Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Neue Rheinische Zeitung. Nr. 116. Köln, 14. Oktober 1848.

Bild:
<< vorherige Seite
[Deutschland]

[Fortsetzung] sie reden hier, wie daheim, wollen klügeln und bessern und über die Nase fahren. Ich warne den kernhaften Oestreicher allzeit vor diesem hirn- und herzverbrannten Menschenschlage der preußischen Sahara und sächsischen Zwergobst-Pepiniere.

Indem ich dieses schreibe, wird mir erzählt, daß schon Bauern aus Oberöstreich angekommen sind. Sie kamen in deutschbeflaggten Schiffen herab und bringen die herrlichsten Versicherungen. Auf ein gegebenes Zeichen, sagen sie, würde das Land herbeieilen. Ich schließe, weil ich wieder herumlaufen und sammeln muß.

Noch eins, in Lemberg soll sich auch das Regiment Deutschmeister, ein wiener Regiment, empört haben und dadurch ein Aufstand veranlaßt worden sein.

61 Wien, 9. Oktober.

Noch Alles unentschieden; doch müßte ich mich verzehnfältigen können, wenn ich, wie ich wollte, zu berichten unternähme, was auf allen Punkten der großen Stadt in jedem Sinne geschieht.

Ich komme von der Rekognoszirung eines Theils des feindlichen Lagers, nämlich von der Position Schwarzenberg. Der Park des Fürsten Schwarzenberg bildet eine fast an den Wienfluß stoßende Anhöhe der Vorstadt Rennweg und läuft mit vielen andern anstoßenden Parks, namentlich mit dem k. k. Belvedere, in seiner Spitze bis zur Südbahn. Der äußerste nach dem Wienfluß zu gelegene Punkt desselben bildet einen Vorsprung, von wo aus sich die Stadt zwischen dem Kärtner- und Karolinen-Thor beschießen läßt und die Glacis zur Rechten und Linken von Kanonenkugeln bestrichen werden können. Dieser feste und gefährlichste Punkt ist mit einer ungeheuren Masse Artillerie besetzt, hinter welcher die Truppen nun schon seit drei Tagen lagern. Die nahe große Infanterie-Kaserne, der Palast des Fürsten, der Palast der deutschen Garde, das Belvedere, das Salesianer Nonnenkloster und die nahe Villa Metternich bilden neben den gewaltigen Häusern der Privaten die Hauptbollwerke, in welchen das Militär einen verzweifelten Widerstand zu leisten vermögen wird. Die auf diesem günstigen Terrän versammelten Truppen sind sämmtlich Slaven (Ruthenen und Czechen) und schnauben vor Wuth. Dennoch wagt das Volk sich an sie heran und treibt seinen Handel sogar bis vor die Mündungen der Kanonen fort. Als ich ankam, war eben den Soldaten eine Kundmachung vorgelesen worden, worauf sie in ein mörderisches Hurrah ausbrachen. Man behauptet, das Belagerungsgeschütz vermöge von dort aus die Universität zu erreichen. Daß Auersperg Arges im Schilde führt und auf bedeutende Verstärkung wartet, ist nur zu gewiß; das Beharren in seiner drohenden Stellung trotz der Befehle des Reichstags dürfte ihm indessen auch dann theuer zu stehen kommen, da nunmehr sämmtliche Bevölkerung sich wider ihn erheben und ihn mit seinen Slaven erdrücken würde. Er wird umsonst auf unsere innere Zwietracht hoffen. - Im Rückwege begegnete ich eben angekommener Hülfe aus Steiermark. Bei der ungeheuren in die Stadt geströmten Menschenmasse und der totalen Geschäftslosigkeit ist der, gegenwärtige Zustand nicht lange haltbar. Das Volk wird zur Verzweiflung kommen und dann wird der unvermeidliche Schlag geschehen müssen. Die Gewölbe der Stadt sind heute theilweise geöffnet, und um die Arbeiter zu beschäftigen, läßt man sogar das Pflaster hie und da wieder einlegen und hat das Kärtner Thor geöffnet.

Folgende Maueranschläge hebe ich aus der See von Plakaten hervor, die in den Straßen kleben und verkauft werden:

Bürger, Landsleute! Die Zeit ist eine gefährliche! Wir warnen das Volk, und fordern es feierlich auf, vorsichtig zu sein. Wir bitten, daß man keinen geheimen Schriften glaube, die man heute unter das Volk vertheilt oder vertheilen möchte. Glaubet heute keiner Druckschrift, außer denen, die der Reichstag selbst an uns richtet. Bürger, Freunde! Der Reichstag wirkt väterlich für uns, und so lange die Ruhe nicht gesichert ist, können und dürfen wir nur ihm allein vertrauen.

Noch einmal bitten wir Euch: Seid vorsichtig, besonders gegen alle Plakate, die geheim vertheilt oder verkauft werden.

Es lebe die Freiheit, es lebe das Gesetz!

Der Ausschuß der Studenten.

Kundmachung.

Nachstehende Eingabe wird mit dem Beifügen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß deren Inhalt vom Reichstage zur wohlgefälligen Kenntniß genommen wurde.

Vom konstituirenden Reichstage:

Smolka, erster Vicepräsident.

Karl Wiser, Schriftführer.

Hohe Reichsversammlung!

Der erste allgemeine Wiener Arbeiter-Verein, der für die Aufrechthaltung sowohl der Freiheit, als auch der gesetzlichen Ordnung glüht, und einem anarchischen Zustande durchaus nicht das Wort reden wird, sieht sich verpflichtet, einer hohen Reichsversammlung den Dank im Namen der ganzen Arbeiter-Klasse Wien's dafür auszudrücken, daß eine hohe Reichsversammlung das Staatsruder in den jetzigen Tagen der Gefahr mit einer solchen Kraft in die Hände genommen, und unsere verwirrten Angelegenheiten zu einem, gewiß jeden Theil des Volkes befriedigenden Ende zuzuführen gedenkt, welches ihr auch jedenfalls gelingen muß, wenn sie vom Volke in ihren Beschlüssen unterstützt wird.

Der Arbeiter-Verein, welcher nur in dem kräftigsten Zusammenwirken die Freiheit des ganzen Volkes gewahrt sehen kann, und der auch in diesen Tagen bewiesen hat, daß es den Arbeitern nicht um Raub und Plünderung zu thun sei, stellt sich ganz zur Verfügung einer hohen Reichsversammlung, mit dem Bedeuten, ihre Beschlüsse, welche gewiß nur zum Wohle des Gesammtvolkes dienen werden, mit dem Leben gegen alle Angriffe, von welcher Seite sie immer kommen wollen, zu vertheidigen, um auch auf diese Art nach seinen Kräften zum Wohle des Staates beitragen zu können.

Der Vorstand des ersten Wiener Arbeiter-Vereins.

Anton Schmitt, Sebastian Tack, Comite-Mitglieder.

Der demokratische Centralverein läßt dagegen kein Wort von sich hören. Er quakt nur, wenn es etwas zu schachern gibt und alles Jauern gefahrlos ist. Ich hoffe nicht, daß diese Juden-Demokraten nach den gegenwärtigen Tagen noch eine Rolle spielen werden.

Die Akademische Legion hat sich unter das Komando Scherpers, des neuen Oberkommandanten der Nationalgarde gestellt. Ein Mauer-Anschlag, an die Nationalgarde der innern Stadt gerichtet sagt:" In den letzten Tagen fanden die traurigen Ereignisse statt, daß einige von den Garden der Stadt auf die Garde der Vorstadt Wieden geschossen haben. Da dabei blos einige betheiligt waren, die von jeher als volksfeindlich bekannt sind, und die übrigen Gutgesinnte über die höchst traurigen Vorfälle den tiefsten Schmerz empfinden, so lade ich im Einverständniß mit dem Ober-Komando alle Gutgesinnten und mit dem Volke Sympathisirenden hiermit ein, Montag 9. um 12 Uhr Vormittags u. s. w. sich zahlreich bei dem Unterzeichneten zu versammeln, um in den gegenwärtigen, für unsere Errungenschaften gefährlichen Zuständen die geeigneten Maßregeln mit vereinten Kräften zu treffen.

Joseph Metzger, Garde des Kärntner Bezirks 1. Komp.

Die Stimmung der Garden der innern Stadt war am 6. volksfeindlich, weshalb die Garde der Vorstadt Wieden, unter die demokratischste gehörig, sich an ihnen zu rächen schwor. Die Garden der innern Stadt sind darüber in Furcht und Bangen und suchen auf jede Art sich einander zu versöhnen. Der Sieg des Volkes ist entschieden, wenn sie, die Eigenthümer der innern Stadt, gemeinsame Sache mit ihr machen; die innere Stadt wird dann zur uneinnehmbaren Feste.

1 Uhr Mittags. Es verlautet, Auersperg soll, da er nicht weichen will, heute noch angegriffen werden. Es wird ihm schlecht ergehen, denn seine Truppen sind furchtbar abgemattet. Seit 14 Tagen auf dem Marsche, ohne Sold und regelmäßige Kost wird der Soldat zwar ein rasender Bandit, aber kein hartnäckiger Kämpfer sein. Auersperg erwartet, da die Nordbahn in den Händen des Volks ist, Verstärkerungen aus Prag. Freiwillige stürmen uns noch immer in Massa zu. Das Militär, welches den Bahnhof der Südbahn besetzt hält, empfängt jeden ankommenden Zug mit emporgehobenen Gewehren, bereit auf den ersten Wink loszudrücken. Aber es kommt nichts, denn alle Freiwilligenscharen, die aus Steiermark kommen, steigen schon in Meidling aus und kommen auf diese Weise sicher in die Stadt. Durch die Nordbahn ist uns Lebenszufuhr gesichert, ebenso die Donau herab, sodaß Auersperg uns nicht aushungern kann. Seine Truppen verhungern indessen, wie sie selber sagen. Das Flüchten des adligen und büreaukratischen-, des Pfaffen-und reichen Bourgeois-Gesindels dauert fort. An die Thüren ihrer Wohnungen kleben sie Zettel, in welchen sie das Volk beschwören, ihre Schätze unberührt zu lassen. Man fängt an, dies Gesindel aufzuhalten.

61 Wien, 9. Okt.

Der Kriegsminister Latour wurde nicht ohne Grund erhängt. Man hat Papiere in seinem Hause gefunden, die auf's deutlichste zeigen, daß er mit Jellachich, Bathyany, Lamberg und dem Adjudanten des früheren Kommandanten der Nationalgarden geradezu gegen das Volk conspirirte. Der Justizminister Bach, den man verhaftete, hat alle Chancen des Schicksals seines Kollegen zu theilen.

Der Kaiser ist auf seiner Flucht nur bis zu den nächsten Poststationen gekommen und hat den Minister Hornbostl zu sich nach Sieghardskirchen beschieden. Man glaubte anfangs, daß er dort freiwillig Halt gemacht habe: es stellt sich aber heraus, daß er von den bewaffneten Bauern der Umgegend gefangen genommen wurde und daß man sich seiner Weiterreise widersetzt.

Jellachich soll ganz in der Nähe sein. Landleute die in die Stadt kommen, versichern, daß einzelne Trupps zerlumpter Croaten plündernd über die Dörfer hereinbrächen. Glaubwürdiger ist indeß die Nachricht, daß die Truppen des Banus bei Bruck an der Leithe stehen. Wie dem aber auch ist, die Ungarn sind dem lieben Baron Jellachich hart auf den Fersen und von allen Seiten treffen Boten ein, daß Bauern und Städter nach Wien rücken, um für die Sache der Freiheit mit zu streiten. Das frühere Gerücht, daß der Banus schon unterwegs eine Niederlage erlitten habe und erschossen oder gehängt worden sei, verliert immer mehr an Wahrscheinlichkeit.

In diesem Augenblick erfahre ich, daß die Croaten in Schwadorf gesehen worden sind. Wien wird daher in Vertheidigungszustand gesetzt. Alles ist unter den Waffen. Die 36.000 Gewehre, die durch den Sturm des Zeughauses unter die Arbeiter gekommen sind, werden vielleicht noch heute in dem entscheidensten Kampfe benutzt werden.

4 Uhr. Eben schlägt man Generalmarsch. Jellachich soll nur noch eine Stunde von Wien stehen. Er wird seinem Untergange entgegengehen.

Wien

Die "Allgemeine Oberzeitung" bringt ebenfalls das von unserm Corespondenten mitgetheilte Gerücht über Jellachichs Haft:

Breslau, 9. Oktober. Aus mündlichen Mittheilungen von Reisenden erfahren wir, daß Jellachich bei Oedenburg gefangen worden ist, diese Nachricht ist durch zwei Couriere, von denen der Eine an die Aula, der Andre an den Reichstag abgesandt ward, überbracht worden. Man behauptet, ohne dies indeß zu verbürgen, daß er getödtet worden sei; seine Armee ist versprengt, ein Theil steht bei Bottendorf auf österreichischem Gebiet.

* Berlin, 11. Oktbr.

An die Stelle von Zacharias, der aus der Nationalversammlung ausgetreten ist, ist v. Bardeleben mit 66 gegen 48 Stimmen gewählt worden. Außer ihm erhielten E. Eichholz und Bruno Bauer Stimmen.

