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Die Bayerische Presse. Nr. 258. Würzburg, 28. Oktober 1850.

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[Spaltenumbruch] Laboratorium sind jetzt gleichfalls organisirt und
haben am Dienstag nach Bamberg abzugehen und
vorläufig dort zu verbleiben. Rittmeister Jeni-
son ist zum Ankauf von Pferden nach Norddeutsch-
land abgereist.

Dillingen, 23. Okt. Diesen Morgen 7 Uhr
verließen von dem dahier in Garnison gelegenen
kgl. 3. Chevaulegersregiment 4 Eskadronen unter
dem Kommando des Hrn. Obersten die hiesige
Stadt; ihr Marsch geht vorläufig nach Bamberg.

^ Aus Baden, 24. Okt. Zwei Ereignisse
sind es, welche seit gestern unsere politischen
Kreise im höchsten Grade in Anspruch nehmen.
Der Bundesbeschluß wornach die preußischen
Truppen Baden zu verlassen hätten -- und die
eilige Besetzung der weimar= kurhessischen Grenze
mit 8000 Mann preußischen Truppen. Was die
erstere Nachricht betrifft, welche sich bestätigt hat,
so zweifelt man sehr daran, daß Preußen diesen
Beschluß beachten wird. Jn Betreff der Be-
setzung von Kurhessens Grenzen mit preußischen
Truppen, so glaubt man jetzt mehr als je an
eine baldige friedliche Ausgleichung der Sache
und zieht in Zweifel, ob es zu einem Ueber-
schreiten der Grenze kommen wird. -- Jn Vil-
lingen ist in der Person eines jungen Mädchens
von 19 Jahren, die Urheberin verschiedener im
Jahre 1848 verübten großen Brandstiftungen, die
einen Schaden von über 60,000 fl. verursacht --
entdeckt worden. Sie hat ihr Verbrechen bereits
eingestanden. -- Die Verhandlungen zwischen den
gr. badischen und der k. württembergischen Re-
gierung über den Anschluß der württembergischen
Eisenbahn an die badische sind nunmehr beendigt
und die Vertrags=Abschließung erfolgt. So viel
man erfährt wird die Richtung über Bretten und
Bruchsal nicht eingeschlagen werden. -- Jn Bret-
ten wird die Errichtung einer Sparkasse vorbe-
reitet. -- Jn Mörsburg vermuthet man, daß
sich in jener Gegend eine Falschmünzerbande
herumtreibe. Amtliche Nachforschungen haben
jedoch bis jetzt zu keinem Resultate geführt. --
Eine auffallende Erscheinung ist die große Theil-
nahmlosigkeit, welche im ganzen Seekreise für
die Schleswig=Holsteiner herrscht, ungeachtet ver-
schiedene öffentliche Aufrufe zur Betheiligung an
dieser Nationalsache aufgefordert haben.

