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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 116. Köln, 14. Oktober 1848.

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Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 116. Köln, Samstag den 14. Oktober. 1848.
Uebersicht.

Deutschland. Köln. (Das Ministerium Pfuel - Schwarze Liste Schapper, Gottschalk und Anneke.) Wien. (Wiener Revolution (8. und 9. Oktober.) - Vermischtes.) Berlin. (Schluß der Sitzung vom 10. Oktober. - Neue Deputirtenwahl.) Erfurt. (Die preußische Regierung und der Schutzbürgerverein.

Ungarn. Pesth. (Plakat über Zichy's Tod. Repräsentantenhaus vom 4. Oktober.

Preßburg. (Die Flucht der kroatischen Armee. - Bosniaken im Rücken der Kroaken.

Donaufürstenthümer. Kronstadt. Wirthschaft der Türken in Bukarest.

Polen. Warschau. (Revue.)

Belgien. Brüssel. (Die Meinungsfreiheit im "Musterstaat."

Franz. Republik. (Thiers' Rede über eine allgemeine Hypothekenbank mit Zwangskurs). Paris. (Vermischtes. - National Versammlung).

Großbritannien. London. (Waffensendung nach Italien. - Der Handel. - Die Revenue. - Smith O'Brien zum Tode verurtheilt).

Beilage. Düsseldorf. (Arbeiterunruhen).

Amerika. New-York. (Baumwollenerndte. - Präsidentenwahl. - Mexico. Californien. (Das Gold des Sacrementoflusses).

Schweiz. Bern. (Antwort des Vororts auf Raveaux's Note).

Italien. (Vermischtes).

Hecker's Abschiedswort an das deutsche Volk.

Deutschland.
* Köln, 13. Oktober.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
* Köln, 13. Oktbr.

Ein sehr wohlunterrichteter Freund in Brüssel schreibt uns: "Engels undDronke wurden nur verhaftet und in Zellenwagen über die Gränze transportirt, weil sie unvorsichtig genug waren, ihre Namen zu nennen. Ein Arbeiter aus Köln, Schmitz, der bei der Befreiung Wachters thätig gewesen sein soll, theilte dasselbe Geschick. Die Brüsseler Polizei besaß nämlich eine lange Liste von Leuten, die aus Köln geflüchtet. So war die belgische Polizei auch genug über die angebliche Theilnahme von Schmitz an Wachters Befreiung unterrichtet."

Ist der Kommiß-Polizeidirektor Hr. Geiger vielleicht über den Verfasser und Expedienten dieser schwarzen Liste unterrichtet?

Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, einige unsern Freund Schapper berührende Data dem Publikum mitzutheilen.

Frau Schapper erhielt einen Erlaubnißschein, ihren Mann alle 14 Tage Freitags zu sehen. Das eine Mal wurde ein anderer Gefangener, der englisch versteht, als Zeuge bei der Unterredung zugefügt. Später fragte ihn der Aufseher über das Gespräch aus, ob nicht Politik behandelt worden sei? Er erhielt die Antwort, die beiden Ehegatten hätten sich nur über ihre Kinder, den Haushalt u. dgl. unterhalten.

Das letzte Mal, als Frau Schapper zur festgesetzten Zeit, um 2 Uhr erschien, wurde ihr bemerkt, sie solle bis 4 Uhr warten. Um diese Zeit war es halb finster geworden und es blieben nur Augenblicke zur Unterhaltung übrig. Frau Schapper hatte ihre Kinder mitgebracht. Diese aber wollte der Aufseher nicht vorlassen, weil kein besonderer Erlaubnißschein für sie vorhanden sei. Man fürchtete natürlich in den Kindern angehende Conspirateurs. Indessen gelang es Schapper doch, die Kinder heranzuziehen und zu küssen, was der Aufseher verhindern wollte, indem er sie ungestüm wegriß. Auch bemerkte er Frau Schapper, nur deutsch dürfe sie mit ihrem Mann sprechen. Da Frau Schapper nun blos englisch versteht, löste sich das Gespräch nothwendig in eine stumme Mimik auf.

Nun schließlich noch eine Frage an das Kölnische Parket. Kann es dem Publikum keinen Aufschluß geben über die bandwurmartig sich hinschleppende Untersuchungshaft Gottschalks und Anneke's?

* Köln, 15. Oktbr.

Ein Lithograph erzählt uns eben, daß gestern Abend 1/2 9 Uhr seine Mutter zu einem Bäcker Paffrath in der Johannisstraße gegangen sei, um Brod zu kaufen. Plötzlich seien 3 Soldaten in das Haus gestürmt, mit blanken Säbeln und der Frage: was sind Sie? Sind Sie Demokratin, dann müssen Sie sterben, wir wollen Alles umbringen, was Demokrat ist. Nachdem die Frau in Furcht gesagt, sie wisse nicht, was sie wollten, sie sei ein Frauenzimmer, an welches sie sich doch nicht vergreifen würden, zogen sie, es waren noch 2 bis 3 mit blanker Waffe hinzugekommen, tobend ab. Von den Bewohnern des Hauses hatte sich dabei Niemand sehen lassen.

Verschiedene Excesse sollen noch auf der Straße vorgekommen sein. Es sind dies nothwendige Folgen von Parolebefehlen, wie sie neulich, wahrscheinlich in Folge des Steinschen Armeebefehls hier in Köln ausgegeben worden sind.

61 Wien, 8. Oktbr.

Abends 7 Uhr. Im Reichstag wird eine Zuschrift der Stadt Preßburg an das östreichische Ministerium verlesen, worin sie dasselbe ersucht, ihr wider Jelachich, der mit einem Bombardement drohe, Beistand zu senden. Ein beiliegender Drohbrief Jelachichs, der ebenfalls verlesen wird, bestätigt diese Angaben der Stadt Preßburg. Man beschließt, Jelachich und der Stadt Preßburg mitzutheilen, daß der Kaiser, obwohl sein Aufenthalt noch unbekannt, durch das Ministerium gebeten werde, Jelachich den Befehl zu ertheilen, ungesäumt alle Feindseligkeiten einstellen zu wollen.

Schuselka verliest eine Zuschrift des Grafen Auersperg, worin derselbe sich beklagt, daß das Zeughaus dem Volke vertragswidrig überliefert worden, daß er den Reichstag für die Uebergabe, für die entwendeten Waffen und Alterthümer verantwortlich mache; daß es unvereinbarlich mit den Funktionen des Reichstags sei, aus seiner Mitte einen Vertheidigungsausschuß ernannt zu haben, indem die Vertheidigung der Stadt nur ihm zusteht u. s. w. Die Beantwortung dieser Zuschrift wird dem Ausschusse überlassen.

An der Aula erfuhr ich darauf, ein Kurier habe eben die Nachricht aus Preßburg überbracht, Jelachich sei von den Ungarn gefangen genommen und aufgehangen worden. Ebenso erzählte man, die Bauern jenseits St. Pölten hätten den Kaiser nebst den Hof aufgegriffen. Jelachich soll nur 8000 Mann Militär mit sich geführt haben; in einen aufgefangenen Brief fleht er Latour an, ihm sofort Geld zu schicken, weil er sonst verloren sei. Die 600,000 Gulden, welche Latour am 1. Okt. an ihn abgeschickt, haben bekanntlich die Ungarn statt seiner in Empfang genommen.

