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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 225. Köln, 18. Februar 1849. Beilage.

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Beilage zu Nr. 225 der Neuen Rheinischen Zeitung.
Organ der Demokratie.
Sonntag 18. Februar 1849.
[Französische Republik]

[Fortsetzung] dem Titel (Union) der ehemaligen Quotidienne? Und diese unschuldigen Personen wollen sich schlagen, um das, was besteht, zu zerstören, unter dem Vorbehalt sich morgen wieder zu schlagen wegen dessen, was bestehen wird. -- So die "Republique."

Diese einen Augenblick gegen die Republik vereinigten "Männer der Ordnung", die Männer der verschiednen dynastischen Interessen fallen sich schon jetzt in die Haare, den Tag vor dem Siege. Die Republik wird sie um so spielender vernichten.

Paris, 15. Feb.

Proudhon's gerichtliche Verfolgung und die Berichte aus Italien bilden den Gegenstand aller Gespräche. (S. unten Italien.)

Nächst den beiden italienischen Republiken, welche den Brüsseler Verhandlungen eine ganz andere "Basis" geben durften, als die Verträge von 1815; beschäftigen sich alle Journale mehr oder weniger mit der Criminalisirung Proudhons, die in der gestrigen Nationalversammlung verhandelt wurde.

Die "Debats" wollen es mit dem Präsidenten Bonaparte nicht verderben, sie verhüllen ihr Antlitz und sagen:

"Wir haben von dem Diskours, den Proudhon zu seiner Vertheidigung aussprach, nichts zu sagen. Es ist nicht unsere Gewohnheit, uns in Prozesse zu mischen. Gute oder schlechte Vertheidigungsreden liegen außer dem Bereich der Kritik. Proudhon sprach gestern als Angeklagter. Dies gebietet uns Stillschweigen."

Der Constitutionnel protestirt gegen die Theorie, daß die Existenz der Präsidentschaft außerhalb der Nationalversammlung mit der Republikanischen Regierungsform unverträglich sei; ebenso daß das Zweikammersystem in der Republik ein Unsinn sei.

"La Presse" sagt: Proudhons dürre Worte lassen den Zuhörer kalt; seine Stimme hat Nichts, was die Seele bewegt. Dennoch dringt dieser Syllogismus wie die Spitze eines Messers in die Brust.

Die "Assemblee" sagt: "Wir fanden den Ton des sozialistischen Mahomeds herabgestimmt (NB. Proudhon war krank). Vergebens suchte er Höhen zu erklettern, die ihn gegen die Verfolgung schützen sollten. Aber die Versammlung riß den sozialistischen Ajax herunter, indem sie seine Criminalisirung mit großem Mehr gewährte etc.

Das Univers erklärt die Theorie Proudhons über die Stellung des Präsidenten im höchsten Grade staatsgefährlich und verfassungswidrig. Der Präsident sei kein bloßer Commis etc.

Der National frägt die Royalisten, ob sie von ihrem alten Grundsatze nicht endlich nachlassen werden? Der Präsident gouvernire, aber er herrsche nicht.

Siecle widerspricht der Behauptung Proudhons: daß ihm das Votum der motivirten Tagesordnung vom 3. Feb. volles Recht gegeben hätte, im Peuple auszurufen, das Ministerium sei gestürzt! Soweit gehe Hr. Perree nicht. Der Schluß der Proudhonschen Vertheidigung (daß er wohl bekämpft und widersprochen, aber nicht bestraft werden könne) dünkt ihm ein Streben nach päbstlicher Unfehlbarkeit, die er energisch bekämpft.

Courrier findet, daß bei Proudhon der Redner tiefer stehe als der Schriftsteller. Sein trockenes Organ finde bei Niemanden Anklang.

"Revolution" tadelt den Berg, daß er keine Sylbe zu Gunsten des Angeklagten gesprochen etc.

Reforme: "Statt sich in Proudhon angegriffen zu fühlen, überliefert die Nationalversammlung ihn dem Großschächter Baroche, der nun seinen Präsidialprozeß glücklich erhascht hat. Doch wird hoffentlich die Jury die Presse und die Volkssouveränetät zu wahren wissen.

Das Gebell der übrigen Journale übergehen wir.

-- Nationatversammlung. Sitzung vom 15. Febr. Anfang 1 1/4 Uhr. Präsident Marrast. Das Protokoll wird vorgelesen.

König überreicht eine zweite Petition aus Colmar, welche Wahrung des Vereinsrechts und Anklage der Minister verlangt.

Marrast: Ich werde noch heute der Versammlung vorschlagen, ihre Sitzungen schon Mittags zu beginnen, um noch eine Menge schwebender Anträge zu erledigen.

Pascal Duprat überreicht sein Gutacht[e]n über den beabsichtigten Preßprozeß gegen das Metzer Legitimistenblatt Le Voeu National. Der Ausschuß läßt den Antrag auf Verfolgung fallen. (Zum Druck überwiesen.

Die Versammlung geht nun zur Genehmigung mehrerer Lokal-Anträge über.

Leon Faucher, Minister des Innern, überreicht den Entwurf der Revolutionsfeier am 24. Februar. (Lesen Sie! Lesen Sie!) Faucher liest den Entwurf vor. Derselbe ordnet am 24. Febr. eine Art Requiem in allen Kirchen der Republik an und verschiebt die eigentliche Feier auf den 4. Mai, als dem Tage der öffentlichen Proklamation der Republik. (Stimmen links: Das ist eine Begräbnißfeier des 24. Febr. und keine Revolutionsfeier!) Faucher geht sehr entmuthigt auf seinen Platz in der Ministerbank zurück.

Flocon: Ich trage darauf an, daß der Antrag des Bürgers Portalis zur Diskussion gebracht und der des Ministers verworfen werde. Faucher's Programm sei eine Leichen- keine Revolutionsfeier. (Agitation.)

Eine lebhafte Debatte entspinnt sich zwischen Houel, Babaud Laribiere und Baze, der darauf anträgt, beide Programme an den Ausschuß des Innern zur Verschmelzung zu weisen und dem Ausschuß zu befehlen, sofort darüber zu berichten. (Angenommen.)

