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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 25. Köln, 25. Juni 1848.

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Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 25. Köln, Sonntag 25. Juni 1848.

Die "Neue Rheinische Zeitung" erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen.

Alle Postämter Deutschlands nehmen Bestellungen an.

Für Frankreich übernehmen Abonnements Herr G. A. Alexandre, Nr. 28, Brandgasse in Straßburg, und 23, rue Notre Dame de Nazareth in Paris; so wie das königliche Ober-Post-Amt in Aachen. Für England die HH. J. J. Ewer & Comp. 72, Newgate Street in London. Für Belgien und Holland die respekt. königlichen Briefpost-Aemter und das Postbüreau zu Lüttich.

Abonnementspreis in Köln vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., in allen übrigen Orten Preußens 2 Thlr. 3 Sgr. 9 Pf. Außerhalb Preußens mit Zuschlag des fremden Zeitungsportos. Inserate: die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf.

Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.

Uebersicht.

Deutschland. Köln (Polizeidirektor Müller nach Berlin berufen. - Drohung der Gervinuszeitung. - Patows Ablösungsdenkschrift. - Die Dahlmann'sche Dreieinigkeit). Berlin (Finanzkrisis. - Berliner Reaktion und ihre neuen Organe. - Minutoli. - Der demokratische Klub). Potsdam (die Hofintriguen. - Hansemann in Noth. - Cabalen mit Rußland. - Meyendorf). Breslau (preußische Gräuelthaten). Posen (Amnestirung der Polen in Rußland). Frankfurt (Sitzung der Nationalversammlung vom 21. Juni. - Sitzung vom 22. Juni). Prag (neuere Nachrichten. - Demokratischer Charakter des Aufstandes). Wien (Erzherzog Johann eröffnet den Reichstag. - Bürgergarde und Militär marschirt gegen die Arbeiter). Triest (Standrecht. - Verkehrsverluste).

Ungarn. Kaiserliche Proklamation an die Kroaten.

Italien. Turin (Anschlußakte der Lombardei). Bologna (Durando von der Bevölkerung Vicenzas zur Kapitulation gezwungen. - Ein polnisches Bataillon wird im Kampfe für Italiens Sache Theilnehmer). Rom (Erklärung der Deputirtenkammer. - Adreßkommission. - Ferrari. - Sbaretti). Civitavecchia (ein Theil der nach Calabrien gesandten Truppen zu den Insurgenten übergegangen. - Messina bombardirt. - Gleiches Schicksal Neapel wieder bevorstehend). Neapel (Gesetz über die Nationalgarde). Venedig (Suspension der Anschlußversammlung).

Französische Republik. Paris (die kleinen Journale. - Protestation gegen Polens Theilung. - Waffenrüstungen. - Gährungen in den Nationalwerkstätten).

Großbritannien. London (Englands Vorschläge in der deutsch-dänischen Angelegenheit von Dänemark zurückgewiesen. - Unterhaussitzung. - Privatbriefe in der City in Betreff Mexicos. - Großes Chartistenmeeting in Edinburg. - Fröhliche Aussicht für Weintrinker). Liverpool (die Chartisten in einem Reformmeeting). Oldham (White).

Amerika. Boston (Baumwollenindustrie in Lowell). Mexico (der Friedenskongreß).

Handelsnachrichten.

Amtliche Nachrichten.

Das 25ste Stuck der Gesetz-Sammlung, welches heute ausgegeben wird, enthält unter:

Nro. 2981. Den Vertrag zwischen den Staaten Preußen und Sachsen, die Herstellung einer Eisenbahn-Verbindung zwischen Berlin und Dresden betreffend; vom 6. März d. J.
Nro. 2982. den Allerhöchsten Erlaß, betreffend wie den Kreisständen des Kreises Heiligenstadt in Bezug auf den Bau und die künftige Unterhaltung der Straßen von Heiligenstadt nach Wannfried, von Udra nach Wahlhausen, von dieser Straße ab über Hohengandern bis zur hannoverschen Gränze und vom Beberberge bei Heiligenstadt über Günterode bis zur Gränze des Kreises Worbis bewilligten fiskalischen Vorrechte; vom 29. April d. J.
Nro. 2983. desgleichen vom 9. Mai d. J., betreffend die dem Aktien-Vereine zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt in Bezug auf den Bau und die Unterhaltung dieser Straße bewilligten fiskalischen Vorrechte;
Nro. 2984. die ministerielle Bekanntmachung vom 31. ejd. m. über die Allerhöchste Bestätigung des Statuts des Aktien-Vereins zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt;
Nro. 2985. das Allerhöchst vollzogene Statut für die städtische Bank in Breslau; vom 10. Juni d. J.
Nro. 2986. den Allerhöchsten Erlaß von demselben Tage über die Tagegelder und Fuhrkosten bei Dienstreisen der Staats-Beamten;
Nro. 2987. desgleichen vom 14. d. M., betreffend die Bewilligung von Wartegeldern an disponible Beamten; und
Nro. 2988. von demselben Tage, den Bau der Eisenbahn zwischen Berlin und der Provinz Preußen von dem Anschließungspunkte an der Stargard-Posener Eisenbahn un weit Driesen bis Dirschau betreffend.