Auersperg hat seine drohende Stellung am Belvedere trotz aller Befehle des Ausschusses noch immer nicht aufgegeben. Dies ist der wesentlichste Grund, weshalb Schuselka im Namen des Ausschusses seine eben bemerkte, übrigens sehr höflich abgefaßte Zuschrift und die darin enthaltenen Vorwürfe, entschieden zurückzuweisen verspricht. Gobbi, Neuwall und andere Frösche sind entsetzt über solche Energie. Der Reichstag genehmigt noch eine Zuschrift an den Kaiser. Eine ungeheuere Menschenmasse durchwallfahrtete heute (Sonntag) die Straßen der Stadt, um sich die Verwüstungsspuren des 6. Oktbr. anzusehen. In keiner anderen deutschen Stadt dürfte ein ähnliches Panorama möglich sein. Ueberall müssen Barrikaden überstiegen werden oder man muß sich durch ihre Oeffnungen drängen. Landleute in den malerischsten Kostüms verleihen diesem Panorama die lebhaftesten Farben. Kein Herrschaftswagen, keine reichgeschmückten Lakaien, keine Ueppigkeit, kein Hochmuth durchwandelt die Reihen der Menschen, man erblickt nur die energischen Mienen des Volkes, das sich seiner Stärke, seiner Uebermacht immer mehr bewußt wird. Alle Straßen, welche zur Universität führen, sind mit Menschen belagert. Ungeheuere Vorräthe werden immerfort in die Universität geschleift; sie ist ein vollständiges Heerlager, wo gekocht und gebraten, wo alle in Dienst stehende Mannschaft verpflegt wird.

Aus der Stadt, aus den Vorstädten und vom Lande kommen ganze Fässer Bier, Ochsen und anderes Schlachtvieh, Wein und Brod herein. Der Bauer und Proletarier geben ihre letzte Habe den Studenten, denn sie fühlen, was sie geleistet und leisten. Die Thätigkeit der Akademiker und der mit ihnen sympathisirenden Widener Garden übersteigt das Unglaubliche. Sie thun alles, erfahren alles und sind alles. Ich könnte Bogen schreiben, wollte ich die Details ihrer eminenten Thaten und Bravour mittheilen. Ohne die Legion wäre Wien nie etwas geworden und würde morgen nichts mehr sein. Durch die endliche Eroberung des Zeughauses beschämen sie alle Ingenieure, denn diese Eroberung war ein Meisterstück strategischer Arbeit. Das Zeughaus und die anliegenden Straßen sind gräßlich verwüstet. Eiserne Thore und Gitter, Mauern und Dächer sind beispiellos zusammengeschossen. Die gemachte Beute läßt selbst einen Auersperg erzittern, denn er schreibt ja, daß sie in die Hände des Gesindels gerathen sei und ihm abgenommen werden müsse. Auf der Freiung, in der Nähe des Zeughauses, ist das Pflaster noch mit großen Blutspuren bedeckt, die nur ein Gußregen verwischen wird. Die Häuser sind überall furchtbar zerschossen. Gut, daß der Kampf immer in der Stadt geführt werden muß und das eigentliche Proletariat also durch seine Verwüstungen niemals betroffen wird.

Die Häuser der Stadt sind alle fürstlichen Palästen gleich und gehören nur solchen oder ganz reichen Bourgeois an. So ist das Haus des Banquier Eskeler in der Nähe des Zeughauses ganz besonders zertrümmert. Auf dem Graben, in der Bognergasse und sonst überall scheint Militär wie Garden fast nur in die Wohnungen der Fürsten und Bourgeois geschossen zu haben. Man findet kaum mehr ein ganzes Fenster daselbst und außerdem haben die Kugeln bis in's fünfte Stock auch im Innern die gehörige Wirkung auf Möbel u. s. w. nicht verfehlt. - Auf dem Hof stand das Volk um den Reverber, an welchem Latour gehangen; ein kaiserlicher Kanonir soll ihm zuerst dort den Strick um den Hals gewunden haben. - Die Basteien sind trefflich mit Kanonen gespickt, 46 Stück sind Auersperg gegenüber aufgepflanzt und werden ihm, rührt er sich, hoffentlich den Kitzel vertreiben. Angegriffen wird nicht, aber man wünscht beinahe, angegriffen zu werden. Es geschieht nur selten in Deutschland, niemals in Köln, aber die Brust schlug mir hoch, als ich heute wieder unter dem Volke Oestreichs umherwandelte. Nicht 300, wie ich geschrieben, sondern an 1000 Todte und Verwundete soll der Tag und die Nacht des 6. Octob. gekostet haben. - Seit einiger Zeit bemerke ich bedeutend viel uckermärkischen und sächsischen Dialekt in Wien;

[Feuilleton]
"Kein schöner Ding ist auf der Welt Als seine Feinde zu beißen."
(Schluß.)
VII.
Gensdarmen hasse ich wie die Pest;
Ich hasse sie mehr als Spinnen,
Als grüne Seife - Du lieber Gott,
Was soll ich nun beginnen!
Der Eine zog ein Signalement
Aus seiner schäbigen Tasche.
Und mich betrachtend mit stierem Blick,
Begann er zu murmeln rasche:
"Fünf Fuß, zehn Zoll - die Haare blond -
Olympisch gewölbt die Stirne -
Ein rother Bart - Statur ist schlank -
Kennzeichen: Viel Gehirne. -
Auch macht er Verse - spricht kein Latein -
Blaß ist er, wie große Geister -
Die Zähne sind gut - - Verehrter Herr
Ohne Umschweife viel: wie heißt er?"
Da hob ich mich würdig empor und sprach:
"Ich heiße Charlemagne!
Wollhändler bin ich in Aachen und trink'
Recht gerne den Wein der Champagne.
Ich spekulire in Trüffeln und Oel,
Mein Banquier empfängt mich prächtig." -
Da sprach der erste Gensdarme: "Mein Herr,
Dies ist ausnehmend verdächtig!"
Ich aber fuhr fort: "Auch Spiritus
Verkauf' ich von hoher Reinheit;
Nahm Aktien auf jede Luftschifffahrt,
So wie auf die deutsche Einheit.
Bei Tage besorge ich mein Geschäft,
Doch Nachts, da treibe ich Spässe." -
Da sprach der zweite Gensdarme: "Mein Herr,
Wo haben Sie Ihre Pässe?"
"Meinen Paß! Meinen Paß! - O, wollen Sie nicht
Sich gütigst ein wenig setzen?
O, trinken Sie doch einen Becher Wein,
Das würde mich sehr ergetzen!
Mein Paß! Mein Paß! - Ach leider ist
Er gescheitert am Lurlei neulich.
O, trinken Sie doch einen Becher Wein,
Das wäre mir sehr erfreulich!"
Und Dein gedacht ich, und Deiner That,
Odüsseus, Du ränkevoller!
Und meine beiden Cyklopen ließ
Ich saufen toller und toller.
Und lobte die deutsche Centralgewalt,
Und Herrn Engels, den Stadtkommandanten,
Und sagte, Herr Dümont gehöre zu
Meinen allerbesten Bekannten.
Und prieß' Herrn Levy und Brüggemann
Und Herrn Wolfers und all' die andern;
Und schimpfte wie ein Rohrsperling
Auf die Republikaner von Kandern.
Und sagte: es freue mich ungemein,
Daß die Rheinische Zeitung erdrückt sei;
Und daß der Putsch von Frankfurt und Köln
So wunderherrlich misglückt sei.
Und sagte: mein lieber Herr Vetter sitz'
Im Parlament auf der Rechten
Und stimme mit Jahn und mit Radowitz,
Des Volkes Heil zu erfechten.
Und meinte: die Linke in Berlin
Und in Frankfurt, sei werth, daß sie hänge.
Und nahm das Glas und sang, daß es klang
Ein Dutz' patriot'scher Gesänge.
Und versicherte: Köln befinde sich wohl
Bei seinem Belagerungszustand.-
Da schwieg ich - - die beiden Cyklopen war'n
In dem comfortabelsten Zustand.
Sie schnarchten, wie einst das Volk geschnarcht,
Das deutsche, und ihre Beine
Und Arme, die starrten regungslos
Von Schlaf und süßem Weine.
VIII.
Sie schliefen. - So schlief auch Polyphem;
Und geblendet ward der Riese
Durch den herrlichen Dulder Odüsseus. Soll
Ich jetzo blenden auch diese?
Ja, soll ich mit glühendem Korkzieher Euch
Die glotzigen Augen ausdrehen?
Kein unsterblicher Gott, ja, kein Hahn und kein Huhn
Würde je wieder danach krähen.
Denn wahrlich, Poseidons Söhne nicht,
Des bläulich gelockten, seid Ihr -
Der Meergott schiert sich den Teufel um Euch -
Zwei gemeine Gensdarmen seid beid' Ihr!
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 116. Köln, Samstag den 14. Oktober. 1848.
Uebersicht.