Der Ausschuß geht in seinen Saal ab.

An der Tagesordnung steht zunächst eine Petition der Februar-Verwundeten, die auf Rechnungsablegung über die für sie gesammelten Fonds dringen.

Frichon, Berichterstatter in der Sache, erzählt, daß die Beiträge 1,345,000 Franken erreichten, zu denen die provisor. Regierung 2 Millionen fügte. Die Rechnungsführung scheint richtig. Der Ausschuß beantragt Ueberweisung der sämmtlichen Quittungen an das Ministerium des Innern, um sie zu verifiziren.

Mortimer Ternaux, pariser Stadtrath, der die Sache gern zu neuem Skandal gegen Albert in Vincennes ausbrüten möchte, behauptet, mit jenen Geldern sei Unfug getrieben worden. Albert allein habe 70,000 Franken verausgabt, über die keine Quittungen vorlägen. (Oh! Oh!)

Faucher verspricht, als Minister des Innern, diese Angelegenheit zu reguliren.

Buchez: Es ist möglich, daß eine große Zahl Individuen die Aufmerksamkeit Alberts wünschten. Aber von Unterschleifen ist keine Spur. (An's Ministerium gewiesen.)

Emanuel Arago regt die von der Reaktion in Lyon gegen ihn gerichteten Angriffe an, als habe er als damaliger Kommissär tyrannisch eine Steuer von 75 Centimen erhoben u. s. w. Er sagt: 45,000 Arbeiter standen in der Guillotiere unter den Waffen und die Stadtkasse war leer. Die von mir erhobenen 500,000 Franken wurden in die Nat.-Bank-Komptoirs abgeführt. (Zur Tagesordnung! Zur Tagesordnung! Ihre Ehre ist gerettet!)

Die Versammlung geht zur 2. Deliberation des Wahlgesetzes über.

Art. I. des Wahlgesetzes lautet: "Zehn Tage nach Promulgation sind die Wahllisten in jeder Gemeinde durch den Maire anzulegen."

Wird nach kurzer Debatte an die Kommission zurückgewiesen, da seine Fassung der gestern beendigten Rateau-Lanjuinais-Debatte gemäß geändert werden müsse.

Art. II.: "Die Namen sind alphabetisch zu ordnen. Jeder Franzose, der 21 Jahre alt und mindestens 6 Monate in der Gemeinde ist, ist darauf zu setzen."

Champvaus schlägt vor: "Ein Jahr."

Wird verworfen. Art. II. geht durch.

Charton stellt den Zusatz: "Von 1855 an muß jeder stimmfähige Bürger lesen und schreiben können." (Gelächter.)

Freslon bekämpft den Antrag. Er sei hauptsächlich gegen die Bauern gerichtet, deren Uebergewicht man beim Allgemeinen Stimmrecht fürchte. (Ah! Ah!) Er solle das Fabrik- und Stadtproletariat begünstigen. (Lärm.)

Mehr bedurfte es nicht, um den Zusatz mit enormem Mehr zu verwerfen.

Art. III. schließt 1) die laut der Kriminalgesetze Verurtheilten, 2) die Wucherer, 3) die Blödsinnigen, 4) die Bankerouteurs und die sogenannten nicht Rehabilitirten aus.

Zu diesem Artikel werden nicht weniger als 12 Amendements gestellt.

Die weitere Debatte vorbehalten.

Artikel IV (die Affichache oder das Ankleben betreffend), wird angenommen.

Ebenso Artikel VI., VII. und VIII., die von den Förmlichkeiten handeln

Die Debatte wird unterbrochen.

1/4 vor 6 Uhr besteigt Babaud-Laribiere die Bühne mit dem verschmolzenen Rapport: "Der Ausschuß," beginnt er, "hat beide Programme geprüft und schlägt vor: a) der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage; b) am 24. Februar wohnt die Nationalversammlung, die Bürgerwehr, die Armee etc. einem Hochamte bei, das mit Kanonenschüssen angezeigt wird. (Oh! Oh! Stürmische Unterbrechung vom Berge.)

Flocon beantragt nachmalige Vorlesung der Entwürfe (Marrast liest den ersten Artieel vor. Taschereau unterstützt den ministeriellen Entwurf.

Flocon: Man solle der Ausschuss-Redaktion den Vorzug geben.

Dies geschieht und der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage und die Fauchersche Trauerfeier fällt ins Wasser.

Jonin beantragt Amnestie. Lagrange unterstützt dies. (Schluß 7Uhr.)

Ungarn.
*
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Großbritannien.
068 London, 15. Febr.

In der gestrigen Unterhaussitzung (deren Anfang wir schon in der gestrigen Nr. geben konnten) fuhr Labouchere fort, seine Resolution zur Bill behufs Abänderung der Schifffahrtsgesetze zu entwickeln. Den einen Theil der Resolution erläuterte er durch Beispiele: So solle z. B. ein nach London bestimmtes nordamerikanisches Schiff einen Theil seiner Ladung in Southampton löschen, dort die Ladung wieder vervollständigen und dann nach London segeln, aber nicht zwischen zwei englischen Häfen hin- und herfahren dürfen. Ferner: ein englisches oder fremdes aus einem britischen nach einem fremden Hafen fahrendes Schiff, dürfe einen zweiten britischen Hafen berühren und dort Güter nach einem dritten britischen Hafen einladen. Er schloß seine Rede durch die Mittheilung, daß der amerikanische Gesandte ihm versichert habe, die Vereinigten Staaten seien zu entsprechenden Konzessionen bereit. Daß sich der nämliche Widerstand, wie früher, von Seiten der Protektionisten zeigen würde, ließ sich voraussehen. Den heftigen Angriffen gegen die Grundsätze der Labouchereschen Resolution setzten die Freihandelsmänner energische Abwehr entgegen. Die Resolution wurde schließlich angenommen und die Erlaubniß zur Einbringung einer darauf basirten Bill ertheilt. Das Haus, dessen Sitzung um 12 Uhr Mittags begonnen, vertagte sich um 6 Uhr.

