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St. Galler Volksblatt. Nr. 53, Uznach, 04. 07. 1894.

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[Spaltenumbruch] scheidemünzen in Rouleaux zu verpacken und ohne Beimischung von
Münzen anderer Provenienz an die eidgenössische Staatskasse in Bern
einzusenden seien. Eine praktische Maßregel dürfte es ferner sein, wenn
Sie die Tages- und Lokalblätter ihres Kantons veranlassen wollten, vom
1. bis 24. Juli täglich an passender Stelle das pro memoria zu bringen,
daß der 24. Juli der letzte Tag für die Einzahlung der öffentlichen
Kassen sei.

-- Nationalrat.

Ohne Diskussion wird nach dem Referat
von Ursprung dem Postulat des Ständerates zugestimmt,
daß der Bundesrat die Frage prüfen und bei der nächsten
Büdgetberatung darüber Bericht erstatten solle, wie den im
Dienste und infolge des Dienstes erkrankten Wehrmännern
die gleichen Vergünstigungen gewährt werden können, wie zur
Zeit den gegen Unfall versicherten Wehrmännern. (Das Aus-
gaben-Bedürfnis wird auf 30,000 Fr. berechnet).

-- Wahrheit.

Das liberale "Zofinger Tagblatt" ruft
anläßlich der Ermordung des französischen Präsidenten Carnot
aus: "So weit brachten wir es mit all unserer Geistesbildung,
unserer Wissenschaft und ins Unendliche gesteigerten Kultur!"
Sehr wahr, eine Bildung ohne religiösen Halt muß notwendig
solche Früchte zeitigen; das lehrte und lehrt uns die tägliche
Erfahrung. Aber trotz alldem will es der heutige Liberalismus
nicht einsehen, daß ein konfessions- und religionsloser Staat sich
selbst zu grunde richtet!

-- Nach der Berufszählung, die mit der eidgenössischen
Volkszählung von Ende 1888 verbunden war, hat die Schweiz
nicht mehr als 85 649 Fabrilarbeiter, dh. genau 10 Prozent
aller beruflich beschäftigten Männer.




St. Gallisches



-- Regierungsratsverhandlungen vom 29. Juni 1894:

Im Hinblick auf das mit 1. Juli in Kraft tretende Gesetz über die
Organisation des Sanitätswesens trifft der Regierungsrat die Anordnung,
daß die bisherigen Funktionäre der Bezirksphysikate eingeladen werden,
bis Ende August, bezw. bis nach Neubestellung dieser Behörden ihre amt-
lichen Funktionen fortzusetzen und daß die Vorschriften des Gesetzes bis
zum Erlaß der vorgesehenen Vollzugsverordnung zum erstgenannten Ge-
setz als regierungsrätliche Verordnung in Giltigkeit verbleiben.

Der Regierungsrat erhält Kenntnis, daß das eidgenössische Eisen-
bahndepartement der Planvorlage der Direktion der Vereinigten Schweizer-
bahnen betreffend das Aufnahmsgebäude in Rapperswil mit einigen Mo-
difikationen die Genehmigung erteilt und der schweizerische Bundesrat an
die Bankosten des Absonderungshauses in Ragaz einen Bundesbeitrag
von Fr. 5000, sowie an die Kosten der vom Regierungsrat angeschafften
transportablen Isolierbaracke einen solchen von Fr. 1970 zuerkannt hat.

-- Vom 30. Juni 1894.

Der vom Departement des Innern vorgelegte Vorschlag betreffend
die Verteilung des Staatsbeitrages von Fr. 4700 an die Unterstützung
blinder, taubstummer und epileptischer Kinder wird vom Regierungsrate
gutgeheißen, ebenso ein Beschluß der evangelischen Ortsgenossenversamm-
lung von Altstätten betreffend gesonderte Verwaltung der Sekundarschule
und der Waisenschule.

Nach Erledigung der laufenden Geschäfte richtet Herr Landammann
Scherrer-Füllemann, der mit heutigem Tage aus dem Regierungsrate
ausscheidet, einige Abschiedsworte an die Mitgliedes des Rates, welche
von Herrn Landammann-Stellvertreter Dr. Ed. Scherrer erwidert und
verdankt werden.

-- Kathol. Administrationsrat.

Wahlen. Der
Administrationsrat hat in gestriger Sitzung die Kommissionen
folgendermaßen bestellt: 1. Verwaltungskommission: Walliser,
Dekan Kern, Dr. Mäder. 2. Realschulkommission: Walliser,
Pfr. Tremp (neu), Kanonikus Casanova, Konrektor Günten-
sperger, Redaktor Baumberger, Staatsschreiber Müller, Pfarrer
Eisenring. 3. Bibliothekkommission: Walliser, Pfarrer Tremp,
bischöfl. Kanzler Müller. 4. Thurhofkommission: Walliser, Pfr.
Oesch (neu), Pfr. Wettenschwiler, Dr. Mäder; das 5. Mitglied
wählt der hochwst. Hr. Bischof. -- Für eine weitere Amtsdauer
wurden bestätigt als Kassier Hr. Bezirksrichter Degen und als
Adjunkt Hr. Bösch.

[Abbildung]
Von der Thur.

(Korr.)

Der Herrgott hats doch wieder
gut gemeint! War das ein Jammern und Verzagen, als das ersehnte
Heuwetter so lange nicht eintreffen wollte! Und nun, 14 Tage nachher,
ist alles Heu, ausgenommen das in den höhern Lagen, glücklich und un-
beregnet unter Dach gebracht, und die Heustöcke sind so hoch getürmt,
wie seit Jahren nicht mehr. Bauer und Bäuerchen, die noch vor zwei
Wochen Gesichter schnitten, als sei die Welt reif zum Untergange -- ob-
wohl sie das einem Fastenprediger, hätte ein solcher es gesagt, niemals
geglaubt hätten -- reiben sich vergnügt die Hände und sehen wieder ge-
trost in die Zukunft. Von verschiedenen einsichtigen Landwirten war
auch bei uns an der Thur dieses Jahr zum erstenmal der Versuch ge-
macht werden, das Heu nicht mehr nach althergebrachtem Brauch zu
"birligen", sondern es an Pfählen, die mit verschiedenen Quersprossen
versehen waren, aufzuhängen, ähnlich, wie das im Rheintal und Vorarl-
berg schon lange geschieht. Wir glauben nicht, daß sie diesen Versuch bereuen
werden; denn das auf diese Weise gehäufte Heu konnte trotz langer
Regenzeit schöner und schneller eingebracht werden als anderes, das wäh-
rend den schlimmen Tagen ebenfalls gelegen hatte. Die Obstbäume zeigen
leider bedeutend geringeren Fruchtansatz, als man ursprünglich meinte.
Die zwei Hagelwetter, die hier verüberzogen, scheinen doch mehr geschadet
zu haben, als die erste Beobachtung gelten lassen wollte. Immerhin
darf auch in der Beziehung, wenn nun alles ganz bleibt, noch nicht von
einer schlechten Obsternte gesprochen werden, wenn nun gleich die Aeußer-
ungen verschiedener Lästermäuler in ihr Nichts zusammenfallen, die da
meinten, es gebe viel zu viel Obst, man löse doch nichts daraus, habe
einzig Mühe und Arbeit aber kein Geld usw. Nun haben die ärgsten
Schimpfer wenig Obst, folglich auch wenig Geld und -- auch wenig zu
trinken. Der wohlfeile Haustrunk, den sie in zu früher Voraussicht eines
überreichlichen Obstsegens dem unbemittelten Arbeiter mißgönnten, geht
nun auch an ihrem Munde vorüber. Geschieht ihnen recht, solchen Neid-
hämmeln, die sogar beim Schoppen sagten, man sollte die Hälfte Bäume
umhauen, nur damit man per Ledi einen höhern Preis erziele. Wer
heutigentags noch so dumm ist, daß er nicht einsieht, daß es Arbeitern,
Bauern und Herren am wohlsten ist, wenn die Erde ihre Früchte in
reichlichstem Maße hervorbringt, und daß ja immer einer vom andern
leben muß, der beweist, daß er wohl tief ins Glas, aber weniger tief in
die Weltlage hineingucken kann. -- Die Reben blühen prächtig, und es
ist eine Freude, jetzt durch die Weinberge zu wandeln. Ein herrlicher
Duft strömt einem entgegen. Namentlich junges Holz zeigt guten Trauben-
schuß; das alte hätte mehr tun können. Das sind so unsere Ernteaus-
sichten bei uns an der Thur, von Lichtensteig bis hinunter nach Nieder-
büren und Bischofszell. -- Wenn man so an Sonntagen auf der Land-
straße dahinwandert, begegnet einem ein Velofahrer nach dem andern;
der eine tummelt sich auf dem Hoch-, der andere auf dem Niederrad.
Das Velofahren hat überall einen unerhörten Aufschwung genommen,
und wer seinen Mitmenschen imponieren will, der muß bald per Strampel-
rad dahersausen, der Geschäftsreisende zu seinen Kunden, der Arzt zu
Ohnmachten und Wunden, der Bienenvater zu Exkursionen, der Geselle
zu großen Portionen, der Lehrer zu Konferenzen, die Ausflügler zu Musik
und Tänzen, der Pfarrer zu Predigt und Vesper, der Bauer zu Erdäpfeln
und Esper. Leute, die per pedes apostolorum einherziehen, gelten bald
nichts mehr und gehören in den Zeiten des Telephons und der Velos
an jene alten lieben Stammtische, wo man der Eile mit Weile das Wort
redet und sich dabei doch vergnügt fühlt.

-- Die Generalversammlung der Toggen-
burgerbahn
fand Donnerstag im "Rößle" in Wattwil statt.
Hauptmann W. Müller-Hafner von Wyl trug den Bericht der
Rechnungskommission vor, welcher auf Genehmigung des ver-
waltungsrätlichen Antrages für Auszahlung einer Dividende von
Fr. 12. 50 per Aktie an die 5000 Staatsaktien und einer
solchen von 11 Fr. per Titel an die übrigen Aktionäre lautete.
[Spaltenumbruch] Die Versammlung erhob den Antrag zum Beschlusse. Der vom
Verwaltungsrat gestellte und von den Revisoren empfohlene An-
trag für Kündung des Betriebsvertrages mit den Vereinigten
Schweizerbahnen auf 30. Juni 1895 wurde einstimmig ange-
nommen. Dieser Vertrag, wenn nicht am 30. Juni l. I. ge-
kündet, würde für weitere 5 Jahre gültig bleiben, was im Hin-
blick auf die in naher Zeit zu gewärtigenden Neuerungen (Bau
der Verbindungsbahn zwischen dem Toggenburg und dem Linth-
resp. Seegebiet) als unzulässig erachtet wurde. Der Verwaltungs-
rat erhielt die nötige Vollmacht zum eventuellen Abschluß eines
neuen Betriebsvertrages.

