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St. Galler Volksblatt. Nr. 62, Uznach, 04. 08. 1897.

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[Spaltenumbruch]

-- In Küßnacht soll z. Z ein reger Fremdenverkehr
herrschen. Deutsche, Fran[z]osen, Engländer und Amerikaner sind
zur Erhohlung in den Pensionen abgestiegen.

-- March.

Die Klauenseuche hat an Intensivität nach-
gelassen. An einigen Orten konnte der Bann aufgehoben werden,
dagegen scheint die Seuche an räumlicher Ausdehnung zu gewinnen.
Nunmehr soll sie auch in der Alp G'würz ausgebrochen sein.
Am Fluhbrig tötete jüngst der Blitzschlag ein Rudel Schafe,
35 Stück zählend.

-- Tendenziöse Berichterstattung.

Der liberale
"Schwyzer Volksfreund" bewundert die Festrede des radikalen
Kulturkämpfers und Reformpastors Heß am Schützenfeste in
Lichtensteig. Die anstößigen Stellen sind aber umgeändert.

Nidwalden.

Als letzten Dienstag in Stans die erste
Lokomotive für den Bau der Engelberger-Bahn auf vierspännigem
Wagen eintraf, meinte ein Bauer: "Die bringid jetzt der Dorrofä,
bevor Birli zytig sind"

Glarus.

In Netstal ist in einem Stalle der sogenannte
gelbe Galt ausgebrochen. Die mit dieser gefährlichen Krankheit
behafteten Tiere geben eine schleimige unbrauchbare Milch. 4 Kühe
wurden abgetan.

-- Der glarnerische Katholikentag findet am 5. Sept. statt.

-- Klausenpaß. Nach dem Stand der Arbeiten darf
angenommen werden, daß die Straße über den Urnerboden bis
zum Herbste fahrbar wird. Indem Glarus seinen Straßenteil
bis zum nämlichen Zeitpunkte vollenden wird, kann nächstes Jahr
von Linthal aus der Urnerboden mit einer Kutsche bequem er-
reicht werden. Dem Vernehmen nach gedenkt die eidgen. Post-
verwaltung schon nächstes Jahr einen Fahrpostdienst Linthal-
Urnerboden einzurichten.

Die freiburgische Anklagekammer
wird sich Samstag den 7. August mit der Angelegenheit
Huber befassen und für diesen einen amtlichen Verteidiger bezeichnen,
da Huber sich bisher geweigert hat, einen solchen zu erwählen.
Der Prozeß vor dem Geschwornengericht wird nicht vor der
ersten Hälften September beginnen.

-- In der kathol. Buchhandlung, Reichengasse, Nr. 13, zu
Freiburg sind Medaillen und Festandenken zur Erinnerung an
das Fest des sel. Petrus Canisius zu haben.

Solothurn.

An dem zum Oberingenieur der Zentral-
bahn erwählten Herrn Euseb. Vogt verliert der Kanton und speziell
die Stadt Solothurn eine sehr tüchtige Kraft, die Opposition
einen ihrer schneidigsten Führer.

Graubünden.

Die Notiz, daß in Gondo (Wallis)
einzig in der Schweiz Gold gewonnen und daraus Münzen ge-
prägt wurde, ist nicht richtig. Bei Felsberg, eine Stunde
von Chur, wurde früher lange Zeit am Kalanda ein Goldberg-
werk betrieben. Es existieren aus dem Jahre 1813 noch bünd-
nerische Golddukaten, welche auf Grund eines Vertrages zwischen
Bergwerkgesellschaft und Kanton aus Kalandagold geprägt wurden.

-- Das Restaurant auf dem Piz Lanquard ist am Freitag
total abgebrannt. Die Brandursache ist eine teilweise Explosion
eines Kochapparates.

-- Uhrenmacher Risch aus Chur der am 1. d. die Hoch-
wangspitze bestieg, wird vermißt.

Aargau.

Jüngst war die Wahl der Bezirlsschulräte,
dabei wurde für den Bezirk Laufenburg Herr Bezirksarzt Mettauer
in Frick, ein bei allen Parteien beliebter, loyaler Mann, der seit
zwölf Jahren ein fleißiges und treues Mitglied des Bezirksschul-
rates war, mit empörender Brutalität weggewählt und zwar mit
der Begründung, er sei als Arzt durch seine Berufsgeschäfte sonst
schon zu stark in Anspruch genommen und Frick sei durch zwei
andere Mitglieder schon mehr als genügend vertreten. Für ihn
wurde nun aber gewählt -- Herr Unterlehrer Mettauer von Frick.
Also der Herr Bezirksarzt ist zu viel für Frick, für ihn aber wählt
man -- wieder einen Fricker. Ersterer ist als Arzt zu viel be-
schäftigt, dafür wählt man einen Lehrer, der zugleich Landwirt
ist und dazu Mobiliarversicherungsagent, Feuerwehrhauptmann,
und gelegentlich Spritzeninspektor, Turn-Experte und Turnlehrer
an der Bezirksschule, Kommissionsmitglied und Inspektor des
Armenerziehungsvereins, Schönschreiblehrer und Zeichnungslehrer
an der Bezirksschule, Konferenzdirektor und vielleicht noch manches
andere. Aber das Rätsel löst sich wenn man durch das "Badener
Volksblatt" erfährt, daß dieser Unterlehrer radikaler Protestant,
der Bezirksarzt aber konservativer Katholik ist.

Thurgau.

Das Hagelwetter vom letzten Mittwoch hat
größere Ausdehnung angenommen, als berichtet wurde. Betreffen
ist der Landstrich von Wigoldingen-Homburg über Märstetten
bis an den Ottenberg hinauf und auf der andern Seite bis über
Mettlen hinaus, und zwar ist merkwürdigerweise der Schaden
am Rande der Hagelzone größer als im Zentrum; den er wird
in der Gegend von Boltshausen einen Drittel, in Wigoldingen
sogar bis auf 70% der erhofften Weinernte geschätzt, während
er bei Märstetten nur etwa einen Fünftel betragen soll.

Appenzell A.-Rh.

Ein junger Mann namens Walser
von Gais stürzte am 1. ds. früh vom Hohen Kasten; er wurde
schwer verwundet auf der Solalp gefunden.

Waadt.

Unweit des bestrenommierten Weingeländes von
Malessert (La Cote) ist ein fünfzig Rebstöcke umfassender Reblaus-
herd entdeckt worden. Weitere neue Herde wurden bei Nyon
entdeckt.

-- Im kantonalen Museum in Lausanne wurde
am 1. d. ein großer Diebstahl begangen. Er betrifft goldene
Medaillen vom eidgen. Jubiläum und von der Landesausstellung
in Genf, einen goldenen Taler von Kardinal Schinner und
schweiz. Schützentaler, sowie goldene Gegenstände aus der Bur-
gunderzeit.

Den Steuerzahlern hat die städtische Bauverwaltung in drei
vorgekommenen Fällen Schmerzen bereitet. Dieselbe soll nämlich
Bauprojekten die Genehmigung erteilt haben, ohne zu prüfen, ov
sie den von der Stadt planierten Bauten im Wege stehen, so
daß die schon angefangenen Bauten entfernt werden mußten. --
Gibt's keine Beamtenverantwortlichkeit?




Ausland.



Vom Tage.

In Bulgarien hat ein Skandalprozeß
seinen Abschluß gefunden. An sich beschlägt der Handel
nur ein modernes Romanthema: Ein junger Lebemann läßt
seine Geliebte, die Mutter seines Kindes, aus der Welt schaffen.
Was aber hier die blutige Tat noch besonderlich widerlich
macht, ist das, daß der Mörder ein Beamter des Fürsten
und seine Helfershelfer Organe der Justizverwaltung waren.
Wenn die ausländische Presse nicht gegen den frechen Mord
[Spaltenumbruch] energisch aufgetreten und nicht die Intervention einer aus-
ländischen Macht (die Ermordete war eine Ungarin) zu be-
fürchten gewesen wäre, so hätten die Gerichte nicht einmal
eingegriffen. Das Urteil ist milde ausgefallen, in einem
Lande, wo man so schnell mit dem Galgen bereit ist:
lebenslängliche Haft, aus der man den Verurteilten an
einem schönen Tage heimlich laufenlassen wird.