Die politischen Freunde Louis Blancs und Caussidiere's geben diesen beiden Volksrepräsentanten zu Ehren ein großes Bankett, an welchem sich auch die Chefs der republikanischen und sozialistischen Partei aus der Provinz betheiligten. Toaste und Reden folgten einander: sie wiesen sämmtlich auf den nahen Sieg der republikanischen Ideen hin.

Redakteur en chef Karl Marx.
Beilage zu Nr. 225 der Neuen Rheinischen Zeitung.
Organ der Demokratie.
Sonntag 18. Februar 1849.
[Französische Republik]

[Fortsetzung] dem Titel (Union) der ehemaligen Quotidienne? Und diese unschuldigen Personen wollen sich schlagen, um das, was besteht, zu zerstören, unter dem Vorbehalt sich morgen wieder zu schlagen wegen dessen, was bestehen wird. — So die „Republique.“

Diese einen Augenblick gegen die Republik vereinigten „Männer der Ordnung“, die Männer der verschiednen dynastischen Interessen fallen sich schon jetzt in die Haare, den Tag vor dem Siege. Die Republik wird sie um so spielender vernichten.

Paris, 15. Feb.

Proudhon's gerichtliche Verfolgung und die Berichte aus Italien bilden den Gegenstand aller Gespräche. (S. unten Italien.)

Nächst den beiden italienischen Republiken, welche den Brüsseler Verhandlungen eine ganz andere „Basis“ geben durften, als die Verträge von 1815; beschäftigen sich alle Journale mehr oder weniger mit der Criminalisirung Proudhons, die in der gestrigen Nationalversammlung verhandelt wurde.

Die „Débats“ wollen es mit dem Präsidenten Bonaparte nicht verderben, sie verhüllen ihr Antlitz und sagen:

„Wir haben von dem Diskours, den Proudhon zu seiner Vertheidigung aussprach, nichts zu sagen. Es ist nicht unsere Gewohnheit, uns in Prozesse zu mischen. Gute oder schlechte Vertheidigungsreden liegen außer dem Bereich der Kritik. Proudhon sprach gestern als Angeklagter. Dies gebietet uns Stillschweigen.“

Der Constitutionnel protestirt gegen die Theorie, daß die Existenz der Präsidentschaft außerhalb der Nationalversammlung mit der Republikanischen Regierungsform unverträglich sei; ebenso daß das Zweikammersystem in der Republik ein Unsinn sei.

„La Presse“ sagt: Proudhons dürre Worte lassen den Zuhörer kalt; seine Stimme hat Nichts, was die Seele bewegt. Dennoch dringt dieser Syllogismus wie die Spitze eines Messers in die Brust.

Die „Assemblée“ sagt: „Wir fanden den Ton des sozialistischen Mahomeds herabgestimmt (NB. Proudhon war krank). Vergebens suchte er Höhen zu erklettern, die ihn gegen die Verfolgung schützen sollten. Aber die Versammlung riß den sozialistischen Ajax herunter, indem sie seine Criminalisirung mit großem Mehr gewährte etc.

Das Univers erklärt die Theorie Proudhons über die Stellung des Präsidenten im höchsten Grade staatsgefährlich und verfassungswidrig. Der Präsident sei kein bloßer Commis etc.

Der National frägt die Royalisten, ob sie von ihrem alten Grundsatze nicht endlich nachlassen werden? Der Präsident gouvernire, aber er herrsche nicht.

Siècle widerspricht der Behauptung Proudhons: daß ihm das Votum der motivirten Tagesordnung vom 3. Feb. volles Recht gegeben hätte, im Peuple auszurufen, das Ministerium sei gestürzt! Soweit gehe Hr. Perrée nicht. Der Schluß der Proudhonschen Vertheidigung (daß er wohl bekämpft und widersprochen, aber nicht bestraft werden könne) dünkt ihm ein Streben nach päbstlicher Unfehlbarkeit, die er energisch bekämpft.

Courrier findet, daß bei Proudhon der Redner tiefer stehe als der Schriftsteller. Sein trockenes Organ finde bei Niemanden Anklang.

„Revolution“ tadelt den Berg, daß er keine Sylbe zu Gunsten des Angeklagten gesprochen etc.

Reforme: „Statt sich in Proudhon angegriffen zu fühlen, überliefert die Nationalversammlung ihn dem Großschächter Baroche, der nun seinen Präsidialprozeß glücklich erhascht hat. Doch wird hoffentlich die Jury die Presse und die Volkssouveränetät zu wahren wissen.

Das Gebell der übrigen Journale übergehen wir.

Nationatversammlung. Sitzung vom 15. Febr. Anfang 1 1/4 Uhr. Präsident Marrast. Das Protokoll wird vorgelesen.

König überreicht eine zweite Petition aus Colmar, welche Wahrung des Vereinsrechts und Anklage der Minister verlangt.

Marrast: Ich werde noch heute der Versammlung vorschlagen, ihre Sitzungen schon Mittags zu beginnen, um noch eine Menge schwebender Anträge zu erledigen.

Pascal Duprat überreicht sein Gutacht[e]n über den beabsichtigten Preßprozeß gegen das Metzer Legitimistenblatt Le Voeu National. Der Ausschuß läßt den Antrag auf Verfolgung fallen. (Zum Druck überwiesen.

Die Versammlung geht nun zur Genehmigung mehrerer Lokal-Anträge über.

Leon Faucher, Minister des Innern, überreicht den Entwurf der Revolutionsfeier am 24. Februar. (Lesen Sie! Lesen Sie!) Faucher liest den Entwurf vor. Derselbe ordnet am 24. Febr. eine Art Requiem in allen Kirchen der Republik an und verschiebt die eigentliche Feier auf den 4. Mai, als dem Tage der öffentlichen Proklamation der Republik. (Stimmen links: Das ist eine Begräbnißfeier des 24. Febr. und keine Revolutionsfeier!) Faucher geht sehr entmuthigt auf seinen Platz in der Ministerbank zurück.