Deutschland. Köln. (Das Ministerium Pfuel ‒ Schwarze Liste Schapper, Gottschalk und Anneke.) Wien. (Wiener Revolution (8. und 9. Oktober.) ‒ Vermischtes.) Berlin. (Schluß der Sitzung vom 10. Oktober. ‒ Neue Deputirtenwahl.) Erfurt. (Die preußische Regierung und der Schutzbürgerverein.

Ungarn. Pesth. (Plakat über Zichy's Tod. Repräsentantenhaus vom 4. Oktober.

Preßburg. (Die Flucht der kroatischen Armee. ‒ Bosniaken im Rücken der Kroaken.

Donaufürstenthümer. Kronstadt. Wirthschaft der Türken in Bukarest.

Polen. Warschau. (Revue.)

Belgien. Brüssel. (Die Meinungsfreiheit im „Musterstaat.“

Franz. Republik. (Thiers' Rede über eine allgemeine Hypothekenbank mit Zwangskurs). Paris. (Vermischtes. ‒ National Versammlung).

Großbritannien. London. (Waffensendung nach Italien. ‒ Der Handel. ‒ Die Revenue. ‒ Smith O'Brien zum Tode verurtheilt).

Beilage. Düsseldorf. (Arbeiterunruhen).

Amerika. New-York. (Baumwollenerndte. ‒ Präsidentenwahl. ‒ Mexico. Californien. (Das Gold des Sacrementoflusses).

Schweiz. Bern. (Antwort des Vororts auf Raveaux's Note).

Italien. (Vermischtes).

Hecker's Abschiedswort an das deutsche Volk.

Deutschland.
* Köln, 13. Oktober.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
* Köln, 13. Oktbr.

Ein sehr wohlunterrichteter Freund in Brüssel schreibt uns: „Engels undDronke wurden nur verhaftet und in Zellenwagen über die Gränze transportirt, weil sie unvorsichtig genug waren, ihre Namen zu nennen. Ein Arbeiter aus Köln, Schmitz, der bei der Befreiung Wachters thätig gewesen sein soll, theilte dasselbe Geschick. Die Brüsseler Polizei besaß nämlich eine lange Liste von Leuten, die aus Köln geflüchtet. So war die belgische Polizei auch genug über die angebliche Theilnahme von Schmitz an Wachters Befreiung unterrichtet.“

Ist der Kommiß-Polizeidirektor Hr. Geiger vielleicht über den Verfasser und Expedienten dieser schwarzen Liste unterrichtet?

Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, einige unsern Freund Schapper berührende Data dem Publikum mitzutheilen.

Frau Schapper erhielt einen Erlaubnißschein, ihren Mann alle 14 Tage Freitags zu sehen. Das eine Mal wurde ein anderer Gefangener, der englisch versteht, als Zeuge bei der Unterredung zugefügt. Später fragte ihn der Aufseher über das Gespräch aus, ob nicht Politik behandelt worden sei? Er erhielt die Antwort, die beiden Ehegatten hätten sich nur über ihre Kinder, den Haushalt u. dgl. unterhalten.

Das letzte Mal, als Frau Schapper zur festgesetzten Zeit, um 2 Uhr erschien, wurde ihr bemerkt, sie solle bis 4 Uhr warten. Um diese Zeit war es halb finster geworden und es blieben nur Augenblicke zur Unterhaltung übrig. Frau Schapper hatte ihre Kinder mitgebracht. Diese aber wollte der Aufseher nicht vorlassen, weil kein besonderer Erlaubnißschein für sie vorhanden sei. Man fürchtete natürlich in den Kindern angehende Conspirateurs. Indessen gelang es Schapper doch, die Kinder heranzuziehen und zu küssen, was der Aufseher verhindern wollte, indem er sie ungestüm wegriß. Auch bemerkte er Frau Schapper, nur deutsch dürfe sie mit ihrem Mann sprechen. Da Frau Schapper nun blos englisch versteht, löste sich das Gespräch nothwendig in eine stumme Mimik auf.

Nun schließlich noch eine Frage an das Kölnische Parket. Kann es dem Publikum keinen Aufschluß geben über die bandwurmartig sich hinschleppende Untersuchungshaft Gottschalks und Anneke's?

* Köln, 15. Oktbr.

Ein Lithograph erzählt uns eben, daß gestern Abend 1/2 9 Uhr seine Mutter zu einem Bäcker Paffrath in der Johannisstraße gegangen sei, um Brod zu kaufen. Plötzlich seien 3 Soldaten in das Haus gestürmt, mit blanken Säbeln und der Frage: was sind Sie? Sind Sie Demokratin, dann müssen Sie sterben, wir wollen Alles umbringen, was Demokrat ist. Nachdem die Frau in Furcht gesagt, sie wisse nicht, was sie wollten, sie sei ein Frauenzimmer, an welches sie sich doch nicht vergreifen würden, zogen sie, es waren noch 2 bis 3 mit blanker Waffe hinzugekommen, tobend ab. Von den Bewohnern des Hauses hatte sich dabei Niemand sehen lassen.

Verschiedene Excesse sollen noch auf der Straße vorgekommen sein. Es sind dies nothwendige Folgen von Parolebefehlen, wie sie neulich, wahrscheinlich in Folge des Steinschen Armeebefehls hier in Köln ausgegeben worden sind.

61 Wien, 8. Oktbr.

Abends 7 Uhr. Im Reichstag wird eine Zuschrift der Stadt Preßburg an das östreichische Ministerium verlesen, worin sie dasselbe ersucht, ihr wider Jelachich, der mit einem Bombardement drohe, Beistand zu senden. Ein beiliegender Drohbrief Jelachichs, der ebenfalls verlesen wird, bestätigt diese Angaben der Stadt Preßburg. Man beschließt, Jelachich und der Stadt Preßburg mitzutheilen, daß der Kaiser, obwohl sein Aufenthalt noch unbekannt, durch das Ministerium gebeten werde, Jelachich den Befehl zu ertheilen, ungesäumt alle Feindseligkeiten einstellen zu wollen.

Schuselka verliest eine Zuschrift des Grafen Auersperg, worin derselbe sich beklagt, daß das Zeughaus dem Volke vertragswidrig überliefert worden, daß er den Reichstag für die Uebergabe, für die entwendeten Waffen und Alterthümer verantwortlich mache; daß es unvereinbarlich mit den Funktionen des Reichstags sei, aus seiner Mitte einen Vertheidigungsausschuß ernannt zu haben, indem die Vertheidigung der Stadt nur ihm zusteht u. s. w. Die Beantwortung dieser Zuschrift wird dem Ausschusse überlassen.