Berlin.

Schluß der Sitzung vom 10. Oktober.

Nro. 1. des §. 1. wurde fast einstimmig angenommen, nachdem vorher auf Antrag des Ministers des Innern die Debatten über die Reservation der Thronlehne in Rücksicht auf das Heimfallsrecht derselben bis zur Diskussion über §. 4. ausgesetzt worden.

Darauf kommen die Nro. 2 und 3 des §. 1. zur Debatte:

" Ferner wird ohne Entschädigung aufgehoben: Das Obereigenthum des Erbzinsherren, und das Eigenthumsrecht des Erbpächters, sobald der Erbzins, Erbpachtkanon und die sonstigen Leistungen des Erbzinsbesitzers oder Erbpächters vollständig gegen Entschädigung in Land oder Capital abgelös't sind. Der Erbpächter erlangt mit dem Eintritt dieser Bedingung das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf; 3, das guts-oder grundherrliche Obereigenthum, so wie das Recht der Guts-oder Grundherren, Obereigenthümer oder Erbverpächter, zu der Veräußerung, Vererbung, Zerstückelung oder Verschuldung der ihnen verpflichten Grundstücke ihre Einwilligung zu ertheilen oder zu versagen."

Hierzu verschiedene Amendements, unter denen wir das von Räntzsch hervorheben, wonach Nro. 2 so lauten würde:

"Das Obereigenthum des Erbzinsherrn und das Eigenthumsrecht des Erbpächters. Der Erbpächter erlangt das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß er einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf."

Nach vielen unerquicklichen Debatten, worin Temme " besonders gegen juristische Spitzfindigkeiten " warnt, " welche der Befreiung des Eigenthums gefährlich sind," wird schließlich ein Amendement von Walter angenommen, welches noch besondere Bestimmungen der Nr. 2 hinzufügt:

"Der Erbpächter erlangt alsbald das Eigenthum auf Grund dieses Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung von Seiten des Erbverpächters bedarf. Der Erbpachtscanon, so wie alle sonstigen Leistungen des Erbzinsmannes verwandeln sich alsbald in Reallasten, bis daß sie in Land oder Kapital abgelöst werden."

(Wegen Mangel an Raum können wir die Verhandlungen vom 11. erst morgen mittheilen).

14 Erfurt, 10. Oktober.

In dem hiesigen demokratischen Verein, der bis vor Kurzem unter dem Namen Schutzbürger-Verein bekannt war und circa 2500 Mitglieder zählt, hatten sich an den regelmäßigen Vereinstagen auch Bewohner der benachbarten weimarischen Ortschaften Mittelhausen, Nödo etc. eingefunden. Die königl. Regierung forderte hierauf die Ordnerschaft des Vereins durch den Magistrat auf, künftighin Ausländern den Zutritt nicht mehr zu gestatten, da solches gegen den Sinn des Versammlungsgesetzes und ließ eine Straf-Androhung nicht undeutlich durchblicken, sofern demnach Weimaraner im Vereine aufgenommen würden. Die Ordnerschaft wandte sich sofort an das Ministerium in einer Beschwerde über das ungerechtfertigte Verfahren des Magestrats resp. der Regierung, worauf ihr unterm 7. d. nachstehendes Schreiben zugestellt wurde:

Höhern Ortes ist uns die, an den Herrn Minister des Innern gerichtete Vorstellung der Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins vom 27. Juli c. mitgetheilt, worin die Ordnerschaft sich über die Magistrats-Verfügung vom 17. Juli c. deßhalb beschwert, weil danach die Verordnung vom 6. April c. so ausgelegt worden, als ob zu Volksversammlungen und Zusammenkünften, wenn sie auf Preußischem Grund und Boden gehalten werden, die Einwohner benachbarter nicht Preußischer Orte nicht die Berechtigung hätten, an denselben Theil zu nehmen. Der Herr Minister des Innern hat hierbei anerkannt, daß die gedachte, auf einen Ober-Präsidial-Erlaß gegründete Magistrats-Verfügung gerechtfertigt erscheine, indem die Verordnung vom 6. April c. ihrer Fassung nach das Recht der freien Versammlung und Vereinigung allerdings lediglich auf die Preußischen Angehörigen beschränke und alle Nichtpreußen darnach als von diesem Rechte ausgeschlossen zu betrachten seien.

Die gedachte hohe Behörde hat uns jedoch eröffnet, wie nach der muthmaßlichen Absicht des Gesetzgebers ein Ausschluß der Nicht-Preußen von dem, den Inländern gewährten Associations- und Versammlungsrechte nicht Statt finden soll.

Wir haben den Magistrat hiernach mit Bescheid versehen, wodurch die erhobene Beschwerde ihre Erledigung findet.

Erfurt, den 7. Oktober 1848.

Königl. Regierung. Abtheilung des Innern, v. Tettau.

An die Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins.

Ungarn.
Pesth, 3. Oktober.

Ungeheure Sensation erregte folgende Nachricht, die Sonntags Nachmittags mittelst Plakat bekannt gegeben wurde:

So büßen die Landesverräther!

Graf Oedön Zichy, gewesener Administrator des Stuhlweißenburger Komitates, ist den 30. September auf der Insel Esepel durch das Kriegsgericht standrechtlich als ein mit den Feinden des Landes verbündeter Landesverräther mit dem Strick um halb 9 Uhr hingerichtet worden.

In allen Gruppen, welche diese Maueranschläge umstanden, sprach sich laut die tiefste und gerechteste Entrüstung darüber aus, daß jetzt, wo der Erzfeind des Landes die Hauptstadt bedroht, wo dessen freiheitsmörderischen Pläne offen an dem Tage liegen, wo Ungarn's beste Söhne Gut und Leben in die Schanze schlagen, um der Freiheit und Nationalehre einen Wall mit ihren Leibern zu bilden, noch Menschen sich finden, welche von Geburt und Schicksal zu einer bevorzugten Stellung berufen, das Vaterland, dessen begünstigte Kinder sie waren, schmählich verrathen. Wie verlautet, ist Zichy von seinen eigenen Unterthanen, bei denen er in Begleitung eines Grenzfeldwebels Viktualien für den Feind requirirte, festgenommen und dem Kommandirenden auf der Insel Esepel, Major Arthur Görgey (einem unsrer genialsten und energischsten Oberoffiziere) ausgeliefert worden.

Pesth.

Repräsentantenhaus vom 4. Oktober.

Präsident: Amtlich kann ich berichten, daß Jellachich gegen Gyönyö und Raab gerückt ist. Privatnachrichten zufolge soll er schon in Raab sein. Uebrigens sind die Dampfschiffe bei Gyönyö gerettet und nach Comorn gebracht worden. Laut Anzeige des Festungskommandanten von Comorn ist die Festung in einem so guten Vertheidigungszustande, daß weniger als achtzigtausend Soldaten nicht fähig wären, sie zu erstürmen. - Unsere Armee hat sich in drei Theile getheilt; eine ist gegen General Rott zurückgeblieben. Es hat uns aber ein anderer Uebelstand getroffen; unsere Gäste vermehren sich, nämlich die Gefangenen. Vierhundert Gefangene sind schon hier. Neuerdings sind schon wieder tausend vierhundert gefangen worden. Von unserer Armee kann man diesen Gefangenen keine Escorte beigeben, sonst würde sie sehr geschwächt werden, darum sind von hier aus Nationalgarden abgeschickt worden, um die Gefangenen zu übernehmen. Da wir aber so viele Menschen umsonst nicht verköstigen können, so hat der Landesvertheidigungs ausschuß beschlossen, diese Gefangenen zur Verschanzung Ofens gegen die Wiener Seite zu verwenden. (Beifall.) Jellachich rückt eilig aufwärts, aber die unsrigen nicht minder, zumal sie jetzt einen besseren Weg haben. Unser Armeekorps war gestern in Bicske. Flüchtet sich Jellachich nach Wien, so kann man ihn freilich nicht erreichen; wendet er sich aber nach Papa, dann wird er vernichtet. - Nach Anzeige des Vicepräsidenten des Oberhauses hat dieses alle Verfügungen des Repräsentantenhauses als die seinigen angenommen, sich mit uns identificirt und zum Landesvertheidigungsausschuß auch vier Mitglieder ernannt, damit unsere Feinde nicht sagen können, daß dieser Ausschuß blos ein Ausschuß der Minorität war. Die vier Mitglieder sind: Sigm Perenyi, Gr. Michael Esterhazy, - bei dem Namen Esterhazy muß ich darauf aufmerksam machen, daß Gr. Paul Esterhazy in Comorn die zweckmäßigsten Anstalten getroffen, und daß Fürst Ric. Esterhazy in Oedenburg zur Vertheidigung des Landes Alles aufgeboten hat. Die zwei andern Mitglieder sind Nic. Josica und mein Vater Pazmandy

Preßburg, 6. Oktober.

Der gestrige Tag verlief wieder unter den beunruhigensten Nachrichten die theils mehr, theils weniger Glauben verdienen. So viel ist gewiß, daß das auf der Flucht begriffene croatische Truppencorps, bei welchem der Ban selbst sein soll, Raab verlassen und auf der Wiener Straße von beiläufig 26,000 Mann ungarischen Truppen verfolgt, weiter zieht. Auf der Straße von Hochstraß nach Baratsöld soll es mit der roatischen Arriere- und unserer aus Husaren bestehenden Avantgarde zu einem Gefechte gekommen sein, wobei die Croaten neuerdings in die Flucht geschlagen wurden. Wäre der Landsturm des Wieselburger Comitates nicht zurückbeordert worden und die Comitate Preßburg und Oedenburg in Masse aufgestanden, um das croatische Corps zum Stehen zu bringen - so hätte wohl nicht ein Mann desselben die österreichische Grenze erreicht. Jellachich soll bereits eine Estaffette nach Bruck abgesendet haben, um bei der dortigen Eisenbahnverwaltung das Nöthige wegen des Transportes seines Corps nach Wien zu verfügen.

Gestern ist auf der Befehl hier angelangt, zweien Regimentern Cürassieren, die aus der obern Gegend über hier den Croaten zu Hülfe eilen wollen, den Uebergang über die Donau zu wehren. In Folge dieses Befehles ist die Schiffbrücke, die gestern Früh schon zum Theile herausgenommen wurde, ganz auszuheben beschlossen worden. Auch erwartete man gestern Abends die Ankunft zweier Divisionen Husaren, welche zur Ungarischen Armee [Fortsetzung]

[Feuilleton]
[Fortsetzung]
Er wird den Dämpfer zertrümmern nicht,
Wenn ich jetzt mich entferne von Bingen.-
O, Föbus Apollo, laß meine Flucht,
O laß' sie gelingen, gelingen! -
Und ausdrücklich bemerk' ich, daß rücksichtsvoll
Ich nicht geblendet die Beiden.
Doch dem alten Soherr sprang ich sofort
An den Hals und jauchzte vor Freuden:
Ade, Herr Soherr! Der Wein war gut.
Vorüber ist all mein Aerger!
Und lange noch werde ich denken an
Euern göttlichen Scharlachberger.
Ade! Euer Wein war trefflich; und
Ihn preis' ich nach allen Winden -
Einst wird auch schlagen unsere Stund',
Da wird sich Alles finden.

Georg Weerth.

Wohl zu beachten!

Kölnische Literaten, die von ihrem Blödsinn leben, haben seit einiger Zeit in der Verläumdung der " Neuen Rheinischen Zeitung" ein ersprießliches Geschäft gemacht, indem sie alle deutschen Blätter mit ihren Sudeleien überschwemmten. Wir haben natürlich keine Zeit, uns mit diesen industriellen Flöhen näher zu beschäftigen. Wir wollen aber für die Zukunft als Lückenbüßer unsres Feuilleton's eine Rubrick unter dem Titel:

"Blödsinn deutscher Zeitungen" eröffnen und darin von Zeit zu Zeit die Stilübungen jener Unglücklichen wörtlich abdrucken. Damit wir recht reichlichen Stoff haben, laden wir die Kölnischen Stadtliteraten und Stadtfänger dringend ein, ihre Berichte eifrig fortzusetzen.

[Deutschland]

[Fortsetzung] sie reden hier, wie daheim, wollen klügeln und bessern und über die Nase fahren. Ich warne den kernhaften Oestreicher allzeit vor diesem hirn- und herzverbrannten Menschenschlage der preußischen Sahara und sächsischen Zwergobst-Pepiniere.

Indem ich dieses schreibe, wird mir erzählt, daß schon Bauern aus Oberöstreich angekommen sind. Sie kamen in deutschbeflaggten Schiffen herab und bringen die herrlichsten Versicherungen. Auf ein gegebenes Zeichen, sagen sie, würde das Land herbeieilen. Ich schließe, weil ich wieder herumlaufen und sammeln muß.

Noch eins, in Lemberg soll sich auch das Regiment Deutschmeister, ein wiener Regiment, empört haben und dadurch ein Aufstand veranlaßt worden sein.

