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St. Galler Volksblatt. Nr. 53, Uznach, 04. 07. 1894.

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[Spaltenumbruch] Impfzwanges einzuleiten, vorgängig der Beratung des neuen
Gesetzes über das Impfwesen im Großen Rate. Trotz Impf-
zwang ist der Kanton Bern am meisten von den Blattern heim-
gesucht.

Luzern.

In Eschenbach herrscht die Diphtherie; 4 Kinder
sind derselben bereits erlegen.

Resulte vom Kantonalschützenfest.
Von Ostschweizern haben sich heute ausgezeichnet: Hermann
Schubiger
in Uznach, 1. in Stichscheibe "Reuß" 93/9 Pkte.,
1. in "Emme" 94/65 Punkte. T. Sedlberger in Bruggen, 2.
in "Reuß" 92/65 Punkte, 2. in "Tell" 94 Punkte, 2. in "Luzern"
387 Punkte. Ordonnanzscheibe. Beste Dreier-Serien 3. mit
64 Punkte Lichtensteiger-St. Gallen. 3. in Reuß 91/9 Punkte
Knecht-St. Gallen. 4. in "Emme" 82/72 Punkte, Lieutenant
Bär, Rickenbach-Wil in "Tell" mit 94 Punkten. 2. in "beste"
Dreierserien im Spezialkehr 94 Punkte A. Tobler in Herisau;
G. Stahl in Kradolf, beste Schußnähe im Spezialkehr.

Glarus.

Der untere Landesteil wird gegenwärtig von
der sogen. "Steuerkommission", vulgo "Silberstecker", heim-
gesucht. Die Ausbeute soll aber sehr mager ausfallen, so daß
die Beutezügler bereits sich mit dem Gedanken vertraut machen,
ein anderes System für die Fütterung der Staatskuh zu er-
finden, bei dem die amtliche Inventarisation die Hauptrolle zu
spielen hätte.

-- Der Polytechniker Klause aus Preßburg ist am 1. Juli
morgens am Glärnisch zu Tode gestürzt. Die Leiche wird
gesucht. -- Ueber das Unglück wird des nähern mitgeteilt: Ein junger
Glarner traf am Samstag abend auf dem Weg zur Klubhütte
mit Klause zusammmen und ließ sich von diesem bereden, statt
nach der Klubhütte nach der Schlattalp am Vorderglärnisch zu
gehen und von dort aus den Aufstieg zum Vrenelisgärtli zu
unternehmen; Klause war acht Tage früher schon von der
Schlattalp zum Ruchen Glärnisch gestiegen. Die beiden jungen
Leute übernachteten auf Schlattalp und begannen am Morgen
früh den sehr schwierigen Aufstieg über das Geleiter. Der
Glarner erklärte endlich, nicht mehr weiter zu können; Klause
wollte aber nichts von Umkehr wissen; sie seien ja bald oben.
Aber der zurückbleibende Schweizer, der sich auf einen Fels-
vorsprung gesetzt hatte, bemerkte, daß der vorwärtssteigende
Gefährte selbst nicht mehr bei Kräften war, und daß seine Beine
zitterten. Wenige Augenblicke später stürzte Klause mit einem
gellenden Schrei in die Tiefe, hart an dem Glarner vorbei; es
war fast ein Wunder, daß er ihn nicht mitriß. Es war zwischen
5 und halb 6 Uhr morgens. Sobald sich der Glarner sich
einigermaßen von seinem Schrecken erholt hatte, kletterte er
zurück. In Glarus, wo er wohlbehalten ankam, wurde eine
Kolonne von vier Führern organisiert, die um 2 Uhr nach-
mittags mit dem Genossen des Verunglückten anfbrach. Um
5 Uhr wurde der zerschmetterte Leichnam aufgefunden. Man
barg ihn über Nacht in einer Felsnische. Heute soll er ins
Thal gebracht werden.

Zug, den 1. Juli.

Die Kirchgemeinde Zug hat nahezu
einstimmig das Projekt des Umbaues von St. Oswald zu einer
Pfarrkirche abgelehnt, dann die Offerte eines Konsortiums mit
Dr. Zürcher-Deschwanden an der Spitze, welches einen eigens
zu diesem Zwecke erworbenen Bauplatz in der Kirchmatte (beim
Pulverturm) der Gemeinde gratis zur Verfügung stellte, dank-
bar entgegengenommen, den Platz definitio als Bauplatz für
eine neue Kirche bezeichnet, und den Kirchenrat in Verbindung
mit der bestehenden Baukommission beauftragt, mit aller Beför-
derung Plan und Kostenberechnung der Kirchgemeinde zur Ge-
nehmigung vorzulegen.

Graubünden.
"Kirchliches" oder Antikirchliches?

In
der bündnerischen "evangelischen" Synode rief die "Tauffrage"
einer sehr lebhaften Diskussion, ob sie als christliches Symbolum
beizubehalten oder zu unterlassen sei. Schließlich kam es auch
hier zu einer Art "Kompromiß", dem heute so beliebten Aus-
weg vor grundsätzlichen Entscheidungen, indem der "Kirchenrat"
inskünftig zu entscheiden, ob eine "unverschuldet unterlassene"
Taufe nachzuholen sei oder nicht. Sehr bequem!

Wallis.

Ein Gleischerbruch
hat durch die nachfolgende Ueberschwemmung einen Gesamischaden
von 100,000 Fr. verursacht. Der Bruch ereignete sich am
Gletscher des Mont Burant. 17 größere Brücken wurden weg-
geschwemmt. Mit der Herstellung der Straße und der Tele-
graphenleitung sind mehrere hundert Arbeiter beschäftigt.




Ausland.



Frankreich.

Der "Figaro" beklagt sich über die un-
genügende Bewachung der Anarchisten und schteibt, es gebe einen
Kanton in der Schweiz, welcher eine Art Pflanzschule der An-
archisten sei. -- (Wiro wohl der Kanton Tessin gemeint sein,
allwo man unter den Augen des Bundes eine Regierung stürzte
und einen Staatsrat gleichfalls meuchlings erschossen, wie Carnot
gemeuchelt worden. Der Unterschied zwischen hier und dort
ist der, daß man die Mörder und Anarchisten hier straflos aus-
gehen läßt, ja sogar einen derselben in der Bundesversammlung
als Repräsentant Tessins mit offenen Armen empfängt. So
ganz unrecht hatte also auch Bismarck nicht, als er die Schweiz
ein "wildes Land" genannt hatte. Das Wild, das hier ver-
folgt wird, sind die treuen Katholiken, die Jäger -- ?)

-- Der neue Staatspräsident von Frankreich wird ver-
mutlich für die Zukunft auch nicht auf Rosen gebettet sein, so
wenig als der ermordete, um 10 Jahre älter gewesene Präsident
Carnot (geb. 1837) es war. Der Verstorbene erhielt seit der
Nichtbegnadigung, resp. seit der Hinrichtung des Attentäters
Vaillant, welcher am 9. Dezember 1893 den explodierenden
Eisentopf mit Sprengstoffen in die staatliche Abgeordnetenkammer
in Paris geworfen hatte, täglich Drovbriefe von Anarchisten, mehr
als einmal an einem einzigen Tage 10 Drohbriefe, so daß er sie
nach und nach nicht mehr so stark fürchtete.

Die Gesinnung der Anarchisten wird nicht so schnell aus
deren Köpfen entfernt sein und eher die Gefahr von denselben
noch andauern. Es bestehen in fast allen großen Staaten Eu-
ropas eine Reihe von aufreizenden anarchistischen Zeitungen, welche
von Land zu Land verbreitet werden. Das "St. Galler Volks-
blatt" hatte im Januar l. I. vollkommen Recht, als es darauf
aufmerksam machte, gewisse Regierungen scheinen in den zu Mord
und Brand auffordeinden Zirkularschreiben und Publikationen
der Anarchisten eine Gefahr nicht zu erblicken, wohl aber in den
rechtschaffenen Hirtenschreiben von Bischöfen.

-- Die gewaltsame, meuchelmörderische Erledigung des
französischen Präsidentschaftssitzes und die Neuwahl eines Staats-
[Spaltenumbruch] oberhauptes eines so großen und lebhaften Volkes wie die Fran-
zosen mit ihren öftern Staatsumwälzungen, waren natürlich ge-
eignet, die Aufmerksamkeit der gesamten politischen Kreise Eu-
ropas zu erregen. Die Ernennung des Herrn Johann Peter
Paul Casimir-Perier, welcher im Alter von 47 Jahren steht
und als ein sehr unabhängiger und tatkräftiger Mann geschildert
wird, zum Präsidenten der französischen Republik, hat bei den
verschiedensten Regierungen Europas Zutrauen und Beruhigung
erweckt und sozusagen nur bei den Revolutionären und radikalsten
Sozialisten Unzufriedenheit hervorgerufen.

Einen guten Eindruck machte auch das Beileidtelegramm
des deutschen Kaisers Wilhelm II. an die Witwe Carnots, welches
also lautet:

"Madame Carnot, Paris.

Die Kaiserin und ich sind aufs tiefste betroffen über die
schreckliche Nachricht, die wir aus Lyon erhalten haben. Seien
Sie überzeugt, Madame, daß unsere volle Sympathie, alle
unsere Gefühle in diesem Augenblicke bei Ihnen und Ihrer
Familie sind. Möge Gott Ihnen die Kraft verleihen, diesen
furchtbaren Schlag zu ertragen. Seines großen Namens würdig,
ist Herr Carnot wie ein Soldat auf dem Felde der Ehre ge-
storben.

