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Mährisches Tagblatt. Nr. 199, Olmütz, 01.09.1891.

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[Spaltenumbruch] Wasser zurückzustoßen, sank aber plötzlich selbst
unter, und Angela konnte aus Ufer gelangen.
Die beiden andern Kinder ertranken. Als Motiv
der entsetzlichen That wird angegeben, daß
Nawratil sich in großer Noth befand und am
1. September delogirt werden sollte. In welcher
Weise Nawratil die That ausführte, das erzählt
die am Leben gebliebene Angela Nawratil, ein
frisches blondes Mädchen, welches in einer deut-
schen Brünner Mädchenvolksschule eine ganz
treffliche Ausbildung erfahren hat und die, be-
gleitet von einer Verwandten, gestern im Re-
dactionslocale des "Tagesboten aus Mähren"
erschien, nachstehend: "Der Vater sagte gestern
Nachmittag: "Kommt Kinder, ich werde Euch in
das Gasthaus nach Hussowitz führen." Wir
trafen dort nach fünf Uhr ein. Als wir zum
Zwittawafluß kamen und zwar zu jener Stelle,
wo das Wehr ist und ein Steg über den Fluß
führt, sagte der Vater: "Wir werden nicht hin-
über gehen; die Ritschi könnte ins Wasser fallen.
Setzen wir uns hier nieder; ins Gasthaus
können wir ohnehin nicht gehen, da ich kein
Geld habe." Wir setzten uns alle am Ufer
nieder. Unweit von uns fischte ein Soldat, und
ein Knabe lag am Ufer im Grase. Der Soldat
entfernte sich beiläusig nach 6 Uhr, der Knabe
war anscheinend eingeschlafen. Gegen 7 Uhr ging
der Vater zu dem fremden Knaben und sagte
ihm, er möge nach Hause gehen, weil es sonst
spät werde. Später aber sagte ihm der Vater,
er möge warten, bis wir gehen. Der fremde
Knabe aber erwiderte, er müsse schon gehen, da
um 9 Uhr Abends das Hausthor bereits gesperrt
werde. Darauf ging der Knabe weg. Mein
Vater sagte: "Nun werden wir uns auch lang-
sam zusammenpacken." Ich trug die Ritschi und
der Vater den Victor. Mein Vater trat nun auf
den Steg des Wehres und sagte zu mir: "Schau,
der Soldat hat die Fische vergesseu." Ich ging
nun auch auf den Wehrsteg und mein Vater
sagte: "Siehst Du auch die Fische?" Ich ant-
wortete Nein, worauf mich der Vater bei dem
Kopfe nahm und denselben so herunterdrückte,
daß ich mit der Ritschi ins Wasser fiel. Dabei
verlor ich meine Schwester aus den Händen.
Der Vater sprang nun mit Victor nach; ich
glaubte, um mich retten zu wollen. Ich hatte
einstweilen einen Balken ergriffen, an dem ich
mich hielt, so daß ich den Kopf über dem Wasser
hatte und rief dem Vater zu: "Ich habe einen
Balken gefunden, hier können wir uns retten."
Der Vater kam auch auf mich zu, suchte aber
mich unter das Wasser zu bringen. Er tauchte
mir auch zweimal den Kopf unter das Wasser.
Ich hielt mich aber an dem Balken fest und der
Vater verlor die Kraft und sank unter. Nach-
dem ich länger als eine Viertelstunde im
Wasser gewesen war, kam ich ans Ufer. Ich
ging wie betäubt in die nächste Straße und als
ich Leute traf, rief ich deren Hilfe an." So die
Erzählung des armen Mädchens.

(Umlegung der Niveau-Uebersetzung
der Bahnstrecke Hohenstadt--Zöptau.)

Ueber
Ansuchen der k. k. Generaldirection der öster-
reichischen Staatsbahnen um Vornahme der poli-
tischen Begehung, beziehungsweise der Enteignungs-
Verhandlung rücksichtlich der projectirten Umlegung
der Niveau-Uebersetzung der Bahnstrecke Hohen-
stadt--Zöptau im Gebiete der Stadt Hohenstadt
werden die Projects- und Enteignungsbehelfe in
der Gemeindekanzlei zu Hohenstadt vom 1. bis
14. September zur öffentlichen Einsichtnahme auf-
liegen und es kann jeder Betheiligte bis 15. Sep-
tember um 5 Uhr Nachmittags seine Einwen-
dungen gegen die Enteignung mündlich oder
schriftlich bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft in
Hohenstadt verbringen.




Vom Tage.
(Aristokratische Vermählung.)

Gestern
Vormittags um halb 11 Uhr fand in der Votiv-
kirche zu Wien die Vermählung des Fürsten und
Altgrafen Hugo Leopold zu Salm-Reiffer-
scheidt,
Kämmerers, erblichen Mitgliedes des
österreichischen Herrenhauses, mit Eleonore Reichs-
gräfin von Sternberg statt, Tochter des
Geheimen Rathes und Kämmerers G. d. C.
Leopold Reichsgrafen v. Sternberg und weiland
der Reichsgräfin Louise, geborene Prinzessin
zu Hohenlohe Bartenstein-Jagstberg. Der Trau-
ungsceremonie, die Probstpfarrer Dr. Marschall
[Spaltenumbruch] vollzog, wohnten außer den Mitgliedern der
Familien bei: der deutsche Botschafter Prinz
Reuß und Gemahlin, der Corps-Commandant
FML. Prinz Croy, Fürst und Fürstin Arenberg,
Graf und Gräfin Ermin Schönborn, der Ober-
hofmeister des Erzherzogs Carl Ludwig, Graf
Pejacsevich, Landmarschall Graf Kinsky und Ge-
mahlin, Garde-Oberlieutenant Graf Rudolph
Kinsky, Graf Amadei, Otto Graf Abensberg-
berg-Traun, Graf Mitrowsky, Graf Mensdorff
und andere Aristokraten.

