene Wahl des
Herrn Joſef Büßer von Amden derzeit Pfarrer in Bollingen zu ihrem
künftigen Kaplan erhält die hoheitliche Anerkennung.

Die am 3. September ds. I. ſtattgefundene Wahl eines Erſatzrichters
für das Bezirksgericht Wyl, die auf Herrn Gemeindeammann Lenz in
Niederbüren gefallen iſt, wird validiert.

Dem Gemeinderath der Stadt St. Gallen wird zur Ausführung der
Waſſerverſorgung aus dem Bodenſee, unter Vorbehalt der Genehmigung
der Detailpläne, die Konzeſſion zum Waſſerbezug aus dem Bodenſee und
zur Erſtellung einer elektriſchen Starkſtromleitung vom Turbinenhaus an
der Goldach bis zur Pumpſtation am Bodenſee und gleichzeitig die Be-
willigung ertheilt, die Hauptwaſſerleitung in die Staatsſtraße St. Gallen-
Chur einzulegen. Das zur Erſtellung der geſammten Anlage nothwendige
Expropriationsrecht iſt dem Gemeinderathe grundſätzlich und definitiv ſchon
im Jahre 1892 ertheilt worden.

Der Regierungsrath tritt in die Berathung des von der Sanitäts-
kommiſſion vorgelegten Geſetzesentwurfes betr. das Sanitätsweſen ein.

Von der Thur.

Der Herbſt iſt in’s Land gezogen
und die Rechnungsgemeinden nehmen ihren Anfang. Letzten
Sonntag verſammelten ſich die Bürger der Kirchgemeinde Wyl
zur Entgegennahme des Berichtes der Rechnungskommiſſion.
Herr Kürſchner Alois Moſer, Konkursbeamter des Bezirkes
Wyl, gab in ſehr ſchöner und exakter Weiſe Aufſchluß über
Rechnungsweſen und Amtsverwaltung. Wir entnehmen der
Rechnung und dem Berichte folgende auch weitere Kreiſe in-
tereſſirende Einzelheiten. Der Geſammtwerth ſämmtlicher Ge-
bäude und Liegenſchaften beträgt Fr. 403200. Von den
Gebäulichkeiten iſt die Pfarrkirche zu St. Nikolaus mit 120 000,
die neue St. Peterskirche mit 146 000, die Liebfrauenkapelle
mit 16 000, die Kapelle zu Dreibrunnen, dem bekannten viel-
beſuchten Wallfahrtsorte mit 30 000, und die zur Zeit des
ſchwarzen Todes von der Bürgerſchaft Wyls gegründete Kapelle
auf Gärtensberg mit 3000 Fr. verſichert. Das im Jahre 1691
erbaute Meßnerhaus zu St. Peter, das dem ſchönen Bau der
neuen Kirche nicht mehr entſpricht, und mit Fr. 4500 verſichert
iſt, ſoll laut Beſchluß der heutigen Kirchgemeindeverſammlung
im Laufe des nächſten Rechnungsjahres auf Abbruch verſteigert

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[1/0001] Uznach, Mittwoch No 73. den 13. September 1893. St. Galler-Volksblatt. Publikationsorgan der Bezirke See und Gaſter. Obligatoriſch in Uznach, Jona, Eſchenbach, Schmerikon, St. Gallenkappel, Ernetſchwil, Gommiswald, Goldingen Abonnementspreis: Bei den Verträgern und mit Adreſſe in der Schweiz halbjährlich Fr. 2. 50 Rp., vierteljährlich Fr. 1. 30 Rp. Bei der eidgen. Poſt jährlich Fr. 5. — Rp., halbjährlich Fr. 2. 60 Rp., vierteljährlich Fr. 1. 40 Rp. Für das Ausland (Poſtverein) jede Nummer mit Adreſſe halbjähr- lich Fr. 5. — Rp., wöchentlich ein Mal halbjährlich Fr. 3. 