Als bereits die Friedensunterhandlungen zwischen
Griechen und Türken fertig waren, warf Deutschland noch
eine Schwierigkeit hinein, indem es die Frage der Regelung
der frühern griechischen Staatsschuld aufs Tapet brachte.
Es wollte zeigen, daß trotz des vorherrschenden Einflusses
die übrigen Mächte es auch noch ein Wort mit zu reden habe.
In diesem Sinne hatte es bisher jene Politik angewandt,
die man des System der verspäteten Instruktionen genannt
hat. Sein Botschafter war nie zur Zeit mit seinen Befehlen
ausgerüstet.

Der Kündigung des deutsch-englischen und
englisch-belgischen Handelsvertrages
durch die
Engländer wird große Bedeutung beigemessen. Da nämlich
diese Verträge die einzigen waren, welche die sog. Meist-
begünstigungsklauseln enthielten, wodurch England den Bel-
giern und Deutschen alle handelspolitischen Vorteile ein-
räumte, welche dem meistbegünstigten Staate zugestanden
waren, so begreift man die Tragweite der Kündigung für
Handel und Industrie des ganzen Festlandes. Man muß
annehmen, England sei im Begriffe, vom Freihandelssystem
zum Schutzzoll überzugehen.

Deutschland.

In Baiern ist ein Rückgang des bäuer-
lichen Vermögens neuerdings in bedenklichen Zahlen festgestellt
worden. Letztes Jahr ist der Privatwaldbesitz zurückgegangen,
die Auffassungen sind hinter den Abholzungen um 11,000
Morgen zurückgeblieben. Der Bauernstand weiß sich in seiner
Not nicht mehr zu helfen, er greift den Waldbesitz an. Die
Hypothekenschulden sind im rechtsrheinischen Bayern pro 1895
um 129 Millionen gestiegen. Der Jahresbericht der Central-
darlehenskasse constatiert auch eine bedeutende Zunahme der Perso-
nal-Verschuldung. Von Schulden wegen Bodenverbesserungen
weiß man nichts, die Ganten vermehren sich täglich ... Trau-
riges Bild!

-- Die protestantische Regierung von Baden behandelt
die altkatholische Sekte immer noch hartnäckig aus Bosheit als
zur kath. Kirche gehörend. Der zur altkath. Sekte abgefallene
Bunkofer erklärte jedoch, anläßlich dieses Abfalles seinen "Austritt"
aus der kath. Kirche. Wäre Katholizismus mit der altkatholischen
Sekte gleichbedeutend, so hätte es keines "Austrittes" bedurft.

Die Abendblätter veröffentlichen
ergreifende Details über die Hochwasser. Der Schaden in
Preußisch Schlesien beträgt ca. 12 Millionen Mark; dort sind
38 Personen ertrunken, in Sachsen über 60.

Italien.

Ein Mordprozeß mit politischem
Hintergrund
ist vor dem Schwurgericht der italienischen Stadt
Potenza (bei Neapel) seit zwei Wochen verhandelt worden.
Acht Grundbesitzer aus Givia dell Calle, unter ihnen der Oheim
eines zur Regierungspartei gehörigen Abgeordneten, waren ange-
klagt, ihren politischen Gegner Vincenzo Taranto ermordet zu
haben. Die einflußreichen Verwandten der Angeklagten setzten
alle Hebel in Bewegung, um eine Freisprechung zu erlangen.
Unter anderm erreichten sie vom Justizminister zwer Tage vor
Beginn der Verhandlungen die Versetzung des Staatsanwalts,
der im Prozeß die Anklage führen sollte und sich während
anderthalb Jahren in den Prozeß eingearbeitet hatte. Ferner
wurden in Potenza eigens Blätter gegründet, um die öffentliche
Meinung zu Gunsten der Angeklagten zu beeinflussen. Aber
alles blieb erfalglos. Die Geschworenen erklärten die Angeklagten
mit sieben gegen zwei Stimmen und drei Stimmenthaltungen
für schuldig. Als der Obmann der Geschworenen den Wahrspruch
verlas, drangen die Anhänger der Angeklagten, die den Saal
besetzt hielten, unter Wutgeschrei auf die Geschworenen und die
Richter ein und drohten, sie niederzustechen und alle Verwandten
des Ermordeten aus Rache umzubringen. Inzwischen begann
einer der Verurteilten, weil er sich verloren glaubte, Einzelheiten
des Verbrechens in den Saal hinauszuschreien und andere hoch-
gestellte Mitschuldige namhaft zu machen. Endlich beantragte ein
Verteidiger, die Geschworenen sollten sich noch einmal in ihr
Zimmer begeben und einen neuen Wahrspruch fassen. Der
Präsident willigte ein, und die zu Tode erschrockenen Geschwornen
gehorchten. Die wütende Menge drängte sich vor der Tür ihres
Zimmers und an den Fenstern. Schon nach zwei Minuten
kehrten die Geschwornen zurück und erklärten die Angeklagten
einstimmig unschuldig!

Unter gestrigem Datum richtetete der
Papst eine Eneyklika an die Bischöfe von Oesterreich-Ungarn,
Deutschland und Schweiz anläßlich des dreihundertjährigen
Jubiläums des seligen Pater Canisius. Die Eneyklika er-
innert an seinen Kampf gegen die Glaubensirrtümer und ermahnt
die Bischöfe seinem Beispiel nachzueifern, dann vor allem ihre
Sorgfalt auf die Erziehung der Jugend zu verwenden. Sie
ermuntert die Bischöfe Schulen zu gründen, die ausschließlich
für die Katholiken bestimmt wären und sie mit vortrefflichen
Lehrern zu versehen. Der Papst empfiehlt den Bischöfen, ge-
meinsam zu handeln, alle Parteikämpfe zu vermeiden und alle
ihre Sorge auf die Kirche zu verwenden, damit sich alle Katho-
liken fur dasselbe Ziel einigten.

-- In Novara wurde bei der plötzlichen Revision der
Hauptkasse ein Fehlbetrag von 400 000 Lire entdeckt und
der Stadtkassier, welcher eingestand, sämtliche als Kautionen
hinterlegte Wertpapiere unterschlagen zu haben, verhaftet.

Amerika.

Das neuentdeckte Goldland in Britisch Columbia
muß ein fürchterlich rauhes Klima besitzen. Die Schrecken der
Klondyke-Gegend sind der lange entsetzlich kalte Winter, die
gewaltigen Stürme, der Mangel an Lebensmittel. Ueber 2000
Goldgräber sind bereits in den letzten 3 Jahren umgekommen.

Belgien.

Die streikenden Bergleute suchten in Paturages
das Gebäude der katholischen Kooperativgenossenschaft in die Luft
zu sprengen. Das Dynamitattentat beschädigte das Haus und
die 4 angrenzenden Gebäude.

Türkei.

Es verlautet, etwa 60 tüchtige Notabeln, die
unter dem Verdachte standen, mit den Jungtürken in Beziehung
zu stehen, seien auf Wink des Kriegsministeriums beiseite ge-
schafft worden.

Afrika.

Eine offizielle Depesche aus Laurenzo-Marquez
vom 30. ds. meldet, die portugiesischen Truppen hätten die Re-
bellen des Gazalandes blutig geschlagen und ihnen einen Verlust
von 300 Mann beigebracht.


[Spaltenumbruch]
Verschiedenes.



-- Wenn man vergeßlich ist!

Ein Meraner Bergsteiger
verirrte sich unlängst bei einer Ifingerpartie und mußte eine
Viertelstunde einen Felsgrat rittlings passieren, was sehr lebens-
gefährlich war. Nachdem er eine weitere Viertelstunde auf besserem
Terrain gemacht, bemerkte er, daß sein Rock, den er auf den
Schnursack aufgebunden hatte, abhanden gekommen sei. Da er
denselben nicht zurücklassen wollte, ging er wieder zurück, passierte
nochmals die gefährliche Stelle und fand, drüben angekommen,
daß er den Rock -- am Leibe trug.

-- Prag, die Hauptstadt Böhmens, wächst sich seit einigen
Jahren kurios genug aus. Das deutsche Staatsgymnasium in
der Altstadt zählte in diesem Jahre unter seinen Schülern 31
Katholiken, 4 Protestanten und 163 (!) Juden; das Neustädter
Gymnasium 143 Katholiken, 18 Protestanten und 217 Juden;
das Gymnasium in der Stephansgasse 196 Katholiken, 18
Protestanten und 193 Juden. -- Schöne Aussichten! Da be-
greift man vieles aus diesem Judenreich.