(Zum Morde in der Sandwirtgasse.)

Samstag hat sich eine Commission, bestehend
aus Vertretern des Wiener Magistrates, der
Polizeidirection und der Schuller'schen Fabrik, in
die Wohnung des ermordeten Ehepaares Emeder
begeben. Die seinerzeit an die Thüre gelegten
Siegel wurden abgenommen und die Commission
inventirte den Nachlaß der Hausbesorgersleute.
Die Effecten wurden dann in Obhut des Magistrates
gegeben. Hiebei fand ein bisher dunkler Umstand
Aufklärung. Jahn sprach bekanntlich von zwei
Schüssen, die der Mörder auf ihn abgegeben,
während nur der eine, der traf, erwiesen werden
konnte. Nun fand sich wirklich die zweite Kugel.
Als man das Bett, in welchem in der kritischen
Nacht Jahn und Baumgartner schliefen, und
überfallen wurden, auseinander nahm, fand der
anwesende Polizeicommissär an dem vorderen
langen Brette des Gestelles, bisher durch ein bei
dieser Manipulation abfallendes Stückchen eines
Fourniers verdeckt, einen Schußkanal im Holze.
Am Ende der kaum auffälligen Rinne steckte das
Projectil. Bei wiederholtem Durchsuchen des
Bettes wurde dies bisher nicht entdeckt, weil das
Fournier über dem Loche lag. Dieser Theil des
Bettes wurde dem Landesgerichte übergeben. Für
die Schuld der Sträflinge Liedl und Zahradnik,
die aus Göllersdorf bei der Wildbachverbauung
entwichen sind, spricht bisher nichts. Zahradnik
ist beim Kreisgerichte St. Pölten in Haft, Liedl
bisher noch nicht ausgeforscht.




Telegramme
des "Mährischen Tagblattes."
Lehrer-Ernennungen.

(Priv.-Tel. d. "M.
Tagbl.")

Dem Professor Alois Machatschek
vom Nikolsburger Staatsgymnasium wurde die
Stelle eines Professors an der Olmützer Staats-
oberrealschule verliehen. -- Der Supplent Leopold
Erb von der Staatsrealschule in Steyr, wurde
zum wirklichen Lehrer an der Olmützer Staats-
oberrealschule ernannt. -- Der Supplent Adolf
Mitschanik vom slavischen Staatsobergym-
nasium in Olmütz wurde zum Lehrer am slavi-
schen Staatsobergymnasium in Brünn ernannt.

(Priv.-Telegr. des
"Mähr. Tagbl.")

Das "Neue Wiener Tagblatt"
meldet, daß Ritter von Schmerling
Ende October das Präsidium des Ober-
sten Gerichtshofes
sowie die Stelle eines
Curators am Theresianum niederzu-
legen beabsichtige. Den letztgenannten Posten
soll der Unterrichtsminister Freiherr v. Gautsch
erhalten, wogegen der jetzige Vicepräsident
des Obersten Gerichtshofes Dr. v. Stremayer
Präsident desselben werden soll.

(Priv.-Telegr. des
"Mähr. Tagbl.")

Nach Petersburger Mittheilun-
gen erscheint auch für den Fall, daß der russische
Minister des Aeußern, Herr v. Giers aus
seinem Amte scheiden sollte, die Berufung des
derzeitigen Botschafters in Paris, Baron
Mohrenbeim auf diesen Ministerposten als aus-
geschlossen.

Der Wiener Saatenmarkt.

(Privat-Telgr. des
"Mähr. Tagbl.")

Das Geschäft welches sich am
Saatenmarkt entwickelt, entspricht nicht dem zahl-
reiche Besuche des Marktes. Weder in Weizen
noch in Roggen kamen namhafte Umsätze vor.
In Gerste kam es zu belangreichen Ab-
schlüssen, da sowol seitens des Inlandes
als auch für den Export rege Nachfrage bestand.
Bemerkenswerth ist der Absatz von Futterar-
tikeln
der Müllerei nach Deutschland und die
feste Haltung der Preise für Mais. Für
[Spaltenumbruch] Roggen treten Käufer aus Sachsen, Preußen,
Böhmen und Mähren auf.

(Vom Correspondenz-Burean.)

Die Erbprinzessin
von Hohenzollern wurde gestern in Heiligendamm
von zwei Prinzen entbunden.

Die Kronprinzessin
ist seit einigen Tagen in Folge eines von Fieber-
erscheinungen begleiteten Brustkatarrhs gezwungen,
das Bett zu hüten. Samstag war das Fieber
behoben, doch stellte sich Stickhusten ein. Man
glaubt, daß der Zustand der Kronprinzessin kein
gefährlicher ist.

Der österr.-ungar.
Geschäftsträger Markgraf Pallavicini hat heute
im Auftrage seiner Regierung der serbischen
Regierung den Dank Sr. Majestät des Kaisers
für deren anläßlich des Allerhöchsten Geburts-
festen übermittelte Glückwünsche ausgesprochen.