* Aus Baden, 25. Okt. ( Die badische
Kammer über die Amnestie. ) Aus den Verhand-
lungen unserer zweiten Kammer über die Amne-
stie theile ich Jhnen folgendes Ausführliche mit:
Nachdem die Kommission den Antrag gestellt hatte,
die an der badischen Revolution weniger Bethei-
ligten zu amnestiren, -- erklärte sich Regierungs-
kommissär v. Stabel im Namen der Regierung
dahin, daß die Regierung selbst eine solche Am-
nestirung wünsche. Abg. Keller: Jch glaube,
diejenigen Badener, die sich stets bis zur konstitui-
renden Versammlung gut verhielten und erst im
Drange der Regierungslosigkeit sich an der neuen
Ordnung betheiligten, sollten ebenfalls an der
Gnade*Theil nehmen. Die Lage von Deutsch-
land, die Karlsbader und Frankfurter Beschlüsse
hatten Alles erbittert und Niemand glaubte an
die Möglichkeit der wahren konstitutionellen Mo-
narchie; die radikalen Blätter läugneten alle Wohl-
thaten und alles Gute unserer eigenen Märzrevo-
lution. Was konnten, was sollten die Bürger
thun. Die Verschwörer und Anstifter trifft mit
Recht alle Strenge, doch nicht so die Bürger,
denen die Beamten das Muster der Anhänglichkeit
an die neue Regierung gaben. Wenn z. B. ein
Auditor unter der neuen Regierung seines
Amtes wartete und die Deserteure gerichtlich ver-
folgte, so that er seine Schuldigkeit und beging
keinen Hochverrath und dennoch ist derselbe Mann
nun als ein Hochverräther verurtheilt. Der Ge-
horsam gegen eine faktisch bestehende Gewalt wurde
von keiner Regierung als Hochverrath verfolgt,
selbst Heinrich VIII. in England verfolgte Nie-
manden, der seinem vor ihm gestürzten Vorgänger
auf dem Throne huldigte. Die französischen fünf
Revolutionen und Restaurationen haben niemals
den Gehorsam gegen eine faktische Regierung ver-
folgt, selbst der Staatsrechtslehrer Klüber hält
[Spaltenumbruch] diesen Gehorsam für kein Verbrechen. Nicht jeder
konnte aus Baden fliehen; der aber beging kein
Verbrechen, der damals Gehorsam leistete. Der
Redner trug schließlich darauf an: die Amnestie
auf Diejenigen auszudehnen, die bis zur Einsetz-
ung der provisorischen Regierung sich untadelhaft
betragen haben und nur durch Dienste und Hand-
lungen für dieselbe zur Untersuchung und Bestra-
fung kamen. -- Regierungskommissär v. Stabel:
Es sind dies wichtige Gesichtspunkte, auf die bei
der Amnestie Rücksicht genommen werden wird. --
Abg. Fischer: Wir hatten durch unsere Gesetz-
gebung das Volk selbst verdorben. Die Gemeinde-
ordnung hat nur für die Prozeßkrämer einen
Werth, die Prozeßordnung ist vollends gar ein
Karfunkelgesetz, das Alles den Advokaten in die
Tasche jagt. Prämien von Hunderttausenden für
uneheliche Kinder aussetzt; 50,000 Lügner wurden
jedes Jahr damit gezogen. Dieses Gesetz war
die offene Revolution gegen alle moralischen
Grunndsätze; man lernte und lehrte den Betrug
und den Meineid. Unter dem Schutze unserer
Gesetzgebung ist alles Schlechte gesetzlich gewor-
den; sind die Geistlichen aus der Schule getrie-
ben worden, ist der Kirchenbesuch aufgehoben und
alle Religiösität begraben wurden, bis Niemand
mehr den Wald vor den Bäumen sah und Alles
in die Revolution stürzte. Jch will mit unserm
Heiland Allen verziehen haben, die nun als reu-
ige Sünder am Kreuze hängen, die nicht mußten,
was sie thaten.

   

Luremburg, 20. Okt. Prinz Heinrich der
Niederlande, schon seit langer Zeit designirter
Statthalter des Großherzogthums, wird nun ganz
bestimmt am 23. d. M. hier eintreffen, um vor
der Kammer den Eid auf die Constitution zu lei-
sten. Wie man sagt, soll die Kammer jetzt nicht
abgeneigt sein, ihm eine jährliche Civilliste von
40,000 Fr. zu bewilligen. -- Jn der deutschen
Frage hat Herr Willmar, Präsident der Regier-
ung, in einer der letzten Sitzungen eine Erklärung
abgegeben, und zwar dafür, daß der "alte Bund"
der zwar während der Jahre 1848 u. 49 seine Thä-
tigkeit unterbrochen habe, in der Wirklichkeit und
dem Rechte nach jedoch unbezweifelt fortbestehe,
und daß Luxemburg deßhalb keinen Anstand habe
nehmen können, die Bundesversammlung in Frank-
furt zu beschicken. Jn Bezug auf die an Hrn. v.
Scherff ertheilte Jnstructionen deutet Herr Will-
mar nur an, daß Oesterreich die Bundesversamm-
lung zunächst nur behufs vorzunehmender Revisio-
nen der Bundesgesetzgebung zusammengerufen habe,
und daß die hiesige Regierung ihrem Vertreter
nur unter demgemäßen "Reserven" die Theilnahme
gestattet habe. Die Kammer hat sich mit dieser
Erklärung vollständig genügen lassen, und mit dem
einzigen Vorbehalt, daß Herr v. Scherff baldmög-
lichst durch einen gebornen Luxemburger ersetzt
werde, die Vertretungskosten aufs neue bewilligt.