50 Rp. [Abbildung] 38. Jahrgang. Inſertionsgebühr für den Seebezirk und Gaſter (ohne Vermittlung der Inſeratenbureaux): Die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Rp. — Für die übrigen Inſerenten koſtet die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raun 15 Rp. Bei Wiederholungen Rabatt. — Inſerate müſſen jeweilen bis ſpä- teſtens Dienſtag und Freitag, Vormittags 9 Uhr, abgegeben werden. Erſcheint Mittwoch und Samſtag. [Abbildung] Druck und Verlag von K. Oberholzer’s Buchdruckerei. [Abbildung] Wöchentl. Gratisbeilage: „Linth-Blätter“. Auf der Gant. Die Monte Generoſo-Bahn Kommt nächſtens unter’n Hammer; Das Mitleid iſt im Volk nicht groß, Geſchweige denn der Jammer. Die Aktionäre, die geprellt, Beginnen zwar zu klagen; Doch haben ſie noch and’res Geld; Sie können’s ſchon ertragen. Des Südens Wunder aufzuthun Hat man die Bahn errichtet; Nun ſcheint die ganze Herrlichkeit Von A bis Z erdichtet. Denn was es noch Beſucher gibt, Rentirt kaum für die Kohlen, Und das begreift doch jedermann. So iſt’s zum Kuckuckholen. Zwar tagten Kommiſſionen dort Bei Sonnenſchein und Humpen; Doch halt der Bahn ihr Renommee Auch nicht vor dem Verlumpen. Warum habt ihr das Glück geſtellt Auf theure Bummelreiſen; Die Ausſicht iſt bald ſatt geſeh’n, Jetzt habt ihr — altes Eiſen. Und wenn das nur die einz’ge Bahn. Die ſo ihr Glück erfahren, Die in die Rumpelkammer fuhr So jäh nach wenig Jahren! Es trifft das Loos noch and’re wohl, Die Zukunft wird es zeigen; Die Monte Generoſo-Bayn Eröffnet nur den Reigen. Auf jeden Berg bald eine Bahn, So kann es doch nicht gehen; Vor lauter Reid und Konkurrenz Wird keine lang beſtehen. M. § Aus der Zeit. Immer und immer wieder ertönt uns Konſervativen aus dem Lager derjenigen, die ſich ſtolz die volltönenden Namen „Freiſinnige“ und „Liberale“ beilegen, der Ruf entgegen: „Ihr könnt euch nicht in den Geiſt der heutigen Zeit einleben; ihr ſeid Fortſchrittsfeinde“. Wenn unſereiner bedächtig die Achſeln zuckt und etwelche Zweifel äußert, ob denn alle Errungenſchaften der Neuzeit auch wahre Fortſchritte ſeien, ruft man uns von allen Seiten zu: „Seht dort jenen Draht, der als Träger einer geheimnißvollen Kraft die Gedanken des Menſchen mit Blitzes- ſchnelle von einem Ende der Erde zum andern vermittelt. Denkt an das weitverzweigte Netz der Eiſenbahnen, die mit Hülfe des Dampfes die Produkte des Menſchen in alle Länder ſpediren. Und ihr „Dunkelmänner“, reist dorthin, wo der menſchliche Gewerbefleiß blüht, in die großen Städte. Dort ſeht ihr die rauchenden Schlote der Fabriken, ſie verkünden euch, daß da durch die Kraft der Maſchinen alles im Großen hergeſtellt wird. Und denkt einmal an die Elektrizität! Bereits ſteht ſie im Begriffe, das früher für unübertrefflich gehaltene Gas in den „Schatten“ zu ſtellen; das Telephon wirft den Telegraphen in die Rumpel- kammer. Nicht in bloßen Strichen und Punkten kann man ver- mittelſt desſelben verkehren, von Mund zu Mund ſpricht man mit ihm.“ — Kein normaler Menſch mit fünf geſunden Sinnen wird ſich nur träumen laſſen, dieſe gewaltigen Errungenſchaften der Neuzeit nicht voll und ganz zu würdigen. Staunen wird er vielmehr über die Schärfe des Menſchengeiſtes, welcher der rohen Erde dieſe geheimnißvollen Kräfte zu entlocken und für ſich nutzbar zu machen wußte. Doch fragen wir auf der andern Seite: „Wie kommt es, daß die menſchliche Geſellſchaft ſich der errungenen materiel- len Güter nicht ruhig und dankbar erfreut und daß ſie im Grunde ihres Herzens doch nicht glücklich iſt?