61 Wien, 9. Oktober.

Noch Alles unentschieden; doch müßte ich mich verzehnfältigen können, wenn ich, wie ich wollte, zu berichten unternähme, was auf allen Punkten der großen Stadt in jedem Sinne geschieht.

Ich komme von der Rekognoszirung eines Theils des feindlichen Lagers, nämlich von der Position Schwarzenberg. Der Park des Fürsten Schwarzenberg bildet eine fast an den Wienfluß stoßende Anhöhe der Vorstadt Rennweg und läuft mit vielen andern anstoßenden Parks, namentlich mit dem k. k. Belvedere, in seiner Spitze bis zur Südbahn. Der äußerste nach dem Wienfluß zu gelegene Punkt desselben bildet einen Vorsprung, von wo aus sich die Stadt zwischen dem Kärtner- und Karolinen-Thor beschießen läßt und die Glacis zur Rechten und Linken von Kanonenkugeln bestrichen werden können. Dieser feste und gefährlichste Punkt ist mit einer ungeheuren Masse Artillerie besetzt, hinter welcher die Truppen nun schon seit drei Tagen lagern. Die nahe große Infanterie-Kaserne, der Palast des Fürsten, der Palast der deutschen Garde, das Belvedere, das Salesianer Nonnenkloster und die nahe Villa Metternich bilden neben den gewaltigen Häusern der Privaten die Hauptbollwerke, in welchen das Militär einen verzweifelten Widerstand zu leisten vermögen wird. Die auf diesem günstigen Terrän versammelten Truppen sind sämmtlich Slaven (Ruthenen und Czechen) und schnauben vor Wuth. Dennoch wagt das Volk sich an sie heran und treibt seinen Handel sogar bis vor die Mündungen der Kanonen fort. Als ich ankam, war eben den Soldaten eine Kundmachung vorgelesen worden, worauf sie in ein mörderisches Hurrah ausbrachen. Man behauptet, das Belagerungsgeschütz vermöge von dort aus die Universität zu erreichen. Daß Auersperg Arges im Schilde führt und auf bedeutende Verstärkung wartet, ist nur zu gewiß; das Beharren in seiner drohenden Stellung trotz der Befehle des Reichstags dürfte ihm indessen auch dann theuer zu stehen kommen, da nunmehr sämmtliche Bevölkerung sich wider ihn erheben und ihn mit seinen Slaven erdrücken würde. Er wird umsonst auf unsere innere Zwietracht hoffen. ‒ Im Rückwege begegnete ich eben angekommener Hülfe aus Steiermark. Bei der ungeheuren in die Stadt geströmten Menschenmasse und der totalen Geschäftslosigkeit ist der, gegenwärtige Zustand nicht lange haltbar. Das Volk wird zur Verzweiflung kommen und dann wird der unvermeidliche Schlag geschehen müssen. Die Gewölbe der Stadt sind heute theilweise geöffnet, und um die Arbeiter zu beschäftigen, läßt man sogar das Pflaster hie und da wieder einlegen und hat das Kärtner Thor geöffnet.

Folgende Maueranschläge hebe ich aus der See von Plakaten hervor, die in den Straßen kleben und verkauft werden:

Bürger, Landsleute! Die Zeit ist eine gefährliche! Wir warnen das Volk, und fordern es feierlich auf, vorsichtig zu sein. Wir bitten, daß man keinen geheimen Schriften glaube, die man heute unter das Volk vertheilt oder vertheilen möchte. Glaubet heute keiner Druckschrift, außer denen, die der Reichstag selbst an uns richtet. Bürger, Freunde! Der Reichstag wirkt väterlich für uns, und so lange die Ruhe nicht gesichert ist, können und dürfen wir nur ihm allein vertrauen.

Noch einmal bitten wir Euch: Seid vorsichtig, besonders gegen alle Plakate, die geheim vertheilt oder verkauft werden.

Es lebe die Freiheit, es lebe das Gesetz!

Der Ausschuß der Studenten.

Kundmachung.

Nachstehende Eingabe wird mit dem Beifügen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß deren Inhalt vom Reichstage zur wohlgefälligen Kenntniß genommen wurde.

Vom konstituirenden Reichstage:

Smolka, erster Vicepräsident.

Karl Wiser, Schriftführer.

Hohe Reichsversammlung!

Der erste allgemeine Wiener Arbeiter-Verein, der für die Aufrechthaltung sowohl der Freiheit, als auch der gesetzlichen Ordnung glüht, und einem anarchischen Zustande durchaus nicht das Wort reden wird, sieht sich verpflichtet, einer hohen Reichsversammlung den Dank im Namen der ganzen Arbeiter-Klasse Wien's dafür auszudrücken, daß eine hohe Reichsversammlung das Staatsruder in den jetzigen Tagen der Gefahr mit einer solchen Kraft in die Hände genommen, und unsere verwirrten Angelegenheiten zu einem, gewiß jeden Theil des Volkes befriedigenden Ende zuzuführen gedenkt, welches ihr auch jedenfalls gelingen muß, wenn sie vom Volke in ihren Beschlüssen unterstützt wird.

Der Arbeiter-Verein, welcher nur in dem kräftigsten Zusammenwirken die Freiheit des ganzen Volkes gewahrt sehen kann, und der auch in diesen Tagen bewiesen hat, daß es den Arbeitern nicht um Raub und Plünderung zu thun sei, stellt sich ganz zur Verfügung einer hohen Reichsversammlung, mit dem Bedeuten, ihre Beschlüsse, welche gewiß nur zum Wohle des Gesammtvolkes dienen werden, mit dem Leben gegen alle Angriffe, von welcher Seite sie immer kommen wollen, zu vertheidigen, um auch auf diese Art nach seinen Kräften zum Wohle des Staates beitragen zu können.

Der Vorstand des ersten Wiener Arbeiter-Vereins.

Anton Schmitt, Sebastian Tack, Comité-Mitglieder.

Der demokratische Centralverein läßt dagegen kein Wort von sich hören. Er quakt nur, wenn es etwas zu schachern gibt und alles Jauern gefahrlos ist. Ich hoffe nicht, daß diese Juden-Demokraten nach den gegenwärtigen Tagen noch eine Rolle spielen werden.

Die Akademische Legion hat sich unter das Komando Scherpers, des neuen Oberkommandanten der Nationalgarde gestellt. Ein Mauer-Anschlag, an die Nationalgarde der innern Stadt gerichtet sagt:„ In den letzten Tagen fanden die traurigen Ereignisse statt, daß einige von den Garden der Stadt auf die Garde der Vorstadt Wieden geschossen haben. Da dabei blos einige betheiligt waren, die von jeher als volksfeindlich bekannt sind, und die übrigen Gutgesinnte über die höchst traurigen Vorfälle den tiefsten Schmerz empfinden, so lade ich im Einverständniß mit dem Ober-Komando alle Gutgesinnten und mit dem Volke Sympathisirenden hiermit ein, Montag 9. um 12 Uhr Vormittags u. s. w. sich zahlreich bei dem Unterzeichneten zu versammeln, um in den gegenwärtigen, für unsere Errungenschaften gefährlichen Zuständen die geeigneten Maßregeln mit vereinten Kräften zu treffen.

Joseph Metzger, Garde des Kärntner Bezirks 1. Komp.

Die Stimmung der Garden der innern Stadt war am 6. volksfeindlich, weshalb die Garde der Vorstadt Wieden, unter die demokratischste gehörig, sich an ihnen zu rächen schwor. Die Garden der innern Stadt sind darüber in Furcht und Bangen und suchen auf jede Art sich einander zu versöhnen. Der Sieg des Volkes ist entschieden, wenn sie, die Eigenthümer der innern Stadt, gemeinsame Sache mit ihr machen; die innere Stadt wird dann zur uneinnehmbaren Feste.

1 Uhr Mittags. Es verlautet, Auersperg soll, da er nicht weichen will, heute noch angegriffen werden. Es wird ihm schlecht ergehen, denn seine Truppen sind furchtbar abgemattet. Seit 14 Tagen auf dem Marsche, ohne Sold und regelmäßige Kost wird der Soldat zwar ein rasender Bandit, aber kein hartnäckiger Kämpfer sein. Auersperg erwartet, da die Nordbahn in den Händen des Volks ist, Verstärkerungen aus Prag. Freiwillige stürmen uns noch immer in Massa zu. Das Militär, welches den Bahnhof der Südbahn besetzt hält, empfängt jeden ankommenden Zug mit emporgehobenen Gewehren, bereit auf den ersten Wink loszudrücken. Aber es kommt nichts, denn alle Freiwilligenscharen, die aus Steiermark kommen, steigen schon in Meidling aus und kommen auf diese Weise sicher in die Stadt. Durch die Nordbahn ist uns Lebenszufuhr gesichert, ebenso die Donau herab, sodaß Auersperg uns nicht aushungern kann. Seine Truppen verhungern indessen, wie sie selber sagen. Das Flüchten des adligen und büreaukratischen-, des Pfaffen-und reichen Bourgeois-Gesindels dauert fort. An die Thüren ihrer Wohnungen kleben sie Zettel, in welchen sie das Volk beschwören, ihre Schätze unberührt zu lassen. Man fängt an, dies Gesindel aufzuhalten.

61 Wien, 9. Okt.

Der Kriegsminister Latour wurde nicht ohne Grund erhängt. Man hat Papiere in seinem Hause gefunden, die auf's deutlichste zeigen, daß er mit Jellachich, Bathyany, Lamberg und dem Adjudanten des früheren Kommandanten der Nationalgarden geradezu gegen das Volk conspirirte. Der Justizminister Bach, den man verhaftete, hat alle Chancen des Schicksals seines Kollegen zu theilen.

Der Kaiser ist auf seiner Flucht nur bis zu den nächsten Poststationen gekommen und hat den Minister Hornbostl zu sich nach Sieghardskirchen beschieden. Man glaubte anfangs, daß er dort freiwillig Halt gemacht habe: es stellt sich aber heraus, daß er von den bewaffneten Bauern der Umgegend gefangen genommen wurde und daß man sich seiner Weiterreise widersetzt.

Jellachich soll ganz in der Nähe sein. Landleute die in die Stadt kommen, versichern, daß einzelne Trupps zerlumpter Croaten plündernd über die Dörfer hereinbrächen. Glaubwürdiger ist indeß die Nachricht, daß die Truppen des Banus bei Bruck an der Leithe stehen. Wie dem aber auch ist, die Ungarn sind dem lieben Baron Jellachich hart auf den Fersen und von allen Seiten treffen Boten ein, daß Bauern und Städter nach Wien rücken, um für die Sache der Freiheit mit zu streiten. Das frühere Gerücht, daß der Banus schon unterwegs eine Niederlage erlitten habe und erschossen oder gehängt worden sei, verliert immer mehr an Wahrscheinlichkeit.

In diesem Augenblick erfahre ich, daß die Croaten in Schwadorf gesehen worden sind. Wien wird daher in Vertheidigungszustand gesetzt. Alles ist unter den Waffen. Die 36.000 Gewehre, die durch den Sturm des Zeughauses unter die Arbeiter gekommen sind, werden vielleicht noch heute in dem entscheidensten Kampfe benutzt werden.

4 Uhr. Eben schlägt man Generalmarsch. Jellachich soll nur noch eine Stunde von Wien stehen. Er wird seinem Untergange entgegengehen.

Wien

Die „Allgemeine Oberzeitung“ bringt ebenfalls das von unserm Corespondenten mitgetheilte Gerücht über Jellachichs Haft:

Breslau, 9. Oktober. Aus mündlichen Mittheilungen von Reisenden erfahren wir, daß Jellachich bei Oedenburg gefangen worden ist, diese Nachricht ist durch zwei Couriere, von denen der Eine an die Aula, der Andre an den Reichstag abgesandt ward, überbracht worden. Man behauptet, ohne dies indeß zu verbürgen, daß er getödtet worden sei; seine Armee ist versprengt, ein Theil steht bei Bottendorf auf österreichischem Gebiet.

* Berlin, 11. Oktbr.

An die Stelle von Zacharias, der aus der Nationalversammlung ausgetreten ist, ist v. Bardeleben mit 66 gegen 48 Stimmen gewählt worden. Außer ihm erhielten E. Eichholz und Bruno Bauer Stimmen.

Berlin.

Schluß der Sitzung vom 10. Oktober.

Nro. 1. des §. 1. wurde fast einstimmig angenommen, nachdem vorher auf Antrag des Ministers des Innern die Debatten über die Reservation der Thronlehne in Rücksicht auf das Heimfallsrecht derselben bis zur Diskussion über §. 4. ausgesetzt worden.

