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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 154. Köln, 28. November 1848. Beilage.

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hüpftet und in die Hände klatschtet, als das heroische Wien zusammenkrachte und Jellachich, der Barbar, seine Orgien anhub. Jetzt, werthe, Herren, eilt, singet schnell den letzten Vers eures Tedeums, tanzt schnell den letzten Tanz, denn bald wird euer Orchester verstummen vor den Tönen der deutschen Sturmglocken und Siegeslieder, und die Demokraten Italiens, Polens, Deutschlands, Frankreichs und der ganzen Welt werden sich die Hand geben. Der Triumph der preußischen Demokraten ist der Sieg der Freiheit bei allen Nachbarn. Und Frankreich wird, bei Gott! diesem erhabenen Schauspiel nicht träge zusehen. Es wird kühn und pflichtgetreu sich erheben, wie im Wogenschwall seine Regierer mit sich reißen und nöthigenfalls -- verschlingen. Nein, tausendmal nein, die französische Republik darf nicht müßig Gewehr im Arm dabei stehen; die Aristokraten geben uns ein Beispiel: jetzt, nach Wien's Opferung, umzingeln sie Berlin, dann gehts nach Italien, dann nach der Schweiz, dann nach Frankreich. Vergessen wir nie die alte Strophe: "Die Franzosen werden überall und jederzeit das frevelnde Königthum in die ewige Nacht hinabstoßen, und Frieden und Freiheit dem Erdkreise geben." Die Fourrieristische Democratie pacifique thut jetzt Buße für ihre Albernheit, vor zwei Monaten im Jellachich einen "großen Mann" gesehen zu haben. Sie und La Reforme eröffneten bereits eine Subskription für Robert Blum's Familie, dessen Andenken auf dem letzten Sonntagsbankett die kräftigsten Toaste und Reden gehalten wurden. Bernard (von Carcassone in seinem Klub am Montparnaß hat den Vorschlag einer Nationalsteuer von einem Sou für die Hinterbliebenen des Freiheitsmärtyrers adoptiren lassen. Das Freiligrathsche Gedicht auf ihn steht in französisch Prosa in acht Zeitungen, und wird noch in Versen übertragen; ebenso das auf Wien. Das "Journal des Debats" höhnt, es meint die französischen Demokraten hätten selber Geldnoth, doch mitten in diesem Höhnen zuckt das ehrlose Mammons- und Wuchererblatt gar seltsamlich mit den gelben Lügenlippen, es wittert Morgenluft -- und wenn es heute im Leitartikel auf die "frechen Lumpendemagogen Berlins," auf die "ultra demokratischen rothen Assisen des Kongresses," auf die "atheistische Opposition die die preußische Linke gegen den Titel: von Gottes Gnaden macht" schimpft, so ist das doch eigentlich nur Flitterputz um des Pudels Kern zu verhüllen, und dieser Kern ist eine melancholische Reflexion über Finanzverhältnisse "ohne die ja heute zu Tage nichts zu machen" meint das Ehrenblatt. Und das eben ist das Famose bei der Geschichte, selbst der Expair und Goldluchs Armand Bertin wird seit seinem Junisiege immer düstrer wenn er das leise Erzittern des einst so soliden Finanzbodens verspürt, und kein Mittel, keins auf weiter Welt, weiß ihn wieder zu louisphilippistischer Sicherheit zurückzuführen. Daher die an Epilepsie und Katalepsie grenzende Tollwuth seiner Kaste, als das berühmte blanqui'sche Wort durch Paris kursirte: "unsere hohe Bourgeoisie lebt vom Kredit und im Kredit, reibt ihn durch fortwährende Agitation diesen Nervenstrang durch, bis er immer dünner wird und endlich reißt ...."

12 Paris, 23. Nov.

Immer noch Cavaignac und Louis Napoleon. Darum dreht sich Alles. Dem Anscheine nach ist der Kampf entsponnen zwischen der arabischen Kappe und dem kaiserlichen Hute, der Wahrheit nach zwischen der Revolution und der Contrerevolution; die Contrerevolution in der Gestalt des Republikaners Cavaignac, die Revolution in der Gestalt des kaiserlichen Louis Napoleon. Je mehr die arabische Kappe sinkt, je höher steigt der kaiserliche Hut. Dieses Mal ist die Kappe dermaßen dem Hrn. Cavaignac eingedrückt worden, daß er wohl schwerlich sich vom Schlage erholen kann. Er selbst hat die Initiative der Interpellationen in der Kammer ergriffen: er selbst sah sich genöthigt, seine Ankläger, die Mitglieder der alten Exekutiven zur Rede zu stellen über die Anschuldigung, die Juni-Insurrektion hervorgerufen zu haben, und dieses Alles, um seine Präsidentschaft zu retten. Marie und Lamartine waren nicht anwesend und der Skandal wird nächste Woche zur Oeffentlichkeit kommen. Cavaignac, sagen wir, repräsentirt die Contrerevolution.

Die Juni-Insurgenten sind von Cavaignac zum Kampfe provozirt worden, um besiegt zu werden. Mit der Niederlage Juni's in Frankreich siegt ganz in Deutschland die Contrerevolution, so wie mit Februar die Revolution anfing. Mit dem Belagerungsstande in Paris kamen die Belagerungsstande über Deutschland, aber in einem weit kläglichern, erbärmlichern Zustande. Die guten Bourgeois lassen sich in Deutschland entwaffnen mit einer Bereitwilligkeit, die einem im Herzen wohl thut. Die Pickelhauben lassen sich muthig die Bürgergewehre ausliefern, weil die rothen Hosen von repulikanischen Hanswürsten und arabischen Hengsten kommandirt werden. Die Revolution, sagen wir, wird vom kaiserlichen Louis Napoleon repräsentirt, d. h. von allen denjenigen, welche Louis Napoleon dem Cavaignac und der Kammer entgegenhalten. Schon daß Louis Napoleon ein ernstlicher Kandidat werden kann, schon der daß ein Mann, bisheran nur durch seine drolligen Abentheuer bekannt ist, ein Mann, der bisheran, sei es als Konstabler, brannte, seine Armee in Bewegung zu setzen, sei es als Prätendent, die Flügel des verschollenen Adlers, daß ein solcher Mann die Stimmenmehrheit zu erhalten die größten Chancen hat -- das Alles zeigt, daß die Franzosen mit jedem beliebigen Wege, durch jede beliebigen Mittel aus ihrer Innobilität herausbrechen wollen, daß sie der Belagerungszustände müde sind, und nur darauf sinnen, die Schranken zu brechen, welche eine engherzige Bourgeois-Politik ihnen entgegensetzt. Mit dem Sturze Cavaignac's ist die Contrerevolution gestürzt. Mit dem Sturze Cavaignac's stürzen Windischgrätz und Brandenburg-Manteuffel und etwas anders noch, ich wag' es nicht zu sagen. Und etwas andres noch!

12 Paris, 24. Nov.

Die Franzosen lachen -- die Franzosen weinen: sie lachen über die deutschen Zustände resp. Belagerungszustände, sie lachen über den passiven Widerstand -- dessen tiefe -- "philosophisch-politische" Bedeutung sie gar nicht zu fassen vermögen. Sie weinen über ihre eigenen Zustände, über Cavaignac und das republikanische Leichengewand. Seitdem der Belagerungszustand über Berlin verhängt ist, schämen sich die Franzosen, ihn länger in Paris zu dulden. Seitdem die preußische Soldateska die preußischen Bürger allenthalben unter Belagerungszustand setzt, und das Land mit Belagerungszuständen umspannt hält, seitdem Brandenburg ein Cavaignac werden will und die preußischen Stadtkommandanten den französischen Ton anzunehmen drohen, weigern sich die Franzosen, länger als Vorbild dienen zu wollen, und Cavaignac steht verlassener als je. Er möge auf den König von Preußen zählen, sowie der König von Preußen früher auf ihn gezählt. So viel steht fest, daß er auf die Franzosen und die französische Armee nicht mehr zählen kann. Die Soldaten sehen ein, daß er sie im Juni-Kampfe gegen ihre eigenen Brüder geführt hat, und erklären in den öffentlichen Klubs, daß sie ihren Irrthum bereuen. Alles wendet sich von Cavaignac ab, und der heutige Tag, wo abermals die Interpellationen stattfinden über die Vorfälle im Juni wird ihn völlig tödten Die besiegte Juni-Insurrektion ist siegreicher als jemals. Die Arbeiter ziehen in großen Haufen wieder durch die Straßen, und tragen selbst den Sieg in den Clubs der Montagnard's davon, wo die Kandidatur Ledru-Rollin's besprochen wird. Ledru-Rollin, heißt es, est trop tard! Raspail oder Barbes! Die Arbeiter wissen zwar recht gut, daß sie ihren Kandidaten nicht durchsetzen können! Aber gleichviel! sie wollen ihre Gesinnung auf die eine oder andere Weise kund thun, und da es einmal fest steht, daß Napoleon jedenfalls die Majorität erhalten wird, durch die ungeheure Menge Bauern, da ferner Napoleon alles Mögliche bedeuten kann, so wollen sie, die Arbeiter, durch ihre Stimmen den Bauern weiter nichts sagen als: Lies Napoleon und sage Raspail. Ledru-Rollin kommt zu spät! Das ist der Ruf der Arbeiter. Von den Constituanten zu den Feuillanten; von den Feuillanten zu den Girondins; von den Girondins zu Danton; von Danton zu Robespierre!

Während die Franzosen an Robespierre, resp. Napoleon und Raspail angelangt sind, stehn die Deutschen am passiven Widerstand stille. Der passive Widerstand, das possierlichste, was es für den Franzosen geben kann. Ich soll mich in meinem Widerstand passiv verhalten. Wenn mich mein Feind umwerfen will, soll ich die Hände in der Hose behalten, statt sie gegen meinen Feind zu gebrauchen. Die Deutschen dagegen behaupten, daß die Franzosen gar nicht verstehen können, was das heißt: passiv Widerstand leisten, die Hände in der Hose stecken lassen und die Steuern verweigern. Passiver Widerstand! das ist ein Wort, wie Gemüth, wie Wehmuth, wie Heimath, das ist eins von den vielen deutschen Wörtern, die sich nicht in's französische übersetzen lassen, und woran die deutschen Sprachlehrer in Paris zu Grunde gehn, wenn es sich darum handelt, deren Bedeutung den Franzosen anschaulich handgreiflich zu machen. Passiver Widerstand und deutsches Gemüth! Die Hände in der Hose stecken lassen, und kein Geld, keine Steuern bezahlen!

"Mann mit zugeknöpfter Tasche,
Dir thut Niemand was zu leide"!

Die Hände in die Hosetasche stecken, sie hartnäckig, stierköpfig in der Hosetasche lassen, trotzig-steif in dieser Stellung beharren wie ein Stockdeutscher, ein Stockpreuße, das ist die eigentliche Bedeutung des passiven Widerstandes, und in meiner Uebersetzung mußte ich den Franzosen andeuten, daß diese Stellung des Deutschen das eigentliche tete--carree sei. Nun wurde ich verstanden. Der passive Widerstand des tete-carree! Es käme jetzt bloß noch darauf an, hinter jeden Bauer eine Schildwache zu stellen, um ihm die Hände aus der Hose zu reißen.