An der Aula erfuhr ich darauf, ein Kurier habe eben die Nachricht aus Preßburg überbracht, Jelachich sei von den Ungarn gefangen genommen und aufgehangen worden. Ebenso erzählte man, die Bauern jenseits St. Pölten hätten den Kaiser nebst den Hof aufgegriffen. Jelachich soll nur 8000 Mann Militär mit sich geführt haben; in einen aufgefangenen Brief fleht er Latour an, ihm sofort Geld zu schicken, weil er sonst verloren sei. Die 600,000 Gulden, welche Latour am 1. Okt. an ihn abgeschickt, haben bekanntlich die Ungarn statt seiner in Empfang genommen.

Auersperg hat seine drohende Stellung am Belvedere trotz aller Befehle des Ausschusses noch immer nicht aufgegeben. Dies ist der wesentlichste Grund, weshalb Schuselka im Namen des Ausschusses seine eben bemerkte, übrigens sehr höflich abgefaßte Zuschrift und die darin enthaltenen Vorwürfe, entschieden zurückzuweisen verspricht. Gobbi, Neuwall und andere Frösche sind entsetzt über solche Energie. Der Reichstag genehmigt noch eine Zuschrift an den Kaiser. Eine ungeheuere Menschenmasse durchwallfahrtete heute (Sonntag) die Straßen der Stadt, um sich die Verwüstungsspuren des 6. Oktbr. anzusehen. In keiner anderen deutschen Stadt dürfte ein ähnliches Panorama möglich sein. Ueberall müssen Barrikaden überstiegen werden oder man muß sich durch ihre Oeffnungen drängen. Landleute in den malerischsten Kostüms verleihen diesem Panorama die lebhaftesten Farben. Kein Herrschaftswagen, keine reichgeschmückten Lakaien, keine Ueppigkeit, kein Hochmuth durchwandelt die Reihen der Menschen, man erblickt nur die energischen Mienen des Volkes, das sich seiner Stärke, seiner Uebermacht immer mehr bewußt wird. Alle Straßen, welche zur Universität führen, sind mit Menschen belagert. Ungeheuere Vorräthe werden immerfort in die Universität geschleift; sie ist ein vollständiges Heerlager, wo gekocht und gebraten, wo alle in Dienst stehende Mannschaft verpflegt wird.

Aus der Stadt, aus den Vorstädten und vom Lande kommen ganze Fässer Bier, Ochsen und anderes Schlachtvieh, Wein und Brod herein. Der Bauer und Proletarier geben ihre letzte Habe den Studenten, denn sie fühlen, was sie geleistet und leisten. Die Thätigkeit der Akademiker und der mit ihnen sympathisirenden Widener Garden übersteigt das Unglaubliche. Sie thun alles, erfahren alles und sind alles. Ich könnte Bogen schreiben, wollte ich die Details ihrer eminenten Thaten und Bravour mittheilen. Ohne die Legion wäre Wien nie etwas geworden und würde morgen nichts mehr sein. Durch die endliche Eroberung des Zeughauses beschämen sie alle Ingenieure, denn diese Eroberung war ein Meisterstück strategischer Arbeit. Das Zeughaus und die anliegenden Straßen sind gräßlich verwüstet. Eiserne Thore und Gitter, Mauern und Dächer sind beispiellos zusammengeschossen. Die gemachte Beute läßt selbst einen Auersperg erzittern, denn er schreibt ja, daß sie in die Hände des Gesindels gerathen sei und ihm abgenommen werden müsse. Auf der Freiung, in der Nähe des Zeughauses, ist das Pflaster noch mit großen Blutspuren bedeckt, die nur ein Gußregen verwischen wird. Die Häuser sind überall furchtbar zerschossen. Gut, daß der Kampf immer in der Stadt geführt werden muß und das eigentliche Proletariat also durch seine Verwüstungen niemals betroffen wird.

Die Häuser der Stadt sind alle fürstlichen Palästen gleich und gehören nur solchen oder ganz reichen Bourgeois an. So ist das Haus des Banquier Eskeler in der Nähe des Zeughauses ganz besonders zertrümmert. Auf dem Graben, in der Bognergasse und sonst überall scheint Militär wie Garden fast nur in die Wohnungen der Fürsten und Bourgeois geschossen zu haben. Man findet kaum mehr ein ganzes Fenster daselbst und außerdem haben die Kugeln bis in's fünfte Stock auch im Innern die gehörige Wirkung auf Möbel u. s. w. nicht verfehlt. ‒ Auf dem Hof stand das Volk um den Reverber, an welchem Latour gehangen; ein kaiserlicher Kanonir soll ihm zuerst dort den Strick um den Hals gewunden haben. ‒ Die Basteien sind trefflich mit Kanonen gespickt, 46 Stück sind Auersperg gegenüber aufgepflanzt und werden ihm, rührt er sich, hoffentlich den Kitzel vertreiben. Angegriffen wird nicht, aber man wünscht beinahe, angegriffen zu werden. Es geschieht nur selten in Deutschland, niemals in Köln, aber die Brust schlug mir hoch, als ich heute wieder unter dem Volke Oestreichs umherwandelte. Nicht 300, wie ich geschrieben, sondern an 1000 Todte und Verwundete soll der Tag und die Nacht des 6. Octob. gekostet haben. ‒ Seit einiger Zeit bemerke ich bedeutend viel uckermärkischen und sächsischen Dialekt in Wien;