Heute als am Jahres-
tage der Thronbesteigung des Sultans Abdul
Hamid statteten der Generalsecretär des auswär-
tigen Amtes Panajotow in Abwesenheit des Mi-
nisters des Aeußern, sowie die Vertreter der
fremden Mächte, wie alljährlich, dem Leiter des
kaiserlich ottomanischen Commissariates ihre Be-
suche ab.

Die "Agence Balca-
nique" bezeichnet die von mehreren Journalen
verbreitete Nachricht, daß im Schoße des Cabi-
netes Meinungsverschiedenheiten entstanden seien
und daß der Justizminister Tontschew seine De-
mission angedroht habe, als vollkommen unbe-
gründet und als eine böswillige Erfindung.

Der deutsche Katholikentag.

Der deutsche Katho-
likentag wurde heute hier eröffnet, nachdem schon
gestern Abend eine Begrüßungsfeier stattgefunden
hatte, bei welcher Bürgermeister Baumbach Na-
mens der Stadt die Versammlung willkommen
hieß und dem Wunsche Ausdruck gab, daß die
Verhandlungen in dem hier herrschenden Geiste
der Toleranz geführt werden mögen. In der
heutigen Sitzung wurde Graf Rechberg-Rothen-
löwen zum Präsidenten gewählt. Graf Kwilecki
verlas ein päpstliches Schreiben, durch welches
der Versammlung der apostolische Segen ertheilt
wird. Dieses Schreiben wurde mit einem Tele-
gramme beantwortet. Sodann wurde zur Bildung
der Sectionen geschritten. Unter den Anwesenden
befanden sich Bischof Redner von Kulm, die
Abgeordneten Freih. v. Schorlemer, Heerema[nn],
Graf Ballestrem, ferner Fürst Löwenstein, Prinz
Salm-Salm, Graf Anton Solberg und Freih.
Droste-Vischering.

Der Bürgerkrieg in Chile.

Eine Depesche
aus Valparaiso meldet, daß der Pöbel nach der
Niederlage des Präsidenten Balmaceda eine große
Anzahl von Gebäuden, welche den Anhängern
Balmacedas gehörten, anzündete. Der Schaden
beträgt 2 Millionen. Die Plünderer, welche nur
mit Anwendung der Feuerwaffen überwältigt
werden konnten, ließen 200 Todte auf dem
Platze. Jetzt hält eine aus Angehörigen der
Fremdencolonie gebildete Garde die Ordnung
aufrecht. In Santiago wurden der Palast Bal-
macedas und zahlreiche andere, den Mitgliedern
der Regierung gehörige Häuser in Brand ge-
steckt. Der Schaden ist beträglich; in der ganzen
Stadt herrscht Panik, und alle Geschäfte sind
geschlossen. Eine starke Truppenabtheilung ist von
Valparaiso nach Santiago abgegangen, welche
bemüht ist, die Ordnung daselbst herzustellen.

Ein Wirbelsturm.

Ein Wirbelsturm zog
über die Höhen von Settimo, Sanmarco, Casti-
glione und Gassino hin, während e[in] schweres
Hagelwetter in den Thälern niederging. Die
ganze Ernte ist vernichtet, viele Häuser wurden
arg beschädigt. Einige Personen wurden verletzt.




[irrelevantes Material]

[Spaltenumbruch] Waſſer zurückzuſtoßen, ſank aber plötzlich ſelbſt
unter, und Angela konnte aus Ufer gelangen.
Die beiden andern Kinder ertranken. Als Motiv
der entſetzlichen That wird angegeben, daß
Nawratil ſich in großer Noth befand und am
1. September delogirt werden ſollte. In welcher
Weiſe Nawratil die That ausführte, das erzählt
die am Leben gebliebene Angela Nawratil, ein
friſches blondes Mädchen, welches in einer deut-
ſchen Brünner Mädchenvolksſchule eine ganz
treffliche Ausbildung erfahren hat und die, be-
gleitet von einer Verwandten, geſtern im Re-
dactionslocale des „Tagesboten aus Mähren“
erſchien, nachſtehend: „Der Vater ſagte geſtern
Nachmittag: „Kommt Kinder, ich werde Euch in
das Gaſthaus nach Huſſowitz führen.“ Wir
trafen dort nach fünf Uhr ein. Als wir zum
Zwittawafluß kamen und zwar zu jener Stelle,
wo das Wehr iſt und ein Steg über den Fluß
führt, ſagte der Vater: „Wir werden nicht hin-
über gehen; die Ritſchi könnte ins Waſſer fallen.
Setzen wir uns hier nieder; ins Gaſthaus
können wir ohnehin nicht gehen, da ich kein
Geld habe.“ Wir ſetzten uns alle am Ufer
nieder. Unweit von uns fiſchte ein Soldat, und
ein Knabe lag am Ufer im Graſe. Der Soldat
entfernte ſich beiläuſig nach 6 Uhr, der Knabe
war anſcheinend eingeſchlafen. Gegen 7 Uhr ging
der Vater zu dem fremden Knaben und ſagte
ihm, er möge nach Hauſe gehen, weil es ſonſt
ſpät werde. Später aber ſagte ihm der Vater,
er möge warten, bis wir gehen. Der fremde
Knabe aber erwiderte, er müſſe ſchon gehen, da
um 9 Uhr Abends das Hausthor bereits geſperrt
werde. Darauf ging der Knabe weg. Mein
Vater ſagte: „Nun werden wir uns auch lang-
ſam zuſammenpacken.“ Ich trug die Ritſchi und
der Vater den Victor. Mein Vater trat nun auf
den Steg des Wehres und ſagte zu mir: „Schau,
der Soldat hat die Fiſche vergeſſeu.“ Ich ging
nun auch auf den Wehrſteg und mein Vater
ſagte: „Siehſt Du auch die Fiſche?“ Ich ant-
wortete Nein, worauf mich der Vater bei dem
Kopfe nahm und denſelben ſo herunterdrückte,
daß ich mit der Ritſchi ins Waſſer fiel. Dabei
verlor ich meine Schweſter aus den Händen.
Der Vater ſprang nun mit Victor nach; ich
glaubte, um mich retten zu wollen. Ich hatte
einſtweilen einen Balken ergriffen, an dem ich
mich hielt, ſo daß ich den Kopf über dem Waſſer
hatte und rief dem Vater zu: „Ich habe einen
Balken gefunden, hier können wir uns retten.“
Der Vater kam auch auf mich zu, ſuchte aber
mich unter das Waſſer zu bringen. Er tauchte
mir auch zweimal den Kopf unter das Waſſer.
Ich hielt mich aber an dem Balken feſt und der
Vater verlor die Kraft und ſank unter. Nach-
dem ich länger als eine Viertelſtunde im
Waſſer geweſen war, kam ich ans Ufer. Ich
ging wie betäubt in die nächſte Straße und als
ich Leute traf, rief ich deren Hilfe an.“ So die
Erzählung des armen Mädchens.