Wenn französische Soldaten, französische Gensd'armen und Munizipalgardisten, wie neulich, die Waffen gegen das Volk ergreifen, so hauen ihnen die Franzosen die Hände ab. Es ist dies der aktive Widerstand; es ist dieses ein peremptorisches Mittel, um perfide, vom Volke genährte Hände unschädlich zu machen. Die Deutschen nehmen keine derartige Amputation vor. Sie verfahren methodischer; sie unterbinden den kranken Theil, mittelst einer Ligatur ziehen tagtäglich den Bindfaden mehr zu, berauben ihn tagtäglich mehr der ihm zufließenden Lebenssäfte, bis er verfault, verdörrt abfällt. Insofern gleichen die Deutschen den Türken weit mehr als den Franzosen: denn auch die Türken, obgleich sie gewöhnlich gleich mit dem Messer bei der Hand sind, zögern doch, wenn es sich um die Absonderung eines auswüchsigen Theils handelt. Nach der Aussage der Aerzte soll dieses Verfahren, obgleich langsamer wirkend, doch vor dem spätern Wiedererscheinen des Uebels sichern!

-- Sitzung der National-Versammlung vom 25. November.

Der Zudrang von Menschen ist unendlich; allgemeine Spannung.

Cavaignac verlangt Aufklärungen über die Aeußerungen Ledru-Rollins und Garnier-Pages. Es handle sich von persönlichen Verläumdungen.

Barthelemy St. Hilaire liest die hierauf bezuglichen Stellen, welche den General Cavaignac beschuldigen, die von der exekutiven Kommission angeordneten Maßregeln zur Verhutung und Bekampfung der Juni-Ereignisse nicht getroffen zu haben, aus dem alleinigen Grunde, die exekutive Kommission zu stürzen, und sich das Oberkommando übertragen zu lassen. Statt die Konstruktion der Barrikaden zu verhindern, wie es die Exekutiv-Kommission wollte, habe Cavaignac die Barrikaden eine solche Ausdehnung gewinnen lassen, daß er ganz Paris absichtlich in die kritischste Lage versetzte. Ferner habe Cavaignac alle Truppen absichtlich von Paris fern gehalten, und die Garnison von Paris bedeutend geschwacht.

Cavaignac: Die Regimenter, die er aus Paris entfernt habe, hätten meistens nur aus Rekruten bestanden; in Paris sei nur für 14 Regimenter Platz in den verschiedenen Kasernen gewesen, indem die Mobilgarde die meisten in Beschlag genommen hätte. Was den Vorwurf anbeträfe, er habe die Befehle der exekutiven Kommission nicht ausgeführt, so beruhe dieses auf einen Irrthum. Er (Cavaignac) habe Befehle von jedem Mitgliede der exekutiven Kommission insbesondere erhalten, und diese Befehle seien gewöhnlich widersprechend gewesen, so daß, wenn er dem Einen gehorcht, dem andern nicht hatte gehorchen können. Er könne nicht läugnen, daß er Paris habe verlassen wollen; aber er habe es verlassen wollen mit der Armee und der National-Versammlung, um darauf Paris mit den aus den Provinzen angekommenen Nationalgarden neuerdings anzugreifen.

Bixion erklärt, daß Cavaignac die Republik gerettet und keineswegs die Ansicht gehabt habe, sich einen blutigen Weg zur Präsidentschaft zu bahnen.

Garnier-Pages: Er habe viel zu erwidern, und verlange, daß die Sitzung eine Stunde suspendirt werde.

Die Versammlung beschließt um 8 Uhr die Fortsetzung der Debatte.

Abendsitzung vom 25. November.

Barthelemy St. Hilaire spricht an die Stelle von Garnier-Pages. Er habe Cavaignac nicht des Verraths beschuldigen wollen; seine Absicht sei nur, die exekutive Kommission von der auf ihr lastenden Anklage freizusprechen.

Cavaignac dringt auf neue Erklärungen. Er will auch vom Vorwurf der Unvorsichtigkeit nichts wissen.

Garnier-Pages spricht von den verführerischen Anträgen, die ihm und St. Hilaire gemacht worden seien, ihm sei die Präsidentschaft der Versammlung und St. Hilaire das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts angeboten worden. Aber er wolle einmal nichts wissen von Cavaignac Wir beide, Cavaignac und ich, wir sind nur etwas durch unsere Brüder. Cavaignac sei ein undankbarer Mensch; er (Pages) sei der erste gewesen, der sogar die Fehler des Generals an der Tribüne vertheidigt habe. Die Republik hänge nicht von einem einzigen Manne, von einem Soldaten ab.

Cavaignac. Die Anträge der Portefeuille haben am 28. Juni stattgefunden, also nach den Juniereignissen.

Landrin. Der Vorwurf gegen Cavaignac ist ungerecht. Die Kommission war mit Impotenz geschlagen; dies war der Grund ihres Zurückzugs, nicht der Ehrgeiz Cavaignac's.

Garnier-Pages. Am 22. Juni wollte die exekutive Kommission sich zurückziehen. Da sei Cavaignac gekommen und habe erklärt, daß sie dieses zum Wohle des Landes nicht dürfe.

Ledru-Rollin beschuldigt Cavaignac, daß er, gegen den Wunsch der Kommission, keine Truppenmacht in Paris konzentrirt habe.

General Bedeau geht in taktische Erläuterungen ein.

Cavaignac spricht von der Trennung, die obgewaltet habe und noch obwaltet zwischen ihm und Ledru-Rollin.

Lagrange spricht von den schmählichen Ausfällen der Presse auf Cavaignac.

Der Präsident läßt über folgende Tagesordnung abstimmen i[unleserliches Material]

Die National-Versammlung beharrend in ihrem Beschlusse vom 28. Juni 1848, daß der General Cavaignac wohl um das Vaterland verdient habe, schreitet weiter zur Tagesordnung.

Die Anzahl der Stimmenden 537.

Der Antrag ist mit 503 Stimmen gegen 34 angenommen.

Schweiz.
** Bern, 23. Nov.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Großbritannien.
* London, 25. Nov.

Lord Melbourne ist gestern 1/4 nach 6 Uhr auf seinem Landsitz Brocket Hall in Herfordshire gestorben. Am 15. März k. J. würde er 70 Jahre alt geworden sein.

Portugal.
* London, 25. Nov.

Die Nachrichten, welche die gestern mit dem Dämpfer Madrid zu Southampton angekommene portugiesische Post mitgebracht hat, sind von keiner Erheblichkeit. Die öffentliche Ruhe war ungestört geblieben, doch sah man demnächst einer ministeriellen Krise mit ziemlicher Bestimmtheit entgegen. Man hielt das Ministerium Saldanha nur für ein Uebergangsministerium, und glaubte, daß der wachsende Einfluß der Gebrüder Cabral es in nicht zu langer Frist zu Gunsten des Conde de Thomar über den Haufen werfen würde.

Afrika.
* London, 24. Novbr.

Neuesten, gestern mit dem Schiffe Mary Anne vom Kap der guten Hoffnung empfangenen Nachrichten zufolge, hatte Sir Harry Smith am 21. September eine Proklamation erlassen, worin er die Kolonie benachrichtigte, daß die Insurrektion der Boers nunmehr gründlich unterdrückt sei.

Amerika.
* London, 24. Nov.

Nach einer sehr stürmischen und deßwegen etwas längern Fahrt ist das Dampfpacket Severn mit der gewöhnlichen westindischen und mexikanischen Post gestern zu Southampton eingetroffen. Es hat keine Baarschaften zur Auszahlung der mexikanischen Dividende mitgebracht, was bereits an der Börse von gestern Nachmittag ein Weichen der Course von maxikanischen Bons zur Folge hatte.

Die wichtigste politische Nachricht, welche wir mit der Severn empfangen, ist die Bestätigung des bereits früher über die Verein. Staate gemeldeten Aufstandes zu Tampiko. Die Ursache dieser Erhebung ist in den schweren Steuern zu suchen, welche die Centralregierung dem Handel auferlegt hatte. Mit der Verweigerung dieser Steuern nahm die Insurrektion ihren Anfang. Bis jetzt ist sie durchaus siegreich gewesen. Das Volk, nachdem es sich mit der Nationalgarde vereinigt hatte, schlug die Regierungstruppen aus der Stadt, in deren Nähe die letztern sich jetzt verschanzt haben und vor Eintreffen einer vom Sitze der Regierung erwarteten Verstärkung keine weitern Schritte gegen die Insurgenten wagen. Es lebe die Steuerverweigerung -- diesseits und jenseits des Oceans!

In Jamaika war Alles ruhig, auf Porto Riko jedoch fürchtete man einen Sklavenaufstand und hatte deswegen allen Verkehr mit St. Domingo aufgehoben, da man glaubte, die freien Neger von Hayti würden ihren Brüdern von Porto Riko eventuell zu Hülfe kommen. -- Die Handelsberichte von den westindischen Inseln bieten wenig Neues. Im Ganzen war das Geschäft allenthalben mehr oder weniger gedrückt. Die Erndteaussichten ließen sich im Durchschnitt günstig an.

Aus Yukatan meldet der "Honduras Observer", daß die Regierungstruppen, zusammen etwa 14,000 Mann, alle Städte und Dörfer, welche in die Hände der Indianer gefallen waren, mit Ausnahme der entferntern wieder genommen haben. Gegen 30,000 Indianer haben sich seit der Wiedereinnahme von Vallidolid, Tekax und Peto mit den Regierungstruppen vereinigt. Die mexikanische Republik unterstützte Yukatan, als einen Theil ihres Territoriums, monatlich mit 15,000 Dollars. Außerdem hatte die Regierung amerikanische Freiwillige hingeschickt, und ließ weitere zu New-Orleans werben.

In Guatemal (Central-Amerika) ging alles drunter und drüber. In der Stadt die Anarchie, vor ihr die Insurrection. Serapio Cruz, der Anführer der Insurgenten, hielt sie eingeschlossen und verlangte ein Lösegeld von 100,000 Dollars, widrigenfalls eine viertägige Plünderung über die Stadt verhängt werden sollte. Diese bot 50,000 Dollars, was nicht angenommen wurde, so daß man bei Abgang der Briefe jeden Augenblick fürchtete, jene Drohung verwirklicht zu sehen.

In Caraccas (Venezuela) scheint die Ruhe nicht weiter gestört worden zu sein.

Die brasilianischen Berichte reichen bis zum 6. Oktbr. und melden einen Ministerwechsel zu Rio Janeiro. Das neue Ministerium ist conservativ. Sein Präsident, Visconde de Olinda, und der Minister des Innern, Visconde de Montealegre, waren beide Regenten während der Minorität des Kaisers. Auch für Bahia und Pernambuco sind neue Präsidenten und Polizeichefs ernannt worden. -- Von Rosas sah man einer Kriegserklärung entgegen.

[Leserbriefe]
Für den demokratischen Central-Ausschuß in Berlin sind bei der Expedition dieser Zeitung ferner eingegangen:

1 Thlr. 15 Sgr. aus Krähwinkel im Kreise Lübeck. -- 1 Thlr. zur Förderung der Volksfreiheit, von einigen in C. bei Solingen. -- 1 Thlr. für einen Dolch, um Blums Mörder aus der Welt zu schaffen, von R. in Solingen.

Zusammen 580 Thlr. 23 Sgr. 2 Pf. und 48 Kreuzer.

Köln, den 27. Novbr. 1848.

Von der Expedition gestempelte Listen liegen zur Unterzeichnung offen bei:

A. Steintraßer, Perlenpfuhl;
Halin, Börse;
Hamspohn, Freischütz, Hochstraße;
Ciser, beim Eingange während der Volksversammlungen;
J. Obladen, Streitzeuggasse;
Stollwerk, Schildergasse.

Wir fordern die Kölner Bürger hierdurch auf's dringendste auf, den Centralausschuss in Berlin durch Geldmittel sofort zu unterstützen, da ohne Geld es durchaus nicht möglich ist, kräftig aufzutreten.

Wir nehmen Beiträge gerne entgegen.

Köln, den 17. November 1848.

Die Expedition der "Neuen Rheinischen Zeitung."