-- Chinesenfurcht.

Diejenigen welche eine Invasion der
Chinesen und Verdrängung der abendländischen Industrie durch
die Chinesen befürchten, werden sich beruhigen, wenn sie Chinas
1896ger Handelsbilanz betrachten. Die Einfuhr des Jahres
1896 erreichte die Höhe von 202,6 Mill. Haikwan-Taels, d.
h. 31 Millionen mehr als im Jahr 1895. Zugenommen hat
besonders die Einfuhr von Baumwollgeweben (15 Mill.), Baum-
wollengarnen (fast 11 Mill.), Wollwaren (1,8 Mill.), Metall-
waren (21/2 Mill). Die Ausfuhr ist indessen von 143,3 Mill.
Taels 1895 auf 131,1 Mill. Hk.-Taels in 1896 zurückge-
gangen; besonders bemerkbar hat sich dies bei Rohbaumwolle,
Seide und Thee gemacht.

-- In Pontoise (bei Paris) wurde einem armen Teufel,
der auf einer Straßenbank schlief, die Halsader durchschnitten,
nachdem man ihn einiger Franken beraubt hatte. Der scheußliche
Mord hat die Bevölkerung in ungeheure Aufregung versetzt.

-- In Thas (Ungarn) haben ein 12jähriger und ein
13jähriger Knabe ein Kind, aus purer Lust zum Töten, ermordet.
Jugenderziehung!

Infolge des Austritts der Wien
stürzte an der Schwarzenbergbrücke ein Gerüst, auf dem sich etwa
fünfzehn Arbeiter befanden, ein. Es konnten nur fünf gerettet
werden, die übrigen verschwanden in den Fluten.

-- Erzieherisches!

Ein merkwürdiges Aufsatz-Thema:
In Toulouse wurde den Abiturienten für die Maturitätsprüfung
das Thema gestellt: "Die Liebeserklärung der Phädra an Hippolit."

-- Streikbrecher.

Im Braunkohlenwerk von Altrohau
(Böhmen) wurden an Stelle ausständiger Belegschaften Italiener
angeworben Darauf versammelten sich die Ausständigen und
warfen in den Wohnungen der Italiener die Fenster ein und
bedrohten die Arbeiter und den Direktor. Die Gendarmie zer-
streute die Menge und nahm 10 Verhaftungen vor. Die Italiener
haben Altrohlau verlassen.

-- In den Weinbergen von Tremona und Morbio inferiore
sind Reblausherde entdeckt worden.




Literarisches.



-- Kalender-Litteratur. Als der erste Bote des kommenden Jahres
erscheint auf unserem Redaktionstische der altbekannte und beliebte St.
Ursen-Kalender
aus Solothurn und zwar diesmal an Text und
Illustrationen besonders reichhaltig.

Sein besonderes Gepräge erhält er durch eine ausführliche Dar-
stellung des Einfalls der Franzosen in die Schweiz und in Solothurn
im besondern, das gerade vor hundert Jahren stattgefunden hat. Mehrere
interessante Illustrationen, der heutigen Welt größtenteils unbekannte Bild-
nisse der hervorragendsten Männer aus jener denkwürdigen Epoche, zieren
die Schilderung. Unterhaltende, ernste und heitere Erzählungen werden
gerne gelesen werden, und an kleinen Anekdoten und Schwänken fehlt
es nicht, ebenso wenig als an belehrenden Mitteilungen. Den Anfang
des Kalenders bildet wie gewohnt die ausführliche Weltchronik, den Schluß
der an Namen reiche Totenkalender, u. A. auch die Biographie des "Welt-
überblickers." Darum sei der neue Kalender nah und fern auf's beste
empfohlen.

-- Durch die Zeitungen lief vor einigen Wochen die beunruhigende
Nachricht, daß unsern Kirschbäumen in diesem Jahre eine Epidemie drohe,
indem der bekannte Pilz Monilia stellenweise so massenhaft auftrete, daß
die Kirschbäume daran einzugehen drohen. Auf Veranlassung der Re-
daktion spricht sich in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers
der bekannte Professor Dr. Paul Sorauer über diese Monilia-Epidemie
aus und zwar im allgemeinen beruhigend. Er weist nach, daß an dem
massenhaften Auftreten des in jedem Jahr: und an allen Obstsorten
vorhandenen Pilzes Monilia die nasse Witterung schuld sei und daß
man dieses epidemische Auftreten in jedem nassen Jahr beobachtet habe.
Die Nummer des praktischen Ratgebers mit dem betreffenden Aufsatze
des Herrn Professor Sorauer wird Interessenten gern auf Verlangen
umsonst zugeschickt von der Verlagshandlung Trowitzsch und Sohn
in Frankfurt d. Oder.







Butterpreis in Uznach, den 31. Juli 1897.

Preis per halb Kilo Fr. 1.20 bis Fr. 1. 30.




[irrelevantes Material]
[Spaltenumbruch]

— In Küßnacht ſoll z. Z ein reger Fremdenverkehr
herrſchen. Deutſche, Fran[z]oſen, Engländer und Amerikaner ſind
zur Erhohlung in den Penſionen abgeſtiegen.

March.

Die Klauenſeuche hat an Intenſivität nach-
gelaſſen. An einigen Orten konnte der Bann aufgehoben werden,
dagegen ſcheint die Seuche an räumlicher Ausdehnung zu gewinnen.
Nunmehr ſoll ſie auch in der Alp G’würz ausgebrochen ſein.
Am Fluhbrig tötete jüngſt der Blitzſchlag ein Rudel Schafe,
35 Stück zählend.

Tendenziöſe Berichterſtattung.

Der liberale
„Schwyzer Volksfreund“ bewundert die Feſtrede des radikalen
Kulturkämpfers und Reformpaſtors Heß am Schützenfeſte in
Lichtenſteig. Die anſtößigen Stellen ſind aber umgeändert.

Nidwalden.

Als letzten Dienstag in Stans die erſte
Lokomotive für den Bau der Engelberger-Bahn auf vierſpännigem
Wagen eintraf, meinte ein Bauer: „Die bringid jetzt der Dorrofä,
bevor Birli zytig ſind“

Glarus.

In Netſtal iſt in einem Stalle der ſogenannte
gelbe Galt ausgebrochen. Die mit dieſer gefährlichen Krankheit
behafteten Tiere geben eine ſchleimige unbrauchbare Milch. 4 Kühe
wurden abgetan.

— Der glarneriſche Katholikentag findet am 5. Sept. ſtatt.

Klauſenpaß. Nach dem Stand der Arbeiten darf
angenommen werden, daß die Straße über den Urnerboden bis
zum Herbſte fahrbar wird. Indem Glarus ſeinen Straßenteil
bis zum nämlichen Zeitpunkte vollenden wird, kann nächſtes Jahr
von Linthal aus der Urnerboden mit einer Kutſche bequem er-
reicht werden. Dem Vernehmen nach gedenkt die eidgen. Poſt-
verwaltung ſchon nächſtes Jahr einen Fahrpoſtdienſt Linthal-
Urnerboden einzurichten.

Die freiburgiſche Anklagekammer
wird ſich Samstag den 7. Auguſt mit der Angelegenheit
Huber befaſſen und für dieſen einen amtlichen Verteidiger bezeichnen,
da Huber ſich bisher geweigert hat, einen ſolchen zu erwählen.
Der Prozeß vor dem Geſchwornengericht wird nicht vor der
erſten Hälften September beginnen.

— In der kathol. Buchhandlung, Reichengaſſe, Nr. 13, zu
Freiburg ſind Medaillen und Feſtandenken zur Erinnerung an
das Feſt des ſel. Petrus Caniſius zu haben.

Solothurn.

An dem zum Oberingenieur der Zentral-
bahn erwählten Herrn Euſeb. Vogt verliert der Kanton und ſpeziell
die Stadt Solothurn eine ſehr tüchtige Kraft, die Oppoſition
einen ihrer ſchneidigſten Führer.

Graubünden.

Die Notiz, daß in Gondo (Wallis)
einzig in der Schweiz Gold gewonnen und daraus Münzen ge-
prägt wurde, iſt nicht richtig. Bei Felsberg, eine Stunde
von Chur, wurde früher lange Zeit am Kalanda ein Goldberg-
werk betrieben. Es exiſtieren aus dem Jahre 1813 noch bünd-
neriſche Golddukaten, welche auf Grund eines Vertrages zwiſchen
Bergwerkgeſellſchaft und Kanton aus Kalandagold geprägt wurden.