-- ** Der Toggenburgische Verkehrsverein bringt
gegenwärtig einen recht hübschen, sorgfältig ausgestatteten Prospekt
"Toggenburg" in Vertrieb. Das Titelblatt schmückt eine
prächtige Stauffacher'sche Zeichnung von Alpenblumen. Fünf
ganzseitige Bilder bringen die regsamen freundlichen Ortschaften
Lichtensteig, Wattwyl, Ebnat-Kappel, Neßlau-Neu St. Johann,
sowie das Rietbad mit dem Säntis naturgetreu zur Darstellung.
Ueberall sind die dankbarsten Exkursionen, die empfehlenswertesten
Gasthöfe rc. vorgemerkt. Mit Recht wird im Textteil betont,
daß alle die, welche schon die Gelegenheit wahrnahmen, im
Toggenburg kräftigende Erholung zu finden, seinen Liebreiz er-
kannt haben und daß sie wiederkehren, wenn sie ausruhen wollen
von des Jahres strenger Arbeitspflicht, wenn sie auch nur für
Stunden oder kurze Tage ein friedlich-frohes, von der Mutter
Natur mit segnender Hand geküßtes Gelände zu begrüßen ge-
denken. In der Tat! Das mattengrüne Toggenburg mit seinem
jovialen, freundlichen Völklein darf für wahrhaft erquickende
Sommerfrischen wärmstens empfohlen werden. Wir wünschen
ihm pro 1894 regen Besuch seitens unserer Gesellschaften und
Vereine, unserer Touristen und unserer Ruhe- und Eryolungs-
bedürftigen jeder Art. Dort drinnen im wohligen Bergtal
läßt sich's froh leben und gesunden ohne die Schrecken einer
banghaften völligen Portemonnaie-Entleerung. Die Restaurations-
preise für Gesellschaften rc., sowie die Pensionspreise für Touristen
und Kuranten sind nämlich bei seriöser Bedienung durchweg
auf bescheidenster Stufe gehalten. Bezüglich Empfang von
Prospekten wollen sich Interessenten an das Auskunftsbüreau
Lichtensteig: C. G. Würth melden. Weitere Auskunftsstellen
für Kuranten, Touristen, Vereine rc. bestehen in Wattwil: I.
Keller, Kappel: Dr. med. W. Scherrer, Neßlau: Dr. Kuhn jgr.

-- Wil.

(Korr.)

Die Theatergesellschaft Wil wird nächste Fastnacht
die Oper "Zar und Zimmermann" zur Aufführung bringen. Bereits
sind die Rollen so verteilt, so daß sofort mit der Arbeit begonnen werden
kann. Gewiß wird die Wiederholung dieser schönen Oper, die in hier
im Jahre 1868 über die Bretter ging, beim Publikum überall Anklang
finden. -- Die schöne Sitte, die Frontseiten der Häuser kunstvoll zu be-
malen, wie das in alten Zeiten vielfach Uebung war, findet in Wil wieder
immer mehr Anklang. Bereits bietet auf dem Hofplatze das Haus zum
Anker mit der schönen gotischen Fassade und dem Bilde Arnold von
Winkelrieds, sowie das große Haus von Herrn Stadtammann Bannwart
mit den restaurierten Malereien und den Bildnissen sämtlicher römischer
Kaiser einen schönen Anblick dar. Nun wird laut Beschluß des Gemeinde-
rates auch die Frontseite des Gerichtshauses nach einem künstlerisch voll-
endeten Plane von Herrn Dekorationsmaler Huber in Wil bemalt; ebenso
läßt Herr Chirurg Graf sein Haus zu den "Dreikönigen" in ähnlicher Weise
ausschmücken und zwar von Hrn. Kunstmaler Eichholzer in Bazenheid. Ein
solches Bestreben von Seite von Behörden und Privaten, Kunst und
Kunstgewerbe zu fördern und einem fremden Besucher zu zeigen, daß
man in dieser Zeit des unruhigen Ringens und Hastens nach Gelderwerb
den Sinn für Kunst noch nicht verloren hat, verdient alle Anerkennung
und fordert zur Nachahmung auf.

-- Buchs.

Letzten Freitag mittag wurde der erst 24
Jahre alte Mathias Schwendener, Angestellter der Veremigten
Schweizerbahnen, als er beim Einfahren eines Zuges noch schnell
über die Bahn eilen wollte, von diesem überfahren und mitten
entzwei geschnitten.

Heute Nachmittag brannte die
Rheinbrücke zwischen Haag und Bendern vollständig nieder.
Brandursache unbekannt.

-- Bazenhaid.

Letzten Sonntag wurde die Einweihung
der ersten Glocke in dem bereits fertig erstellten Chorturm in
hiesiger neuen Kirche unter Beteiligung der ganzen Bevölkerung
feierlich begangen. Diese vom Hochw. Herrn Pfarrer Buhler
geweihte Versehglocke ist ein Geschenk von einem hochherzigen
Herrn aus dem Rheintal und stammt aus der Gießerei des
Herrn Egger in Staad.

-- Rorschach.

Dr. Otto Zardetti, Erzbischof von Bu-
karest, ist aus Amerika hier angekommen.

-- [Abbildung] Rapperswil.(Einges.)

Die hiesige katholische
Kirchgemeinde ist verwaist; denn Dienstag den 26. Juni hat
der H.H. Stadtpfarrer Moosberger nach "vierjähriger, treuer,
unverdrossener und eifriger Wirksamkeit in Pastoration und
Schule" (Schreiben des löbl. Kirchenverwaltungsrates an den
H. H. Pfarrer) unter inniger Teilnahme und zum tiefen Be-
dauern aller Gutgesinnten, die Rosenstadt verlassen.

Diese Rosenstadt hat ihm der Dornen viele geboten. Mit
Freude und Vertrauen hat er dieselbe vor vier Jahren betreten,
alle Liebe und Sorge ihr gewidmet und darum schied er auch
nur schweren Herzens, nachdem einige seiner Pfatrkinder das
ihm sein ohnedies schon schweres Amt noch schwieriger gemacht.
Er hat auch mit vielen materiellen Opfern für die Verschönerung
des Gottesdienstes gesorgt. Dieser schnelle Pfarrwechsel gereicht
unter diesen Umständen der Rosenstadt wahrlich nicht zur Ehre.
Rapperswil mag sich dafür bei jenen bedanken, die da in kirch-
liche Sachen hineintegieren wollten, die sie nichts angingen.

Das Wochenblatt hat zwar gemeint, Moosberger habe sich
in hiesige Verhaltnisse nicht recht hineinleben töanen. Nun was
hat denn am meisten Staub aufgewirbelt? Das entschiedene
Eintreten Moosbergers für die Forderungen des Kirchengesetzes.
Wenn aber das Kirchengesetz übertreten wird, dann ist es
nicht Sache des Pfarrers, zu den Gesetzesübertretungen zu
schweigen, sondern Ordnung zu schaffen. Für eine solche
schwietige Arbeit gebührt einem Pfarrer nicht Tadel, sondern
Dank. "Daß es der zukünftige Pfarrer ja mit der Cäcilia-
musik nicht verderbe"! meint ein Einsender eines Blattes. Potz
Blitz, welche Majestät, diese unsere Caciliamusik! Da muß
man sich ernstlich fragen: Hat denn ein Pfarrer als gehorsamer
Diener zu tun, was dieser beliebt, oder ist diese wie sonst in
der ganzen Welt, auch hier in Rapperswil für den Gottesdienst
da? Ueber den Gottesdienst aber hat nun einmal trotz Sträuden
und Toben der Pfarrer nach Recht und Gesetz zu verfügen.
Leuten, die bis dato nicht einmal im Allernotwendigsten den
kirchlichen Vo schriften Genüge geleistet haben, steht es doch
wahrlich schlecht an, dem Hrn. Pfarrer den Meister zeigen zu
wollen. Der H. H. Stadtpfa rer Moosberger wiro beim Ab-
schiede von der Gemeinde es erfahren haben, daß er in die Herzen
der Gutgesinnten tiefer eingeschrieben war und es auch bleibt,
[Spaltenumbruch] als er es geahnt und dieses süße Bewußtsein wird auch bald
die Wunde heilen, welche die Rosenstadt ihm geschlagen. Möge
er an seinem neuen Wirkungskreise Oberriet willigere Herzen,
und größern Dank für seine Mühen und Sorgen finden.

-- Gaster. (Einges).

Wahlresultat betreffend zwei
Ersatzmitglieder des Bezirksgerichtes Gaster., Stimmen
erhielten die Herren:

[Tabelle]

Gültige Stimmen 974. Absolutes Mehr von 488. Ge-
wählt sind: Herr Präsid. Alois Kühne zur "Frohen Aussicht"
in Benken und Herr Verwaltungs- und Schulrat Wilhelm
Tremp aus der Forsten, Gemeinde Rufi.

-- * Uznach.

Bei denkbar schönstem Wetter verreiste letzten
Sonntag Mittag der Cäcilienverein Uznach nach dem Rigi.
Die Südostbahn führte die muntere Sängerschar nach Goldau. Fröh-
lich plaudernd und singend, da und dort rastend, um das mitgenommene
Vesperbrod und etwa einen guten Tropfen zu sich zu nehmen, ging es
den Berg hinan.

Doch, wenn auch steil ist die Bahn,
Freudigen Mutes hinan!
Laßt euch vor steilem Weg nicht grauen,
Droben, da werden wir Herrliches schauen!

In 21/2 Stunden war das Klösterli und nach kurzem Aufenthalt
abends 7 Uhr Hotel First erreicht. Wie süß schmeckte die Ruhepause
in den gastlichen Räumen des Hotels, wie mundete das treffliche Mahl
und wie hell und froh klangen die Lieder unserer lebensfrohen Alpen-
sänger und Sängerinnen. Sanft schlummernd ruhten sie dann aus,
die müden Sänger, im weichen Federbette.

Montag morgens 3 Uhr, Abmarsch nach dem Kulm, wo wir um
4 Uhr anlangten.

Hier am Ziel, welches Gefühl!
Hoch über Täler und See'n zu stehen,
Friedlich umlauscht von der Alpenluft Wehen,
Droben am Ziel, wie herrlich und still.

Die weite, duftige Sternennacht, die über Firnen und Matten ge-
legen, weicht einem grauen Schleier. Jetzt, bald nach 4 Uhr, kommt
auf einmal eine Figur, erst unbestimmt, dann schärfer gestaltet hervor.
Es ist hell und heller geworden; über unseren lieben heimatlichen Bergen,
links dem Speer und Säntis, geht ein goldiger Streifen, der immer
breiter wird; die schneeigen Spitzen, namentlich die gegenüberliegenden
Berneralpen, welchseln die Farbe, erst indifferent weiß, dann gelblich,
bis sie zuletzt in duftigem Rosa glühen: die Sonne, die große glühend-
rote Scheibe ist emporgestiegen. Welch herrlicher, imposanter Anblick!
Allgemein hörten wir sagen, daß kaum ein hellerer klarerer Morgen
in diesem Frühjahr auf dem Rigi erblickt wurde. -- Der Kaffee im
Hotel Kulm schmeckte nun allen ausgezeichnet.

Nun fröhlicher Marsch nach dem Känzeli, Bewunderung der un-
vergleichlich lieblichen Aussicht; Kaltbad, interessante Fahrt per Extra-
zug mit Gesang und Trompetenschall nach Viznau, entzückend schöne
Fahrt nach Brunnen, vorzügliches, feines, beispiellos billiges Mittag-
essen bei unserm freundlichen, ehemaligen Sangesbruder und
Tenoristen Haggenmacher (Hotel Rößli); hochfeine Kahnfahrt auf dem
herrlichsten der See'n nach dem Rütli, dem vielbesungenen "stillen
Gelände am See", zu der Wiege unseres lieben Vaterlandes. O wunder-
schönes Land, voll mächtigem Zauber für Alle, die dich sehen. O Land,
unendlich lieb und teuer Allen, denen du die Heimat bist!