(Umlegung der Niveau-Ueberſetzung
der Bahnſtrecke Hohenſtadt—Zöptau.)

Ueber
Anſuchen der k. k. Generaldirection der öſter-
reichiſchen Staatsbahnen um Vornahme der poli-
tiſchen Begehung, beziehungsweiſe der Enteignungs-
Verhandlung rückſichtlich der projectirten Umlegung
der Niveau-Ueberſetzung der Bahnſtrecke Hohen-
ſtadt—Zöptau im Gebiete der Stadt Hohenſtadt
werden die Projects- und Enteignungsbehelfe in
der Gemeindekanzlei zu Hohenſtadt vom 1. bis
14. September zur öffentlichen Einſichtnahme auf-
liegen und es kann jeder Betheiligte bis 15. Sep-
tember um 5 Uhr Nachmittags ſeine Einwen-
dungen gegen die Enteignung mündlich oder
ſchriftlich bei der k. k. Bezirkshauptmannſchaft in
Hohenſtadt verbringen.




Vom Tage.
(Ariſtokratiſche Vermählung.)

Geſtern
Vormittags um halb 11 Uhr fand in der Votiv-
kirche zu Wien die Vermählung des Fürſten und
Altgrafen Hugo Leopold zu Salm-Reiffer-
ſcheidt,
Kämmerers, erblichen Mitgliedes des
öſterreichiſchen Herrenhauſes, mit Eleonore Reichs-
gräfin von Sternberg ſtatt, Tochter des
Geheimen Rathes und Kämmerers G. d. C.
Leopold Reichsgrafen v. Sternberg und weiland
der Reichsgräfin Louiſe, geborene Prinzeſſin
zu Hohenlohe Bartenſtein-Jagſtberg. Der Trau-
ungsceremonie, die Probſtpfarrer Dr. Marſchall
[Spaltenumbruch] vollzog, wohnten außer den Mitgliedern der
Familien bei: der deutſche Botſchafter Prinz
Reuß und Gemahlin, der Corps-Commandant
FML. Prinz Croy, Fürſt und Fürſtin Arenberg,
Graf und Gräfin Ermin Schönborn, der Ober-
hofmeiſter des Erzherzogs Carl Ludwig, Graf
Pejacſevich, Landmarſchall Graf Kinsky und Ge-
mahlin, Garde-Oberlieutenant Graf Rudolph
Kinsky, Graf Amadei, Otto Graf Abensberg-
berg-Traun, Graf Mitrowsky, Graf Mensdorff
und andere Ariſtokraten.

(Zum Morde in der Sandwirtgaſſe.)

Samſtag hat ſich eine Commiſſion, beſtehend
aus Vertretern des Wiener Magiſtrates, der
Polizeidirection und der Schuller’ſchen Fabrik, in
die Wohnung des ermordeten Ehepaares Emeder
begeben. Die ſeinerzeit an die Thüre gelegten
Siegel wurden abgenommen und die Commiſſion
inventirte den Nachlaß der Hausbeſorgersleute.
Die Effecten wurden dann in Obhut des Magiſtrates
gegeben. Hiebei fand ein bisher dunkler Umſtand
Aufklärung. Jahn ſprach bekanntlich von zwei
Schüſſen, die der Mörder auf ihn abgegeben,
während nur der eine, der traf, erwieſen werden
konnte. Nun fand ſich wirklich die zweite Kugel.
Als man das Bett, in welchem in der kritiſchen
Nacht Jahn und Baumgartner ſchliefen, und
überfallen wurden, auseinander nahm, fand der
anweſende Polizeicommiſſär an dem vorderen
langen Brette des Geſtelles, bisher durch ein bei
dieſer Manipulation abfallendes Stückchen eines
Fourniers verdeckt, einen Schußkanal im Holze.
Am Ende der kaum auffälligen Rinne ſteckte das
Projectil. Bei wiederholtem Durchſuchen des
Bettes wurde dies bisher nicht entdeckt, weil das
Fournier über dem Loche lag. Dieſer Theil des
Bettes wurde dem Landesgerichte übergeben. Für
die Schuld der Sträflinge Liedl und Zahradnik,
die aus Göllersdorf bei der Wildbachverbauung
entwichen ſind, ſpricht bisher nichts. Zahradnik
iſt beim Kreisgerichte St. Pölten in Haft, Liedl
bisher noch nicht ausgeforſcht.