— Das Reſtaurant auf dem Piz Lanquard iſt am Freitag
total abgebrannt. Die Brandurſache iſt eine teilweiſe Exploſion
eines Kochapparates.

— Uhrenmacher Riſch aus Chur der am 1. d. die Hoch-
wangſpitze beſtieg, wird vermißt.

Aargau.

Jüngſt war die Wahl der Bezirlsſchulräte,
dabei wurde für den Bezirk Laufenburg Herr Bezirksarzt Mettauer
in Frick, ein bei allen Parteien beliebter, loyaler Mann, der ſeit
zwölf Jahren ein fleißiges und treues Mitglied des Bezirksſchul-
rates war, mit empörender Brutalität weggewählt und zwar mit
der Begründung, er ſei als Arzt durch ſeine Berufsgeſchäfte ſonſt
ſchon zu ſtark in Anſpruch genommen und Frick ſei durch zwei
andere Mitglieder ſchon mehr als genügend vertreten. Für ihn
wurde nun aber gewählt — Herr Unterlehrer Mettauer von Frick.
Alſo der Herr Bezirksarzt iſt zu viel für Frick, für ihn aber wählt
man — wieder einen Fricker. Erſterer iſt als Arzt zu viel be-
ſchäftigt, dafür wählt man einen Lehrer, der zugleich Landwirt
iſt und dazu Mobiliarverſicherungsagent, Feuerwehrhauptmann,
und gelegentlich Spritzeninſpektor, Turn-Experte und Turnlehrer
an der Bezirksſchule, Kommiſſionsmitglied und Inſpektor des
Armenerziehungsvereins, Schönſchreiblehrer und Zeichnungslehrer
an der Bezirksſchule, Konferenzdirektor und vielleicht noch manches
andere. Aber das Rätſel löſt ſich wenn man durch das „Badener
Volksblatt“ erfährt, daß dieſer Unterlehrer radikaler Proteſtant,
der Bezirksarzt aber konſervativer Katholik iſt.

Thurgau.

Das Hagelwetter vom letzten Mittwoch hat
größere Ausdehnung angenommen, als berichtet wurde. Betreffen
iſt der Landſtrich von Wigoldingen-Homburg über Märſtetten
bis an den Ottenberg hinauf und auf der andern Seite bis über
Mettlen hinaus, und zwar iſt merkwürdigerweiſe der Schaden
am Rande der Hagelzone größer als im Zentrum; den er wird
in der Gegend von Boltshauſen einen Drittel, in Wigoldingen
ſogar bis auf 70% der erhofften Weinernte geſchätzt, während
er bei Märſtetten nur etwa einen Fünftel betragen ſoll.

Appenzell A.-Rh.

Ein junger Mann namens Walſer
von Gais ſtürzte am 1. ds. früh vom Hohen Kaſten; er wurde
ſchwer verwundet auf der Solalp gefunden.

Waadt.

Unweit des beſtrenommierten Weingeländes von
Maleſſert (La Côte) iſt ein fünfzig Rebſtöcke umfaſſender Reblaus-
herd entdeckt worden. Weitere neue Herde wurden bei Nyon
entdeckt.

— Im kantonalen Muſeum in Lauſanne wurde
am 1. d. ein großer Diebſtahl begangen. Er betrifft goldene
Medaillen vom eidgen. Jubiläum und von der Landesausſtellung
in Genf, einen goldenen Taler von Kardinal Schinner und
ſchweiz. Schützentaler, ſowie goldene Gegenſtände aus der Bur-
gunderzeit.

Den Steuerzahlern hat die ſtädtiſche Bauverwaltung in drei
vorgekommenen Fällen Schmerzen bereitet. Dieſelbe ſoll nämlich
Bauprojekten die Genehmigung erteilt haben, ohne zu prüfen, ov
ſie den von der Stadt planierten Bauten im Wege ſtehen, ſo
daß die ſchon angefangenen Bauten entfernt werden mußten. —
Gibt’s keine Beamtenverantwortlichkeit?




Ausland.



Vom Tage.

In Bulgarien hat ein Skandalprozeß
ſeinen Abſchluß gefunden. An ſich beſchlägt der Handel
nur ein modernes Romanthema: Ein junger Lebemann läßt
ſeine Geliebte, die Mutter ſeines Kindes, aus der Welt ſchaffen.
Was aber hier die blutige Tat noch beſonderlich widerlich
macht, iſt das, daß der Mörder ein Beamter des Fürſten
und ſeine Helfershelfer Organe der Juſtizverwaltung waren.
Wenn die ausländiſche Preſſe nicht gegen den frechen Mord
[Spaltenumbruch] energiſch aufgetreten und nicht die Intervention einer aus-
ländiſchen Macht (die Ermordete war eine Ungarin) zu be-
fürchten geweſen wäre, ſo hätten die Gerichte nicht eınmal
eingegriffen. Das Urteil iſt milde ausgefallen, in einem
Lande, wo man ſo ſchnell mit dem Galgen bereit iſt:
lebenslängliche Haft, aus der man den Verurteilten an
einem ſchönen Tage heimlich laufenlaſſen wird.

Als bereits die Friedensunterhandlungen zwiſchen
Griechen und Türken fertig waren, warf Deutſchland noch
eine Schwierigkeit hinein, indem es die Frage der Regelung
der frühern griechiſchen Staatsſchuld aufs Tapet brachte.
Es wollte zeigen, daß trotz des vorherrſchenden Einfluſſes
die übrigen Mächte es auch noch ein Wort mit zu reden habe.
In dieſem Sinne hatte es bisher jene Politik angewandt,
die man des Syſtem der verſpäteten Inſtruktionen genannt
hat. Sein Botſchafter war nie zur Zeit mit ſeinen Befehlen
ausgerüſtet.

Der Kündigung des deutſch-engliſchen und
engliſch-belgiſchen Handelsvertrages
durch die
Engländer wird große Bedeutung beigemeſſen. Da nämlich
dieſe Verträge die einzigen waren, welche die ſog. Meiſt-
begünſtigungsklauſeln enthielten, wodurch England den Bel-
giern und Deutſchen alle handelspolitiſchen Vorteile ein-
räumte, welche dem meiſtbegünſtigten Staate zugeſtanden
waren, ſo begreift man die Tragweite der Kündigung für
Handel und Induſtrie des ganzen Feſtlandes. Man muß
annehmen, England ſei im Begriffe, vom Freihandelsſyſtem
zum Schutzzoll überzugehen.

Deutſchland.

In Baiern iſt ein Rückgang des bäuer-
lichen Vermögens neuerdings in bedenklichen Zahlen feſtgeſtellt
worden. Letztes Jahr iſt der Privatwaldbeſitz zurückgegangen,
die Auffaſſungen ſind hinter den Abholzungen um 11,000
Morgen zurückgeblieben. Der Bauernſtand weiß ſich in ſeiner
Not nicht mehr zu helfen, er greift den Waldbeſitz an. Die
Hypothekenſchulden ſind im rechtsrheiniſchen Bayern pro 1895
um 129 Millionen geſtiegen. Der Jahresbericht der Central-
darlehenskaſſe conſtatiert auch eine bedeutende Zunahme der Perſo-
nal-Verſchuldung. Von Schulden wegen Bodenverbeſſerungen
weiß man nichts, die Ganten vermehren ſich täglich … Trau-
riges Bild!

— Die proteſtantiſche Regierung von Baden behandelt
die altkatholiſche Sekte immer noch hartnäckig aus Bosheit als
zur kath. Kirche gehörend. Der zur altkath. Sekte abgefallene
Bunkofer erklärte jedoch, anläßlich dieſes Abfalles ſeinen „Austritt“
aus der kath. Kirche. Wäre Katholizismus mit der altkatholiſchen
Sekte gleichbedeutend, ſo hätte es keines „Austrittes“ bedurft.

Die Abendblätter veröffentlichen
ergreifende Details über die Hochwaſſer. Der Schaden in
Preußiſch Schleſien beträgt ca. 12 Millionen Mark; dort ſind
38 Perſonen ertrunken, in Sachſen über 60.

Italien.