Was Hände bauten, können Hände stürzen;
Das Haus der Freiheit hat uns Gott gegründet.

Nun lustige, gemütliche Heimfahrt, Trompetenklag, Liederschall,
fröhliches Lachen und Singen.

Sind wir auch nicht reich an Geld,
Ist unser doch die schöne Welt,
Weil wir sie froh genießen.
Drum laßt uns traulich Hand in Hand,
Die Sängerfahrt durch's Heimatland
Mit heiter'm Sinn beschließen.

Auf dem Bahnhof Uznach großartiger Empfang von den Lieben zu
Hause, die Blechmusikgesellschaft begleitet die fröhliche und noch recht
rüstige Sängerschar in liebenswürdigster Weise mit klingendem Spiele
in's Städtchen und zwei Lieder schließen die überaus gelungene, mit
keinem Mißton gestörte Sängerreise.




Kantone.



Zürich.

Die Stadt Zürich zählt 206 Primarlehrer, 68
Sekundarlehter, 31 Fachlehre, 58 Arbeitslehrerinnen, 21 Lehrer
der höhern Töchterschule und 97 Lehter der Gewerbeschule, so
daß der städtisde Lehrkörper 481 Personen zählt. -- So viele
Schulmeister und doch so wenig Subordination, so daß der ge-
fürchtete Sozialismus zu allen Poren herausschwitzt!

-- Zürich.

Die kantonale Gewerbeausstellung ist nun-
mehr fertig und darf sich in ihrer ganzen Schönheit sehen lassen.
Die Direktion der Nordostbahn hat den auswärtigen Besuchern
auf ihrem Netz Vergünstigungen eintreten lassen und zwar, daß
die Retourbillete um einen Tag verlängert werden und auf den
Stationen, über 20 Kilometer von Zürich entfernt, an Wochen-
tagen Spezialretourbillets 2. und 3. Klasse zu ermäßigten Taxen
zur Ausgabe gelangen. Vorletzten Sonntag nahm auch der
kantonale Gewerbe- und Handwerkerverband Augenschein von
seinem Werk und war von demselben vollbefriedigt. Die ge-
samte Ausstellung wurde im ganzen mit 170 000 Franken sub-
ventioniert.

-- Gegen die am 5. April 1894 erlassene allgemeine
Polizeiverordnung der Stadt Zürich, die sog. Streikoerordnung,
hatte die Arbeiterpartei das Referendum ergriffen. Es sind
aber bis zum Ablauf der Frist nur 1346 Unterschriften ein-
gegangen statt der gesetzlich geforderten 2000; somit unterbleibt
die Gemeindeabstimmung.

-- Emanuel Isler in Wohlen erklärt in der "N. Z. Z."
die Nichtannahme der Wahl als Verwaltungsrat der Nordost-
bahn, da seine Nomination ohne seinen Willen und sein Wissen
erfolgt sei, ebenso G. Vogt.

Der gesiern besammelte Bundes-
vorstand des schweizerischen Aebeiterbundes beschloß in motivierter
Resolution, zur Zeit die Initiative betr. unentgeltliche Kranken-
pflege und Tabakmonopol fallen zu lassen.

Der heutige schöne Sonntag brachte
der kantonalen Gewerbeausstellung einen außerordentlich starken
Besuch. Derselbe erreichte die Zahl 5400, mit Einschluß des
Abendkonzertes 6500. Bisher wurden für ca. 30,000 Franken
Abonnementskarten verkauft.

-- Zürich.

Htec wird ein "schweizerischer Lehrertag"
gefeiert, zu dem sich bereits über 2000 Lehrer angemeldet haben.
Der Gewinn wird groß sein für das Schweizervolk!!

Bern.
Impfzwang.

Laut "Bund" hat Donnerstag
abends eine Versammlung in Bern stattgefunden, in welcher
beschlossen wurde, eine Initiativbewegung für Aufhebung des

[Spaltenumbruch] ſcheidemünzen in Rouleaux zu verpacken und ohne Beimiſchung von
Münzen anderer Provenienz an die eidgenöſſiſche Staatskaſſe in Bern
einzuſenden ſeien. Eine praktiſche Maßregel dürfte es ferner ſein, wenn
Sie die Tages- und Lokalblätter ihres Kantons veranlaſſen wollten, vom
1. bis 24. Juli täglich an paſſender Stelle das pro memoria zu bringen,
daß der 24. Juli der letzte Tag für die Einzahlung der öffentlichen
Kaſſen ſei.

Nationalrat.

Ohne Diskuſſion wird nach dem Referat
von Urſprung dem Poſtulat des Ständerates zugeſtimmt,
daß der Bundesrat die Frage prüfen und bei der nächſten
Büdgetberatung darüber Bericht erſtatten ſolle, wie den im
Dienſte und infolge des Dienſtes erkrankten Wehrmännern
die gleichen Vergünſtigungen gewährt werden können, wie zur
Zeit den gegen Unfall verſicherten Wehrmännern. (Das Aus-
gaben-Bedürfnis wird auf 30,000 Fr. berechnet).

Wahrheit.

Das liberale „Zofinger Tagblatt“ ruft
anläßlich der Ermordung des franzöſiſchen Präſidenten Carnot
aus: „So weit brachten wir es mit all unſerer Geiſtesbildung,
unſerer Wiſſenſchaft und ins Unendliche geſteigerten Kultur!“
Sehr wahr, eine Bildung ohne religiöſen Halt muß notwendig
ſolche Früchte zeitigen; das lehrte und lehrt uns die tägliche
Erfahrung. Aber trotz alldem will es der heutige Liberalismus
nicht einſehen, daß ein konfeſſions- und religionsloſer Staat ſich
ſelbſt zu grunde richtet!

— Nach der Berufszählung, die mit der eidgenöſſiſchen
Volkszählung von Ende 1888 verbunden war, hat die Schweiz
nicht mehr als 85 649 Fabrilarbeiter, dh. genau 10 Prozent
aller beruflich beſchäftigten Männer.




St. Galliſches



Regierungsratsverhandlungen vom 29. Juni 1894:

Im Hinblick auf das mit 1. Juli in Kraft tretende Geſetz über die
Organiſation des Sanitätsweſens trifft der Regierungsrat die Anordnung,
daß die bisherigen Funktionäre der Bezirksphyſikate eingeladen werden,
bis Ende Auguſt, bezw. bis nach Neubeſtellung dieſer Behörden ihre amt-
lichen Funktionen fortzuſetzen und daß die Vorſchriften des Geſetzes bis
zum Erlaß der vorgeſehenen Vollzugsverordnung zum erſtgenannten Ge-
ſetz als regierungsrätliche Verordnung in Giltigkeit verbleiben.

Der Regierungsrat erhält Kenntnis, daß das eidgenöſſiſche Eiſen-
bahndepartement der Planvorlage der Direktion der Vereinigten Schweizer-
bahnen betreffend das Aufnahmsgebäude in Rapperswil mit einigen Mo-
difikationen die Genehmigung erteilt und der ſchweizeriſche Bundesrat an
die Bankoſten des Abſonderungshauſes in Ragaz einen Bundesbeitrag
von Fr. 5000, ſowie an die Koſten der vom Regierungsrat angeſchafften
transportablen Iſolierbaracke einen ſolchen von Fr. 1970 zuerkannt hat.

— Vom 30. Juni 1894.

Der vom Departement des Innern vorgelegte Vorſchlag betreffend
die Verteilung des Staatsbeitrages von Fr. 4700 an die Unterſtützung
blinder, taubſtummer und epileptiſcher Kinder wird vom Regierungsrate
gutgeheißen, ebenſo ein Beſchluß der evangeliſchen Ortsgenoſſenverſamm-
lung von Altſtätten betreffend geſonderte Verwaltung der Sekundarſchule
und der Waiſenſchule.

Nach Erledigung der laufenden Geſchäfte richtet Herr Landammann
Scherrer-Füllemann, der mit heutigem Tage aus dem Regierungsrate
ausſcheidet, einige Abſchiedsworte an die Mitgliedes des Rates, welche
von Herrn Landammann-Stellvertreter Dr. Ed. Scherrer erwidert und
verdankt werden.

Kathol. Adminiſtrationsrat.

Wahlen. Der
Adminiſtrationsrat hat in geſtriger Sitzung die Kommiſſionen
folgendermaßen beſtellt: 1. Verwaltungskommiſſion: Walliſer,
Dekan Kern, Dr. Mäder. 2. Realſchulkommiſſion: Walliſer,
Pfr. Tremp (neu), Kanonikus Caſanova, Konrektor Günten-
ſperger, Redaktor Baumberger, Staatsſchreiber Müller, Pfarrer
Eiſenring. 3. Bibliothekkommiſſion: Walliſer, Pfarrer Tremp,
biſchöfl. Kanzler Müller. 4. Thurhofkommiſſion: Walliſer, Pfr.
Oeſch (neu), Pfr. Wettenſchwiler, Dr. Mäder; das 5. Mitglied
wählt der hochwſt. Hr. Biſchof. — Für eine weitere Amtsdauer
wurden beſtätigt als Kaſſier Hr. Bezirksrichter Degen und als
Adjunkt Hr. Böſch.

[Abbildung]
Von der Thur.

(Korr.)

