Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Neue Rheinische Zeitung. Nr. 206. Köln, 27. Januar 1849. Beilage.

Bild:
erste Seite
Beilage zu Nr. 206 der Neuen Rheinischen Zeitung.
Organ der Demokratie.
Samstag 27. Januar 1849.
[Amerika]

[Fortsetzung] auf Kosten des Staats, der übrigen Bürger, zu existiren. (Auf diese Behaglichkeit versteht man sich im christlich-germanischen Europa noch ganz anders!)

In New-Orleans wüthete die Cholera fort.

Der Handel in Getreide, Mehl etc. ging wieder äußerst lebhaft und die Preise waren etwas höher gegangen.

Zum Schluß erwähne ich noch, daß im Senat der Vereinigten Staaten kürzlich von einem Mitgliede wegen Cuba interpellirt und der Antrag gestellt wurde, der Präsident Polk solle die mit der spanischen Regierung wegen käuflicher Ueberlassung der Insel Cuba gepflogenen Korrespondenzen dem Hause vorlegen.

Der Senator Rusk (Texas) unterbrach den Antragsteller, Mr. Miller, mit der Frage, ob letzterer an das Vorhandensein einer solchen Korrespondenz wirklich glaube? Mr. Miller: "Ja wohl!" Da frug ihn ein anderes Mitglied, ob er eventuell sich gegen die Einverleibung der Insel Cuba aussprechen würde? Mr. Miller: "Ja, dies werde ich thun, immer, überall und unter allen Umständen!" Nun, bemerkte ein Senator aus Missisippi, da werden Sie leider (als Whig) 3 Monate später in einer seltsamen Lage sein, denn General Taylor ist entschieden für die Einverleibung Cuba's. -- Im Staate New-York wurde die Legislatur von dem neu erwählten Präsidenten mit einer langen Botschaft eröffnet. Die englischen Blätter spotten oft über die Länge dieser Dokumente. Allein darin besteht grade ein großer Vorzug unserer politischen Einrichtungen, daß gleich dem Präsidenten der ganzen Nation, auch die Präsidenten jedes einzelnen Staates der Union alljährlich eine genaue Rechenschaft über alle Zweige der Verwaltung ablegen, so daß den Bürgern auch nicht das Mindeste verschwiegen, und ihnen alles vorhandene Material zur Ausübung der Controlle und zur Ueberwachung der immer nur auf kurze Zeit gewählten Staatslenker an die Hand gegeben wird. Wir entnehmen aus jener Botschaft, daß der Staat New-York, der mächtigste in der Union, von seinen Kanälen und Eisenbahnen eine Jahreseinnahme von 3 Millionen 459,690 Dollars bezog. Damit wird ein Theil der Kanalschuld getilgt, ein Theil auf Tilgung der allgemeinen Staatsschuld und der Rest -- eine halbe Million -- auf Vollendung des Erie-Kanals und auf noch zwei andere Kanäle verwandt. Im Frühjahre werden 113 Meil. von dem verbreiterten Erie-Kanal zur Benutzung des Publikums gestellt. Während des verflossenen Jahres erhielten 777,723 Kinder in den öffentlichen Schulen des Staates New-York, und 32,251 Kinder in Privatschulen Unterricht, -- im Ganzen ging somit fast ein Drittel der gesammten Bevölkerung in die Schule.

Was sagt man in dem lieben christlich-germanischen Preußen dazu, wo früher die censirte Presse von so überschwenglichen Lobe betreffs der unvergleichlichen preuß. Schuleinrichtungen überfloß?

Die Zahl der Staatsschulen beträgt jetzt im Staate New-York 10,621; die der Privatschulen 1785.

068 New-York, 10. Jan.

Das Eisenbahnnetz in den Vereinigten Staaten nimmt bekanntlich mit reißender Schnelligkeit an Ausdehnung zu. Bis Schluß 1843 gerechnet sind in den letzten 25 Jahren circa 1000 Millionen Dollars auf Eisenbahnen verwandt worden. -- Von Hayti ist die Nachricht eingegangen, daß die haytische Armee, 20,000 Mann stark, gegen die Stadt St. Domingo vorrückte, daß man aber zu ihrem warmem Empfange die erforderlichen Anstalten traf. Das in New-Orleans für Yucatan angeworbene Bataillon ist an seinem Bestimmungsort angelangt. -- Eine Eisenbahn zwischen der Stadt Troy am Hudson-Flusse und Whitee Hall am Champlain-See ist dieser Tage fertig geworden. Damit ist nun die Verbindung mit Montreal mittelst Dampfkraft vollendet, so daß der Handel jetzt seinen Weg in besagter Richtung, statt wie bisher über den Lorenz-Fluß und -Golf, nach New-York nehmen wird.

12 New-York, 10. Jan.

Der Redakteur der "Daily Tribune," Herr Greelcy, hatte eine Bill im Repräsentantenhause eingebracht, auch in seinem Blatte vertheidigt, daß die Extrameilengelder der Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus in Washington aufgehoben würden, da nicht selten ein Abgeordneter für eine Reise, die er mit 20 Dollars macht, auf Umwegen 250-300 Dollars braucht, und dies stets genehmigt wurde, weil jeder der Herren es so macht. "Herald" erwiederte, 8 Dollars bekäme jeder Abgeordnete per Tag, und Greeley wolle denselben auch noch ihre Reisekosten schmälern, er verlange, mit den Reisekosten solle es seine Bewandtniß haben, und außerdem aber müßten die ehrbaren Volksvertreter wenigstens jährlich 5000-6000 Dollars bekommen, um ihren Staatsgeschäften auf würdige Weise nachkommen zu können. Nach Greeley's Antrag würde der Konvent eine "Werkstatt voll Tagelöhner."

Bei der in meinem letzten Schreiben erwähnten Wirthschaftseröffnung des österreichischen Oberstlieutenants Burgthal fand sich "Herald" bei dem Antrittsessen ein und erklärte am folgenden Tage, daß die vornehmsten Bürger und sogar ein Repräsentant des berühmten Hauses Rothschild sich in dem Wirthschaftslokale eingefunden hätten. Jener Mann, welcher, wie er gehört habe, bei den Wiener Kämpfen des Vorsommers 6 Tage lang nicht aus den Kleidern gekommen, verdiene, daß sein Lokal der Sammelplatz der Aristokratie und der "guten Gesellschaft" überhaupt werde. Herald beweist, daß auch er sich bestechen läßt, so gut als die andern amerikanischen Blätter. Er bellt ganz entsetzlich, wenn er keine Angst haben darf, gebissen zu werden; den einen Tag noch schimpft er über "the foolish emperor" (den idioten Kaiser) von Oesterreich, und den andern bewundert und empfiehlt er das Gesindel, das für ihn gedient.

Der kölner Korrespondent der deutschen Schnellpost scheint seit dem Belagerungszustand von Berlin etwas am Delirium zu leiden. Seine erste Korrespondenz damals schloß damit, daß er halb und halb Abschied nahm, sich freute, nunmehr auf der Barrikade für das Volk zu sterben. etc. etc.

Zweite Korrespondenz: "Wir sind verloren, nun sind wir verloren, wir sind den "Rothen" in die Hände gefallen, lesen Sie um Gotteswillen nunmehr diese Frechheiten der Neuen Rheinischen Zeitung!"

Dritte Korrespondenz: "Das Blatt hat sich schauderhaft gewendet, jetzt gilt's, vor der Reaktion sich zu verkriechen." -- Und so geht es fort! --

Ueberhaupt wird dieses Blatt schlechter, als je, redigirt, was doch etwas heißen will; das Einzige ist gut, daß sie ihre europäischen Correspond. fast sämmtlich der "Neuen Rheinischen Zeitung" entnimmt. Die Freibodenfrage wird hier im Augenblick wieder sehr aufgenommen, nicht im Sinne der "van Burenschen Barnburnerparthey", d. h. frei von Sklavenarbeit, sondern im Sinne der Nationalreformer, d. h. Boden frei sowohl von Sklavenarbeit, als auch von der Habgier der Kapitalisten, so daß die Staatsländereien unentgeldlich an wirkliche Anbauer, an einzelne Personen nur noch in beschränktem Maße abgegeben werden sollen.

Die Agitation hiefür gewinnt hier augenblicklich viel Anhang, weil man glaubt, sich sicherstellen zu müssen, daß die aus den europ. Staaten vertriebene Aristokratie nicht aufkaufe oder damit wuchere, während amerik. Bürger heimathlos sind.

Das kalifornische Goldfieber hat seit letzterer Zeit etwas nachgelassen, vielleicht wegen der jetzigen kalten Witterung, vielleicht auch wegen der neueren Nachrichten über dort vorkommende Zufälle, natürliche Folgen des Mangels aller staatlichen Organisation. -- Der Garanteismus beginnt auch unter der kleinen Bourgeoisie und dem Arbeiterstande hier Eingang zu finden. Die "Protectif-Union", eine Assoziation, welche nach und nach immer bedeutender wird, sucht progressive ihren Mitgliedern alle Bedürfnisse des täglichen Verbrauchs, als Lebensmittel, Kleidungsstücke und Wohnung zu bieten; sie wird dem Monopol bald wirksam entgegentreten können. In einer Stadt in Massachusetts hat sie bereits den Kleinhandel vollständig in ihrer Hand; hier in New-York hat sie eine große Bäckerei etc. angelegt.

Sie benutzt bei ihren Verkäufern Papiergeld als Tauschmittel und schreitet rüstig und still voran. Sollte ich noch nicht bald zurückreisen und über diese Association noch Interessantes erfahren, so werde ich es Euch mittheilen.

Der Odd-Fellow-Orden scheint in letzterer Beziehung auch Einiges zu thun; er ist in den Vereinigten Staaten sehr verbreitet; seine Statuten, ganz allgemein gehalten, verlangen wenigstens von den Mitgliedern Unterstutzung bei Krankheit, Gebrechen und im Alter; er überläßt es jedoch den Associationen in den Städten, Garantien in ausgedehntestem Maße weiter in ihren Kreisen durchzuführen.

Hecker richtet häufig Danksagungs- und Aufmunterungsschreiben an die Redaktionen der deutschen Blätter in der Union, betreffend seinen Revolutionsfond; Hecker ist fortwährend in Belleville bei St. Louis, es ist dies ein Städtchen, wo sich viele Flüchtlinge aus den 30er Jahren niedergelassen haben.

Südamerika.
*

Berichte aus Bogota (Republik Neu-Granada) vom 12. November handeln von den im Senat und der Repräsentantenkammer beschlossenen Gesetzen, nach welchen eine Menge Artikel zollfrei eingeführt werden können. Darunter sind zu nennen: Goldstaub, Gold und Silber in Barren oder gemünzt, alle Werkzeuge und Maschinen für Zuckerraffinerie, für Sägemühlen, Bergbau etc.

Neueste Nachrichten.
14 Elberfeld, 25. Januar.

Wenn die Wahlsiege der Demokratie in der ganzen Monarchie schon alle Hoffnungen übertreffen, so sind die Erfolge in unsrer Fabrikgegend vollends unerwartet.

Das Fabrikproletariat des Bergischen hat sich in Bewegung gesetzt: seine erste Thatwar ein einstimmiges Mißtrauensvotum gegen die gnädigen Herren Fabrikanten.

Die Arbeiter haben in ihren Distrikten durchaus und in allen andern mehr oder weniger gesiegt. So ist es denn gekommen, daß Aug. de Weerth, Dan. von der Heydt, Herm. von der Heydt (Beigeordneter des Bürgermeisters), Advokat von Hurter (seit Kurzem Inhaber des Unvermeidlichen) und viele andere reiche Wahlmänner der vorigen Election mit Glanz durchfielen.