Berlin, 23. Juni 1848.

Gesetz-Sammlung-Debits-Comtoir.

Deutschland.
* Köln, 24. Juni.

Durch telegraphische Depesche des Herrn Hansemann ist Herr Polizei-Direktor Müller schleunigst nach Berlin berufen werden.

** Köln, 24. Juni.

"Hält das Ansehen der Frankfurter Versammlung

Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
19 Köln, 23. Juni.

Die deutsche Nationalversammlung sitzt seit einigen Tagen zu Gericht über Leben und Lebensfähigkeit des Embryo's einer provisorischen Centralgewalt, der zarten Frucht Dahlmann'scher Biedermännlichkeit.

Niemand kann die Bedeutung dieses großen Moments verkennen. Hundert Redner, von denen in jeder Partei der Eine die Erklärungen des Andern wiederholt, haben in besonderer Hingebung an den Gegenstand, bereits das Wort verlangt; die Stimme des Propheten Gervinus hat aus den Wüsten der Professorenzeitung die "wesentlichen" Anlagen des Entwurfs verkündet, eine Entwicklung zu der künftigen definitiven "Reichsgewalt" vorzubereiten; endlich ist auch das Wohlgefallen der preußisch-bairisch-östreichischen Dreieinigkeit in Aussicht gestellt, da der Antrag vor Allem "den Regierungen keine Sorge einflößen", vielmehr grade "ihre Erfolge" durch Bekämpfung anarchischer Gewalt "sicher stellen will."

"Die Oechslein brüllten, das Kindlein schrie,
Die heil'gen drei Könige sangen;"

- es ist klar, daß wir uns an der Krippe des neuen Heilandes der Deutschen befinden.

"Der Kommissionsantrag", berichtet Herr Dahlmann, "will eine wirkliche Regierungsgewalt in die Hände von drei Männern des Vertrauens provisorisch niedergelegt wissen, und hat dessen kein Hehl."

Wie freundlich, wie angenehm uns der große Mann über den Charakter und das "System" des Zukünftigen aufklärt! Die Kommission, welche ihre "bloße Niedersetzung" als die "Erledigung eines tiefgefühlten Bedürfnisses" bezeichnet, hat keinen Hehl, daß sie eine "wirkliche Regierungsgewalt" in die Hände von drei Vertrauensmännern niederlegen will! Beruhigende Offenheit des Bedürfnißausschusses!

Die Anträge auf eine provisorische Centralgewalt waren bisher von der Nothwendigkeit eingegeben, daß die Nationalversammlung, sofern sie nicht leere Beschlüsse fassen solle, einer vollziehenden Gewalt oder eines Organs bedürfe, um ihre Beschlüsse in "Rechtskraft" zu setzen. Für Herrn Dahlmann aber handelt es nicht mehr um dieses, und er hat dessen kein Hehl. Er escamotirt die Revolution im Sinne der mittlerweile eingetretenen preußisch-russischen Reaktion, und verkündet, statt eines vollziehenden "Organs" der Nationalversammlung eine "wirkliche Regierungsgewalt". Das tiefgefühlte Bedürfniß ist erledigt.

Das Volk hat durch seine Revolution die alte Vertrauensherrschaft seiner bisherigen Regierungen gestürzt, und erwartete von der Versammlung die Sicherung seiner eigenen Souveränität. Für Herrn Dahlmann handelt es sich nicht mehr um dieses. Er erledigt das allgemeine Bedürfniß durch die Berufung eines neuen Vertrauensregimentes und "hat dessen kein Hehl!"

Ein Vertrauenstriumvirat! die Revolution für ein Vertrauenstriumvirat!

Die Vertrauenstrias hat die große Eigenschaft, daß sie "selbstredend" zu keiner Besorgniß Anlaß geben kann. Wäre es noch ein Vertrauensregiment, wenn man ihm Mißtrauen entgegen stellen dürfte? Der Bedürfnißausschuß hat die Richtigkeit dieser Logik erkannt, und er "hat dessen kein Hehl". Er weist die Bezeichnung der Vertrauensmänner den deutschen Regierungen, und der Versammlung die "einfache Genehmigung" durch Abstimmung ohne Diskussion zu. Das in dem Triumvirat verkörperte Vertrauen ist souverän, und nur in seinen Ministerorganen verantwortlich; schon die Schamhaftigkeit verbietet also die Vorzüge der Dreieinigen in geräuschvoller Diskussion zu proklamiren. Votiren wir also das Vertrauen!