Der Herrgott hats doch wieder
gut gemeint! War das ein Jammern und Verzagen, als das erſehnte
Heuwetter ſo lange nicht eintreffen wollte! Und nun, 14 Tage nachher,
iſt alles Heu, ausgenommen das in den höhern Lagen, glücklich und un-
beregnet unter Dach gebracht, und die Heuſtöcke ſind ſo hoch getürmt,
wie ſeit Jahren nicht mehr. Bauer und Bäuerchen, die noch vor zwei
Wochen Geſichter ſchnitten, als ſei die Welt reif zum Untergange — ob-
wohl ſie das einem Faſtenprediger, hätte ein ſolcher es geſagt, niemals
geglaubt hätten — reiben ſich vergnügt die Hände und ſehen wieder ge-
troſt in die Zukunft. Von verſchiedenen einſichtigen Landwirten war
auch bei uns an der Thur dieſes Jahr zum erſtenmal der Verſuch ge-
macht werden, das Heu nicht mehr nach althergebrachtem Brauch zu
„birligen“, ſondern es an Pfählen, die mit verſchiedenen Querſproſſen
verſehen waren, aufzuhängen, ähnlich, wie das im Rheintal und Vorarl-
berg ſchon lange geſchieht. Wir glauben nicht, daß ſie dieſen Verſuch bereuen
werden; denn das auf dieſe Weiſe gehäufte Heu konnte trotz langer
Regenzeit ſchöner und ſchneller eingebracht werden als anderes, das wäh-
rend den ſchlimmen Tagen ebenfalls gelegen hatte. Die Obſtbäume zeigen
leider bedeutend geringeren Fruchtanſatz, als man urſprünglich meinte.
Die zwei Hagelwetter, die hier verüberzogen, ſcheinen doch mehr geſchadet
zu haben, als die erſte Beobachtung gelten laſſen wollte. Immerhin
darf auch in der Beziehung, wenn nun alles ganz bleibt, noch nicht von
einer ſchlechten Obſternte geſprochen werden, wenn nun gleich die Aeußer-
ungen verſchiedener Läſtermäuler in ihr Nichts zuſammenfallen, die da
meinten, es gebe viel zu viel Obſt, man löſe doch nichts daraus, habe
einzig Mühe und Arbeit aber kein Geld uſw. Nun haben die ärgſten
Schimpfer wenig Obſt, folglich auch wenig Geld und — auch wenig zu
trinken. Der wohlfeile Haustrunk, den ſie in zu früher Vorausſicht eines
überreichlichen Obſtſegens dem unbemittelten Arbeiter mißgönnten, geht
nun auch an ihrem Munde vorüber. Geſchieht ihnen recht, ſolchen Neid-
hämmeln, die ſogar beim Schoppen ſagten, man ſollte die Hälfte Bäume
umhauen, nur damit man per Ledi einen höhern Preis erziele. Wer
heutigentags noch ſo dumm iſt, daß er nicht einſieht, daß es Arbeitern,
Bauern und Herren am wohlſten iſt, wenn die Erde ihre Früchte in
reichlichſtem Maße hervorbringt, und daß ja immer einer vom andern
leben muß, der beweist, daß er wohl tief ins Glas, aber weniger tief in
die Weltlage hineingucken kann. — Die Reben blühen prächtig, und es
iſt eine Freude, jetzt durch die Weinberge zu wandeln. Ein herrlicher
Duft ſtrömt einem entgegen. Namentlich junges Holz zeigt guten Trauben-
ſchuß; das alte hätte mehr tun können. Das ſind ſo unſere Ernteaus-
ſichten bei uns an der Thur, von Lichtenſteig bis hinunter nach Nieder-
büren und Biſchofszell. — Wenn man ſo an Sonntagen auf der Land-
ſtraße dahinwandert, begegnet einem ein Velofahrer nach dem andern;
der eine tummelt ſich auf dem Hoch-, der andere auf dem Niederrad.
Das Velofahren hat überall einen unerhörten Aufſchwung genommen,
und wer ſeinen Mitmenſchen imponieren will, der muß bald per Strampel-
rad daherſauſen, der Geſchäftsreiſende zu ſeinen Kunden, der Arzt zu
Ohnmachten und Wunden, der Bienenvater zu Exkurſionen, der Geſelle
zu großen Portionen, der Lehrer zu Konferenzen, die Ausflügler zu Muſik
und Tänzen, der Pfarrer zu Predigt und Veſper, der Bauer zu Erdäpfeln
und Eſper. Leute, die per pedes apostolorum einherziehen, gelten bald
nichts mehr und gehören in den Zeiten des Telephons und der Velos
an jene alten lieben Stammtiſche, wo man der Eile mit Weile das Wort
redet und ſich dabei doch vergnügt fühlt.

Die Generalverſammlung der Toggen-
burgerbahn
fand Donnerſtag im „Rößle“ in Wattwil ſtatt.
Hauptmann W. Müller-Hafner von Wyl trug den Bericht der
Rechnungskommiſſion vor, welcher auf Genehmigung des ver-
waltungsrätlichen Antrages für Auszahlung einer Dividende von
Fr. 12. 50 per Aktie an die 5000 Staatsaktien und einer
ſolchen von 11 Fr. per Titel an die übrigen Aktionäre lautete.
[Spaltenumbruch] Die Verſammlung erhob den Antrag zum Beſchluſſe. Der vom
Verwaltungsrat geſtellte und von den Reviſoren empfohlene An-
trag für Kündung des Betriebsvertrages mit den Vereinigten
Schweizerbahnen auf 30. Juni 1895 wurde einſtimmig ange-
nommen. Dieſer Vertrag, wenn nicht am 30. Juni l. I. ge-
kündet, würde für weitere 5 Jahre gültig bleiben, was im Hin-
blick auf die in naher Zeit zu gewärtigenden Neuerungen (Bau
der Verbindungsbahn zwiſchen dem Toggenburg und dem Linth-
reſp. Seegebiet) als unzuläſſig erachtet wurde. Der Verwaltungs-
rat erhielt die nötige Vollmacht zum eventuellen Abſchluß eines
neuen Betriebsvertrages.

— ** Der Toggenburgiſche Verkehrsverein bringt
gegenwärtig einen recht hübſchen, ſorgfältig ausgeſtatteten Proſpekt
Toggenburg“ in Vertrieb. Das Titelblatt ſchmückt eine
prächtige Stauffacher’ſche Zeichnung von Alpenblumen. Fünf
ganzſeitige Bilder bringen die regſamen freundlichen Ortſchaften
Lichtenſteig, Wattwyl, Ebnat-Kappel, Neßlau-Neu St. Johann,
ſowie das Rietbad mit dem Säntis naturgetreu zur Darſtellung.
Ueberall ſind die dankbarſten Exkurſionen, die empfehlenswerteſten
Gaſthöfe rc. vorgemerkt. Mit Recht wird im Textteil betont,
daß alle die, welche ſchon die Gelegenheit wahrnahmen, im
Toggenburg kräftigende Erholung zu finden, ſeinen Liebreiz er-
kannt haben und daß ſie wiederkehren, wenn ſie ausruhen wollen
von des Jahres ſtrenger Arbeitspflicht, wenn ſie auch nur für
Stunden oder kurze Tage ein friedlich-frohes, von der Mutter
Natur mit ſegnender Hand geküßtes Gelände zu begrüßen ge-
denken. In der Tat! Das mattengrüne Toggenburg mit ſeinem
jovialen, freundlichen Völklein darf für wahrhaft erquickende
Sommerfriſchen wärmſtens empfohlen werden. Wir wünſchen
ihm pro 1894 regen Beſuch ſeitens unſerer Geſellſchaften und
Vereine, unſerer Touriſten und unſerer Ruhe- und Eryolungs-
bedürftigen jeder Art. Dort drinnen im wohligen Bergtal
läßt ſich’s froh leben und geſunden ohne die Schrecken einer
banghaften völligen Portemonnaie-Entleerung. Die Reſtaurations-
preiſe für Geſellſchaften rc., ſowie die Penſionspreiſe für Touriſten
und Kuranten ſind nämlich bei ſeriöſer Bedienung durchweg
auf beſcheidenſter Stufe gehalten. Bezüglich Empfang von
Proſpekten wollen ſich Intereſſenten an das Auskunftsbüreau
Lichtenſteig: C. G. Würth melden. Weitere Auskunftsſtellen
für Kuranten, Touriſten, Vereine rc. beſtehen in Wattwil: I.
Keller, Kappel: Dr. med. W. Scherrer, Neßlau: Dr. Kuhn jgr.

Wil.

(Korr.)

Die Theatergeſellſchaft Wil wird nächſte Faſtnacht
die Oper „Zar und Zimmermann“ zur Aufführung bringen. Bereits
ſind die Rollen ſo verteilt, ſo daß ſofort mit der Arbeit begonnen werden
kann. Gewiß wird die Wiederholung dieſer ſchönen Oper, die in hier
im Jahre 1868 über die Bretter ging, beim Publikum überall Anklang
finden. — Die ſchöne Sitte, die Frontſeiten der Häuſer kunſtvoll zu be-
malen, wie das in alten Zeiten vielfach Uebung war, findet in Wil wieder
immer mehr Anklang. Bereits bietet auf dem Hofplatze das Haus zum
Anker mit der ſchönen gotiſchen Faſſade und dem Bilde Arnold von
Winkelrieds, ſowie das große Haus von Herrn Stadtammann Bannwart
mit den reſtaurierten Malereien und den Bildniſſen ſämtlicher römiſcher
Kaiſer einen ſchönen Anblick dar. Nun wird laut Beſchluß des Gemeinde-
rates auch die Frontſeite des Gerichtshauſes nach einem künſtleriſch voll-
endeten Plane von Herrn Dekorationsmaler Huber in Wil bemalt; ebenſo
läßt Herr Chirurg Graf ſein Haus zu den „Dreikönigen“ in ähnlicher Weiſe
ausſchmücken und zwar von Hrn. Kunſtmaler Eichholzer in Bazenheid. Ein
ſolches Beſtreben von Seite von Behörden und Privaten, Kunſt und
Kunſtgewerbe zu fördern und einem fremden Beſucher zu zeigen, daß
man in dieſer Zeit des unruhigen Ringens und Haſtens nach Gelderwerb
den Sinn für Kunſt noch nicht verloren hat, verdient alle Anerkennung
und fordert zur Nachahmung auf.

Buchs.

Letzten Freitag mittag wurde der erſt 24
Jahre alte Mathias Schwendener, Angeſtellter der Veremigten
Schweizerbahnen, als er beim Einfahren eines Zuges noch ſchnell
über die Bahn eilen wollte, von dieſem überfahren und mitten
entzwei geſchnitten.

Heute Nachmittag brannte die
Rheinbrücke zwiſchen Haag und Bendern vollſtändig nieder.
Brandurſache unbekannt.

Bazenhaid.

Letzten Sonntag wurde die Einweihung
der erſten Glocke in dem bereits fertig erſtellten Chorturm in
hieſiger neuen Kirche unter Beteiligung der ganzen Bevölkerung
feierlich begangen. Dieſe vom Hochw. Herrn Pfarrer Buhler
geweihte Verſehglocke iſt ein Geſchenk von einem hochherzigen
Herrn aus dem Rheintal und ſtammt aus der Gießerei des
Herrn Egger in Staad.

Rorſchach.

Dr. Otto Zardetti, Erzbiſchof von Bu-
kareſt, iſt aus Amerika hier angekommen.

[Abbildung] Rapperswil.(Eingeſ.)

Die hieſige katholiſche
Kirchgemeinde iſt verwaist; denn Dienſtag den 26. Juni hat
der H.H. Stadtpfarrer Moosberger nach „vierjähriger, treuer,
unverdroſſener und eifriger Wirkſamkeit in Paſtoration und
Schule“ (Schreiben des löbl. Kirchenverwaltungsrates an den
H. H. Pfarrer) unter inniger Teilnahme und zum tiefen Be-
dauern aller Gutgeſinnten, die Roſenſtadt verlaſſen.

Dieſe Roſenſtadt hat ihm der Dornen viele geboten. Mit
Freude und Vertrauen hat er dieſelbe vor vier Jahren betreten,
alle Liebe und Sorge ihr gewidmet und darum ſchied er auch
nur ſchweren Herzens, nachdem einige ſeiner Pfatrkinder das
ihm ſein ohnedies ſchon ſchweres Amt noch ſchwieriger gemacht.
Er hat auch mit vielen materiellen Opfern für die Verſchönerung
des Gottesdienſtes geſorgt. Dieſer ſchnelle Pfarrwechſel gereicht
unter dieſen Umſtänden der Roſenſtadt wahrlich nicht zur Ehre.
Rapperswil mag ſich dafür bei jenen bedanken, die da in kirch-
liche Sachen hineintegieren wollten, die ſie nichts angingen.