Flocon: Ich trage darauf an, daß der Antrag des Bürgers Portalis zur Diskussion gebracht und der des Ministers verworfen werde. Faucher's Programm sei eine Leichen- keine Revolutionsfeier. (Agitation.)

Eine lebhafte Debatte entspinnt sich zwischen Houel, Babaud Laribière und Baze, der darauf anträgt, beide Programme an den Ausschuß des Innern zur Verschmelzung zu weisen und dem Ausschuß zu befehlen, sofort darüber zu berichten. (Angenommen.)

Der Ausschuß geht in seinen Saal ab.

An der Tagesordnung steht zunächst eine Petition der Februar-Verwundeten, die auf Rechnungsablegung über die für sie gesammelten Fonds dringen.

Frichon, Berichterstatter in der Sache, erzählt, daß die Beiträge 1,345,000 Franken erreichten, zu denen die provisor. Regierung 2 Millionen fügte. Die Rechnungsführung scheint richtig. Der Ausschuß beantragt Ueberweisung der sämmtlichen Quittungen an das Ministerium des Innern, um sie zu verifiziren.

Mortimer Ternaux, pariser Stadtrath, der die Sache gern zu neuem Skandal gegen Albert in Vincennes ausbrüten möchte, behauptet, mit jenen Geldern sei Unfug getrieben worden. Albert allein habe 70,000 Franken verausgabt, über die keine Quittungen vorlägen. (Oh! Oh!)

Faucher verspricht, als Minister des Innern, diese Angelegenheit zu reguliren.

Buchez: Es ist möglich, daß eine große Zahl Individuen die Aufmerksamkeit Alberts wünschten. Aber von Unterschleifen ist keine Spur. (An's Ministerium gewiesen.)

Emanuel Arago regt die von der Reaktion in Lyon gegen ihn gerichteten Angriffe an, als habe er als damaliger Kommissär tyrannisch eine Steuer von 75 Centimen erhoben u. s. w. Er sagt: 45,000 Arbeiter standen in der Guillotiere unter den Waffen und die Stadtkasse war leer. Die von mir erhobenen 500,000 Franken wurden in die Nat.-Bank-Komptoirs abgeführt. (Zur Tagesordnung! Zur Tagesordnung! Ihre Ehre ist gerettet!)

Die Versammlung geht zur 2. Deliberation des Wahlgesetzes über.

Art. I. des Wahlgesetzes lautet: „Zehn Tage nach Promulgation sind die Wahllisten in jeder Gemeinde durch den Maire anzulegen.“

Wird nach kurzer Debatte an die Kommission zurückgewiesen, da seine Fassung der gestern beendigten Rateau-Lanjuinais-Debatte gemäß geändert werden müsse.

Art. II.: „Die Namen sind alphabetisch zu ordnen. Jeder Franzose, der 21 Jahre alt und mindestens 6 Monate in der Gemeinde ist, ist darauf zu setzen.“

Champvaus schlägt vor: „Ein Jahr.“

Wird verworfen. Art. II. geht durch.

Charton stellt den Zusatz: „Von 1855 an muß jeder stimmfähige Bürger lesen und schreiben können.“ (Gelächter.)

Freslon bekämpft den Antrag. Er sei hauptsächlich gegen die Bauern gerichtet, deren Uebergewicht man beim Allgemeinen Stimmrecht fürchte. (Ah! Ah!) Er solle das Fabrik- und Stadtproletariat begünstigen. (Lärm.)

Mehr bedurfte es nicht, um den Zusatz mit enormem Mehr zu verwerfen.

Art. III. schließt 1) die laut der Kriminalgesetze Verurtheilten, 2) die Wucherer, 3) die Blödsinnigen, 4) die Bankerouteurs und die sogenannten nicht Rehabilitirten aus.

Zu diesem Artikel werden nicht weniger als 12 Amendements gestellt.

Die weitere Debatte vorbehalten.

Artikel IV (die Affichache oder das Ankleben betreffend), wird angenommen.

Ebenso Artikel VI., VII. und VIII., die von den Förmlichkeiten handeln

Die Debatte wird unterbrochen.

1/4 vor 6 Uhr besteigt Babaud-Laribiere die Bühne mit dem verschmolzenen Rapport: „Der Ausschuß,“ beginnt er, „hat beide Programme geprüft und schlägt vor: a) der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage; b) am 24. Februar wohnt die Nationalversammlung, die Bürgerwehr, die Armee etc. einem Hochamte bei, das mit Kanonenschüssen angezeigt wird. (Oh! Oh! Stürmische Unterbrechung vom Berge.)

Flocon beantragt nachmalige Vorlesung der Entwürfe (Marrast liest den ersten Artieel vor. Taschereau unterstützt den ministeriellen Entwurf.

Flocon: Man solle der Ausschuss-Redaktion den Vorzug geben.

Dies geschieht und der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage und die Fauchersche Trauerfeier fällt ins Wasser.

Jonin beantragt Amnestie. Lagrange unterstützt dies. (Schluß 7Uhr.)

Ungarn.
*
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Großbritannien.
068 London, 15. Febr.

In der gestrigen Unterhaussitzung (deren Anfang wir schon in der gestrigen Nr. geben konnten) fuhr Labouchère fort, seine Resolution zur Bill behufs Abänderung der Schifffahrtsgesetze zu entwickeln. Den einen Theil der Resolution erläuterte er durch Beispiele: So solle z. B. ein nach London bestimmtes nordamerikanisches Schiff einen Theil seiner Ladung in Southampton löschen, dort die Ladung wieder vervollständigen und dann nach London segeln, aber nicht zwischen zwei englischen Häfen hin- und herfahren dürfen. Ferner: ein englisches oder fremdes aus einem britischen nach einem fremden Hafen fahrendes Schiff, dürfe einen zweiten britischen Hafen berühren und dort Güter nach einem dritten britischen Hafen einladen. Er schloß seine Rede durch die Mittheilung, daß der amerikanische Gesandte ihm versichert habe, die Vereinigten Staaten seien zu entsprechenden Konzessionen bereit. Daß sich der nämliche Widerstand, wie früher, von Seiten der Protektionisten zeigen würde, ließ sich voraussehen. Den heftigen Angriffen gegen die Grundsätze der Labouchèreschen Resolution setzten die Freihandelsmänner energische Abwehr entgegen. Die Resolution wurde schließlich angenommen und die Erlaubniß zur Einbringung einer darauf basirten Bill ertheilt. Das Haus, dessen Sitzung um 12 Uhr Mittags begonnen, vertagte sich um 6 Uhr.