Ein Mordprozeß mit politiſchem
Hintergrund
iſt vor dem Schwurgericht der italieniſchen Stadt
Potenza (bei Neapel) ſeit zwei Wochen verhandelt worden.
Acht Grundbeſitzer aus Givia dell Calle, unter ihnen der Oheim
eines zur Regierungspartei gehörigen Abgeordneten, waren ange-
klagt, ihren politiſchen Gegner Vincenzo Taranto ermordet zu
haben. Die einflußreichen Verwandten der Angeklagten ſetzten
alle Hebel in Bewegung, um eine Freiſprechung zu erlangen.
Unter anderm erreichten ſie vom Juſtizminiſter zwer Tage vor
Beginn der Verhandlungen die Verſetzung des Staatsanwalts,
der im Prozeß die Anklage führen ſollte und ſich während
anderthalb Jahren in den Prozeß eingearbeitet hatte. Ferner
wurden in Potenza eigens Blätter gegründet, um die öffentliche
Meinung zu Gunſten der Angeklagten zu beeinfluſſen. Aber
alles blieb erfalglos. Die Geſchworenen erklärten die Angeklagten
mit ſieben gegen zwei Stimmen und drei Stimmenthaltungen
für ſchuldig. Als der Obmann der Geſchworenen den Wahrſpruch
verlas, drangen die Anhänger der Angeklagten, die den Saal
beſetzt hielten, unter Wutgeſchrei auf die Geſchworenen und die
Richter ein und drohten, ſie niederzuſtechen und alle Verwandten
des Ermordeten aus Rache umzubringen. Inzwiſchen begann
einer der Verurteilten, weil er ſich verloren glaubte, Einzelheiten
des Verbrechens in den Saal hinauszuſchreien und andere hoch-
geſtellte Mitſchuldige namhaft zu machen. Endlich beantragte ein
Verteidiger, die Geſchworenen ſollten ſich noch einmal in ihr
Zimmer begeben und einen neuen Wahrſpruch faſſen. Der
Präſident willigte ein, und die zu Tode erſchrockenen Geſchwornen
gehorchten. Die wütende Menge drängte ſich vor der Tür ihres
Zimmers und an den Fenſtern. Schon nach zwei Minuten
kehrten die Geſchwornen zurück und erklärten die Angeklagten
einſtimmig unſchuldig!

Unter geſtrigem Datum richtetete der
Papſt eine Eneyklika an die Biſchöfe von Oeſterreich-Ungarn,
Deutſchland und Schweiz anläßlich des dreihundertjährigen
Jubiläums des ſeligen Pater Caniſius. Die Eneyklika er-
innert an ſeinen Kampf gegen die Glaubensirrtümer und ermahnt
die Biſchöfe ſeinem Beiſpiel nachzueifern, dann vor allem ihre
Sorgfalt auf die Erziehung der Jugend zu verwenden. Sie
ermuntert die Biſchöfe Schulen zu gründen, die ausſchließlich
für die Katholiken beſtimmt wären und ſie mit vortrefflichen
Lehrern zu verſehen. Der Papſt empfiehlt den Biſchöfen, ge-
meinſam zu handeln, alle Parteikämpfe zu vermeiden und alle
ihre Sorge auf die Kirche zu verwenden, damit ſich alle Katho-
liken fur dasſelbe Ziel einigten.

— In Novara wurde bei der plötzlichen Reviſion der
Hauptkaſſe ein Fehlbetrag von 400 000 Lire entdeckt und
der Stadtkaſſier, welcher eingeſtand, ſämtliche als Kautionen
hinterlegte Wertpapiere unterſchlagen zu haben, verhaftet.

Amerika.

Das neuentdeckte Goldland in Britiſch Columbıa
muß ein fürchterlich rauhes Klima beſitzen. Die Schrecken der
Klondyke-Gegend ſind der lange entſetzlich kalte Winter, die
gewaltigen Stürme, der Mangel an Lebensmittel. Ueber 2000
Goldgräber ſind bereits in den letzten 3 Jahren umgekommen.

Belgien.

Die ſtreikenden Bergleute ſuchten in Paturages
das Gebäude der katholiſchen Kooperativgenoſſenſchaft in die Luft
zu ſprengen. Das Dynamitattentat beſchädigte das Haus und
die 4 angrenzenden Gebäude.

Türkei.

Es verlautet, etwa 60 tüchtige Notabeln, die
unter dem Verdachte ſtanden, mit den Jungtürken in Beziehung
zu ſtehen, ſeien auf Wink des Kriegsminiſteriums beiſeite ge-
ſchafft worden.

Afrika.

Eine offizielle Depeſche aus Laurenzo-Marquez
vom 30. ds. meldet, die portugieſiſchen Truppen hätten die Re-
bellen des Gazalandes blutig geſchlagen und ıhnen einen Verluſt
von 300 Mann beigebracht.


[Spaltenumbruch]
Verſchiedenes.



Wenn man vergeßlich iſt!

Ein Meraner Bergſteiger
verirrte ſich unlängſt bei einer Ifingerpartie und mußte eine
Viertelſtunde einen Felsgrat rittlings paſſieren, was ſehr lebens-
gefährlich war. Nachdem er eine weitere Viertelſtunde auf beſſerem
Terrain gemacht, bemerkte er, daß ſein Rock, den er auf den
Schnurſack aufgebunden hatte, abhanden gekommen ſei. Da er
denſelben nicht zurücklaſſen wollte, ging er wieder zurück, paſſierte
nochmals die gefährliche Stelle und fand, drüben angekommen,
daß er den Rock — am Leibe trug.

Prag, die Hauptſtadt Böhmens, wächſt ſich ſeit einigen
Jahren kurios genug aus. Das deutſche Staatsgymnaſium in
der Altſtadt zählte in dieſem Jahre unter ſeinen Schülern 31
Katholiken, 4 Proteſtanten und 163 (!) Juden; das Neuſtädter
Gymnaſium 143 Katholiken, 18 Proteſtanten und 217 Juden;
das Gymnaſium in der Stephansgaſſe 196 Katholiken, 18
Proteſtanten und 193 Juden. — Schöne Ausſichten! Da be-
greift man vieles aus dieſem Judenreich.

Chineſenfurcht.

Diejenigen welche eine Invaſion der
Chineſen und Verdrängung der abendländiſchen Induſtrie durch
die Chineſen befürchten, werden ſich beruhigen, wenn ſie Chinas
1896ger Handelsbilanz betrachten. Die Einfuhr des Jahres
1896 erreichte die Höhe von 202,6 Mill. Haikwan-Taëls, d.
h. 31 Millionen mehr als im Jahr 1895. Zugenommen hat
beſonders die Einfuhr von Baumwollgeweben (15 Mill.), Baum-
wollengarnen (faſt 11 Mill.), Wollwaren (1,8 Mill.), Metall-
waren (2½ Mill). Die Ausfuhr iſt indeſſen von 143,3 Mill.
Taëls 1895 auf 131,1 Mill. Hk.-Taëls in 1896 zurückge-
gangen; beſonders bemerkbar hat ſich dies bei Rohbaumwolle,
Seide und Thee gemacht.

— In Pontoiſe (bei Paris) wurde einem armen Teufel,
der auf einer Straßenbank ſchlıef, die Halsader durchſchnitten,
nachdem man ihn einiger Franken beraubt hatte. Der ſcheußliche
Mord hat die Bevölkerung in ungeheure Aufregung verſetzt.

— In Thas (Ungarn) haben ein 12jähriger und ein
13jähriger Knabe ein Kind, aus purer Luſt zum Töten, ermordet.
Jugenderziehung!

Infolge des Austritts der Wien
ſtürzte an der Schwarzenbergbrücke ein Gerüſt, auf dem ſich etwa
fünfzehn Arbeiter befanden, ein. Es konnten nur fünf gerettet
werden, die übrigen verſchwanden in den Fluten.

Erzieheriſches!

Ein merkwürdiges Aufſatz-Thema:
In Toulouſe wurde den Abiturienten für die Maturitätsprüfung
das Thema geſtellt: „Die Liebeserklärung der Phädra an Hippolit.“

Streikbrecher.

Im Braunkohlenwerk von Altrohau
(Böhmen) wurden an Stelle ausſtändiger Belegſchaften Italiener
angeworben Darauf verſammelten ſich die Ausſtändigen und
warfen in den Wohnungen der Italiener die Fenſter ein und
bedrohten die Arbeiter und den Direktor. Die Gendarmie zer-
ſtreute die Menge und nahm 10 Verhaftungen vor. Die Italiener
haben Altrohlau verlaſſen.

— In den Weinbergen von Tremona und Morbio inferiore
ſind Reblausherde entdeckt worden.