Das Wochenblatt hat zwar gemeint, Moosberger habe ſich
in hieſige Verhaltniſſe nicht recht hineinleben töanen. Nun was
hat denn am meiſten Staub aufgewirbelt? Das entſchiedene
Eintreten Moosbergers für die Forderungen des Kirchengeſetzes.
Wenn aber das Kirchengeſetz übertreten wird, dann iſt es
nicht Sache des Pfarrers, zu den Geſetzesübertretungen zu
ſchweigen, ſondern Ordnung zu ſchaffen. Für eine ſolche
ſchwietige Arbeit gebührt einem Pfarrer nicht Tadel, ſondern
Dank. „Daß es der zukünftige Pfarrer ja mit der Cäcilia-
muſik nicht verderbe“! meint ein Einſender eines Blattes. Potz
Blitz, welche Majeſtät, dieſe unſere Caciliamuſik! Da muß
man ſich ernſtlich fragen: Hat denn ein Pfarrer als gehorſamer
Diener zu tun, was dieſer beliebt, oder iſt dieſe wie ſonſt in
der ganzen Welt, auch hier in Rapperswil für den Gottesdienſt
da? Ueber den Gottesdienſt aber hat nun einmal trotz Sträuden
und Toben der Pfarrer nach Recht und Geſetz zu verfügen.
Leuten, die bis dato nicht einmal im Allernotwendigſten den
kirchlichen Vo ſchriften Genüge geleiſtet haben, ſteht es doch
wahrlich ſchlecht an, dem Hrn. Pfarrer den Meiſter zeigen zu
wollen. Der H. H. Stadtpfa rer Moosberger wiro beim Ab-
ſchiede von der Gemeinde es erfahren haben, daß er in die Herzen
der Gutgeſinnten tiefer eingeſchrieben war und es auch bleibt,
[Spaltenumbruch] als er es geahnt und dieſes ſüße Bewußtſein wird auch bald
die Wunde heilen, welche die Roſenſtadt ihm geſchlagen. Möge
er an ſeinem neuen Wirkungskreiſe Oberriet willigere Herzen,
und größern Dank für ſeine Mühen und Sorgen finden.

Gaſter. (Eingeſ).

Wahlreſultat betreffend zwei
Erſatzmitglieder des Bezirksgerichtes Gaſter., Stimmen
erhielten die Herren:

[Tabelle]

Gültige Stimmen 974. Abſolutes Mehr von 488. Ge-
wählt ſind: Herr Präſid. Alois Kühne zur „Frohen Ausſicht“
in Benken und Herr Verwaltungs- und Schulrat Wilhelm
Tremp aus der Forſten, Gemeinde Rufi.

— * Uznach.

Bei denkbar ſchönſtem Wetter verreiste letzten
Sonntag Mittag der Cäcilienverein Uznach nach dem Rigi.
Die Südoſtbahn führte die muntere Sängerſchar nach Goldau. Fröh-
lich plaudernd und ſingend, da und dort raſtend, um das mitgenommene
Veſperbrod und etwa einen guten Tropfen zu ſich zu nehmen, ging es
den Berg hinan.

Doch, wenn auch ſteil iſt die Bahn,
Freudigen Mutes hinan!
Laßt euch vor ſteilem Weg nicht grauen,
Droben, da werden wir Herrliches ſchauen!

In 2½ Stunden war das Klöſterli und nach kurzem Aufenthalt
abends 7 Uhr Hotel Firſt erreicht. Wie ſüß ſchmeckte die Ruhepauſe
in den gaſtlichen Räumen des Hotels, wie mundete das treffliche Mahl
und wie hell und froh klangen die Lieder unſerer lebensfrohen Alpen-
ſänger und Sängerinnen. Sanft ſchlummernd ruhten ſie dann aus,
die müden Sänger, im weichen Federbette.

Montag morgens 3 Uhr, Abmarſch nach dem Kulm, wo wir um
4 Uhr anlangten.

Hier am Ziel, welches Gefühl!
Hoch über Täler und See’n zu ſtehen,
Friedlich umlauſcht von der Alpenluft Wehen,
Droben am Ziel, wie herrlich und ſtill.

Die weite, duftige Sternennacht, die über Firnen und Matten ge-
legen, weicht einem grauen Schleier. Jetzt, bald nach 4 Uhr, kommt
auf einmal eine Figur, erſt unbeſtimmt, dann ſchärfer geſtaltet hervor.
Es iſt hell und heller geworden; über unſeren lieben heimatlichen Bergen,
links dem Speer und Säntis, geht ein goldiger Streifen, der immer
breiter wird; die ſchneeigen Spitzen, namentlich die gegenüberliegenden
Berneralpen, welchſeln die Farbe, erſt indifferent weiß, dann gelblich,
bis ſie zuletzt in duftigem Roſa glühen: die Sonne, die große glühend-
rote Scheibe iſt emporgeſtiegen. Welch herrlicher, impoſanter Anblick!
Allgemein hörten wir ſagen, daß kaum ein hellerer klarerer Morgen
in dieſem Frühjahr auf dem Rigi erblickt wurde. — Der Kaffee im
Hotel Kulm ſchmeckte nun allen ausgezeichnet.

Nun fröhlicher Marſch nach dem Känzeli, Bewunderung der un-
vergleichlich lieblichen Ausſicht; Kaltbad, intereſſante Fahrt per Extra-
zug mit Geſang und Trompetenſchall nach Viznau, entzückend ſchöne
Fahrt nach Brunnen, vorzügliches, feines, beiſpiellos billiges Mittag-
eſſen bei unſerm freundlichen, ehemaligen Sangesbruder und
Tenoriſten Haggenmacher (Hotel Rößli); hochfeine Kahnfahrt auf dem
herrlichſten der See’n nach dem Rütli, dem vielbeſungenen „ſtillen
Gelände am See“, zu der Wiege unſeres lieben Vaterlandes. O wunder-
ſchönes Land, voll mächtigem Zauber für Alle, die dich ſehen. O Land,
unendlich lieb und teuer Allen, denen du die Heimat biſt!

Was Hände bauten, können Hände ſtürzen;
Das Haus der Freiheit hat uns Gott gegründet.

Nun luſtige, gemütliche Heimfahrt, Trompetenklag, Liederſchall,
fröhliches Lachen und Singen.

Sind wir auch nicht reich an Geld,
Iſt unſer doch die ſchöne Welt,
Weil wir ſie froh genießen.
Drum laßt uns traulich Hand in Hand,
Die Sängerfahrt durch’s Heimatland
Mit heiter’m Sinn beſchließen.

Auf dem Bahnhof Uznach großartiger Empfang von den Lieben zu
Hauſe, die Blechmuſikgeſellſchaft begleitet die fröhliche und noch recht
rüſtige Sängerſchar in liebenswürdigſter Weiſe mit klingendem Spiele
in’s Städtchen und zwei Lieder ſchließen die überaus gelungene, mit
keinem Mißton geſtörte Sängerreiſe.




Kantone.



Zürich.

Die Stadt Zürich zählt 206 Primarlehrer, 68
Sekundarlehter, 31 Fachlehre, 58 Arbeitslehrerinnen, 21 Lehrer
der höhern Töchterſchule und 97 Lehter der Gewerbeſchule, ſo
daß der ſtädtiſde Lehrkörper 481 Perſonen zählt. — So viele
Schulmeiſter und doch ſo wenig Subordination, ſo daß der ge-
fürchtete Sozialismus zu allen Poren herausſchwitzt!

Zürich.

Die kantonale Gewerbeausſtellung iſt nun-
mehr fertig und darf ſich in ihrer ganzen Schönheit ſehen laſſen.
Die Direktion der Nordoſtbahn hat den auswärtigen Beſuchern
auf ihrem Netz Vergünſtigungen eintreten laſſen und zwar, daß
die Retourbillete um einen Tag verlängert werden und auf den
Stationen, über 20 Kilometer von Zürich entfernt, an Wochen-
tagen Spezialretourbillets 2. und 3. Klaſſe zu ermäßigten Taxen
zur Ausgabe gelangen. Vorletzten Sonntag nahm auch der
kantonale Gewerbe- und Handwerkerverband Augenſchein von
ſeinem Werk und war von demſelben vollbefriedigt. Die ge-
ſamte Ausſtellung wurde im ganzen mit 170 000 Franken ſub-
ventioniert.

— Gegen die am 5. April 1894 erlaſſene allgemeine
Polizeiverordnung der Stadt Zürich, die ſog. Streikoerordnung,
hatte die Arbeiterpartei das Referendum ergriffen. Es ſind
aber bis zum Ablauf der Friſt nur 1346 Unterſchriften ein-
gegangen ſtatt der geſetzlich geforderten 2000; ſomit unterbleibt
die Gemeindeabſtimmung.

— Emanuel Isler in Wohlen erklärt in der „N. Z. Z.“
die Nichtannahme der Wahl als Verwaltungsrat der Nordoſt-
bahn, da ſeine Nomination ohne ſeinen Willen und ſein Wiſſen
erfolgt ſei, ebenſo G. Vogt.

Der geſiern beſammelte Bundes-
vorſtand des ſchweizeriſchen Aebeiterbundes beſchloß in motivierter
Reſolution, zur Zeit die Initiative betr. unentgeltliche Kranken-
pflege und Tabakmonopol fallen zu laſſen.

Der heutige ſchöne Sonntag brachte
der kantonalen Gewerbeausſtellung einen außerordentlich ſtarken
Beſuch. Derſelbe erreichte die Zahl 5400, mit Einſchluß des
Abendkonzertes 6500. Bisher wurden für ca. 30,000 Franken
Abonnementskarten verkauft.

Zürich.

Htec wird ein „ſchweizeriſcher Lehrertag“
gefeiert, zu dem ſich bereits über 2000 Lehrer angemeldet haben.
Der Gewinn wird groß ſein für das Schweizervolk!!

Bern.
Impfzwang.