Die politischen Freunde Louis Blancs und Caussidière's geben diesen beiden Volksrepräsentanten zu Ehren ein großes Bankett, an welchem sich auch die Chefs der republikanischen und sozialistischen Partei aus der Provinz betheiligten. Toaste und Reden folgten einander: sie wiesen sämmtlich auf den nahen Sieg der republikanischen Ideen hin.

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          <p>Das Univers erklärt die Theorie Proudhons über die Stellung des Präsidenten im höchsten Grade staatsgefährlich und verfassungswidrig. Der Präsident sei kein bloßer Commis etc.</p>
          <p>Der National frägt die Royalisten, ob sie von ihrem alten Grundsatze nicht endlich nachlassen werden? Der Präsident gouvernire, aber er herrsche nicht.</p>
          <p>Siècle widerspricht der Behauptung Proudhons: daß ihm das Votum der motivirten Tagesordnung vom 3. Feb. volles Recht gegeben hätte, im Peuple auszurufen, das Ministerium sei gestürzt! Soweit gehe Hr. Perrée nicht. Der Schluß der Proudhonschen Vertheidigung (daß er wohl bekämpft und widersprochen, aber nicht bestraft werden könne) dünkt ihm ein Streben nach päbstlicher Unfehlbarkeit, die er energisch bekämpft.</p>
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          <p>Marrast: Ich werde noch heute der Versammlung vorschlagen, ihre Sitzungen schon Mittags zu beginnen, um noch eine Menge schwebender Anträge zu erledigen.</p>
          <p>Pascal Duprat überreicht sein Gutacht[e]n über den beabsichtigten Preßprozeß gegen das Metzer Legitimistenblatt Le Voeu National. Der Ausschuß läßt den Antrag auf Verfolgung fallen. (Zum Druck überwiesen.</p>
          <p>Die Versammlung geht nun zur Genehmigung mehrerer Lokal-Anträge über.</p>
          <p>Leon Faucher, Minister des Innern, überreicht den Entwurf der Revolutionsfeier am 24. Februar. (Lesen Sie! Lesen Sie!) Faucher liest den Entwurf vor. Derselbe ordnet am 24. Febr. eine Art Requiem in allen Kirchen der Republik an und verschiebt die eigentliche Feier auf den 4. Mai, als dem Tage der öffentlichen Proklamation der Republik. (Stimmen links: Das ist eine Begräbnißfeier des 24. Febr. und keine Revolutionsfeier!) Faucher geht sehr entmuthigt auf seinen Platz in der Ministerbank zurück.</p>
          <p>Flocon: Ich trage darauf an, daß der Antrag des Bürgers Portalis zur Diskussion gebracht und der des Ministers verworfen werde. Faucher's Programm sei eine Leichen- keine Revolutionsfeier. (Agitation.)</p>
          <p>Eine lebhafte Debatte entspinnt sich zwischen Houel, Babaud Laribière und Baze, der darauf anträgt, beide Programme an den Ausschuß des Innern zur Verschmelzung zu weisen und dem Ausschuß zu befehlen, sofort darüber zu berichten. (Angenommen.)</p>
          <p>Der Ausschuß geht in seinen Saal ab.</p>
          <p>An der Tagesordnung steht zunächst eine Petition der Februar-Verwundeten, die auf Rechnungsablegung über die für sie gesammelten Fonds dringen.</p>
          <p>Frichon, Berichterstatter in der Sache, erzählt, daß die Beiträge 1,345,000 Franken erreichten, zu denen die provisor. Regierung 2 Millionen fügte. Die Rechnungsführung scheint richtig. Der Ausschuß beantragt Ueberweisung der sämmtlichen Quittungen an das Ministerium des Innern, um sie zu verifiziren.</p>
          <p>Mortimer Ternaux, pariser Stadtrath, der die Sache gern zu neuem Skandal gegen Albert in Vincennes ausbrüten möchte, behauptet, mit jenen Geldern sei Unfug getrieben worden. Albert allein habe 70,000 Franken verausgabt, über die keine Quittungen vorlägen. (Oh! Oh!)</p>
          <p>Faucher verspricht, als Minister des Innern, diese Angelegenheit zu reguliren.</p>
          <p>Buchez: Es ist möglich, daß eine große Zahl Individuen die Aufmerksamkeit Alberts wünschten. Aber von Unterschleifen ist keine Spur. (An's Ministerium gewiesen.)</p>
          <p>Emanuel Arago regt die von der Reaktion in Lyon gegen ihn gerichteten Angriffe an, als habe er als damaliger Kommissär tyrannisch eine Steuer von 75 Centimen erhoben u. s. w. Er sagt: 45,000 Arbeiter standen in der Guillotiere unter den Waffen und die Stadtkasse war leer. Die von mir erhobenen 500,000 Franken wurden in die Nat.-Bank-Komptoirs abgeführt. (Zur Tagesordnung! Zur Tagesordnung! Ihre Ehre ist gerettet!)</p>
          <p>Die Versammlung geht zur 2. Deliberation des Wahlgesetzes über.</p>
          <p>Art. I. des Wahlgesetzes lautet: &#x201E;Zehn Tage nach Promulgation sind die Wahllisten in jeder Gemeinde durch den Maire anzulegen.&#x201C;</p>
          <p>Wird nach kurzer Debatte an die Kommission zurückgewiesen, da seine Fassung der gestern beendigten Rateau-Lanjuinais-Debatte gemäß geändert werden müsse.</p>
          <p>Art. II.: &#x201E;Die Namen sind alphabetisch zu ordnen. Jeder Franzose, der 21 Jahre alt und mindestens 6 Monate in der Gemeinde ist, ist darauf zu setzen.&#x201C;</p>
          <p>Champvaus schlägt vor: &#x201E;Ein Jahr.&#x201C;</p>
          <p>Wird verworfen. Art. II. geht durch.</p>
          <p>Charton stellt den Zusatz: &#x201E;Von 1855 an muß jeder stimmfähige Bürger lesen und schreiben können.&#x201C; (Gelächter.)</p>