   

Wien, 20. Okt. Vorgestern sind hier neue
Depeschen aus Berlin für Hrn. v. Bernstorf ein-
getroffen, als Erwiderung auf eine aus Bregenz
gegen die letzte von Hrn. v. Radowitz eingesandte
Note. Das preußische Cabinet legte nämlich in
dieser Note ein großes Gewicht auf sein Recht,
sich in die kurhessische Angelegenheit einmischen zu
können. Fürst v. Schwarzenberg macht dieß Recht
abhängig von dem erneuerten Eintritt Preußens
zum Bundestag. Hr. v. Radowitz lehnt nicht
mehr, wie man uns versichert, so wie früher diese
Ansicht ab, er stellt sich blos auf das Terrain
der Verständigung zwischen engerem und weiterem
Bunde. Man glaubt, daß zu dieser Verständi-
gung der König von Bayern seine Mediation an-
geboten hat.

   

Wien, 22. Okt. Seit einigen Tagen bemerkt
man in Pest Jndividuen in türkischer Militär-
Uniform. Es sollen Ex=Honveds sein, die nach
der Capitulirung Komorns in die Türkei gingen,
dort, wie ihre Kleidung zeigt, Militärdienste an-
nahmen, und jetzt wieder, man weiß nicht auf
welche Weise zurückkehrten. Nach auswärtigen
Blättern sind Desertirungen aus der Türkei eben
nichts seltenes, natürlich sind es meist junge Herrn,
[Spaltenumbruch] die auch in der ungarischen Armee Couriere ode
"geborne Offiziere," und zwar Hauptleute waren,
die kein Pulver riechen konnten, aber desto fleißi-
ger aus einem Gasthause in das andere in be-
schnürter Uniform spazierten, Karten spielten, aßen,
tranken, oder immer -- liefen. Läßt sie die
schlechte Behandlung, oder das Beschwerliche des
Militärdienstes nicht bleiben? Wenn ersteres der
Fall, dann wollen wir kein Wort verlieren, aber
nach Berichten aus der Türkei werden dort die
Ungarn geschätzt und geliebt, und ihre Lage ist
nichts weniger als erbärmlich. Die Flüchtlinge
sind daher feige Abenteurer, die in der Meinung,
dort eben so ein müßiges Leben, wie während
des ungarischen Krieges zu finden, leichtsinnig aus
Ungarn entwichen, und noch leichtsinniger, undank-
barer, auf eine dem ungarischen Volke eben nicht
zur Ehre gereichenden Art auch von hier sich aus
dem Staube machten ec.

Berlin, 24. Okt. Jn Betreff der Vorschläge,
welche Graf Brandenburg in Warschau zu machen
habe, enthält die "Deutsche Reichszeitung" eine
Mittheilung, wonach Preußen gegen Vertagung
des Parlaments der Union, von Oesterreich das
Zugeständniß der freien Conferenzen verlangt.
Ferner: in Betreff der Verfassung Deutschlands
genehmigt Preußen den Eintritt des Gesammtstaa-
tes Oesterreich in den Bund, die Beseitigung ei-
ner Volksvertretung bei der zu schaffenden deut-
schen Centralstelle und verlangt dagegen vollstän-
dige Parität mit Oesterreich. Abgesehen von der
Entwickelung der deutschen Frage erbietet sich Preu-
ßen, namentlich in der kurhessischen und schleswig-
holsteinischen Frage, mit Oesterreich gemeinschaft-
lich zu handeln. -- Die "Spener. Ztg." bespricht
in einem längern Artikel die günstigen Erfolge der
österreichischen Politik in Deutschland. Den Haupt-
grund für diese Erfolge findet sie darin, weil Oe-
sterreich immer wisse, was es wolle und anstrebe,
und consequent dabei verharre, Preußen dagegen
in einem steten Schwanken zwischen Geben und
Zurucknehmen sich bewege. Die Unionspolitik
Preußens, heißt es weiter, habe sich unausführ-
bar erwiesen, noch unausführbarer aber sei die jetzt
angetretene der freien Vereinbarung. Schießlich
wird von dem Ministerium die Annahme einer
festen Politik und Darlegung derselben vor den
Kammern gefordert.

Berlin, 24. Okt. Von preußischer Seite ist
ein entschiedener Einspruch die von der Bundes-
versammlung "im Namen des deutschen Bundes"
vorgenommene Ratification des Friedensvertrages
mit Dänemark nach Kopenhagen abgegangen. Preu-
ßen erkennt diese Ratifikation nur insofern an,
als sie von den einzelnen Regierungen, welche an
der Bundesversammlung sich betheiligen, erfolgt
ist. Die mit Preußen verbündeten Staaten haben
zu diesem Schritt Preußens ihre Zustimmung er-
theilt.

   
England.