Darauf kommen die Nro. 2 und 3 des §. 1. zur Debatte:

„ Ferner wird ohne Entschädigung aufgehoben: Das Obereigenthum des Erbzinsherren, und das Eigenthumsrecht des Erbpächters, sobald der Erbzins, Erbpachtkanon und die sonstigen Leistungen des Erbzinsbesitzers oder Erbpächters vollständig gegen Entschädigung in Land oder Capital abgelös't sind. Der Erbpächter erlangt mit dem Eintritt dieser Bedingung das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf; 3, das guts-oder grundherrliche Obereigenthum, so wie das Recht der Guts-oder Grundherren, Obereigenthümer oder Erbverpächter, zu der Veräußerung, Vererbung, Zerstückelung oder Verschuldung der ihnen verpflichten Grundstücke ihre Einwilligung zu ertheilen oder zu versagen.“

Hierzu verschiedene Amendements, unter denen wir das von Räntzsch hervorheben, wonach Nro. 2 so lauten würde:

„Das Obereigenthum des Erbzinsherrn und das Eigenthumsrecht des Erbpächters. Der Erbpächter erlangt das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß er einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf.“

Nach vielen unerquicklichen Debatten, worin Temme „ besonders gegen juristische Spitzfindigkeiten “ warnt, „ welche der Befreiung des Eigenthums gefährlich sind,„ wird schließlich ein Amendement von Walter angenommen, welches noch besondere Bestimmungen der Nr. 2 hinzufügt:

„Der Erbpächter erlangt alsbald das Eigenthum auf Grund dieses Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung von Seiten des Erbverpächters bedarf. Der Erbpachtscanon, so wie alle sonstigen Leistungen des Erbzinsmannes verwandeln sich alsbald in Reallasten, bis daß sie in Land oder Kapital abgelöst werden.“

(Wegen Mangel an Raum können wir die Verhandlungen vom 11. erst morgen mittheilen).

14 Erfurt, 10. Oktober.

In dem hiesigen demokratischen Verein, der bis vor Kurzem unter dem Namen Schutzbürger-Verein bekannt war und circa 2500 Mitglieder zählt, hatten sich an den regelmäßigen Vereinstagen auch Bewohner der benachbarten weimarischen Ortschaften Mittelhausen, Nödo etc. eingefunden. Die königl. Regierung forderte hierauf die Ordnerschaft des Vereins durch den Magistrat auf, künftighin Ausländern den Zutritt nicht mehr zu gestatten, da solches gegen den Sinn des Versammlungsgesetzes und ließ eine Straf-Androhung nicht undeutlich durchblicken, sofern demnach Weimaraner im Vereine aufgenommen würden. Die Ordnerschaft wandte sich sofort an das Ministerium in einer Beschwerde über das ungerechtfertigte Verfahren des Magestrats resp. der Regierung, worauf ihr unterm 7. d. nachstehendes Schreiben zugestellt wurde:

Höhern Ortes ist uns die, an den Herrn Minister des Innern gerichtete Vorstellung der Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins vom 27. Juli c. mitgetheilt, worin die Ordnerschaft sich über die Magistrats-Verfügung vom 17. Juli c. deßhalb beschwert, weil danach die Verordnung vom 6. April c. so ausgelegt worden, als ob zu Volksversammlungen und Zusammenkünften, wenn sie auf Preußischem Grund und Boden gehalten werden, die Einwohner benachbarter nicht Preußischer Orte nicht die Berechtigung hätten, an denselben Theil zu nehmen. Der Herr Minister des Innern hat hierbei anerkannt, daß die gedachte, auf einen Ober-Präsidial-Erlaß gegründete Magistrats-Verfügung gerechtfertigt erscheine, indem die Verordnung vom 6. April c. ihrer Fassung nach das Recht der freien Versammlung und Vereinigung allerdings lediglich auf die Preußischen Angehörigen beschränke und alle Nichtpreußen darnach als von diesem Rechte ausgeschlossen zu betrachten seien.

Die gedachte hohe Behörde hat uns jedoch eröffnet, wie nach der muthmaßlichen Absicht des Gesetzgebers ein Ausschluß der Nicht-Preußen von dem, den Inländern gewährten Associations- und Versammlungsrechte nicht Statt finden soll.

Wir haben den Magistrat hiernach mit Bescheid versehen, wodurch die erhobene Beschwerde ihre Erledigung findet.

Erfurt, den 7. Oktober 1848.

Königl. Regierung. Abtheilung des Innern, v. Tettau.

An die Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins.

Ungarn.
Pesth, 3. Oktober.

Ungeheure Sensation erregte folgende Nachricht, die Sonntags Nachmittags mittelst Plakat bekannt gegeben wurde:

So büßen die Landesverräther!

Graf Oedön Zichy, gewesener Administrator des Stuhlweißenburger Komitates, ist den 30. September auf der Insel Esepel durch das Kriegsgericht standrechtlich als ein mit den Feinden des Landes verbündeter Landesverräther mit dem Strick um halb 9 Uhr hingerichtet worden.

In allen Gruppen, welche diese Maueranschläge umstanden, sprach sich laut die tiefste und gerechteste Entrüstung darüber aus, daß jetzt, wo der Erzfeind des Landes die Hauptstadt bedroht, wo dessen freiheitsmörderischen Pläne offen an dem Tage liegen, wo Ungarn's beste Söhne Gut und Leben in die Schanze schlagen, um der Freiheit und Nationalehre einen Wall mit ihren Leibern zu bilden, noch Menschen sich finden, welche von Geburt und Schicksal zu einer bevorzugten Stellung berufen, das Vaterland, dessen begünstigte Kinder sie waren, schmählich verrathen. Wie verlautet, ist Zichy von seinen eigenen Unterthanen, bei denen er in Begleitung eines Grenzfeldwebels Viktualien für den Feind requirirte, festgenommen und dem Kommandirenden auf der Insel Esepel, Major Arthur Görgey (einem unsrer genialsten und energischsten Oberoffiziere) ausgeliefert worden.

Pesth.

Repräsentantenhaus vom 4. Oktober.

Präsident: Amtlich kann ich berichten, daß Jellachich gegen Gyönyö und Raab gerückt ist. Privatnachrichten zufolge soll er schon in Raab sein. Uebrigens sind die Dampfschiffe bei Gyönyö gerettet und nach Comorn gebracht worden. Laut Anzeige des Festungskommandanten von Comorn ist die Festung in einem so guten Vertheidigungszustande, daß weniger als achtzigtausend Soldaten nicht fähig wären, sie zu erstürmen. ‒ Unsere Armee hat sich in drei Theile getheilt; eine ist gegen General Rott zurückgeblieben. Es hat uns aber ein anderer Uebelstand getroffen; unsere Gäste vermehren sich, nämlich die Gefangenen. Vierhundert Gefangene sind schon hier. Neuerdings sind schon wieder tausend vierhundert gefangen worden. Von unserer Armee kann man diesen Gefangenen keine Escorte beigeben, sonst würde sie sehr geschwächt werden, darum sind von hier aus Nationalgarden abgeschickt worden, um die Gefangenen zu übernehmen. Da wir aber so viele Menschen umsonst nicht verköstigen können, so hat der Landesvertheidigungs ausschuß beschlossen, diese Gefangenen zur Verschanzung Ofens gegen die Wiener Seite zu verwenden. (Beifall.) Jellachich rückt eilig aufwärts, aber die unsrigen nicht minder, zumal sie jetzt einen besseren Weg haben. Unser Armeekorps war gestern in Bicske. Flüchtet sich Jellachich nach Wien, so kann man ihn freilich nicht erreichen; wendet er sich aber nach Papa, dann wird er vernichtet. ‒ Nach Anzeige des Vicepräsidenten des Oberhauses hat dieses alle Verfügungen des Repräsentantenhauses als die seinigen angenommen, sich mit uns identificirt und zum Landesvertheidigungsausschuß auch vier Mitglieder ernannt, damit unsere Feinde nicht sagen können, daß dieser Ausschuß blos ein Ausschuß der Minorität war. Die vier Mitglieder sind: Sigm Perenyi, Gr. Michael Esterhazy, ‒ bei dem Namen Esterhazy muß ich darauf aufmerksam machen, daß Gr. Paul Esterhazy in Comorn die zweckmäßigsten Anstalten getroffen, und daß Fürst Ric. Esterhazy in Oedenburg zur Vertheidigung des Landes Alles aufgeboten hat. Die zwei andern Mitglieder sind Nic. Josica und mein Vater Pazmandy

Preßburg, 6. Oktober.

Der gestrige Tag verlief wieder unter den beunruhigensten Nachrichten die theils mehr, theils weniger Glauben verdienen. So viel ist gewiß, daß das auf der Flucht begriffene croatische Truppencorps, bei welchem der Ban selbst sein soll, Raab verlassen und auf der Wiener Straße von beiläufig 26,000 Mann ungarischen Truppen verfolgt, weiter zieht. Auf der Straße von Hochstraß nach Baratsöld soll es mit der roatischen Arriere- und unserer aus Husaren bestehenden Avantgarde zu einem Gefechte gekommen sein, wobei die Croaten neuerdings in die Flucht geschlagen wurden. Wäre der Landsturm des Wieselburger Comitates nicht zurückbeordert worden und die Comitate Preßburg und Oedenburg in Masse aufgestanden, um das croatische Corps zum Stehen zu bringen ‒ so hätte wohl nicht ein Mann desselben die österreichische Grenze erreicht. Jellachich soll bereits eine Estaffette nach Bruck abgesendet haben, um bei der dortigen Eisenbahnverwaltung das Nöthige wegen des Transportes seines Corps nach Wien zu verfügen.

Gestern ist auf der Befehl hier angelangt, zweien Regimentern Cürassieren, die aus der obern Gegend über hier den Croaten zu Hülfe eilen wollen, den Uebergang über die Donau zu wehren. In Folge dieses Befehles ist die Schiffbrücke, die gestern Früh schon zum Theile herausgenommen wurde, ganz auszuheben beschlossen worden. Auch erwartete man gestern Abends die Ankunft zweier Divisionen Husaren, welche zur Ungarischen Armee [Fortsetzung]

[Feuilleton]
[Fortsetzung]
Er wird den Dämpfer zertrümmern nicht,
Wenn ich jetzt mich entferne von Bingen.‒
O, Föbus Apollo, laß meine Flucht,
O laß' sie gelingen, gelingen! ‒
Und ausdrücklich bemerk' ich, daß rücksichtsvoll
Ich nicht geblendet die Beiden.
Doch dem alten Soherr sprang ich sofort
An den Hals und jauchzte vor Freuden:
Ade, Herr Soherr! Der Wein war gut.
Vorüber ist all mein Aerger!
Und lange noch werde ich denken an
Euern göttlichen Scharlachberger.
Ade! Euer Wein war trefflich; und
Ihn preis' ich nach allen Winden ‒
Einst wird auch schlagen unsere Stund',
Da wird sich Alles finden.

Georg Weerth.

Wohl zu beachten!

Kölnische Literaten, die von ihrem Blödsinn leben, haben seit einiger Zeit in der Verläumdung der „ Neuen Rheinischen Zeitung“ ein ersprießliches Geschäft gemacht, indem sie alle deutschen Blätter mit ihren Sudeleien überschwemmten. Wir haben natürlich keine Zeit, uns mit diesen industriellen Flöhen näher zu beschäftigen. Wir wollen aber für die Zukunft als Lückenbüßer unsres Feuilleton's eine Rubrick unter dem Titel:

„Blödsinn deutscher Zeitungen“ eröffnen und darin von Zeit zu Zeit die Stilübungen jener Unglücklichen wörtlich abdrucken. Damit wir recht reichlichen Stoff haben, laden wir die Kölnischen Stadtliteraten und Stadtfänger dringend ein, ihre Berichte eifrig fortzusetzen.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0002" n="0578"/>
      <div n="1">
        <head>[Deutschland]</head>
        <div xml:id="ar116_006" type="jArticle">
          <p><ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref> sie reden hier, wie daheim, wollen klügeln und bessern und über die Nase fahren. Ich warne den kernhaften Oestreicher allzeit vor diesem hirn- und herzverbrannten Menschenschlage der preußischen Sahara und sächsischen Zwergobst-Pepiniere.</p>
          <p>Indem ich dieses schreibe, wird mir erzählt, daß schon Bauern aus Oberöstreich angekommen sind. Sie kamen in deutschbeflaggten Schiffen herab und bringen die herrlichsten Versicherungen. Auf ein gegebenes Zeichen, sagen sie, würde das Land herbeieilen. Ich schließe, weil ich wieder herumlaufen und sammeln muß.</p>
          <p>Noch eins, in Lemberg soll sich auch das Regiment Deutschmeister, ein wiener Regiment, empört haben und dadurch ein Aufstand veranlaßt worden sein.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_007" type="jArticle">
          <head><bibl><author>61</author></bibl> Wien, 9. Oktober.</head>
          <p>Noch Alles unentschieden; doch müßte ich mich verzehnfältigen können, wenn ich, wie ich wollte, zu berichten unternähme, was auf allen Punkten der großen Stadt in jedem Sinne geschieht.</p>
          <p>Ich komme von der Rekognoszirung eines Theils des feindlichen Lagers, nämlich von der Position Schwarzenberg. Der Park des Fürsten Schwarzenberg bildet eine fast an den Wienfluß stoßende Anhöhe der Vorstadt Rennweg und läuft mit vielen andern anstoßenden Parks, namentlich mit dem k. k. Belvedere, in seiner Spitze bis zur Südbahn. Der äußerste nach dem Wienfluß zu gelegene Punkt desselben bildet einen Vorsprung, von wo aus sich die Stadt zwischen dem Kärtner- und Karolinen-Thor beschießen läßt und die Glacis zur Rechten und Linken von Kanonenkugeln bestrichen werden können. Dieser feste und gefährlichste Punkt ist mit einer ungeheuren Masse Artillerie besetzt, hinter welcher die Truppen nun schon seit drei Tagen lagern. Die nahe große Infanterie-Kaserne, der Palast des Fürsten, der Palast der deutschen Garde, das Belvedere, das Salesianer Nonnenkloster und die nahe Villa Metternich bilden neben den gewaltigen Häusern der Privaten die Hauptbollwerke, in welchen das Militär einen verzweifelten Widerstand zu leisten vermögen wird. Die auf diesem günstigen Terrän versammelten Truppen sind sämmtlich Slaven (Ruthenen und Czechen) und schnauben vor Wuth. Dennoch wagt das Volk sich an sie heran und treibt seinen Handel sogar bis vor die Mündungen der Kanonen fort. Als ich ankam, war eben den Soldaten eine Kundmachung vorgelesen worden, worauf sie in ein mörderisches Hurrah ausbrachen. Man behauptet, das Belagerungsgeschütz vermöge von dort aus die Universität zu erreichen. Daß Auersperg Arges im Schilde führt und auf bedeutende Verstärkung wartet, ist nur zu gewiß; das Beharren in seiner drohenden Stellung trotz der Befehle des Reichstags dürfte ihm indessen auch dann theuer zu stehen kommen, da nunmehr sämmtliche Bevölkerung sich wider ihn erheben und ihn mit seinen Slaven erdrücken würde. Er wird umsonst auf unsere innere Zwietracht hoffen. &#x2012; Im Rückwege begegnete ich eben angekommener Hülfe aus Steiermark. Bei der ungeheuren in die Stadt geströmten Menschenmasse und der totalen Geschäftslosigkeit ist der, gegenwärtige Zustand nicht lange haltbar. Das Volk wird zur Verzweiflung kommen und dann wird der unvermeidliche Schlag geschehen müssen. Die Gewölbe der Stadt sind heute theilweise geöffnet, und um die Arbeiter zu beschäftigen, läßt man sogar das Pflaster hie und da wieder einlegen und hat das Kärtner Thor geöffnet.</p>
          <p>Folgende Maueranschläge hebe ich aus der See von Plakaten hervor, die in den Straßen kleben und verkauft werden:</p>
          <p>Bürger, Landsleute! Die Zeit ist eine gefährliche! Wir warnen das Volk, und fordern es feierlich auf, vorsichtig zu sein. Wir bitten, daß man keinen geheimen Schriften glaube, die man heute unter das Volk vertheilt oder vertheilen möchte. Glaubet heute keiner Druckschrift, außer denen, die <hi rendition="#g">der Reichstag selbst</hi> an uns richtet. Bürger, Freunde! Der Reichstag wirkt väterlich für uns, und so lange die Ruhe nicht gesichert ist, können und dürfen wir <hi rendition="#g">nur</hi> ihm allein vertrauen.</p>
          <p>Noch einmal bitten wir Euch: Seid vorsichtig, besonders gegen alle Plakate, die geheim vertheilt oder verkauft werden.</p>
          <p>Es lebe die Freiheit, es lebe das Gesetz!</p>
          <p>Der Ausschuß der Studenten.</p>
          <p>Kundmachung.</p>
          <p>Nachstehende Eingabe wird mit dem Beifügen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß deren Inhalt vom Reichstage zur wohlgefälligen Kenntniß genommen wurde.</p>
          <p>Vom konstituirenden Reichstage:</p>
          <p><hi rendition="#g">Smolka,</hi> erster Vicepräsident.</p>
          <p><hi rendition="#g">Karl Wiser,</hi> Schriftführer.</p>
          <p>Hohe Reichsversammlung!</p>
          <p>Der erste allgemeine Wiener Arbeiter-Verein, der für die Aufrechthaltung sowohl der Freiheit, als auch der gesetzlichen Ordnung glüht, und einem anarchischen Zustande durchaus nicht das Wort reden wird, sieht sich verpflichtet, einer hohen Reichsversammlung den Dank im Namen der ganzen Arbeiter-Klasse Wien's dafür auszudrücken, daß eine hohe Reichsversammlung das Staatsruder in den jetzigen Tagen der Gefahr mit einer solchen Kraft in die Hände genommen, und unsere verwirrten Angelegenheiten zu einem, gewiß jeden Theil des Volkes befriedigenden Ende zuzuführen gedenkt, welches ihr auch jedenfalls gelingen muß, wenn sie vom Volke in ihren Beschlüssen unterstützt wird.</p>
          <p>Der Arbeiter-Verein, welcher nur in dem kräftigsten Zusammenwirken die Freiheit des ganzen Volkes gewahrt sehen kann, und der auch in diesen Tagen bewiesen hat, daß es den Arbeitern nicht um Raub und Plünderung zu thun sei, stellt sich ganz zur Verfügung einer hohen Reichsversammlung, mit dem Bedeuten, ihre Beschlüsse, welche gewiß nur zum Wohle des Gesammtvolkes dienen werden, mit dem Leben gegen alle Angriffe, von welcher Seite sie immer kommen wollen, zu vertheidigen, um auch auf diese Art nach seinen Kräften zum Wohle des Staates beitragen zu können.</p>
          <p>Der Vorstand des ersten Wiener Arbeiter-Vereins.</p>
          <p>Anton Schmitt, Sebastian Tack, Comité-Mitglieder.</p>
          <p>Der demokratische Centralverein läßt dagegen kein Wort von sich hören. Er quakt nur, wenn es etwas zu schachern gibt und alles Jauern gefahrlos ist. Ich hoffe nicht, daß diese Juden-Demokraten nach den gegenwärtigen Tagen noch eine Rolle spielen werden.</p>
          <p>Die Akademische Legion hat sich unter das Komando Scherpers, des neuen Oberkommandanten der Nationalgarde gestellt. Ein Mauer-Anschlag, an die Nationalgarde der innern Stadt gerichtet sagt:&#x201E; In den letzten Tagen fanden die traurigen Ereignisse statt, daß einige von den Garden der Stadt auf die Garde der Vorstadt Wieden geschossen haben. Da dabei blos einige betheiligt waren, die von jeher als volksfeindlich bekannt sind, und die übrigen Gutgesinnte über die höchst traurigen Vorfälle den tiefsten Schmerz empfinden, so lade ich im Einverständniß mit dem Ober-Komando alle Gutgesinnten und mit dem Volke Sympathisirenden hiermit ein, Montag 9. um 12 Uhr Vormittags u. s. w. sich zahlreich bei dem Unterzeichneten zu versammeln, um in den gegenwärtigen, für unsere Errungenschaften gefährlichen Zuständen die geeigneten Maßregeln mit vereinten Kräften zu treffen.</p>
          <p>Joseph Metzger, Garde des Kärntner Bezirks 1. Komp.</p>
          <p>Die Stimmung der Garden der innern Stadt war am 6. volksfeindlich, weshalb die Garde der Vorstadt Wieden, unter die demokratischste gehörig, sich an ihnen zu rächen schwor. Die Garden der innern Stadt sind darüber in Furcht und Bangen und suchen auf jede Art sich einander zu versöhnen. Der Sieg des Volkes ist entschieden, wenn sie, die Eigenthümer der innern Stadt, gemeinsame Sache mit ihr machen; die innere Stadt wird dann zur uneinnehmbaren Feste.</p>
          <p>1 Uhr Mittags. Es verlautet, Auersperg soll, da er nicht weichen will, heute noch angegriffen werden. Es wird ihm schlecht ergehen, denn seine Truppen sind furchtbar abgemattet. Seit 14 Tagen auf dem Marsche, ohne Sold und regelmäßige Kost wird der Soldat zwar ein rasender Bandit, aber kein hartnäckiger Kämpfer sein. Auersperg erwartet, da die Nordbahn in den Händen des Volks ist, Verstärkerungen aus Prag. Freiwillige stürmen uns noch immer in Massa zu. Das Militär, welches den Bahnhof der Südbahn besetzt hält, empfängt jeden ankommenden Zug mit emporgehobenen Gewehren, bereit auf den ersten Wink loszudrücken. Aber es kommt nichts, denn alle Freiwilligenscharen, die aus Steiermark kommen, steigen schon in Meidling aus und kommen auf diese Weise sicher in die Stadt. Durch die Nordbahn ist uns Lebenszufuhr gesichert, ebenso die Donau herab, sodaß Auersperg uns nicht aushungern kann. Seine Truppen verhungern indessen, wie sie selber sagen. Das Flüchten des adligen und büreaukratischen-, des Pfaffen-und reichen Bourgeois-Gesindels dauert fort. An die Thüren ihrer Wohnungen kleben sie Zettel, in welchen sie das Volk beschwören, ihre Schätze unberührt zu lassen. Man fängt an, dies Gesindel aufzuhalten.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_008" type="jArticle">
          <head><bibl><author>61</author></bibl> Wien, 9. Okt.</head>
          <p>Der Kriegsminister Latour wurde nicht ohne Grund erhängt. Man hat Papiere in seinem Hause gefunden, die auf's deutlichste zeigen, daß er mit Jellachich, Bathyany, Lamberg und dem Adjudanten des früheren Kommandanten der Nationalgarden geradezu gegen das Volk conspirirte. Der Justizminister Bach, den man verhaftete, hat alle Chancen des Schicksals seines Kollegen zu theilen.</p>
          <p>Der Kaiser ist auf seiner Flucht nur bis zu den nächsten Poststationen gekommen und hat den Minister Hornbostl zu sich nach Sieghardskirchen beschieden. Man glaubte anfangs, daß er dort freiwillig Halt gemacht habe: <hi rendition="#g">es stellt sich aber heraus, daß er von den bewaffneten Bauern der Umgegend gefangen genommen wurde und daß man sich seiner Weiterreise widersetzt.</hi> </p>
          <p>Jellachich soll ganz in der Nähe sein. Landleute die in die Stadt kommen, versichern, daß einzelne Trupps zerlumpter Croaten plündernd über die Dörfer hereinbrächen. Glaubwürdiger ist indeß die Nachricht, <hi rendition="#g">daß die Truppen des Banus bei Bruck an der Leithe stehen.</hi> Wie dem aber auch ist, die Ungarn sind dem lieben Baron Jellachich hart auf den Fersen und von allen Seiten treffen Boten ein, daß Bauern und Städter nach Wien rücken, um für die Sache der Freiheit mit zu streiten. Das frühere Gerücht, daß der Banus schon unterwegs eine Niederlage erlitten habe und erschossen oder gehängt worden sei, verliert immer mehr an Wahrscheinlichkeit.</p>
          <p>In diesem Augenblick erfahre ich, daß die Croaten in Schwadorf gesehen worden sind. <hi rendition="#g">Wien wird daher in Vertheidigungszustand gesetzt.</hi> Alles ist unter den Waffen. Die 36.000 Gewehre, die durch den Sturm des Zeughauses unter die Arbeiter gekommen sind, werden vielleicht noch heute in dem entscheidensten Kampfe benutzt werden.</p>
          <p>4 Uhr. <hi rendition="#g">Eben schlägt man Generalmarsch. Jellachich soll nur noch eine Stunde von Wien stehen. Er wird seinem Untergange entgegengehen.</hi> </p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_009" type="jArticle">
          <head>Wien</head>
          <p>Die &#x201E;Allgemeine Oberzeitung&#x201C; bringt ebenfalls das von unserm Corespondenten mitgetheilte Gerücht über Jellachichs Haft:</p>