          <p>Freslon bekämpft den Antrag. Er sei hauptsächlich gegen die Bauern gerichtet, deren Uebergewicht man beim Allgemeinen Stimmrecht fürchte. (Ah! Ah!) Er solle das Fabrik- und Stadtproletariat begünstigen. (Lärm.)</p>
          <p>Mehr bedurfte es nicht, um den Zusatz mit enormem Mehr zu verwerfen.</p>
          <p>Art. III. schließt 1) die laut der Kriminalgesetze Verurtheilten, 2) die Wucherer, 3) die Blödsinnigen, 4) die Bankerouteurs und die sogenannten nicht Rehabilitirten aus.</p>
          <p>Zu diesem Artikel werden nicht weniger als 12 Amendements gestellt.</p>
          <p>Die weitere Debatte vorbehalten.</p>
          <p>Artikel IV (die Affichache oder das Ankleben betreffend), wird angenommen.</p>
          <p>Ebenso Artikel VI., VII. und VIII., die von den Förmlichkeiten handeln</p>
          <p>Die Debatte wird unterbrochen.</p>
          <p>1/4 vor 6 Uhr besteigt Babaud-Laribiere die Bühne mit dem verschmolzenen Rapport: &#x201E;Der Ausschuß,&#x201C; beginnt er, &#x201E;hat beide Programme geprüft und schlägt vor: a) der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage; b) am 24. Februar wohnt die Nationalversammlung, die Bürgerwehr, die Armee etc. einem Hochamte bei, das mit Kanonenschüssen angezeigt wird. (Oh! Oh! Stürmische Unterbrechung vom Berge.)</p>
          <p>Flocon beantragt nachmalige Vorlesung der Entwürfe (Marrast liest den ersten Artieel vor. Taschereau unterstützt den ministeriellen Entwurf.</p>
          <p>Flocon: Man solle der Ausschuss-Redaktion den Vorzug geben.</p>
          <p>Dies geschieht und der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage und die Fauchersche Trauerfeier fällt ins Wasser.</p>
          <p>Jonin beantragt Amnestie. Lagrange unterstützt dies. (Schluß 7Uhr.)</p>
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        <head>Ungarn.</head>
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          <note type="editorial">Edition: <bibl>Friedrich Engels: Das zweiundzwanzigste Bulletin, vorgesehen für: MEGA<hi rendition="#sup">2</hi>, I/8.         </bibl>                </note>
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              <author>*</author>
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        <head>Großbritannien.</head>
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          <head><bibl><author>068</author></bibl> London, 15. Febr.</head>
          <p>In der gestrigen <hi rendition="#g">Unterhaussitzung</hi> (deren Anfang wir schon in der gestrigen Nr. geben konnten) fuhr Labouchère fort, seine Resolution zur Bill behufs Abänderung der Schifffahrtsgesetze zu entwickeln. Den einen Theil der Resolution erläuterte er durch Beispiele: So solle z. B. ein nach London bestimmtes nordamerikanisches Schiff einen Theil seiner Ladung in Southampton löschen, dort die Ladung wieder vervollständigen und dann nach London segeln, aber nicht zwischen zwei englischen Häfen hin- und herfahren dürfen. Ferner: ein englisches oder fremdes aus einem britischen nach einem fremden Hafen fahrendes Schiff, dürfe einen zweiten britischen Hafen berühren und dort Güter nach einem dritten britischen Hafen einladen. Er schloß seine Rede durch die Mittheilung, daß der amerikanische Gesandte ihm versichert habe, die Vereinigten Staaten seien zu entsprechenden Konzessionen bereit. Daß sich der nämliche Widerstand, wie früher, von Seiten der Protektionisten zeigen würde, ließ sich voraussehen. Den heftigen Angriffen gegen die Grundsätze der Labouchèreschen Resolution setzten die Freihandelsmänner energische Abwehr entgegen. Die Resolution wurde schließlich angenommen und die Erlaubniß zur Einbringung einer darauf basirten Bill ertheilt. Das Haus, dessen Sitzung um 12 Uhr Mittags begonnen, vertagte sich um 6 Uhr.</p>
          <p>Die politischen Freunde Louis Blancs und Caussidière's geben diesen beiden Volksrepräsentanten zu Ehren ein großes Bankett, an welchem sich auch die Chefs der republikanischen und sozialistischen Partei aus der Provinz betheiligten. Toaste und Reden folgten einander: sie wiesen sämmtlich auf den nahen Sieg der republikanischen Ideen hin.</p>
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        <bibl>Redakteur en chef <editor>Karl Marx.</editor>             </bibl>
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[1239/0001] Beilage zu Nr. 225 der Neuen Rheinischen Zeitung. Organ der Demokratie. Sonntag 18. Februar 1849. [Französische Republik] [Fortsetzung] dem Titel (Union) der ehemaligen Quotidienne? Und diese unschuldigen Personen wollen sich schlagen, um das, was besteht, zu zerstören, unter dem Vorbehalt sich morgen wieder zu schlagen wegen dessen, was bestehen wird. — So die „Republique.