Wilhelm J. R."

Herr Casimir-Perier soll große Bergwerle und mit Inbe-
griff des Frauengutes ein Vermögen von 40 Millionen Franken
besitzen. Als Präsident bezieht er jährlich vom Staat an Be-
soldung 600,000 Fr. und für Aufwand und Kosten noch eine
Vergütung von 600,000 Fr.

Der deutsche Botschafter Graf
Münster teilte dem Ministerpräsidenten Dupuy mit, daß bei
Anlaß des Leichenbegängnisses Carnots Kaiser Wilhelm den
durch den Leipziger Prozeß verurteilten zwei französischen Offiziere
begnadigt habe. Die Nachricht verursachte eine tiefe Bewegung
in Paris. Casimir Perier dankte sofort dem Kaiser und sagte,
die Nachricht werde den beiden großen Nationen zu Herzen gehen.

Es verlautet, Casimir-Perier
werde seine Wahl dem Papst durch eigenhändiges Schreiben
mitteilen. Der Papst hat sich geäußert, er betrachte die Wahl
unter den gegebenen Verhältnissen als die relatio beste.

-- In Marseille sind die Kanalarbeiten, bei denen 2400
Italiener beschäftigt waren, eingestellt worden. Die meisten
Italiener flüchten sich vor den Verfolgungen seitens der Franzosen
teils in ihre Heimat, teils in die Schweiz und andere benach-
barte Staaten.

-- Die Verschwörung zur Ermordung Carnots habe in
Marseille stattgefunden und sei Caserio (das ist der Name des
Attentäters) durch das Los zur Ausführung der Tat bezeichnet
worden.

600 Italiener schifften
sich auf einem italienischen Dampfer nach Genua ein.

Heute vormittag wurden hier 200
Anarchisten verhaftet.

-- Wohin die glaubenslose Schule führt.

Unter den in Frankreich zum Tode verurteilten Verbrechern
bilden laut der Nachricht mehrerer Blätter junge Leute unter
zwanzig Jahren die Mehrzahl.

Deutsches Reich.
Zeichen der Zeit!

Im König-
reich Sachsen, dessen Bevölkerung kaum viel größer ist, als die-
jenige der Schweiz, sind im Laufe des letzten Jahres 1188
Selbstmorde vorgekommen.

Oesterreich-Ungarn.
Aus Vorarlberg.

Ein lang
gehegter Wunsch der gut denkenden katholischen Bevölkerung
Vorarlbergs hat sich endlich erfüllt: Das kath. Privatlehrer-
seminar in Tisis bei Feldkirch hat das Oeffentlichkeitsrecht er-
halten. Es sind jetzt sechs Jahre her, seit eine Anzahl kathol.
Männer aus dem Priester- und Laienstande mit dem Aufruf
vor das Volk Vorarlbergs getreten sind, es möchte zum Andenken
an das vierzigjährige Regierungsjubiläum des Kaisers ein kath.
Lehrerseminar ins Leben gerufen werden. Dieser Aufruf fand
in Vorarlberg bei allen Gutgesinnten begeisterten Widerhall.
In kürzester Zeit stand ein herelicher Bau da, welcher, aus
großmütigen Spenden mit Hilfe des Landes erbaut, allen An-
forderungen entspricht, welche an eine solche Anstalt gestellt
werden können. Die Kongregation der Schulbrüder übernahm
die Leitung des Seminars und stellte die staatlich geprüften
Professoren. Die Frequenz der Anstalt war in beständigem
Wachsen begriffen, indem sich Lehramtskandidaten nicht bloß aus
Vorarlberg, sondern auch aus Tirol, Salzburg, Ober- und
Nieder-Oesterreich, Schlesien, ja sogar aus dem Auslande
meldeten. Es war in allen Stücken den gesetzlichen Anforder-
ungen bis auf den Ipunkt entsprochen, allein das Oeffentlichkeits-
recht wurde der Anstalt noch immer vorenthalten. Die
Abiturienten mußten unter sehr schwierigen Umständen ihre
Examina an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck machen.
Nachdem nun das Oeffentlichkeitsrecht endlich gegeben ist, werden
die Prüfungen heuer zum ersten male in der Anstalt selbst vor-
genommen, und die Zeugnisse haben öffentliche Gültigkeit. Die
Anstalt steht somit einer Lehrerbildungsanstalt in nichts mehr
nach. Es ist dies die erste und einzige kath. Lehrerbildungs-
anstalt mit Oeffentlichkeitsrecht in ganz Oesterreich.

Ueber 10 000 Katholiken be-
schlossen an einem Katholikentag in Preßburg, es solle der Kaiser
ersucht werden, die Zwangszivilehe nicht zu genehmigen. Umsonst!

Belgien.

Am Samstag wurden 18
neue choleraähnliche Erkrankungen und 2 Todesfälle festgestellt.

Italien.

Alle Herrscher, Zar und
Sultan ausgenommen, haben dem Papst den Empfang der
letzten Encyklika angezeigt und verdankt.

-- Rom.

Bandi, Direktor der Zeitungen "Gazetta di
Livorno" und "Telegr. di Livorno", in welchen er die anarchi-
stischen Attentate und die Ermordung Carnots gebrandmarkt
hatte, wurde zu Livorno erdolcht, als er in seinem Wagen fuhr.

In der Kammer hielt Crispi auf Bandi, den Soldaten
von Marsala und Calatafimi, eine Lobrede. Mehrere Ab-
geordnete schließen sich seinen Worten an. Crispi legt einen
Gesetzesentwurf vor, der besondere Maßregeln gegen die Auf-
reizung zu Verbrechen und gegen die Verherrlichung von Ver-
brechen ergreift. Der Entwurf wurde an eine besondere
Kommission gewiesen. -- Warum denn soviel Umstände, ihr
Apostel des "Liberalismus"; ihr habt ja selbst mit euren Taten
diese Schule großgezogen? Ein Telegramm aus Livorno vom
1. Juli bestätigt: "Heute vormittag wurde Josef Bandi,
Direktor des "Telegrafo" und der "Gazetta di Livorno",
zweier Zeitungen von Livorno, als er in seinem Wagen von
seinem Landgute heimkehrte, von einem Individuum erdolcht;
[Spaltenumbruch] der Dolch durchstach die Leber. Der Mörder floh. Bandi
wurde in das Spital gebracht und starb zwei Stunden nach der
Operation. Es ist fast ziemlich sicher, daß das Attentat wegen
eines heftigen Artikels, der im "Telegrafo" erschienen war,
ausgeführt wurde. Bandi war ein ehemaliger Offizier Gari-
baldis und nahm teil an der Expedition nach Marsala.

Italien.
Rom.

Gegen die Anarchisten soll ein
energischer Feldzug eröffnet werden. (Da muß man eben oben
anfangen, bei denen, die diese Saat gesäet haben).

In der Kammer brachte die
Regierung den Vorschlag zu einer außerordentlichen Ausgabe
von 100,000 Fr. für die Heimkehr der italienischen Arbeiter
aus Frankreich ein.




Yerschiedenes.



-- "Das Gewerbe", Organ für die offiziellen Publikationen des
Schweizer. Gewerbevereins, Vereinsorgan der kantonalen bernischen
und zürcherischen Gewerbeverbände. Erscheint jeden Sonntag. Redaktion
und Verlag von W. Büchter, Bern.

Inhaltsverzeichnis von Nr. 26 (1. Juli 1894). Sinnspruch. Rund-
schau. Feuilleton: Zur Geschichte der Schlosserarbeit (Fortsetzung).
Allerlei. Nationalindustrie. Programm für den offiziellen Teil der
Delegiertenversammlung vom 7./8. Juli in Herisau. Der Freimütige.
Gewerbliches Bildungswesen. Aus Vereinen. Ausstellungen. Kleine
Fachzeitung. Notizen. Litteratur. Patentliste. Submissionsanzeiger.
Fragekasten.

-- Das schweizerische Fischkochbuch, welches die
Kommission der Fischerei-Ausstellung im Verlage von Hofer u.
Burger in Zürich herausgegeben hat, scheint sich des Beifalls
der Hausfrauen zu erfreuen. In den ersten zwei Wochen seit
seinem Erscheinen sind nämlich gegen fünfhundert Exemplare
dieses reizend ausgestatteten und nützlichen Buches abgesetzt worden.
Das "schweizerische Fischkochbuch" ist von der Kommission der
Fischerei-Ausstellung in Zürich zum Preise von 3 Fr. zu beziehen.

-- Kanonenkönig Krupp in Essen hat bei der dies-
jährigen Steuereinschätzung sein Reineinkommen auf 7 190 000
Mark angegeben gegen 6 000 000 Mark im Vorjahre.

-- Viel überflüssiges Geld müssen die Chinesen
haben. Sie brachten zur Feier des 60. Geburtstages der
Kaiserin Exregentin 80 Millionen Mark durch freiwillige Bei-
träge auf und weitere 20 Millionen sollen noch gesammelt werden,
um das festgestellte Festprogramm ausführen zu können.

-- Viehhandel.

Die abnormen Viehpreise scheinen ihre
höchste Höhe erreicht zu haben; auf den meisten Märkten ist ein
Stillstand eingetreten. Erhebliches Sinken ist noch nicht zu
erwarten, obwohl die Preise schwerlich mehr steigen werden.

-- Sehet nach den Heustöcken!