Das Vertrauen ist die tiefgefühlte Nothdurft des gesammten Vaterlands. Das Triumvirat, welche die "Erfolge" der deutschen Regierungen durch Bekämpfung anarchischer Gewalt "sicherstellen," wird als "braver Mann" die Zöllnerfamilien aus dem Eisgang der Revolution retten, und

- Hoch klingt das Lied vom braven Mann,
Von Bassermann, Wippermann, Eisenmann.
** Köln, 24. Juni.

In der Vereinbarungssitzung vom 20.

Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
25 Berlin, 21. Juni.

Wir haben jetzt ein Provisorium in einem Provisorium. Herr Hansemann ist noch immer mit der Bildung des Ministeriums beauftragt; aber noch immer will sich Niemand

Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 25. Köln, Sonntag 25. Juni 1848.

Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen.

Alle Postämter Deutschlands nehmen Bestellungen an.

Für Frankreich übernehmen Abonnements Herr G. A. Alexandre, Nr. 28, Brandgasse in Straßburg, und 23, rue Notre Dame de Nazareth in Paris; so wie das königliche Ober-Post-Amt in Aachen. Für England die HH. J. J. Ewer & Comp. 72, Newgate Street in London. Für Belgien und Holland die respekt. königlichen Briefpost-Aemter und das Postbüreau zu Lüttich.

Abonnementspreis in Köln vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., in allen übrigen Orten Preußens 2 Thlr. 3 Sgr. 9 Pf. Außerhalb Preußens mit Zuschlag des fremden Zeitungsportos. Inserate: die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf.

Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.

Uebersicht.

Deutschland. Köln (Polizeidirektor Müller nach Berlin berufen. ‒ Drohung der Gervinuszeitung. ‒ Patows Ablösungsdenkschrift. ‒ Die Dahlmann'sche Dreieinigkeit). Berlin (Finanzkrisis. ‒ Berliner Reaktion und ihre neuen Organe. ‒ Minutoli. ‒ Der demokratische Klub). Potsdam (die Hofintriguen. ‒ Hansemann in Noth. ‒ Cabalen mit Rußland. ‒ Meyendorf). Breslau (preußische Gräuelthaten). Posen (Amnestirung der Polen in Rußland). Frankfurt (Sitzung der Nationalversammlung vom 21. Juni. ‒ Sitzung vom 22. Juni). Prag (neuere Nachrichten. ‒ Demokratischer Charakter des Aufstandes). Wien (Erzherzog Johann eröffnet den Reichstag. ‒ Bürgergarde und Militär marschirt gegen die Arbeiter). Triest (Standrecht. ‒ Verkehrsverluste).

Ungarn. Kaiserliche Proklamation an die Kroaten.

Italien. Turin (Anschlußakte der Lombardei). Bologna (Durando von der Bevölkerung Vicenzas zur Kapitulation gezwungen. ‒ Ein polnisches Bataillon wird im Kampfe für Italiens Sache Theilnehmer). Rom (Erklärung der Deputirtenkammer. ‒ Adreßkommission. ‒ Ferrari. ‒ Sbaretti). Civitavecchia (ein Theil der nach Calabrien gesandten Truppen zu den Insurgenten übergegangen. ‒ Messina bombardirt. ‒ Gleiches Schicksal Neapel wieder bevorstehend). Neapel (Gesetz über die Nationalgarde). Venedig (Suspension der Anschlußversammlung).

Französische Republik. Paris (die kleinen Journale. ‒ Protestation gegen Polens Theilung. ‒ Waffenrüstungen. ‒ Gährungen in den Nationalwerkstätten).

Großbritannien. London (Englands Vorschläge in der deutsch-dänischen Angelegenheit von Dänemark zurückgewiesen. ‒ Unterhaussitzung. ‒ Privatbriefe in der City in Betreff Mexicos. ‒ Großes Chartistenmeeting in Edinburg. ‒ Fröhliche Aussicht für Weintrinker). Liverpool (die Chartisten in einem Reformmeeting). Oldham (White).

Amerika. Boston (Baumwollenindustrie in Lowell). Mexico (der Friedenskongreß).

Handelsnachrichten.

Amtliche Nachrichten.

Das 25ste Stuck der Gesetz-Sammlung, welches heute ausgegeben wird, enthält unter:

Nro. 2981. Den Vertrag zwischen den Staaten Preußen und Sachsen, die Herstellung einer Eisenbahn-Verbindung zwischen Berlin und Dresden betreffend; vom 6. März d. J.
Nro. 2982. den Allerhöchsten Erlaß, betreffend wie den Kreisständen des Kreises Heiligenstadt in Bezug auf den Bau und die künftige Unterhaltung der Straßen von Heiligenstadt nach Wannfried, von Udra nach Wahlhausen, von dieser Straße ab über Hohengandern bis zur hannoverschen Gränze und vom Beberberge bei Heiligenstadt über Günterode bis zur Gränze des Kreises Worbis bewilligten fiskalischen Vorrechte; vom 29. April d. J.
Nro. 2983. desgleichen vom 9. Mai d. J., betreffend die dem Aktien-Vereine zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt in Bezug auf den Bau und die Unterhaltung dieser Straße bewilligten fiskalischen Vorrechte;
Nro. 2984. die ministerielle Bekanntmachung vom 31. ejd. m. über die Allerhöchste Bestätigung des Statuts des Aktien-Vereins zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt;
Nro. 2985. das Allerhöchst vollzogene Statut für die städtische Bank in Breslau; vom 10. Juni d. J.
Nro. 2986. den Allerhöchsten Erlaß von demselben Tage über die Tagegelder und Fuhrkosten bei Dienstreisen der Staats-Beamten;
Nro. 2987. desgleichen vom 14. d. M., betreffend die Bewilligung von Wartegeldern an disponible Beamten; und
Nro. 2988. von demselben Tage, den Bau der Eisenbahn zwischen Berlin und der Provinz Preußen von dem Anschließungspunkte an der Stargard-Posener Eisenbahn un weit Driesen bis Dirschau betreffend.

Berlin, 23. Juni 1848.

Gesetz-Sammlung-Debits-Comtoir.

Deutschland.
* Köln, 24. Juni.

Durch telegraphische Depesche des Herrn Hansemann ist Herr Polizei-Direktor Müller schleunigst nach Berlin berufen werden.

** Köln, 24. Juni.

„Hält das Ansehen der Frankfurter Versammlung

Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
19 Köln, 23. Juni.

Die deutsche Nationalversammlung sitzt seit einigen Tagen zu Gericht über Leben und Lebensfähigkeit des Embryo's einer provisorischen Centralgewalt, der zarten Frucht Dahlmann'scher Biedermännlichkeit.

Niemand kann die Bedeutung dieses großen Moments verkennen. Hundert Redner, von denen in jeder Partei der Eine die Erklärungen des Andern wiederholt, haben in besonderer Hingebung an den Gegenstand, bereits das Wort verlangt; die Stimme des Propheten Gervinus hat aus den Wüsten der Professorenzeitung die „wesentlichen“ Anlagen des Entwurfs verkündet, eine Entwicklung zu der künftigen definitiven „Reichsgewalt“ vorzubereiten; endlich ist auch das Wohlgefallen der preußisch-bairisch-östreichischen Dreieinigkeit in Aussicht gestellt, da der Antrag vor Allem „den Regierungen keine Sorge einflößen“, vielmehr grade „ihre Erfolge“ durch Bekämpfung anarchischer Gewalt „sicher stellen will.“

„Die Oechslein brüllten, das Kindlein schrie,
Die heil'gen drei Könige sangen;“

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„Der Kommissionsantrag“, berichtet Herr Dahlmann, „will eine wirkliche Regierungsgewalt in die Hände von drei Männern des Vertrauens provisorisch niedergelegt wissen, und hat dessen kein Hehl.“

Wie freundlich, wie angenehm uns der große Mann über den Charakter und das „System“ des Zukünftigen aufklärt! Die Kommission, welche ihre „bloße Niedersetzung“ als die „Erledigung eines tiefgefühlten Bedürfnisses“ bezeichnet, hat keinen Hehl, daß sie eine „wirkliche Regierungsgewalt“ in die Hände von drei Vertrauensmännern niederlegen will! Beruhigende Offenheit des Bedürfnißausschusses!

Die Anträge auf eine provisorische Centralgewalt waren bisher von der Nothwendigkeit eingegeben, daß die Nationalversammlung, sofern sie nicht leere Beschlüsse fassen solle, einer vollziehenden Gewalt oder eines Organs bedürfe, um ihre Beschlüsse in „Rechtskraft“ zu setzen. Für Herrn Dahlmann aber handelt es nicht mehr um dieses, und er hat dessen kein Hehl. Er escamotirt die Revolution im Sinne der mittlerweile eingetretenen preußisch-russischen Reaktion, und verkündet, statt eines vollziehenden „Organs“ der Nationalversammlung eine „wirkliche Regierungsgewalt“. Das tiefgefühlte Bedürfniß ist erledigt.

Das Volk hat durch seine Revolution die alte Vertrauensherrschaft seiner bisherigen Regierungen gestürzt, und erwartete von der Versammlung die Sicherung seiner eigenen Souveränität. Für Herrn Dahlmann handelt es sich nicht mehr um dieses. Er erledigt das allgemeine Bedürfniß durch die Berufung eines neuen Vertrauensregimentes und „hat dessen kein Hehl!“

Ein Vertrauenstriumvirat! die Revolution für ein Vertrauenstriumvirat!