London, 20. Okt. Die "Morning Post" und
andere Blätter sprechen sich über das katholische
Erzbisthum Westminister ganz ähnlich aus, wie
die "Times". Dagegen enthält Palmerston's Or-
gan, der "Globe", einen Artikel, welcher in sei-
ner halboffiziellen Fassung zeigt, daß die Regie-
rung in der That, wie Lord Minto versichert hat,
den neuen Bischöfen keine Schwierigkeiten machen
wird. "Einige Blätter", heißt es darin, " schei-
nen sehr alarmirt darüber zu sein, daß Cardinal
Wiseman als Erzbischof von Westminister von
Rom zurückgekehrt. Wir bemerken, daß derselbe
ebenso gut Bischof war, als er England verließ,
wie er es jetzt ist: seine geistliche Jurisdiction ist
ist nicht vergrößert, und sein Einfluß auf weltliche
Angelegenheiten ist, wie früher. -- Null. Nach
einem Statue Heinrich's VIII. kann kein Geistli-
cher als Bischof anerkannt werden, der nicht nach
den Bestimmungen dieses Status ernannt ist: nach
diesem Gesetz können alle Ceremonien des Vatican
aus Dr. Wisemun, nicht mehr machen, als er
vorher war. Was die Annahme des Titels:
""Erzbischof von Westminster"" angeht, so ist
dieselbe entschieden eine geringere Anmaßung, als

[Spaltenumbruch] Laboratorium sind jetzt gleichfalls organisirt und
haben am Dienstag nach Bamberg abzugehen und
vorläufig dort zu verbleiben. Rittmeister Jeni-
son ist zum Ankauf von Pferden nach Norddeutsch-
land abgereist.

Dillingen, 23. Okt. Diesen Morgen 7 Uhr
verließen von dem dahier in Garnison gelegenen
kgl. 3. Chevaulegersregiment 4 Eskadronen unter
dem Kommando des Hrn. Obersten die hiesige
Stadt; ihr Marsch geht vorläufig nach Bamberg.

△ Aus Baden, 24. Okt. Zwei Ereignisse
sind es, welche seit gestern unsere politischen
Kreise im höchsten Grade in Anspruch nehmen.
Der Bundesbeschluß wornach die preußischen
Truppen Baden zu verlassen hätten -- und die
eilige Besetzung der weimar= kurhessischen Grenze
mit 8000 Mann preußischen Truppen. Was die
erstere Nachricht betrifft, welche sich bestätigt hat,
so zweifelt man sehr daran, daß Preußen diesen
Beschluß beachten wird. Jn Betreff der Be-
setzung von Kurhessens Grenzen mit preußischen
Truppen, so glaubt man jetzt mehr als je an
eine baldige friedliche Ausgleichung der Sache
und zieht in Zweifel, ob es zu einem Ueber-
schreiten der Grenze kommen wird. -- Jn Vil-
lingen ist in der Person eines jungen Mädchens
von 19 Jahren, die Urheberin verschiedener im
Jahre 1848 verübten großen Brandstiftungen, die
einen Schaden von über 60,000 fl. verursacht --
entdeckt worden. Sie hat ihr Verbrechen bereits
eingestanden. -- Die Verhandlungen zwischen den
gr. badischen und der k. württembergischen Re-
gierung über den Anschluß der württembergischen
Eisenbahn an die badische sind nunmehr beendigt
und die Vertrags=Abschließung erfolgt. So viel
man erfährt wird die Richtung über Bretten und
Bruchsal nicht eingeschlagen werden. -- Jn Bret-
ten wird die Errichtung einer Sparkasse vorbe-
reitet. -- Jn Mörsburg vermuthet man, daß
sich in jener Gegend eine Falschmünzerbande
herumtreibe. Amtliche Nachforschungen haben
jedoch bis jetzt zu keinem Resultate geführt. --
Eine auffallende Erscheinung ist die große Theil-
nahmlosigkeit, welche im ganzen Seekreise für
die Schleswig=Holsteiner herrscht, ungeachtet ver-
schiedene öffentliche Aufrufe zur Betheiligung an
dieser Nationalsache aufgefordert haben.