“ Du guter Himmel! Wie viele Urſachen dieſer täglich zu beobachtenden Erſcheinungen ſind nicht ſchon angegeben worden! Bald mußten die wirthſchaftlichen Fehljahre hieran Schuld ſein, dann wieder die Sozialdemokratie u. ſ. w. Wir können dieſe Anſichten nicht theilen, denn Wirren und Kämpfe auf ſozialem Gebiete ſind kei- nem Volke und keiner Zeit erſpart geblieben; der Grund liegt tiefer. Jener großartige Kampf zwiſchen Chriſtenthum und Atheismus, der Kampf zwiſchen Glaube und Nichtglaube, der ganzen Jahrhunderten ein charakteriſtiſches Gepräge aufdrückte, läßt die Völker niemals zur Ruhe kommen. Dieſes Ringen, welches der freigeiſtige Göthe „das eigentlichſte und tiefſte Problem der Menſchheit“ nannte, kann wohl zeitweiſe auf die Seite ge- drängt werden, doch vergeſſen wird es nie. Die Stimme des Glaubens, der hehre Gottesfunke vom gütigen Schöpfer in jede Menſchenbruſt geſenkt, läßt ſich nie vollends aus derſelben ver- bannen. Es war für uns eine Luſt, als vor einigen Wochen die Runde durch die Blätter ging, daß in Zürich ein Reform- paſter den dortigen Sozialiſten ihre Irrthümer in religiöſer Be- ziehung vorhielt und das Chriſtenthum vertheidigte. Iſt das nicht ein Fortſchritt? Noch vor wenigen Jahren wurden unſere Geiſtlichen als „Pfaffen“ ärgſter Färbung bezeichnet, wenn ſie in Predigten oder Vorträgen ein Gleiches thaten. „Hie Chriſtenthum“, „hie modernes Heidenthum“, unter dieſen beiden Deviſen wird ſich der große Kampf einſt ausfech- ten. Welchem von denſelben der Sieg winken wird, iſt für den Katholiken keine Frage. Aber auch in ſozialer und politiſcher Beziehung drän- gen neue Ideen, neue Aufgaben, neue Kämpfe an das Licht. Die alten politiſchen Parteien und ihre Schlagwörter haben nicht mehr die ihnen früher beigemeſſene Bedeutung. Wir können es alle Tage ſehen, daß der Liberalismus von ehedem ſeine Blü- thenzeit hinter ſich hat. Mit krampfhaften Händen wehrt er ſich heute noch gegen die ſogenannten ſozialiſtiſchen Ideen, denn die ſozialen Strebungen ſind es, das muß jeder vorurtheilsloſe Bür- ger zugeben, welche unſerer Zeit Zeichen und Stempel aufdrücken, mögen ſie nun als ſozialdemokratiſche, ſozialpolitiſche und chriſt- lichſoziale auftreten. Dieſe Lage der Dinge zwingt auch jene Partei, die wir mit Stolz und aus voller Ueberzeugung die unſrige nennen, ihre frühern Geſichtspunkte zu erweitern und ſich mehr mit ſozialen Beſtrebungen zu befaſſen als früher. Wir verhehlen nicht, daß noch nicht alle unſerer Geſinnungsgenoſſen hievon vollſtändig überzeugt ſind. Glaube man aber ja nicht, daß die ſoziale Frage nur in den Städten exiſtire, nein, die letzte Generalverſammlung der kath. Männer- und Arbeitervereine, dieſe ſchöne Inſtitution, welcher eine ſchöne Anzahl hervorragen- der Katholiken ihre Kräfte in uneigennütziger Weiſe leihen, hat uns gezeigt, daß dieſe auch auf dem Lande zu finden iſt. Hand auf’s Herz! Wo finden wir in unſerm lb. Dürrwäldlerlande noch jene