[Feuilleton]
„Kein schöner Ding ist auf der Welt Als seine Feinde zu beißen.“
(Schluß.)
VII.
Gensdarmen hasse ich wie die Pest;
Ich hasse sie mehr als Spinnen,
Als grüne Seife ‒ Du lieber Gott,
Was soll ich nun beginnen!
Der Eine zog ein Signalement
Aus seiner schäbigen Tasche.
Und mich betrachtend mit stierem Blick,
Begann er zu murmeln rasche:
„Fünf Fuß, zehn Zoll ‒ die Haare blond ‒
Olympisch gewölbt die Stirne ‒
Ein rother Bart ‒ Statur ist schlank ‒
Kennzeichen: Viel Gehirne. ‒
Auch macht er Verse ‒ spricht kein Latein ‒
Blaß ist er, wie große Geister ‒
Die Zähne sind gut ‒ ‒ Verehrter Herr
Ohne Umschweife viel: wie heißt er?“
Da hob ich mich würdig empor und sprach:
„Ich heiße Charlemagne!
Wollhändler bin ich in Aachen und trink'
Recht gerne den Wein der Champagne.
Ich spekulire in Trüffeln und Oel,
Mein Banquier empfängt mich prächtig.“ ‒
Da sprach der erste Gensdarme: „Mein Herr,
Dies ist ausnehmend verdächtig!“
Ich aber fuhr fort: „Auch Spiritus
Verkauf' ich von hoher Reinheit;
Nahm Aktien auf jede Luftschifffahrt,
So wie auf die deutsche Einheit.
Bei Tage besorge ich mein Geschäft,
Doch Nachts, da treibe ich Spässe.“ ‒
Da sprach der zweite Gensdarme: „Mein Herr,
Wo haben Sie Ihre Pässe?“
„Meinen Paß! Meinen Paß! ‒ O, wollen Sie nicht
Sich gütigst ein wenig setzen?
O, trinken Sie doch einen Becher Wein,
Das würde mich sehr ergetzen!
Mein Paß! Mein Paß! ‒ Ach leider ist
Er gescheitert am Lurlei neulich.
O, trinken Sie doch einen Becher Wein,
Das wäre mir sehr erfreulich!“
Und Dein gedacht ich, und Deiner That,
Odüsseus, Du ränkevoller!
Und meine beiden Cyklopen ließ
Ich saufen toller und toller.
Und lobte die deutsche Centralgewalt,
Und Herrn Engels, den Stadtkommandanten,
Und sagte, Herr Dümont gehöre zu
Meinen allerbesten Bekannten.
Und prieß' Herrn Levy und Brüggemann
Und Herrn Wolfers und all' die andern;
Und schimpfte wie ein Rohrsperling
Auf die Republikaner von Kandern.
Und sagte: es freue mich ungemein,
Daß die Rheinische Zeitung erdrückt sei;
Und daß der Putsch von Frankfurt und Köln
So wunderherrlich misglückt sei.
Und sagte: mein lieber Herr Vetter sitz'
Im Parlament auf der Rechten
Und stimme mit Jahn und mit Radowitz,
Des Volkes Heil zu erfechten.
Und meinte: die Linke in Berlin
Und in Frankfurt, sei werth, daß sie hänge.
Und nahm das Glas und sang, daß es klang
Ein Dutz' patriot'scher Gesänge.
Und versicherte: Köln befinde sich wohl
Bei seinem Belagerungszustand.‒
Da schwieg ich ‒ ‒ die beiden Cyklopen war'n
In dem comfortabelsten Zustand.
Sie schnarchten, wie einst das Volk geschnarcht,
Das deutsche, und ihre Beine
Und Arme, die starrten regungslos
Von Schlaf und süßem Weine.
VIII.
Sie schliefen. ‒ So schlief auch Polyphem;
Und geblendet ward der Riese
Durch den herrlichen Dulder Odüsseus. Soll
Ich jetzo blenden auch diese?
Ja, soll ich mit glühendem Korkzieher Euch
Die glotzigen Augen ausdrehen?
Kein unsterblicher Gott, ja, kein Hahn und kein Huhn
Würde je wieder danach krähen.
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          <note type="editorial">Edition: <bibl>Karl Marx: Das Ministerium Pfuel, vorgesehen für: MEGA<hi rendition="#sup">2</hi>, I/8.         </bibl>                </note>
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          <head><bibl><author>*</author></bibl> Köln, 13. Oktbr.</head>
          <p>Ein sehr wohlunterrichteter Freund in <hi rendition="#g">Brüssel</hi> schreibt uns: &#x201E;<hi rendition="#g">Engels</hi> und<hi rendition="#g">Dronke</hi> wurden nur verhaftet und in Zellenwagen über die Gränze transportirt, weil sie unvorsichtig genug waren, ihre Namen zu nennen. Ein Arbeiter aus Köln, <hi rendition="#g">Schmitz,</hi> der bei der Befreiung Wachters thätig gewesen sein soll, theilte dasselbe Geschick. Die Brüsseler Polizei besaß nämlich eine lange Liste von Leuten, die aus Köln geflüchtet. So war die belgische Polizei auch genug über die angebliche Theilnahme von Schmitz an Wachters Befreiung unterrichtet.&#x201C;</p>
          <p>Ist der Kommiß-Polizeidirektor <hi rendition="#g">Hr. Geiger</hi> vielleicht über den Verfasser und Expedienten dieser schwarzen Liste unterrichtet?</p>
          <p>Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, einige unsern Freund <hi rendition="#g">Schapper</hi> berührende Data dem Publikum mitzutheilen.</p>
          <p>Frau Schapper erhielt einen Erlaubnißschein, ihren Mann alle 14 Tage Freitags zu sehen. Das eine Mal wurde ein anderer Gefangener, der englisch versteht, als Zeuge bei der Unterredung zugefügt. Später fragte ihn der Aufseher über das Gespräch aus, ob nicht Politik behandelt worden sei? Er erhielt die Antwort, die beiden Ehegatten hätten sich nur über ihre Kinder, den Haushalt u. dgl. unterhalten.</p>
          <p>Das letzte Mal, als Frau Schapper zur festgesetzten Zeit, um 2 Uhr erschien, wurde ihr bemerkt, sie solle bis 4 Uhr warten. Um diese Zeit war es halb finster geworden und es blieben nur Augenblicke zur Unterhaltung übrig. Frau Schapper hatte ihre Kinder mitgebracht. Diese aber wollte der Aufseher nicht vorlassen, weil kein besonderer Erlaubnißschein für sie vorhanden sei. Man fürchtete natürlich in den Kindern angehende Conspirateurs. Indessen gelang es Schapper doch, die Kinder heranzuziehen und zu küssen, was der Aufseher verhindern wollte, indem er sie ungestüm wegriß. Auch bemerkte er Frau Schapper, nur <hi rendition="#g">deutsch</hi> dürfe sie mit ihrem Mann sprechen. Da Frau Schapper nun blos <hi rendition="#g">englisch</hi> versteht, löste sich das Gespräch nothwendig in eine stumme Mimik auf.</p>
          <p>Nun schließlich noch eine Frage an das Kölnische Parket. Kann es dem Publikum keinen Aufschluß geben über die bandwurmartig sich hinschleppende Untersuchungshaft <hi rendition="#g">Gottschalks</hi> und <hi rendition="#g">Anneke's</hi>?</p>
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          <head><bibl><author>*</author></bibl> Köln, 15. Oktbr.</head>
          <p>Ein Lithograph erzählt uns eben, daß gestern Abend 1/2 9 Uhr seine Mutter zu einem Bäcker <hi rendition="#g">Paffrath</hi> in der Johannisstraße gegangen sei, um Brod zu kaufen. Plötzlich seien 3 Soldaten in das Haus gestürmt, mit blanken Säbeln und der Frage: was sind Sie? Sind Sie Demokratin, dann müssen Sie sterben, wir wollen Alles umbringen, was Demokrat ist. Nachdem die Frau in Furcht gesagt, sie wisse nicht, was sie wollten, sie sei ein Frauenzimmer, an welches sie sich doch nicht vergreifen würden, zogen sie, es waren noch 2 bis 3 mit blanker Waffe hinzugekommen, tobend ab. Von den Bewohnern des Hauses hatte sich dabei Niemand sehen lassen.</p>