* Aus Baden, 25. Okt. ( Die badische
Kammer über die Amnestie. ) Aus den Verhand-
lungen unserer zweiten Kammer über die Amne-
stie theile ich Jhnen folgendes Ausführliche mit:
Nachdem die Kommission den Antrag gestellt hatte,
die an der badischen Revolution weniger Bethei-
ligten zu amnestiren, -- erklärte sich Regierungs-
kommissär v. Stabel im Namen der Regierung
dahin, daß die Regierung selbst eine solche Am-
nestirung wünsche. Abg. Keller: Jch glaube,
diejenigen Badener, die sich stets bis zur konstitui-
renden Versammlung gut verhielten und erst im
Drange der Regierungslosigkeit sich an der neuen
Ordnung betheiligten, sollten ebenfalls an der
Gnade*Theil nehmen. Die Lage von Deutsch-
land, die Karlsbader und Frankfurter Beschlüsse
hatten Alles erbittert und Niemand glaubte an
die Möglichkeit der wahren konstitutionellen Mo-
narchie; die radikalen Blätter läugneten alle Wohl-
thaten und alles Gute unserer eigenen Märzrevo-
lution. Was konnten, was sollten die Bürger
thun. Die Verschwörer und Anstifter trifft mit
Recht alle Strenge, doch nicht so die Bürger,
denen die Beamten das Muster der Anhänglichkeit
an die neue Regierung gaben. Wenn z. B. ein
Auditor unter der neuen Regierung seines
Amtes wartete und die Deserteure gerichtlich ver-
folgte, so that er seine Schuldigkeit und beging
keinen Hochverrath und dennoch ist derselbe Mann
nun als ein Hochverräther verurtheilt. Der Ge-
horsam gegen eine faktisch bestehende Gewalt wurde
von keiner Regierung als Hochverrath verfolgt,
selbst Heinrich VIII. in England verfolgte Nie-
manden, der seinem vor ihm gestürzten Vorgänger
auf dem Throne huldigte. Die französischen fünf
Revolutionen und Restaurationen haben niemals
den Gehorsam gegen eine faktische Regierung ver-
folgt, selbst der Staatsrechtslehrer Klüber hält
[Spaltenumbruch] diesen Gehorsam für kein Verbrechen. Nicht jeder
konnte aus Baden fliehen; der aber beging kein
Verbrechen, der damals Gehorsam leistete. Der
Redner trug schließlich darauf an: die Amnestie
auf Diejenigen auszudehnen, die bis zur Einsetz-
ung der provisorischen Regierung sich untadelhaft
betragen haben und nur durch Dienste und Hand-
lungen für dieselbe zur Untersuchung und Bestra-
fung kamen. -- Regierungskommissär v. Stabel:
Es sind dies wichtige Gesichtspunkte, auf die bei
der Amnestie Rücksicht genommen werden wird. --
Abg. Fischer: Wir hatten durch unsere Gesetz-
gebung das Volk selbst verdorben. Die Gemeinde-
ordnung hat nur für die Prozeßkrämer einen
Werth, die Prozeßordnung ist vollends gar ein
Karfunkelgesetz, das Alles den Advokaten in die
Tasche jagt. Prämien von Hunderttausenden für
uneheliche Kinder aussetzt; 50,000 Lügner wurden
jedes Jahr damit gezogen. Dieses Gesetz war
die offene Revolution gegen alle moralischen
Grunndsätze; man lernte und lehrte den Betrug
und den Meineid. Unter dem Schutze unserer
Gesetzgebung ist alles Schlechte gesetzlich gewor-
den; sind die Geistlichen aus der Schule getrie-
ben worden, ist der Kirchenbesuch aufgehoben und
alle Religiösität begraben wurden, bis Niemand
mehr den Wald vor den Bäumen sah und Alles
in die Revolution stürzte. Jch will mit unserm
Heiland Allen verziehen haben, die nun als reu-
ige Sünder am Kreuze hängen, die nicht mußten,
was sie thaten.

   

Luremburg, 20. Okt. Prinz Heinrich der
Niederlande, schon seit langer Zeit designirter
Statthalter des Großherzogthums, wird nun ganz
bestimmt am 23. d. M. hier eintreffen, um vor
der Kammer den Eid auf die Constitution zu lei-
sten. Wie man sagt, soll die Kammer jetzt nicht
abgeneigt sein, ihm eine jährliche Civilliste von
40,000 Fr. zu bewilligen. -- Jn der deutschen
Frage hat Herr Willmar, Präsident der Regier-
ung, in einer der letzten Sitzungen eine Erklärung
abgegeben, und zwar dafür, daß der „alte Bund“
der zwar während der Jahre 1848 u. 49 seine Thä-
tigkeit unterbrochen habe, in der Wirklichkeit und
dem Rechte nach jedoch unbezweifelt fortbestehe,
und daß Luxemburg deßhalb keinen Anstand habe
nehmen können, die Bundesversammlung in Frank-
furt zu beschicken. Jn Bezug auf die an Hrn. v.
Scherff ertheilte Jnstructionen deutet Herr Will-
mar nur an, daß Oesterreich die Bundesversamm-
lung zunächst nur behufs vorzunehmender Revisio-
nen der Bundesgesetzgebung zusammengerufen habe,
und daß die hiesige Regierung ihrem Vertreter
nur unter demgemäßen „Reserven“ die Theilnahme
gestattet habe. Die Kammer hat sich mit dieser
Erklärung vollständig genügen lassen, und mit dem
einzigen Vorbehalt, daß Herr v. Scherff baldmög-
lichst durch einen gebornen Luxemburger ersetzt
werde, die Vertretungskosten aufs neue bewilligt.