Laut „Bund“ hat Donnerſtag
abends eine Verſammlung in Bern ſtattgefunden, in welcher
beſchloſſen wurde, eine Initiativbewegung für Aufhebung des

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meinten, es gebe viel zu viel Ob&#x017F;t, man lö&#x017F;e doch nichts daraus, habe<lb/>
einzig Mühe und Arbeit aber kein Geld u&#x017F;w. Nun haben die ärg&#x017F;ten<lb/>
Schimpfer wenig Ob&#x017F;t, folglich auch wenig Geld und &#x2014; auch wenig zu<lb/>
trinken. Der wohlfeile Haustrunk, den &#x017F;ie in zu früher Voraus&#x017F;icht eines<lb/>
überreichlichen Ob&#x017F;t&#x017F;egens dem unbemittelten Arbeiter mißgönnten, geht<lb/>
nun auch an ihrem Munde vorüber. Ge&#x017F;chieht ihnen recht, &#x017F;olchen Neid-<lb/>
hämmeln, die &#x017F;ogar beim Schoppen &#x017F;agten, man &#x017F;ollte die Hälfte Bäume<lb/>
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heutigentags noch &#x017F;o dumm i&#x017F;t, daß er nicht ein&#x017F;ieht, daß es Arbeitern,<lb/>
Bauern und Herren am wohl&#x017F;ten i&#x017F;t, wenn die Erde ihre Früchte in<lb/>
reichlich&#x017F;tem Maße hervorbringt, und daß ja immer einer vom andern<lb/>
leben muß, der beweist, daß er wohl tief ins Glas, aber weniger tief in<lb/>
die Weltlage hineingucken kann. &#x2014; Die Reben blühen prächtig, und es<lb/>
i&#x017F;t eine Freude, jetzt durch die Weinberge zu wandeln. Ein herrlicher<lb/>
Duft &#x017F;trömt einem entgegen. Namentlich junges Holz zeigt guten Trauben-<lb/>
&#x017F;chuß; das alte hätte mehr tun können. Das &#x017F;ind &#x017F;o un&#x017F;ere Ernteaus-<lb/>
&#x017F;ichten bei uns an der Thur, von Lichten&#x017F;teig bis hinunter nach Nieder-<lb/>
büren und Bi&#x017F;chofszell. &#x2014; Wenn man &#x017F;o an Sonntagen auf der Land-<lb/>
&#x017F;traße dahinwandert, begegnet einem ein Velofahrer nach dem andern;<lb/>
der eine tummelt &#x017F;ich auf dem Hoch-, der andere auf dem Niederrad.<lb/>
Das Velofahren hat überall einen unerhörten Auf&#x017F;chwung genommen,<lb/>
und wer &#x017F;einen Mitmen&#x017F;chen imponieren will, der <hi rendition="#g">muß</hi> bald per Strampel-<lb/>
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Ohnmachten und Wunden, der Bienenvater zu Exkur&#x017F;ionen, der Ge&#x017F;elle<lb/>
zu großen Portionen, der Lehrer zu Konferenzen, die Ausflügler zu Mu&#x017F;ik<lb/>
und Tänzen, der Pfarrer zu Predigt und Ve&#x017F;per, der Bauer zu Erdäpfeln<lb/>
und E&#x017F;per. Leute, die per <hi rendition="#aq">pedes apostolorum</hi> einherziehen, gelten bald<lb/>
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burgerbahn</hi> fand Donner&#x017F;tag im &#x201E;Rößle&#x201C; in Wattwil &#x017F;tatt.<lb/>
Hauptmann W. Müller-Hafner von Wyl trug den Bericht der<lb/>
Rechnungskommi&#x017F;&#x017F;ion vor, welcher auf Genehmigung des ver-<lb/>
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&#x017F;owie das Rietbad mit dem Säntis naturgetreu zur Dar&#x017F;tellung.<lb/>
Ueberall &#x017F;ind die dankbar&#x017F;ten Exkur&#x017F;ionen, die empfehlenswerte&#x017F;ten<lb/>
Ga&#x017F;thöfe rc. vorgemerkt. Mit Recht wird im Textteil betont,<lb/>
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Toggenburg kräftigende Erholung zu finden, &#x017F;einen Liebreiz er-<lb/>
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Natur mit &#x017F;egnender Hand geküßtes Gelände zu begrüßen ge-<lb/>
denken. In der Tat! Das mattengrüne Toggenburg mit &#x017F;einem<lb/>
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Sommerfri&#x017F;chen wärm&#x017F;tens empfohlen werden. Wir wün&#x017F;chen<lb/>
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bedürftigen jeder Art. Dort drinnen im wohligen Bergtal<lb/>
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und Kuranten &#x017F;ind nämlich bei &#x017F;eriö&#x017F;er Bedienung durchweg<lb/>
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Pro&#x017F;pekten wollen &#x017F;ich Intere&#x017F;&#x017F;enten an das Auskunftsbüreau<lb/>
Lichten&#x017F;teig: C. G. Würth melden. Weitere Auskunfts&#x017F;tellen<lb/>
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Keller, Kappel: Dr. med. W. Scherrer, Neßlau: Dr. Kuhn jgr.</p>
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&#x017F;ind die Rollen &#x017F;o verteilt, &#x017F;o daß &#x017F;ofort mit der Arbeit begonnen werden<lb/>
kann. Gewiß wird die Wiederholung die&#x017F;er &#x017F;chönen Oper, die in hier<lb/>
im Jahre 1868 über die Bretter ging, beim Publikum überall Anklang<lb/>
finden. &#x2014; Die &#x017F;chöne Sitte, die Front&#x017F;eiten der Häu&#x017F;er kun&#x017F;tvoll zu be-<lb/>
malen, wie das in alten Zeiten vielfach Uebung war, findet in Wil wieder<lb/>
immer mehr Anklang. Bereits bietet auf dem Hofplatze das Haus zum<lb/>
Anker mit der &#x017F;chönen goti&#x017F;chen Fa&#x017F;&#x017F;ade und dem Bilde Arnold von<lb/>
Winkelrieds, &#x017F;owie das große Haus von Herrn Stadtammann Bannwart<lb/>
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Kai&#x017F;er einen &#x017F;chönen Anblick dar. Nun wird laut Be&#x017F;chluß des Gemeinde-<lb/>
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&#x017F;olches Be&#x017F;treben von Seite von Behörden und Privaten, Kun&#x017F;t und<lb/>
Kun&#x017F;tgewerbe zu fördern und einem fremden Be&#x017F;ucher zu zeigen, daß<lb/>
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Brandur&#x017F;ache unbekannt.</p>
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feierlich begangen. Die&#x017F;e vom Hochw. Herrn Pfarrer Buhler<lb/>
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Kirchgemeinde i&#x017F;t verwaist; denn Dien&#x017F;tag den 26. Juni hat<lb/>
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Rapperswil mag &#x017F;ich dafür bei jenen bedanken, die da in kirch-<lb/>
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Eintreten Moosbergers für die Forderungen des Kirchenge&#x017F;etzes.<lb/>
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kirchlichen Vo &#x017F;chriften Genüge gelei&#x017F;tet haben, &#x017F;teht es doch<lb/>
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Die Südo&#x017F;tbahn führte die muntere Sänger&#x017F;char nach Goldau. Fröh-<lb/>
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Allgemein hörten wir &#x017F;agen, daß kaum ein hellerer klarerer Morgen<lb/>
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zug mit Ge&#x017F;ang und Trompeten&#x017F;chall nach Viznau, entzückend &#x017F;chöne<lb/>
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Tenori&#x017F;ten Haggenmacher (Hotel Rößli); hochfeine Kahnfahrt auf dem<lb/>
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[2/0002] ſcheidemünzen in Rouleaux zu verpacken und ohne Beimiſchung von Münzen anderer Provenienz an die eidgenöſſiſche Staatskaſſe in Bern einzuſenden ſeien. Eine praktiſche Maßregel dürfte es ferner ſein, wenn Sie die Tages- und Lokalblätter ihres Kantons veranlaſſen wollten, vom 1. bis 24. Juli täglich an paſſender Stelle das pro memoria zu bringen, daß der 24. Juli der letzte Tag für die Einzahlung der öffentlichen Kaſſen ſei. — Nationalrat. Ohne Diskuſſion wird nach dem Referat von Urſprung dem Poſtulat des Ständerates zugeſtimmt, daß der Bundesrat die Frage prüfen und bei der nächſten Büdgetberatung darüber Bericht erſtatten ſolle, wie den im Dienſte und infolge des Dienſtes erkrankten Wehrmännern die gleichen Vergünſtigungen gewährt werden können, wie zur Zeit den gegen Unfall verſicherten Wehrmännern. (Das Aus- gaben-Bedürfnis wird auf 30,000 Fr. berechnet). — Wahrheit. Das liberale „Zofinger Tagblatt“ ruft anläßlich der Ermordung des franzöſiſchen Präſidenten Carnot aus: „So weit brachten wir es mit all unſerer Geiſtesbildung, unſerer Wiſſenſchaft und ins Unendliche geſteigerten Kultur!“ Sehr wahr, eine Bildung ohne religiöſen Halt muß notwendig ſolche Früchte zeitigen; das lehrte und lehrt uns die tägliche Erfahrung. Aber trotz alldem will es der heutige Liberalismus nicht einſehen, daß ein konfeſſions- und religionsloſer Staat ſich ſelbſt zu grunde richtet! — Nach der Berufszählung, die mit der eidgenöſſiſchen Volkszählung von Ende 1888 verbunden war, hat die Schweiz nicht mehr als 85 649 Fabrilarbeiter, dh. genau 10 Prozent aller beruflich beſchäftigten Männer. St. Galliſches — Regierungsratsverhandlungen vom 29. Juni 1894: Im Hinblick auf das mit 1. Juli in Kraft tretende Geſetz über die Organiſation des Sanitätsweſens trifft der Regierungsrat die Anordnung, daß die bisherigen Funktionäre der Bezirksphyſikate eingeladen werden, bis Ende Auguſt, bezw. bis nach Neubeſtellung dieſer Behörden ihre amt- lichen Funktionen fortzuſetzen und daß die Vorſchriften des Geſetzes bis zum Erlaß der vorgeſehenen Vollzugsverordnung zum erſtgenannten Ge- ſetz als regierungsrätliche Verordnung in Giltigkeit verbleiben. Der Regierungsrat erhält Kenntnis, daß das eidgenöſſiſche Eiſen- bahndepartement der Planvorlage der Direktion der Vereinigten Schweizer- bahnen betreffend das Aufnahmsgebäude in Rapperswil mit einigen Mo- difikationen die Genehmigung erteilt und der ſchweizeriſche Bundesrat an die Bankoſten des Abſonderungshauſes in Ragaz einen Bundesbeitrag von Fr. 5000, ſowie an die Koſten der vom Regierungsrat angeſchafften transportablen Iſolierbaracke einen ſolchen von Fr. 1970 zuerkannt hat. — Vom 30. Juni 1894. Der vom Departement des Innern vorgelegte Vorſchlag betreffend die Verteilung des Staatsbeitrages von Fr. 4700 an die Unterſtützung blinder, taubſtummer und epileptiſcher Kinder wird vom Regierungsrate gutgeheißen, ebenſo ein Beſchluß der evangeliſchen Ortsgenoſſenverſamm- lung von Altſtätten betreffend geſonderte Verwaltung der Sekundarſchule und der Waiſenſchule. Nach Erledigung der laufenden Geſchäfte richtet Herr Landammann Scherrer-Füllemann, der mit heutigem Tage aus dem Regierungsrate ausſcheidet, einige Abſchiedsworte an die Mitgliedes des Rates, welche von Herrn Landammann-Stellvertreter Dr. Ed. Scherrer erwidert und verdankt werden. — Kathol. Adminiſtrationsrat. Wahlen. Der Adminiſtrationsrat hat in geſtriger Sitzung die Kommiſſionen folgendermaßen beſtellt: 1. Verwaltungskommiſſion: Walliſer, Dekan Kern, Dr. Mäder. 