Telegramme
des „Mähriſchen Tagblattes.“
Lehrer-Ernennungen.

(Priv.-Tel. d. „M.
Tagbl.“)

Dem Profeſſor Alois Machatſchek
vom Nikolsburger Staatsgymnaſium wurde die
Stelle eines Profeſſors an der Olmützer Staats-
oberrealſchule verliehen. — Der Supplent Leopold
Erb von der Staatsrealſchule in Steyr, wurde
zum wirklichen Lehrer an der Olmützer Staats-
oberrealſchule ernannt. — Der Supplent Adolf
Mitſchanik vom ſlaviſchen Staatsobergym-
naſium in Olmütz wurde zum Lehrer am ſlavi-
ſchen Staatsobergymnaſium in Brünn ernannt.

(Priv.-Telegr. des
„Mähr. Tagbl.“)

Das „Neue Wiener Tagblatt“
meldet, daß Ritter von Schmerling
Ende October das Präſidium des Ober-
ſten Gerichtshofes
ſowie die Stelle eines
Curators am Thereſianum niederzu-
legen beabſichtige. Den letztgenannten Poſten
ſoll der Unterrichtsminiſter Freiherr v. Gautſch
erhalten, wogegen der jetzige Vicepräſident
des Oberſten Gerichtshofes Dr. v. Stremayer
Präſident desſelben werden ſoll.

(Priv.-Telegr. des
„Mähr. Tagbl.“)

Nach Petersburger Mittheilun-
gen erſcheint auch für den Fall, daß der ruſſiſche
Miniſter des Aeußern, Herr v. Giers aus
ſeinem Amte ſcheiden ſollte, die Berufung des
derzeitigen Botſchafters in Paris, Baron
Mohrenbeim auf dieſen Miniſterpoſten als aus-
geſchloſſen.

Der Wiener Saatenmarkt.

(Privat-Telgr. des
„Mähr. Tagbl.“)

Das Geſchäft welches ſich am
Saatenmarkt entwickelt, entſpricht nicht dem zahl-
reiche Beſuche des Marktes. Weder in Weizen
noch in Roggen kamen namhafte Umſätze vor.
In Gerſte kam es zu belangreichen Ab-
ſchlüſſen, da ſowol ſeitens des Inlandes
als auch für den Export rege Nachfrage beſtand.
Bemerkenswerth iſt der Abſatz von Futterar-
tikeln
der Müllerei nach Deutſchland und die
feſte Haltung der Preiſe für Mais. Für
[Spaltenumbruch] Roggen treten Käufer aus Sachſen, Preußen,
Böhmen und Mähren auf.

(Vom Correſpondenz-Burean.)

Die Erbprinzeſſin
von Hohenzollern wurde geſtern in Heiligendamm
von zwei Prinzen entbunden.

Die Kronprinzeſſin
iſt ſeit einigen Tagen in Folge eines von Fieber-
erſcheinungen begleiteten Bruſtkatarrhs gezwungen,
das Bett zu hüten. Samſtag war das Fieber
behoben, doch ſtellte ſich Stickhuſten ein. Man
glaubt, daß der Zuſtand der Kronprinzeſſin kein
gefährlicher iſt.

Der öſterr.-ungar.
Geſchäftsträger Markgraf Pallavicini hat heute
im Auftrage ſeiner Regierung der ſerbiſchen
Regierung den Dank Sr. Majeſtät des Kaiſers
für deren anläßlich des Allerhöchſten Geburts-
feſten übermittelte Glückwünſche ausgeſprochen.

Heute als am Jahres-
tage der Thronbeſteigung des Sultans Abdul
Hamid ſtatteten der Generalſecretär des auswär-
tigen Amtes Panajotow in Abweſenheit des Mi-
niſters des Aeußern, ſowie die Vertreter der
fremden Mächte, wie alljährlich, dem Leiter des
kaiſerlich ottomaniſchen Commiſſariates ihre Be-
ſuche ab.

Die „Agence Balca-
nique“ bezeichnet die von mehreren Journalen
verbreitete Nachricht, daß im Schoße des Cabi-
netes Meinungsverſchiedenheiten entſtanden ſeien
und daß der Juſtizminiſter Tontſchew ſeine De-
miſſion angedroht habe, als vollkommen unbe-
gründet und als eine böswillige Erfindung.

Der deutſche Katholikentag.

Der deutſche Katho-
likentag wurde heute hier eröffnet, nachdem ſchon
geſtern Abend eine Begrüßungsfeier ſtattgefunden
hatte, bei welcher Bürgermeiſter Baumbach Na-
mens der Stadt die Verſammlung willkommen
hieß und dem Wunſche Ausdruck gab, daß die
Verhandlungen in dem hier herrſchenden Geiſte
der Toleranz geführt werden mögen. In der
heutigen Sitzung wurde Graf Rechberg-Rothen-
löwen zum Präſidenten gewählt. Graf Kwilecki
verlas ein päpſtliches Schreiben, durch welches
der Verſammlung der apoſtoliſche Segen ertheilt
wird. Dieſes Schreiben wurde mit einem Tele-
gramme beantwortet. Sodann wurde zur Bildung
der Sectionen geſchritten. Unter den Anweſenden
befanden ſich Biſchof Redner von Kulm, die
Abgeordneten Freih. v. Schorlemer, Heerema[nn],
Graf Balleſtrem, ferner Fürſt Löwenſtein, Prinz
Salm-Salm, Graf Anton Solberg und Freih.
Droſte-Viſchering.