Literariſches.



— Kalender-Litteratur. Als der erſte Bote des kommenden Jahres
erſcheint auf unſerem Redaktionstiſche der altbekannte und beliebte St.
Urſen-Kalender
aus Solothurn und zwar diesmal an Text und
Illuſtrationen beſonders reichhaltig.

Sein beſonderes Gepräge erhält er durch eine ausführliche Dar-
ſtellung des Einfalls der Franzoſen in die Schweiz und in Solothurn
im beſondern, das gerade vor hundert Jahren ſtattgefunden hat. Mehrere
intereſſante Illuſtrationen, der heutigen Welt größtenteils unbekannte Bild-
niſſe der hervorragendſten Männer aus jener denkwürdigen Epoche, zieren
die Schilderung. Unterhaltende, ernſte und heitere Erzählungen werden
gerne geleſen werden, und an kleinen Anekdoten und Schwänken fehlt
es nicht, ebenſo wenig als an belehrenden Mitteilungen. Den Anfang
des Kalenders bildet wie gewohnt die ausführlıche Weltchronik, den Schluß
der an Namen reiche Totenkalender, u. A. auch die Biographie des „Welt-
überblickers.“ Darum ſei der neue Kalender nah und fern auf’s beſte
empfohlen.

— Durch die Zeitungen lief vor einigen Wochen die beunruhigende
Nachricht, daß unſern Kirſchbäumen in dieſem Jahre eine Epidemie drohe,
indem der bekannte Pilz Monilia ſtellenweiſe ſo maſſenhaft auftrete, daß
die Kirſchbäume daran einzugehen drohen. Auf Veranlaſſung der Re-
daktion ſpricht ſich in der neueſten Nummer des praktiſchen Ratgebers
der bekannte Profeſſor Dr. Paul Sorauer über dieſe Monilia-Epidemie
aus und zwar im allgemeinen beruhigend. Er weiſt nach, daß an dem
maſſenhaften Auftreten des in jedem Jahr: und an allen Obſtſorten
vorhandenen Pilzes Monilia die naſſe Witterung ſchuld ſei und daß
man dieſes epidemiſche Auftreten in jedem naſſen Jahr beobachtet habe.
Die Nummer des praktiſchen Ratgebers mit dem betreffenden Aufſatze
des Herrn Profeſſor Sorauer wird Intereſſenten gern auf Verlangen
umſonſt zugeſchickt von der Verlagshandlung Trowitzſch und Sohn
in Frankfurt d. Oder.







Butterpreis in Uznach, den 31. Juli 1897.

Preis per halb Kilo Fr. 1.20 bis Fr. 1. 30.