          <p>Verschiedene Excesse sollen noch auf der Straße vorgekommen sein. Es sind dies nothwendige Folgen von Parolebefehlen, wie sie neulich, wahrscheinlich in Folge des Steinschen Armeebefehls hier in Köln ausgegeben worden sind.</p>
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          <head><bibl><author>61</author></bibl> Wien, 8. Oktbr.</head>
          <p>Abends 7 Uhr. Im Reichstag wird eine Zuschrift der Stadt Preßburg an das östreichische Ministerium verlesen, worin sie dasselbe ersucht, ihr wider Jelachich, der mit einem Bombardement drohe, Beistand zu senden. Ein beiliegender Drohbrief Jelachichs, der ebenfalls verlesen wird, bestätigt diese Angaben der Stadt Preßburg. Man beschließt, Jelachich und der Stadt Preßburg mitzutheilen, daß der Kaiser, obwohl sein Aufenthalt noch unbekannt, durch das Ministerium gebeten werde, Jelachich den Befehl zu ertheilen, ungesäumt alle Feindseligkeiten einstellen zu wollen.</p>
          <p>Schuselka verliest eine Zuschrift des Grafen Auersperg, worin derselbe sich beklagt, daß das Zeughaus dem Volke vertragswidrig überliefert worden, daß er den Reichstag für die Uebergabe, für die entwendeten Waffen und Alterthümer verantwortlich mache; daß es unvereinbarlich mit den Funktionen des Reichstags sei, aus seiner Mitte einen Vertheidigungsausschuß ernannt zu haben, indem die Vertheidigung der Stadt nur ihm zusteht u. s. w. Die Beantwortung dieser Zuschrift wird dem Ausschusse überlassen.</p>
          <p>An der Aula erfuhr ich darauf, ein Kurier habe eben die Nachricht aus Preßburg überbracht, Jelachich sei von den Ungarn <hi rendition="#g">gefangen genommen und aufgehangen worden.</hi> Ebenso erzählte man, die Bauern jenseits St. Pölten hätten den Kaiser nebst den Hof aufgegriffen. Jelachich soll nur 8000 Mann Militär mit sich geführt haben; in einen aufgefangenen Brief fleht er Latour an, ihm sofort Geld zu schicken, weil er sonst verloren sei. Die 600,000 Gulden, welche Latour am 1. Okt. an ihn abgeschickt, haben bekanntlich die Ungarn statt seiner in Empfang genommen.</p>
          <p>Auersperg hat seine drohende Stellung am Belvedere trotz aller Befehle des Ausschusses noch immer nicht aufgegeben. Dies ist der wesentlichste Grund, weshalb Schuselka im Namen des Ausschusses seine eben bemerkte, übrigens sehr höflich abgefaßte Zuschrift und die darin enthaltenen Vorwürfe, entschieden zurückzuweisen verspricht. Gobbi, Neuwall und andere Frösche sind entsetzt über solche Energie. Der Reichstag genehmigt noch eine Zuschrift an den Kaiser. Eine ungeheuere Menschenmasse durchwallfahrtete heute (Sonntag) die Straßen der Stadt, um sich die Verwüstungsspuren des 6. Oktbr. anzusehen. In keiner anderen deutschen Stadt dürfte ein ähnliches Panorama möglich sein. Ueberall müssen Barrikaden überstiegen werden oder man muß sich durch ihre Oeffnungen drängen. Landleute in den malerischsten Kostüms verleihen diesem Panorama die lebhaftesten Farben. Kein Herrschaftswagen, keine reichgeschmückten Lakaien, keine Ueppigkeit, kein Hochmuth durchwandelt die Reihen der Menschen, man erblickt nur die energischen Mienen des Volkes, das sich seiner Stärke, seiner Uebermacht immer mehr bewußt wird. Alle Straßen, welche zur Universität führen, sind mit Menschen belagert. Ungeheuere Vorräthe werden immerfort in die Universität geschleift; sie ist ein vollständiges Heerlager, wo gekocht und gebraten, wo alle in Dienst stehende Mannschaft verpflegt wird.</p>
          <p>Aus der Stadt, aus den Vorstädten und vom Lande kommen ganze Fässer Bier, Ochsen und anderes Schlachtvieh, Wein und Brod herein. Der Bauer und Proletarier geben ihre letzte Habe den Studenten, denn sie fühlen, was sie geleistet und leisten. Die Thätigkeit der Akademiker und der mit ihnen sympathisirenden Widener Garden übersteigt das Unglaubliche. Sie thun alles, erfahren alles und sind alles. Ich könnte Bogen schreiben, wollte ich die Details ihrer eminenten Thaten und Bravour mittheilen. Ohne die Legion wäre Wien nie etwas geworden und würde morgen nichts mehr sein. Durch die endliche Eroberung des Zeughauses beschämen sie alle Ingenieure, denn diese Eroberung war ein Meisterstück strategischer Arbeit. Das Zeughaus und die anliegenden Straßen sind gräßlich verwüstet. Eiserne Thore und Gitter, Mauern und Dächer sind beispiellos zusammengeschossen. Die gemachte Beute läßt selbst einen Auersperg erzittern, denn er schreibt ja, daß sie in die Hände des Gesindels gerathen sei und ihm abgenommen werden müsse. Auf der Freiung, in der Nähe des Zeughauses, ist das Pflaster noch mit großen Blutspuren bedeckt, die nur ein Gußregen verwischen wird. Die Häuser sind überall furchtbar zerschossen. Gut, daß der Kampf immer in der Stadt geführt werden muß und das eigentliche Proletariat also durch seine Verwüstungen niemals betroffen wird.</p>
          <p>Die Häuser der Stadt sind alle fürstlichen Palästen gleich und gehören nur solchen oder ganz reichen Bourgeois an. So ist das Haus des Banquier Eskeler in der Nähe des Zeughauses ganz besonders zertrümmert. Auf dem Graben, in der Bognergasse und sonst überall scheint Militär wie Garden fast nur in die Wohnungen der Fürsten und Bourgeois geschossen zu haben. Man findet kaum mehr ein ganzes Fenster daselbst und außerdem haben die Kugeln bis in's fünfte Stock auch im Innern die gehörige Wirkung auf Möbel u. s. w. nicht verfehlt. &#x2012; Auf dem Hof stand das Volk um den Reverber, an welchem Latour gehangen; ein kaiserlicher Kanonir soll ihm zuerst dort den Strick um den Hals gewunden haben. &#x2012; Die Basteien sind trefflich mit Kanonen gespickt, 46 Stück sind Auersperg gegenüber aufgepflanzt und werden ihm, rührt er sich, hoffentlich den Kitzel vertreiben. Angegriffen wird nicht, aber man wünscht beinahe, angegriffen zu werden. Es geschieht nur selten in Deutschland, niemals in Köln, aber die Brust schlug mir hoch, als ich heute wieder unter dem Volke Oestreichs umherwandelte. Nicht 300, wie ich geschrieben, sondern an 1000 Todte und Verwundete soll der Tag und die Nacht des 6. Octob. gekostet haben. &#x2012; Seit einiger Zeit bemerke ich bedeutend viel uckermärkischen und sächsischen Dialekt in Wien;<lb/></p>
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          <head>&#x201E;Kein schöner Ding ist auf der Welt Als seine Feinde zu beißen.&#x201C;<lb/>
(Schluß.)</head>