In einem Wahlbezirk, wo die Arbeiter ihre Leute alle durchsetzten, trat einer aus dem Arbeiter-Comite zu Gust. Blank sen. an, gab ihm zu erkennen, er habe ihre Vorwahl so schön geleitet, daß sie ihm gerne ihre Stimmen geben möchten, aber sie hätten einen Eid geleistet, keinen von ihrer Liste fallen zu lassen. -- In einem andern Wahlbezirke lagen auf dem Tische vor dem Commissarius Wahllisten, die mit denen der Arbeiter nicht ganz übereinstimmten; ein Weber tritt an den Tisch mit der Frage: "Steht das im Gesetz, daß die Listen da liegen müssen?" Antw. "Nein!" Arbeiter: "Dann will ich sie auch da wegnehmen", und mit diesen Worten zerriß er mit den Andern das überflüssige Papier und warf es zur Erde. -- Die Arbeiter hatten sich mit dem politischen Klub auf dessen Antrag vereinigt: die Hauptredner des Klubs wurden fast alle durchgesetzt; vom Klub der Reaktion (constitutioneller) fiel durch Hurter; Alb. Welter (der Locomotiven-Fabrikant) kam nach 2ter Wahl mit 1 Stimme Majorität hinein; Dr. Lieben, nachdem er einmal durchgefallen, ging aus einer späteren Wahl hervor, die übrigen fielen der Reihe nach durch. -- Bei Bloem's Leben, wo das Patriciat Schlappe auf Schlappe erlitt (Aug. de Weerth war der erste, der gegen einen Wagenmacher da durchfiel) schloß der Wahlakt nach Durchsetzung eines Radikalen mit dem schönen: O Tannenbaum, o Tannenbaum! wie grün sind deine Blätter, mit welchem Gesange die Wahlversammlung in die pechfinstre Nacht nach Hause wogte.

In Barmen ist man auch zufrieden. Zum Beweise wie die Distrikte zerrissen wurden, geht u. A. daraus hervor, daß mit dem Bruch ein Theil des Bollwerks zu wählen hatte; am letztern wohnen einige kleine Wühler, die man da unwirksam zu machen gedachte. Die Wahl war in der Brucher Schule, ein Engels Wahlkommissar. Die Brucher Liste hatte vier Engels hintereinander, der Wühler Lüttke vom Bollwerk sieht die Liste und geht zur Commission mit der Frage, ob seine Partei auch ihre Candidaten aufstellen könne; sie hätten nicht geglaubt, in diesen District gewiesen zu werden. Antwort: Ja! Lüttke: "En Stück Knitt!" (Kreide.) An die schwarze Tafel geschrieben: Abr. Eykolskamp -- passirt; 2. Abr. Cleff -- passirt. "Ihr müßt keine Engelchen wählen, Teufelchen müßt Ihr wählen! Die reichen Leute gehören in die erste Kammer, nicht in die unsrige!"

Und sie setzten Alle durch, und nur ein Engels ging mit 1 Stimme Majorität durch, weil Lüttke zu lange beim Mittagessen verweilt hatte. -- Auf dem Geidt hatten sie Lust zum Reinhard Neuhaus, jun., Demokrat; aber, nein, sagten die Arbeiter, wir dürfen keinen Kaufmann nehmen, und wenn er noch so gut ist. -- Die Wahldistrikte für die erste Kammer sind, so kurz vor der Wahl, in Elberfeld noch nicht einmal bekannt. Die Bourgeois laufen verzweifelnd durch die Straßen, wie nach der französischen Revolution, sie sagen, das Säbelregiment sei die einzige übrige Auskunft, den Arbeiterpöbel zu bändigen!

15 Lennep, 25. Jan.

Unsere Wahlen für die 2. Kammer lieferten meistens unbekannte Namen als Wahlmänner -- Arbeiter im Gegensatz zur durchgefallenen Bourgeoisie des Städtchens, die mit der Zeit wohl andere Saiten aufziehen wird, wenn ihr die Arbeiter nicht gänzlich entfremdet werden sollen. Das hier bei den Fabrikanten übliche vertrauliche "Du" gegen ihre Arbeiter thut's nicht mehr. Gebt bessere Löhne, ihre Herren. Und nun noch eins! Aus der Spinnerei "Blasberg und Keller" hier ist ein Arbeiter Wahlmann geworden, dem Herr Keller bei seiner Rückkehr gesagt haben soll, "er werde dem Vogel nächsten Samstag schon ein Federchen ausziehen". Ist diese Aeußerung gefallen, Herr Keller? Oui ou non? Und im ersteren Falle: Soll das heißen, Sie wollen den Mann aus dem Verdienst setzen, weil er Wahlmann geworden? Oui ou non?

X Overath, 25. Januar.

Hier hat sich eine Gesellschaft von Urwählern zur 1. Kammer gebildet, welche dahin wirken will, daß "kein Büreaukrat und kein Aristokrat als Wahlmann aus der Wahl vom 29. d. M. hervorgehen soll.

095 Lage bei Detmold, 22. Jan.

Ich hätte Ihnen gern am Sonntag geschrieben, wegen großer Störung war es mir jedoch nicht möglich. Am Freitag, den 18. d. Mts., sind des Morgens halb 6 Uhr 2 Bürger, die vorgeblich etwas zu viel gesprochen haben sollen, aus dem Bette geholt, durch zehn Gensd'armen geknebelt, in einem Wagen geworfen, nach Detmold transportirt worden. Der Eine ein Buchbinder, der Andere ein Stellmacher, beides Leute, welche in ehrenwerther Wirksamkeit ihre Zeit zubringen. Weil nun ganz Lemgo die Männer als grundehrlich und brav kennt, und das gegen sie beobachtete Verfahren so unrecht wie ungesetzlich erkannte, so lehnte Reich und Arm sich einstimmig gegen das Verfahren der Regierung auf, und Stadt wie Umgegend vereinten sich zu einem Zuge von etwa 10,000 Mann, der sich gen Detmold in Bewegung setzte. Hier verlangten sie vom -- "Landesvater" -- mittelst einer Petition die sofortige Loslassung der Inhaftirten.

Se. Fürstl. Durchlaucht geruhten sofort huldreich die Begnadigung zu versprechen, jedoch solle vorab den folgenden Tag das Kriminalgericht über den Fall erkennen. Hierauf wurden die Bürger vom Fuße des Teutoburgerwaldes unwillig und riefen einstimmig, nicht eher Detmold verlassen zu wollen bis sie ihre mit Unrecht arretirten beiden Mitbürger zurück haben würden. Dies genügte, um das Militär einschreiten zu lassen; und wahrlich es kam zu Scenen, deren sich die Kroaten und k. k. Henkersknechte in Wien und Ungarn nicht zu schämen brauchten. Es wurde gemordet, wobei sich auch hofschranzelnde Detmolder Bürger betheiligten.

Während des Tages hütete sich das Militär, einzuschreiten; erst nach Einbruch der Nacht begann das Massacre. Außer vielen schwer oder leicht Verwundeten, sind 2 Bürger todtgeblieben; Einem sind 4 Finger abgehauen. Das aber versichere ich Ihnen, daß die Nemesis für diese Unthaten nicht ausbleiben wird. Alles knirscht vor Wuth und die Zeit dürfte nicht fern sein, wo die Lemgoer etc. Gelegenheit finden werden, für jene kroatischen Barbareien, fürstliche Hinterlist, Beamtenstücke etc. Rache zu nehmen.

Redakteur en chef: Karl Marx.
Antwort der dreizehn Stadtverordneten

auf die am 16. Jan. a. c. der Stadtverordneten-Versammlung durch Hrn. v. Spreckelsen und Consorten überreichten Mißtrauens-Adresse. Herren v. Spreckelsen, E. Mooyer und Theilnehmer.

Minden, am 17. Januar 1849.

Sie haben nach dem Beispiele des konstitutionellen Vereins, dessen Mitglieder Sie zum Theil sind, ein Schreiben an die hiesige Stadtverordneten-Versammlung gerichtet, worin Sie Ihren Tadel und Ihre Mißbilligung darüber in belehrenden Worten aussprechen, daß es 13 Mitglieder derselben gewagt haben, am 14. November v. J. der National-Versammlung in Berlin ihre Anerkennung, ihren Dank für ihr ruhiges, besonnenes, würdevolles Benehmen der Militärmacht gegenüber in einer Dankadresse darzubringen, wodurch dieselbe Berlin gegen Blutvergießen, Zerstörung und die Schrecken des Bürgerkrieges bewahrt habe.

Sie verdienen zwar für die große persönliche Anstrengung und Ueberredung, wodurch es Ihnen gelungen ist, 95 Unterschriften zu dieser Mißtrauens-Adresse gegen ihre Mitbürger heranzuschaffen, und für die guten Lehren, welche Sie den Stadtverordneten zu ertheilen die Güte haben, unsern Dank; denn aus guten Lehren läßt sich immer etwas entnehmen. -- Sie scheinen indessen in Ihrem fast ausschließlichen Umgange mit bevormundenden Beamten und Militärs ganz vergessen zu haben, "daß Sie Bürger sind, und die neue Zeit seit März v. J. eine ganz andere ist, als die alte", sonst würden Sie auch wissen, daß ein freies Wort dem freien Manne ziemt, und die Knechtschaft, welche einst das Wort und die Presse fesselte, gottlob zerbrochen ist.

Diese unsere köstliche Errungenschaft, der sich jeder Einzelne mit vollem gesetzlichen Rechte erfreut, wagen Sie -- Bürger, die Sie doch einmal mit uns sind -- einer Anzahl von 13 Ihrer Mitbürger mißtrauend verkümmern zu wollen? -- Haben Sie Sich durch bisherigen Umgang mit der Bureaukratie so sehr entbürgern lassen, daß Sie freudig mit daran arbeiten möchten, die alte Zwangsjacke, welche gottlob zerrissen ist, wiederherzustellen, so behalten Sie solche für Sich allein -- denn Sie machen Sich derselben würdig. Verlangen Sie aber nicht von freien Männern, daß sie bei großen Begebenheiten (wie jenes Berliner Ereigniß am 9. November, wo die National-Versammlung das Volk und die 17,000 Mann gewaffneter Bürgerwehr zu Ruhe und Ordnung, und Vermeidung jeder ungesetzlichen Handlung ermahnte) sich ihrer Meinungsäußerung enthalten und theilnahmlos den wichtigsten politischen Begebenheiten des Vaterlandes zusehen sollen.

Nehmen Sie von uns die Lehre, daß man seinem Könige und Vaterlande welt besser dient, wenn man frei und ohne Menschenfurcht öffentlich seine Herzensmeinung ausspricht, als wenn man heuchelt und schmeichelt.

Sie leisten unserer Stadt wie unserm Vaterlande einen schlechten Dienst, wenn Sie unter Ihren Mitbürgern Mißtrauen säen, und mit der Bureaukratie! welcher das Herrschen und Bevormunden zur süßen Gewohnheit geworden ist, (wir tadeln diese deshalb nicht --) in ein Horn blasen --; wenn Sie bei den bevorstehenden Wahlen Ihren Einfluß verwenden, um alle freisinnigen Männer fern zu halten und nur solche zu wählen, welche zu Allem ja sagen. -- Geschähe das allgemein, was Gott verhüten mag, so würde die oktroyirte Verfassung, wie so manche andere z. B. in Hessen und Bayern es bislang war, eine Schein-Verfassung, ein Baum ohne Früchte bleiben.

Mit gebührender Achtung zeichnen ergebenst Die Stadtverordneten:

(gez.) Th. Rocholl. C. Bieber. Ernst Vögeler. Franz Homann L. Korff. Wilhelm Möllinghoff. Fr. Jos. Schulze. F. Wachsmuth. J. F. Schindeler. Grotjahn. F. Eßmann. Heinr. Rousseau. F. W. Korff.

Handelsnachrichten. [irrelevantes Material]
Meteorologische Beobachtungen. [irrelevantes Material]
Beilage zu Nr. 206 der Neuen Rheinischen Zeitung.
Organ der Demokratie.
Samstag 27. Januar 1849.
[Amerika]

[Fortsetzung] auf Kosten des Staats, der übrigen Bürger, zu existiren. (Auf diese Behaglichkeit versteht man sich im christlich-germanischen Europa noch ganz anders!)

In New-Orleans wüthete die Cholera fort.

Der Handel in Getreide, Mehl etc. ging wieder äußerst lebhaft und die Preise waren etwas höher gegangen.

Zum Schluß erwähne ich noch, daß im Senat der Vereinigten Staaten kürzlich von einem Mitgliede wegen Cuba interpellirt und der Antrag gestellt wurde, der Präsident Polk solle die mit der spanischen Regierung wegen käuflicher Ueberlassung der Insel Cuba gepflogenen Korrespondenzen dem Hause vorlegen.