          <p><hi rendition="#g">Breslau,</hi> 9. Oktober. Aus mündlichen Mittheilungen von Reisenden erfahren wir, daß Jellachich bei Oedenburg gefangen worden ist, diese Nachricht ist durch zwei Couriere, von denen der Eine an die Aula, der Andre an den Reichstag abgesandt ward, überbracht worden. Man behauptet, ohne dies indeß zu verbürgen, daß er getödtet worden sei; seine Armee ist versprengt, ein Theil steht bei Bottendorf auf österreichischem Gebiet.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_010" type="jArticle">
          <head><bibl><author>*</author></bibl> Berlin, 11. Oktbr.</head>
          <p>An die Stelle von <hi rendition="#g">Zacharias,</hi> der aus der Nationalversammlung ausgetreten ist, ist <hi rendition="#g">v. Bardeleben</hi> mit 66 gegen 48 Stimmen gewählt worden. Außer ihm erhielten E. Eichholz und Bruno Bauer Stimmen.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_011" type="jArticle">
          <head>Berlin.</head>
          <p>Schluß der Sitzung vom 10. Oktober.</p>
          <p>Nro. 1. des §. 1. wurde fast einstimmig angenommen, nachdem vorher auf Antrag des Ministers des Innern die Debatten über die Reservation der Thronlehne in Rücksicht auf das Heimfallsrecht derselben bis zur Diskussion über §. 4. ausgesetzt worden.</p>
          <p>Darauf kommen die Nro. 2 und 3 des §. 1. zur Debatte:</p>
          <p>&#x201E; Ferner wird ohne Entschädigung aufgehoben: Das Obereigenthum des Erbzinsherren, und das Eigenthumsrecht des Erbpächters, sobald der Erbzins, Erbpachtkanon und die sonstigen Leistungen des Erbzinsbesitzers oder Erbpächters vollständig gegen Entschädigung in Land oder Capital abgelös't sind. Der Erbpächter erlangt mit dem Eintritt dieser Bedingung das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf; 3, das guts-oder grundherrliche Obereigenthum, so wie das Recht der Guts-oder Grundherren, Obereigenthümer oder Erbverpächter, zu der Veräußerung, Vererbung, Zerstückelung oder Verschuldung der ihnen verpflichten Grundstücke ihre Einwilligung zu ertheilen oder zu versagen.&#x201C;</p>
          <p>Hierzu verschiedene Amendements, unter denen wir das von Räntzsch hervorheben, wonach Nro. 2 so lauten würde:</p>
          <p>&#x201E;Das Obereigenthum des Erbzinsherrn und das Eigenthumsrecht des Erbpächters. Der Erbpächter erlangt das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß er einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf.&#x201C;</p>
          <p>Nach vielen unerquicklichen Debatten, worin Temme &#x201E; besonders gegen <hi rendition="#g">juristische Spitzfindigkeiten</hi> &#x201C; warnt, &#x201E; welche der <hi rendition="#g">Befreiung des Eigenthums gefährlich</hi> sind,&#x201E; wird schließlich ein Amendement von Walter angenommen, welches noch besondere Bestimmungen der Nr. 2 hinzufügt:</p>
          <p>&#x201E;Der Erbpächter erlangt alsbald das Eigenthum auf Grund dieses Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung von Seiten des Erbverpächters bedarf. Der Erbpachtscanon, so wie alle sonstigen Leistungen des Erbzinsmannes verwandeln sich alsbald in Reallasten, bis daß sie in Land oder Kapital abgelöst werden.&#x201C;</p>
          <p>(Wegen Mangel an Raum können wir die Verhandlungen vom 11. erst morgen mittheilen).</p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_012" type="jArticle">
          <head><bibl><author>14</author></bibl> Erfurt, 10. Oktober.</head>
          <p>In dem hiesigen demokratischen Verein, der bis vor Kurzem unter dem Namen Schutzbürger-Verein bekannt war und circa 2500 Mitglieder zählt, hatten sich an den regelmäßigen Vereinstagen auch Bewohner der benachbarten weimarischen Ortschaften Mittelhausen, Nödo etc. eingefunden. Die königl. Regierung forderte hierauf die Ordnerschaft des Vereins durch den Magistrat auf, künftighin Ausländern den Zutritt nicht mehr zu gestatten, da solches gegen den Sinn des Versammlungsgesetzes und ließ eine Straf-Androhung nicht undeutlich durchblicken, sofern demnach Weimaraner im Vereine aufgenommen würden. Die Ordnerschaft wandte sich sofort an das Ministerium in einer Beschwerde über das ungerechtfertigte Verfahren des Magestrats resp. der Regierung, worauf ihr unterm 7. d. nachstehendes Schreiben zugestellt wurde:</p>
          <p>Höhern Ortes ist uns die, an den Herrn Minister des Innern gerichtete Vorstellung der Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins vom 27. Juli c. mitgetheilt, worin die Ordnerschaft sich über die Magistrats-Verfügung vom 17. Juli c. deßhalb beschwert, weil danach die Verordnung vom 6. April c. so ausgelegt worden, als ob zu Volksversammlungen und Zusammenkünften, wenn sie auf Preußischem Grund und Boden gehalten werden, die Einwohner benachbarter nicht Preußischer Orte nicht die Berechtigung hätten, an denselben Theil zu nehmen. Der Herr Minister des Innern hat hierbei anerkannt, daß die gedachte, auf einen Ober-Präsidial-Erlaß gegründete Magistrats-Verfügung gerechtfertigt erscheine, indem die Verordnung vom 6. April c. ihrer Fassung nach das Recht der freien Versammlung und Vereinigung allerdings lediglich auf die Preußischen Angehörigen beschränke und alle Nichtpreußen darnach als von diesem Rechte ausgeschlossen zu betrachten seien.</p>
          <p>Die gedachte hohe Behörde hat uns jedoch eröffnet, wie nach der muthmaßlichen Absicht des Gesetzgebers ein Ausschluß der Nicht-Preußen von dem, den Inländern gewährten Associations- und Versammlungsrechte nicht Statt finden soll.</p>
          <p>Wir haben den Magistrat hiernach mit Bescheid versehen, wodurch die erhobene Beschwerde ihre Erledigung findet.</p>
          <p>Erfurt, den 7. Oktober 1848.</p>
          <p>Königl. Regierung. Abtheilung des Innern, <hi rendition="#g">v. Tettau.</hi> </p>
          <p>An die Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins.</p>
        </div>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Ungarn.</head>
        <div xml:id="ar116_013" type="jArticle">
          <head>Pesth, 3. Oktober.</head>
          <p>Ungeheure Sensation erregte folgende Nachricht, die Sonntags Nachmittags mittelst Plakat bekannt gegeben wurde:</p>
          <p>So büßen die Landesverräther!</p>
          <p><hi rendition="#g">Graf Oedön Zichy,</hi> gewesener Administrator des Stuhlweißenburger Komitates, ist den 30. September auf der Insel Esepel durch das Kriegsgericht standrechtlich als ein mit den Feinden des Landes verbündeter Landesverräther mit dem Strick um halb 9 Uhr hingerichtet worden.</p>
          <p>In allen Gruppen, welche diese Maueranschläge umstanden, sprach sich laut die tiefste und gerechteste Entrüstung darüber aus, daß jetzt, wo der Erzfeind des Landes die Hauptstadt bedroht, wo dessen freiheitsmörderischen Pläne offen an dem Tage liegen, wo Ungarn's beste Söhne Gut und Leben in die Schanze schlagen, um der Freiheit und Nationalehre einen Wall mit ihren Leibern zu bilden, noch Menschen sich finden, welche von Geburt und Schicksal zu einer bevorzugten Stellung berufen, das Vaterland, dessen begünstigte Kinder sie waren, schmählich verrathen. Wie verlautet, ist Zichy von seinen eigenen Unterthanen, bei denen er in Begleitung eines Grenzfeldwebels Viktualien für den Feind requirirte, festgenommen und dem Kommandirenden auf der Insel Esepel, Major Arthur Görgey (einem unsrer genialsten und energischsten Oberoffiziere) ausgeliefert worden.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_014" type="jArticle">
          <head>Pesth.</head>
          <p>Repräsentantenhaus vom 4. Oktober.</p>
          <p>Präsident: Amtlich kann ich berichten, daß Jellachich gegen Gyönyö und Raab gerückt ist. Privatnachrichten zufolge soll er schon in Raab sein. Uebrigens sind die Dampfschiffe bei Gyönyö gerettet und nach Comorn gebracht worden. Laut Anzeige des Festungskommandanten von Comorn ist die Festung in einem so guten Vertheidigungszustande, daß weniger als achtzigtausend Soldaten nicht fähig wären, sie zu erstürmen. &#x2012; Unsere Armee hat sich in drei Theile getheilt; eine ist gegen General Rott zurückgeblieben. Es hat uns aber ein anderer Uebelstand getroffen; unsere Gäste vermehren sich, nämlich die Gefangenen. Vierhundert Gefangene sind schon hier. Neuerdings sind schon wieder tausend vierhundert gefangen worden. Von unserer Armee kann man diesen Gefangenen keine Escorte beigeben, sonst würde sie sehr geschwächt werden, darum sind von hier aus Nationalgarden abgeschickt worden, um die Gefangenen zu übernehmen. Da wir aber so viele Menschen umsonst nicht verköstigen können, so hat der Landesvertheidigungs ausschuß beschlossen, diese Gefangenen zur Verschanzung Ofens gegen die Wiener Seite zu verwenden. (Beifall.) Jellachich rückt eilig aufwärts, aber die unsrigen nicht minder, zumal sie jetzt einen besseren Weg haben. Unser Armeekorps war gestern in Bicske. Flüchtet sich Jellachich nach Wien, so kann man ihn freilich nicht erreichen; wendet er sich aber nach Papa, dann wird er vernichtet. &#x2012; Nach Anzeige des Vicepräsidenten des Oberhauses hat dieses alle Verfügungen des Repräsentantenhauses als die seinigen angenommen, sich mit uns identificirt und zum Landesvertheidigungsausschuß auch vier Mitglieder ernannt, damit unsere Feinde nicht sagen können, daß dieser Ausschuß blos ein Ausschuß der Minorität war. Die vier Mitglieder sind: Sigm Perenyi, Gr. Michael Esterhazy, &#x2012; bei dem Namen Esterhazy muß ich darauf aufmerksam machen, daß Gr. Paul Esterhazy in Comorn die zweckmäßigsten Anstalten getroffen, und daß Fürst Ric. Esterhazy in Oedenburg zur Vertheidigung des Landes Alles aufgeboten hat. Die zwei andern Mitglieder sind Nic. Josica und mein Vater Pazmandy</p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_015" type="jArticle">
          <head>Preßburg, 6. Oktober.</head>
          <p>Der gestrige Tag verlief wieder unter den beunruhigensten Nachrichten die theils mehr, theils weniger Glauben verdienen. So viel ist gewiß, daß das auf der Flucht begriffene croatische Truppencorps, bei welchem der Ban selbst sein soll, Raab verlassen und auf der Wiener Straße von beiläufig 26,000 Mann ungarischen Truppen verfolgt, weiter zieht. Auf der Straße von Hochstraß nach Baratsöld soll es mit der roatischen Arriere- und unserer aus Husaren bestehenden Avantgarde zu einem Gefechte gekommen sein, wobei die Croaten neuerdings in die Flucht geschlagen wurden. Wäre der Landsturm des Wieselburger Comitates nicht zurückbeordert worden und die Comitate Preßburg und Oedenburg in Masse aufgestanden, um das croatische Corps zum Stehen zu bringen &#x2012; so hätte wohl nicht ein Mann desselben die österreichische Grenze erreicht. Jellachich soll bereits eine Estaffette nach Bruck abgesendet haben, um bei der dortigen Eisenbahnverwaltung das Nöthige wegen des Transportes seines Corps nach Wien zu verfügen.</p>
          <p>Gestern ist auf der Befehl hier angelangt, zweien Regimentern Cürassieren, die aus der obern Gegend über hier den Croaten zu Hülfe eilen wollen, den Uebergang über die Donau zu wehren. In Folge dieses Befehles ist die Schiffbrücke, die gestern Früh schon zum Theile herausgenommen wurde, ganz auszuheben beschlossen worden. Auch erwartete man gestern Abends die Ankunft zweier Divisionen Husaren, welche zur Ungarischen Armee <ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref>                </p>
        </div>
      </div>
      <div n="1">
        <head>[Feuilleton]</head>
        <div xml:id="ar116_016" type="jArticle">
          <lg type="poem">
            <head>
              <ref type="link_fsg">[Fortsetzung]</ref>
            </head>
            <lg n="1">
              <l>Er wird den Dämpfer zertrümmern nicht,</l><lb/>
              <l>Wenn ich jetzt mich entferne von Bingen.&#x2012;</l><lb/>
              <l>O, Föbus Apollo, laß meine Flucht,</l><lb/>
              <l>O laß' sie gelingen, gelingen! &#x2012;</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="2">
              <l>Und ausdrücklich bemerk' ich, daß rücksichtsvoll</l><lb/>
              <l>Ich nicht geblendet die Beiden.</l><lb/>