Handelsnachrichten. [irrelevantes Material]

Der Gerant: Korff.
Druck J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.

hüpftet und in die Hände klatschtet, als das heroische Wien zusammenkrachte und Jellachich, der Barbar, seine Orgien anhub. Jetzt, werthe, Herren, eilt, singet schnell den letzten Vers eures Tedeums, tanzt schnell den letzten Tanz, denn bald wird euer Orchester verstummen vor den Tönen der deutschen Sturmglocken und Siegeslieder, und die Demokraten Italiens, Polens, Deutschlands, Frankreichs und der ganzen Welt werden sich die Hand geben. Der Triumph der preußischen Demokraten ist der Sieg der Freiheit bei allen Nachbarn. Und Frankreich wird, bei Gott! diesem erhabenen Schauspiel nicht träge zusehen. Es wird kühn und pflichtgetreu sich erheben, wie im Wogenschwall seine Regierer mit sich reißen und nöthigenfalls — verschlingen. Nein, tausendmal nein, die französische Republik darf nicht müßig Gewehr im Arm dabei stehen; die Aristokraten geben uns ein Beispiel: jetzt, nach Wien's Opferung, umzingeln sie Berlin, dann gehts nach Italien, dann nach der Schweiz, dann nach Frankreich. Vergessen wir nie die alte Strophe: „Die Franzosen werden überall und jederzeit das frevelnde Königthum in die ewige Nacht hinabstoßen, und Frieden und Freiheit dem Erdkreise geben.“ Die Fourrieristische Democratie pacifique thut jetzt Buße für ihre Albernheit, vor zwei Monaten im Jellachich einen „großen Mann“ gesehen zu haben. Sie und La Reforme eröffneten bereits eine Subskription für Robert Blum's Familie, dessen Andenken auf dem letzten Sonntagsbankett die kräftigsten Toaste und Reden gehalten wurden. Bernard (von Carcassone in seinem Klub am Montparnaß hat den Vorschlag einer Nationalsteuer von einem Sou für die Hinterbliebenen des Freiheitsmärtyrers adoptiren lassen. Das Freiligrathsche Gedicht auf ihn steht in französisch Prosa in acht Zeitungen, und wird noch in Versen übertragen; ebenso das auf Wien. Das „Journal des Debats“ höhnt, es meint die französischen Demokraten hätten selber Geldnoth, doch mitten in diesem Höhnen zuckt das ehrlose Mammons- und Wuchererblatt gar seltsamlich mit den gelben Lügenlippen, es wittert Morgenluft — und wenn es heute im Leitartikel auf die „frechen Lumpendemagogen Berlins,“ auf die „ultra demokratischen rothen Assisen des Kongresses,“ auf die „atheistische Opposition die die preußische Linke gegen den Titel: von Gottes Gnaden macht“ schimpft, so ist das doch eigentlich nur Flitterputz um des Pudels Kern zu verhüllen, und dieser Kern ist eine melancholische Reflexion über Finanzverhältnisse „ohne die ja heute zu Tage nichts zu machen“ meint das Ehrenblatt. Und das eben ist das Famose bei der Geschichte, selbst der Expair und Goldluchs Armand Bertin wird seit seinem Junisiege immer düstrer wenn er das leise Erzittern des einst so soliden Finanzbodens verspürt, und kein Mittel, keins auf weiter Welt, weiß ihn wieder zu louisphilippistischer Sicherheit zurückzuführen. Daher die an Epilepsie und Katalepsie grenzende Tollwuth seiner Kaste, als das berühmte blanqui'sche Wort durch Paris kursirte: „unsere hohe Bourgeoisie lebt vom Kredit und im Kredit, reibt ihn durch fortwährende Agitation diesen Nervenstrang durch, bis er immer dünner wird und endlich reißt ‥‥“

12 Paris, 23. Nov.

Immer noch Cavaignac und Louis Napoleon. Darum dreht sich Alles. Dem Anscheine nach ist der Kampf entsponnen zwischen der arabischen Kappe und dem kaiserlichen Hute, der Wahrheit nach zwischen der Revolution und der Contrerevolution; die Contrerevolution in der Gestalt des Republikaners Cavaignac, die Revolution in der Gestalt des kaiserlichen Louis Napoleon. Je mehr die arabische Kappe sinkt, je höher steigt der kaiserliche Hut. Dieses Mal ist die Kappe dermaßen dem Hrn. Cavaignac eingedrückt worden, daß er wohl schwerlich sich vom Schlage erholen kann. Er selbst hat die Initiative der Interpellationen in der Kammer ergriffen: er selbst sah sich genöthigt, seine Ankläger, die Mitglieder der alten Exekutiven zur Rede zu stellen über die Anschuldigung, die Juni-Insurrektion hervorgerufen zu haben, und dieses Alles, um seine Präsidentschaft zu retten. Marie und Lamartine waren nicht anwesend und der Skandal wird nächste Woche zur Oeffentlichkeit kommen. Cavaignac, sagen wir, repräsentirt die Contrerevolution.

Die Juni-Insurgenten sind von Cavaignac zum Kampfe provozirt worden, um besiegt zu werden. Mit der Niederlage Juni's in Frankreich siegt ganz in Deutschland die Contrerevolution, so wie mit Februar die Revolution anfing. Mit dem Belagerungsstande in Paris kamen die Belagerungsstande über Deutschland, aber in einem weit kläglichern, erbärmlichern Zustande. Die guten Bourgeois lassen sich in Deutschland entwaffnen mit einer Bereitwilligkeit, die einem im Herzen wohl thut. Die Pickelhauben lassen sich muthig die Bürgergewehre ausliefern, weil die rothen Hosen von repulikanischen Hanswürsten und arabischen Hengsten kommandirt werden. Die Revolution, sagen wir, wird vom kaiserlichen Louis Napoleon repräsentirt, d. h. von allen denjenigen, welche Louis Napoleon dem Cavaignac und der Kammer entgegenhalten. Schon daß Louis Napoleon ein ernstlicher Kandidat werden kann, schon der daß ein Mann, bisheran nur durch seine drolligen Abentheuer bekannt ist, ein Mann, der bisheran, sei es als Konstabler, brannte, seine Armee in Bewegung zu setzen, sei es als Prätendent, die Flügel des verschollenen Adlers, daß ein solcher Mann die Stimmenmehrheit zu erhalten die größten Chancen hat — das Alles zeigt, daß die Franzosen mit jedem beliebigen Wege, durch jede beliebigen Mittel aus ihrer Innobilität herausbrechen wollen, daß sie der Belagerungszustände müde sind, und nur darauf sinnen, die Schranken zu brechen, welche eine engherzige Bourgeois-Politik ihnen entgegensetzt. Mit dem Sturze Cavaignac's ist die Contrerevolution gestürzt. Mit dem Sturze Cavaignac's stürzen Windischgrätz und Brandenburg-Manteuffel und etwas anders noch, ich wag' es nicht zu sagen. Und etwas andres noch!

12 Paris, 24. Nov.

Die Franzosen lachen — die Franzosen weinen: sie lachen über die deutschen Zustände resp. Belagerungszustände, sie lachen über den passiven Widerstand — dessen tiefe — „philosophisch-politische“ Bedeutung sie gar nicht zu fassen vermögen. Sie weinen über ihre eigenen Zustände, über Cavaignac und das republikanische Leichengewand. Seitdem der Belagerungszustand über Berlin verhängt ist, schämen sich die Franzosen, ihn länger in Paris zu dulden. Seitdem die preußische Soldateska die preußischen Bürger allenthalben unter Belagerungszustand setzt, und das Land mit Belagerungszuständen umspannt hält, seitdem Brandenburg ein Cavaignac werden will und die preußischen Stadtkommandanten den französischen Ton anzunehmen drohen, weigern sich die Franzosen, länger als Vorbild dienen zu wollen, und Cavaignac steht verlassener als je. Er möge auf den König von Preußen zählen, sowie der König von Preußen früher auf ihn gezählt. So viel steht fest, daß er auf die Franzosen und die französische Armee nicht mehr zählen kann. Die Soldaten sehen ein, daß er sie im Juni-Kampfe gegen ihre eigenen Brüder geführt hat, und erklären in den öffentlichen Klubs, daß sie ihren Irrthum bereuen. Alles wendet sich von Cavaignac ab, und der heutige Tag, wo abermals die Interpellationen stattfinden über die Vorfälle im Juni wird ihn völlig tödten Die besiegte Juni-Insurrektion ist siegreicher als jemals. Die Arbeiter ziehen in großen Haufen wieder durch die Straßen, und tragen selbst den Sieg in den Clubs der Montagnard's davon, wo die Kandidatur Ledru-Rollin's besprochen wird. Ledru-Rollin, heißt es, est trop tard! Raspail oder Barbes! Die Arbeiter wissen zwar recht gut, daß sie ihren Kandidaten nicht durchsetzen können! Aber gleichviel! sie wollen ihre Gesinnung auf die eine oder andere Weise kund thun, und da es einmal fest steht, daß Napoleon jedenfalls die Majorität erhalten wird, durch die ungeheure Menge Bauern, da ferner Napoleon alles Mögliche bedeuten kann, so wollen sie, die Arbeiter, durch ihre Stimmen den Bauern weiter nichts sagen als: Lies Napoleon und sage Raspail. Ledru-Rollin kommt zu spät! Das ist der Ruf der Arbeiter. Von den Constituanten zu den Feuillanten; von den Feuillanten zu den Girondins; von den Girondins zu Danton; von Danton zu Robespierre!

Während die Franzosen an Robespierre, resp. Napoleon und Raspail angelangt sind, stehn die Deutschen am passiven Widerstand stille. Der passive Widerstand, das possierlichste, was es für den Franzosen geben kann. Ich soll mich in meinem Widerstand passiv verhalten. Wenn mich mein Feind umwerfen will, soll ich die Hände in der Hose behalten, statt sie gegen meinen Feind zu gebrauchen. Die Deutschen dagegen behaupten, daß die Franzosen gar nicht verstehen können, was das heißt: passiv Widerstand leisten, die Hände in der Hose stecken lassen und die Steuern verweigern. Passiver Widerstand! das ist ein Wort, wie Gemüth, wie Wehmuth, wie Heimath, das ist eins von den vielen deutschen Wörtern, die sich nicht in's französische übersetzen lassen, und woran die deutschen Sprachlehrer in Paris zu Grunde gehn, wenn es sich darum handelt, deren Bedeutung den Franzosen anschaulich handgreiflich zu machen. Passiver Widerstand und deutsches Gemüth! Die Hände in der Hose stecken lassen, und kein Geld, keine Steuern bezahlen!

„Mann mit zugeknöpfter Tasche,
Dir thut Niemand was zu leide“!

Die Hände in die Hosetasche stecken, sie hartnäckig, stierköpfig in der Hosetasche lassen, trotzig-steif in dieser Stellung beharren wie ein Stockdeutscher, ein Stockpreuße, das ist die eigentliche Bedeutung des passiven Widerstandes, und in meiner Uebersetzung mußte ich den Franzosen andeuten, daß diese Stellung des Deutschen das eigentliche tète--carrée sei. Nun wurde ich verstanden. Der passive Widerstand des tète-carrée! Es käme jetzt bloß noch darauf an, hinter jeden Bauer eine Schildwache zu stellen, um ihm die Hände aus der Hose zu reißen.

Wenn französische Soldaten, französische Gensd'armen und Munizipalgardisten, wie neulich, die Waffen gegen das Volk ergreifen, so hauen ihnen die Franzosen die Hände ab. Es ist dies der aktive Widerstand; es ist dieses ein peremptorisches Mittel, um perfide, vom Volke genährte Hände unschädlich zu machen. Die Deutschen nehmen keine derartige Amputation vor. Sie verfahren methodischer; sie unterbinden den kranken Theil, mittelst einer Ligatur ziehen tagtäglich den Bindfaden mehr zu, berauben ihn tagtäglich mehr der ihm zufließenden Lebenssäfte, bis er verfault, verdörrt abfällt. Insofern gleichen die Deutschen den Türken weit mehr als den Franzosen: denn auch die Türken, obgleich sie gewöhnlich gleich mit dem Messer bei der Hand sind, zögern doch, wenn es sich um die Absonderung eines auswüchsigen Theils handelt. Nach der Aussage der Aerzte soll dieses Verfahren, obgleich langsamer wirkend, doch vor dem spätern Wiedererscheinen des Uebels sichern!