Der Bürgerkrieg in Chile.

Eine Depeſche
aus Valparaiſo meldet, daß der Pöbel nach der
Niederlage des Präſidenten Balmaceda eine große
Anzahl von Gebäuden, welche den Anhängern
Balmacedas gehörten, anzündete. Der Schaden
beträgt 2 Millionen. Die Plünderer, welche nur
mit Anwendung der Feuerwaffen überwältigt
werden konnten, ließen 200 Todte auf dem
Platze. Jetzt hält eine aus Angehörigen der
Fremdencolonie gebildete Garde die Ordnung
aufrecht. In Santiago wurden der Palaſt Bal-
macedas und zahlreiche andere, den Mitgliedern
der Regierung gehörige Häuſer in Brand ge-
ſteckt. Der Schaden iſt beträglich; in der ganzen
Stadt herrſcht Panik, und alle Geſchäfte ſind
geſchloſſen. Eine ſtarke Truppenabtheilung iſt von
Valparaiſo nach Santiago abgegangen, welche
bemüht iſt, die Ordnung daſelbſt herzuſtellen.

Ein Wirbelſturm.

Ein Wirbelſturm zog
über die Höhen von Settimo, Sanmarco, Caſti-
glione und Gaſſino hin, während e[in] ſchweres
Hagelwetter in den Thälern niederging. Die
ganze Ernte iſt vernichtet, viele Häuſer wurden
arg beſchädigt. Einige Perſonen wurden verletzt.