Die Vertrauenstrias hat die große Eigenschaft, daß sie „selbstredend“ zu keiner Besorgniß Anlaß geben kann. Wäre es noch ein Vertrauensregiment, wenn man ihm Mißtrauen entgegen stellen dürfte? Der Bedürfnißausschuß hat die Richtigkeit dieser Logik erkannt, und er „hat dessen kein Hehl“. Er weist die Bezeichnung der Vertrauensmänner den deutschen Regierungen, und der Versammlung die „einfache Genehmigung“ durch Abstimmung ohne Diskussion zu. Das in dem Triumvirat verkörperte Vertrauen ist souverän, und nur in seinen Ministerorganen verantwortlich; schon die Schamhaftigkeit verbietet also die Vorzüge der Dreieinigen in geräuschvoller Diskussion zu proklamiren. Votiren wir also das Vertrauen!

Das Vertrauen ist die tiefgefühlte Nothdurft des gesammten Vaterlands. Das Triumvirat, welche die „Erfolge“ der deutschen Regierungen durch Bekämpfung anarchischer Gewalt „sicherstellen,“ wird als „braver Mann“ die Zöllnerfamilien aus dem Eisgang der Revolution retten, und

‒ Hoch klingt das Lied vom braven Mann,
Von Bassermann, Wippermann, Eisenmann.
** Köln, 24. Juni.

In der Vereinbarungssitzung vom 20.

Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
25 Berlin, 21. Juni.