Um dem Verbrennen
oder Verkohlen der Heustöcke durch Selbstentzündung vorzu-
beugen, beobachte man selbe täglich, sondiere auch öfters, indem
ein geeignetes langes und spitzes Eisen eingesteckt und nach
einigen Minuten herausgezogen und geprüft wird. Grau
werdende Schichten, soweit sie noch erreichbar sind, können durch
nochmaliges Trocknen vor dem Verderben gerettet werden. An
Regentagen sehe man nach, ob es nicht irgendwo herunterregnet,
da auch das beste Dach unerwartet ein Loch kriegen kann. Für
genügende Lüftung ist zu sorgen, damit der Dampf leicht ab-
ziehen kann.




Benefizium Inventarii

Jungfrau Maria Anna Koch, von Niederhelfenswil, in Rorschach.
Eingaben bis 13. Juli dem Bezirksamt Rorschach.

Witwe Anna Regina Künzler, im Nebengraben, St. Margrethen.
Eingaben bis 14. Juli dem Gemeindeamt St. Margrethen.

I. B. Wüst, Fuhrmann, von Oberriet, in Eichenwies. Eingaben
bis 11. Juli dem Gemeindeamt Oberriet.

I. Jak. Schößler, Telegraphenbeamter, von Mogelsberg, Winkelried-
straße 6, St. Gallen. Eingaben bis 23. Juli an Hrn. Niklaus Schöß-
ler, Elektratechneker, Rosenbergstraße 61, St. Gallen.

Witwe Anna Katharina Freienmut geb. Müller, von Felben, in
St. Gallen, Wassergasse 18. Eingaben bis zum 26. Juli an Herrn
I. Ebneter, Vadianstraße 16, St. Gallen.

Joseph Zündt, Fruchthändler, im Erlen, Altstätten. Eingaben
bis 21. Juli dem Gemeindeamt Altstätten.

Jakob Hüberle, von Neßlau, im Hinterberg, Stein. Eingaben
bis 31. Juli dem Gemeindeamt Stein.

Johann Konrad Näf, Landwirt, von Alt St. Johann, in Kleinen-
wies-Libingen. Eingaben bis 21. Juli dem Gemeindeamt Mosnang.

Konkurseröffnungen.

Konkursamt Oberrheintal. Gemeinschuldner: August Keel, von
Rebstein, Zeichner und Wirt zum "Alten Anker", Altitätten. Eingaben
bis 16. Juli.

Gemeinschuldner: Joh. Baptist Büchel, Jökerlers, Rüti. Eingaben
bis 29. Juli.

Konkursamt Sargans. Gemeinschuldner: Anton Baumer, Bauer,
Bünten in Mols. Eingaben bis 14. Juli.

Konkursamt Neutoggenburg. Gemeinschuldner: Jakob Heizmann,
Schneider in Wattwil Eingaben bis 12. Juli.

Konkursamt St. Gallen. Gemeinschuldner: Joseph Lässer, Schuh-
macher, Linsebüdlstraße 51, St. Gallen. Eingaben bis 5. Juli.

Gemeinschuldner: Ulrich Hippele, Schreiner, Linsebühstraße 80a
in St. Gallen. Eingaben bis 5. Juli.

Konkursamt Werdenberg Gemeinschuldner: Andreas Zog, Ober-
schan, Wartau. Eingaben bis 26. Juli.

Gemeinschuldner: Johann Gatina Eggenberger, Azmoos, Wartau.
Eingaben bis 20. Juli.

Konkursamt Unterrheintal. Gemeiuschuldner: Albert Thurnheer,
Handlung, in Au. Einguben bis 27. Juli.

Konkursamt Obertoggenburg. Gemeinschuldner: Rudolf Sutter,
Sticker, in Gündris, Kappel. Eingaben bis 30. Juli.




Erklärung des Kirchenverwaltungsrates Gommiswald
an die titl. Kirchgenossen daselbst.

Wie hier allgemein bekannt sein dürfte, hat der Kirchenverwaltungs-
rat die Ausschreibung der pro Amtsdauer 1894/97 wieder zu besetzenden
Stellen öffentlich publizieren lassen. Dieses Publizierungsverfahren der
Behörde scheint aber bei gewisser Seite nicht genügt zu haben, denn es
erschien die publizierte Stellenausschreibung in offizieller Form auch in
Nr. 69 des "Wochenblattes vom Seebezirk und Gaster". Wir geben nun
öffentlich die Erklärung ab, daß wir die bezügliche Publikation im "Wochen-
blatt" nicht eingesandt haben und daß dieselbe ohne unser Wissen und
und ohne unsern Willen im genannten Blatte erschienen ist. Es muß
von anderer Seite sich jemand berufen gefühlt haben, die Stellenaus-
schreibung des Kirchenverwaltungsrates auch im "Wochenblatte" erscheinen
zu lassen. Wahrscheinlich soll dieses uns als mindestens taktlos erscheinende
Verfahren einem bestimmten, leicht begreiflichen Zwecke dienen und werden
wohl die meisten Kirchgenossen von Gommiswald mit uns dieses Vor-
gehen auch entsprechend zu beurteilen verstehen. Soviel für diesmal.

Gommiswald, den 30. Juni 1894.




Butterprets in Uznach, den 30. Juni.

Fr. 1. 27, 1. 30 per Halbkilo




[Abbildung] Beilage: "Reisebilder aus Italien und Palästina".

[irrelevantes Material]

[Spaltenumbruch] Impfzwanges einzuleiten, vorgängig der Beratung des neuen
Geſetzes über das Impfweſen im Großen Rate. Trotz Impf-
zwang iſt der Kanton Bern am meiſten von den Blattern heim-
geſucht.

Luzern.

In Eſchenbach herrſcht die Diphtherie; 4 Kinder
ſind derſelben bereits erlegen.

Reſulte vom Kantonalſchützenfeſt.
Von Oſtſchweizern haben ſich heute ausgezeichnet: Hermann
Schubiger
in Uznach, 1. in Stichſcheibe „Reuß“ 93/9 Pkte.,
1. in „Emme“ 94/65 Punkte. T. Sedlberger in Bruggen, 2.
in „Reuß“ 92/65 Punkte, 2. in „Tell“ 94 Punkte, 2. in „Luzern“
387 Punkte. Ordonnanzſcheibe. Beſte Dreier-Serien 3. mit
64 Punkte Lichtenſteiger-St. Gallen. 3. in Reuß 91/9 Punkte
Knecht-St. Gallen. 4. in „Emme“ 82/72 Punkte, Lieutenant
Bär, Rickenbach-Wil in „Tell“ mit 94 Punkten. 2. in „beſte“
Dreierſerien im Spezialkehr 94 Punkte A. Tobler in Herisau;
G. Stahl in Kradolf, beſte Schußnähe im Spezialkehr.

Glarus.

Der untere Landesteil wird gegenwärtig von
der ſogen. „Steuerkommiſſion“, vulgo „Silberſtecker“, heim-
geſucht. Die Ausbeute ſoll aber ſehr mager ausfallen, ſo daß
die Beutezügler bereits ſich mit dem Gedanken vertraut machen,
ein anderes Syſtem für die Fütterung der Staatskuh zu er-
finden, bei dem die amtliche Inventariſation die Hauptrolle zu
ſpielen hätte.

— Der Polytechniker Klauſe aus Preßburg iſt am 1. Juli
morgens am Glärniſch zu Tode geſtürzt. Die Leiche wird
geſucht. — Ueber das Unglück wird des nähern mitgeteilt: Ein junger
Glarner traf am Samſtag abend auf dem Weg zur Klubhütte
mit Klauſe zuſammmen und ließ ſich von dieſem bereden, ſtatt
nach der Klubhütte nach der Schlattalp am Vorderglärniſch zu
gehen und von dort aus den Aufſtieg zum Vrenelisgärtli zu
unternehmen; Klauſe war acht Tage früher ſchon von der
Schlattalp zum Ruchen Glärniſch geſtiegen. Die beiden jungen
Leute übernachteten auf Schlattalp und begannen am Morgen
früh den ſehr ſchwierigen Aufſtieg über das Geleiter. Der
Glarner erklärte endlich, nicht mehr weiter zu können; Klauſe
wollte aber nichts von Umkehr wiſſen; ſie ſeien ja bald oben.
Aber der zurückbleibende Schweizer, der ſich auf einen Fels-
vorſprung geſetzt hatte, bemerkte, daß der vorwärtsſteigende
Gefährte ſelbſt nicht mehr bei Kräften war, und daß ſeine Beine
zitterten. Wenige Augenblicke ſpäter ſtürzte Klauſe mit einem
gellenden Schrei in die Tiefe, hart an dem Glarner vorbei; es
war faſt ein Wunder, daß er ihn nicht mitriß. Es war zwiſchen
5 und halb 6 Uhr morgens. Sobald ſich der Glarner ſich
einigermaßen von ſeinem Schrecken erholt hatte, kletterte er
zurück. In Glarus, wo er wohlbehalten ankam, wurde eine
Kolonne von vier Führern organiſiert, die um 2 Uhr nach-
mittags mit dem Genoſſen des Verunglückten anfbrach. Um
5 Uhr wurde der zerſchmetterte Leichnam aufgefunden. Man
barg ihn über Nacht in einer Felsniſche. Heute ſoll er ins
Thal gebracht werden.

Zug, den 1. Juli.