2. Realſchulkommiſſion: Walliſer, Pfr. Tremp (neu), Kanonikus Caſanova, Konrektor Günten- ſperger, Redaktor Baumberger, Staatsſchreiber Müller, Pfarrer Eiſenring. 3. Bibliothekkommiſſion: Walliſer, Pfarrer Tremp, biſchöfl. Kanzler Müller. 4. Thurhofkommiſſion: Walliſer, Pfr. Oeſch (neu), Pfr. Wettenſchwiler, Dr. Mäder; das 5. Mitglied wählt der hochwſt. Hr. Biſchof. — Für eine weitere Amtsdauer wurden beſtätigt als Kaſſier Hr. Bezirksrichter Degen und als Adjunkt Hr. Böſch. [Abbildung] Von der Thur. (Korr.) Der Herrgott hats doch wieder gut gemeint! War das ein Jammern und Verzagen, als das erſehnte Heuwetter ſo lange nicht eintreffen wollte! Und nun, 14 Tage nachher, iſt alles Heu, ausgenommen das in den höhern Lagen, glücklich und un- beregnet unter Dach gebracht, und die Heuſtöcke ſind ſo hoch getürmt, wie ſeit Jahren nicht mehr. Bauer und Bäuerchen, die noch vor zwei Wochen Geſichter ſchnitten, als ſei die Welt reif zum Untergange — ob- wohl ſie das einem Faſtenprediger, hätte ein ſolcher es geſagt, niemals geglaubt hätten — reiben ſich vergnügt die Hände und ſehen wieder ge- troſt in die Zukunft. Von verſchiedenen einſichtigen Landwirten war auch bei uns an der Thur dieſes Jahr zum erſtenmal der Verſuch ge- macht werden, das Heu nicht mehr nach althergebrachtem Brauch zu „birligen“, ſondern es an Pfählen, die mit verſchiedenen Querſproſſen verſehen waren, aufzuhängen, ähnlich, wie das im Rheintal und Vorarl- berg ſchon lange geſchieht. Wir glauben nicht, daß ſie dieſen Verſuch bereuen werden; denn das auf dieſe Weiſe gehäufte Heu konnte trotz langer Regenzeit ſchöner und ſchneller eingebracht werden als anderes, das wäh- rend den ſchlimmen Tagen ebenfalls gelegen hatte. Die Obſtbäume zeigen leider bedeutend geringeren Fruchtanſatz, als man urſprünglich meinte. Die zwei Hagelwetter, die hier verüberzogen, ſcheinen doch mehr geſchadet zu haben, als die erſte Beobachtung gelten laſſen wollte. Immerhin darf auch in der Beziehung, wenn nun alles ganz bleibt, noch nicht von einer ſchlechten Obſternte geſprochen werden, wenn nun gleich die Aeußer- ungen verſchiedener Läſtermäuler in ihr Nichts zuſammenfallen, die da meinten, es gebe viel zu viel Obſt, man löſe doch nichts daraus, habe einzig Mühe und Arbeit aber kein Geld uſw. Nun haben die ärgſten Schimpfer wenig Obſt, folglich auch wenig Geld und — auch wenig zu trinken. Der wohlfeile Haustrunk, den ſie in zu früher Vorausſicht eines überreichlichen Obſtſegens dem unbemittelten Arbeiter mißgönnten, geht nun auch an ihrem Munde vorüber. Geſchieht ihnen recht, ſolchen Neid- hämmeln, die ſogar beim Schoppen ſagten, man ſollte die Hälfte Bäume umhauen, nur damit man per Ledi einen höhern Preis erziele. Wer heutigentags noch ſo dumm iſt, daß er nicht einſieht, daß es Arbeitern, Bauern und Herren am wohlſten iſt, wenn die Erde ihre Früchte in reichlichſtem Maße hervorbringt, und daß ja immer einer vom andern leben muß, der beweist, daß er wohl tief ins Glas, aber weniger tief in die Weltlage hineingucken kann. — Die Reben blühen prächtig, und es iſt eine Freude, jetzt durch die Weinberge zu wandeln. Ein herrlicher Duft ſtrömt einem entgegen. Namentlich junges Holz zeigt guten Trauben- ſchuß; das alte hätte mehr tun können. Das ſind ſo unſere Ernteaus- ſichten bei uns an der Thur, von Lichtenſteig bis hinunter nach Nieder- büren und Biſchofszell. — Wenn man ſo an Sonntagen auf der Land- ſtraße dahinwandert, begegnet einem ein Velofahrer nach dem andern; der eine tummelt ſich auf dem Hoch-, der andere auf dem Niederrad. Das Velofahren hat überall einen unerhörten Aufſchwung genommen, und wer ſeinen Mitmenſchen imponieren will, der muß bald per Strampel- rad daherſauſen, der Geſchäftsreiſende zu ſeinen Kunden, der Arzt zu Ohnmachten und Wunden, der Bienenvater zu Exkurſionen, der Geſelle zu großen Portionen, der Lehrer zu Konferenzen, die Ausflügler zu Muſik und Tänzen, der Pfarrer zu Predigt und Veſper, der Bauer zu Erdäpfeln und Eſper. Leute, die per pedes apostolorum einherziehen, gelten bald nichts mehr und gehören in den Zeiten des Telephons und der Velos an jene alten lieben Stammtiſche, wo man der Eile mit Weile das Wort redet und ſich dabei doch vergnügt fühlt. — Die Generalverſammlung der Toggen- burgerbahn fand Donnerſtag im „Rößle“ in Wattwil ſtatt. Hauptmann W. Müller-Hafner von Wyl trug den Bericht der Rechnungskommiſſion vor, welcher auf Genehmigung des ver- waltungsrätlichen Antrages für Auszahlung einer Dividende von Fr. 12. 50 per Aktie an die 5000 Staatsaktien und einer ſolchen von 11 Fr. per Titel an die übrigen Aktionäre lautete. Die Verſammlung erhob den Antrag zum Beſchluſſe. Der vom Verwaltungsrat geſtellte und von den Reviſoren empfohlene An- trag für Kündung des Betriebsvertrages mit den Vereinigten Schweizerbahnen auf 30. Juni 1895 wurde einſtimmig ange- nommen. Dieſer Vertrag, wenn nicht am 30. Juni l. I. ge- kündet, würde für weitere 5 Jahre gültig bleiben, was im Hin- blick auf die in naher Zeit zu gewärtigenden Neuerungen (Bau der Verbindungsbahn zwiſchen dem Toggenburg und dem Linth- reſp. Seegebiet) als unzuläſſig erachtet wurde. Der Verwaltungs- rat erhielt die nötige Vollmacht zum eventuellen Abſchluß eines neuen Betriebsvertrages. — ** Der Toggenburgiſche Verkehrsverein bringt gegenwärtig einen recht hübſchen, ſorgfältig ausgeſtatteten Proſpekt „Toggenburg“ in Vertrieb. Das Titelblatt ſchmückt eine prächtige Stauffacher’ſche Zeichnung von Alpenblumen. Fünf ganzſeitige Bilder bringen die regſamen freundlichen Ortſchaften Lichtenſteig, Wattwyl, Ebnat-Kappel, Neßlau-Neu St. Johann, ſowie das Rietbad mit dem Säntis naturgetreu zur Darſtellung. Ueberall ſind die dankbarſten Exkurſionen, die empfehlenswerteſten Gaſthöfe rc. vorgemerkt. Mit Recht wird im Textteil betont, daß alle die, welche ſchon die Gelegenheit wahrnahmen, im Toggenburg kräftigende Erholung zu finden, ſeinen Liebreiz er- kannt haben und daß ſie wiederkehren, wenn ſie ausruhen wollen von des Jahres ſtrenger Arbeitspflicht, wenn ſie auch nur für Stunden oder kurze Tage ein friedlich-frohes, von der Mutter Natur mit ſegnender Hand geküßtes Gelände zu begrüßen ge- denken. In der Tat! Das mattengrüne Toggenburg mit ſeinem jovialen, freundlichen Völklein darf für wahrhaft erquickende Sommerfriſchen wärmſtens empfohlen werden. Wir wünſchen ihm pro 1894 regen Beſuch ſeitens unſerer Geſellſchaften und Vereine, unſerer Touriſten und unſerer Ruhe- und Eryolungs- bedürftigen jeder Art. Dort drinnen im wohligen Bergtal läßt ſich’s froh leben und geſunden ohne die Schrecken einer banghaften völligen Portemonnaie-Entleerung. Die Reſtaurations- preiſe für Geſellſchaften rc., ſowie die Penſionspreiſe für Touriſten und Kuranten ſind nämlich bei ſeriöſer Bedienung durchweg auf beſcheidenſter Stufe gehalten. Bezüglich Empfang von Proſpekten wollen ſich Intereſſenten an das Auskunftsbüreau Lichtenſteig: C. G. Würth melden. Weitere Auskunftsſtellen für Kuranten, Touriſten, Vereine rc. beſtehen in Wattwil: I. Keller, Kappel: Dr. med. W. Scherrer, Neßlau: Dr. Kuhn jgr. — Wil. (Korr.) Die Theatergeſellſchaft Wil wird nächſte Faſtnacht die Oper „Zar und Zimmermann“ zur Aufführung bringen. Bereits ſind die Rollen ſo verteilt, ſo daß ſofort mit der Arbeit begonnen werden kann. Gewiß wird die Wiederholung dieſer ſchönen Oper, die in hier im Jahre 1868 über die Bretter ging, beim Publikum überall Anklang finden. — Die ſchöne Sitte, die Frontſeiten der Häuſer kunſtvoll zu be- malen, wie das in alten Zeiten vielfach Uebung war, findet in Wil wieder immer mehr Anklang. Bereits bietet auf dem Hofplatze das Haus zum Anker mit der ſchönen gotiſchen Faſſade und dem Bilde Arnold von Winkelrieds, ſowie das große Haus von Herrn Stadtammann Bannwart mit den reſtaurierten Malereien und den Bildniſſen ſämtlicher römiſcher Kaiſer einen ſchönen Anblick dar. Nun wird laut Beſchluß des Gemeinde- rates auch die Frontſeite des Gerichtshauſes nach einem künſtleriſch voll- endeten Plane von Herrn Dekorationsmaler Huber in Wil bemalt; ebenſo läßt Herr Chirurg Graf ſein Haus zu den „Dreikönigen“ in ähnlicher Weiſe ausſchmücken und zwar von Hrn. Kunſtmaler Eichholzer in Bazenheid. Ein ſolches Beſtreben von Seite von Behörden und Privaten, Kunſt und Kunſtgewerbe zu fördern und einem fremden Beſucher zu zeigen, daß man in dieſer Zeit des unruhigen Ringens und Haſtens nach Gelderwerb den Sinn für Kunſt noch nicht verloren hat, verdient alle Anerkennung und fordert zur Nachahmung auf. — Buchs. Letzten Freitag mittag wurde der erſt 24 Jahre alte Mathias Schwendener, Angeſtellter der Veremigten Schweizerbahnen, als er beim Einfahren eines Zuges noch ſchnell über die Bahn eilen wollte, von dieſem überfahren und mitten entzwei geſchnitten. — Gams, 29. Juni. Heute Nachmittag brannte die Rheinbrücke zwiſchen Haag und Bendern vollſtändig nieder. Brandurſache unbekannt. — Bazenhaid. Letzten Sonntag wurde die Einweihung der erſten Glocke in dem bereits fertig erſtellten Chorturm in hieſiger neuen Kirche unter Beteiligung der ganzen Bevölkerung feierlich begangen. Dieſe vom Hochw. Herrn Pfarrer Buhler geweihte Verſehglocke iſt ein Geſchenk von einem hochherzigen Herrn aus dem Rheintal und ſtammt aus der Gießerei des Herrn Egger in Staad. — Rorſchach. Dr. Otto Zardetti, Erzbiſchof von Bu- kareſt, iſt aus Amerika hier angekommen. — [Abbildung] Rapperswil.