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[[6]/0006] Waſſer zurückzuſtoßen, ſank aber plötzlich ſelbſt unter, und Angela konnte aus Ufer gelangen. Die beiden andern Kinder ertranken. Als Motiv der entſetzlichen That wird angegeben, daß Nawratil ſich in großer Noth befand und am 1. September delogirt werden ſollte. In welcher Weiſe Nawratil die That ausführte, das erzählt die am Leben gebliebene Angela Nawratil, ein friſches blondes Mädchen, welches in einer deut- ſchen Brünner Mädchenvolksſchule eine ganz treffliche Ausbildung erfahren hat und die, be- gleitet von einer Verwandten, geſtern im Re- dactionslocale des „Tagesboten aus Mähren“ erſchien, nachſtehend: „Der Vater ſagte geſtern Nachmittag: „Kommt Kinder, ich werde Euch in das Gaſthaus nach Huſſowitz führen.“ Wir trafen dort nach fünf Uhr ein. Als wir zum Zwittawafluß kamen und zwar zu jener Stelle, wo das Wehr iſt und ein Steg über den Fluß führt, ſagte der Vater: „Wir werden nicht hin- über gehen; die Ritſchi könnte ins Waſſer fallen. Setzen wir uns hier nieder; ins Gaſthaus können wir ohnehin nicht gehen, da ich kein Geld habe.“ Wir ſetzten uns alle am Ufer nieder. Unweit von uns fiſchte ein Soldat, und ein Knabe lag am Ufer im Graſe. Der Soldat entfernte ſich beiläuſig nach 6 Uhr, der Knabe war anſcheinend eingeſchlafen. Gegen 7 Uhr ging der Vater zu dem fremden Knaben und ſagte ihm, er möge nach Hauſe gehen, weil es ſonſt ſpät werde. Später aber ſagte ihm der Vater, er möge warten, bis wir gehen. Der fremde Knabe aber erwiderte, er müſſe ſchon gehen, da um 9 Uhr Abends das Hausthor bereits geſperrt werde. Darauf ging der Knabe weg. Mein Vater ſagte: „Nun werden wir uns auch lang- ſam zuſammenpacken.“ Ich trug die Ritſchi und der Vater den Victor. Mein Vater trat nun auf den Steg des Wehres und ſagte zu mir: „Schau, der Soldat hat die Fiſche vergeſſeu.“ Ich ging nun auch auf den Wehrſteg und mein Vater ſagte: „Siehſt Du auch die Fiſche?“ Ich ant- wortete Nein, worauf mich der Vater bei dem Kopfe nahm und denſelben ſo herunterdrückte, daß ich mit der Ritſchi ins Waſſer fiel. Dabei verlor ich meine Schweſter aus den Händen. Der Vater ſprang nun mit Victor nach; ich glaubte, um mich retten zu wollen. Ich hatte einſtweilen einen Balken ergriffen, an dem ich mich hielt, ſo daß ich den Kopf über dem Waſſer hatte und rief dem Vater zu: „Ich habe einen Balken gefunden, hier können wir uns retten.“ Der Vater kam auch auf mich zu, ſuchte aber mich unter das Waſſer zu bringen. Er tauchte mir auch zweimal den Kopf unter das Waſſer. Ich hielt mich aber an dem Balken feſt und der Vater verlor die Kraft und ſank unter. Nach- dem ich länger als eine Viertelſtunde im Waſſer geweſen war, kam ich ans Ufer. Ich ging wie betäubt in die nächſte Straße und als ich Leute traf, rief ich deren Hilfe an.“ So die Erzählung des armen Mädchens. (Umlegung der Niveau-Ueberſetzung der Bahnſtrecke Hohenſtadt—Zöptau.) Ueber Anſuchen der k. k. Generaldirection der öſter- reichiſchen Staatsbahnen um Vornahme der poli- tiſchen Begehung, beziehungsweiſe der Enteignungs- Verhandlung rückſichtlich der projectirten Umlegung der Niveau-Ueberſetzung der Bahnſtrecke Hohen- ſtadt—Zöptau im Gebiete der Stadt Hohenſtadt werden die Projects- und Enteignungsbehelfe in der Gemeindekanzlei zu Hohenſtadt vom 1. bis 14. September zur öffentlichen Einſichtnahme auf- liegen und es kann jeder Betheiligte bis 15. Sep- tember um 5 Uhr Nachmittags ſeine Einwen- dungen gegen die Enteignung mündlich oder ſchriftlich bei der k. k. Bezirkshauptmannſchaft in Hohenſtadt verbringen. Vom Tage. (Ariſtokratiſche Vermählung.) Geſtern Vormittags um halb 11 Uhr fand in der Votiv- kirche zu Wien die Vermählung des Fürſten und Altgrafen Hugo Leopold zu Salm-Reiffer- ſcheidt, Kämmerers, erblichen Mitgliedes des öſterreichiſchen Herrenhauſes, mit Eleonore Reichs- gräfin von Sternberg ſtatt, Tochter des Geheimen Rathes und Kämmerers G. d. C. Leopold Reichsgrafen v. Sternberg und weiland der Reichsgräfin Louiſe, geborene Prinzeſſin zu Hohenlohe Bartenſtein-Jagſtberg. Der Trau- ungsceremonie, die Probſtpfarrer Dr. Marſchall vollzog, wohnten außer den Mitgliedern der Familien bei: der deutſche Botſchafter Prinz Reuß und Gemahlin, der Corps-Commandant FML. Prinz Croy, Fürſt und Fürſtin Arenberg, Graf und Gräfin Ermin Schönborn, der Ober- hofmeiſter des Erzherzogs Carl Ludwig, Graf Pejacſevich, Landmarſchall Graf Kinsky und Ge- mahlin, Garde-Oberlieutenant Graf Rudolph Kinsky, Graf Amadei, Otto Graf Abensberg- berg-Traun, Graf Mitrowsky, Graf Mensdorff und andere Ariſtokraten. (Zum Morde in der Sandwirtgaſſe.) Samſtag hat ſich eine Commiſſion, beſtehend aus Vertretern des Wiener Magiſtrates, der Polizeidirection und der Schuller’ſchen Fabrik, in die Wohnung des ermordeten Ehepaares Emeder begeben. Die ſeinerzeit an die Thüre gelegten Siegel wurden abgenommen und die Commiſſion inventirte den Nachlaß der Hausbeſorgersleute. Die Effecten wurden dann in Obhut des Magiſtrates gegeben. Hiebei fand ein bisher dunkler Umſtand Aufklärung. Jahn ſprach bekanntlich von zwei Schüſſen, die der Mörder auf ihn abgegeben, während nur der eine, der traf, erwieſen werden konnte. Nun fand ſich wirklich die zweite Kugel. Als man das Bett, in welchem in der kritiſchen Nacht Jahn und Baumgartner ſchliefen, und überfallen wurden, auseinander nahm, fand der anweſende Polizeicommiſſär an dem vorderen langen Brette des Geſtelles, bisher durch ein bei dieſer Manipulation abfallendes Stückchen eines Fourniers verdeckt, einen Schußkanal im Holze. Am Ende der kaum auffälligen Rinne ſteckte das Projectil. Bei wiederholtem Durchſuchen des Bettes wurde dies bisher nicht entdeckt, weil das Fournier über dem Loche lag. Dieſer Theil des Bettes wurde dem Landesgerichte übergeben. Für die Schuld der Sträflinge Liedl und Zahradnik, die aus Göllersdorf bei der Wildbachverbauung entwichen ſind, ſpricht bisher nichts. Zahradnik iſt beim Kreisgerichte St. Pölten in Haft, Liedl bisher noch nicht ausgeforſcht. Telegramme des „Mähriſchen Tagblattes.