Die Kirchgemeinde Zug hat nahezu
einſtimmig das Projekt des Umbaues von St. Oswald zu einer
Pfarrkirche abgelehnt, dann die Offerte eines Konſortiums mit
Dr. Zürcher-Deſchwanden an der Spitze, welches einen eigens
zu dieſem Zwecke erworbenen Bauplatz in der Kirchmatte (beim
Pulverturm) der Gemeinde gratis zur Verfügung ſtellte, dank-
bar entgegengenommen, den Platz definitio als Bauplatz für
eine neue Kirche bezeichnet, und den Kirchenrat in Verbindung
mit der beſtehenden Baukommiſſion beauftragt, mit aller Beför-
derung Plan und Koſtenberechnung der Kirchgemeinde zur Ge-
nehmigung vorzulegen.

Graubünden.
„Kirchliches“ oder Antikirchliches?

In
der bündneriſchen „evangeliſchen“ Synode rief die „Tauffrage
einer ſehr lebhaften Diskuſſion, ob ſie als chriſtliches Symbolum
beizubehalten oder zu unterlaſſen ſei. Schließlich kam es auch
hier zu einer Art „Kompromiß“, dem heute ſo beliebten Aus-
weg vor grundſätzlichen Entſcheidungen, indem der „Kirchenrat“
inskünftig zu entſcheiden, ob eine „unverſchuldet unterlaſſene“
Taufe nachzuholen ſei oder nicht. Sehr bequem!

Wallis.

Ein Gleiſcherbruch
hat durch die nachfolgende Ueberſchwemmung einen Geſamiſchaden
von 100,000 Fr. verurſacht. Der Bruch ereignete ſich am
Gletſcher des Mont Burant. 17 größere Brücken wurden weg-
geſchwemmt. Mit der Herſtellung der Straße und der Tele-
graphenleitung ſind mehrere hundert Arbeiter beſchäftigt.




Ausland.



Frankreich.

Der „Figaro“ beklagt ſich über die un-
genügende Bewachung der Anarchiſten und ſchteibt, es gebe einen
Kanton in der Schweiz, welcher eine Art Pflanzſchule der An-
archiſten ſei. — (Wiro wohl der Kanton Teſſin gemeint ſein,
allwo man unter den Augen des Bundes eine Regierung ſtürzte
und einen Staatsrat gleichfalls meuchlings erſchoſſen, wie Carnot
gemeuchelt worden. Der Unterſchied zwiſchen hier und dort
iſt der, daß man die Mörder und Anarchiſten hier ſtraflos aus-
gehen läßt, ja ſogar einen derſelben in der Bundesverſammlung
als Repräſentant Teſſins mit offenen Armen empfängt. So
ganz unrecht hatte alſo auch Bismarck nicht, als er die Schweiz
ein „wildes Land“ genannt hatte. Das Wild, das hier ver-
folgt wird, ſind die treuen Katholiken, die Jäger — ?)

— Der neue Staatspräſident von Frankreich wird ver-
mutlich für die Zukunft auch nicht auf Roſen gebettet ſein, ſo
wenig als der ermordete, um 10 Jahre älter geweſene Präſident
Carnot (geb. 1837) es war. Der Verſtorbene erhielt ſeit der
Nichtbegnadigung, reſp. ſeit der Hinrichtung des Attentäters
Vaillant, welcher am 9. Dezember 1893 den explodierenden
Eiſentopf mit Sprengſtoffen in die ſtaatliche Abgeordnetenkammer
in Paris geworfen hatte, täglich Drovbriefe von Anarchiſten, mehr
als einmal an einem einzigen Tage 10 Drohbriefe, ſo daß er ſie
nach und nach nicht mehr ſo ſtark fürchtete.

Die Geſinnung der Anarchiſten wird nicht ſo ſchnell aus
deren Köpfen entfernt ſein und eher die Gefahr von denſelben
noch andauern. Es beſtehen in faſt allen großen Staaten Eu-
ropas eine Reihe von aufreizenden anarchiſtiſchen Zeitungen, welche
von Land zu Land verbreitet werden. Das „St. Galler Volks-
blatt“ hatte im Januar l. I. vollkommen Recht, als es darauf
aufmerkſam machte, gewiſſe Regierungen ſcheinen in den zu Mord
und Brand auffordeinden Zirkularſchreiben und Publikationen
der Anarchiſten eine Gefahr nicht zu erblicken, wohl aber in den
rechtſchaffenen Hirtenſchreiben von Biſchöfen.

— Die gewaltſame, meuchelmörderiſche Erledigung des
franzöſiſchen Präſidentſchaftsſitzes und die Neuwahl eines Staats-
[Spaltenumbruch] oberhauptes eines ſo großen und lebhaften Volkes wie die Fran-
zoſen mit ihren öftern Staatsumwälzungen, waren natürlich ge-
eignet, die Aufmerkſamkeit der geſamten politiſchen Kreiſe Eu-
ropas zu erregen. Die Ernennung des Herrn Johann Peter
Paul Caſimir-Perier, welcher im Alter von 47 Jahren ſteht
und als ein ſehr unabhängiger und tatkräftiger Mann geſchildert
wird, zum Präſidenten der franzöſiſchen Republik, hat bei den
verſchiedenſten Regierungen Europas Zutrauen und Beruhigung
erweckt und ſozuſagen nur bei den Revolutionären und radikalſten
Sozialiſten Unzufriedenheit hervorgerufen.

Einen guten Eindruck machte auch das Beileidtelegramm
des deutſchen Kaiſers Wilhelm II. an die Witwe Carnots, welches
alſo lautet:

„Madame Carnot, Paris.

Die Kaiſerin und ich ſind aufs tiefſte betroffen über die
ſchreckliche Nachricht, die wir aus Lyon erhalten haben. Seien
Sie überzeugt, Madame, daß unſere volle Sympathie, alle
unſere Gefühle in dieſem Augenblicke bei Ihnen und Ihrer
Familie ſind. Möge Gott Ihnen die Kraft verleihen, dieſen
furchtbaren Schlag zu ertragen. Seines großen Namens würdig,
iſt Herr Carnot wie ein Soldat auf dem Felde der Ehre ge-
ſtorben.

Wilhelm J. R.

Herr Caſimir-Perier ſoll große Bergwerle und mit Inbe-
griff des Frauengutes ein Vermögen von 40 Millionen Franken
beſitzen. Als Präſident bezieht er jährlich vom Staat an Be-
ſoldung 600,000 Fr. und für Aufwand und Koſten noch eine
Vergütung von 600,000 Fr.

Der deutſche Botſchafter Graf
Münſter teilte dem Miniſterpräſidenten Dupuy mit, daß bei
Anlaß des Leichenbegängniſſes Carnots Kaiſer Wilhelm den
durch den Leipziger Prozeß verurteilten zwei franzöſiſchen Offiziere
begnadigt habe. Die Nachricht verurſachte eine tiefe Bewegung
in Paris. Caſimir Perier dankte ſofort dem Kaiſer und ſagte,
die Nachricht werde den beiden großen Nationen zu Herzen gehen.

Es verlautet, Caſimir-Perier
werde ſeine Wahl dem Papſt durch eigenhändiges Schreiben
mitteilen. Der Papſt hat ſich geäußert, er betrachte die Wahl
unter den gegebenen Verhältniſſen als die relatio beſte.

— In Marſeille ſind die Kanalarbeiten, bei denen 2400
Italiener beſchäftigt waren, eingeſtellt worden. Die meiſten
Italiener flüchten ſich vor den Verfolgungen ſeitens der Franzoſen
teils in ihre Heimat, teils in die Schweiz und andere benach-
barte Staaten.

— Die Verſchwörung zur Ermordung Carnots habe in
Marſeille ſtattgefunden und ſei Caſerio (das iſt der Name des
Attentäters) durch das Los zur Ausführung der Tat bezeichnet
worden.

600 Italiener ſchifften
ſich auf einem italieniſchen Dampfer nach Genua ein.

Heute vormittag wurden hier 200
Anarchiſten verhaftet.

Wohin die glaubensloſe Schule führt.

Unter den in Frankreich zum Tode verurteilten Verbrechern
bilden laut der Nachricht mehrerer Blätter junge Leute unter
zwanzig Jahren die Mehrzahl.

Deutſches Reich.
Zeichen der Zeit!

Im König-
reich Sachſen, deſſen Bevölkerung kaum viel größer iſt, als die-
jenige der Schweiz, ſind im Laufe des letzten Jahres 1188
Selbſtmorde vorgekommen.

Oeſterreich-Ungarn.
Aus Vorarlberg.