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          <p>Durch telegraphische Depesche des Herrn Hansemann ist Herr Polizei-Direktor                         Müller schleunigst nach Berlin berufen werden.</p>
        </div>
        <div xml:id="ar025_003_c" type="jArticle">
          <note type="editorial">Edition: <bibl>Karl Marx: Drohung der Gervinus-Zeitung. In: MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/7. S. 168.</bibl></note>
          <head><bibl><author>**</author></bibl> Köln, 24. Juni.</head>
          <p>&#x201E;Hält das Ansehen der Frankfurter Versammlung</p>
          <gap reason="copyright"/>
        </div>
        <div xml:id="ar025_004" type="jArticle">
          <head><bibl><author>19</author></bibl> Köln, 23. Juni.</head>
          <p>Die deutsche Nationalversammlung sitzt seit einigen Tagen zu Gericht über                         Leben und Lebensfähigkeit des Embryo's einer provisorischen Centralgewalt,                         der zarten Frucht Dahlmann'scher Biedermännlichkeit.</p>
          <p>Niemand kann die Bedeutung dieses großen Moments verkennen. Hundert Redner,                         von denen in jeder Partei der Eine die Erklärungen des Andern wiederholt,                         haben in besonderer Hingebung an den Gegenstand, bereits das Wort verlangt;                         die Stimme des Propheten Gervinus hat aus den Wüsten der Professorenzeitung                         die &#x201E;wesentlichen&#x201C; Anlagen des Entwurfs verkündet, eine Entwicklung zu der                         künftigen definitiven &#x201E;Reichsgewalt&#x201C; vorzubereiten; endlich ist auch das                         Wohlgefallen der preußisch-bairisch-östreichischen Dreieinigkeit in Aussicht                         gestellt, da der Antrag vor Allem &#x201E;den Regierungen keine Sorge einflößen&#x201C;,                         vielmehr grade &#x201E;ihre Erfolge&#x201C; durch Bekämpfung anarchischer Gewalt &#x201E;sicher                         stellen will.&#x201C;</p>
          <lg type="poem">
            <l>&#x201E;Die Oechslein brüllten, das Kindlein schrie,</l><lb/>
            <l>Die heil'gen drei                             Könige sangen;&#x201C;</l><lb/>
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          <p>&#x2012; es ist klar, daß wir uns an der Krippe des neuen Heilandes der Deutschen                         befinden.</p>
          <p>&#x201E;Der Kommissionsantrag&#x201C;, berichtet Herr Dahlmann, &#x201E;will eine wirkliche                         Regierungsgewalt in die Hände von drei Männern des Vertrauens provisorisch                         niedergelegt wissen, und hat dessen kein Hehl.&#x201C;</p>
          <p>Wie freundlich, wie angenehm uns der große Mann über den Charakter und das                         &#x201E;System&#x201C; des Zukünftigen aufklärt! Die Kommission, welche ihre &#x201E;bloße                         Niedersetzung&#x201C; als die &#x201E;Erledigung eines tiefgefühlten Bedürfnisses&#x201C;                         bezeichnet, <hi rendition="#g">hat keinen Hehl,</hi> daß sie eine &#x201E;wirkliche                         Regierungsgewalt&#x201C; in die Hände von drei Vertrauensmännern niederlegen will!                         Beruhigende Offenheit des Bedürfnißausschusses!</p>
          <p>Die Anträge auf eine provisorische Centralgewalt waren bisher von der                         Nothwendigkeit eingegeben, daß die Nationalversammlung, sofern sie nicht                         leere Beschlüsse fassen solle, einer vollziehenden Gewalt oder eines Organs                         bedürfe, um ihre Beschlüsse in &#x201E;Rechtskraft&#x201C; zu setzen. Für Herrn Dahlmann                         aber handelt es nicht mehr um dieses, und er hat dessen kein Hehl. Er                         escamotirt die Revolution im Sinne der mittlerweile eingetretenen                         preußisch-russischen Reaktion, und verkündet, statt eines vollziehenden                         &#x201E;Organs&#x201C; der Nationalversammlung eine &#x201E;wirkliche Regierungsgewalt&#x201C;. Das                         tiefgefühlte Bedürfniß ist erledigt.</p>
          <p>Das Volk hat durch seine Revolution die alte Vertrauensherrschaft seiner                         bisherigen Regierungen gestürzt, und erwartete von der Versammlung die                         Sicherung seiner eigenen Souveränität. Für Herrn Dahlmann handelt es sich                         nicht mehr um dieses. Er erledigt das allgemeine Bedürfniß durch die                         Berufung eines neuen Vertrauensregimentes und &#x201E;hat dessen kein Hehl!&#x201C;</p>
          <p>Ein Vertrauenstriumvirat! die Revolution für ein Vertrauenstriumvirat!</p>
          <p>Die Vertrauenstrias hat die große Eigenschaft, daß sie &#x201E;selbstredend&#x201C; zu                         keiner Besorgniß Anlaß geben kann. Wäre es noch ein Vertrauensregiment, wenn                         man ihm Mißtrauen entgegen stellen dürfte? Der Bedürfnißausschuß hat die                         Richtigkeit dieser Logik erkannt, und er &#x201E;hat dessen kein Hehl&#x201C;. Er weist                         die Bezeichnung der Vertrauensmänner den deutschen Regierungen, und der                         Versammlung die &#x201E;einfache Genehmigung&#x201C; durch Abstimmung ohne Diskussion zu.                         Das in dem Triumvirat verkörperte Vertrauen ist souverän, und nur in seinen                         Ministerorganen verantwortlich; schon die Schamhaftigkeit verbietet also die                         Vorzüge der Dreieinigen in geräuschvoller Diskussion zu proklamiren. Votiren                         wir also das Vertrauen!</p>