[irrelevantes Material]
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</TEI>
[3/0003] — In Küßnacht ſoll z. Z ein reger Fremdenverkehr herrſchen. Deutſche, Franzoſen, Engländer und Amerikaner ſind zur Erhohlung in den Penſionen abgeſtiegen. — March. Die Klauenſeuche hat an Intenſivität nach- gelaſſen. An einigen Orten konnte der Bann aufgehoben werden, dagegen ſcheint die Seuche an räumlicher Ausdehnung zu gewinnen. Nunmehr ſoll ſie auch in der Alp G’würz ausgebrochen ſein. Am Fluhbrig tötete jüngſt der Blitzſchlag ein Rudel Schafe, 35 Stück zählend. — Tendenziöſe Berichterſtattung. Der liberale „Schwyzer Volksfreund“ bewundert die Feſtrede des radikalen Kulturkämpfers und Reformpaſtors Heß am Schützenfeſte in Lichtenſteig. Die anſtößigen Stellen ſind aber umgeändert. Nidwalden. Als letzten Dienstag in Stans die erſte Lokomotive für den Bau der Engelberger-Bahn auf vierſpännigem Wagen eintraf, meinte ein Bauer: „Die bringid jetzt der Dorrofä, bevor Birli zytig ſind“ Glarus. In Netſtal iſt in einem Stalle der ſogenannte gelbe Galt ausgebrochen. Die mit dieſer gefährlichen Krankheit behafteten Tiere geben eine ſchleimige unbrauchbare Milch. 4 Kühe wurden abgetan. — Der glarneriſche Katholikentag findet am 5. Sept. ſtatt. — Klauſenpaß. Nach dem Stand der Arbeiten darf angenommen werden, daß die Straße über den Urnerboden bis zum Herbſte fahrbar wird. Indem Glarus ſeinen Straßenteil bis zum nämlichen Zeitpunkte vollenden wird, kann nächſtes Jahr von Linthal aus der Urnerboden mit einer Kutſche bequem er- reicht werden. Dem Vernehmen nach gedenkt die eidgen. Poſt- verwaltung ſchon nächſtes Jahr einen Fahrpoſtdienſt Linthal- Urnerboden einzurichten. Freiburg, 31. Juli. Die freiburgiſche Anklagekammer wird ſich Samstag den 7. Auguſt mit der Angelegenheit Huber befaſſen und für dieſen einen amtlichen Verteidiger bezeichnen, da Huber ſich bisher geweigert hat, einen ſolchen zu erwählen. Der Prozeß vor dem Geſchwornengericht wird nicht vor der erſten Hälften September beginnen. — In der kathol. Buchhandlung, Reichengaſſe, Nr. 13, zu Freiburg ſind Medaillen und Feſtandenken zur Erinnerung an das Feſt des ſel. Petrus Caniſius zu haben. Solothurn. An dem zum Oberingenieur der Zentral- bahn erwählten Herrn Euſeb. Vogt verliert der Kanton und ſpeziell die Stadt Solothurn eine ſehr tüchtige Kraft, die Oppoſition einen ihrer ſchneidigſten Führer. Graubünden. Die Notiz, daß in Gondo (Wallis) einzig in der Schweiz Gold gewonnen und daraus Münzen ge- prägt wurde, iſt nicht richtig. Bei Felsberg, eine Stunde von Chur, wurde früher lange Zeit am Kalanda ein Goldberg- werk betrieben. Es exiſtieren aus dem Jahre 1813 noch bünd- neriſche Golddukaten, welche auf Grund eines Vertrages zwiſchen Bergwerkgeſellſchaft und Kanton aus Kalandagold geprägt wurden. — Das Reſtaurant auf dem Piz Lanquard iſt am Freitag total abgebrannt. Die Brandurſache iſt eine teilweiſe Exploſion eines Kochapparates. — Uhrenmacher Riſch aus Chur der am 1. d. die Hoch- wangſpitze beſtieg, wird vermißt. Aargau. Jüngſt war die Wahl der Bezirlsſchulräte, dabei wurde für den Bezirk Laufenburg Herr Bezirksarzt Mettauer in Frick, ein bei allen Parteien beliebter, loyaler Mann, der ſeit zwölf Jahren ein fleißiges und treues Mitglied des Bezirksſchul- rates war, mit empörender Brutalität weggewählt und zwar mit der Begründung, er ſei als Arzt durch ſeine Berufsgeſchäfte ſonſt ſchon zu ſtark in Anſpruch genommen und Frick ſei durch zwei andere Mitglieder ſchon mehr als genügend vertreten. Für ihn wurde nun aber gewählt — Herr Unterlehrer Mettauer von Frick. Alſo der Herr Bezirksarzt iſt zu viel für Frick, für ihn aber wählt man — wieder einen Fricker. Erſterer iſt als Arzt zu viel be- ſchäftigt, dafür wählt man einen Lehrer, der zugleich Landwirt iſt und dazu Mobiliarverſicherungsagent, Feuerwehrhauptmann, und gelegentlich Spritzeninſpektor, Turn-Experte und Turnlehrer an der Bezirksſchule, Kommiſſionsmitglied und Inſpektor des Armenerziehungsvereins, Schönſchreiblehrer und Zeichnungslehrer an der Bezirksſchule, Konferenzdirektor und vielleicht noch manches andere. Aber das Rätſel löſt ſich wenn man durch das „Badener Volksblatt“ erfährt, daß dieſer Unterlehrer radikaler Proteſtant, der Bezirksarzt aber konſervativer Katholik iſt. Thurgau. Das Hagelwetter vom letzten Mittwoch hat größere Ausdehnung angenommen, als berichtet wurde. Betreffen iſt der Landſtrich von Wigoldingen-Homburg über Märſtetten bis an den Ottenberg hinauf und auf der andern Seite bis über Mettlen hinaus, und zwar iſt merkwürdigerweiſe der Schaden am Rande der Hagelzone größer als im Zentrum; den er wird in der Gegend von Boltshauſen einen Drittel, in Wigoldingen ſogar bis auf 70% der erhofften Weinernte geſchätzt, während er bei Märſtetten nur etwa einen Fünftel betragen ſoll. Appenzell A.-Rh. Ein junger Mann namens Walſer von Gais ſtürzte am 1. ds. früh vom Hohen Kaſten; er wurde ſchwer verwundet auf der Solalp gefunden. Waadt. Unweit des beſtrenommierten Weingeländes von Maleſſert (La Côte) iſt ein fünfzig Rebſtöcke umfaſſender Reblaus- herd entdeckt worden. Weitere neue Herde wurden bei Nyon entdeckt. — Im kantonalen Muſeum in Lauſanne wurde am 1. d. ein großer Diebſtahl begangen. Er betrifft goldene Medaillen vom eidgen. Jubiläum und von der Landesausſtellung in Genf, einen goldenen Taler von Kardinal Schinner und ſchweiz. Schützentaler, ſowie goldene Gegenſtände aus der Bur- gunderzeit. Den Steuerzahlern hat die ſtädtiſche Bauverwaltung in drei vorgekommenen Fällen Schmerzen bereitet. Dieſelbe ſoll nämlich Bauprojekten die Genehmigung erteilt haben, ohne zu prüfen, ov ſie den von der Stadt planierten Bauten im Wege ſtehen, ſo daß die ſchon angefangenen Bauten entfernt werden mußten. — Gibt’s keine Beamtenverantwortlichkeit? Ausland. Vom Tage. In Bulgarien hat ein Skandalprozeß ſeinen Abſchluß gefunden. An ſich beſchlägt der Handel nur ein modernes Romanthema: Ein junger Lebemann läßt ſeine Geliebte, die Mutter ſeines Kindes, aus der Welt ſchaffen. Was aber hier die blutige Tat noch beſonderlich widerlich macht, iſt das, daß der Mörder ein Beamter des Fürſten und ſeine Helfershelfer Organe der Juſtizverwaltung waren. Wenn die ausländiſche Preſſe nicht gegen den frechen Mord energiſch aufgetreten und nicht die Intervention einer aus- ländiſchen Macht (die Ermordete war eine Ungarin) zu be- fürchten geweſen wäre, ſo hätten die Gerichte nicht eınmal eingegriffen. Das Urteil iſt milde ausgefallen, in einem Lande, wo man ſo ſchnell mit dem Galgen bereit iſt: lebenslängliche Haft, aus der man den Verurteilten an einem ſchönen Tage heimlich laufenlaſſen wird. Als bereits die Friedensunterhandlungen zwiſchen Griechen und Türken fertig waren, warf Deutſchland noch eine Schwierigkeit hinein, indem es die Frage der Regelung der frühern griechiſchen Staatsſchuld aufs Tapet brachte. Es wollte zeigen, daß trotz des vorherrſchenden Einfluſſes die übrigen Mächte es auch noch ein Wort mit zu reden habe. In dieſem Sinne hatte es bisher jene Politik angewandt, die man des Syſtem der verſpäteten Inſtruktionen genannt hat. Sein Botſchafter war nie zur Zeit mit ſeinen Befehlen ausgerüſtet. Der Kündigung des deutſch-engliſchen und engliſch-belgiſchen Handelsvertrages durch die Engländer wird große Bedeutung beigemeſſen. Da nämlich dieſe Verträge die einzigen waren, welche die ſog. Meiſt- begünſtigungsklauſeln enthielten, wodurch England den Bel- giern und Deutſchen alle handelspolitiſchen Vorteile ein- räumte, welche dem meiſtbegünſtigten Staate zugeſtanden waren, ſo begreift man die Tragweite der Kündigung für Handel und Induſtrie des ganzen Feſtlandes. Man muß annehmen, England ſei im Begriffe, vom Freihandelsſyſtem zum Schutzzoll überzugehen. Deutſchland. In Baiern iſt ein Rückgang des bäuer- lichen Vermögens neuerdings in bedenklichen Zahlen feſtgeſtellt worden. Letztes Jahr iſt der Privatwaldbeſitz zurückgegangen, die Auffaſſungen ſind hinter den Abholzungen um 11,000 Morgen zurückgeblieben. Der Bauernſtand weiß ſich in ſeiner Not nicht mehr zu helfen, er greift den Waldbeſitz an. Die Hypothekenſchulden ſind im rechtsrheiniſchen Bayern pro 1895 um 129 Millionen geſtiegen. Der Jahresbericht der Central- darlehenskaſſe conſtatiert auch eine bedeutende Zunahme der Perſo- nal-Verſchuldung. Von Schulden wegen Bodenverbeſſerungen weiß man nichts, die Ganten vermehren ſich täglich … Trau- riges Bild! — Die proteſtantiſche Regierung von Baden behandelt die altkatholiſche Sekte immer noch hartnäckig aus Bosheit als zur kath. Kirche gehörend. Der zur altkath. Sekte abgefallene Bunkofer erklärte jedoch, anläßlich dieſes Abfalles ſeinen „Austritt“ aus der kath. Kirche. Wäre Katholizismus mit der altkatholiſchen Sekte gleichbedeutend, ſo hätte es keines „Austrittes“ bedurft. — Berlin, 3. Auguſt. Die Abendblätter veröffentlichen ergreifende Details über die Hochwaſſer. Der Schaden in Preußiſch Schleſien beträgt ca. 12 Millionen Mark; dort ſind 38 