Ein lang
gehegter Wunſch der gut denkenden katholiſchen Bevölkerung
Vorarlbergs hat ſich endlich erfüllt: Das kath. Privatlehrer-
ſeminar in Tiſis bei Feldkirch hat das Oeffentlichkeitsrecht er-
halten. Es ſind jetzt ſechs Jahre her, ſeit eine Anzahl kathol.
Männer aus dem Prieſter- und Laienſtande mit dem Aufruf
vor das Volk Vorarlbergs getreten ſind, es möchte zum Andenken
an das vierzigjährige Regierungsjubiläum des Kaiſers ein kath.
Lehrerſeminar ins Leben gerufen werden. Dieſer Aufruf fand
in Vorarlberg bei allen Gutgeſinnten begeiſterten Widerhall.
In kürzeſter Zeit ſtand ein herelicher Bau da, welcher, aus
großmütigen Spenden mit Hilfe des Landes erbaut, allen An-
forderungen entſpricht, welche an eine ſolche Anſtalt geſtellt
werden können. Die Kongregation der Schulbrüder übernahm
die Leitung des Seminars und ſtellte die ſtaatlich geprüften
Profeſſoren. Die Frequenz der Anſtalt war in beſtändigem
Wachſen begriffen, indem ſich Lehramtskandidaten nicht bloß aus
Vorarlberg, ſondern auch aus Tirol, Salzburg, Ober- und
Nieder-Oeſterreich, Schleſien, ja ſogar aus dem Auslande
meldeten. Es war in allen Stücken den geſetzlichen Anforder-
ungen bis auf den Ipunkt entſprochen, allein das Oeffentlichkeits-
recht wurde der Anſtalt noch immer vorenthalten. Die
Abiturienten mußten unter ſehr ſchwierigen Umſtänden ihre
Examina an der Lehrerbildungsanſtalt in Innsbruck machen.
Nachdem nun das Oeffentlichkeitsrecht endlich gegeben iſt, werden
die Prüfungen heuer zum erſten male in der Anſtalt ſelbſt vor-
genommen, und die Zeugniſſe haben öffentliche Gültigkeit. Die
Anſtalt ſteht ſomit einer Lehrerbildungsanſtalt in nichts mehr
nach. Es iſt dies die erſte und einzige kath. Lehrerbildungs-
anſtalt mit Oeffentlichkeitsrecht in ganz Oeſterreich.

Ueber 10 000 Katholiken be-
ſchloſſen an einem Katholikentag in Preßburg, es ſolle der Kaiſer
erſucht werden, die Zwangszivilehe nicht zu genehmigen. Umſonſt!

Belgien.

Am Samſtag wurden 18
neue choleraähnliche Erkrankungen und 2 Todesfälle feſtgeſtellt.

Italien.

Alle Herrſcher, Zar und
Sultan ausgenommen, haben dem Papſt den Empfang der
letzten Encyklika angezeigt und verdankt.

Rom.

Bandi, Direktor der Zeitungen „Gazetta di
Livorno“ und „Telegr. di Livorno“, in welchen er die anarchi-
ſtiſchen Attentate und die Ermordung Carnots gebrandmarkt
hatte, wurde zu Livorno erdolcht, als er in ſeinem Wagen fuhr.

In der Kammer hielt Crispi auf Bandi, den Soldaten
von Marſala und Calatafimi, eine Lobrede. Mehrere Ab-
geordnete ſchließen ſich ſeinen Worten an. Crispi legt einen
Geſetzesentwurf vor, der beſondere Maßregeln gegen die Auf-
reizung zu Verbrechen und gegen die Verherrlichung von Ver-
brechen ergreift. Der Entwurf wurde an eine beſondere
Kommiſſion gewieſen. — Warum denn ſoviel Umſtände, ihr
Apoſtel des „Liberalismus“; ihr habt ja ſelbſt mit euren Taten
dieſe Schule großgezogen? Ein Telegramm aus Livorno vom
1. Juli beſtätigt: „Heute vormittag wurde Joſef Bandi,
Direktor des „Telegrafo“ und der „Gazetta di Livorno“,
zweier Zeitungen von Livorno, als er in ſeinem Wagen von
ſeinem Landgute heimkehrte, von einem Individuum erdolcht;
[Spaltenumbruch] der Dolch durchſtach die Leber. Der Mörder floh. Bandi
wurde in das Spital gebracht und ſtarb zwei Stunden nach der
Operation. Es iſt faſt ziemlich ſicher, daß das Attentat wegen
eines heftigen Artikels, der im „Telegrafo“ erſchienen war,
ausgeführt wurde. Bandi war ein ehemaliger Offizier Gari-
baldis und nahm teil an der Expedition nach Marſala.

Italien.
Rom.

Gegen die Anarchiſten ſoll ein
energiſcher Feldzug eröffnet werden. (Da muß man eben oben
anfangen, bei denen, die dieſe Saat geſäet haben).

In der Kammer brachte die
Regierung den Vorſchlag zu einer außerordentlichen Ausgabe
von 100,000 Fr. für die Heimkehr der italieniſchen Arbeiter
aus Frankreich ein.




Yerſchiedenes.



„Das Gewerbe“, Organ für die offiziellen Publikationen des
Schweizer. Gewerbevereins, Vereinsorgan der kantonalen berniſchen
und zürcheriſchen Gewerbeverbände. Erſcheint jeden Sonntag. Redaktion
und Verlag von W. Büchter, Bern.

Inhaltsverzeichnis von Nr. 26 (1. Juli 1894). Sinnſpruch. Rund-
ſchau. Feuilleton: Zur Geſchichte der Schloſſerarbeit (Fortſetzung).
Allerlei. Nationalinduſtrie. Programm für den offiziellen Teil der
Delegiertenverſammlung vom 7./8. Juli in Herisau. Der Freimütige.
Gewerbliches Bildungsweſen. Aus Vereinen. Ausſtellungen. Kleine
Fachzeitung. Notizen. Litteratur. Patentliſte. Submiſſionsanzeiger.
Fragekaſten.

Das ſchweizeriſche Fiſchkochbuch, welches die
Kommiſſion der Fiſcherei-Ausſtellung im Verlage von Hofer u.
Burger in Zürich herausgegeben hat, ſcheint ſich des Beifalls
der Hausfrauen zu erfreuen. In den erſten zwei Wochen ſeit
ſeinem Erſcheinen ſind nämlich gegen fünfhundert Exemplare
dieſes reizend ausgeſtatteten und nützlichen Buches abgeſetzt worden.
Das „ſchweizeriſche Fiſchkochbuch“ iſt von der Kommiſſion der
Fiſcherei-Ausſtellung in Zürich zum Preiſe von 3 Fr. zu beziehen.

Kanonenkönig Krupp in Eſſen hat bei der dies-
jährigen Steuereinſchätzung ſein Reineinkommen auf 7 190 000
Mark angegeben gegen 6 000 000 Mark im Vorjahre.

Viel überflüſſiges Geld müſſen die Chineſen
haben. Sie brachten zur Feier des 60. Geburtstages der
Kaiſerin Exregentin 80 Millionen Mark durch freiwillige Bei-
träge auf und weitere 20 Millionen ſollen noch geſammelt werden,
um das feſtgeſtellte Feſtprogramm ausführen zu können.

Viehhandel.

Die abnormen Viehpreiſe ſcheinen ihre
höchſte Höhe erreicht zu haben; auf den meiſten Märkten iſt ein
Stillſtand eingetreten. Erhebliches Sinken iſt noch nicht zu
erwarten, obwohl die Preiſe ſchwerlich mehr ſteigen werden.

Sehet nach den Heuſtöcken!

Um dem Verbrennen
oder Verkohlen der Heuſtöcke durch Selbſtentzündung vorzu-
beugen, beobachte man ſelbe täglich, ſondiere auch öfters, indem
ein geeignetes langes und ſpitzes Eiſen eingeſteckt und nach
einigen Minuten herausgezogen und geprüft wird. Grau
werdende Schichten, ſoweit ſie noch erreichbar ſind, können durch
nochmaliges Trocknen vor dem Verderben gerettet werden. An
Regentagen ſehe man nach, ob es nicht irgendwo herunterregnet,
da auch das beſte Dach unerwartet ein Loch kriegen kann. Für
genügende Lüftung iſt zu ſorgen, damit der Dampf leicht ab-
ziehen kann.




Benefizium Inventarii

Jungfrau Maria Anna Koch, von Niederhelfenswil, in Rorſchach.
Eingaben bis 13. Juli dem Bezirksamt Rorſchach.

Witwe Anna Regina Künzler, im Nebengraben, St. Margrethen.
Eingaben bis 14. Juli dem Gemeindeamt St. Margrethen.

I. B. Wüſt, Fuhrmann, von Oberriet, in Eichenwies. Eingaben
bis 11. Juli dem Gemeindeamt Oberriet.

I. Jak. Schößler, Telegraphenbeamter, von Mogelsberg, Winkelried-
ſtraße 6, St. Gallen. Eingaben bis 23. Juli an Hrn. Niklaus Schöß-
ler, Elektratechneker, Roſenbergſtraße 61, St. Gallen.

Witwe Anna Katharina Freienmut geb. Müller, von Felben, in
St. Gallen, Waſſergaſſe 18. Eingaben bis zum 26. Juli an Herrn
I. Ebneter, Vadianſtraße 16, St. Gallen.

Joſeph Zündt, Fruchthändler, im Erlen, Altſtätten. Eingaben
bis 21. Juli dem Gemeindeamt Altſtätten.

Jakob Hüberle, von Neßlau, im Hinterberg, Stein. Eingaben
bis 31. Juli dem Gemeindeamt Stein.

Johann Konrad Näf, Landwirt, von Alt St. Johann, in Kleinen-
wies-Libingen. Eingaben bis 21. Juli dem Gemeindeamt Mosnang.

Konkurseröffnungen.

Konkursamt Oberrheintal. Gemeinſchuldner: Auguſt Keel, von
Rebſtein, Zeichner und Wirt zum „Alten Anker“, Altitätten. Eingaben
bis 16. Juli.

Gemeinſchuldner: Joh. Baptiſt Büchel, Jökerlers, Rüti. Eingaben
bis 29. Juli.

Konkursamt Sargans. Gemeinſchuldner: Anton Baumer, Bauer,
Bünten in Mols. Eingaben bis 14. Juli.