— Sitzung der National-Versammlung vom 25. November.

Der Zudrang von Menschen ist unendlich; allgemeine Spannung.

Cavaignac verlangt Aufklärungen über die Aeußerungen Ledru-Rollins und Garnier-Pages. Es handle sich von persönlichen Verläumdungen.

Barthelemy St. Hilaire liest die hierauf bezuglichen Stellen, welche den General Cavaignac beschuldigen, die von der exekutiven Kommission angeordneten Maßregeln zur Verhutung und Bekampfung der Juni-Ereignisse nicht getroffen zu haben, aus dem alleinigen Grunde, die exekutive Kommission zu stürzen, und sich das Oberkommando übertragen zu lassen. Statt die Konstruktion der Barrikaden zu verhindern, wie es die Exekutiv-Kommission wollte, habe Cavaignac die Barrikaden eine solche Ausdehnung gewinnen lassen, daß er ganz Paris absichtlich in die kritischste Lage versetzte. Ferner habe Cavaignac alle Truppen absichtlich von Paris fern gehalten, und die Garnison von Paris bedeutend geschwacht.

Cavaignac: Die Regimenter, die er aus Paris entfernt habe, hätten meistens nur aus Rekruten bestanden; in Paris sei nur für 14 Regimenter Platz in den verschiedenen Kasernen gewesen, indem die Mobilgarde die meisten in Beschlag genommen hätte. Was den Vorwurf anbeträfe, er habe die Befehle der exekutiven Kommission nicht ausgeführt, so beruhe dieses auf einen Irrthum. Er (Cavaignac) habe Befehle von jedem Mitgliede der exekutiven Kommission insbesondere erhalten, und diese Befehle seien gewöhnlich widersprechend gewesen, so daß, wenn er dem Einen gehorcht, dem andern nicht hatte gehorchen können. Er könne nicht läugnen, daß er Paris habe verlassen wollen; aber er habe es verlassen wollen mit der Armee und der National-Versammlung, um darauf Paris mit den aus den Provinzen angekommenen Nationalgarden neuerdings anzugreifen.

Bixion erklärt, daß Cavaignac die Republik gerettet und keineswegs die Ansicht gehabt habe, sich einen blutigen Weg zur Präsidentschaft zu bahnen.

Garnier-Pages: Er habe viel zu erwidern, und verlange, daß die Sitzung eine Stunde suspendirt werde.

Die Versammlung beschließt um 8 Uhr die Fortsetzung der Debatte.

Abendsitzung vom 25. November.

Barthelemy St. Hilaire spricht an die Stelle von Garnier-Pages. Er habe Cavaignac nicht des Verraths beschuldigen wollen; seine Absicht sei nur, die exekutive Kommission von der auf ihr lastenden Anklage freizusprechen.

Cavaignac dringt auf neue Erklärungen. Er will auch vom Vorwurf der Unvorsichtigkeit nichts wissen.

Garnier-Pages spricht von den verführerischen Anträgen, die ihm und St. Hilaire gemacht worden seien, ihm sei die Präsidentschaft der Versammlung und St. Hilaire das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts angeboten worden. Aber er wolle einmal nichts wissen von Cavaignac Wir beide, Cavaignac und ich, wir sind nur etwas durch unsere Brüder. Cavaignac sei ein undankbarer Mensch; er (Pages) sei der erste gewesen, der sogar die Fehler des Generals an der Tribüne vertheidigt habe. Die Republik hänge nicht von einem einzigen Manne, von einem Soldaten ab.

Cavaignac. Die Anträge der Portefeuille haben am 28. Juni stattgefunden, also nach den Juniereignissen.

Landrin. Der Vorwurf gegen Cavaignac ist ungerecht. Die Kommission war mit Impotenz geschlagen; dies war der Grund ihres Zurückzugs, nicht der Ehrgeiz Cavaignac's.

Garnier-Pages. Am 22. Juni wollte die exekutive Kommission sich zurückziehen. Da sei Cavaignac gekommen und habe erklärt, daß sie dieses zum Wohle des Landes nicht dürfe.

Ledru-Rollin beschuldigt Cavaignac, daß er, gegen den Wunsch der Kommission, keine Truppenmacht in Paris konzentrirt habe.

General Bedeau geht in taktische Erläuterungen ein.

Cavaignac spricht von der Trennung, die obgewaltet habe und noch obwaltet zwischen ihm und Ledru-Rollin.

Lagrange spricht von den schmählichen Ausfällen der Presse auf Cavaignac.

Der Präsident läßt über folgende Tagesordnung abstimmen i[unleserliches Material]

Die National-Versammlung beharrend in ihrem Beschlusse vom 28. Juni 1848, daß der General Cavaignac wohl um das Vaterland verdient habe, schreitet weiter zur Tagesordnung.

Die Anzahl der Stimmenden 537.

Der Antrag ist mit 503 Stimmen gegen 34 angenommen.

Schweiz.
** Bern, 23. Nov.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Großbritannien.
* London, 25. Nov.

Lord Melbourne ist gestern 1/4 nach 6 Uhr auf seinem Landsitz Brocket Hall in Herfordshire gestorben. Am 15. März k. J. würde er 70 Jahre alt geworden sein.

Portugal.
* London, 25. Nov.

Die Nachrichten, welche die gestern mit dem Dämpfer Madrid zu Southampton angekommene portugiesische Post mitgebracht hat, sind von keiner Erheblichkeit. Die öffentliche Ruhe war ungestört geblieben, doch sah man demnächst einer ministeriellen Krise mit ziemlicher Bestimmtheit entgegen. Man hielt das Ministerium Saldanha nur für ein Uebergangsministerium, und glaubte, daß der wachsende Einfluß der Gebrüder Cabral es in nicht zu langer Frist zu Gunsten des Conde de Thomar über den Haufen werfen würde.

Afrika.
* London, 24. Novbr.

Neuesten, gestern mit dem Schiffe Mary Anne vom Kap der guten Hoffnung empfangenen Nachrichten zufolge, hatte Sir Harry Smith am 21. September eine Proklamation erlassen, worin er die Kolonie benachrichtigte, daß die Insurrektion der Boers nunmehr gründlich unterdrückt sei.

Amerika.
* London, 24. Nov.

Nach einer sehr stürmischen und deßwegen etwas längern Fahrt ist das Dampfpacket Severn mit der gewöhnlichen westindischen und mexikanischen Post gestern zu Southampton eingetroffen. Es hat keine Baarschaften zur Auszahlung der mexikanischen Dividende mitgebracht, was bereits an der Börse von gestern Nachmittag ein Weichen der Course von maxikanischen Bons zur Folge hatte.

Die wichtigste politische Nachricht, welche wir mit der Severn empfangen, ist die Bestätigung des bereits früher über die Verein. Staate gemeldeten Aufstandes zu Tampiko. Die Ursache dieser Erhebung ist in den schweren Steuern zu suchen, welche die Centralregierung dem Handel auferlegt hatte. Mit der Verweigerung dieser Steuern nahm die Insurrektion ihren Anfang. Bis jetzt ist sie durchaus siegreich gewesen. Das Volk, nachdem es sich mit der Nationalgarde vereinigt hatte, schlug die Regierungstruppen aus der Stadt, in deren Nähe die letztern sich jetzt verschanzt haben und vor Eintreffen einer vom Sitze der Regierung erwarteten Verstärkung keine weitern Schritte gegen die Insurgenten wagen. Es lebe die Steuerverweigerung — diesseits und jenseits des Oceans!

In Jamaika war Alles ruhig, auf Porto Riko jedoch fürchtete man einen Sklavenaufstand und hatte deswegen allen Verkehr mit St. Domingo aufgehoben, da man glaubte, die freien Neger von Hayti würden ihren Brüdern von Porto Riko eventuell zu Hülfe kommen. — Die Handelsberichte von den westindischen Inseln bieten wenig Neues. Im Ganzen war das Geschäft allenthalben mehr oder weniger gedrückt. Die Erndteaussichten ließen sich im Durchschnitt günstig an.

Aus Yukatan meldet der „Honduras Observer“, daß die Regierungstruppen, zusammen etwa 14,000 Mann, alle Städte und Dörfer, welche in die Hände der Indianer gefallen waren, mit Ausnahme der entferntern wieder genommen haben. Gegen 30,000 Indianer haben sich seit der Wiedereinnahme von Vallidolid, Tekax und Peto mit den Regierungstruppen vereinigt. Die mexikanische Republik unterstützte Yukatan, als einen Theil ihres Territoriums, monatlich mit 15,000 Dollars. Außerdem hatte die Regierung amerikanische Freiwillige hingeschickt, und ließ weitere zu New-Orleans werben.

In Guatemal (Central-Amerika) ging alles drunter und drüber. In der Stadt die Anarchie, vor ihr die Insurrection. Serapio Cruz, der Anführer der Insurgenten, hielt sie eingeschlossen und verlangte ein Lösegeld von 100,000 Dollars, widrigenfalls eine viertägige Plünderung über die Stadt verhängt werden sollte. Diese bot 50,000 Dollars, was nicht angenommen wurde, so daß man bei Abgang der Briefe jeden Augenblick fürchtete, jene Drohung verwirklicht zu sehen.

In Caraccas (Venezuela) scheint die Ruhe nicht weiter gestört worden zu sein.

Die brasilianischen Berichte reichen bis zum 6. Oktbr. und melden einen Ministerwechsel zu Rio Janeiro. Das neue Ministerium ist conservativ. Sein Präsident, Visconde de Olinda, und der Minister des Innern, Visconde de Montealegre, waren beide Regenten während der Minorität des Kaisers. Auch für Bahia und Pernambuco sind neue Präsidenten und Polizeichefs ernannt worden. — Von Rosas sah man einer Kriegserklärung entgegen.

[Leserbriefe]
Für den demokratischen Central-Ausschuß in Berlin sind bei der Expedition dieser Zeitung ferner eingegangen:

1 Thlr. 15 Sgr. aus Krähwinkel im Kreise Lübeck. — 1 Thlr. zur Förderung der Volksfreiheit, von einigen in C. bei Solingen. — 1 Thlr. für einen Dolch, um Blums Mörder aus der Welt zu schaffen, von R. in Solingen.

Zusammen 580 Thlr. 23 Sgr. 2 Pf. und 48 Kreuzer.

Köln, den 27. Novbr. 1848.

Von der Expedition gestempelte Listen liegen zur Unterzeichnung offen bei:

A. Steintraßer, Perlenpfuhl;
Halin, Börse;
Hamspohn, Freischütz, Hochstraße;
Ciser, beim Eingange während der Volksversammlungen;
J. Obladen, Streitzeuggasse;
Stollwerk, Schildergasse.

Wir fordern die Kölner Bürger hierdurch auf's dringendste auf, den Centralausschuss in Berlin durch Geldmittel sofort zu unterstützen, da ohne Geld es durchaus nicht möglich ist, kräftig aufzutreten.

Wir nehmen Beiträge gerne entgegen.

Köln, den 17. November 1848.

Die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung.“

Handelsnachrichten. [irrelevantes Material]

Der Gerant: Korff.
Druck J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.