“ Diese einen Augenblick gegen die Republik vereinigten „Männer der Ordnung“, die Männer der verschiednen dynastischen Interessen fallen sich schon jetzt in die Haare, den Tag vor dem Siege. Die Republik wird sie um so spielender vernichten. Paris, 15. Feb. Proudhon's gerichtliche Verfolgung und die Berichte aus Italien bilden den Gegenstand aller Gespräche. (S. unten Italien.) Nächst den beiden italienischen Republiken, welche den Brüsseler Verhandlungen eine ganz andere „Basis“ geben durften, als die Verträge von 1815; beschäftigen sich alle Journale mehr oder weniger mit der Criminalisirung Proudhons, die in der gestrigen Nationalversammlung verhandelt wurde. Die „Débats“ wollen es mit dem Präsidenten Bonaparte nicht verderben, sie verhüllen ihr Antlitz und sagen: „Wir haben von dem Diskours, den Proudhon zu seiner Vertheidigung aussprach, nichts zu sagen. Es ist nicht unsere Gewohnheit, uns in Prozesse zu mischen. Gute oder schlechte Vertheidigungsreden liegen außer dem Bereich der Kritik. Proudhon sprach gestern als Angeklagter. Dies gebietet uns Stillschweigen.“ Der Constitutionnel protestirt gegen die Theorie, daß die Existenz der Präsidentschaft außerhalb der Nationalversammlung mit der Republikanischen Regierungsform unverträglich sei; ebenso daß das Zweikammersystem in der Republik ein Unsinn sei. „La Presse“ sagt: Proudhons dürre Worte lassen den Zuhörer kalt; seine Stimme hat Nichts, was die Seele bewegt. Dennoch dringt dieser Syllogismus wie die Spitze eines Messers in die Brust. Die „Assemblée“ sagt: „Wir fanden den Ton des sozialistischen Mahomeds herabgestimmt (NB. Proudhon war krank). Vergebens suchte er Höhen zu erklettern, die ihn gegen die Verfolgung schützen sollten. Aber die Versammlung riß den sozialistischen Ajax herunter, indem sie seine Criminalisirung mit großem Mehr gewährte etc. Das Univers erklärt die Theorie Proudhons über die Stellung des Präsidenten im höchsten Grade staatsgefährlich und verfassungswidrig. Der Präsident sei kein bloßer Commis etc. Der National frägt die Royalisten, ob sie von ihrem alten Grundsatze nicht endlich nachlassen werden? Der Präsident gouvernire, aber er herrsche nicht. Siècle widerspricht der Behauptung Proudhons: daß ihm das Votum der motivirten Tagesordnung vom 3. Feb. volles Recht gegeben hätte, im Peuple auszurufen, das Ministerium sei gestürzt! Soweit gehe Hr. Perrée nicht. Der Schluß der Proudhonschen Vertheidigung (daß er wohl bekämpft und widersprochen, aber nicht bestraft werden könne) dünkt ihm ein Streben nach päbstlicher Unfehlbarkeit, die er energisch bekämpft. Courrier findet, daß bei Proudhon der Redner tiefer stehe als der Schriftsteller. Sein trockenes Organ finde bei Niemanden Anklang. „Revolution“ tadelt den Berg, daß er keine Sylbe zu Gunsten des Angeklagten gesprochen etc. Reforme: „Statt sich in Proudhon angegriffen zu fühlen, überliefert die Nationalversammlung ihn dem Großschächter Baroche, der nun seinen Präsidialprozeß glücklich erhascht hat. Doch wird hoffentlich die Jury die Presse und die Volkssouveränetät zu wahren wissen. Das Gebell der übrigen Journale übergehen wir. — Nationatversammlung. Sitzung vom 15. Febr. Anfang 1 1/4 Uhr. Präsident Marrast. Das Protokoll wird vorgelesen. König überreicht eine zweite Petition aus Colmar, welche Wahrung des Vereinsrechts und Anklage der Minister verlangt. Marrast: Ich werde noch heute der Versammlung vorschlagen, ihre Sitzungen schon Mittags zu beginnen, um noch eine Menge schwebender Anträge zu erledigen. Pascal Duprat überreicht sein Gutacht[e]n über den beabsichtigten Preßprozeß gegen das Metzer Legitimistenblatt Le Voeu National. Der Ausschuß läßt den Antrag auf Verfolgung fallen. (Zum Druck überwiesen. Die Versammlung geht nun zur Genehmigung mehrerer Lokal-Anträge über. Leon Faucher, Minister des Innern, überreicht den Entwurf der Revolutionsfeier am 24. Februar. (Lesen Sie! Lesen Sie!) Faucher liest den Entwurf vor. Derselbe ordnet am 24. Febr. eine Art Requiem in allen Kirchen der Republik an und verschiebt die eigentliche Feier auf den 4. Mai, als dem Tage der öffentlichen Proklamation der Republik. (Stimmen links: Das ist eine Begräbnißfeier des 24. Febr. und keine Revolutionsfeier!) Faucher geht sehr entmuthigt auf seinen Platz in der Ministerbank zurück. Flocon: Ich trage darauf an, daß der Antrag des Bürgers Portalis zur Diskussion gebracht und der des Ministers verworfen werde. Faucher's Programm sei eine Leichen- keine Revolutionsfeier. (Agitation.) Eine lebhafte Debatte entspinnt sich zwischen Houel, Babaud Laribière und Baze, der darauf anträgt, beide Programme an den Ausschuß des Innern zur Verschmelzung zu weisen und dem Ausschuß zu befehlen, sofort darüber zu berichten. (Angenommen.) Der Ausschuß geht in seinen Saal ab. An der Tagesordnung steht zunächst eine Petition der Februar-Verwundeten, die auf Rechnungsablegung über die für sie gesammelten Fonds dringen. Frichon, Berichterstatter in der Sache, erzählt, daß die Beiträge 1,345,000 Franken erreichten, zu denen die provisor. Regierung 2 Millionen fügte. Die Rechnungsführung scheint richtig. Der Ausschuß beantragt Ueberweisung der sämmtlichen Quittungen an das Ministerium des Innern, um sie zu verifiziren. Mortimer Ternaux, pariser Stadtrath, der die Sache gern zu neuem Skandal gegen Albert in Vincennes ausbrüten möchte, behauptet, mit jenen Geldern sei Unfug getrieben worden. Albert allein habe 70,000 Franken verausgabt, über die keine Quittungen vorlägen. (Oh! Oh!) Faucher verspricht, als Minister des Innern, diese Angelegenheit zu reguliren. Buchez: Es ist möglich, daß eine große Zahl Individuen die Aufmerksamkeit Alberts wünschten. Aber von Unterschleifen ist keine Spur. (An's Ministerium gewiesen.) Emanuel Arago regt die von der Reaktion in Lyon gegen ihn gerichteten Angriffe an, als habe er als damaliger Kommissär tyrannisch eine Steuer von 75 Centimen erhoben u. s. w. Er sagt: 45,000 Arbeiter standen in der Guillotiere unter den Waffen und die Stadtkasse war leer. Die von mir erhobenen 500,000 Franken wurden in die Nat.