   

Wien, 20. Okt. Vorgestern sind hier neue
Depeschen aus Berlin für Hrn. v. Bernstorf ein-
getroffen, als Erwiderung auf eine aus Bregenz
gegen die letzte von Hrn. v. Radowitz eingesandte
Note. Das preußische Cabinet legte nämlich in
dieser Note ein großes Gewicht auf sein Recht,
sich in die kurhessische Angelegenheit einmischen zu
können. Fürst v. Schwarzenberg macht dieß Recht
abhängig von dem erneuerten Eintritt Preußens
zum Bundestag. Hr. v. Radowitz lehnt nicht
mehr, wie man uns versichert, so wie früher diese
Ansicht ab, er stellt sich blos auf das Terrain
der Verständigung zwischen engerem und weiterem
Bunde. Man glaubt, daß zu dieser Verständi-
gung der König von Bayern seine Mediation an-
geboten hat.

   

Wien, 22. Okt. Seit einigen Tagen bemerkt
man in Pest Jndividuen in türkischer Militär-
Uniform. Es sollen Ex=Honveds sein, die nach
der Capitulirung Komorns in die Türkei gingen,
dort, wie ihre Kleidung zeigt, Militärdienste an-
nahmen, und jetzt wieder, man weiß nicht auf
welche Weise zurückkehrten. Nach auswärtigen
Blättern sind Desertirungen aus der Türkei eben
nichts seltenes, natürlich sind es meist junge Herrn,
[Spaltenumbruch] die auch in der ungarischen Armee Couriere ode
„geborne Offiziere,“ und zwar Hauptleute waren,
die kein Pulver riechen konnten, aber desto fleißi-
ger aus einem Gasthause in das andere in be-
schnürter Uniform spazierten, Karten spielten, aßen,
tranken, oder immer -- liefen. Läßt sie die
schlechte Behandlung, oder das Beschwerliche des
Militärdienstes nicht bleiben? Wenn ersteres der
Fall, dann wollen wir kein Wort verlieren, aber
nach Berichten aus der Türkei werden dort die
Ungarn geschätzt und geliebt, und ihre Lage ist
nichts weniger als erbärmlich. Die Flüchtlinge
sind daher feige Abenteurer, die in der Meinung,
dort eben so ein müßiges Leben, wie während
des ungarischen Krieges zu finden, leichtsinnig aus
Ungarn entwichen, und noch leichtsinniger, undank-
barer, auf eine dem ungarischen Volke eben nicht
zur Ehre gereichenden Art auch von hier sich aus
dem Staube machten ec.

Berlin, 24. Okt. Jn Betreff der Vorschläge,
welche Graf Brandenburg in Warschau zu machen
habe, enthält die „Deutsche Reichszeitung„ eine
Mittheilung, wonach Preußen gegen Vertagung
des Parlaments der Union, von Oesterreich das
Zugeständniß der freien Conferenzen verlangt.
Ferner: in Betreff der Verfassung Deutschlands
genehmigt Preußen den Eintritt des Gesammtstaa-
tes Oesterreich in den Bund, die Beseitigung ei-
ner Volksvertretung bei der zu schaffenden deut-
schen Centralstelle und verlangt dagegen vollstän-
dige Parität mit Oesterreich. Abgesehen von der
Entwickelung der deutschen Frage erbietet sich Preu-
ßen, namentlich in der kurhessischen und schleswig-
holsteinischen Frage, mit Oesterreich gemeinschaft-
lich zu handeln. -- Die „Spener. Ztg.“ bespricht
in einem längern Artikel die günstigen Erfolge der
österreichischen Politik in Deutschland. Den Haupt-
grund für diese Erfolge findet sie darin, weil Oe-
sterreich immer wisse, was es wolle und anstrebe,
und consequent dabei verharre, Preußen dagegen
in einem steten Schwanken zwischen Geben und
Zurucknehmen sich bewege. Die Unionspolitik
Preußens, heißt es weiter, habe sich unausführ-
bar erwiesen, noch unausführbarer aber sei die jetzt
angetretene der freien Vereinbarung. Schießlich
wird von dem Ministerium die Annahme einer
festen Politik und Darlegung derselben vor den
Kammern gefordert.