Der Senator Rusk (Texas) unterbrach den Antragsteller, Mr. Miller, mit der Frage, ob letzterer an das Vorhandensein einer solchen Korrespondenz wirklich glaube? Mr. Miller: „Ja wohl!“ Da frug ihn ein anderes Mitglied, ob er eventuell sich gegen die Einverleibung der Insel Cuba aussprechen würde? Mr. Miller: „Ja, dies werde ich thun, immer, überall und unter allen Umständen!“ Nun, bemerkte ein Senator aus Missisippi, da werden Sie leider (als Whig) 3 Monate später in einer seltsamen Lage sein, denn General Taylor ist entschieden für die Einverleibung Cuba's. — Im Staate New-York wurde die Legislatur von dem neu erwählten Präsidenten mit einer langen Botschaft eröffnet. Die englischen Blätter spotten oft über die Länge dieser Dokumente. Allein darin besteht grade ein großer Vorzug unserer politischen Einrichtungen, daß gleich dem Präsidenten der ganzen Nation, auch die Präsidenten jedes einzelnen Staates der Union alljährlich eine genaue Rechenschaft über alle Zweige der Verwaltung ablegen, so daß den Bürgern auch nicht das Mindeste verschwiegen, und ihnen alles vorhandene Material zur Ausübung der Controlle und zur Ueberwachung der immer nur auf kurze Zeit gewählten Staatslenker an die Hand gegeben wird. Wir entnehmen aus jener Botschaft, daß der Staat New-York, der mächtigste in der Union, von seinen Kanälen und Eisenbahnen eine Jahreseinnahme von 3 Millionen 459,690 Dollars bezog. Damit wird ein Theil der Kanalschuld getilgt, ein Theil auf Tilgung der allgemeinen Staatsschuld und der Rest — eine halbe Million — auf Vollendung des Erie-Kanals und auf noch zwei andere Kanäle verwandt. Im Frühjahre werden 113 Meil. von dem verbreiterten Erie-Kanal zur Benutzung des Publikums gestellt. Während des verflossenen Jahres erhielten 777,723 Kinder in den öffentlichen Schulen des Staates New-York, und 32,251 Kinder in Privatschulen Unterricht, — im Ganzen ging somit fast ein Drittel der gesammten Bevölkerung in die Schule.

Was sagt man in dem lieben christlich-germanischen Preußen dazu, wo früher die censirte Presse von so überschwenglichen Lobe betreffs der unvergleichlichen preuß. Schuleinrichtungen überfloß?

Die Zahl der Staatsschulen beträgt jetzt im Staate New-York 10,621; die der Privatschulen 1785.

068 New-York, 10. Jan.

Das Eisenbahnnetz in den Vereinigten Staaten nimmt bekanntlich mit reißender Schnelligkeit an Ausdehnung zu. Bis Schluß 1843 gerechnet sind in den letzten 25 Jahren circa 1000 Millionen Dollars auf Eisenbahnen verwandt worden. — Von Hayti ist die Nachricht eingegangen, daß die haytische Armee, 20,000 Mann stark, gegen die Stadt St. Domingo vorrückte, daß man aber zu ihrem warmem Empfange die erforderlichen Anstalten traf. Das in New-Orleans für Yucatan angeworbene Bataillon ist an seinem Bestimmungsort angelangt. — Eine Eisenbahn zwischen der Stadt Troy am Hudson-Flusse und Whitee Hall am Champlain-See ist dieser Tage fertig geworden. Damit ist nun die Verbindung mit Montreal mittelst Dampfkraft vollendet, so daß der Handel jetzt seinen Weg in besagter Richtung, statt wie bisher über den Lorenz-Fluß und -Golf, nach New-York nehmen wird.

12 New-York, 10. Jan.

Der Redakteur der „Daily Tribune,“ Herr Greelcy, hatte eine Bill im Repräsentantenhause eingebracht, auch in seinem Blatte vertheidigt, daß die Extrameilengelder der Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus in Washington aufgehoben würden, da nicht selten ein Abgeordneter für eine Reise, die er mit 20 Dollars macht, auf Umwegen 250-300 Dollars braucht, und dies stets genehmigt wurde, weil jeder der Herren es so macht. „Herald“ erwiederte, 8 Dollars bekäme jeder Abgeordnete per Tag, und Greeley wolle denselben auch noch ihre Reisekosten schmälern, er verlange, mit den Reisekosten solle es seine Bewandtniß haben, und außerdem aber müßten die ehrbaren Volksvertreter wenigstens jährlich 5000-6000 Dollars bekommen, um ihren Staatsgeschäften auf würdige Weise nachkommen zu können. Nach Greeley's Antrag würde der Konvent eine „Werkstatt voll Tagelöhner.“

Bei der in meinem letzten Schreiben erwähnten Wirthschaftseröffnung des österreichischen Oberstlieutenants Burgthal fand sich „Herald“ bei dem Antrittsessen ein und erklärte am folgenden Tage, daß die vornehmsten Bürger und sogar ein Repräsentant des berühmten Hauses Rothschild sich in dem Wirthschaftslokale eingefunden hätten. Jener Mann, welcher, wie er gehört habe, bei den Wiener Kämpfen des Vorsommers 6 Tage lang nicht aus den Kleidern gekommen, verdiene, daß sein Lokal der Sammelplatz der Aristokratie und der „guten Gesellschaft“ überhaupt werde. Herald beweist, daß auch er sich bestechen läßt, so gut als die andern amerikanischen Blätter. Er bellt ganz entsetzlich, wenn er keine Angst haben darf, gebissen zu werden; den einen Tag noch schimpft er über „the foolish emperor“ (den idioten Kaiser) von Oesterreich, und den andern bewundert und empfiehlt er das Gesindel, das für ihn gedient.

Der kölner Korrespondent der deutschen Schnellpost scheint seit dem Belagerungszustand von Berlin etwas am Delirium zu leiden. Seine erste Korrespondenz damals schloß damit, daß er halb und halb Abschied nahm, sich freute, nunmehr auf der Barrikade für das Volk zu sterben. etc. etc.

Zweite Korrespondenz: „Wir sind verloren, nun sind wir verloren, wir sind den „Rothen“ in die Hände gefallen, lesen Sie um Gotteswillen nunmehr diese Frechheiten der Neuen Rheinischen Zeitung!“

Dritte Korrespondenz: „Das Blatt hat sich schauderhaft gewendet, jetzt gilt's, vor der Reaktion sich zu verkriechen.“ — Und so geht es fort! —

Ueberhaupt wird dieses Blatt schlechter, als je, redigirt, was doch etwas heißen will; das Einzige ist gut, daß sie ihre europäischen Correspond. fast sämmtlich der „Neuen Rheinischen Zeitung“ entnimmt. Die Freibodenfrage wird hier im Augenblick wieder sehr aufgenommen, nicht im Sinne der „van Burenschen Barnburnerparthey“, d. h. frei von Sklavenarbeit, sondern im Sinne der Nationalreformer, d. h. Boden frei sowohl von Sklavenarbeit, als auch von der Habgier der Kapitalisten, so daß die Staatsländereien unentgeldlich an wirkliche Anbauer, an einzelne Personen nur noch in beschränktem Maße abgegeben werden sollen.

Die Agitation hiefür gewinnt hier augenblicklich viel Anhang, weil man glaubt, sich sicherstellen zu müssen, daß die aus den europ. Staaten vertriebene Aristokratie nicht aufkaufe oder damit wuchere, während amerik. Bürger heimathlos sind.

Das kalifornische Goldfieber hat seit letzterer Zeit etwas nachgelassen, vielleicht wegen der jetzigen kalten Witterung, vielleicht auch wegen der neueren Nachrichten über dort vorkommende Zufälle, natürliche Folgen des Mangels aller staatlichen Organisation. — Der Garanteismus beginnt auch unter der kleinen Bourgeoisie und dem Arbeiterstande hier Eingang zu finden. Die „Protectif-Union“, eine Assoziation, welche nach und nach immer bedeutender wird, sucht progressive ihren Mitgliedern alle Bedürfnisse des täglichen Verbrauchs, als Lebensmittel, Kleidungsstücke und Wohnung zu bieten; sie wird dem Monopol bald wirksam entgegentreten können. In einer Stadt in Massachusetts hat sie bereits den Kleinhandel vollständig in ihrer Hand; hier in New-York hat sie eine große Bäckerei etc. angelegt.

Sie benutzt bei ihren Verkäufern Papiergeld als Tauschmittel und schreitet rüstig und still voran. Sollte ich noch nicht bald zurückreisen und über diese Association noch Interessantes erfahren, so werde ich es Euch mittheilen.

Der Odd-Fellow-Orden scheint in letzterer Beziehung auch Einiges zu thun; er ist in den Vereinigten Staaten sehr verbreitet; seine Statuten, ganz allgemein gehalten, verlangen wenigstens von den Mitgliedern Unterstutzung bei Krankheit, Gebrechen und im Alter; er überläßt es jedoch den Associationen in den Städten, Garantien in ausgedehntestem Maße weiter in ihren Kreisen durchzuführen.

Hecker richtet häufig Danksagungs- und Aufmunterungsschreiben an die Redaktionen der deutschen Blätter in der Union, betreffend seinen Revolutionsfond; Hecker ist fortwährend in Belleville bei St. Louis, es ist dies ein Städtchen, wo sich viele Flüchtlinge aus den 30er Jahren niedergelassen haben.

Südamerika.
*

Berichte aus Bogota (Republik Neu-Granada) vom 12. November handeln von den im Senat und der Repräsentantenkammer beschlossenen Gesetzen, nach welchen eine Menge Artikel zollfrei eingeführt werden können. Darunter sind zu nennen: Goldstaub, Gold und Silber in Barren oder gemünzt, alle Werkzeuge und Maschinen für Zuckerraffinerie, für Sägemühlen, Bergbau etc.

Neueste Nachrichten.
14 Elberfeld, 25. Januar.

Wenn die Wahlsiege der Demokratie in der ganzen Monarchie schon alle Hoffnungen übertreffen, so sind die Erfolge in unsrer Fabrikgegend vollends unerwartet.

Das Fabrikproletariat des Bergischen hat sich in Bewegung gesetzt: seine erste Thatwar ein einstimmiges Mißtrauensvotum gegen die gnädigen Herren Fabrikanten.

Die Arbeiter haben in ihren Distrikten durchaus und in allen andern mehr oder weniger gesiegt. So ist es denn gekommen, daß Aug. de Weerth, Dan. von der Heydt, Herm. von der Heydt (Beigeordneter des Bürgermeisters), Advokat von Hurter (seit Kurzem Inhaber des Unvermeidlichen) und viele andere reiche Wahlmänner der vorigen Election mit Glanz durchfielen.

In einem Wahlbezirk, wo die Arbeiter ihre Leute alle durchsetzten, trat einer aus dem Arbeiter-Comite zu Gust. Blank sen. an, gab ihm zu erkennen, er habe ihre Vorwahl so schön geleitet, daß sie ihm gerne ihre Stimmen geben möchten, aber sie hätten einen Eid geleistet, keinen von ihrer Liste fallen zu lassen. — In einem andern Wahlbezirke lagen auf dem Tische vor dem Commissarius Wahllisten, die mit denen der Arbeiter nicht ganz übereinstimmten; ein Weber tritt an den Tisch mit der Frage: „Steht das im Gesetz, daß die Listen da liegen müssen?“ Antw. „Nein!“ Arbeiter: „Dann will ich sie auch da wegnehmen“, und mit diesen Worten zerriß er mit den Andern das überflüssige Papier und warf es zur Erde. — Die Arbeiter hatten sich mit dem politischen Klub auf dessen Antrag vereinigt: die Hauptredner des Klubs wurden fast alle durchgesetzt; vom Klub der Reaktion (constitutioneller) fiel durch Hurter; Alb. Welter (der Locomotiven-Fabrikant) kam nach 2ter Wahl mit 1 Stimme Majorität hinein; Dr. Lieben, nachdem er einmal durchgefallen, ging aus einer späteren Wahl hervor, die übrigen fielen der Reihe nach durch. — Bei Bloem's Leben, wo das Patriciat Schlappe auf Schlappe erlitt (Aug. de Weerth war der erste, der gegen einen Wagenmacher da durchfiel) schloß der Wahlakt nach Durchsetzung eines Radikalen mit dem schönen: O Tannenbaum, o Tannenbaum! wie grün sind deine Blätter, mit welchem Gesange die Wahlversammlung in die pechfinstre Nacht nach Hause wogte.