wackere, behäbige Bauernſame, die es zu den Zeiten gab, da „der Großvater die Großmutter nuhm“; wo jenem ſo- liden Handwerkerſtand, da das Sprichwort „das Handwerk hat einen goldenen Boden“ ſeine volle Berechtigung hatte! Auf- richtig geſtanden: Was gewinnen wir mit dem bloßen Verwerfen und dem ewigen „Nein“ ſagen? Muthig wollen wir die Bahn beſchreiten, die uns ein Leo XIII. in ſeinen ſozialen Encheliken vorgezeichnet hat, auf der ein Decurtins, ein Dr. Beck, ein Burt- ſcher u. a. die Fahne vorantragen und nicht mit verſchränkten Armen das Feld den Sozialdemokraten, mit ihren kalten, ver- giftenden Ideen, allein überlaſſen. Sicher iſt, daß wir dennoch gute, überzeugungstreue Kinder unſerer hl. Kirche ſein können. Dieſe religiöſen und politiſchen und ſozialen Kämpfe ſind es alſo, die trotz der gewaltigen, eingangs erwähn- ten materiellen Fortſchritte, die Menſchheit zu keinem ruhigen Genuſſe des erworbenen Gutes gelangen laſſen. Aber ſo dunkel auch die Zukunft vor uns liegt, — das eine iſt gewiß, daß in dieſem Ringen und Kämpfen die Wahrheit doch endlich Sie- gerin bleiben wird, denn das Antlitz der Menſchheit iſt dem Himmel, dem Lichte zugewendet! [Abbildung] Fahnenweihe des kathol. Geſellenvereins Uznach. Am letzten Sonntag hielt der kath. Geſellenverein von Uznach ſeine Fahnenweihe. Vor etwa 3 Jahren wurde der hieſige Verein in’s Leben gerufen und ſeitdem hat er ſich auf das Prächtigſte entwickelt, ſo daß er letzten Sonntag ſeine Fahnenweihe halten konnte. Das originelle, kunſtvolle Bild zu der Fahne entwarf Herr Kunſtmaler Vettiger in Uznach und Herr Fräfel in St. Gallen brachte den Gedanken des Künſtlers durch ſeine Stickerei in herrlicher Weiſe zum Ausdruck. Die Fahne ſtellt auf weißer, blau umrahmter Seide den hl. Joſeph bei der Arbeit dar, wie er vom Jeſuskind geſegnet wird. Auf der andern Seite iſt das Wappen von Uznach mit den ver- ſchiedenen Emblemen des Geſellenvereines angebracht. Dieſe Fahne zeigt wieder, daß ſolche Arbeiten bei Herrn Fräfel in guten Händen ſind. — Das Feſt am letzten Sonntag nahm einen ſehr ſchönen Verlauf. Nachdem die Regengüſſe am Frei- tag und Samstag die Befürchtung nohe gelegt hatten, es möchte die Witterung am Sonntag für die Entfaltung der Banner nicht gar günſtig ſein, da brachte der Sonntag das herrlichſte Feſtwetter. Schon am Samstag Abend rückten die entfernteren Vereine ein. Die näheren brachte das Dampfroß am Sonntag Morgen. 13 Brudervereine mit ihren Fahnen nahmen am Feſte theil, nämlich Einſiedeln, Luzern, Schwyz, Winterthur, Zürich, Rapperswil, Chur, Flums, Altſtätten, Rorſchach, St. Gallen, Goßau und Wyl. Der Feſtprediger, hochw. Herr Pfarrer Bürkler von Goßau, erſter Präſes des Vereins, erklärte in ſeiner Predigt den Segen der Arbeit. Nach dem Hochamte nahm der hochw. Herr Centralpräſes die feier- liche Einſegnung der neuen Fahne vor. Die ſchönen, ergreifen- den Worte, die er feierlich an die Geſellen richtete, gaben zu- gleich auch Antwort auf die Frage, warum ſtrebt jede Sektion des kathol. Geſellenvereins darnach, eine Fahne zu haben. Die Fahne iſt das Banner, um das wir uns ſchaaren; ſie