(Eingeſ.) Die hieſige katholiſche Kirchgemeinde iſt verwaist; denn Dienſtag den 26. Juni hat der H.H. Stadtpfarrer Moosberger nach „vierjähriger, treuer, unverdroſſener und eifriger Wirkſamkeit in Paſtoration und Schule“ (Schreiben des löbl. Kirchenverwaltungsrates an den H. H. Pfarrer) unter inniger Teilnahme und zum tiefen Be- dauern aller Gutgeſinnten, die Roſenſtadt verlaſſen. Dieſe Roſenſtadt hat ihm der Dornen viele geboten. Mit Freude und Vertrauen hat er dieſelbe vor vier Jahren betreten, alle Liebe und Sorge ihr gewidmet und darum ſchied er auch nur ſchweren Herzens, nachdem einige ſeiner Pfatrkinder das ihm ſein ohnedies ſchon ſchweres Amt noch ſchwieriger gemacht. Er hat auch mit vielen materiellen Opfern für die Verſchönerung des Gottesdienſtes geſorgt. Dieſer ſchnelle Pfarrwechſel gereicht unter dieſen Umſtänden der Roſenſtadt wahrlich nicht zur Ehre. Rapperswil mag ſich dafür bei jenen bedanken, die da in kirch- liche Sachen hineintegieren wollten, die ſie nichts angingen. Das Wochenblatt hat zwar gemeint, Moosberger habe ſich in hieſige Verhaltniſſe nicht recht hineinleben töanen. Nun was hat denn am meiſten Staub aufgewirbelt? Das entſchiedene Eintreten Moosbergers für die Forderungen des Kirchengeſetzes. Wenn aber das Kirchengeſetz übertreten wird, dann iſt es nicht Sache des Pfarrers, zu den Geſetzesübertretungen zu ſchweigen, ſondern Ordnung zu ſchaffen. Für eine ſolche ſchwietige Arbeit gebührt einem Pfarrer nicht Tadel, ſondern Dank. „Daß es der zukünftige Pfarrer ja mit der Cäcilia- muſik nicht verderbe“! meint ein Einſender eines Blattes. Potz Blitz, welche Majeſtät, dieſe unſere Caciliamuſik! Da muß man ſich ernſtlich fragen: Hat denn ein Pfarrer als gehorſamer Diener zu tun, was dieſer beliebt, oder iſt dieſe wie ſonſt in der ganzen Welt, auch hier in Rapperswil für den Gottesdienſt da? Ueber den Gottesdienſt aber hat nun einmal trotz Sträuden und Toben der Pfarrer nach Recht und Geſetz zu verfügen. Leuten, die bis dato nicht einmal im Allernotwendigſten den kirchlichen Vo ſchriften Genüge geleiſtet haben, ſteht es doch wahrlich ſchlecht an, dem Hrn. Pfarrer den Meiſter zeigen zu wollen. Der H. H. Stadtpfa rer Moosberger wiro beim Ab- ſchiede von der Gemeinde es erfahren haben, daß er in die Herzen der Gutgeſinnten tiefer eingeſchrieben war und es auch bleibt, als er es geahnt und dieſes ſüße Bewußtſein wird auch bald die Wunde heilen, welche die Roſenſtadt ihm geſchlagen. Möge er an ſeinem neuen Wirkungskreiſe Oberriet willigere Herzen, und größern Dank für ſeine Mühen und Sorgen finden. — Gaſter. (Eingeſ). Wahlreſultat betreffend zwei Erſatzmitglieder des Bezirksgerichtes Gaſter., Stimmen erhielten die Herren: Gültige Stimmen 974. Abſolutes Mehr von 488. Ge- wählt ſind: Herr Präſid. Alois Kühne zur „Frohen Ausſicht“ in Benken und Herr Verwaltungs- und Schulrat Wilhelm Tremp aus der Forſten, Gemeinde Rufi. — * Uznach. Bei denkbar ſchönſtem Wetter verreiste letzten Sonntag Mittag der Cäcilienverein Uznach nach dem Rigi. Die Südoſtbahn führte die muntere Sängerſchar nach Goldau. Fröh- lich plaudernd und ſingend, da und dort raſtend, um das mitgenommene Veſperbrod und etwa einen guten Tropfen zu ſich zu nehmen, ging es den Berg hinan. Doch, wenn auch ſteil iſt die Bahn, Freudigen Mutes hinan! Laßt euch vor ſteilem Weg nicht grauen, Droben, da werden wir Herrliches ſchauen! In 2½ Stunden war das Klöſterli und nach kurzem Aufenthalt abends 7 Uhr Hotel Firſt erreicht. Wie ſüß ſchmeckte die Ruhepauſe in den gaſtlichen Räumen des Hotels, wie mundete das treffliche Mahl und wie hell und froh klangen die Lieder unſerer lebensfrohen Alpen- ſänger und Sängerinnen. Sanft ſchlummernd ruhten ſie dann aus, die müden Sänger, im weichen Federbette. Montag morgens 3 Uhr, Abmarſch nach dem Kulm, wo wir um 4 Uhr anlangten. Hier am Ziel, welches Gefühl! Hoch über Täler und See’n zu ſtehen, Friedlich umlauſcht von der Alpenluft Wehen, Droben am Ziel, wie herrlich und ſtill. Die weite, duftige Sternennacht, die über Firnen und Matten ge- legen, weicht einem grauen Schleier. Jetzt, bald nach 4 Uhr, kommt auf einmal eine Figur, erſt unbeſtimmt, dann ſchärfer geſtaltet hervor. Es iſt hell und heller geworden; über unſeren lieben heimatlichen Bergen, links dem Speer und Säntis, geht ein goldiger Streifen, der immer breiter wird; die ſchneeigen Spitzen, namentlich die gegenüberliegenden Berneralpen, welchſeln die Farbe, erſt indifferent weiß, dann gelblich, bis ſie zuletzt in duftigem Roſa glühen: die Sonne, die große glühend- rote Scheibe iſt emporgeſtiegen. Welch herrlicher, impoſanter Anblick! Allgemein hörten wir ſagen, daß kaum ein hellerer klarerer Morgen in dieſem Frühjahr auf dem Rigi erblickt wurde. — Der Kaffee im Hotel Kulm ſchmeckte nun allen ausgezeichnet. Nun fröhlicher Marſch nach dem Känzeli, Bewunderung der un- vergleichlich lieblichen Ausſicht; Kaltbad, intereſſante Fahrt per Extra- zug mit Geſang und Trompetenſchall nach Viznau, entzückend ſchöne Fahrt nach Brunnen, vorzügliches, feines, beiſpiellos billiges Mittag- eſſen bei unſerm freundlichen, ehemaligen Sangesbruder und Tenoriſten Haggenmacher (Hotel Rößli); hochfeine Kahnfahrt auf dem herrlichſten der See’n nach dem Rütli, dem vielbeſungenen „ſtillen Gelände am See“, zu der Wiege unſeres lieben Vaterlandes. O wunder- ſchönes Land, voll mächtigem Zauber für Alle, die dich ſehen. O Land, unendlich lieb und teuer Allen, denen du die Heimat biſt! Was Hände bauten, können Hände ſtürzen; Das Haus der Freiheit hat uns Gott gegründet. Nun luſtige, gemütliche Heimfahrt, Trompetenklag, Liederſchall, fröhliches Lachen und Singen. Sind wir auch nicht reich an Geld, Iſt unſer doch die ſchöne Welt, Weil wir ſie froh genießen. Drum laßt uns traulich Hand in Hand, Die Sängerfahrt durch’s Heimatland Mit heiter’m Sinn beſchließen. Auf dem Bahnhof Uznach großartiger Empfang von den Lieben zu Hauſe, die Blechmuſikgeſellſchaft begleitet die fröhliche und noch recht rüſtige Sängerſchar in liebenswürdigſter Weiſe mit klingendem Spiele in’s Städtchen und zwei Lieder ſchließen die überaus gelungene, mit keinem Mißton geſtörte Sängerreiſe. Kantone. Zürich. Die Stadt Zürich zählt 206 Primarlehrer, 68 Sekundarlehter, 31 Fachlehre, 58 Arbeitslehrerinnen, 21 Lehrer der höhern Töchterſchule und 97 Lehter der Gewerbeſchule, ſo daß der ſtädtiſde Lehrkörper 481 Perſonen zählt. — So viele Schulmeiſter und doch ſo wenig Subordination, ſo daß der ge- fürchtete Sozialismus zu allen Poren herausſchwitzt! — Zürich. Die kantonale Gewerbeausſtellung iſt nun- mehr fertig und darf ſich in ihrer ganzen Schönheit ſehen laſſen. Die Direktion der Nordoſtbahn hat den auswärtigen Beſuchern auf ihrem Netz Vergünſtigungen eintreten laſſen und zwar, daß die Retourbillete um einen Tag verlängert werden und auf den Stationen, über 20 Kilometer von Zürich entfernt, an Wochen- tagen Spezialretourbillets 2. und 3. Klaſſe zu ermäßigten Taxen zur Ausgabe gelangen. Vorletzten Sonntag nahm auch der kantonale Gewerbe- und Handwerkerverband Augenſchein von ſeinem Werk und war von demſelben vollbefriedigt. Die ge- ſamte Ausſtellung wurde im ganzen mit 170 000 Franken ſub- ventioniert. — Gegen die am 5. April 1894 erlaſſene allgemeine Polizeiverordnung der Stadt Zürich, die ſog. Streikoerordnung, hatte die Arbeiterpartei das Referendum ergriffen. Es ſind aber bis zum Ablauf der Friſt nur 1346 Unterſchriften ein- gegangen ſtatt der geſetzlich geforderten 2000; ſomit unterbleibt die Gemeindeabſtimmung. — Emanuel Isler in Wohlen erklärt in der „N. Z. Z.“ die Nichtannahme der Wahl als Verwaltungsrat der Nordoſt- bahn, da ſeine Nomination ohne ſeinen Willen und ſein Wiſſen erfolgt ſei, ebenſo G. Vogt. — Zürich, 2. Juli. Der geſiern beſammelte Bundes- vorſtand des ſchweizeriſchen Aebeiterbundes beſchloß in motivierter Reſolution, zur Zeit die Initiative betr. unentgeltliche Kranken- pflege und Tabakmonopol fallen zu laſſen. — Zürich, 1. Juli. Der heutige ſchöne Sonntag brachte der kantonalen Gewerbeausſtellung einen außerordentlich ſtarken Beſuch. Derſelbe erreichte die Zahl 5400, mit Einſchluß des Abendkonzertes 6500. Bisher wurden für ca. 30,000 Franken Abonnementskarten verkauft. — Zürich. Htec wird ein „ſchweizeriſcher Lehrertag“ gefeiert, zu dem ſich bereits über 2000 Lehrer angemeldet haben. Der Gewinn wird groß ſein für das Schweizervolk!! Bern. Impfzwang. Laut „Bund“ hat Donnerſtag abends eine Verſammlung in Bern ſtattgefunden, in welcher beſchloſſen wurde, eine Initiativbewegung für Aufhebung des

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Benjamin Fiechter, Susanne Haaf: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat). (2018-01-26T13:38:42Z)
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Amelie Meister: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung. (2018-01-26T13:38:42Z)

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Zitationshilfe: St. Galler Volksblatt. Nr. 53, Uznach, 04. 07. 1894, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_stgaller53_1894/2>, abgerufen am 22.08.2019.