In Barmen ist man auch zufrieden. Zum Beweise wie die Distrikte zerrissen wurden, geht u. A. daraus hervor, daß mit dem Bruch ein Theil des Bollwerks zu wählen hatte; am letztern wohnen einige kleine Wühler, die man da unwirksam zu machen gedachte. Die Wahl war in der Brucher Schule, ein Engels Wahlkommissar. Die Brucher Liste hatte vier Engels hintereinander, der Wühler Lüttke vom Bollwerk sieht die Liste und geht zur Commission mit der Frage, ob seine Partei auch ihre Candidaten aufstellen könne; sie hätten nicht geglaubt, in diesen District gewiesen zu werden. Antwort: Ja! Lüttke: „En Stück Knitt!“ (Kreide.) An die schwarze Tafel geschrieben: Abr. Eykolskamp — passirt; 2. Abr. Cleff — passirt. „Ihr müßt keine Engelchen wählen, Teufelchen müßt Ihr wählen! Die reichen Leute gehören in die erste Kammer, nicht in die unsrige!“

Und sie setzten Alle durch, und nur ein Engels ging mit 1 Stimme Majorität durch, weil Lüttke zu lange beim Mittagessen verweilt hatte. — Auf dem Geidt hatten sie Lust zum Reinhard Neuhaus, jun., Demokrat; aber, nein, sagten die Arbeiter, wir dürfen keinen Kaufmann nehmen, und wenn er noch so gut ist. — Die Wahldistrikte für die erste Kammer sind, so kurz vor der Wahl, in Elberfeld noch nicht einmal bekannt. Die Bourgeois laufen verzweifelnd durch die Straßen, wie nach der französischen Revolution, sie sagen, das Säbelregiment sei die einzige übrige Auskunft, den Arbeiterpöbel zu bändigen!

15 Lennep, 25. Jan.

Unsere Wahlen für die 2. Kammer lieferten meistens unbekannte Namen als Wahlmänner — Arbeiter im Gegensatz zur durchgefallenen Bourgeoisie des Städtchens, die mit der Zeit wohl andere Saiten aufziehen wird, wenn ihr die Arbeiter nicht gänzlich entfremdet werden sollen. Das hier bei den Fabrikanten übliche vertrauliche „Du“ gegen ihre Arbeiter thut's nicht mehr. Gebt bessere Löhne, ihre Herren. Und nun noch eins! Aus der Spinnerei „Blasberg und Keller“ hier ist ein Arbeiter Wahlmann geworden, dem Herr Keller bei seiner Rückkehr gesagt haben soll, „er werde dem Vogel nächsten Samstag schon ein Federchen ausziehen“. Ist diese Aeußerung gefallen, Herr Keller? Oui ou non? Und im ersteren Falle: Soll das heißen, Sie wollen den Mann aus dem Verdienst setzen, weil er Wahlmann geworden? Oui ou non?

X Overath, 25. Januar.

Hier hat sich eine Gesellschaft von Urwählern zur 1. Kammer gebildet, welche dahin wirken will, daß „kein Büreaukrat und kein Aristokrat als Wahlmann aus der Wahl vom 29. d. M. hervorgehen soll.

095 Lage bei Detmold, 22. Jan.

Ich hätte Ihnen gern am Sonntag geschrieben, wegen großer Störung war es mir jedoch nicht möglich. Am Freitag, den 18. d. Mts., sind des Morgens halb 6 Uhr 2 Bürger, die vorgeblich etwas zu viel gesprochen haben sollen, aus dem Bette geholt, durch zehn Gensd'armen geknebelt, in einem Wagen geworfen, nach Detmold transportirt worden. Der Eine ein Buchbinder, der Andere ein Stellmacher, beides Leute, welche in ehrenwerther Wirksamkeit ihre Zeit zubringen. Weil nun ganz Lemgo die Männer als grundehrlich und brav kennt, und das gegen sie beobachtete Verfahren so unrecht wie ungesetzlich erkannte, so lehnte Reich und Arm sich einstimmig gegen das Verfahren der Regierung auf, und Stadt wie Umgegend vereinten sich zu einem Zuge von etwa 10,000 Mann, der sich gen Detmold in Bewegung setzte. Hier verlangten sie vom — „Landesvater“ — mittelst einer Petition die sofortige Loslassung der Inhaftirten.

Se. Fürstl. Durchlaucht geruhten sofort huldreich die Begnadigung zu versprechen, jedoch solle vorab den folgenden Tag das Kriminalgericht über den Fall erkennen. Hierauf wurden die Bürger vom Fuße des Teutoburgerwaldes unwillig und riefen einstimmig, nicht eher Detmold verlassen zu wollen bis sie ihre mit Unrecht arretirten beiden Mitbürger zurück haben würden. Dies genügte, um das Militär einschreiten zu lassen; und wahrlich es kam zu Scenen, deren sich die Kroaten und k. k. Henkersknechte in Wien und Ungarn nicht zu schämen brauchten. Es wurde gemordet, wobei sich auch hofschranzelnde Detmolder Bürger betheiligten.

Während des Tages hütete sich das Militär, einzuschreiten; erst nach Einbruch der Nacht begann das Massacre. Außer vielen schwer oder leicht Verwundeten, sind 2 Bürger todtgeblieben; Einem sind 4 Finger abgehauen. Das aber versichere ich Ihnen, daß die Nemesis für diese Unthaten nicht ausbleiben wird. Alles knirscht vor Wuth und die Zeit dürfte nicht fern sein, wo die Lemgoer etc. Gelegenheit finden werden, für jene kroatischen Barbareien, fürstliche Hinterlist, Beamtenstücke etc. Rache zu nehmen.

Redakteur en chef: Karl Marx.
Antwort der dreizehn Stadtverordneten

auf die am 16. Jan. a. c. der Stadtverordneten-Versammlung durch Hrn. v. Spreckelsen und Consorten überreichten Mißtrauens-Adresse. Herren v. Spreckelsen, E. Mooyer und Theilnehmer.

Minden, am 17. Januar 1849.

Sie haben nach dem Beispiele des konstitutionellen Vereins, dessen Mitglieder Sie zum Theil sind, ein Schreiben an die hiesige Stadtverordneten-Versammlung gerichtet, worin Sie Ihren Tadel und Ihre Mißbilligung darüber in belehrenden Worten aussprechen, daß es 13 Mitglieder derselben gewagt haben, am 14. November v. J. der National-Versammlung in Berlin ihre Anerkennung, ihren Dank für ihr ruhiges, besonnenes, würdevolles Benehmen der Militärmacht gegenüber in einer Dankadresse darzubringen, wodurch dieselbe Berlin gegen Blutvergießen, Zerstörung und die Schrecken des Bürgerkrieges bewahrt habe.

Sie verdienen zwar für die große persönliche Anstrengung und Ueberredung, wodurch es Ihnen gelungen ist, 95 Unterschriften zu dieser Mißtrauens-Adresse gegen ihre Mitbürger heranzuschaffen, und für die guten Lehren, welche Sie den Stadtverordneten zu ertheilen die Güte haben, unsern Dank; denn aus guten Lehren läßt sich immer etwas entnehmen. — Sie scheinen indessen in Ihrem fast ausschließlichen Umgange mit bevormundenden Beamten und Militärs ganz vergessen zu haben, „daß Sie Bürger sind, und die neue Zeit seit März v. J. eine ganz andere ist, als die alte“, sonst würden Sie auch wissen, daß ein freies Wort dem freien Manne ziemt, und die Knechtschaft, welche einst das Wort und die Presse fesselte, gottlob zerbrochen ist.

Diese unsere köstliche Errungenschaft, der sich jeder Einzelne mit vollem gesetzlichen Rechte erfreut, wagen Sie — Bürger, die Sie doch einmal mit uns sind — einer Anzahl von 13 Ihrer Mitbürger mißtrauend verkümmern zu wollen? — Haben Sie Sich durch bisherigen Umgang mit der Bureaukratie so sehr entbürgern lassen, daß Sie freudig mit daran arbeiten möchten, die alte Zwangsjacke, welche gottlob zerrissen ist, wiederherzustellen, so behalten Sie solche für Sich allein — denn Sie machen Sich derselben würdig. Verlangen Sie aber nicht von freien Männern, daß sie bei großen Begebenheiten (wie jenes Berliner Ereigniß am 9. November, wo die National-Versammlung das Volk und die 17,000 Mann gewaffneter Bürgerwehr zu Ruhe und Ordnung, und Vermeidung jeder ungesetzlichen Handlung ermahnte) sich ihrer Meinungsäußerung enthalten und theilnahmlos den wichtigsten politischen Begebenheiten des Vaterlandes zusehen sollen.

Nehmen Sie von uns die Lehre, daß man seinem Könige und Vaterlande welt besser dient, wenn man frei und ohne Menschenfurcht öffentlich seine Herzensmeinung ausspricht, als wenn man heuchelt und schmeichelt.

Sie leisten unserer Stadt wie unserm Vaterlande einen schlechten Dienst, wenn Sie unter Ihren Mitbürgern Mißtrauen säen, und mit der Bureaukratie! welcher das Herrschen und Bevormunden zur süßen Gewohnheit geworden ist, (wir tadeln diese deshalb nicht —) in ein Horn blasen —; wenn Sie bei den bevorstehenden Wahlen Ihren Einfluß verwenden, um alle freisinnigen Männer fern zu halten und nur solche zu wählen, welche zu Allem ja sagen. — Geschähe das allgemein, was Gott verhüten mag, so würde die oktroyirte Verfassung, wie so manche andere z. B. in Hessen und Bayern es bislang war, eine Schein-Verfassung, ein Baum ohne Früchte bleiben.

Mit gebührender Achtung zeichnen ergebenst Die Stadtverordneten:

(gez.) Th. Rocholl. C. Bieber. Ernst Vögeler. Franz Homann L. Korff. Wilhelm Möllinghoff. Fr. Jos. Schulze. F. Wachsmuth. J. F. Schindeler. Grotjahn. F. Eßmann. Heinr. Rousseau. F. W. Korff.