-Bank-Komptoirs abgeführt. (Zur Tagesordnung! Zur Tagesordnung! Ihre Ehre ist gerettet!) Die Versammlung geht zur 2. Deliberation des Wahlgesetzes über. Art. I. des Wahlgesetzes lautet: „Zehn Tage nach Promulgation sind die Wahllisten in jeder Gemeinde durch den Maire anzulegen.“ Wird nach kurzer Debatte an die Kommission zurückgewiesen, da seine Fassung der gestern beendigten Rateau-Lanjuinais-Debatte gemäß geändert werden müsse. Art. II.: „Die Namen sind alphabetisch zu ordnen. Jeder Franzose, der 21 Jahre alt und mindestens 6 Monate in der Gemeinde ist, ist darauf zu setzen.“ Champvaus schlägt vor: „Ein Jahr.“ Wird verworfen. Art. II. geht durch. Charton stellt den Zusatz: „Von 1855 an muß jeder stimmfähige Bürger lesen und schreiben können.“ (Gelächter.) Freslon bekämpft den Antrag. Er sei hauptsächlich gegen die Bauern gerichtet, deren Uebergewicht man beim Allgemeinen Stimmrecht fürchte. (Ah! Ah!) Er solle das Fabrik- und Stadtproletariat begünstigen. (Lärm.) Mehr bedurfte es nicht, um den Zusatz mit enormem Mehr zu verwerfen. Art. III. schließt 1) die laut der Kriminalgesetze Verurtheilten, 2) die Wucherer, 3) die Blödsinnigen, 4) die Bankerouteurs und die sogenannten nicht Rehabilitirten aus. Zu diesem Artikel werden nicht weniger als 12 Amendements gestellt. Die weitere Debatte vorbehalten. Artikel IV (die Affichache oder das Ankleben betreffend), wird angenommen. Ebenso Artikel VI., VII. und VIII., die von den Förmlichkeiten handeln Die Debatte wird unterbrochen. 1/4 vor 6 Uhr besteigt Babaud-Laribiere die Bühne mit dem verschmolzenen Rapport: „Der Ausschuß,“ beginnt er, „hat beide Programme geprüft und schlägt vor: a) der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage; b) am 24. Februar wohnt die Nationalversammlung, die Bürgerwehr, die Armee etc. einem Hochamte bei, das mit Kanonenschüssen angezeigt wird. (Oh! Oh! Stürmische Unterbrechung vom Berge.) Flocon beantragt nachmalige Vorlesung der Entwürfe (Marrast liest den ersten Artieel vor. Taschereau unterstützt den ministeriellen Entwurf. Flocon: Man solle der Ausschuss-Redaktion den Vorzug geben. Dies geschieht und der 24. Februar und 4. Mai sind Nationalfeiertage und die Fauchersche Trauerfeier fällt ins Wasser. Jonin beantragt Amnestie. Lagrange unterstützt dies. (Schluß 7Uhr.) Ungarn. * _ Großbritannien. 068 London, 15. Febr. In der gestrigen Unterhaussitzung (deren Anfang wir schon in der gestrigen Nr. geben konnten) fuhr Labouchère fort, seine Resolution zur Bill behufs Abänderung der Schifffahrtsgesetze zu entwickeln. Den einen Theil der Resolution erläuterte er durch Beispiele: So solle z. B. ein nach London bestimmtes nordamerikanisches Schiff einen Theil seiner Ladung in Southampton löschen, dort die Ladung wieder vervollständigen und dann nach London segeln, aber nicht zwischen zwei englischen Häfen hin- und herfahren dürfen. Ferner: ein englisches oder fremdes aus einem britischen nach einem fremden Hafen fahrendes Schiff, dürfe einen zweiten britischen Hafen berühren und dort Güter nach einem dritten britischen Hafen einladen. Er schloß seine Rede durch die Mittheilung, daß der amerikanische Gesandte ihm versichert habe, die Vereinigten Staaten seien zu entsprechenden Konzessionen bereit. Daß sich der nämliche Widerstand, wie früher, von Seiten der Protektionisten zeigen würde, ließ sich voraussehen. Den heftigen Angriffen gegen die Grundsätze der Labouchèreschen Resolution setzten die Freihandelsmänner energische Abwehr entgegen. Die Resolution wurde schließlich angenommen und die Erlaubniß zur Einbringung einer darauf basirten Bill ertheilt. Das Haus, dessen Sitzung um 12 Uhr Mittags begonnen, vertagte sich um 6 Uhr. Die politischen Freunde Louis Blancs und Caussidière's geben diesen beiden Volksrepräsentanten zu Ehren ein großes Bankett, an welchem sich auch die Chefs der republikanischen und sozialistischen Partei aus der Provinz betheiligten. Toaste und Reden folgten einander: sie wiesen sämmtlich auf den nahen Sieg der republikanischen Ideen hin. Redakteur en chef Karl Marx.

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Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jürgen Herres: Konvertierung TUSTEP nach XML (2017-03-20T13:08:10Z)
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Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 2 (Nummer 184 bis Nummer 301) Köln, 1. Januar 1849 bis 19. Mai 1849. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 225. Köln, 18. Februar 1849. Beilage, S. 1239. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz225b_1849/1>, abgerufen am 22.09.2019.