Perſonen ertrunken, in Sachſen über 60. Italien. Ein Mordprozeß mit politiſchem Hintergrund iſt vor dem Schwurgericht der italieniſchen Stadt Potenza (bei Neapel) ſeit zwei Wochen verhandelt worden. Acht Grundbeſitzer aus Givia dell Calle, unter ihnen der Oheim eines zur Regierungspartei gehörigen Abgeordneten, waren ange- klagt, ihren politiſchen Gegner Vincenzo Taranto ermordet zu haben. Die einflußreichen Verwandten der Angeklagten ſetzten alle Hebel in Bewegung, um eine Freiſprechung zu erlangen. Unter anderm erreichten ſie vom Juſtizminiſter zwer Tage vor Beginn der Verhandlungen die Verſetzung des Staatsanwalts, der im Prozeß die Anklage führen ſollte und ſich während anderthalb Jahren in den Prozeß eingearbeitet hatte. Ferner wurden in Potenza eigens Blätter gegründet, um die öffentliche Meinung zu Gunſten der Angeklagten zu beeinfluſſen. Aber alles blieb erfalglos. Die Geſchworenen erklärten die Angeklagten mit ſieben gegen zwei Stimmen und drei Stimmenthaltungen für ſchuldig. Als der Obmann der Geſchworenen den Wahrſpruch verlas, drangen die Anhänger der Angeklagten, die den Saal beſetzt hielten, unter Wutgeſchrei auf die Geſchworenen und die Richter ein und drohten, ſie niederzuſtechen und alle Verwandten des Ermordeten aus Rache umzubringen. Inzwiſchen begann einer der Verurteilten, weil er ſich verloren glaubte, Einzelheiten des Verbrechens in den Saal hinauszuſchreien und andere hoch- geſtellte Mitſchuldige namhaft zu machen. Endlich beantragte ein Verteidiger, die Geſchworenen ſollten ſich noch einmal in ihr Zimmer begeben und einen neuen Wahrſpruch faſſen. Der Präſident willigte ein, und die zu Tode erſchrockenen Geſchwornen gehorchten. Die wütende Menge drängte ſich vor der Tür ihres Zimmers und an den Fenſtern. Schon nach zwei Minuten kehrten die Geſchwornen zurück und erklärten die Angeklagten einſtimmig unſchuldig! Rom, 2. Auguſt. Unter geſtrigem Datum richtetete der Papſt eine Eneyklika an die Biſchöfe von Oeſterreich-Ungarn, Deutſchland und Schweiz anläßlich des dreihundertjährigen Jubiläums des ſeligen Pater Caniſius. Die Eneyklika er- innert an ſeinen Kampf gegen die Glaubensirrtümer und ermahnt die Biſchöfe ſeinem Beiſpiel nachzueifern, dann vor allem ihre Sorgfalt auf die Erziehung der Jugend zu verwenden. Sie ermuntert die Biſchöfe Schulen zu gründen, die ausſchließlich für die Katholiken beſtimmt wären und ſie mit vortrefflichen Lehrern zu verſehen. Der Papſt empfiehlt den Biſchöfen, ge- meinſam zu handeln, alle Parteikämpfe zu vermeiden und alle ihre Sorge auf die Kirche zu verwenden, damit ſich alle Katho- liken fur dasſelbe Ziel einigten. — In Novara wurde bei der plötzlichen Reviſion der Hauptkaſſe ein Fehlbetrag von 400 000 Lire entdeckt und der Stadtkaſſier, welcher eingeſtand, ſämtliche als Kautionen hinterlegte Wertpapiere unterſchlagen zu haben, verhaftet. Amerika. Das neuentdeckte Goldland in Britiſch Columbıa muß ein fürchterlich rauhes Klima beſitzen. Die Schrecken der Klondyke-Gegend ſind der lange entſetzlich kalte Winter, die gewaltigen Stürme, der Mangel an Lebensmittel. Ueber 2000 Goldgräber ſind bereits in den letzten 3 Jahren umgekommen. Belgien. Die ſtreikenden Bergleute ſuchten in Paturages das Gebäude der katholiſchen Kooperativgenoſſenſchaft in die Luft zu ſprengen. Das Dynamitattentat beſchädigte das Haus und die 4 angrenzenden Gebäude. Türkei. Es verlautet, etwa 60 tüchtige Notabeln, die unter dem Verdachte ſtanden, mit den Jungtürken in Beziehung zu ſtehen, ſeien auf Wink des Kriegsminiſteriums beiſeite ge- ſchafft worden. Afrika. Eine offizielle Depeſche aus Laurenzo-Marquez vom 30. ds. meldet, die portugieſiſchen Truppen hätten die Re- bellen des Gazalandes blutig geſchlagen und ıhnen einen Verluſt von 300 Mann beigebracht. Verſchiedenes. — Wenn man vergeßlich iſt! Ein Meraner Bergſteiger verirrte ſich unlängſt bei einer Ifingerpartie und mußte eine Viertelſtunde einen Felsgrat rittlings paſſieren, was ſehr lebens- gefährlich war. Nachdem er eine weitere Viertelſtunde auf beſſerem Terrain gemacht, bemerkte er, daß ſein Rock, den er auf den Schnurſack aufgebunden hatte, abhanden gekommen ſei. Da er denſelben nicht zurücklaſſen wollte, ging er wieder zurück, paſſierte nochmals die gefährliche Stelle und fand, drüben angekommen, daß er den Rock — am Leibe trug. — Prag, die Hauptſtadt Böhmens, wächſt ſich ſeit einigen Jahren kurios genug aus. Das deutſche Staatsgymnaſium in der Altſtadt zählte in dieſem Jahre unter ſeinen Schülern 31 Katholiken, 4 Proteſtanten und 163 (!) Juden; das Neuſtädter Gymnaſium 143 Katholiken, 18 Proteſtanten und 217 Juden; das Gymnaſium in der Stephansgaſſe 196 Katholiken, 18 Proteſtanten und 193 Juden. — Schöne Ausſichten! Da be- greift man vieles aus dieſem Judenreich. — Chineſenfurcht. Diejenigen welche eine Invaſion der Chineſen und Verdrängung der abendländiſchen Induſtrie durch die Chineſen befürchten, werden ſich beruhigen, wenn ſie Chinas 1896ger Handelsbilanz betrachten. Die Einfuhr des Jahres 1896 erreichte die Höhe von 202,6 Mill. Haikwan-Taëls, d. h. 31 Millionen mehr als im Jahr 1895. Zugenommen hat beſonders die Einfuhr von Baumwollgeweben (15 Mill.), Baum- wollengarnen (faſt 11 Mill.), Wollwaren (1,8 Mill.), Metall- waren (2½ Mill). Die Ausfuhr iſt indeſſen von 143,3 Mill. Taëls 1895 auf 131,1 Mill. Hk.-Taëls in 1896 zurückge- gangen; beſonders bemerkbar hat ſich dies bei Rohbaumwolle, Seide und Thee gemacht. — In Pontoiſe (bei Paris) wurde einem armen Teufel, der auf einer Straßenbank ſchlıef, die Halsader durchſchnitten, nachdem man ihn einiger Franken beraubt hatte. Der ſcheußliche Mord hat die Bevölkerung in ungeheure Aufregung verſetzt. — In Thas (Ungarn) haben ein 12jähriger und ein 13jähriger Knabe ein Kind, aus purer Luſt zum Töten, ermordet. Jugenderziehung! — Wien, 30. Juli. Infolge des Austritts der Wien ſtürzte an der Schwarzenbergbrücke ein Gerüſt, auf dem ſich etwa fünfzehn Arbeiter befanden, ein. Es konnten nur fünf gerettet werden, die übrigen verſchwanden in den Fluten. — Erzieheriſches! Ein merkwürdiges Aufſatz-Thema: In Toulouſe wurde den Abiturienten für die Maturitätsprüfung das Thema geſtellt: „Die Liebeserklärung der Phädra an Hippolit.“ — Streikbrecher. Im Braunkohlenwerk von Altrohau (Böhmen) wurden an Stelle ausſtändiger Belegſchaften Italiener angeworben Darauf verſammelten ſich die Ausſtändigen und warfen in den Wohnungen der Italiener die Fenſter ein und bedrohten die Arbeiter und den Direktor. Die Gendarmie zer- ſtreute die Menge und nahm 10 Verhaftungen vor. Die Italiener haben Altrohlau verlaſſen. — In den Weinbergen von Tremona und Morbio inferiore ſind Reblausherde entdeckt worden. Literariſches. — Kalender-Litteratur. Als der erſte Bote des kommenden Jahres erſcheint auf unſerem Redaktionstiſche der altbekannte und beliebte St. Urſen-Kalender aus Solothurn und zwar diesmal an Text und Illuſtrationen beſonders reichhaltig. Sein beſonderes Gepräge erhält er durch eine ausführliche Dar- ſtellung des Einfalls der Franzoſen in die Schweiz und in Solothurn im beſondern, das gerade vor hundert Jahren ſtattgefunden hat. Mehrere intereſſante Illuſtrationen, der heutigen Welt größtenteils unbekannte Bild- niſſe der hervorragendſten Männer aus jener denkwürdigen Epoche, zieren die Schilderung. Unterhaltende, ernſte und heitere Erzählungen werden gerne geleſen werden, und an kleinen Anekdoten und Schwänken fehlt es nicht, ebenſo wenig als an belehrenden Mitteilungen. Den Anfang des Kalenders bildet wie gewohnt die ausführlıche Weltchronik, den Schluß der an Namen reiche Totenkalender, u. A. auch die Biographie des „Welt- überblickers.“ Darum ſei der neue Kalender nah und fern auf’s beſte empfohlen. — Durch die Zeitungen lief vor einigen Wochen die beunruhigende Nachricht, daß unſern Kirſchbäumen in dieſem Jahre eine Epidemie drohe, indem der bekannte Pilz Monilia ſtellenweiſe ſo maſſenhaft auftrete, daß die Kirſchbäume daran einzugehen drohen. Auf Veranlaſſung der Re- daktion ſpricht ſich in der neueſten Nummer des praktiſchen Ratgebers der bekannte Profeſſor Dr. Paul Sorauer über dieſe Monilia-Epidemie aus und zwar im allgemeinen beruhigend. Er weiſt nach, daß an dem maſſenhaften Auftreten des in jedem Jahr: und an allen Obſtſorten vorhandenen Pilzes Monilia die naſſe Witterung ſchuld ſei und daß man dieſes epidemiſche Auftreten in jedem naſſen Jahr beobachtet habe. Die Nummer des praktiſchen Ratgebers mit dem betreffenden Aufſatze des Herrn Profeſſor Sorauer wird Intereſſenten gern auf Verlangen umſonſt zugeſchickt von der Verlagshandlung Trowitzſch und Sohn in Frankfurt d. Oder. Redaktion: Dr. jur. U. Lampert, Fürſprech. Butterpreis in Uznach, den 31. Juli 1897. Preis per halb Kilo Fr. 1.20 bis Fr. 1. 30. _

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Zitationshilfe: St. Galler Volksblatt. Nr. 62, Uznach, 04. 08. 1897, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_stgaller62_1897/3>, abgerufen am 23.03.2019.