          <p>Das Vertrauen ist die tiefgefühlte Nothdurft des gesammten Vaterlands. Das                         Triumvirat, welche die &#x201E;Erfolge&#x201C; der deutschen Regierungen durch Bekämpfung                         anarchischer Gewalt &#x201E;sicherstellen,&#x201C; wird als &#x201E;braver Mann&#x201C; die                         Zöllnerfamilien aus dem Eisgang der Revolution retten, und</p>
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            <l>&#x2012; Hoch klingt das Lied vom braven Mann,</l><lb/>
            <l>Von Bassermann, Wippermann, Eisenmann.</l><lb/>
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          <note type="editorial">Edition: <bibl>Karl Marx/Friedrich Engels: Patows Ablösungsdenkschrift. In: MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/7. S. 170.</bibl></note>
          <head><bibl><author>**</author></bibl> Köln, 24. Juni.</head>
          <p>In der Vereinbarungssitzung vom 20.</p>
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          <head><bibl><author>25</author></bibl> Berlin, 21. Juni.</head>
          <p>Wir haben jetzt ein Provisorium in einem Provisorium. Herr Hansemann ist noch                         immer mit der Bildung des Ministeriums beauftragt; aber noch immer will sich                         Niemand
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[0113/0001] Neue Rheinische Zeitung.Organ der Demokratie.No. 25. Köln, Sonntag 25. Juni 1848. Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen. Alle Postämter Deutschlands nehmen Bestellungen an. Für Frankreich übernehmen Abonnements Herr G. A. Alexandre, Nr. 28, Brandgasse in Straßburg, und 23, rue Notre Dame de Nazareth in Paris; so wie das königliche Ober-Post-Amt in Aachen. Für England die HH. J. J. Ewer & Comp. 72, Newgate Street in London. Für Belgien und Holland die respekt. königlichen Briefpost-Aemter und das Postbüreau zu Lüttich. Abonnementspreis in Köln vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., in allen übrigen Orten Preußens 2 Thlr. 3 Sgr. 9 Pf. Außerhalb Preußens mit Zuschlag des fremden Zeitungsportos. Inserate: die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf. Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung. Uebersicht. Deutschland. Köln (Polizeidirektor Müller nach Berlin berufen. ‒ Drohung der Gervinuszeitung. ‒ Patows Ablösungsdenkschrift. ‒ Die Dahlmann'sche Dreieinigkeit). Berlin (Finanzkrisis. ‒ Berliner Reaktion und ihre neuen Organe. ‒ Minutoli. ‒ Der demokratische Klub). Potsdam (die Hofintriguen. ‒ Hansemann in Noth. ‒ Cabalen mit Rußland. ‒ Meyendorf). Breslau (preußische Gräuelthaten). Posen (Amnestirung der Polen in Rußland). Frankfurt (Sitzung der Nationalversammlung vom 21. Juni. ‒ Sitzung vom 22. Juni). Prag (neuere Nachrichten. ‒ Demokratischer Charakter des Aufstandes). Wien (Erzherzog Johann eröffnet den Reichstag. ‒ Bürgergarde und Militär marschirt gegen die Arbeiter). Triest (Standrecht. ‒ Verkehrsverluste). Ungarn. Kaiserliche Proklamation an die Kroaten. Italien. Turin (Anschlußakte der Lombardei). Bologna (Durando von der Bevölkerung Vicenzas zur Kapitulation gezwungen. ‒ Ein polnisches Bataillon wird im Kampfe für Italiens Sache Theilnehmer). Rom (Erklärung der Deputirtenkammer. ‒ Adreßkommission. ‒ Ferrari. ‒ Sbaretti). Civitavecchia (ein Theil der nach Calabrien gesandten Truppen zu den Insurgenten übergegangen. ‒ Messina bombardirt. ‒ Gleiches Schicksal Neapel wieder bevorstehend). Neapel (Gesetz über die Nationalgarde). Venedig (Suspension der Anschlußversammlung). Französische Republik. Paris (die kleinen Journale. ‒ Protestation gegen Polens Theilung. ‒ Waffenrüstungen. ‒ Gährungen in den Nationalwerkstätten). Großbritannien. London (Englands Vorschläge in der deutsch-dänischen Angelegenheit von Dänemark zurückgewiesen. ‒ Unterhaussitzung. ‒ Privatbriefe in der City in Betreff Mexicos. ‒ Großes Chartistenmeeting in Edinburg. ‒ Fröhliche Aussicht für Weintrinker). Liverpool (die Chartisten in einem Reformmeeting). Oldham (White). Amerika. Boston (Baumwollenindustrie in Lowell). Mexico (der Friedenskongreß). Handelsnachrichten. Amtliche Nachrichten. Das 25ste Stuck der Gesetz-Sammlung, welches heute ausgegeben wird, enthält unter: Nro. 2981. Den Vertrag zwischen den Staaten Preußen und Sachsen, die Herstellung einer Eisenbahn-Verbindung zwischen Berlin und Dresden betreffend; vom 6. März d. J. Nro. 2982. den Allerhöchsten Erlaß, betreffend wie den Kreisständen des Kreises Heiligenstadt in Bezug auf den Bau und die künftige Unterhaltung der Straßen von Heiligenstadt nach Wannfried, von Udra nach Wahlhausen, von dieser Straße ab über Hohengandern bis zur hannoverschen Gränze und vom Beberberge bei Heiligenstadt über Günterode bis zur Gränze des Kreises Worbis bewilligten fiskalischen Vorrechte; vom 29. April d. J. Nro. 2983. desgleichen vom 9. Mai d. J., betreffend die dem Aktien-Vereine zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt in Bezug auf den Bau und die Unterhaltung dieser Straße bewilligten fiskalischen Vorrechte; Nro. 2984. die ministerielle Bekanntmachung vom 31. ejd. m. über die Allerhöchste Bestätigung des Statuts des Aktien-Vereins zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt; Nro. 2985. das Allerhöchst vollzogene Statut für die städtische Bank in Breslau; vom 