Konkursamt Neutoggenburg. Gemeinſchuldner: Jakob Heizmann,
Schneider in Wattwil Eingaben bis 12. Juli.

Konkursamt St. Gallen. Gemeinſchuldner: Joſeph Läſſer, Schuh-
macher, Linſebüdlſtraße 51, St. Gallen. Eingaben bis 5. Juli.

Gemeinſchuldner: Ulrich Hippele, Schreiner, Linſebühſtraße 80a
in St. Gallen. Eingaben bis 5. Juli.

Konkursamt Werdenberg Gemeinſchuldner: Andreas Zog, Ober-
ſchan, Wartau. Eingaben bis 26. Juli.

Gemeinſchuldner: Johann Gatina Eggenberger, Azmoos, Wartau.
Eingaben bis 20. Juli.

Konkursamt Unterrheintal. Gemeiuſchuldner: Albert Thurnheer,
Handlung, in Au. Einguben bis 27. Juli.

Konkursamt Obertoggenburg. Gemeinſchuldner: Rudolf Sutter,
Sticker, in Gündris, Kappel. Eingaben bis 30. Juli.




Erklärung des Kirchenverwaltungsrates Gommiswald
an die titl. Kirchgenoſſen daſelbſt.

Wie hier allgemein bekannt ſein dürfte, hat der Kirchenverwaltungs-
rat die Ausſchreibung der pro Amtsdauer 1894/97 wieder zu beſetzenden
Stellen öffentlich publizieren laſſen. Dieſes Publizierungsverfahren der
Behörde ſcheint aber bei gewiſſer Seite nicht genügt zu haben, denn es
erſchien die publizierte Stellenausſchreibung in offizieller Form auch in
Nr. 69 des „Wochenblattes vom Seebezirk und Gaſter“. Wir geben nun
öffentlich die Erklärung ab, daß wir die bezügliche Publikation im „Wochen-
blatt“ nicht eingeſandt haben und daß dieſelbe ohne unſer Wiſſen und
und ohne unſern Willen im genannten Blatte erſchienen iſt. Es muß
von anderer Seite ſich jemand berufen gefühlt haben, die Stellenaus-
ſchreibung des Kirchenverwaltungsrates auch im „Wochenblatte“ erſcheinen
zu laſſen. Wahrſcheinlich ſoll dieſes uns als mindeſtens taktlos erſcheinende
Verfahren einem beſtimmten, leicht begreiflichen Zwecke dienen und werden
wohl die meiſten Kirchgenoſſen von Gommiswald mit uns dieſes Vor-
gehen auch entſprechend zu beurteilen verſtehen. Soviel für diesmal.

Gommiswald, den 30. Juni 1894.




Butterprets in Uznach, den 30. Juni.

Fr. 1. 27, 1. 30 per Halbkilo




[Abbildung] Beilage: „Reiſebilder aus Italien und Paläſtina“.