              <l>Doch dem alten Soherr sprang ich sofort</l><lb/>
              <l>An den Hals und jauchzte vor Freuden:</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="3">
              <l>Ade, Herr Soherr! Der Wein war gut.</l><lb/>
              <l>Vorüber ist all mein Aerger!</l><lb/>
              <l>Und lange noch werde ich denken an</l><lb/>
              <l>Euern göttlichen Scharlachberger.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="4">
              <l>Ade! Euer Wein war trefflich; und</l><lb/>
              <l>Ihn preis' ich nach allen Winden &#x2012;</l><lb/>
              <l>Einst wird auch schlagen unsere Stund',</l><lb/>
              <l>Da wird sich Alles finden.</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
          <p> <hi rendition="#g">Georg Weerth.</hi> </p>
        </div>
        <div xml:id="ar116_017" type="jArticle">
          <head>Wohl zu beachten!</head>
          <p>Kölnische Literaten, die von ihrem Blödsinn leben, haben seit einiger Zeit in der Verläumdung der &#x201E; Neuen Rheinischen Zeitung&#x201C; ein ersprießliches Geschäft gemacht, indem sie alle deutschen Blätter mit ihren Sudeleien überschwemmten. Wir haben natürlich keine Zeit, uns mit diesen industriellen Flöhen näher zu beschäftigen. Wir wollen aber für die Zukunft als Lückenbüßer unsres Feuilleton's eine Rubrick unter dem Titel:</p>
          <p>&#x201E;Blödsinn deutscher Zeitungen&#x201C; eröffnen und darin von Zeit zu Zeit die Stilübungen jener Unglücklichen wörtlich abdrucken. Damit wir recht reichlichen Stoff haben, laden wir die Kölnischen Stadtliteraten und Stadtfänger dringend ein, ihre Berichte eifrig fortzusetzen.</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0578/0002] [Deutschland] [Fortsetzung] sie reden hier, wie daheim, wollen klügeln und bessern und über die Nase fahren. Ich warne den kernhaften Oestreicher allzeit vor diesem hirn- und herzverbrannten Menschenschlage der preußischen Sahara und sächsischen Zwergobst-Pepiniere. Indem ich dieses schreibe, wird mir erzählt, daß schon Bauern aus Oberöstreich angekommen sind. Sie kamen in deutschbeflaggten Schiffen herab und bringen die herrlichsten Versicherungen. Auf ein gegebenes Zeichen, sagen sie, würde das Land herbeieilen. Ich schließe, weil ich wieder herumlaufen und sammeln muß. Noch eins, in Lemberg soll sich auch das Regiment Deutschmeister, ein wiener Regiment, empört haben und dadurch ein Aufstand veranlaßt worden sein. 61 Wien, 9. Oktober. Noch Alles unentschieden; doch müßte ich mich verzehnfältigen können, wenn ich, wie ich wollte, zu berichten unternähme, was auf allen Punkten der großen Stadt in jedem Sinne geschieht. Ich komme von der Rekognoszirung eines Theils des feindlichen Lagers, nämlich von der Position Schwarzenberg. Der Park des Fürsten Schwarzenberg bildet eine fast an den Wienfluß stoßende Anhöhe der Vorstadt Rennweg und läuft mit vielen andern anstoßenden Parks, namentlich mit dem k. k. Belvedere, in seiner Spitze bis zur Südbahn. Der äußerste nach dem Wienfluß zu gelegene Punkt desselben bildet einen Vorsprung, von wo aus sich die Stadt zwischen dem Kärtner- und Karolinen-Thor beschießen läßt und die Glacis zur Rechten und Linken von Kanonenkugeln bestrichen werden können. Dieser feste und gefährlichste Punkt ist mit einer ungeheuren Masse Artillerie besetzt, hinter welcher die Truppen nun schon seit drei Tagen lagern. Die nahe große Infanterie-Kaserne, der Palast des Fürsten, der Palast der deutschen Garde, das Belvedere, das Salesianer Nonnenkloster und die nahe Villa Metternich bilden neben den gewaltigen Häusern der Privaten die Hauptbollwerke, in welchen das Militär einen verzweifelten Widerstand zu leisten vermögen wird. Die auf diesem günstigen Terrän versammelten Truppen sind sämmtlich Slaven (Ruthenen und Czechen) und schnauben vor Wuth. Dennoch wagt das Volk sich an sie heran und treibt seinen Handel sogar bis vor die Mündungen der Kanonen fort. Als ich ankam, war eben den Soldaten eine Kundmachung vorgelesen worden, worauf sie in ein mörderisches Hurrah ausbrachen. Man behauptet, das Belagerungsgeschütz vermöge von dort aus die Universität zu erreichen. Daß Auersperg Arges im Schilde führt und auf bedeutende Verstärkung wartet, ist nur zu gewiß; das Beharren in seiner drohenden Stellung trotz der Befehle des Reichstags dürfte ihm indessen auch dann theuer zu stehen kommen, da nunmehr sämmtliche Bevölkerung sich wider ihn erheben und ihn mit seinen Slaven erdrücken würde. Er wird umsonst auf unsere innere Zwietracht hoffen. ‒ Im Rückwege begegnete ich eben angekommener Hülfe aus Steiermark. Bei der ungeheuren in die Stadt geströmten Menschenmasse und der totalen Geschäftslosigkeit ist der, gegenwärtige Zustand nicht lange haltbar. Das Volk wird zur Verzweiflung kommen und dann wird der unvermeidliche Schlag geschehen müssen. Die Gewölbe der Stadt sind heute theilweise geöffnet, und um die Arbeiter zu beschäftigen, läßt man sogar das Pflaster hie und da wieder einlegen und hat das Kärtner Thor geöffnet. Folgende Maueranschläge hebe ich aus der See von Plakaten hervor, die in den Straßen kleben und verkauft werden: Bürger, Landsleute! Die Zeit ist eine gefährliche! Wir warnen das Volk, und fordern es feierlich auf, vorsichtig zu sein. Wir bitten, daß man keinen geheimen Schriften glaube, die man heute unter das Volk vertheilt oder vertheilen möchte. Glaubet heute keiner Druckschrift, außer denen, die der Reichstag selbst an uns richtet. Bürger, Freunde! Der Reichstag wirkt väterlich für uns, und so lange die Ruhe nicht gesichert ist, können und dürfen wir nur ihm allein vertrauen. Noch einmal bitten wir Euch: Seid vorsichtig, besonders gegen alle Plakate, die geheim vertheilt oder verkauft werden. Es lebe die Freiheit, es lebe das Gesetz! Der Ausschuß der Studenten. Kundmachung. Nachstehende Eingabe wird mit dem Beifügen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß deren Inhalt vom Reichstage zur wohlgefälligen Kenntniß genommen wurde. Vom konstituirenden Reichstage: Smolka, erster Vicepräsident. Karl Wiser, Schriftführer. Hohe Reichsversammlung! Der erste allgemeine Wiener Arbeiter-Verein, der für die Aufrechthaltung sowohl der Freiheit, als auch der gesetzlichen Ordnung glüht, und einem anarchischen Zustande durchaus nicht das Wort reden wird, sieht sich verpflichtet, einer hohen Reichsversammlung den Dank im Namen der ganzen Arbeiter-Klasse Wien's dafür auszudrücken, daß eine hohe Reichsversammlung das Staatsruder in den jetzigen Tagen der Gefahr mit einer solchen Kraft in die Hände genommen, und unsere verwirrten Angelegenheiten zu einem, gewiß jeden Theil des Volkes befriedigenden Ende zuzuführen gedenkt, welches ihr auch jedenfalls gelingen muß, wenn sie vom Volke in ihren Beschlüssen unterstützt wird. Der Arbeiter-Verein, welcher nur in dem kräftigsten Zusammenwirken die Freiheit des ganzen Volkes gewahrt sehen kann, und der auch in diesen Tagen bewiesen hat, daß es den Arbeitern nicht um Raub und Plünderung zu thun sei, stellt sich ganz zur Verfügung einer hohen Reichsversammlung, mit dem Bedeuten, ihre Beschlüsse, welche gewiß nur zum Wohle des Gesammtvolkes dienen werden, mit dem Leben gegen alle Angriffe, von welcher Seite sie immer kommen wollen, zu vertheidigen, um auch auf diese Art nach seinen Kräften zum Wohle des Staates beitragen zu können. Der Vorstand des ersten Wiener Arbeiter-Vereins. Anton Schmitt, Sebastian Tack, Comité-Mitglieder. Der demokratische Centralverein läßt dagegen kein Wort von sich hören. Er quakt nur, wenn es etwas zu schachern gibt und alles Jauern gefahrlos ist. Ich hoffe nicht, daß diese Juden-Demokraten nach den gegenwärtigen Tagen noch eine Rolle spielen werden. Die Akademische Legion hat sich unter das Komando Scherpers, des neuen Oberkommandanten der Nationalgarde gestellt. Ein Mauer-Anschlag, an die Nationalgarde der innern Stadt gerichtet sagt:„ In den letzten Tagen fanden die traurigen Ereignisse statt, daß einige von den Garden der Stadt auf die Garde der Vorstadt Wieden geschossen haben. Da dabei blos einige betheiligt waren, die von jeher als volksfeindlich bekannt sind, und die übrigen Gutgesinnte über die höchst traurigen Vorfälle den tiefsten Schmerz empfinden, so lade ich im Einverständniß mit dem Ober-Komando alle Gutgesinnten und mit dem Volke Sympathisirenden hiermit ein, Montag 9. um 12 Uhr Vormittags u. s. w. sich zahlreich bei dem Unterzeichneten zu versammeln, um in den gegenwärtigen, für unsere Errungenschaften gefährlichen Zuständen die geeigneten Maßregeln mit vereinten Kräften zu treffen. Joseph Metzger, Garde des Kärntner Bezirks 1. Komp. Die Stimmung der Garden der innern Stadt war am 6. volksfeindlich, weshalb die Garde der Vorstadt Wieden, unter die demokratischste gehörig, sich an ihnen zu rächen schwor. Die Garden der innern Stadt sind darüber in Furcht und Bangen und suchen auf jede Art sich einander zu versöhnen. Der Sieg des Volkes ist entschieden, wenn sie, die Eigenthümer der innern Stadt, gemeinsame Sache mit ihr machen; die innere Stadt wird dann zur uneinnehmbaren Feste. 1 Uhr Mittags. Es verlautet, Auersperg soll, da er nicht weichen will, heute noch angegriffen werden. Es wird ihm schlecht ergehen, denn seine Truppen sind furchtbar abgemattet. Seit 14 Tagen auf dem Marsche, ohne Sold und regelmäßige Kost wird der Soldat zwar ein rasender Bandit, aber kein hartnäckiger Kämpfer sein. Auersperg erwartet, da die Nordbahn in den Händen des Volks ist, Verstärkerungen aus Prag. Freiwillige stürmen uns noch immer in Massa zu. Das Militär, welches den Bahnhof der Südbahn besetzt hält, empfängt jeden ankommenden Zug mit emporgehobenen Gewehren, bereit auf den ersten Wink loszudrücken. Aber es kommt nichts, denn alle Freiwilligenscharen, die aus Steiermark kommen, steigen schon in Meidling aus und kommen auf diese Weise sicher in die Stadt. Durch die Nordbahn ist uns Lebenszufuhr gesichert, ebenso die Donau herab, sodaß Auersperg uns nicht aushungern kann. Seine Truppen verhungern indessen, wie sie selber sagen. Das Flüchten des adligen und büreaukratischen-, des Pfaffen-und reichen Bourgeois-Gesindels dauert fort. An die Thüren ihrer Wohnungen kleben sie Zettel, in welchen sie das Volk beschwören, ihre Schätze unberührt zu lassen. Man fängt an, dies Gesindel aufzuhalten. 61 Wien, 9. Okt. Der Kriegsminister Latour wurde nicht ohne Grund erhängt. Man hat Papiere in seinem Hause gefunden, die auf's deutlichste zeigen, daß er mit Jellachich, Bathyany, Lamberg und dem Adjudanten des früheren Kommandanten der Nationalgarden geradezu gegen das Volk conspirirte. Der Justizminister Bach, den man verhaftete, hat alle Chancen des Schicksals seines Kollegen zu theilen. Der Kaiser ist auf seiner Flucht nur bis zu den nächsten Poststationen gekommen und hat den Minister Hornbostl zu sich nach Sieghardskirchen beschieden. Man glaubte anfangs, daß er dort freiwillig Halt gemacht habe: es stellt sich aber heraus, daß er von den bewaffneten Bauern der Umgegend gefangen genommen wurde und daß man sich seiner Weiterreise widersetzt. Jellachich soll ganz in der Nähe sein. Landleute die in die Stadt kommen, versichern, daß einzelne Trupps zerlumpter Croaten plündernd über die Dörfer hereinbrächen. Glaubwürdiger ist indeß die Nachricht, daß die Truppen des Banus bei Bruck an der Leithe stehen. Wie dem aber auch ist, die Ungarn sind dem lieben Baron Jellachich hart auf den Fersen und von allen Seiten treffen Boten ein, daß Bauern und Städter nach Wien rücken, um für die Sache der Freiheit mit zu streiten. Das frühere Gerücht, daß der Banus schon unterwegs eine Niederlage erlitten habe und erschossen oder gehängt worden sei, verliert immer mehr an Wahrscheinlichkeit. In diesem Augenblick erfahre ich, daß die Croaten in Schwadorf gesehen worden sind. Wien wird daher in Vertheidigungszustand gesetzt. Alles ist unter den Waffen. Die 36.000 Gewehre, die durch den Sturm des Zeughauses unter die Arbeiter gekommen sind, werden vielleicht noch heute in dem entscheidensten Kampfe benutzt werden. 