10. Juni d. J. Nro. 2986. den Allerhöchsten Erlaß von demselben Tage über die Tagegelder und Fuhrkosten bei Dienstreisen der Staats-Beamten; Nro. 2987. desgleichen vom 14. d. M., betreffend die Bewilligung von Wartegeldern an disponible Beamten; und Nro. 2988. von demselben Tage, den Bau der Eisenbahn zwischen Berlin und der Provinz Preußen von dem Anschließungspunkte an der Stargard-Posener Eisenbahn un weit Driesen bis Dirschau betreffend. Berlin, 23. Juni 1848. Gesetz-Sammlung-Debits-Comtoir. Deutschland. * Köln, 24. Juni. Durch telegraphische Depesche des Herrn Hansemann ist Herr Polizei-Direktor Müller schleunigst nach Berlin berufen werden. ** Köln, 24. Juni. „Hält das Ansehen der Frankfurter Versammlung _ 19 Köln, 23. Juni. Die deutsche Nationalversammlung sitzt seit einigen Tagen zu Gericht über Leben und Lebensfähigkeit des Embryo's einer provisorischen Centralgewalt, der zarten Frucht Dahlmann'scher Biedermännlichkeit. Niemand kann die Bedeutung dieses großen Moments verkennen. Hundert Redner, von denen in jeder Partei der Eine die Erklärungen des Andern wiederholt, haben in besonderer Hingebung an den Gegenstand, bereits das Wort verlangt; die Stimme des Propheten Gervinus hat aus den Wüsten der Professorenzeitung die „wesentlichen“ Anlagen des Entwurfs verkündet, eine Entwicklung zu der künftigen definitiven „Reichsgewalt“ vorzubereiten; endlich ist auch das Wohlgefallen der preußisch-bairisch-östreichischen Dreieinigkeit in Aussicht gestellt, da der Antrag vor Allem „den Regierungen keine Sorge einflößen“, vielmehr grade „ihre Erfolge“ durch Bekämpfung anarchischer Gewalt „sicher stellen will.“ „Die Oechslein brüllten, das Kindlein schrie, Die heil'gen drei Könige sangen;“ ‒ es ist klar, daß wir uns an der Krippe des neuen Heilandes der Deutschen befinden. „Der Kommissionsantrag“, berichtet Herr Dahlmann, „will eine wirkliche Regierungsgewalt in die Hände von drei Männern des Vertrauens provisorisch niedergelegt wissen, und hat dessen kein Hehl.“ Wie freundlich, wie angenehm uns der große Mann über den Charakter und das „System“ des Zukünftigen aufklärt! Die Kommission, welche ihre „bloße Niedersetzung“ als die „Erledigung eines tiefgefühlten Bedürfnisses“ bezeichnet, hat keinen Hehl, daß sie eine „wirkliche Regierungsgewalt“ in die Hände von drei Vertrauensmännern niederlegen will! Beruhigende Offenheit des Bedürfnißausschusses! Die Anträge auf eine provisorische Centralgewalt waren bisher von der Nothwendigkeit eingegeben, daß die Nationalversammlung, sofern sie nicht leere Beschlüsse fassen solle, einer vollziehenden Gewalt oder eines Organs bedürfe, um ihre Beschlüsse in „Rechtskraft“ zu setzen. Für Herrn Dahlmann aber handelt es nicht mehr um dieses, und er hat dessen kein Hehl. Er escamotirt die Revolution im Sinne der mittlerweile eingetretenen preußisch-russischen Reaktion, und verkündet, statt eines vollziehenden „Organs“ der Nationalversammlung eine „wirkliche Regierungsgewalt“. Das tiefgefühlte Bedürfniß ist erledigt. Das Volk hat durch seine Revolution die alte Vertrauensherrschaft seiner bisherigen Regierungen gestürzt, und erwartete von der Versammlung die Sicherung seiner eigenen Souveränität. Für Herrn Dahlmann handelt es sich nicht mehr um dieses. Er erledigt das allgemeine Bedürfniß durch die Berufung eines neuen Vertrauensregimentes und „hat dessen kein Hehl!“ Ein Vertrauenstriumvirat! die Revolution für ein Vertrauenstriumvirat! Die Vertrauenstrias hat die große Eigenschaft, daß sie „selbstredend“ zu keiner Besorgniß Anlaß geben kann. Wäre es noch ein Vertrauensregiment, wenn man ihm Mißtrauen entgegen stellen dürfte? Der Bedürfnißausschuß hat die Richtigkeit dieser Logik erkannt, und er „hat dessen kein Hehl“. Er weist die Bezeichnung der Vertrauensmänner den deutschen Regierungen, und der Versammlung die „einfache Genehmigung“ durch Abstimmung ohne Diskussion zu. Das in dem Triumvirat verkörperte Vertrauen ist souverän, und nur in seinen Ministerorganen verantwortlich; schon die Schamhaftigkeit verbietet also die Vorzüge der Dreieinigen in geräuschvoller Diskussion zu proklamiren. Votiren wir also das Vertrauen! Das Vertrauen ist die tiefgefühlte Nothdurft des gesammten Vaterlands. Das Triumvirat, welche die „Erfolge“ der deutschen Regierungen durch Bekämpfung anarchischer Gewalt „sicherstellen,“ wird als „braver Mann“ die Zöllnerfamilien aus dem Eisgang der Revolution retten, und ‒ Hoch klingt das Lied vom braven Mann, Von Bassermann, Wippermann, Eisenmann. ** Köln, 24. Juni. In der Vereinbarungssitzung vom 20. _ 25 Berlin, 21. Juni. Wir haben jetzt ein Provisorium in einem Provisorium. Herr Hansemann ist noch immer mit der Bildung des Ministeriums beauftragt; aber noch immer will sich Niemand

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Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Marx-Engels-Gesamtausgabe: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-20T13:08:10Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jürgen Herres: Konvertierung TUSTEP nach XML (2017-03-20T13:08:10Z)
Maria Ermakova, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Frank Wiegand: Konvertierung XML nach DTA-Basisformat (2017-03-20T13:08:10Z)

Weitere Informationen:

Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 1 (Nummer 1 bis Nummer 183) Köln, 1. Juni 1848 bis 31. Dezember 1848. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 25. Köln, 25. Juni 1848, S. 0113. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz025_1848/1>, abgerufen am 18.09.2019.