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[0577/0001] Neue Rheinische Zeitung Organ der Demokratie. No 116. Köln, Samstag den 14. Oktober. 1848. Uebersicht. Deutschland. Köln. (Das Ministerium Pfuel ‒ Schwarze Liste Schapper, Gottschalk und Anneke.) Wien. (Wiener Revolution (8. und 9. Oktober.) ‒ Vermischtes.) Berlin. (Schluß der Sitzung vom 10. Oktober. ‒ Neue Deputirtenwahl.) Erfurt. (Die preußische Regierung und der Schutzbürgerverein. Ungarn. Pesth. (Plakat über Zichy's Tod. Repräsentantenhaus vom 4. Oktober. Preßburg. (Die Flucht der kroatischen Armee. ‒ Bosniaken im Rücken der Kroaken. Donaufürstenthümer. Kronstadt. Wirthschaft der Türken in Bukarest. Polen. Warschau. (Revue.) Belgien. Brüssel. (Die Meinungsfreiheit im „Musterstaat.“ Franz. Republik. (Thiers' Rede über eine allgemeine Hypothekenbank mit Zwangskurs). Paris. (Vermischtes. ‒ National Versammlung). Großbritannien. London. (Waffensendung nach Italien. ‒ Der Handel. ‒ Die Revenue. ‒ Smith O'Brien zum Tode verurtheilt). Beilage. Düsseldorf. (Arbeiterunruhen). Amerika. New-York. (Baumwollenerndte. ‒ Präsidentenwahl. ‒ Mexico. Californien. (Das Gold des Sacrementoflusses). Schweiz. Bern. (Antwort des Vororts auf Raveaux's Note). Italien. (Vermischtes). Hecker's Abschiedswort an das deutsche Volk. Deutschland. * Köln, 13. Oktober. _ * Köln, 13. Oktbr. Ein sehr wohlunterrichteter Freund in Brüssel schreibt uns: „Engels undDronke wurden nur verhaftet und in Zellenwagen über die Gränze transportirt, weil sie unvorsichtig genug waren, ihre Namen zu nennen. Ein Arbeiter aus Köln, Schmitz, der bei der Befreiung Wachters thätig gewesen sein soll, theilte dasselbe Geschick. Die Brüsseler Polizei besaß nämlich eine lange Liste von Leuten, die aus Köln geflüchtet. So war die belgische Polizei auch genug über die angebliche Theilnahme von Schmitz an Wachters Befreiung unterrichtet.“ Ist der Kommiß-Polizeidirektor Hr. Geiger vielleicht über den Verfasser und Expedienten dieser schwarzen Liste unterrichtet? Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, einige unsern Freund Schapper berührende Data dem Publikum mitzutheilen. Frau Schapper erhielt einen Erlaubnißschein, ihren Mann alle 14 Tage Freitags zu sehen. Das eine Mal wurde ein anderer Gefangener, der englisch versteht, als Zeuge bei der Unterredung zugefügt. Später fragte ihn der Aufseher über das Gespräch aus, ob nicht Politik behandelt worden sei? Er erhielt die Antwort, die beiden Ehegatten hätten sich nur über ihre Kinder, den Haushalt u. dgl. unterhalten. Das letzte Mal, als Frau Schapper zur festgesetzten Zeit, um 2 Uhr erschien, wurde ihr bemerkt, sie solle bis 4 Uhr warten. Um diese Zeit war es halb finster geworden und es blieben nur Augenblicke zur Unterhaltung übrig. Frau Schapper hatte ihre Kinder mitgebracht. Diese aber wollte der Aufseher nicht vorlassen, weil kein besonderer Erlaubnißschein für sie vorhanden sei. Man fürchtete natürlich in den Kindern angehende Conspirateurs. Indessen gelang es Schapper doch, die Kinder heranzuziehen und zu küssen, was der Aufseher verhindern wollte, indem er sie ungestüm wegriß. Auch bemerkte er Frau Schapper, nur deutsch dürfe sie mit ihrem Mann sprechen. Da Frau Schapper nun blos englisch versteht, löste sich das Gespräch nothwendig in eine stumme Mimik auf. Nun schließlich noch eine Frage an das Kölnische Parket. Kann es dem Publikum keinen Aufschluß geben über die bandwurmartig sich hinschleppende Untersuchungshaft Gottschalks und Anneke's? * Köln, 15. Oktbr. Ein Lithograph erzählt uns eben, daß gestern Abend 1/2 9 Uhr seine Mutter zu einem Bäcker Paffrath in der Johannisstraße gegangen sei, um Brod zu kaufen. Plötzlich seien 3 Soldaten in das Haus gestürmt, mit blanken Säbeln und der Frage: was sind Sie? Sind Sie Demokratin, dann müssen Sie sterben, wir wollen Alles umbringen, was Demokrat ist. Nachdem die Frau in Furcht gesagt, sie wisse nicht, was sie wollten, sie sei ein Frauenzimmer, an welches sie sich doch nicht vergreifen würden, zogen sie, es waren noch 2 bis 3 mit blanker Waffe hinzugekommen, tobend ab. Von den Bewohnern des Hauses hatte sich dabei Niemand sehen lassen. Verschiedene Excesse sollen noch auf der Straße vorgekommen sein. Es sind dies nothwendige Folgen von Parolebefehlen, wie sie neulich, wahrscheinlich in Folge des Steinschen Armeebefehls hier in Köln ausgegeben worden sind. 61 Wien, 8. Oktbr. Abends 7 Uhr. Im Reichstag wird eine Zuschrift der Stadt Preßburg an das östreichische Ministerium verlesen, worin sie dasselbe ersucht, ihr wider Jelachich, der mit einem Bombardement drohe, Beistand zu senden. Ein beiliegender Drohbrief Jelachichs, der ebenfalls verlesen wird, bestätigt diese Angaben der Stadt Preßburg. Man beschließt, Jelachich und der Stadt Preßburg mitzutheilen, daß der Kaiser, obwohl sein Aufenthalt noch unbekannt, durch das Ministerium gebeten werde, Jelachich den Befehl zu ertheilen, ungesäumt alle Feindseligkeiten einstellen zu wollen. Schuselka verliest eine Zuschrift des Grafen Auersperg, worin derselbe sich beklagt, daß das Zeughaus dem Volke vertragswidrig überliefert worden, daß er den Reichstag für die Uebergabe, für die entwendeten Waffen und Alterthümer verantwortlich mache; daß es unvereinbarlich mit den Funktionen des Reichstags sei, aus seiner Mitte einen Vertheidigungsausschuß ernannt zu haben, indem die Vertheidigung der Stadt nur ihm zusteht u. s. w. Die Beantwortung dieser Zuschrift wird dem Ausschusse überlassen. An der Aula erfuhr ich darauf, ein Kurier habe eben die Nachricht aus Preßburg überbracht, Jelachich sei von den Ungarn gefangen genommen und aufgehangen worden. Ebenso erzählte man, die Bauern jenseits St. Pölten hätten den Kaiser nebst den Hof aufgegriffen. Jelachich soll nur 8000 Mann Militär mit sich geführt haben; in einen aufgefangenen Brief fleht er Latour an, ihm sofort Geld zu schicken, weil er sonst verloren sei. Die 600,000 Gulden, welche Latour am 1. Okt. an ihn abgeschickt, haben bekanntlich die Ungarn statt seiner in Empfang genommen. Auersperg hat seine drohende Stellung am Belvedere trotz aller Befehle des Ausschusses noch immer nicht aufgegeben. Dies ist der wesentlichste Grund, weshalb Schuselka im Namen des Ausschusses seine eben bemerkte, übrigens sehr höflich abgefaßte Zuschrift und die darin enthaltenen Vorwürfe, entschieden zurückzuweisen verspricht. Gobbi, Neuwall und andere Frösche sind entsetzt über solche Energie. Der Reichstag genehmigt noch eine Zuschrift an den Kaiser. Eine ungeheuere Menschenmasse durchwallfahrtete heute (Sonntag) die Straßen der Stadt, um sich die Verwüstungsspuren des 6. Oktbr. anzusehen. In keiner anderen deutschen Stadt dürfte ein ähnliches Panorama möglich sein. Ueberall müssen Barrikaden überstiegen werden oder man muß sich durch ihre Oeffnungen drängen. Landleute in den malerischsten Kostüms verleihen diesem Panorama die lebhaftesten Farben. Kein Herrschaftswagen, keine