Berlin, 24. Okt. Von preußischer Seite ist
ein entschiedener Einspruch die von der Bundes-
versammlung „im Namen des deutschen Bundes“
vorgenommene Ratification des Friedensvertrages
mit Dänemark nach Kopenhagen abgegangen. Preu-
ßen erkennt diese Ratifikation nur insofern an,
als sie von den einzelnen Regierungen, welche an
der Bundesversammlung sich betheiligen, erfolgt
ist. Die mit Preußen verbündeten Staaten haben
zu diesem Schritt Preußens ihre Zustimmung er-
theilt.

   
England.

London, 20. Okt. Die „Morning Post“ und
andere Blätter sprechen sich über das katholische
Erzbisthum Westminister ganz ähnlich aus, wie
die „Times“. Dagegen enthält Palmerston's Or-
gan, der „Globe“, einen Artikel, welcher in sei-
ner halboffiziellen Fassung zeigt, daß die Regie-
rung in der That, wie Lord Minto versichert hat,
den neuen Bischöfen keine Schwierigkeiten machen
wird. „Einige Blätter“, heißt es darin, „ schei-
nen sehr alarmirt darüber zu sein, daß Cardinal
Wiseman als Erzbischof von Westminister von
Rom zurückgekehrt. Wir bemerken, daß derselbe
ebenso gut Bischof war, als er England verließ,
wie er es jetzt ist: seine geistliche Jurisdiction ist
ist nicht vergrößert, und sein Einfluß auf weltliche
Angelegenheiten ist, wie früher. -- Null. Nach
einem Statue Heinrich's VIII. kann kein Geistli-
cher als Bischof anerkannt werden, der nicht nach
den Bestimmungen dieses Status ernannt ist: nach
diesem Gesetz können alle Ceremonien des Vatican
aus Dr. Wisemun, nicht mehr machen, als er
vorher war. Was die Annahme des Titels:
„„Erzbischof von Westminster““ angeht, so ist
dieselbe entschieden eine geringere Anmaßung, als