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hüpftet und in die Hände klatschtet, als das heroische Wien zusammenkrachte und Jellachich, der Barbar, seine Orgien anhub. Jetzt, werthe, Herren, eilt, singet schnell den letzten Vers eures Tedeums, tanzt schnell den letzten Tanz, denn bald wird euer Orchester verstummen vor den Tönen der deutschen Sturmglocken und Siegeslieder, und die Demokraten Italiens, Polens, Deutschlands, Frankreichs und der ganzen Welt werden sich die Hand geben. Der Triumph der preußischen Demokraten ist der Sieg der Freiheit bei allen Nachbarn. Und Frankreich wird, bei Gott! diesem erhabenen Schauspiel nicht träge zusehen. Es wird kühn und pflichtgetreu sich erheben, wie im Wogenschwall seine Regierer mit sich reißen und nöthigenfalls &#x2014; verschlingen. Nein, tausendmal nein, die französische Republik darf nicht müßig Gewehr im Arm dabei stehen; die Aristokraten geben uns ein Beispiel: jetzt, nach Wien's Opferung, umzingeln sie Berlin, dann gehts nach Italien, dann nach der Schweiz, dann nach Frankreich. Vergessen wir nie die alte Strophe: &#x201E;Die Franzosen werden überall und jederzeit das frevelnde Königthum in die ewige Nacht hinabstoßen, und Frieden und Freiheit dem Erdkreise geben.&#x201C; Die Fourrieristische Democratie pacifique thut jetzt Buße für ihre Albernheit, vor zwei Monaten im Jellachich einen &#x201E;großen Mann&#x201C; gesehen zu haben. Sie und La Reforme eröffneten bereits eine Subskription für Robert Blum's Familie, dessen Andenken auf dem letzten Sonntagsbankett die kräftigsten Toaste und Reden gehalten wurden. Bernard (von Carcassone in seinem Klub am Montparnaß hat den Vorschlag einer Nationalsteuer von einem Sou für die Hinterbliebenen des Freiheitsmärtyrers adoptiren lassen. Das Freiligrathsche Gedicht auf ihn steht in französisch Prosa in acht Zeitungen, und wird noch in Versen übertragen; ebenso das auf Wien. Das &#x201E;Journal des Debats&#x201C; höhnt, es meint die französischen Demokraten hätten selber Geldnoth, doch mitten in diesem Höhnen zuckt das ehrlose Mammons- und Wuchererblatt gar seltsamlich mit den gelben Lügenlippen, es wittert Morgenluft &#x2014; und wenn es heute im Leitartikel auf die &#x201E;frechen Lumpendemagogen Berlins,&#x201C; auf die &#x201E;ultra demokratischen rothen Assisen des Kongresses,&#x201C; auf die &#x201E;atheistische Opposition die die preußische Linke gegen den Titel: <hi rendition="#g">von Gottes Gnaden</hi> macht&#x201C; schimpft, so ist das doch eigentlich nur Flitterputz um des Pudels Kern zu verhüllen, und dieser Kern ist eine melancholische Reflexion über Finanzverhältnisse &#x201E;ohne die ja heute zu Tage nichts zu machen&#x201C; meint das Ehrenblatt. Und das eben ist das Famose bei der Geschichte, selbst der Expair und Goldluchs Armand Bertin wird seit seinem Junisiege immer düstrer wenn er das leise Erzittern des einst so soliden Finanzbodens verspürt, und kein Mittel, keins auf weiter Welt, weiß ihn wieder zu louisphilippistischer Sicherheit zurückzuführen. Daher die an Epilepsie und Katalepsie grenzende Tollwuth seiner Kaste, als das berühmte blanqui'sche Wort durch Paris kursirte: &#x201E;unsere hohe Bourgeoisie lebt vom Kredit und im Kredit, reibt ihn durch fortwährende Agitation diesen Nervenstrang durch, bis er immer dünner wird und endlich reißt &#x2025;&#x2025;&#x201C;</p>
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          <head><bibl><author>12</author></bibl> Paris, 23. Nov.</head>
          <p>Immer noch Cavaignac und Louis Napoleon. Darum dreht sich Alles. Dem Anscheine nach ist der Kampf entsponnen zwischen der arabischen Kappe und dem kaiserlichen Hute, der Wahrheit nach zwischen der Revolution und der Contrerevolution; die Contrerevolution in der Gestalt des Republikaners Cavaignac, die Revolution in der Gestalt des kaiserlichen Louis Napoleon. Je mehr die arabische Kappe sinkt, je höher steigt der kaiserliche Hut. Dieses Mal ist die Kappe dermaßen dem Hrn. Cavaignac eingedrückt worden, daß er wohl schwerlich sich vom Schlage erholen kann. Er selbst hat die Initiative der Interpellationen in der Kammer ergriffen: er selbst sah sich genöthigt, seine Ankläger, die Mitglieder der alten Exekutiven zur Rede zu stellen über die Anschuldigung, die Juni-Insurrektion hervorgerufen zu haben, und dieses Alles, um seine Präsidentschaft zu retten. Marie und Lamartine waren nicht anwesend und der Skandal wird nächste Woche zur Oeffentlichkeit kommen. Cavaignac, sagen wir, repräsentirt die Contrerevolution.</p>
          <p>Die Juni-Insurgenten sind von Cavaignac zum Kampfe provozirt worden, um besiegt zu werden. Mit der Niederlage Juni's in Frankreich siegt ganz in Deutschland die Contrerevolution, so wie mit Februar die Revolution anfing. Mit dem Belagerungsstande in Paris kamen die Belagerungsstande über Deutschland, aber in einem weit kläglichern, erbärmlichern Zustande. Die guten Bourgeois lassen sich in Deutschland entwaffnen mit einer Bereitwilligkeit, die einem im Herzen wohl thut. Die Pickelhauben lassen sich muthig die Bürgergewehre ausliefern, weil die rothen Hosen von repulikanischen Hanswürsten und arabischen Hengsten kommandirt werden. Die Revolution, sagen wir, wird vom kaiserlichen Louis Napoleon repräsentirt, d. h. von allen denjenigen, welche Louis Napoleon dem Cavaignac und der Kammer entgegenhalten. Schon daß Louis Napoleon ein ernstlicher Kandidat werden kann, schon der daß ein Mann, bisheran nur durch seine drolligen Abentheuer bekannt ist, ein Mann, der bisheran, sei es als Konstabler, brannte, seine Armee in Bewegung zu setzen, sei es als Prätendent, die Flügel des verschollenen Adlers, daß ein solcher Mann die Stimmenmehrheit zu erhalten die größten Chancen hat &#x2014; das Alles zeigt, daß die Franzosen mit jedem beliebigen Wege, durch jede beliebigen Mittel aus ihrer Innobilität herausbrechen wollen, daß sie der Belagerungszustände müde sind, und nur darauf sinnen, die Schranken zu brechen, welche eine engherzige Bourgeois-Politik ihnen entgegensetzt. Mit dem Sturze Cavaignac's ist die Contrerevolution gestürzt. Mit dem Sturze Cavaignac's stürzen Windischgrätz und Brandenburg-Manteuffel und etwas anders noch, ich wag' es nicht zu sagen. Und etwas andres noch!</p>
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          <head><bibl><author>12</author></bibl> Paris, 24. Nov.</head>
          <p>Die Franzosen lachen &#x2014; die Franzosen weinen: sie lachen über die deutschen Zustände resp. Belagerungszustände, sie lachen über den passiven Widerstand &#x2014; dessen tiefe &#x2014; &#x201E;philosophisch-politische&#x201C; Bedeutung sie gar nicht zu fassen vermögen. Sie weinen über ihre eigenen Zustände, über Cavaignac und das republikanische Leichengewand. Seitdem der Belagerungszustand über Berlin verhängt ist, schämen sich die Franzosen, ihn länger in Paris zu dulden. Seitdem die preußische Soldateska die preußischen Bürger allenthalben unter Belagerungszustand setzt, und das Land mit Belagerungszuständen umspannt hält, seitdem Brandenburg ein Cavaignac werden will und die preußischen Stadtkommandanten den französischen Ton anzunehmen drohen, weigern sich die Franzosen, länger als Vorbild dienen zu wollen, und Cavaignac steht verlassener als je. Er möge auf den König von Preußen zählen, sowie der König von Preußen früher auf ihn gezählt. So viel steht fest, daß er auf die Franzosen und die französische Armee nicht mehr zählen kann. Die Soldaten sehen ein, daß er sie im Juni-Kampfe gegen ihre eigenen Brüder geführt hat, und erklären in den öffentlichen Klubs, daß sie ihren Irrthum bereuen. Alles wendet sich von Cavaignac ab, und der heutige Tag, wo abermals die Interpellationen stattfinden über die Vorfälle im Juni wird ihn völlig tödten Die besiegte Juni-Insurrektion ist siegreicher als jemals. Die Arbeiter ziehen in großen Haufen wieder durch die Straßen, und tragen selbst den Sieg in den Clubs der Montagnard's davon, wo die Kandidatur Ledru-Rollin's besprochen wird. Ledru-Rollin, heißt es, est trop tard! Raspail oder Barbes! Die Arbeiter wissen zwar recht gut, daß sie ihren Kandidaten nicht durchsetzen können! Aber gleichviel! sie wollen ihre Gesinnung auf die eine oder andere Weise kund thun, und da es einmal fest steht, daß Napoleon jedenfalls die Majorität erhalten wird, durch die ungeheure Menge Bauern, da ferner Napoleon alles Mögliche bedeuten kann, so wollen sie, die Arbeiter, durch ihre Stimmen den Bauern weiter nichts sagen als: Lies Napoleon und sage Raspail. Ledru-Rollin kommt zu spät! Das ist der Ruf der Arbeiter. Von den Constituanten zu den Feuillanten; von den Feuillanten zu den Girondins; von den Girondins zu Danton; von Danton zu Robespierre!</p>
          <p>Während die Franzosen an Robespierre, resp. Napoleon und Raspail angelangt sind, stehn die Deutschen am passiven Widerstand stille. Der passive Widerstand, das possierlichste, was es für den Franzosen geben kann. Ich soll mich in meinem Widerstand passiv verhalten. Wenn mich mein Feind umwerfen will, soll ich die Hände in der Hose behalten, statt sie gegen meinen Feind zu gebrauchen. Die Deutschen dagegen behaupten, daß die Franzosen gar nicht verstehen können, was das heißt: passiv Widerstand leisten, die Hände in der Hose stecken lassen und die Steuern verweigern. Passiver Widerstand! das ist ein Wort, wie Gemüth, wie Wehmuth, wie Heimath, das ist eins von den vielen deutschen Wörtern, die sich nicht in's französische übersetzen lassen, und woran die deutschen Sprachlehrer in Paris zu Grunde gehn, wenn es sich darum handelt, deren Bedeutung den Franzosen anschaulich handgreiflich zu machen. Passiver Widerstand und deutsches Gemüth! Die Hände in der Hose stecken lassen, und kein Geld, keine Steuern bezahlen!</p>
          <p rendition="#et">&#x201E;Mann mit zugeknöpfter Tasche,<lb/>
Dir thut Niemand was zu leide&#x201C;!</p>
          <p>Die Hände in die Hosetasche stecken, sie hartnäckig, stierköpfig in der Hosetasche lassen, trotzig-steif in dieser Stellung beharren wie ein Stockdeutscher, ein Stockpreuße, das ist die eigentliche Bedeutung des passiven Widerstandes, und in meiner Uebersetzung mußte ich den Franzosen andeuten, daß diese Stellung des Deutschen das eigentliche tète--carrée sei. Nun wurde ich verstanden. Der passive Widerstand des tète-carrée! Es käme jetzt bloß noch darauf an, hinter jeden Bauer eine Schildwache zu stellen, um ihm die Hände aus der Hose zu reißen.</p>