“ Lehrer-Ernennungen. Wien, 1. September. (Priv.-Tel. d. „M. Tagbl.“) Dem Profeſſor Alois Machatſchek vom Nikolsburger Staatsgymnaſium wurde die Stelle eines Profeſſors an der Olmützer Staats- oberrealſchule verliehen. — Der Supplent Leopold Erb von der Staatsrealſchule in Steyr, wurde zum wirklichen Lehrer an der Olmützer Staats- oberrealſchule ernannt. — Der Supplent Adolf Mitſchanik vom ſlaviſchen Staatsobergym- naſium in Olmütz wurde zum Lehrer am ſlavi- ſchen Staatsobergymnaſium in Brünn ernannt. Wien, 1. September. (Priv.-Telegr. des „Mähr. Tagbl.“) Das „Neue Wiener Tagblatt“ meldet, daß Ritter von Schmerling Ende October das Präſidium des Ober- ſten Gerichtshofes ſowie die Stelle eines Curators am Thereſianum niederzu- legen beabſichtige. Den letztgenannten Poſten ſoll der Unterrichtsminiſter Freiherr v. Gautſch erhalten, wogegen der jetzige Vicepräſident des Oberſten Gerichtshofes Dr. v. Stremayer Präſident desſelben werden ſoll. Wien, 1. September. (Priv.-Telegr. des „Mähr. Tagbl.“) Nach Petersburger Mittheilun- gen erſcheint auch für den Fall, daß der ruſſiſche Miniſter des Aeußern, Herr v. Giers aus ſeinem Amte ſcheiden ſollte, die Berufung des derzeitigen Botſchafters in Paris, Baron Mohrenbeim auf dieſen Miniſterpoſten als aus- geſchloſſen. Der Wiener Saatenmarkt. Wien, 1. September. (Privat-Telgr. des „Mähr. Tagbl.“) Das Geſchäft welches ſich am Saatenmarkt entwickelt, entſpricht nicht dem zahl- reiche Beſuche des Marktes. Weder in Weizen noch in Roggen kamen namhafte Umſätze vor. In Gerſte kam es zu belangreichen Ab- ſchlüſſen, da ſowol ſeitens des Inlandes als auch für den Export rege Nachfrage beſtand. Bemerkenswerth iſt der Abſatz von Futterar- tikeln der Müllerei nach Deutſchland und die feſte Haltung der Preiſe für Mais. Für Roggen treten Käufer aus Sachſen, Preußen, Böhmen und Mähren auf. (Vom Correſpondenz-Burean.) Potsdam, 31. Auguſt. Die Erbprinzeſſin von Hohenzollern wurde geſtern in Heiligendamm von zwei Prinzen entbunden. Stockholm, 31. Auguſt. Die Kronprinzeſſin iſt ſeit einigen Tagen in Folge eines von Fieber- erſcheinungen begleiteten Bruſtkatarrhs gezwungen, das Bett zu hüten. Samſtag war das Fieber behoben, doch ſtellte ſich Stickhuſten ein. Man glaubt, daß der Zuſtand der Kronprinzeſſin kein gefährlicher iſt. Belgrad, 31. Auguſt. Der öſterr.-ungar. Geſchäftsträger Markgraf Pallavicini hat heute im Auftrage ſeiner Regierung der ſerbiſchen Regierung den Dank Sr. Majeſtät des Kaiſers für deren anläßlich des Allerhöchſten Geburts- feſten übermittelte Glückwünſche ausgeſprochen. Sofia, 31. Auguſt. Heute als am Jahres- tage der Thronbeſteigung des Sultans Abdul Hamid ſtatteten der Generalſecretär des auswär- tigen Amtes Panajotow in Abweſenheit des Mi- niſters des Aeußern, ſowie die Vertreter der fremden Mächte, wie alljährlich, dem Leiter des kaiſerlich ottomaniſchen Commiſſariates ihre Be- ſuche ab. Sofia, 31. Auguſt. Die „Agence Balca- nique“ bezeichnet die von mehreren Journalen verbreitete Nachricht, daß im Schoße des Cabi- netes Meinungsverſchiedenheiten entſtanden ſeien und daß der Juſtizminiſter Tontſchew ſeine De- miſſion angedroht habe, als vollkommen unbe- gründet und als eine böswillige Erfindung. Der deutſche Katholikentag. Danzig, 31. Auguſt. Der deutſche Katho- likentag wurde heute hier eröffnet, nachdem ſchon geſtern Abend eine Begrüßungsfeier ſtattgefunden hatte, bei welcher Bürgermeiſter Baumbach Na- mens der Stadt die Verſammlung willkommen hieß und dem Wunſche Ausdruck gab, daß die Verhandlungen in dem hier herrſchenden Geiſte der Toleranz geführt werden mögen. In der heutigen Sitzung wurde Graf Rechberg-Rothen- löwen zum Präſidenten gewählt. Graf Kwilecki verlas ein päpſtliches Schreiben, durch welches der Verſammlung der apoſtoliſche Segen ertheilt wird. Dieſes Schreiben wurde mit einem Tele- gramme beantwortet. Sodann wurde zur Bildung der Sectionen geſchritten. Unter den Anweſenden befanden ſich Biſchof Redner von Kulm, die Abgeordneten Freih. v. Schorlemer, Heeremann, Graf Balleſtrem, ferner Fürſt Löwenſtein, Prinz Salm-Salm, Graf Anton Solberg und Freih. Droſte-Viſchering. Der Bürgerkrieg in Chile. New-York, 31. Anguſt. Eine Depeſche aus Valparaiſo meldet, daß der Pöbel nach der Niederlage des Präſidenten Balmaceda eine große Anzahl von Gebäuden, welche den Anhängern Balmacedas gehörten, anzündete. Der Schaden beträgt 2 Millionen. Die Plünderer, welche nur mit Anwendung der Feuerwaffen überwältigt werden konnten, ließen 200 Todte auf dem Platze. Jetzt hält eine aus Angehörigen der Fremdencolonie gebildete Garde die Ordnung aufrecht. In Santiago wurden der Palaſt Bal- macedas und zahlreiche andere, den Mitgliedern der Regierung gehörige Häuſer in Brand ge- ſteckt. Der Schaden iſt beträglich; in der ganzen Stadt herrſcht Panik, und alle Geſchäfte ſind geſchloſſen. Eine ſtarke Truppenabtheilung iſt von Valparaiſo nach Santiago abgegangen, welche bemüht iſt, die Ordnung daſelbſt herzuſtellen. Ein Wirbelſturm. Turin, 31. Auguſt. Ein Wirbelſturm zog über die Höhen von Settimo, Sanmarco, Caſti- glione und Gaſſino hin, während ein ſchweres Hagelwetter in den Thälern niederging. Die ganze Ernte iſt vernichtet, viele Häuſer wurden arg beſchädigt. Einige Perſonen wurden verletzt. _

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Zitationshilfe: Mährisches Tagblatt. Nr. 199, Olmütz, 01.09.1891, S. [6]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_maehrisches199_1891/6>, abgerufen am 01.12.2020.