Handelsnachrichten. [irrelevantes Material]
Meteorologische Beobachtungen. [irrelevantes Material]
<TEI>
  <text>
    <pb facs="#f0001" n="1127"/>
    <front>
      <titlePage type="heading">
        <titlePart type="main">Beilage zu Nr. 206 der Neuen Rheinischen Zeitung.</titlePart>
        <titlePart type="sub">Organ der Demokratie.</titlePart>
        <docImprint>
          <docDate>Samstag 27. Januar 1849.</docDate>
        </docImprint>
      </titlePage>
    </front>
    <body>
      <div n="1">
        <head>[Amerika]</head>
        <div xml:id="ar206b_001" type="jArticle">
          <p><ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref> auf Kosten des Staats, der übrigen Bürger, zu existiren. (Auf diese Behaglichkeit versteht man sich im christlich-germanischen Europa noch ganz anders!)</p>
          <p>In New-Orleans wüthete die Cholera fort.</p>
          <p>Der Handel in Getreide, Mehl etc. ging wieder äußerst lebhaft und die Preise waren etwas höher gegangen.</p>
          <p>Zum Schluß erwähne ich noch, daß im Senat der Vereinigten Staaten kürzlich von einem Mitgliede wegen Cuba interpellirt und der Antrag gestellt wurde, der Präsident Polk solle die mit der spanischen Regierung wegen käuflicher Ueberlassung der Insel Cuba gepflogenen Korrespondenzen dem Hause vorlegen.</p>
          <p>Der Senator Rusk (Texas) unterbrach den Antragsteller, Mr. Miller, mit der Frage, ob letzterer an das Vorhandensein einer solchen Korrespondenz wirklich glaube? Mr. Miller: &#x201E;Ja wohl!&#x201C; Da frug ihn ein anderes Mitglied, ob er eventuell sich gegen die Einverleibung der Insel Cuba aussprechen würde? Mr. Miller: &#x201E;Ja, dies werde ich thun, immer, überall und unter allen Umständen!&#x201C; Nun, bemerkte ein Senator aus Missisippi, da werden Sie leider (als Whig) 3 Monate später in einer seltsamen Lage sein, denn General Taylor ist entschieden <hi rendition="#g">für</hi> die Einverleibung Cuba's. &#x2014; Im Staate New-York wurde die Legislatur von dem neu erwählten Präsidenten mit einer langen Botschaft eröffnet. Die englischen Blätter spotten oft über die Länge dieser Dokumente. Allein darin besteht grade ein großer Vorzug unserer politischen Einrichtungen, daß gleich dem Präsidenten der ganzen Nation, auch die Präsidenten jedes einzelnen Staates der Union alljährlich eine genaue Rechenschaft über alle Zweige der Verwaltung ablegen, so daß den Bürgern auch nicht das Mindeste verschwiegen, und ihnen alles vorhandene Material zur Ausübung der Controlle und zur Ueberwachung der immer nur auf kurze Zeit gewählten Staatslenker an die Hand gegeben wird. Wir entnehmen aus jener Botschaft, daß der Staat New-York, der mächtigste in der Union, von seinen Kanälen und Eisenbahnen eine Jahreseinnahme von 3 Millionen 459,690 Dollars bezog. Damit wird ein Theil der Kanalschuld getilgt, ein Theil auf Tilgung der allgemeinen Staatsschuld und der Rest &#x2014; eine halbe Million &#x2014; auf Vollendung des Erie-Kanals und auf noch zwei andere Kanäle verwandt. Im Frühjahre werden 113 Meil. von dem verbreiterten Erie-Kanal zur Benutzung des Publikums gestellt. Während des verflossenen Jahres erhielten 777,723 Kinder in den öffentlichen Schulen des Staates New-York, und 32,251 Kinder in Privatschulen Unterricht, &#x2014; im Ganzen ging somit fast ein Drittel der gesammten Bevölkerung in die Schule.</p>
          <p>Was sagt man in dem lieben christlich-germanischen Preußen dazu, wo früher die censirte Presse von so überschwenglichen Lobe betreffs der unvergleichlichen preuß. Schuleinrichtungen überfloß?</p>
          <p>Die Zahl der Staatsschulen beträgt jetzt im Staate New-York 10,621; die der Privatschulen 1785.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar206b_002" type="jArticle">
          <head><bibl><author>068</author></bibl> New-York, 10. Jan.</head>
          <p>Das Eisenbahnnetz in den Vereinigten Staaten nimmt bekanntlich mit reißender Schnelligkeit an Ausdehnung zu. Bis Schluß 1843 gerechnet sind in den letzten 25 Jahren circa 1000 Millionen Dollars auf Eisenbahnen verwandt worden. &#x2014; Von Hayti ist die Nachricht eingegangen, daß die haytische Armee, 20,000 Mann stark, gegen die Stadt St. Domingo vorrückte, daß man aber zu ihrem warmem Empfange die erforderlichen Anstalten traf. Das in New-Orleans für Yucatan angeworbene Bataillon ist an seinem Bestimmungsort angelangt. &#x2014; Eine Eisenbahn zwischen der Stadt Troy am Hudson-Flusse und Whitee Hall am Champlain-See ist dieser Tage fertig geworden. Damit ist nun die Verbindung mit Montreal mittelst Dampfkraft vollendet, so daß der Handel jetzt seinen Weg in besagter Richtung, statt wie bisher über den Lorenz-Fluß und -Golf, nach New-York nehmen wird.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar206b_003" type="jArticle">
          <head><bibl><author>12</author></bibl> New-York, 10. Jan.</head>
          <p>Der Redakteur der &#x201E;Daily Tribune,&#x201C; Herr Greelcy, hatte eine Bill im Repräsentantenhause eingebracht, auch in seinem Blatte vertheidigt, daß die Extrameilengelder der Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus in Washington aufgehoben würden, da nicht selten ein Abgeordneter für eine Reise, die er mit 20 Dollars macht, auf Umwegen 250-300 Dollars braucht, und dies stets genehmigt wurde, weil jeder der Herren es so macht. &#x201E;Herald&#x201C; erwiederte, 8 Dollars bekäme jeder Abgeordnete per Tag, und Greeley wolle denselben auch noch ihre Reisekosten schmälern, er verlange, mit den Reisekosten solle es seine Bewandtniß haben, und außerdem aber müßten die ehrbaren Volksvertreter <hi rendition="#g">wenigstens</hi> jährlich 5000-6000 Dollars bekommen, um ihren Staatsgeschäften auf würdige Weise nachkommen zu können. Nach Greeley's Antrag würde der Konvent eine &#x201E;Werkstatt voll Tagelöhner.&#x201C;</p>
          <p>Bei der in meinem letzten Schreiben erwähnten Wirthschaftseröffnung des österreichischen Oberstlieutenants Burgthal fand sich &#x201E;Herald&#x201C; bei dem Antrittsessen ein und erklärte am folgenden Tage, daß die vornehmsten Bürger und sogar ein Repräsentant des berühmten Hauses Rothschild sich in dem Wirthschaftslokale eingefunden hätten. Jener Mann, welcher, wie er gehört habe, bei den Wiener Kämpfen des Vorsommers 6 Tage lang nicht aus den Kleidern gekommen, verdiene, daß sein Lokal der Sammelplatz der Aristokratie und der &#x201E;guten Gesellschaft&#x201C; überhaupt werde. Herald beweist, daß auch er sich bestechen läßt, so gut als die andern amerikanischen Blätter. Er bellt ganz entsetzlich, wenn er keine Angst haben darf, gebissen zu werden; den einen Tag noch schimpft er über &#x201E;the foolish emperor&#x201C; (den idioten Kaiser) von Oesterreich, und den andern bewundert und empfiehlt er das Gesindel, das für ihn gedient.</p>
          <p>Der kölner Korrespondent der deutschen Schnellpost scheint seit dem Belagerungszustand von Berlin etwas am Delirium zu leiden. Seine erste Korrespondenz damals schloß damit, daß er halb und halb Abschied nahm, sich freute, nunmehr auf der Barrikade für das Volk zu sterben. etc. etc.</p>
          <p>Zweite Korrespondenz: &#x201E;Wir sind verloren, nun sind wir verloren, wir sind den &#x201E;Rothen&#x201C; in die Hände gefallen, lesen Sie um Gotteswillen nunmehr diese Frechheiten der Neuen Rheinischen Zeitung!&#x201C;</p>
          <p>Dritte Korrespondenz: &#x201E;Das Blatt hat sich schauderhaft gewendet, jetzt gilt's, vor der Reaktion sich zu verkriechen.&#x201C; &#x2014; Und so geht es fort! &#x2014;</p>
          <p>Ueberhaupt wird dieses Blatt schlechter, als je, redigirt, was doch etwas heißen will; das Einzige ist gut, daß sie ihre europäischen Correspond. fast sämmtlich der &#x201E;Neuen Rheinischen Zeitung&#x201C; entnimmt. Die Freibodenfrage wird hier im Augenblick wieder sehr aufgenommen, nicht im Sinne der &#x201E;van Burenschen Barnburnerparthey&#x201C;, d. h. frei von Sklavenarbeit, sondern im Sinne der Nationalreformer, d. h. Boden frei sowohl von Sklavenarbeit, als auch von der Habgier der Kapitalisten, so daß die Staatsländereien unentgeldlich an wirkliche Anbauer, an einzelne Personen nur noch in beschränktem Maße abgegeben werden sollen.</p>
          <p>Die Agitation hiefür gewinnt hier augenblicklich viel Anhang, weil man glaubt, sich sicherstellen zu müssen, daß die aus den europ. Staaten vertriebene Aristokratie nicht aufkaufe oder damit wuchere, während amerik. Bürger heimathlos sind.</p>
          <p>Das kalifornische Goldfieber hat seit letzterer Zeit etwas nachgelassen, vielleicht wegen der jetzigen kalten Witterung, vielleicht auch wegen der neueren Nachrichten über dort vorkommende Zufälle, natürliche Folgen des Mangels aller staatlichen Organisation. &#x2014; Der Garanteismus beginnt auch unter der kleinen Bourgeoisie und dem Arbeiterstande hier Eingang zu finden. Die &#x201E;Protectif-Union&#x201C;, eine Assoziation, welche nach und nach immer bedeutender wird, sucht progressive ihren Mitgliedern alle Bedürfnisse des täglichen Verbrauchs, als Lebensmittel, Kleidungsstücke und Wohnung zu bieten; sie wird dem Monopol bald wirksam entgegentreten können. In einer Stadt in Massachusetts hat sie bereits den Kleinhandel vollständig in ihrer Hand; hier in New-York hat sie eine große Bäckerei etc. angelegt.</p>
          <p>Sie benutzt bei ihren Verkäufern Papiergeld als Tauschmittel und schreitet rüstig und still voran. Sollte ich noch nicht bald zurückreisen und über diese Association noch Interessantes erfahren, so werde ich es Euch mittheilen.</p>
          <p>Der Odd-Fellow-Orden scheint in letzterer Beziehung auch Einiges zu thun; er ist in den Vereinigten Staaten sehr verbreitet; seine Statuten, ganz allgemein gehalten, verlangen wenigstens von den Mitgliedern Unterstutzung bei Krankheit, Gebrechen und im Alter; er überläßt es jedoch den Associationen in den Städten, Garantien in ausgedehntestem Maße weiter in ihren Kreisen durchzuführen.</p>
          <p>Hecker richtet häufig Danksagungs- und Aufmunterungsschreiben an die Redaktionen der deutschen Blätter in der Union, betreffend seinen Revolutionsfond; Hecker ist fortwährend in Belleville bei St. Louis, es ist dies ein Städtchen, wo sich viele Flüchtlinge aus den 30er Jahren niedergelassen haben.</p>
        </div>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Südamerika.</head>
        <div xml:id="ar206b_004" type="jArticle">
          <head>
            <bibl>
              <author>*</author>
            </bibl>
          </head>
          <p>Berichte aus Bogota (Republik Neu-Granada) vom 12. November handeln von den im Senat und der Repräsentantenkammer beschlossenen Gesetzen, nach welchen eine Menge Artikel zollfrei eingeführt werden können. Darunter sind zu nennen: Goldstaub, Gold und Silber in Barren oder gemünzt, alle Werkzeuge und Maschinen für Zuckerraffinerie, für Sägemühlen, Bergbau etc.</p>