          <p>Wenn französische Soldaten, französische Gensd'armen und Munizipalgardisten, wie neulich, die Waffen gegen das Volk ergreifen, so hauen ihnen die Franzosen die Hände ab. Es ist dies der aktive Widerstand; es ist dieses ein peremptorisches Mittel, um perfide, vom Volke genährte Hände unschädlich zu machen. Die Deutschen nehmen keine derartige Amputation vor. Sie verfahren methodischer; sie unterbinden den kranken Theil, mittelst einer Ligatur ziehen tagtäglich den Bindfaden mehr zu, berauben ihn tagtäglich mehr der ihm zufließenden Lebenssäfte, bis er verfault, verdörrt abfällt. Insofern gleichen die Deutschen den Türken weit mehr als den Franzosen: denn auch die Türken, obgleich sie gewöhnlich gleich mit dem Messer bei der Hand sind, zögern doch, wenn es sich um die Absonderung eines auswüchsigen Theils handelt. Nach der Aussage der Aerzte soll dieses Verfahren, obgleich langsamer wirkend, doch vor dem spätern Wiedererscheinen des Uebels sichern!</p>
          <p>&#x2014; Sitzung der National-Versammlung vom 25. November.</p>
          <p>Der Zudrang von Menschen ist unendlich; allgemeine Spannung.</p>
          <p><hi rendition="#g">Cavaignac</hi> verlangt Aufklärungen über die Aeußerungen Ledru-Rollins und Garnier-Pages. Es handle sich von persönlichen Verläumdungen.</p>
          <p><hi rendition="#g">Barthelemy St. Hilaire</hi> liest die hierauf bezuglichen Stellen, welche den General Cavaignac beschuldigen, die von der exekutiven Kommission angeordneten Maßregeln zur Verhutung und Bekampfung der Juni-Ereignisse nicht getroffen zu haben, aus dem alleinigen Grunde, die exekutive Kommission zu stürzen, und sich das Oberkommando übertragen zu lassen. Statt die Konstruktion der Barrikaden zu verhindern, wie es die Exekutiv-Kommission wollte, habe Cavaignac die Barrikaden eine solche Ausdehnung gewinnen lassen, daß er ganz Paris absichtlich in die kritischste Lage versetzte. Ferner habe Cavaignac alle Truppen absichtlich von Paris fern gehalten, und die Garnison von Paris bedeutend geschwacht.</p>
          <p><hi rendition="#g">Cavaignac:</hi> Die Regimenter, die er aus Paris entfernt habe, hätten meistens nur aus Rekruten bestanden; in Paris sei nur für 14 Regimenter Platz in den verschiedenen Kasernen gewesen, indem die Mobilgarde die meisten in Beschlag genommen hätte. Was den Vorwurf anbeträfe, er habe die Befehle der exekutiven Kommission nicht ausgeführt, so beruhe dieses auf einen Irrthum. Er (Cavaignac) habe Befehle von jedem Mitgliede der exekutiven Kommission insbesondere erhalten, und diese Befehle seien gewöhnlich widersprechend gewesen, so daß, wenn er dem Einen gehorcht, dem andern nicht hatte gehorchen können. Er könne nicht läugnen, daß er Paris habe verlassen wollen; aber er habe es verlassen wollen mit der Armee und der National-Versammlung, um darauf Paris mit den aus den Provinzen angekommenen Nationalgarden neuerdings anzugreifen.</p>
          <p><hi rendition="#g">Bixion</hi> erklärt, daß Cavaignac die Republik gerettet und keineswegs die Ansicht gehabt habe, sich einen blutigen Weg zur Präsidentschaft zu bahnen.</p>
          <p><hi rendition="#g">Garnier-Pages:</hi> Er habe viel zu erwidern, und verlange, daß die Sitzung eine Stunde suspendirt werde.</p>
          <p>Die Versammlung beschließt um 8 Uhr die Fortsetzung der Debatte.</p>
          <p>Abendsitzung vom 25. November.</p>
          <p><hi rendition="#g">Barthelemy</hi> St. Hilaire spricht an die Stelle von Garnier-Pages. Er habe Cavaignac nicht des Verraths beschuldigen wollen; seine Absicht sei nur, die exekutive Kommission von der auf ihr lastenden Anklage freizusprechen.</p>
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          <p><hi rendition="#g">Garnier-Pages</hi> spricht von den verführerischen Anträgen, die ihm und St. Hilaire gemacht worden seien, ihm sei die Präsidentschaft der Versammlung und St. Hilaire das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts angeboten worden. Aber er wolle einmal nichts wissen von Cavaignac Wir beide, Cavaignac und ich, wir sind nur etwas durch unsere Brüder. Cavaignac sei ein undankbarer Mensch; er (Pages) sei der erste gewesen, der sogar die Fehler des Generals an der Tribüne vertheidigt habe. Die Republik hänge nicht von einem einzigen Manne, von einem Soldaten ab.</p>
          <p><hi rendition="#g">Cavaignac</hi>. Die Anträge der Portefeuille haben am 28. Juni stattgefunden, also nach den Juniereignissen.</p>
          <p><hi rendition="#g">Landrin</hi>. Der Vorwurf gegen Cavaignac ist ungerecht. Die Kommission war mit Impotenz geschlagen; dies war der Grund ihres Zurückzugs, nicht der Ehrgeiz Cavaignac's.</p>
          <p><hi rendition="#g">Garnier-Pages</hi>. Am 22. Juni wollte die exekutive Kommission sich zurückziehen. Da sei Cavaignac gekommen und habe erklärt, daß sie dieses zum Wohle des Landes nicht dürfe.</p>
          <p><hi rendition="#g">Ledru-Rollin</hi> beschuldigt Cavaignac, daß er, gegen den Wunsch der Kommission, keine Truppenmacht in Paris konzentrirt habe.</p>
          <p>General <hi rendition="#g">Bedeau</hi> geht in taktische Erläuterungen ein.</p>
          <p>Cavaignac spricht von der Trennung, die obgewaltet habe und noch obwaltet zwischen ihm und Ledru-Rollin.</p>
          <p>Lagrange spricht von den schmählichen Ausfällen der Presse auf Cavaignac.</p>
          <p>Der Präsident läßt über folgende Tagesordnung abstimmen i<gap reason="illegible"/>                </p>
          <p>Die National-Versammlung beharrend in ihrem Beschlusse vom 28. Juni 1848, daß der General Cavaignac wohl um das Vaterland verdient habe, schreitet weiter zur Tagesordnung.</p>
          <p>Die Anzahl der Stimmenden 537.</p>
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          <note type="editorial">Edition: <bibl>Friedrich Engels: Abdankung Raveaux' &#x2013; Verletzung der Schweizer Grenze, vorgesehen für: MEGA<hi rendition="#sup">2</hi>, I/8.         </bibl>                </note>
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          <p>Die wichtigste politische Nachricht, welche wir mit der Severn empfangen, ist die Bestätigung des bereits früher über die Verein. Staate gemeldeten Aufstandes zu Tampiko. Die Ursache dieser Erhebung ist in den schweren Steuern zu suchen, welche die Centralregierung dem Handel auferlegt hatte. Mit der Verweigerung dieser Steuern nahm die Insurrektion ihren Anfang. Bis jetzt ist sie durchaus siegreich gewesen. Das Volk, nachdem es sich mit der Nationalgarde vereinigt hatte, schlug die Regierungstruppen aus der Stadt, in deren Nähe die letztern sich jetzt verschanzt haben und vor Eintreffen einer vom Sitze der Regierung erwarteten Verstärkung keine weitern Schritte gegen die Insurgenten wagen. Es lebe die Steuerverweigerung &#x2014; diesseits und jenseits des Oceans!</p>
          <p>In Jamaika war Alles ruhig, auf Porto Riko jedoch fürchtete man einen Sklavenaufstand und hatte deswegen allen Verkehr mit St. Domingo aufgehoben, da man glaubte, die freien Neger von Hayti würden ihren Brüdern von Porto Riko eventuell zu Hülfe kommen. &#x2014; Die Handelsberichte von den westindischen Inseln bieten wenig Neues. Im Ganzen war das Geschäft allenthalben mehr oder weniger gedrückt. Die Erndteaussichten ließen sich im Durchschnitt günstig an.</p>
          <p>Aus Yukatan meldet der &#x201E;Honduras Observer&#x201C;, daß die Regierungstruppen, zusammen etwa 14,000 Mann, alle Städte und Dörfer, welche in die Hände der Indianer gefallen waren, mit Ausnahme der entferntern wieder genommen haben. Gegen 30,000 Indianer haben sich seit der Wiedereinnahme von Vallidolid, Tekax und Peto mit den Regierungstruppen vereinigt. Die mexikanische Republik unterstützte Yukatan, als einen Theil ihres Territoriums, monatlich mit 15,000 Dollars. Außerdem hatte die Regierung amerikanische Freiwillige hingeschickt, und ließ weitere zu New-Orleans werben.</p>
          <p>In Guatemal (Central-Amerika) ging alles drunter und drüber. In der Stadt die Anarchie, vor ihr die Insurrection. Serapio Cruz, der Anführer der Insurgenten, hielt sie eingeschlossen und verlangte ein Lösegeld von 100,000 Dollars, widrigenfalls eine viertägige Plünderung über die Stadt verhängt werden sollte. Diese bot 50,000 Dollars, was nicht angenommen wurde, so daß man bei Abgang der Briefe jeden Augenblick fürchtete, jene Drohung verwirklicht zu sehen.</p>
          <p>In Caraccas (Venezuela) scheint die Ruhe nicht weiter gestört worden zu sein.</p>
          <p>Die brasilianischen Berichte reichen bis zum 6. Oktbr. und melden einen Ministerwechsel zu Rio Janeiro. Das neue Ministerium ist conservativ. Sein Präsident, Visconde de Olinda, und der Minister des Innern, Visconde de Montealegre, waren beide Regenten während der Minorität des Kaisers. Auch für Bahia und Pernambuco sind neue Präsidenten und Polizeichefs ernannt worden. &#x2014; Von Rosas sah man einer Kriegserklärung entgegen.</p>
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        <head>[Leserbriefe]</head>
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          <head>Für den demokratischen Central-Ausschuß in Berlin sind bei der Expedition dieser Zeitung ferner eingegangen:</head>
          <p><hi rendition="#b">1</hi> Thlr. 15 Sgr. aus Krähwinkel im Kreise Lübeck. &#x2014; <hi rendition="#b">1</hi> Thlr. zur Förderung der Volksfreiheit, von einigen in C. bei Solingen. &#x2014; 1 Thlr. für einen Dolch, um Blums Mörder aus der Welt zu schaffen, von R. in Solingen.</p>
          <p>Zusammen 580 Thlr. 23 Sgr. 2 Pf. und 48 Kreuzer.</p>
          <p>Köln, den 27. Novbr. 1848.</p>
          <p>Von der Expedition gestempelte Listen liegen zur Unterzeichnung offen bei:</p>
          <p rendition="#et">A. Steintraßer, Perlenpfuhl;<lb/>
Halin, Börse;<lb/>
Hamspohn, Freischütz, Hochstraße;<lb/>
Ciser, beim Eingange während der Volksversammlungen;<lb/>
J. Obladen, Streitzeuggasse;<lb/>
Stollwerk, Schildergasse.</p>
          <p> <hi rendition="#b">Wir fordern die Kölner Bürger hierdurch auf's dringendste auf, den Centralausschuss in Berlin durch Geldmittel sofort zu unterstützen, da ohne Geld es durchaus nicht möglich ist, kräftig aufzutreten.</hi> </p>
          <p> <hi rendition="#b">Wir nehmen Beiträge gerne entgegen.</hi> </p>
          <p> <hi rendition="#b">Köln, den 17. November 1848.</hi> </p>
          <p> <hi rendition="#b">Die Expedition der &#x201E;Neuen Rheinischen Zeitung.&#x201C;</hi> </p>