iſt der Ausdruck der innern Einheit, welche alle Mitglieder umſchließen ſoll. Sie iſt eine Fahne des Friedens, indem ſie uns anſpornt zu friedlicher Arbeit; aber ſie iſt auch zugleich eine Fahne des Kampfes inſoferne ſie uns begeiſtert, für die Grundſätze und die Ideale des Vereines mannhaft einzuſtehen, was freilich ohne Kampf und Anfeindung nicht abläuft. Aber das Banner, das die Kirche geweiht, ſoll für dieſen Kampf uns Muth und Kraft geben. Es iſt ein religiöſes Banner, geſchmückt mit dem Segen der Kirche, und das Bild, das darauf prangt, der hl. Joſeph mit dem Jeſuskinde, ſoll vor Allem uns anſpornen, dem erſten Ideale des Vereines nachzuleben. Nach Schluß des Gottes- dienſtes ſtellte ſich der Zug zum Gange in’s Feſtlokal auf. Die Muſik von Uznach und die des kath. Geſellenvereins von Ein- ſiedeln an der Spitze, bewegte ſich der impoſante Zug mit ſeinen 14 Fahnen und ca. 200 Mitgliedern des kath. Geſellenvereines durch die zwei Straßen des reichbeflaggten Städtchens zum Feſtlokal. Toaſte, Geſang, Muſik und verſchiedene Aufführungen brachten beim Mittageſſen reiche Abwechslung. Um 2 Uhr be- gab ſich der ganze Zug wieder zum Nachmittagsgottesdienſte. Nachdem man ſo am Vormittag und Nachmittag Gott die Ehre gegeben, durfte auch die andere Deviſe des Vereines „Frohſinn und Scherz“ zum Ausdruck kommen. Vom ſchönſten Wetter begünſtigt, begab ſich die ganze Geſellſchaft zunächſt auf den Buchwald, zum ehemaligen väterlichen Heim des jetzigen gnäd. Herrn von Einſiedeln, Abt Baſilius. Herr Präſident Fäh zum „Ochſen“ machte in einer kurzen Anſprache an Ort und Stelle die Geſellſchaft hierauf aufmerkſam und ein donnerndes drei- faches Hoch wurde auf dieſem herrlichen Ausſichtspunkte Sr. Gn. dem hochw. Hrn. Abte Baſilius von Einſiedeln gebracht. Der Buchwald wird wohl wieder lange warten müſſen, bis ein ſolches Hoch auf ihm ertönt. Einige Stunden verbrachte man dann noch in gemüthlicher Unterhaltung in der „Neumühle“. Unter den Klängen der Muſik verließ uns gegen Abend ein Verein nach dem andern bis auf einige entferntere. — Abends halb 11 Uhr ſuchte jeder ſein Nachtquartier auf und Montag Morgen haben auch die letzten Gäſte uns verlaſſen. Das Feſt war ſchön und hat auf den hieſigen Geſellenverein fördernd ein- gewirkt. Ein beſonderes Kränzlein ſei hier noch dem hochw. Herrn Präſes, Profeſſor Fäh, gewunden. Mit unermüdlichſter Sorgfalt hat er das Feſt vorbereitet und organiſirt, und daß das Feſt ſo wohl gelungen, verdanken wir zum großen Theile ſeiner Aufopferung. Der aufrichtigſte Dank ſei ihm hiemit ausgeſprochen. Eidgenöſſiſches. — Eidgen. Geſetzgebung. Die radikale N. Zürcher Ztg. ſchreibt: „Die Klagen über das Bundesgeſetz betr. Schuldbetrei- bung und Konkurs mehren ſich in unſerm Kanton immer mehr, ſowohl von Seiten der betreibenden Gläubiger, wie auch von Seiten derjenigen Schuldner, die noch etwas beſitzen, zahlen wollen, aber momentan in Verlegenheit ſind; zur Freude gereicht es einzig jenen geſetzlich geſchützten Schwindlern, die ihr Einkom- men verpraſſen und den geprellten Kreditoren leere Pfandſcheine an Zahlungsſtatt abliefern.