        </div>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Neueste Nachrichten.</head>
        <div xml:id="ar206b_005" type="jArticle">
          <head><bibl><author>14</author></bibl> Elberfeld, 25. Januar.</head>
          <p>Wenn die Wahlsiege der Demokratie in der ganzen Monarchie schon alle Hoffnungen übertreffen, so sind die Erfolge in unsrer Fabrikgegend vollends unerwartet.</p>
          <p>Das <hi rendition="#g">Fabrikproletariat des Bergischen hat sich in Bewegung gesetzt:</hi> seine erste Thatwar ein einstimmiges Mißtrauensvotum gegen die gnädigen Herren Fabrikanten.</p>
          <p>Die Arbeiter haben in ihren Distrikten durchaus und in allen andern mehr oder weniger gesiegt. So ist es denn gekommen, daß Aug. de Weerth, Dan. von der Heydt, Herm. von der Heydt (Beigeordneter des Bürgermeisters), Advokat von Hurter (seit Kurzem Inhaber des Unvermeidlichen) und viele andere reiche Wahlmänner der vorigen Election mit Glanz durchfielen.</p>
          <p>In einem Wahlbezirk, wo die Arbeiter ihre Leute alle durchsetzten, trat einer aus dem Arbeiter-Comite zu Gust. Blank sen. an, gab ihm zu erkennen, er habe ihre Vorwahl so schön geleitet, daß sie ihm gerne ihre Stimmen geben möchten, aber sie hätten <hi rendition="#g">einen Eid geleistet, keinen</hi> von ihrer Liste fallen zu lassen. &#x2014; In einem andern Wahlbezirke lagen auf dem Tische vor dem Commissarius Wahllisten, die mit denen der Arbeiter nicht ganz übereinstimmten; ein Weber tritt an den Tisch mit der Frage: &#x201E;Steht das im Gesetz, daß die Listen da liegen müssen?&#x201C; Antw. &#x201E;Nein!&#x201C; Arbeiter: &#x201E;Dann will ich sie auch da wegnehmen&#x201C;, und mit diesen Worten zerriß er mit den Andern das überflüssige Papier und warf es zur Erde. &#x2014; Die Arbeiter hatten sich mit dem politischen Klub auf dessen Antrag vereinigt: die Hauptredner des Klubs wurden fast alle durchgesetzt; vom Klub der Reaktion (constitutioneller) fiel durch Hurter; Alb. Welter (der Locomotiven-Fabrikant) kam nach 2ter Wahl mit 1 Stimme Majorität hinein; Dr. Lieben, nachdem er einmal durchgefallen, ging aus einer späteren Wahl hervor, die übrigen fielen der Reihe nach durch. &#x2014; Bei Bloem's Leben, wo das Patriciat Schlappe auf Schlappe erlitt (Aug. de Weerth war der erste, der gegen einen Wagenmacher da durchfiel) schloß der Wahlakt nach Durchsetzung eines Radikalen mit dem schönen: O Tannenbaum, o Tannenbaum! wie grün sind deine Blätter, mit welchem Gesange die Wahlversammlung in die pechfinstre Nacht nach Hause wogte.</p>
          <p>In Barmen ist man auch zufrieden. Zum Beweise wie die Distrikte zerrissen wurden, geht u. A. daraus hervor, daß mit dem Bruch ein Theil des Bollwerks zu wählen hatte; am letztern wohnen einige kleine Wühler, die man da unwirksam zu machen gedachte. Die Wahl war in der Brucher Schule, ein Engels Wahlkommissar. Die Brucher Liste hatte vier Engels hintereinander, der Wühler Lüttke vom Bollwerk sieht die Liste und geht zur Commission mit der Frage, ob seine Partei auch ihre Candidaten aufstellen könne; sie hätten nicht geglaubt, in diesen District gewiesen zu werden. Antwort: Ja! Lüttke: &#x201E;En Stück Knitt!&#x201C; (Kreide.) An die schwarze Tafel geschrieben: Abr. Eykolskamp &#x2014; passirt; 2. Abr. Cleff &#x2014; passirt. &#x201E;Ihr müßt keine Engelchen wählen, Teufelchen müßt Ihr wählen! Die reichen Leute gehören in die erste Kammer, nicht in die unsrige!&#x201C;</p>
          <p>Und sie setzten Alle durch, und nur ein Engels ging mit 1 Stimme Majorität durch, weil Lüttke zu lange beim Mittagessen verweilt hatte. &#x2014; Auf dem Geidt hatten sie Lust zum Reinhard Neuhaus, jun., Demokrat; aber, nein, sagten die Arbeiter, wir dürfen keinen Kaufmann nehmen, und wenn er noch so gut ist. &#x2014; Die Wahldistrikte für die erste Kammer sind, so kurz vor der Wahl, in Elberfeld noch nicht einmal bekannt. Die Bourgeois laufen verzweifelnd durch die Straßen, wie nach der französischen Revolution, sie sagen, das Säbelregiment sei die einzige übrige Auskunft, den Arbeiterpöbel zu bändigen!</p>
        </div>
        <div xml:id="ar206b_006" type="jArticle">
          <head><bibl><author>15</author></bibl> Lennep, 25. Jan.</head>
          <p>Unsere Wahlen für die 2. Kammer lieferten meistens unbekannte Namen als Wahlmänner &#x2014; Arbeiter im Gegensatz zur durchgefallenen Bourgeoisie des Städtchens, die mit der Zeit wohl andere Saiten aufziehen wird, wenn ihr die Arbeiter nicht gänzlich entfremdet werden sollen. Das hier bei den Fabrikanten übliche vertrauliche &#x201E;Du&#x201C; gegen ihre Arbeiter thut's nicht mehr. Gebt bessere Löhne, ihre Herren. Und nun noch eins! Aus der Spinnerei &#x201E;Blasberg und Keller&#x201C; hier ist ein Arbeiter Wahlmann geworden, dem Herr Keller bei seiner Rückkehr gesagt haben soll, &#x201E;er werde dem Vogel nächsten Samstag schon ein Federchen ausziehen&#x201C;. Ist diese Aeußerung gefallen, Herr Keller? Oui ou non? Und im ersteren Falle: Soll das heißen, Sie wollen den Mann aus dem Verdienst setzen, weil er Wahlmann geworden? Oui ou non?</p>
        </div>
        <div xml:id="ar206b_007" type="jArticle">
          <head><bibl><author>X</author></bibl> Overath, 25. Januar.</head>
          <p>Hier hat sich eine Gesellschaft von Urwählern zur 1. Kammer gebildet, welche dahin wirken will, daß &#x201E;kein Büreaukrat und kein Aristokrat als Wahlmann aus der Wahl vom 29. d. M. hervorgehen soll.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar206b_008" type="jArticle">
          <head><bibl><author>095</author></bibl> Lage bei <hi rendition="#g">Detmold,</hi> 22. Jan.</head>
          <p>Ich hätte Ihnen gern am Sonntag geschrieben, wegen großer Störung war es mir jedoch nicht möglich. Am Freitag, den 18. d. Mts., sind des Morgens halb 6 Uhr 2 Bürger, die vorgeblich etwas zu viel gesprochen haben sollen, aus dem Bette geholt, durch <hi rendition="#g">zehn</hi> Gensd'armen geknebelt, in einem Wagen geworfen, nach Detmold transportirt worden. Der Eine ein Buchbinder, der Andere ein Stellmacher, beides Leute, welche in ehrenwerther Wirksamkeit ihre Zeit zubringen. Weil nun ganz Lemgo die Männer als grundehrlich und brav kennt, und das gegen sie beobachtete Verfahren so unrecht wie ungesetzlich erkannte, so lehnte Reich und Arm sich einstimmig gegen das Verfahren der Regierung auf, und Stadt wie Umgegend vereinten sich zu einem Zuge von etwa 10,000 Mann, der sich gen Detmold in Bewegung setzte. Hier verlangten sie vom &#x2014; &#x201E;Landesvater&#x201C; &#x2014; mittelst einer Petition die sofortige Loslassung der Inhaftirten.</p>
          <p>Se. Fürstl. Durchlaucht geruhten sofort huldreich die Begnadigung zu versprechen, jedoch solle vorab den folgenden Tag das Kriminalgericht über den Fall erkennen. Hierauf wurden die Bürger vom Fuße des Teutoburgerwaldes unwillig und riefen einstimmig, nicht eher Detmold verlassen zu wollen bis sie ihre mit Unrecht arretirten beiden Mitbürger zurück haben würden. Dies genügte, um das Militär einschreiten zu lassen; und wahrlich es kam zu Scenen, deren sich die Kroaten und k. k. Henkersknechte in Wien und Ungarn nicht zu schämen brauchten. Es wurde gemordet, wobei sich auch hofschranzelnde Detmolder Bürger betheiligten.</p>
          <p>Während des Tages hütete sich das Militär, einzuschreiten; erst nach Einbruch der Nacht begann das Massacre. Außer vielen schwer oder leicht Verwundeten, sind 2 Bürger todtgeblieben; Einem sind 4 Finger abgehauen. Das aber versichere ich Ihnen, daß die Nemesis für diese Unthaten nicht ausbleiben wird. Alles knirscht vor Wuth und die Zeit dürfte nicht fern sein, wo die Lemgoer etc. Gelegenheit finden werden, für jene kroatischen Barbareien, fürstliche Hinterlist, Beamtenstücke etc. Rache zu nehmen.</p>
        </div>
      </div>
      <div>
        <bibl>Redakteur en chef: <editor>Karl Marx.</editor>             </bibl>
      </div>
      <div type="jReadersLetters" n="1">
        <div xml:id="ar206b_009" type="jArticle">
          <head>Antwort der dreizehn Stadtverordneten</head>
          <p rendition="#et">auf die am 16. Jan. a. c. der Stadtverordneten-Versammlung durch Hrn. v. Spreckelsen und Consorten überreichten Mißtrauens-Adresse. Herren v. Spreckelsen, E. Mooyer und Theilnehmer.</p>
          <p>Minden, am 17. Januar 1849.</p>
          <p>Sie haben nach dem Beispiele des konstitutionellen Vereins, dessen Mitglieder Sie zum Theil sind, ein Schreiben an die hiesige Stadtverordneten-Versammlung gerichtet, worin Sie Ihren Tadel und Ihre Mißbilligung darüber in belehrenden Worten aussprechen, daß es 13 Mitglieder derselben gewagt haben, am 14. November v. J. der National-Versammlung in Berlin ihre Anerkennung, ihren Dank für ihr ruhiges, besonnenes, würdevolles Benehmen der Militärmacht gegenüber in einer Dankadresse darzubringen, wodurch dieselbe Berlin gegen Blutvergießen, Zerstörung und die Schrecken des Bürgerkrieges bewahrt habe.</p>
          <p>Sie verdienen zwar für die große persönliche Anstrengung und Ueberredung, wodurch es Ihnen gelungen ist, 95 Unterschriften zu dieser Mißtrauens-Adresse gegen ihre Mitbürger heranzuschaffen, und für die guten Lehren, welche Sie den Stadtverordneten zu ertheilen die Güte haben, unsern Dank; denn aus guten Lehren läßt sich immer etwas entnehmen. &#x2014; Sie scheinen indessen in Ihrem fast ausschließlichen Umgange mit bevormundenden Beamten und Militärs ganz vergessen zu haben, &#x201E;daß Sie Bürger sind, und die neue Zeit seit März v. J. eine ganz andere ist, als die alte&#x201C;, sonst würden Sie auch wissen, daß ein freies Wort dem freien Manne ziemt, und die Knechtschaft, welche einst das Wort und die Presse fesselte, gottlob zerbrochen ist.</p>
          <p>Diese unsere köstliche Errungenschaft, der sich jeder Einzelne mit vollem gesetzlichen Rechte erfreut, wagen Sie &#x2014; Bürger, die Sie doch einmal mit uns sind &#x2014; einer Anzahl von 13 Ihrer Mitbürger mißtrauend verkümmern zu wollen? &#x2014; Haben Sie Sich durch bisherigen Umgang mit der Bureaukratie so sehr entbürgern lassen, daß Sie freudig mit daran arbeiten möchten, die alte Zwangsjacke, welche gottlob zerrissen ist, wiederherzustellen, so behalten Sie solche für Sich allein &#x2014; denn Sie machen Sich derselben würdig. Verlangen Sie aber nicht von freien Männern, daß sie bei großen Begebenheiten (wie jenes Berliner Ereigniß am 9. November, wo die National-Versammlung das Volk und die 17,000 Mann gewaffneter Bürgerwehr zu Ruhe und Ordnung, und Vermeidung jeder ungesetzlichen Handlung ermahnte) sich ihrer Meinungsäußerung enthalten und theilnahmlos den wichtigsten politischen Begebenheiten des Vaterlandes zusehen sollen.</p>
          <p>Nehmen Sie von uns die Lehre, daß man seinem Könige und Vaterlande welt besser dient, wenn man frei und ohne Menschenfurcht öffentlich seine Herzensmeinung ausspricht, als wenn man heuchelt und schmeichelt.</p>