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        <head>Handelsnachrichten.</head>
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        <p>Der Gerant: <hi rendition="#g">Korff</hi>.<lb/>
Druck J. W. <hi rendition="#g">Dietz</hi>, unter Hutmacher 17.</p>
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[0816/0002] hüpftet und in die Hände klatschtet, als das heroische Wien zusammenkrachte und Jellachich, der Barbar, seine Orgien anhub. Jetzt, werthe, Herren, eilt, singet schnell den letzten Vers eures Tedeums, tanzt schnell den letzten Tanz, denn bald wird euer Orchester verstummen vor den Tönen der deutschen Sturmglocken und Siegeslieder, und die Demokraten Italiens, Polens, Deutschlands, Frankreichs und der ganzen Welt werden sich die Hand geben. Der Triumph der preußischen Demokraten ist der Sieg der Freiheit bei allen Nachbarn. Und Frankreich wird, bei Gott! diesem erhabenen Schauspiel nicht träge zusehen. Es wird kühn und pflichtgetreu sich erheben, wie im Wogenschwall seine Regierer mit sich reißen und nöthigenfalls — verschlingen. Nein, tausendmal nein, die französische Republik darf nicht müßig Gewehr im Arm dabei stehen; die Aristokraten geben uns ein Beispiel: jetzt, nach Wien's Opferung, umzingeln sie Berlin, dann gehts nach Italien, dann nach der Schweiz, dann nach Frankreich. Vergessen wir nie die alte Strophe: „Die Franzosen werden überall und jederzeit das frevelnde Königthum in die ewige Nacht hinabstoßen, und Frieden und Freiheit dem Erdkreise geben.“ Die Fourrieristische Democratie pacifique thut jetzt Buße für ihre Albernheit, vor zwei Monaten im Jellachich einen „großen Mann“ gesehen zu haben. Sie und La Reforme eröffneten bereits eine Subskription für Robert Blum's Familie, dessen Andenken auf dem letzten Sonntagsbankett die kräftigsten Toaste und Reden gehalten wurden. Bernard (von Carcassone in seinem Klub am Montparnaß hat den Vorschlag einer Nationalsteuer von einem Sou für die Hinterbliebenen des Freiheitsmärtyrers adoptiren lassen. Das Freiligrathsche Gedicht auf ihn steht in französisch Prosa in acht Zeitungen, und wird noch in Versen übertragen; ebenso das auf Wien. Das „Journal des Debats“ höhnt, es meint die französischen Demokraten hätten selber Geldnoth, doch mitten in diesem Höhnen zuckt das ehrlose Mammons- und Wuchererblatt gar seltsamlich mit den gelben Lügenlippen, es wittert Morgenluft — und wenn es heute im Leitartikel auf die „frechen Lumpendemagogen Berlins,“ auf die „ultra demokratischen rothen Assisen des Kongresses,“ auf die „atheistische Opposition die die preußische Linke gegen den Titel: von Gottes Gnaden macht“ schimpft, so ist das doch eigentlich nur Flitterputz um des Pudels Kern zu verhüllen, und dieser Kern ist eine melancholische Reflexion über Finanzverhältnisse „ohne die ja heute zu Tage nichts zu machen“ meint das Ehrenblatt. Und das eben ist das Famose bei der Geschichte, selbst der Expair und Goldluchs Armand Bertin wird seit seinem Junisiege immer düstrer wenn er das leise Erzittern des einst so soliden Finanzbodens verspürt, und kein Mittel, keins auf weiter Welt, weiß ihn wieder zu louisphilippistischer Sicherheit zurückzuführen. Daher die an Epilepsie und Katalepsie grenzende Tollwuth seiner Kaste, als das berühmte blanqui'sche Wort durch Paris kursirte: „unsere hohe Bourgeoisie lebt vom Kredit und im Kredit, reibt ihn durch fortwährende Agitation diesen Nervenstrang durch, bis er immer dünner wird und endlich reißt ‥‥“ 12 Paris, 23. Nov. Immer noch Cavaignac und Louis Napoleon. Darum dreht sich Alles. Dem Anscheine nach ist der Kampf entsponnen zwischen der arabischen Kappe und dem kaiserlichen Hute, der Wahrheit nach zwischen der Revolution und der Contrerevolution; die Contrerevolution in der Gestalt des Republikaners Cavaignac, die Revolution in der Gestalt des kaiserlichen Louis Napoleon. Je mehr die arabische Kappe sinkt, je höher steigt der kaiserliche Hut. Dieses Mal ist die Kappe dermaßen dem Hrn. Cavaignac eingedrückt worden, daß er wohl schwerlich sich vom Schlage erholen kann. Er selbst hat die Initiative der Interpellationen in der Kammer ergriffen: er selbst sah sich genöthigt, seine Ankläger, die Mitglieder der alten Exekutiven zur Rede zu stellen über die Anschuldigung, die Juni-Insurrektion hervorgerufen zu haben, und dieses Alles, um seine Präsidentschaft zu retten. Marie und Lamartine waren nicht anwesend und der Skandal wird nächste Woche zur Oeffentlichkeit kommen. Cavaignac, sagen wir, repräsentirt die Contrerevolution. Die Juni-Insurgenten sind von Cavaignac zum Kampfe provozirt worden, um besiegt zu werden. Mit der Niederlage Juni's in Frankreich siegt ganz in Deutschland die Contrerevolution, so wie mit Februar die Revolution anfing. Mit dem Belagerungsstande in Paris kamen die Belagerungsstande über Deutschland, aber in einem weit kläglichern, erbärmlichern Zustande. Die guten Bourgeois lassen sich in Deutschland entwaffnen mit einer Bereitwilligkeit, die einem im Herzen wohl thut. Die Pickelhauben lassen sich muthig die Bürgergewehre ausliefern, weil die rothen Hosen von repulikanischen Hanswürsten und arabischen Hengsten kommandirt werden. Die Revolution, sagen wir, wird vom kaiserlichen Louis Napoleon repräsentirt, d. h. von allen denjenigen, welche Louis Napoleon dem Cavaignac und der Kammer entgegenhalten. Schon daß Louis Napoleon ein ernstlicher Kandidat werden kann, schon der daß ein Mann, bisheran nur durch seine drolligen Abentheuer bekannt ist, ein Mann, der bisheran, sei es als Konstabler, brannte, seine Armee in Bewegung zu setzen, sei es als Prätendent, die Flügel des verschollenen Adlers, daß ein solcher Mann die Stimmenmehrheit zu erhalten die größten Chancen hat — das Alles zeigt, daß die Franzosen mit jedem beliebigen Wege, durch jede beliebigen Mittel aus ihrer Innobilität herausbrechen wollen, daß sie der Belagerungszustände müde sind, und nur darauf sinnen, die Schranken zu brechen, welche eine engherzige Bourgeois-Politik ihnen entgegensetzt. Mit dem Sturze Cavaignac's ist die Contrerevolution gestürzt. Mit dem Sturze Cavaignac's stürzen Windischgrätz und Brandenburg-Manteuffel und etwas anders noch, ich wag' es nicht zu sagen. Und etwas andres noch! 12 Paris, 24. Nov. Die Franzosen lachen — die Franzosen weinen: sie lachen über die deutschen Zustände resp. Belagerungszustände, sie lachen über den passiven Widerstand — dessen tiefe — „philosophisch-politische“ Bedeutung sie gar nicht zu fassen vermögen. Sie weinen über ihre eigenen Zustände, über Cavaignac und das republikanische Leichengewand. Seitdem der Belagerungszustand über Berlin verhängt ist, schämen sich die Franzosen, ihn länger in Paris zu dulden. Seitdem die preußische Soldateska die preußischen Bürger allenthalben unter Belagerungszustand setzt, und das Land mit Belagerungszuständen umspannt hält, seitdem Brandenburg ein Cavaignac werden will und die preußischen Stadtkommandanten den französischen Ton anzunehmen drohen, weigern sich die Franzosen, länger als Vorbild dienen zu wollen, und Cavaignac steht verlassener als je. Er möge auf den König von Preußen zählen, sowie der König von Preußen früher auf ihn gezählt. So viel steht fest, daß er auf die Franzosen und die französische Armee nicht mehr zählen kann. Die Soldaten sehen ein, daß er sie im Juni-Kampfe gegen ihre eigenen Brüder geführt hat, und erklären in den öffentlichen Klubs, daß sie ihren Irrthum bereuen. Alles wendet sich von Cavaignac ab, und der heutige Tag, wo abermals die Interpellationen stattfinden über die Vorfälle im Juni wird ihn völlig tödten Die besiegte Juni-Insurrektion ist siegreicher als jemals. Die Arbeiter ziehen in großen Haufen wieder durch die Straßen, und tragen selbst den Sieg in den Clubs der Montagnard's davon, wo die Kandidatur Ledru-Rollin's besprochen wird. Ledru-Rollin, heißt es, est trop tard! Raspail oder Barbes! Die Arbeiter wissen zwar recht gut, daß sie ihren Kandidaten nicht durchsetzen können! Aber gleichviel! sie wollen ihre Gesinnung auf die eine oder andere Weise kund thun, und da es einmal fest steht, daß Napoleon jedenfalls die Majorität erhalten wird, durch die ungeheure Menge Bauern, da ferner Napoleon alles Mögliche bedeuten kann, so wollen sie, die Arbeiter, durch ihre Stimmen den Bauern weiter nichts sagen als: Lies Napoleon und sage Raspail. Ledru-Rollin kommt zu spät! Das ist der Ruf der Arbeiter. Von den Constituanten zu den Feuillanten; von den Feuillanten zu den Girondins; von den Girondins zu Danton; von Danton zu Robespierre! Während die Franzosen an Robespierre, resp. Napoleon und Raspail angelangt sind, stehn die Deutschen am passiven Widerstand stille. Der passive Widerstand, das possierlichste, was es für den Franzosen geben kann. Ich soll mich in meinem Widerstand passiv verhalten. Wenn mich mein Feind umwerfen will, soll ich die Hände in der Hose behalten, statt sie gegen meinen Feind zu gebrauchen. Die Deutschen dagegen behaupten, daß die Franzosen gar nicht verstehen können, was das heißt: passiv Widerstand leisten, die Hände in der Hose stecken lassen und die Steuern verweigern. Passiver Widerstand! das ist ein Wort, wie Gemüth, wie Wehmuth, wie Heimath, das ist eins von den vielen deutschen Wörtern, die sich nicht in's französische übersetzen lassen, und woran die deutschen Sprachlehrer in Paris zu Grunde gehn, wenn es sich darum handelt, deren Bedeutung den Franzosen anschaulich handgreiflich zu machen. Passiver Widerstand und deutsches Gemüth! Die Hände in der Hose stecken lassen, und kein Geld, keine Steuern bezahlen! „Mann mit zugeknöpfter Tasche, Dir thut Niemand was zu leide“! Die Hände in die Hosetasche stecken, sie hartnäckig, stierköpfig in der Hosetasche lassen, trotzig-steif in dieser Stellung beharren wie ein Stockdeutscher, ein Stockpreuße, das ist die eigentliche Bedeutung des passiven Widerstandes, und in meiner Uebersetzung mußte ich den Franzosen andeuten, daß diese Stellung des Deutschen das eigentliche tète--carrée sei. Nun wurde ich verstanden. Der passive Widerstand des tète-carrée! Es käme jetzt bloß noch darauf an, hinter jeden Bauer eine Schildwache zu stellen, um ihm die Hände aus der Hose zu reißen. Wenn französische Soldaten, französische Gensd'armen und Munizipalgardisten, wie neulich, die Waffen gegen das Volk ergreifen, so hauen ihnen die Franzosen die Hände ab. Es ist dies der aktive Widerstand; es ist dieses ein peremptorisches Mittel, um perfide, vom Volke genährte Hände unschädlich zu machen. Die Deutschen nehmen keine derartige