[irrelevantes Material]
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[3/0003] Impfzwanges einzuleiten, vorgängig der Beratung des neuen Geſetzes über das Impfweſen im Großen Rate. Trotz Impf- zwang iſt der Kanton Bern am meiſten von den Blattern heim- geſucht. Luzern. In Eſchenbach herrſcht die Diphtherie; 4 Kinder ſind derſelben bereits erlegen. — Luzern, 1. Juli. Reſulte vom Kantonalſchützenfeſt. Von Oſtſchweizern haben ſich heute ausgezeichnet: Hermann Schubiger in Uznach, 1. in Stichſcheibe „Reuß“ 93/9 Pkte., 1. in „Emme“ 94/65 Punkte. T. Sedlberger in Bruggen, 2. in „Reuß“ 92/65 Punkte, 2. in „Tell“ 94 Punkte, 2. in „Luzern“ 387 Punkte. Ordonnanzſcheibe. Beſte Dreier-Serien 3. mit 64 Punkte Lichtenſteiger-St. Gallen. 3. in Reuß 91/9 Punkte Knecht-St. Gallen. 4. in „Emme“ 82/72 Punkte, Lieutenant Bär, Rickenbach-Wil in „Tell“ mit 94 Punkten. 2. in „beſte“ Dreierſerien im Spezialkehr 94 Punkte A. Tobler in Herisau; G. Stahl in Kradolf, beſte Schußnähe im Spezialkehr. Glarus. Der untere Landesteil wird gegenwärtig von der ſogen. „Steuerkommiſſion“, vulgo „Silberſtecker“, heim- geſucht. Die Ausbeute ſoll aber ſehr mager ausfallen, ſo daß die Beutezügler bereits ſich mit dem Gedanken vertraut machen, ein anderes Syſtem für die Fütterung der Staatskuh zu er- finden, bei dem die amtliche Inventariſation die Hauptrolle zu ſpielen hätte. — Der Polytechniker Klauſe aus Preßburg iſt am 1. Juli morgens am Glärniſch zu Tode geſtürzt. Die Leiche wird geſucht. — Ueber das Unglück wird des nähern mitgeteilt: Ein junger Glarner traf am Samſtag abend auf dem Weg zur Klubhütte mit Klauſe zuſammmen und ließ ſich von dieſem bereden, ſtatt nach der Klubhütte nach der Schlattalp am Vorderglärniſch zu gehen und von dort aus den Aufſtieg zum Vrenelisgärtli zu unternehmen; Klauſe war acht Tage früher ſchon von der Schlattalp zum Ruchen Glärniſch geſtiegen. Die beiden jungen Leute übernachteten auf Schlattalp und begannen am Morgen früh den ſehr ſchwierigen Aufſtieg über das Geleiter. Der Glarner erklärte endlich, nicht mehr weiter zu können; Klauſe wollte aber nichts von Umkehr wiſſen; ſie ſeien ja bald oben. Aber der zurückbleibende Schweizer, der ſich auf einen Fels- vorſprung geſetzt hatte, bemerkte, daß der vorwärtsſteigende Gefährte ſelbſt nicht mehr bei Kräften war, und daß ſeine Beine zitterten. Wenige Augenblicke ſpäter ſtürzte Klauſe mit einem gellenden Schrei in die Tiefe, hart an dem Glarner vorbei; es war faſt ein Wunder, daß er ihn nicht mitriß. Es war zwiſchen 5 und halb 6 Uhr morgens. Sobald ſich der Glarner ſich einigermaßen von ſeinem Schrecken erholt hatte, kletterte er zurück. In Glarus, wo er wohlbehalten ankam, wurde eine Kolonne von vier Führern organiſiert, die um 2 Uhr nach- mittags mit dem Genoſſen des Verunglückten anfbrach. Um 5 Uhr wurde der zerſchmetterte Leichnam aufgefunden. Man barg ihn über Nacht in einer Felsniſche. Heute ſoll er ins Thal gebracht werden. Zug, den 1. Juli. Die Kirchgemeinde Zug hat nahezu einſtimmig das Projekt des Umbaues von St. Oswald zu einer Pfarrkirche abgelehnt, dann die Offerte eines Konſortiums mit Dr. Zürcher-Deſchwanden an der Spitze, welches einen eigens zu dieſem Zwecke erworbenen Bauplatz in der Kirchmatte (beim Pulverturm) der Gemeinde gratis zur Verfügung ſtellte, dank- bar entgegengenommen, den Platz definitio als Bauplatz für eine neue Kirche bezeichnet, und den Kirchenrat in Verbindung mit der beſtehenden Baukommiſſion beauftragt, mit aller Beför- derung Plan und Koſtenberechnung der Kirchgemeinde zur Ge- nehmigung vorzulegen. Graubünden. „Kirchliches“ oder Antikirchliches? In der bündneriſchen „evangeliſchen“ Synode rief die „Tauffrage“ einer ſehr lebhaften Diskuſſion, ob ſie als chriſtliches Symbolum beizubehalten oder zu unterlaſſen ſei. Schließlich kam es auch hier zu einer Art „Kompromiß“, dem heute ſo beliebten Aus- weg vor grundſätzlichen Entſcheidungen, indem der „Kirchenrat“ inskünftig zu entſcheiden, ob eine „unverſchuldet unterlaſſene“ Taufe nachzuholen ſei oder nicht. Sehr bequem! Wallis. Martinach, 1. Juli. Ein Gleiſcherbruch hat durch die nachfolgende Ueberſchwemmung einen Geſamiſchaden von 100,000 Fr. verurſacht. Der Bruch ereignete ſich am Gletſcher des Mont Burant. 17 größere Brücken wurden weg- geſchwemmt. Mit der Herſtellung der Straße und der Tele- graphenleitung ſind mehrere hundert Arbeiter beſchäftigt. Ausland. Frankreich. Der „Figaro“ beklagt ſich über die un- genügende Bewachung der Anarchiſten und ſchteibt, es gebe einen Kanton in der Schweiz, welcher eine Art Pflanzſchule der An- archiſten ſei. — (Wiro wohl der Kanton Teſſin gemeint ſein, allwo man unter den Augen des Bundes eine Regierung ſtürzte und einen Staatsrat gleichfalls meuchlings erſchoſſen, wie Carnot gemeuchelt worden. Der Unterſchied zwiſchen hier und dort iſt der, daß man die Mörder und Anarchiſten hier ſtraflos aus- gehen läßt, ja ſogar einen derſelben in der Bundesverſammlung als Repräſentant Teſſins mit offenen Armen empfängt. So ganz unrecht hatte alſo auch Bismarck nicht, als er die Schweiz ein „wildes Land“ genannt hatte. Das Wild, das hier ver- folgt wird, ſind die treuen Katholiken, die Jäger — ?) — Der neue Staatspräſident von Frankreich wird ver- mutlich für die Zukunft auch nicht auf Roſen gebettet ſein, ſo wenig als der ermordete, um 10 Jahre älter geweſene Präſident Carnot (geb. 1837) es war. Der Verſtorbene erhielt ſeit der Nichtbegnadigung, reſp. ſeit der Hinrichtung des Attentäters Vaillant, welcher am 9. Dezember 1893 den explodierenden Eiſentopf mit Sprengſtoffen in die ſtaatliche Abgeordnetenkammer in Paris geworfen hatte, täglich Drovbriefe von Anarchiſten, mehr als einmal an einem einzigen Tage 10 Drohbriefe, ſo daß er ſie nach und nach nicht mehr ſo ſtark fürchtete. Die Geſinnung der Anarchiſten wird nicht ſo ſchnell aus deren Köpfen entfernt ſein und eher die Gefahr von denſelben noch andauern. Es beſtehen in faſt allen großen Staaten Eu- ropas eine Reihe von aufreizenden anarchiſtiſchen Zeitungen, welche von Land zu Land verbreitet werden. Das „St. Galler Volks- blatt“ hatte im Januar l. I. vollkommen Recht, als es darauf aufmerkſam machte, gewiſſe Regierungen ſcheinen in den zu Mord und Brand auffordeinden Zirkularſchreiben und Publikationen der Anarchiſten eine Gefahr nicht zu erblicken, wohl aber in den rechtſchaffenen Hirtenſchreiben von Biſchöfen. — Die gewaltſame, meuchelmörderiſche Erledigung des franzöſiſchen Präſidentſchaftsſitzes und die Neuwahl eines Staats- oberhauptes eines ſo großen und lebhaften Volkes wie die Fran- zoſen mit ihren öftern Staatsumwälzungen, waren natürlich ge- eignet, die Aufmerkſamkeit der geſamten politiſchen Kreiſe Eu- ropas zu erregen. Die Ernennung des Herrn Johann Peter Paul Caſimir-Perier, welcher im Alter von 47 Jahren ſteht und als ein ſehr unabhängiger und tatkräftiger Mann geſchildert wird, zum Präſidenten der franzöſiſchen Republik, hat bei den verſchiedenſten Regierungen Europas Zutrauen und Beruhigung erweckt und ſozuſagen nur bei den Revolutionären und radikalſten Sozialiſten Unzufriedenheit hervorgerufen. Einen guten Eindruck machte auch das Beileidtelegramm des deutſchen Kaiſers Wilhelm II. an die Witwe Carnots, welches alſo lautet: „Madame Carnot, Paris. Die Kaiſerin und ich ſind aufs tiefſte betroffen über die ſchreckliche Nachricht, die wir aus Lyon erhalten haben. Seien Sie überzeugt, Madame, daß unſere volle Sympathie, alle unſere Gefühle in dieſem Augenblicke bei Ihnen und Ihrer Familie ſind. Möge Gott Ihnen die Kraft verleihen, dieſen furchtbaren Schlag zu ertragen. Seines großen Namens würdig, iſt Herr Carnot wie ein Soldat auf dem Felde der Ehre ge- ſtorben. Wilhelm J. R.“ Herr Caſimir-Perier ſoll große Bergwerle und mit Inbe- griff des Frauengutes ein Vermögen von 40 Millionen Franken beſitzen. Als Präſident bezieht er jährlich vom Staat an Be- ſoldung 600,000 Fr. und für Aufwand und Koſten noch eine Vergütung von 600,000 Fr. — Paris, den 1. Juli. Der deutſche Botſchafter Graf Münſter teilte dem Miniſterpräſidenten Dupuy mit, daß bei Anlaß des Leichenbegängniſſes Carnots Kaiſer Wilhelm den durch den Leipziger Prozeß verurteilten zwei franzöſiſchen Offiziere begnadigt habe. Die Nachricht verurſachte eine tiefe Bewegung in Paris. Caſimir Perier dankte ſofort dem Kaiſer und ſagte, die Nachricht werde den beiden großen Nationen zu Herzen gehen. — Paris, 29. Juni. Es verlautet, Caſimir-Perier werde ſeine Wahl dem Papſt durch eigenhändiges Schreiben mitteilen. Der Papſt hat ſich geäußert, er betrachte die Wahl unter den gegebenen Verhältniſſen als die relatio beſte. — In Marſeille ſind die Kanalarbeiten, bei denen 2400 Italiener beſchäftigt waren, eingeſtellt worden. Die meiſten Italiener flüchten ſich vor den Verfolgungen ſeitens der Franzoſen teils in ihre Heimat, teils in die Schweiz und andere benach- barte Staaten. — Die Verſchwörung zur Ermordung Carnots habe in Marſeille ſtattgefunden und ſei Caſerio (das iſt der Name des Attentäters) durch das Los zur Ausführung der Tat bezeichnet worden. — Marſeille, 1. Juli. 600 Italiener ſchifften ſich auf einem italieniſchen Dampfer nach Genua ein. — Paris, 1. Juli. Heute vormittag wurden hier 200 Anarchiſten verhaftet. — Wohin die glaubensloſe Schule führt. Unter den in Frankreich zum Tode verurteilten Verbrechern bilden laut der Nachricht mehrerer Blätter junge Leute unter zwanzig Jahren die Mehrzahl. Deutſches Reich. Zeichen der Zeit! Im König- reich Sachſen, deſſen Bevölkerung kaum viel größer iſt, als die- jenige der Schweiz, ſind im Laufe des letzten Jahres 1188 Selbſtmorde vorgekommen. Oeſterreich-Ungarn. Aus Vorarlberg. Ein lang gehegter Wunſch der gut denkenden katholiſchen Bevölkerung Vorarlbergs hat ſich endlich erfüllt: Das kath. Privatlehrer- ſeminar in Tiſis bei Feldkirch hat das Oeffentlichkeitsrecht er- halten. Es ſind jetzt ſechs Jahre her, ſeit eine