          <p>Sie leisten unserer Stadt wie unserm Vaterlande einen schlechten Dienst, wenn Sie unter Ihren Mitbürgern Mißtrauen säen, und mit der Bureaukratie! welcher das Herrschen und Bevormunden zur süßen Gewohnheit geworden ist, (wir tadeln diese deshalb nicht &#x2014;) in ein Horn blasen &#x2014;; wenn Sie bei den bevorstehenden Wahlen Ihren Einfluß verwenden, um alle freisinnigen Männer fern zu halten und nur solche zu wählen, welche zu Allem ja sagen. &#x2014; Geschähe das allgemein, was Gott verhüten mag, so würde die oktroyirte Verfassung, wie so manche andere z. B. in Hessen und Bayern es bislang war, eine Schein-Verfassung, ein Baum ohne Früchte bleiben.</p>
          <p>Mit gebührender Achtung zeichnen ergebenst Die Stadtverordneten:</p>
          <p>(gez.) Th. Rocholl. C. Bieber. Ernst Vögeler. Franz Homann L. Korff. Wilhelm Möllinghoff. Fr. Jos. Schulze. F. Wachsmuth. J. F. Schindeler. Grotjahn. F. Eßmann. Heinr. Rousseau. F. W. Korff.</p>
        </div>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Handelsnachrichten.</head>
        <gap reason="insignificant"/>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Meteorologische Beobachtungen.</head>
        <gap reason="insignificant"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1127/0001] Beilage zu Nr. 206 der Neuen Rheinischen Zeitung. Organ der Demokratie. Samstag 27. Januar 1849. [Amerika] [Fortsetzung] auf Kosten des Staats, der übrigen Bürger, zu existiren. (Auf diese Behaglichkeit versteht man sich im christlich-germanischen Europa noch ganz anders!) In New-Orleans wüthete die Cholera fort. Der Handel in Getreide, Mehl etc. ging wieder äußerst lebhaft und die Preise waren etwas höher gegangen. Zum Schluß erwähne ich noch, daß im Senat der Vereinigten Staaten kürzlich von einem Mitgliede wegen Cuba interpellirt und der Antrag gestellt wurde, der Präsident Polk solle die mit der spanischen Regierung wegen käuflicher Ueberlassung der Insel Cuba gepflogenen Korrespondenzen dem Hause vorlegen. Der Senator Rusk (Texas) unterbrach den Antragsteller, Mr. Miller, mit der Frage, ob letzterer an das Vorhandensein einer solchen Korrespondenz wirklich glaube? Mr. Miller: „Ja wohl!“ Da frug ihn ein anderes Mitglied, ob er eventuell sich gegen die Einverleibung der Insel Cuba aussprechen würde? Mr. Miller: „Ja, dies werde ich thun, immer, überall und unter allen Umständen!“ Nun, bemerkte ein Senator aus Missisippi, da werden Sie leider (als Whig) 3 Monate später in einer seltsamen Lage sein, denn General Taylor ist entschieden für die Einverleibung Cuba's. — Im Staate New-York wurde die Legislatur von dem neu erwählten Präsidenten mit einer langen Botschaft eröffnet. Die englischen Blätter spotten oft über die Länge dieser Dokumente. Allein darin besteht grade ein großer Vorzug unserer politischen Einrichtungen, daß gleich dem Präsidenten der ganzen Nation, auch die Präsidenten jedes einzelnen Staates der Union alljährlich eine genaue Rechenschaft über alle Zweige der Verwaltung ablegen, so daß den Bürgern auch nicht das Mindeste verschwiegen, und ihnen alles vorhandene Material zur Ausübung der Controlle und zur Ueberwachung der immer nur auf kurze Zeit gewählten Staatslenker an die Hand gegeben wird. Wir entnehmen aus jener Botschaft, daß der Staat New-York, der mächtigste in der Union, von seinen Kanälen und Eisenbahnen eine Jahreseinnahme von 3 Millionen 459,690 Dollars bezog. Damit wird ein Theil der Kanalschuld getilgt, ein Theil auf Tilgung der allgemeinen Staatsschuld und der Rest — eine halbe Million — auf Vollendung des Erie-Kanals und auf noch zwei andere Kanäle verwandt. Im Frühjahre werden 113 Meil. von dem verbreiterten Erie-Kanal zur Benutzung des Publikums gestellt. Während des verflossenen Jahres erhielten 777,723 Kinder in den öffentlichen Schulen des Staates New-York, und 32,251 Kinder in Privatschulen Unterricht, — im Ganzen ging somit fast ein Drittel der gesammten Bevölkerung in die Schule. Was sagt man in dem lieben christlich-germanischen Preußen dazu, wo früher die censirte Presse von so überschwenglichen Lobe betreffs der unvergleichlichen preuß. Schuleinrichtungen überfloß? Die Zahl der Staatsschulen beträgt jetzt im Staate New-York 10,621; die der Privatschulen 1785. 068 New-York, 10. Jan. Das Eisenbahnnetz in den Vereinigten Staaten nimmt bekanntlich mit reißender Schnelligkeit an Ausdehnung zu. Bis Schluß 1843 gerechnet sind in den letzten 25 Jahren circa 1000 Millionen Dollars auf Eisenbahnen verwandt worden. — Von Hayti ist die Nachricht eingegangen, daß die haytische Armee, 20,000 Mann stark, gegen die Stadt St. Domingo vorrückte, daß man aber zu ihrem warmem Empfange die erforderlichen Anstalten traf. Das in New-Orleans für Yucatan angeworbene Bataillon ist an seinem Bestimmungsort angelangt. — Eine Eisenbahn zwischen der Stadt Troy am Hudson-Flusse und Whitee Hall am Champlain-See ist dieser Tage fertig geworden. Damit ist nun die Verbindung mit Montreal mittelst Dampfkraft vollendet, so daß der Handel jetzt seinen Weg in besagter Richtung, statt wie bisher über den Lorenz-Fluß und -Golf, nach New-York nehmen wird. 12 New-York, 10. Jan. Der Redakteur der „Daily Tribune,“ Herr Greelcy, hatte eine Bill im Repräsentantenhause eingebracht, auch in seinem Blatte vertheidigt, daß die Extrameilengelder der Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus in Washington aufgehoben würden, da nicht selten ein Abgeordneter für eine Reise, die er mit 20 Dollars macht, auf Umwegen 250-300 Dollars braucht, und dies stets genehmigt wurde, weil jeder der Herren es so macht. „Herald“ erwiederte, 8 Dollars bekäme jeder Abgeordnete per Tag, und Greeley wolle denselben auch noch ihre Reisekosten schmälern, er verlange, mit den Reisekosten solle es seine Bewandtniß haben, und außerdem aber müßten die ehrbaren Volksvertreter wenigstens jährlich 5000-6000 Dollars bekommen, um ihren Staatsgeschäften auf würdige Weise nachkommen zu können. Nach Greeley's Antrag würde der Konvent eine „Werkstatt voll Tagelöhner.“ Bei der in meinem letzten Schreiben erwähnten Wirthschaftseröffnung des österreichischen Oberstlieutenants Burgthal fand sich „Herald“ bei dem Antrittsessen ein und erklärte am folgenden Tage, daß die vornehmsten Bürger und sogar ein Repräsentant des berühmten Hauses Rothschild sich in dem Wirthschaftslokale eingefunden hätten. Jener Mann, welcher, wie er gehört habe, bei den Wiener Kämpfen des Vorsommers 6 Tage lang nicht aus den Kleidern gekommen, verdiene, daß sein Lokal der Sammelplatz der Aristokratie und der „guten Gesellschaft“ überhaupt werde. Herald beweist, daß auch er sich bestechen läßt, so gut als die andern amerikanischen Blätter. Er bellt ganz entsetzlich, wenn er keine Angst haben darf, gebissen zu werden; den einen Tag noch schimpft er über „the foolish emperor“ (den idioten Kaiser) von Oesterreich, und den andern bewundert und empfiehlt er das Gesindel, das für ihn gedient. Der kölner Korrespondent der deutschen Schnellpost scheint seit dem Belagerungszustand von Berlin etwas am Delirium zu leiden. Seine erste Korrespondenz damals schloß damit, daß er halb und halb Abschied nahm, sich freute, nunmehr auf der Barrikade für das Volk zu sterben. etc. etc. Zweite Korrespondenz: „Wir sind verloren, nun sind wir verloren, wir sind den „Rothen“ in die Hände gefallen, lesen Sie um Gotteswillen nunmehr diese Frechheiten der Neuen Rheinischen Zeitung!“ Dritte Korrespondenz: „Das Blatt hat sich schauderhaft gewendet, jetzt gilt's, vor der Reaktion sich zu verkriechen.“ — Und so geht es fort! — Ueberhaupt wird dieses Blatt schlechter, als je, redigirt, was doch etwas heißen will; das Einzige ist gut, daß sie ihre europäischen Correspond. fast sämmtlich der „Neuen Rheinischen Zeitung“ entnimmt. Die Freibodenfrage wird hier im Augenblick wieder sehr aufgenommen, nicht im Sinne der „van Burenschen Barnburnerparthey“, d. h. frei von Sklavenarbeit, sondern im Sinne der Nationalreformer, d. h. Boden frei sowohl von Sklavenarbeit, als auch von der Habgier der Kapitalisten, so daß die Staatsländereien unentgeldlich an wirkliche Anbauer, an einzelne Personen nur noch in beschränktem Maße abgegeben werden sollen. Die Agitation hiefür gewinnt hier augenblicklich viel Anhang, weil man glaubt, sich sicherstellen zu müssen, daß die aus den europ. Staaten vertriebene Aristokratie nicht aufkaufe oder damit wuchere, während amerik. Bürger heimathlos sind. Das kalifornische Goldfieber hat seit letzterer Zeit etwas nachgelassen, vielleicht wegen der jetzigen kalten Witterung, vielleicht auch wegen der neueren Nachrichten über dort vorkommende Zufälle, natürliche Folgen des Mangels aller staatlichen Organisation. — Der Garanteismus beginnt auch unter der kleinen Bourgeoisie und dem Arbeiterstande hier Eingang zu finden. Die „Protectif-Union“, eine Assoziation, welche nach und nach immer bedeutender wird, sucht progressive ihren Mitgliedern alle Bedürfnisse des täglichen Verbrauchs, als Lebensmittel, Kleidungsstücke und Wohnung zu bieten; sie wird dem Monopol bald wirksam entgegentreten können. In einer Stadt in Massachusetts hat sie bereits den Kleinhandel vollständig in ihrer Hand; hier in New-York hat sie eine große Bäckerei etc. angelegt. Sie benutzt bei ihren Verkäufern Papiergeld als Tauschmittel und schreitet rüstig und still voran. Sollte ich noch nicht bald zurückreisen und über diese Association noch Interessantes erfahren, so werde ich es Euch mittheilen. Der Odd-Fellow-Orden scheint in letzterer Beziehung auch Einiges zu thun; er ist in den Vereinigten Staaten sehr verbreitet; seine Statuten, ganz allgemein gehalten, verlangen wenigstens von den Mitgliedern Unterstutzung bei Krankheit, Gebrechen und im Alter; er überläßt es jedoch den Associationen in den Städten, Garantien in ausgedehntestem Maße weiter in ihren Kreisen durchzuführen. Hecker richtet häufig Danksagungs- und Aufmunterungsschreiben an die Redaktionen der deutschen Blätter in der Union, betreffend seinen Revolutionsfond; Hecker ist fortwährend in Belleville bei St. Louis, es ist dies ein Städtchen, wo sich viele Flüchtlinge aus den 30er Jahren niedergelassen haben. Südamerika. * Berichte aus Bogota (Republik Neu-Granada) vom 12. November handeln von den im Senat und der Repräsentantenkammer beschlossenen Gesetzen, nach welchen eine Menge Artikel zollfrei eingeführt werden können. Darunter sind zu nennen: Goldstaub, Gold und Silber in Barren oder gemünzt, alle Werkzeuge und Maschinen für Zuckerraffinerie, für Sägemühlen, Bergbau etc. Neueste Nachrichten. 