Amputation vor. Sie verfahren methodischer; sie unterbinden den kranken Theil, mittelst einer Ligatur ziehen tagtäglich den Bindfaden mehr zu, berauben ihn tagtäglich mehr der ihm zufließenden Lebenssäfte, bis er verfault, verdörrt abfällt. Insofern gleichen die Deutschen den Türken weit mehr als den Franzosen: denn auch die Türken, obgleich sie gewöhnlich gleich mit dem Messer bei der Hand sind, zögern doch, wenn es sich um die Absonderung eines auswüchsigen Theils handelt. Nach der Aussage der Aerzte soll dieses Verfahren, obgleich langsamer wirkend, doch vor dem spätern Wiedererscheinen des Uebels sichern! — Sitzung der National-Versammlung vom 25. November. Der Zudrang von Menschen ist unendlich; allgemeine Spannung. Cavaignac verlangt Aufklärungen über die Aeußerungen Ledru-Rollins und Garnier-Pages. Es handle sich von persönlichen Verläumdungen. Barthelemy St. Hilaire liest die hierauf bezuglichen Stellen, welche den General Cavaignac beschuldigen, die von der exekutiven Kommission angeordneten Maßregeln zur Verhutung und Bekampfung der Juni-Ereignisse nicht getroffen zu haben, aus dem alleinigen Grunde, die exekutive Kommission zu stürzen, und sich das Oberkommando übertragen zu lassen. Statt die Konstruktion der Barrikaden zu verhindern, wie es die Exekutiv-Kommission wollte, habe Cavaignac die Barrikaden eine solche Ausdehnung gewinnen lassen, daß er ganz Paris absichtlich in die kritischste Lage versetzte. Ferner habe Cavaignac alle Truppen absichtlich von Paris fern gehalten, und die Garnison von Paris bedeutend geschwacht. Cavaignac: Die Regimenter, die er aus Paris entfernt habe, hätten meistens nur aus Rekruten bestanden; in Paris sei nur für 14 Regimenter Platz in den verschiedenen Kasernen gewesen, indem die Mobilgarde die meisten in Beschlag genommen hätte. Was den Vorwurf anbeträfe, er habe die Befehle der exekutiven Kommission nicht ausgeführt, so beruhe dieses auf einen Irrthum. Er (Cavaignac) habe Befehle von jedem Mitgliede der exekutiven Kommission insbesondere erhalten, und diese Befehle seien gewöhnlich widersprechend gewesen, so daß, wenn er dem Einen gehorcht, dem andern nicht hatte gehorchen können. Er könne nicht läugnen, daß er Paris habe verlassen wollen; aber er habe es verlassen wollen mit der Armee und der National-Versammlung, um darauf Paris mit den aus den Provinzen angekommenen Nationalgarden neuerdings anzugreifen. Bixion erklärt, daß Cavaignac die Republik gerettet und keineswegs die Ansicht gehabt habe, sich einen blutigen Weg zur Präsidentschaft zu bahnen. Garnier-Pages: Er habe viel zu erwidern, und verlange, daß die Sitzung eine Stunde suspendirt werde. Die Versammlung beschließt um 8 Uhr die Fortsetzung der Debatte. Abendsitzung vom 25. November. Barthelemy St. Hilaire spricht an die Stelle von Garnier-Pages. Er habe Cavaignac nicht des Verraths beschuldigen wollen; seine Absicht sei nur, die exekutive Kommission von der auf ihr lastenden Anklage freizusprechen. Cavaignac dringt auf neue Erklärungen. Er will auch vom Vorwurf der Unvorsichtigkeit nichts wissen. Garnier-Pages spricht von den verführerischen Anträgen, die ihm und St. Hilaire gemacht worden seien, ihm sei die Präsidentschaft der Versammlung und St. Hilaire das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts angeboten worden. Aber er wolle einmal nichts wissen von Cavaignac Wir beide, Cavaignac und ich, wir sind nur etwas durch unsere Brüder. Cavaignac sei ein undankbarer Mensch; er (Pages) sei der erste gewesen, der sogar die Fehler des Generals an der Tribüne vertheidigt habe. Die Republik hänge nicht von einem einzigen Manne, von einem Soldaten ab. Cavaignac. Die Anträge der Portefeuille haben am 28. Juni stattgefunden, also nach den Juniereignissen. Landrin. Der Vorwurf gegen Cavaignac ist ungerecht. Die Kommission war mit Impotenz geschlagen; dies war der Grund ihres Zurückzugs, nicht der Ehrgeiz Cavaignac's. Garnier-Pages. Am 22. Juni wollte die exekutive Kommission sich zurückziehen. Da sei Cavaignac gekommen und habe erklärt, daß sie dieses zum Wohle des Landes nicht dürfe. Ledru-Rollin beschuldigt Cavaignac, daß er, gegen den Wunsch der Kommission, keine Truppenmacht in Paris konzentrirt habe. General Bedeau geht in taktische Erläuterungen ein. Cavaignac spricht von der Trennung, die obgewaltet habe und noch obwaltet zwischen ihm und Ledru-Rollin. Lagrange spricht von den schmählichen Ausfällen der Presse auf Cavaignac. Der Präsident läßt über folgende Tagesordnung abstimmen i_ Die National-Versammlung beharrend in ihrem Beschlusse vom 28. Juni 1848, daß der General Cavaignac wohl um das Vaterland verdient habe, schreitet weiter zur Tagesordnung. Die Anzahl der Stimmenden 537. Der Antrag ist mit 503 Stimmen gegen 34 angenommen. Schweiz. ** Bern, 23. Nov. _ Großbritannien. * London, 25. Nov. Lord Melbourne ist gestern 1/4 nach 6 Uhr auf seinem Landsitz Brocket Hall in Herfordshire gestorben. Am 15. März k. J. würde er 70 Jahre alt geworden sein. Portugal. * London, 25. Nov. Die Nachrichten, welche die gestern mit dem Dämpfer Madrid zu Southampton angekommene portugiesische Post mitgebracht hat, sind von keiner Erheblichkeit. Die öffentliche Ruhe war ungestört geblieben, doch sah man demnächst einer ministeriellen Krise mit ziemlicher Bestimmtheit entgegen. Man hielt das Ministerium Saldanha nur für ein Uebergangsministerium, und glaubte, daß der wachsende Einfluß der Gebrüder Cabral es in nicht zu langer Frist zu Gunsten des Conde de Thomar über den Haufen werfen würde. Afrika. * London, 24. Novbr. Neuesten, gestern mit dem Schiffe Mary Anne vom Kap der guten Hoffnung empfangenen Nachrichten zufolge, hatte Sir Harry Smith am 21. September eine Proklamation erlassen, worin er die Kolonie benachrichtigte, daß die Insurrektion der Boers nunmehr gründlich unterdrückt sei. Amerika. * London, 24. Nov. Nach einer sehr stürmischen und deßwegen etwas längern Fahrt ist das Dampfpacket Severn mit der gewöhnlichen westindischen und mexikanischen Post gestern zu Southampton eingetroffen. Es hat keine Baarschaften zur Auszahlung der mexikanischen Dividende mitgebracht, was bereits an der Börse von gestern Nachmittag ein Weichen der Course von maxikanischen Bons zur Folge hatte. Die wichtigste politische Nachricht, welche wir mit der Severn empfangen, ist die Bestätigung des bereits früher über die Verein. Staate gemeldeten Aufstandes zu Tampiko. Die Ursache dieser Erhebung ist in den schweren Steuern zu suchen, welche die Centralregierung dem Handel auferlegt hatte. Mit der Verweigerung dieser Steuern nahm die Insurrektion ihren Anfang. Bis jetzt ist sie durchaus siegreich gewesen. Das Volk, nachdem es sich mit der Nationalgarde vereinigt hatte, schlug die Regierungstruppen aus der Stadt, in deren Nähe die letztern sich jetzt verschanzt haben und vor Eintreffen einer vom Sitze der Regierung erwarteten Verstärkung keine weitern Schritte gegen die Insurgenten wagen. Es lebe die Steuerverweigerung — diesseits und jenseits des Oceans! In Jamaika war Alles ruhig, auf Porto Riko jedoch fürchtete man einen Sklavenaufstand und hatte deswegen allen Verkehr mit St. Domingo aufgehoben, da man glaubte, die freien Neger von Hayti würden ihren Brüdern von Porto Riko eventuell zu Hülfe kommen. — Die Handelsberichte von den westindischen Inseln bieten wenig Neues. Im Ganzen war das Geschäft allenthalben mehr oder weniger gedrückt. Die Erndteaussichten ließen sich im Durchschnitt günstig an. Aus Yukatan meldet der „Honduras Observer“, daß die Regierungstruppen, zusammen etwa 14,000 Mann, alle Städte und Dörfer, welche in die Hände der Indianer gefallen waren, mit Ausnahme der entferntern wieder genommen haben. Gegen 30,000 Indianer haben sich seit der Wiedereinnahme von Vallidolid, Tekax und Peto mit den Regierungstruppen vereinigt. Die mexikanische Republik unterstützte Yukatan, als einen Theil ihres Territoriums, monatlich mit 15,000 Dollars. Außerdem hatte die Regierung amerikanische Freiwillige hingeschickt, und ließ weitere zu New-Orleans werben. In Guatemal (Central-Amerika) ging alles drunter und drüber. In der Stadt die Anarchie, vor ihr die Insurrection. Serapio Cruz, der Anführer der Insurgenten, hielt sie eingeschlossen und verlangte ein Lösegeld von 100,000 Dollars, widrigenfalls eine viertägige Plünderung über die Stadt verhängt werden sollte. Diese bot 50,000 Dollars, was nicht angenommen wurde, so daß man bei Abgang der Briefe jeden Augenblick fürchtete, jene Drohung verwirklicht zu sehen. In Caraccas (Venezuela) scheint die Ruhe nicht weiter gestört worden zu sein. Die brasilianischen Berichte reichen bis zum 6. Oktbr. und melden einen Ministerwechsel zu Rio Janeiro. Das neue Ministerium ist conservativ. Sein Präsident, Visconde de Olinda, und der Minister des Innern, Visconde de Montealegre, waren beide Regenten während der Minorität des Kaisers. Auch für Bahia und Pernambuco sind neue Präsidenten und Polizeichefs ernannt worden. — Von Rosas sah man einer Kriegserklärung entgegen. [Leserbriefe] Für den demokratischen Central-Ausschuß in Berlin sind bei der Expedition dieser Zeitung ferner eingegangen: 1 Thlr. 15 Sgr. aus Krähwinkel im Kreise Lübeck. — 1 Thlr. zur Förderung der Volksfreiheit, von einigen in C. bei Solingen. — 1 Thlr. für einen Dolch, um Blums Mörder aus der Welt zu schaffen, von R. in Solingen. Zusammen 580 Thlr. 23 Sgr. 2 Pf. und 48 Kreuzer. Köln, den 27. Novbr. 1848. Von der Expedition gestempelte Listen liegen zur Unterzeichnung offen bei: A. Steintraßer, Perlenpfuhl; Halin, Börse; Hamspohn, Freischütz, Hochstraße; Ciser, beim Eingange während der Volksversammlungen; J. Obladen, Streitzeuggasse; Stollwerk, Schildergasse. Wir fordern die Kölner Bürger hierdurch auf's dringendste auf, den Centralausschuss in Berlin durch Geldmittel sofort zu unterstützen, da ohne Geld es durchaus nicht möglich ist, kräftig aufzutreten. Wir nehmen Beiträge gerne entgegen. Köln, den 17. November 1848. Die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung.“ Handelsnachrichten. _ Der Gerant: Korff. Druck J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.

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Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 1 (Nummer 1 bis Nummer 183) Köln, 1. Juni 1848 bis 31. Dezember 1848. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 154. Köln, 28. November 1848. Beilage, S. 0816. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz154b_1848/2>, abgerufen am 23.10.2019.