Anzahl kathol. Männer aus dem Prieſter- und Laienſtande mit dem Aufruf vor das Volk Vorarlbergs getreten ſind, es möchte zum Andenken an das vierzigjährige Regierungsjubiläum des Kaiſers ein kath. Lehrerſeminar ins Leben gerufen werden. Dieſer Aufruf fand in Vorarlberg bei allen Gutgeſinnten begeiſterten Widerhall. In kürzeſter Zeit ſtand ein herelicher Bau da, welcher, aus großmütigen Spenden mit Hilfe des Landes erbaut, allen An- forderungen entſpricht, welche an eine ſolche Anſtalt geſtellt werden können. Die Kongregation der Schulbrüder übernahm die Leitung des Seminars und ſtellte die ſtaatlich geprüften Profeſſoren. Die Frequenz der Anſtalt war in beſtändigem Wachſen begriffen, indem ſich Lehramtskandidaten nicht bloß aus Vorarlberg, ſondern auch aus Tirol, Salzburg, Ober- und Nieder-Oeſterreich, Schleſien, ja ſogar aus dem Auslande meldeten. Es war in allen Stücken den geſetzlichen Anforder- ungen bis auf den Ipunkt entſprochen, allein das Oeffentlichkeits- recht wurde der Anſtalt noch immer vorenthalten. Die Abiturienten mußten unter ſehr ſchwierigen Umſtänden ihre Examina an der Lehrerbildungsanſtalt in Innsbruck machen. Nachdem nun das Oeffentlichkeitsrecht endlich gegeben iſt, werden die Prüfungen heuer zum erſten male in der Anſtalt ſelbſt vor- genommen, und die Zeugniſſe haben öffentliche Gültigkeit. Die Anſtalt ſteht ſomit einer Lehrerbildungsanſtalt in nichts mehr nach. Es iſt dies die erſte und einzige kath. Lehrerbildungs- anſtalt mit Oeffentlichkeitsrecht in ganz Oeſterreich. — Budapeſt, 1. Juli. Ueber 10 000 Katholiken be- ſchloſſen an einem Katholikentag in Preßburg, es ſolle der Kaiſer erſucht werden, die Zwangszivilehe nicht zu genehmigen. Umſonſt! Belgien. Lüttich, 2. Juli. Am Samſtag wurden 18 neue choleraähnliche Erkrankungen und 2 Todesfälle feſtgeſtellt. Italien. Rom, den 2. Juli. Alle Herrſcher, Zar und Sultan ausgenommen, haben dem Papſt den Empfang der letzten Encyklika angezeigt und verdankt. — Rom. Bandi, Direktor der Zeitungen „Gazetta di Livorno“ und „Telegr. di Livorno“, in welchen er die anarchi- ſtiſchen Attentate und die Ermordung Carnots gebrandmarkt hatte, wurde zu Livorno erdolcht, als er in ſeinem Wagen fuhr. In der Kammer hielt Crispi auf Bandi, den Soldaten von Marſala und Calatafimi, eine Lobrede. Mehrere Ab- geordnete ſchließen ſich ſeinen Worten an. Crispi legt einen Geſetzesentwurf vor, der beſondere Maßregeln gegen die Auf- reizung zu Verbrechen und gegen die Verherrlichung von Ver- brechen ergreift. Der Entwurf wurde an eine beſondere Kommiſſion gewieſen. — Warum denn ſoviel Umſtände, ihr Apoſtel des „Liberalismus“; ihr habt ja ſelbſt mit euren Taten dieſe Schule großgezogen? Ein Telegramm aus Livorno vom 1. Juli beſtätigt: „Heute vormittag wurde Joſef Bandi, Direktor des „Telegrafo“ und der „Gazetta di Livorno“, zweier Zeitungen von Livorno, als er in ſeinem Wagen von ſeinem Landgute heimkehrte, von einem Individuum erdolcht; der Dolch durchſtach die Leber. Der Mörder floh. Bandi wurde in das Spital gebracht und ſtarb zwei Stunden nach der Operation. Es iſt faſt ziemlich ſicher, daß das Attentat wegen eines heftigen Artikels, der im „Telegrafo“ erſchienen war, ausgeführt wurde. Bandi war ein ehemaliger Offizier Gari- baldis und nahm teil an der Expedition nach Marſala. Italien. Rom. Gegen die Anarchiſten ſoll ein energiſcher Feldzug eröffnet werden. (Da muß man eben oben anfangen, bei denen, die dieſe Saat geſäet haben). — Rom, 28. Juni. In der Kammer brachte die Regierung den Vorſchlag zu einer außerordentlichen Ausgabe von 100,000 Fr. für die Heimkehr der italieniſchen Arbeiter aus Frankreich ein. Yerſchiedenes. — „Das Gewerbe“, Organ für die offiziellen Publikationen des Schweizer. Gewerbevereins, Vereinsorgan der kantonalen berniſchen und zürcheriſchen Gewerbeverbände. Erſcheint jeden Sonntag. Redaktion und Verlag von W. Büchter, Bern. Inhaltsverzeichnis von Nr. 26 (1. Juli 1894). Sinnſpruch. Rund- ſchau. Feuilleton: Zur Geſchichte der Schloſſerarbeit (Fortſetzung). Allerlei. Nationalinduſtrie. Programm für den offiziellen Teil der Delegiertenverſammlung vom 7./8. Juli in Herisau. Der Freimütige. Gewerbliches Bildungsweſen. Aus Vereinen. Ausſtellungen. Kleine Fachzeitung. Notizen. Litteratur. Patentliſte. Submiſſionsanzeiger. Fragekaſten. — Das ſchweizeriſche Fiſchkochbuch, welches die Kommiſſion der Fiſcherei-Ausſtellung im Verlage von Hofer u. Burger in Zürich herausgegeben hat, ſcheint ſich des Beifalls der Hausfrauen zu erfreuen. In den erſten zwei Wochen ſeit ſeinem Erſcheinen ſind nämlich gegen fünfhundert Exemplare dieſes reizend ausgeſtatteten und nützlichen Buches abgeſetzt worden. Das „ſchweizeriſche Fiſchkochbuch“ iſt von der Kommiſſion der Fiſcherei-Ausſtellung in Zürich zum Preiſe von 3 Fr. zu beziehen. — Kanonenkönig Krupp in Eſſen hat bei der dies- jährigen Steuereinſchätzung ſein Reineinkommen auf 7 190 000 Mark angegeben gegen 6 000 000 Mark im Vorjahre. — Viel überflüſſiges Geld müſſen die Chineſen haben. Sie brachten zur Feier des 60. Geburtstages der Kaiſerin Exregentin 80 Millionen Mark durch freiwillige Bei- träge auf und weitere 20 Millionen ſollen noch geſammelt werden, um das feſtgeſtellte Feſtprogramm ausführen zu können. — Viehhandel. Die abnormen Viehpreiſe ſcheinen ihre höchſte Höhe erreicht zu haben; auf den meiſten Märkten iſt ein Stillſtand eingetreten. Erhebliches Sinken iſt noch nicht zu erwarten, obwohl die Preiſe ſchwerlich mehr ſteigen werden. — Sehet nach den Heuſtöcken! Um dem Verbrennen oder Verkohlen der Heuſtöcke durch Selbſtentzündung vorzu- beugen, beobachte man ſelbe täglich, ſondiere auch öfters, indem ein geeignetes langes und ſpitzes Eiſen eingeſteckt und nach einigen Minuten herausgezogen und geprüft wird. Grau werdende Schichten, ſoweit ſie noch erreichbar ſind, können durch nochmaliges Trocknen vor dem Verderben gerettet werden. An Regentagen ſehe man nach, ob es nicht irgendwo herunterregnet, da auch das beſte Dach unerwartet ein Loch kriegen kann. Für genügende Lüftung iſt zu ſorgen, damit der Dampf leicht ab- ziehen kann. Benefizium Inventarii Jungfrau Maria Anna Koch, von Niederhelfenswil, in Rorſchach. Eingaben bis 13. Juli dem Bezirksamt Rorſchach. Witwe Anna Regina Künzler, im Nebengraben, St. Margrethen. Eingaben bis 14. Juli dem Gemeindeamt St. Margrethen. I. B. Wüſt, Fuhrmann, von Oberriet, in Eichenwies. Eingaben bis 11. Juli dem Gemeindeamt Oberriet. I. Jak. Schößler, Telegraphenbeamter, von Mogelsberg, Winkelried- ſtraße 6, St. Gallen. Eingaben bis 23. Juli an Hrn. Niklaus Schöß- ler, Elektratechneker, Roſenbergſtraße 61, St. Gallen. Witwe Anna Katharina Freienmut geb. Müller, von Felben, in St. Gallen, Waſſergaſſe 18. Eingaben bis zum 26. Juli an Herrn I. Ebneter, Vadianſtraße 16, St. Gallen. Joſeph Zündt, Fruchthändler, im Erlen, Altſtätten. Eingaben bis 21. Juli dem Gemeindeamt Altſtätten. Jakob Hüberle, von Neßlau, im Hinterberg, Stein. Eingaben bis 31. Juli dem Gemeindeamt Stein. Johann Konrad Näf, Landwirt, von Alt St. Johann, in Kleinen- wies-Libingen. Eingaben bis 21. Juli dem Gemeindeamt Mosnang. Konkurseröffnungen. Konkursamt Oberrheintal. Gemeinſchuldner: Auguſt Keel, von Rebſtein, Zeichner und Wirt zum „Alten Anker“, Altitätten. Eingaben bis 16. Juli. Gemeinſchuldner: Joh. Baptiſt Büchel, Jökerlers, Rüti. Eingaben bis 29. Juli. Konkursamt Sargans. Gemeinſchuldner: Anton Baumer, Bauer, Bünten in Mols. Eingaben bis 14. Juli. Konkursamt Neutoggenburg. Gemeinſchuldner: Jakob Heizmann, Schneider in Wattwil Eingaben bis 12. Juli. Konkursamt St. Gallen. Gemeinſchuldner: Joſeph Läſſer, Schuh- macher, Linſebüdlſtraße 51, St. Gallen. Eingaben bis 5. Juli. Gemeinſchuldner: Ulrich Hippele, Schreiner, Linſebühſtraße 80a in St. Gallen. Eingaben bis 5. Juli. Konkursamt Werdenberg Gemeinſchuldner: Andreas Zog, Ober- ſchan, Wartau. Eingaben bis 26. Juli. Gemeinſchuldner: Johann Gatina Eggenberger, Azmoos, Wartau. Eingaben bis 20. Juli. Konkursamt Unterrheintal. Gemeiuſchuldner: Albert Thurnheer, Handlung, in Au. Einguben bis 27. Juli. Konkursamt Obertoggenburg. Gemeinſchuldner: Rudolf Sutter, Sticker, in Gündris, Kappel. Eingaben bis 30. Juli. Erklärung des Kirchenverwaltungsrates Gommiswald an die titl. Kirchgenoſſen daſelbſt. Wie hier allgemein bekannt ſein dürfte, hat der Kirchenverwaltungs- rat die Ausſchreibung der pro Amtsdauer 1894/97 wieder zu beſetzenden Stellen öffentlich publizieren laſſen. Dieſes Publizierungsverfahren der Behörde ſcheint aber bei gewiſſer Seite nicht genügt zu haben, denn es erſchien die publizierte Stellenausſchreibung in offizieller Form auch in Nr. 69 des „Wochenblattes vom Seebezirk und Gaſter“. Wir geben nun öffentlich die Erklärung ab, daß wir die bezügliche Publikation im „Wochen- blatt“ nicht eingeſandt haben und daß dieſelbe ohne unſer Wiſſen und und ohne unſern Willen im genannten Blatte erſchienen iſt. Es muß von anderer Seite ſich jemand berufen gefühlt haben, die Stellenaus- ſchreibung des Kirchenverwaltungsrates auch im „Wochenblatte“ erſcheinen zu laſſen. Wahrſcheinlich ſoll dieſes uns als mindeſtens taktlos erſcheinende Verfahren einem beſtimmten, leicht begreiflichen Zwecke dienen und werden wohl die meiſten Kirchgenoſſen von Gommiswald mit uns dieſes Vor- gehen auch entſprechend zu beurteilen verſtehen. Soviel für diesmal. Gommiswald, den 30. Juni 1894. Der Kirchenverwaltungsrat. Butterprets in Uznach, den 30. Juni. Fr. 1. 27, 1. 30 per Halbkilo [Abbildung] Beilage: „Reiſebilder aus Italien und Paläſtina“. _

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Amelie Meister: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung. (2018-01-26T13:38:42Z)

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Zitationshilfe: St. Galler Volksblatt. Nr. 53, Uznach, 04. 07. 1894, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_stgaller53_1894/3>, abgerufen am 18.08.2019.