4 Uhr. Eben schlägt man Generalmarsch. Jellachich soll nur noch eine Stunde von Wien stehen. Er wird seinem Untergange entgegengehen. Wien Die „Allgemeine Oberzeitung“ bringt ebenfalls das von unserm Corespondenten mitgetheilte Gerücht über Jellachichs Haft: Breslau, 9. Oktober. Aus mündlichen Mittheilungen von Reisenden erfahren wir, daß Jellachich bei Oedenburg gefangen worden ist, diese Nachricht ist durch zwei Couriere, von denen der Eine an die Aula, der Andre an den Reichstag abgesandt ward, überbracht worden. Man behauptet, ohne dies indeß zu verbürgen, daß er getödtet worden sei; seine Armee ist versprengt, ein Theil steht bei Bottendorf auf österreichischem Gebiet. * Berlin, 11. Oktbr. An die Stelle von Zacharias, der aus der Nationalversammlung ausgetreten ist, ist v. Bardeleben mit 66 gegen 48 Stimmen gewählt worden. Außer ihm erhielten E. Eichholz und Bruno Bauer Stimmen. Berlin. Schluß der Sitzung vom 10. Oktober. Nro. 1. des §. 1. wurde fast einstimmig angenommen, nachdem vorher auf Antrag des Ministers des Innern die Debatten über die Reservation der Thronlehne in Rücksicht auf das Heimfallsrecht derselben bis zur Diskussion über §. 4. ausgesetzt worden. Darauf kommen die Nro. 2 und 3 des §. 1. zur Debatte: „ Ferner wird ohne Entschädigung aufgehoben: Das Obereigenthum des Erbzinsherren, und das Eigenthumsrecht des Erbpächters, sobald der Erbzins, Erbpachtkanon und die sonstigen Leistungen des Erbzinsbesitzers oder Erbpächters vollständig gegen Entschädigung in Land oder Capital abgelös't sind. Der Erbpächter erlangt mit dem Eintritt dieser Bedingung das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf; 3, das guts-oder grundherrliche Obereigenthum, so wie das Recht der Guts-oder Grundherren, Obereigenthümer oder Erbverpächter, zu der Veräußerung, Vererbung, Zerstückelung oder Verschuldung der ihnen verpflichten Grundstücke ihre Einwilligung zu ertheilen oder zu versagen.“ Hierzu verschiedene Amendements, unter denen wir das von Räntzsch hervorheben, wonach Nro. 2 so lauten würde: „Das Obereigenthum des Erbzinsherrn und das Eigenthumsrecht des Erbpächters. Der Erbpächter erlangt das Eigenthum lediglich auf Grund des Gesetzes, ohne daß er einer Uebertragung desselben von Seiten des Erbverpächters bedarf.“ Nach vielen unerquicklichen Debatten, worin Temme „ besonders gegen juristische Spitzfindigkeiten “ warnt, „ welche der Befreiung des Eigenthums gefährlich sind,„ wird schließlich ein Amendement von Walter angenommen, welches noch besondere Bestimmungen der Nr. 2 hinzufügt: „Der Erbpächter erlangt alsbald das Eigenthum auf Grund dieses Gesetzes, ohne daß es einer Uebertragung von Seiten des Erbverpächters bedarf. Der Erbpachtscanon, so wie alle sonstigen Leistungen des Erbzinsmannes verwandeln sich alsbald in Reallasten, bis daß sie in Land oder Kapital abgelöst werden.“ (Wegen Mangel an Raum können wir die Verhandlungen vom 11. erst morgen mittheilen). 14 Erfurt, 10. Oktober. In dem hiesigen demokratischen Verein, der bis vor Kurzem unter dem Namen Schutzbürger-Verein bekannt war und circa 2500 Mitglieder zählt, hatten sich an den regelmäßigen Vereinstagen auch Bewohner der benachbarten weimarischen Ortschaften Mittelhausen, Nödo etc. eingefunden. Die königl. Regierung forderte hierauf die Ordnerschaft des Vereins durch den Magistrat auf, künftighin Ausländern den Zutritt nicht mehr zu gestatten, da solches gegen den Sinn des Versammlungsgesetzes und ließ eine Straf-Androhung nicht undeutlich durchblicken, sofern demnach Weimaraner im Vereine aufgenommen würden. Die Ordnerschaft wandte sich sofort an das Ministerium in einer Beschwerde über das ungerechtfertigte Verfahren des Magestrats resp. der Regierung, worauf ihr unterm 7. d. nachstehendes Schreiben zugestellt wurde: Höhern Ortes ist uns die, an den Herrn Minister des Innern gerichtete Vorstellung der Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins vom 27. Juli c. mitgetheilt, worin die Ordnerschaft sich über die Magistrats-Verfügung vom 17. Juli c. deßhalb beschwert, weil danach die Verordnung vom 6. April c. so ausgelegt worden, als ob zu Volksversammlungen und Zusammenkünften, wenn sie auf Preußischem Grund und Boden gehalten werden, die Einwohner benachbarter nicht Preußischer Orte nicht die Berechtigung hätten, an denselben Theil zu nehmen. Der Herr Minister des Innern hat hierbei anerkannt, daß die gedachte, auf einen Ober-Präsidial-Erlaß gegründete Magistrats-Verfügung gerechtfertigt erscheine, indem die Verordnung vom 6. April c. ihrer Fassung nach das Recht der freien Versammlung und Vereinigung allerdings lediglich auf die Preußischen Angehörigen beschränke und alle Nichtpreußen darnach als von diesem Rechte ausgeschlossen zu betrachten seien. Die gedachte hohe Behörde hat uns jedoch eröffnet, wie nach der muthmaßlichen Absicht des Gesetzgebers ein Ausschluß der Nicht-Preußen von dem, den Inländern gewährten Associations- und Versammlungsrechte nicht Statt finden soll. Wir haben den Magistrat hiernach mit Bescheid versehen, wodurch die erhobene Beschwerde ihre Erledigung findet. Erfurt, den 7. Oktober 1848. Königl. Regierung. Abtheilung des Innern, v. Tettau. An die Ordnerschaft des hiesigen Schutzbürger-Vereins. Ungarn. Pesth, 3. Oktober. Ungeheure Sensation erregte folgende Nachricht, die Sonntags Nachmittags mittelst Plakat bekannt gegeben wurde: So büßen die Landesverräther! Graf Oedön Zichy, gewesener Administrator des Stuhlweißenburger Komitates, ist den 30. September auf der Insel Esepel durch das Kriegsgericht standrechtlich als ein mit den Feinden des Landes verbündeter Landesverräther mit dem Strick um halb 9 Uhr hingerichtet worden. In allen Gruppen, welche diese Maueranschläge umstanden, sprach sich laut die tiefste und gerechteste Entrüstung darüber aus, daß jetzt, wo der Erzfeind des Landes die Hauptstadt bedroht, wo dessen freiheitsmörderischen Pläne offen an dem Tage liegen, wo Ungarn's beste Söhne Gut und Leben in die Schanze schlagen, um der Freiheit und Nationalehre einen Wall mit ihren Leibern zu bilden, noch Menschen sich finden, welche von Geburt und Schicksal zu einer bevorzugten Stellung berufen, das Vaterland, dessen begünstigte Kinder sie waren, schmählich verrathen. Wie verlautet, ist Zichy von seinen eigenen Unterthanen, bei denen er in Begleitung eines Grenzfeldwebels Viktualien für den Feind requirirte, festgenommen und dem Kommandirenden auf der Insel Esepel, Major Arthur Görgey (einem unsrer genialsten und energischsten Oberoffiziere) ausgeliefert worden. Pesth. Repräsentantenhaus vom 4. Oktober. Präsident: Amtlich kann ich berichten, daß Jellachich gegen Gyönyö und Raab gerückt ist. Privatnachrichten zufolge soll er schon in Raab sein. Uebrigens sind die Dampfschiffe bei Gyönyö gerettet und nach Comorn gebracht worden. Laut Anzeige des Festungskommandanten von Comorn ist die Festung in einem so guten Vertheidigungszustande, daß weniger als achtzigtausend Soldaten nicht fähig wären, sie zu erstürmen. ‒ Unsere Armee hat sich in drei Theile getheilt; eine ist gegen General Rott zurückgeblieben. Es hat uns aber ein anderer Uebelstand getroffen; unsere Gäste vermehren sich, nämlich die Gefangenen. Vierhundert Gefangene sind schon hier. Neuerdings sind schon wieder tausend vierhundert gefangen worden. Von unserer Armee kann man diesen Gefangenen keine Escorte beigeben, sonst würde sie sehr geschwächt werden, darum sind von hier aus Nationalgarden abgeschickt worden, um die Gefangenen zu übernehmen. Da wir aber so viele Menschen umsonst nicht verköstigen können, so hat der Landesvertheidigungs ausschuß beschlossen, diese Gefangenen zur Verschanzung Ofens gegen die Wiener Seite zu verwenden. (Beifall.) Jellachich rückt eilig aufwärts, aber die unsrigen nicht minder, zumal sie jetzt einen besseren Weg haben. Unser Armeekorps war gestern in Bicske. Flüchtet sich Jellachich nach Wien, so kann man ihn freilich nicht erreichen; wendet er sich aber nach Papa, dann wird er vernichtet. ‒ Nach Anzeige des Vicepräsidenten des Oberhauses hat dieses alle Verfügungen des Repräsentantenhauses als die seinigen angenommen, sich mit uns identificirt und zum Landesvertheidigungsausschuß auch vier Mitglieder ernannt, damit unsere Feinde nicht sagen können, daß dieser Ausschuß blos ein Ausschuß der Minorität war. Die vier Mitglieder sind: Sigm Perenyi, Gr. Michael Esterhazy, ‒ bei dem Namen Esterhazy muß ich darauf aufmerksam machen, daß Gr. Paul Esterhazy in Comorn die zweckmäßigsten Anstalten getroffen, und daß Fürst Ric. Esterhazy in Oedenburg zur Vertheidigung des Landes Alles aufgeboten hat. Die zwei andern Mitglieder sind Nic. Josica und mein Vater Pazmandy Preßburg, 6. Oktober. Der gestrige Tag verlief wieder unter den beunruhigensten Nachrichten die theils mehr, theils weniger Glauben verdienen. So viel ist gewiß, daß das auf der Flucht begriffene croatische Truppencorps, bei welchem der Ban selbst sein soll, Raab verlassen und auf der Wiener Straße von beiläufig 26,000 Mann ungarischen Truppen verfolgt, weiter zieht. Auf der Straße von Hochstraß nach Baratsöld soll es mit der roatischen Arriere- und unserer aus Husaren bestehenden Avantgarde zu einem Gefechte gekommen sein, wobei die Croaten neuerdings in die Flucht geschlagen wurden. Wäre der Landsturm des Wieselburger Comitates nicht zurückbeordert worden und die Comitate Preßburg und Oedenburg in Masse aufgestanden, um das croatische Corps zum Stehen zu bringen ‒ so hätte wohl nicht ein Mann desselben die österreichische Grenze erreicht. Jellachich soll bereits eine Estaffette nach Bruck abgesendet haben, um bei der dortigen Eisenbahnverwaltung das Nöthige wegen des Transportes seines Corps nach Wien zu verfügen. Gestern ist auf der Befehl hier angelangt, zweien Regimentern Cürassieren, die aus der obern Gegend über hier den Croaten zu Hülfe eilen wollen, den Uebergang über die Donau zu wehren. In Folge dieses Befehles ist die Schiffbrücke, die gestern Früh schon zum Theile herausgenommen wurde, ganz auszuheben beschlossen worden. Auch erwartete man gestern Abends die Ankunft zweier Divisionen Husaren, welche zur Ungarischen Armee [Fortsetzung] [Feuilleton] [Fortsetzung] Er wird den Dämpfer zertrümmern nicht, Wenn ich jetzt mich entferne von Bingen.‒ O, Föbus Apollo, laß meine Flucht, O laß' sie gelingen, gelingen! ‒ Und ausdrücklich bemerk' ich, daß rücksichtsvoll Ich nicht geblendet die Beiden. Doch dem alten Soherr sprang ich sofort An den Hals und jauchzte vor Freuden: Ade, Herr Soherr! Der Wein war gut. Vorüber ist all mein Aerger! Und lange noch werde ich denken an Euern göttlichen Scharlachberger. Ade! Euer Wein war trefflich; und Ihn preis' ich nach allen Winden ‒ Einst wird auch schlagen unsere Stund', Da wird sich Alles finden. Georg Weerth. Wohl zu beachten! Kölnische Literaten, die von ihrem Blödsinn leben, haben seit einiger Zeit in der Verläumdung der „ Neuen Rheinischen Zeitung“ ein ersprießliches Geschäft gemacht, indem sie alle deutschen Blätter mit ihren Sudeleien überschwemmten. Wir haben natürlich keine Zeit, uns mit diesen industriellen Flöhen näher zu beschäftigen. Wir wollen aber für die Zukunft als Lückenbüßer unsres Feuilleton's eine Rubrick unter dem Titel: „Blödsinn deutscher Zeitungen“ eröffnen und darin von Zeit zu Zeit die Stilübungen jener Unglücklichen wörtlich abdrucken. Damit wir recht reichlichen Stoff haben, laden wir die Kölnischen Stadtliteraten und Stadtfänger dringend ein, ihre Berichte eifrig fortzusetzen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jürgen Herres: Konvertierung TUSTEP nach XML (2017-03-20T13:08:10Z)
Maria Ermakova, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Frank Wiegand: Konvertierung XML nach DTA-Basisformat (2017-03-20T13:08:10Z)

Weitere Informationen:

Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 1 (Nummer 1 bis Nummer 183) Köln, 1. Juni 1848 bis 31. Dezember 1848. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz116_1848
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz116_1848/2
Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 116. Köln, 14. Oktober 1848, S. 0578. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz116_1848/2>, abgerufen am 14.11.2019.