14 Elberfeld, 25. Januar. Wenn die Wahlsiege der Demokratie in der ganzen Monarchie schon alle Hoffnungen übertreffen, so sind die Erfolge in unsrer Fabrikgegend vollends unerwartet. Das Fabrikproletariat des Bergischen hat sich in Bewegung gesetzt: seine erste Thatwar ein einstimmiges Mißtrauensvotum gegen die gnädigen Herren Fabrikanten. Die Arbeiter haben in ihren Distrikten durchaus und in allen andern mehr oder weniger gesiegt. So ist es denn gekommen, daß Aug. de Weerth, Dan. von der Heydt, Herm. von der Heydt (Beigeordneter des Bürgermeisters), Advokat von Hurter (seit Kurzem Inhaber des Unvermeidlichen) und viele andere reiche Wahlmänner der vorigen Election mit Glanz durchfielen. In einem Wahlbezirk, wo die Arbeiter ihre Leute alle durchsetzten, trat einer aus dem Arbeiter-Comite zu Gust. Blank sen. an, gab ihm zu erkennen, er habe ihre Vorwahl so schön geleitet, daß sie ihm gerne ihre Stimmen geben möchten, aber sie hätten einen Eid geleistet, keinen von ihrer Liste fallen zu lassen. — In einem andern Wahlbezirke lagen auf dem Tische vor dem Commissarius Wahllisten, die mit denen der Arbeiter nicht ganz übereinstimmten; ein Weber tritt an den Tisch mit der Frage: „Steht das im Gesetz, daß die Listen da liegen müssen?“ Antw. „Nein!“ Arbeiter: „Dann will ich sie auch da wegnehmen“, und mit diesen Worten zerriß er mit den Andern das überflüssige Papier und warf es zur Erde. — Die Arbeiter hatten sich mit dem politischen Klub auf dessen Antrag vereinigt: die Hauptredner des Klubs wurden fast alle durchgesetzt; vom Klub der Reaktion (constitutioneller) fiel durch Hurter; Alb. Welter (der Locomotiven-Fabrikant) kam nach 2ter Wahl mit 1 Stimme Majorität hinein; Dr. Lieben, nachdem er einmal durchgefallen, ging aus einer späteren Wahl hervor, die übrigen fielen der Reihe nach durch. — Bei Bloem's Leben, wo das Patriciat Schlappe auf Schlappe erlitt (Aug. de Weerth war der erste, der gegen einen Wagenmacher da durchfiel) schloß der Wahlakt nach Durchsetzung eines Radikalen mit dem schönen: O Tannenbaum, o Tannenbaum! wie grün sind deine Blätter, mit welchem Gesange die Wahlversammlung in die pechfinstre Nacht nach Hause wogte. In Barmen ist man auch zufrieden. Zum Beweise wie die Distrikte zerrissen wurden, geht u. A. daraus hervor, daß mit dem Bruch ein Theil des Bollwerks zu wählen hatte; am letztern wohnen einige kleine Wühler, die man da unwirksam zu machen gedachte. Die Wahl war in der Brucher Schule, ein Engels Wahlkommissar. Die Brucher Liste hatte vier Engels hintereinander, der Wühler Lüttke vom Bollwerk sieht die Liste und geht zur Commission mit der Frage, ob seine Partei auch ihre Candidaten aufstellen könne; sie hätten nicht geglaubt, in diesen District gewiesen zu werden. Antwort: Ja! Lüttke: „En Stück Knitt!“ (Kreide.) An die schwarze Tafel geschrieben: Abr. Eykolskamp — passirt; 2. Abr. Cleff — passirt. „Ihr müßt keine Engelchen wählen, Teufelchen müßt Ihr wählen! Die reichen Leute gehören in die erste Kammer, nicht in die unsrige!“ Und sie setzten Alle durch, und nur ein Engels ging mit 1 Stimme Majorität durch, weil Lüttke zu lange beim Mittagessen verweilt hatte. — Auf dem Geidt hatten sie Lust zum Reinhard Neuhaus, jun., Demokrat; aber, nein, sagten die Arbeiter, wir dürfen keinen Kaufmann nehmen, und wenn er noch so gut ist. — Die Wahldistrikte für die erste Kammer sind, so kurz vor der Wahl, in Elberfeld noch nicht einmal bekannt. Die Bourgeois laufen verzweifelnd durch die Straßen, wie nach der französischen Revolution, sie sagen, das Säbelregiment sei die einzige übrige Auskunft, den Arbeiterpöbel zu bändigen! 15 Lennep, 25. Jan. Unsere Wahlen für die 2. Kammer lieferten meistens unbekannte Namen als Wahlmänner — Arbeiter im Gegensatz zur durchgefallenen Bourgeoisie des Städtchens, die mit der Zeit wohl andere Saiten aufziehen wird, wenn ihr die Arbeiter nicht gänzlich entfremdet werden sollen. Das hier bei den Fabrikanten übliche vertrauliche „Du“ gegen ihre Arbeiter thut's nicht mehr. Gebt bessere Löhne, ihre Herren. Und nun noch eins! Aus der Spinnerei „Blasberg und Keller“ hier ist ein Arbeiter Wahlmann geworden, dem Herr Keller bei seiner Rückkehr gesagt haben soll, „er werde dem Vogel nächsten Samstag schon ein Federchen ausziehen“. Ist diese Aeußerung gefallen, Herr Keller? Oui ou non? Und im ersteren Falle: Soll das heißen, Sie wollen den Mann aus dem Verdienst setzen, weil er Wahlmann geworden? Oui ou non? X Overath, 25. Januar. Hier hat sich eine Gesellschaft von Urwählern zur 1. Kammer gebildet, welche dahin wirken will, daß „kein Büreaukrat und kein Aristokrat als Wahlmann aus der Wahl vom 29. d. M. hervorgehen soll. 095 Lage bei Detmold, 22. Jan. Ich hätte Ihnen gern am Sonntag geschrieben, wegen großer Störung war es mir jedoch nicht möglich. Am Freitag, den 18. d. Mts., sind des Morgens halb 6 Uhr 2 Bürger, die vorgeblich etwas zu viel gesprochen haben sollen, aus dem Bette geholt, durch zehn Gensd'armen geknebelt, in einem Wagen geworfen, nach Detmold transportirt worden. Der Eine ein Buchbinder, der Andere ein Stellmacher, beides Leute, welche in ehrenwerther Wirksamkeit ihre Zeit zubringen. Weil nun ganz Lemgo die Männer als grundehrlich und brav kennt, und das gegen sie beobachtete Verfahren so unrecht wie ungesetzlich erkannte, so lehnte Reich und Arm sich einstimmig gegen das Verfahren der Regierung auf, und Stadt wie Umgegend vereinten sich zu einem Zuge von etwa 10,000 Mann, der sich gen Detmold in Bewegung setzte. Hier verlangten sie vom — „Landesvater“ — mittelst einer Petition die sofortige Loslassung der Inhaftirten. Se. Fürstl. Durchlaucht geruhten sofort huldreich die Begnadigung zu versprechen, jedoch solle vorab den folgenden Tag das Kriminalgericht über den Fall erkennen. Hierauf wurden die Bürger vom Fuße des Teutoburgerwaldes unwillig und riefen einstimmig, nicht eher Detmold verlassen zu wollen bis sie ihre mit Unrecht arretirten beiden Mitbürger zurück haben würden. Dies genügte, um das Militär einschreiten zu lassen; und wahrlich es kam zu Scenen, deren sich die Kroaten und k. k. Henkersknechte in Wien und Ungarn nicht zu schämen brauchten. Es wurde gemordet, wobei sich auch hofschranzelnde Detmolder Bürger betheiligten. Während des Tages hütete sich das Militär, einzuschreiten; erst nach Einbruch der Nacht begann das Massacre. Außer vielen schwer oder leicht Verwundeten, sind 2 Bürger todtgeblieben; Einem sind 4 Finger abgehauen. Das aber versichere ich Ihnen, daß die Nemesis für diese Unthaten nicht ausbleiben wird. Alles knirscht vor Wuth und die Zeit dürfte nicht fern sein, wo die Lemgoer etc. Gelegenheit finden werden, für jene kroatischen Barbareien, fürstliche Hinterlist, Beamtenstücke etc. Rache zu nehmen. Redakteur en chef: Karl Marx. Antwort der dreizehn Stadtverordneten auf die am 16. Jan. a. c. der Stadtverordneten-Versammlung durch Hrn. v. Spreckelsen und Consorten überreichten Mißtrauens-Adresse. Herren v. Spreckelsen, E. Mooyer und Theilnehmer. Minden, am 17. Januar 1849. Sie haben nach dem Beispiele des konstitutionellen Vereins, dessen Mitglieder Sie zum Theil sind, ein Schreiben an die hiesige Stadtverordneten-Versammlung gerichtet, worin Sie Ihren Tadel und Ihre Mißbilligung darüber in belehrenden Worten aussprechen, daß es 13 Mitglieder derselben gewagt haben, am 14. November v. J. der National-Versammlung in Berlin ihre Anerkennung, ihren Dank für ihr ruhiges, besonnenes, würdevolles Benehmen der Militärmacht gegenüber in einer Dankadresse darzubringen, wodurch dieselbe Berlin gegen Blutvergießen, Zerstörung und die Schrecken des Bürgerkrieges bewahrt habe. Sie verdienen zwar für die große persönliche Anstrengung und Ueberredung, wodurch es Ihnen gelungen ist, 95 Unterschriften zu dieser Mißtrauens-Adresse gegen ihre Mitbürger heranzuschaffen, und für die guten Lehren, welche Sie den Stadtverordneten zu ertheilen die Güte haben, unsern Dank; denn aus guten Lehren läßt sich immer etwas entnehmen. — Sie scheinen indessen in Ihrem fast ausschließlichen Umgange mit bevormundenden Beamten und Militärs ganz vergessen zu haben, „daß Sie Bürger sind, und die neue Zeit seit März v. J. eine ganz andere ist, als die alte“, sonst würden Sie auch wissen, daß ein freies Wort dem freien Manne ziemt, und die Knechtschaft, welche einst das Wort und die Presse fesselte, gottlob zerbrochen ist. Diese unsere köstliche Errungenschaft, der sich jeder Einzelne mit vollem gesetzlichen Rechte erfreut, wagen Sie — Bürger, die Sie doch einmal mit uns sind — einer Anzahl von 13 Ihrer Mitbürger mißtrauend verkümmern zu wollen? — Haben Sie Sich durch bisherigen Umgang mit der Bureaukratie so sehr entbürgern lassen, daß Sie freudig mit daran arbeiten möchten, die alte Zwangsjacke, welche gottlob zerrissen ist, wiederherzustellen, so behalten Sie solche für Sich allein — denn Sie machen Sich derselben würdig. Verlangen Sie aber nicht von freien Männern, daß sie bei großen Begebenheiten (wie jenes Berliner Ereigniß am 9. November, wo die National-Versammlung das Volk und die 17,000 Mann gewaffneter Bürgerwehr zu Ruhe und Ordnung, und Vermeidung jeder ungesetzlichen Handlung ermahnte) sich ihrer Meinungsäußerung enthalten und theilnahmlos den wichtigsten politischen Begebenheiten des Vaterlandes zusehen sollen. Nehmen Sie von uns die Lehre, daß man seinem Könige und Vaterlande welt besser dient, wenn man frei und ohne Menschenfurcht öffentlich seine Herzensmeinung ausspricht, als wenn man heuchelt und schmeichelt. Sie leisten unserer Stadt wie unserm Vaterlande einen schlechten Dienst, wenn Sie unter Ihren Mitbürgern Mißtrauen säen, und mit der Bureaukratie! welcher das Herrschen und Bevormunden zur süßen Gewohnheit geworden ist, (wir tadeln diese deshalb nicht —) in ein Horn blasen —; wenn Sie bei den bevorstehenden Wahlen Ihren Einfluß verwenden, um alle freisinnigen Männer fern zu halten und nur solche zu wählen, welche zu Allem ja sagen. — Geschähe das allgemein, was Gott verhüten mag, so würde die oktroyirte Verfassung, wie so manche andere z. B. in Hessen und Bayern es bislang war, eine Schein-Verfassung, ein Baum ohne Früchte bleiben. Mit gebührender Achtung zeichnen ergebenst Die Stadtverordneten: (gez.) Th. Rocholl. C. Bieber. Ernst Vögeler. Franz Homann L. Korff. Wilhelm Möllinghoff. Fr. Jos. Schulze. F. Wachsmuth. J. F. Schindeler. Grotjahn. F. Eßmann. Heinr. Rousseau. F. W. Korff. Handelsnachrichten. _ Meteorologische Beobachtungen. _

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jürgen Herres: Konvertierung TUSTEP nach XML (2017-03-20T13:08:10Z)
Maria Ermakova, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Frank Wiegand: Konvertierung XML nach DTA-Basisformat (2017-03-20T13:08:10Z)

Weitere Informationen:

Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 2 (Nummer 184 bis Nummer 301) Köln, 1. Januar 1849 bis 19. Mai 1849. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz206b_1849
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz206b_1849/1
Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 206. Köln, 27. Januar 1849. Beilage, S. 1127. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz206b_1849/1>, abgerufen am 14.08.2020.