reichgeschmückten Lakaien, keine Ueppigkeit, kein Hochmuth durchwandelt die Reihen der Menschen, man erblickt nur die energischen Mienen des Volkes, das sich seiner Stärke, seiner Uebermacht immer mehr bewußt wird. Alle Straßen, welche zur Universität führen, sind mit Menschen belagert. Ungeheuere Vorräthe werden immerfort in die Universität geschleift; sie ist ein vollständiges Heerlager, wo gekocht und gebraten, wo alle in Dienst stehende Mannschaft verpflegt wird. Aus der Stadt, aus den Vorstädten und vom Lande kommen ganze Fässer Bier, Ochsen und anderes Schlachtvieh, Wein und Brod herein. Der Bauer und Proletarier geben ihre letzte Habe den Studenten, denn sie fühlen, was sie geleistet und leisten. Die Thätigkeit der Akademiker und der mit ihnen sympathisirenden Widener Garden übersteigt das Unglaubliche. Sie thun alles, erfahren alles und sind alles. Ich könnte Bogen schreiben, wollte ich die Details ihrer eminenten Thaten und Bravour mittheilen. Ohne die Legion wäre Wien nie etwas geworden und würde morgen nichts mehr sein. Durch die endliche Eroberung des Zeughauses beschämen sie alle Ingenieure, denn diese Eroberung war ein Meisterstück strategischer Arbeit. Das Zeughaus und die anliegenden Straßen sind gräßlich verwüstet. Eiserne Thore und Gitter, Mauern und Dächer sind beispiellos zusammengeschossen. Die gemachte Beute läßt selbst einen Auersperg erzittern, denn er schreibt ja, daß sie in die Hände des Gesindels gerathen sei und ihm abgenommen werden müsse. Auf der Freiung, in der Nähe des Zeughauses, ist das Pflaster noch mit großen Blutspuren bedeckt, die nur ein Gußregen verwischen wird. Die Häuser sind überall furchtbar zerschossen. Gut, daß der Kampf immer in der Stadt geführt werden muß und das eigentliche Proletariat also durch seine Verwüstungen niemals betroffen wird. Die Häuser der Stadt sind alle fürstlichen Palästen gleich und gehören nur solchen oder ganz reichen Bourgeois an. So ist das Haus des Banquier Eskeler in der Nähe des Zeughauses ganz besonders zertrümmert. Auf dem Graben, in der Bognergasse und sonst überall scheint Militär wie Garden fast nur in die Wohnungen der Fürsten und Bourgeois geschossen zu haben. Man findet kaum mehr ein ganzes Fenster daselbst und außerdem haben die Kugeln bis in's fünfte Stock auch im Innern die gehörige Wirkung auf Möbel u. s. w. nicht verfehlt. ‒ Auf dem Hof stand das Volk um den Reverber, an welchem Latour gehangen; ein kaiserlicher Kanonir soll ihm zuerst dort den Strick um den Hals gewunden haben. ‒ Die Basteien sind trefflich mit Kanonen gespickt, 46 Stück sind Auersperg gegenüber aufgepflanzt und werden ihm, rührt er sich, hoffentlich den Kitzel vertreiben. Angegriffen wird nicht, aber man wünscht beinahe, angegriffen zu werden. Es geschieht nur selten in Deutschland, niemals in Köln, aber die Brust schlug mir hoch, als ich heute wieder unter dem Volke Oestreichs umherwandelte. Nicht 300, wie ich geschrieben, sondern an 1000 Todte und Verwundete soll der Tag und die Nacht des 6. Octob. gekostet haben. ‒ Seit einiger Zeit bemerke ich bedeutend viel uckermärkischen und sächsischen Dialekt in Wien; [Feuilleton] „Kein schöner Ding ist auf der Welt Als seine Feinde zu beißen.“ (Schluß.) VII. Gensdarmen hasse ich wie die Pest; Ich hasse sie mehr als Spinnen, Als grüne Seife ‒ Du lieber Gott, Was soll ich nun beginnen! Der Eine zog ein Signalement Aus seiner schäbigen Tasche. Und mich betrachtend mit stierem Blick, Begann er zu murmeln rasche: „Fünf Fuß, zehn Zoll ‒ die Haare blond ‒ Olympisch gewölbt die Stirne ‒ Ein rother Bart ‒ Statur ist schlank ‒ Kennzeichen: Viel Gehirne. ‒ Auch macht er Verse ‒ spricht kein Latein ‒ Blaß ist er, wie große Geister ‒ Die Zähne sind gut ‒ ‒ Verehrter Herr Ohne Umschweife viel: wie heißt er?“ Da hob ich mich würdig empor und sprach: „Ich heiße Charlemagne! Wollhändler bin ich in Aachen und trink' Recht gerne den Wein der Champagne. Ich spekulire in Trüffeln und Oel, Mein Banquier empfängt mich prächtig.“ ‒ Da sprach der erste Gensdarme: „Mein Herr, Dies ist ausnehmend verdächtig!“ Ich aber fuhr fort: „Auch Spiritus Verkauf' ich von hoher Reinheit; Nahm Aktien auf jede Luftschifffahrt, So wie auf die deutsche Einheit. Bei Tage besorge ich mein Geschäft, Doch Nachts, da treibe ich Spässe.“ ‒ Da sprach der zweite Gensdarme: „Mein Herr, Wo haben Sie Ihre Pässe?“ „Meinen Paß! Meinen Paß! ‒ O, wollen Sie nicht Sich gütigst ein wenig setzen? O, trinken Sie doch einen Becher Wein, Das würde mich sehr ergetzen! Mein Paß! Mein Paß! ‒ Ach leider ist Er gescheitert am Lurlei neulich. O, trinken Sie doch einen Becher Wein, Das wäre mir sehr erfreulich!“ Und Dein gedacht ich, und Deiner That, Odüsseus, Du ränkevoller! Und meine beiden Cyklopen ließ Ich saufen toller und toller. Und lobte die deutsche Centralgewalt, Und Herrn Engels, den Stadtkommandanten, Und sagte, Herr Dümont gehöre zu Meinen allerbesten Bekannten. Und prieß' Herrn Levy und Brüggemann Und Herrn Wolfers und all' die andern; Und schimpfte wie ein Rohrsperling Auf die Republikaner von Kandern. Und sagte: es freue mich ungemein, Daß die Rheinische Zeitung erdrückt sei; Und daß der Putsch von Frankfurt und Köln So wunderherrlich misglückt sei. Und sagte: mein lieber Herr Vetter sitz' Im Parlament auf der Rechten Und stimme mit Jahn und mit Radowitz, Des Volkes Heil zu erfechten. Und meinte: die Linke in Berlin Und in Frankfurt, sei werth, daß sie hänge. Und nahm das Glas und sang, daß es klang Ein Dutz' patriot'scher Gesänge. Und versicherte: Köln befinde sich wohl Bei seinem Belagerungszustand.‒ Da schwieg ich ‒ ‒ die beiden Cyklopen war'n In dem comfortabelsten Zustand. Sie schnarchten, wie einst das Volk geschnarcht, Das deutsche, und ihre Beine Und Arme, die starrten regungslos Von Schlaf und süßem Weine. VIII. Sie schliefen. ‒ So schlief auch Polyphem; Und geblendet ward der Riese Durch den herrlichen Dulder Odüsseus. Soll Ich jetzo blenden auch diese? Ja, soll ich mit glühendem Korkzieher Euch Die glotzigen Augen ausdrehen? Kein unsterblicher Gott, ja, kein Hahn und kein Huhn Würde je wieder danach krähen. Denn wahrlich, Poseidons Söhne nicht, Des bläulich gelockten, seid Ihr ‒ Der Meergott schiert sich den Teufel um Euch ‒ Zwei gemeine Gensdarmen seid beid' Ihr!

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Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 1 (Nummer 1 bis Nummer 183) Köln, 1. Juni 1848 bis 31. Dezember 1848. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 116. Köln, 14. Oktober 1848, S. 0577. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz116_1848/1>, abgerufen am 15.07.2019.