“ Sie kommen nun zum Verſtande, die ehemaligen Freunde der eidgen. Geſetzesmaſchine, aber zu ſpät. St. Galliſches. — Regierungsrathsverhandlungen vom 7. u. 8. Septbr. An Stelle des verſtorbenen Herrn Adolf Eberli in Wyl wird zum Mitgliede des Erziehungsrathes gewählt: Herr Pfarrer Joh. Brüllmann von Amrisweil in Ebnat. Die von der kath. Kirchgemeinde Schmerikon getroffene Wahl des Herrn Joſef Büßer von Amden derzeit Pfarrer in Bollingen zu ihrem künftigen Kaplan erhält die hoheitliche Anerkennung. Die am 3. September ds. I. ſtattgefundene Wahl eines Erſatzrichters für das Bezirksgericht Wyl, die auf Herrn Gemeindeammann Lenz in Niederbüren gefallen iſt, wird validiert. Dem Gemeinderath der Stadt St. Gallen wird zur Ausführung der Waſſerverſorgung aus dem Bodenſee, unter Vorbehalt der Genehmigung der Detailpläne, die Konzeſſion zum Waſſerbezug aus dem Bodenſee und zur Erſtellung einer elektriſchen Starkſtromleitung vom Turbinenhaus an der Goldach bis zur Pumpſtation am Bodenſee und gleichzeitig die Be- willigung ertheilt, die Hauptwaſſerleitung in die Staatsſtraße St. Gallen- Chur einzulegen. Das zur Erſtellung der geſammten Anlage nothwendige Expropriationsrecht iſt dem Gemeinderathe grundſätzlich und definitiv ſchon im Jahre 1892 ertheilt worden. Der Regierungsrath tritt in die Berathung des von der Sanitäts- kommiſſion vorgelegten Geſetzesentwurfes betr. das Sanitätsweſen ein. Von der Thur. Der Herbſt iſt in’s Land gezogen und die Rechnungsgemeinden nehmen ihren Anfang. Letzten Sonntag verſammelten ſich die Bürger der Kirchgemeinde Wyl zur Entgegennahme des Berichtes der Rechnungskommiſſion. Herr Kürſchner Alois Moſer, Konkursbeamter des Bezirkes Wyl, gab in ſehr ſchöner und exakter Weiſe Aufſchluß über Rechnungsweſen und Amtsverwaltung. Wir entnehmen der Rechnung und dem Berichte folgende auch weitere Kreiſe in- tereſſirende Einzelheiten. Der Geſammtwerth ſämmtlicher Ge- bäude und Liegenſchaften beträgt Fr. 403200. Von den Gebäulichkeiten iſt die Pfarrkirche zu St. Nikolaus mit 120 000, die neue St. Peterskirche mit 146 000, die Liebfrauenkapelle mit 16 000, die Kapelle zu Dreibrunnen, dem bekannten viel- beſuchten Wallfahrtsorte mit 30 000, und die zur Zeit des ſchwarzen Todes von der Bürgerſchaft Wyls gegründete Kapelle auf Gärtensberg mit 3000 Fr. verſichert. Das im Jahre 1691 erbaute Meßnerhaus zu St. Peter, das dem ſchönen Bau der neuen Kirche nicht mehr entſpricht, und mit Fr. 4500 verſichert iſt, ſoll laut Beſchluß der heutigen Kirchgemeindeverſammlung im Laufe des nächſten Rechnungsjahres auf Abbruch verſteigert

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grepect GmbH: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung. (2018-01-26T13:38:42Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Amelie Meister: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung. (2018-01-26T13:38:42Z)

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Zitationshilfe: St. Galler Volksblatt. Nr. 73, Uznach, 13. 09. 1893, S. 1. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_stgaller73_1893/1>, abgerufen am 22.10.2019.