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[0002] Laboratorium sind jetzt gleichfalls organisirt und haben am Dienstag nach Bamberg abzugehen und vorläufig dort zu verbleiben. Rittmeister Jeni- son ist zum Ankauf von Pferden nach Norddeutsch- land abgereist. ( A. Ab. ) Dillingen, 23. Okt. Diesen Morgen 7 Uhr verließen von dem dahier in Garnison gelegenen kgl. 3. Chevaulegersregiment 4 Eskadronen unter dem Kommando des Hrn. Obersten die hiesige Stadt; ihr Marsch geht vorläufig nach Bamberg. △ Aus Baden, 24. Okt. Zwei Ereignisse sind es, welche seit gestern unsere politischen Kreise im höchsten Grade in Anspruch nehmen. Der Bundesbeschluß wornach die preußischen Truppen Baden zu verlassen hätten -- und die eilige Besetzung der weimar= kurhessischen Grenze mit 8000 Mann preußischen Truppen. Was die erstere Nachricht betrifft, welche sich bestätigt hat, so zweifelt man sehr daran, daß Preußen diesen Beschluß beachten wird. Jn Betreff der Be- setzung von Kurhessens Grenzen mit preußischen Truppen, so glaubt man jetzt mehr als je an eine baldige friedliche Ausgleichung der Sache und zieht in Zweifel, ob es zu einem Ueber- schreiten der Grenze kommen wird. -- Jn Vil- lingen ist in der Person eines jungen Mädchens von 19 Jahren, die Urheberin verschiedener im Jahre 1848 verübten großen Brandstiftungen, die einen Schaden von über 60,000 fl. verursacht -- entdeckt worden. Sie hat ihr Verbrechen bereits eingestanden. -- Die Verhandlungen zwischen den gr. badischen und der k. württembergischen Re- gierung über den Anschluß der württembergischen Eisenbahn an die badische sind nunmehr beendigt und die Vertrags=Abschließung erfolgt. So viel man erfährt wird die Richtung über Bretten und Bruchsal nicht eingeschlagen werden. -- Jn Bret- ten wird die Errichtung einer Sparkasse vorbe- reitet. -- Jn Mörsburg vermuthet man, daß sich in jener Gegend eine Falschmünzerbande herumtreibe. Amtliche Nachforschungen haben jedoch bis jetzt zu keinem Resultate geführt. -- Eine auffallende Erscheinung ist die große Theil- nahmlosigkeit, welche im ganzen Seekreise für die Schleswig=Holsteiner herrscht, ungeachtet ver- schiedene öffentliche Aufrufe zur Betheiligung an dieser Nationalsache aufgefordert haben. * Aus Baden, 25. Okt. ( Die badische Kammer über die Amnestie. ) Aus den Verhand- lungen unserer zweiten Kammer über die Amne- stie theile ich Jhnen folgendes Ausführliche mit: Nachdem die Kommission den Antrag gestellt hatte, die an der badischen Revolution weniger Bethei- ligten zu amnestiren, -- erklärte sich Regierungs- kommissär v. Stabel im Namen der Regierung dahin, daß die Regierung selbst eine solche Am- nestirung wünsche. Abg. Keller: Jch glaube, diejenigen Badener, die sich stets bis zur konstitui- renden Versammlung gut verhielten und erst im Drange der Regierungslosigkeit sich an der neuen Ordnung betheiligten, sollten ebenfalls an der Gnade*Theil nehmen. Die Lage von Deutsch- land, die Karlsbader und Frankfurter Beschlüsse hatten Alles erbittert und Niemand glaubte an die Möglichkeit der wahren konstitutionellen Mo- narchie; die radikalen Blätter läugneten alle Wohl- thaten und alles Gute unserer eigenen Märzrevo- lution. Was konnten, was sollten die Bürger thun. Die Verschwörer und Anstifter trifft mit Recht alle Strenge, doch nicht so die Bürger, denen die Beamten das Muster der Anhänglichkeit an die neue Regierung gaben. Wenn z. B. ein Auditor unter der neuen Regierung seines Amtes wartete und die Deserteure gerichtlich ver- folgte, so that er seine Schuldigkeit und beging keinen Hochverrath und dennoch ist derselbe Mann nun als ein Hochverräther verurtheilt. Der Ge- horsam gegen eine faktisch bestehende Gewalt wurde von keiner Regierung als Hochverrath verfolgt, selbst Heinrich VIII. in England verfolgte Nie- manden, der seinem vor ihm gestürzten Vorgänger auf dem Throne huldigte. Die französischen fünf Revolutionen und Restaurationen haben niemals den Gehorsam gegen eine faktische Regierung ver- folgt, selbst der Staatsrechtslehrer Klüber hält diesen Gehorsam für kein Verbrechen. Nicht jeder konnte aus Baden fliehen; der aber beging kein Verbrechen, der damals Gehorsam leistete. Der Redner trug schließlich darauf an: die Amnestie auf Diejenigen auszudehnen, die bis zur Einsetz- ung der provisorischen Regierung sich untadelhaft betragen haben und nur durch Dienste und Hand- lungen für dieselbe zur Untersuchung und Bestra- fung kamen. -- Regierungskommissär v. Stabel: Es sind dies wichtige Gesichtspunkte, auf die bei der Amnestie Rücksicht genommen werden wird. -- Abg. Fischer: Wir hatten durch unsere Gesetz- gebung das Volk selbst verdorben. Die Gemeinde- ordnung hat nur für die Prozeßkrämer einen Werth, die Prozeßordnung ist vollends gar ein Karfunkelgesetz, das Alles den Advokaten in die Tasche jagt. Prämien von Hunderttausenden für uneheliche Kinder aussetzt; 50,000 Lügner wurden jedes Jahr damit gezogen. Dieses Gesetz war die offene Revolution gegen alle moralischen Grunndsätze; man lernte und lehrte den Betrug und den Meineid. Unter dem Schutze unserer Gesetzgebung ist alles Schlechte gesetzlich gewor- den; sind die Geistlichen aus der Schule getrie- ben worden, ist der Kirchenbesuch aufgehoben und alle Religiösität begraben wurden, bis Niemand mehr den Wald vor den Bäumen sah und Alles in die Revolution stürzte. Jch will mit unserm Heiland Allen verziehen haben, die nun als reu- ige Sünder am Kreuze hängen, die nicht mußten, was sie thaten. ( Fortsetzung folgt. ) Luremburg, 20. Okt. Prinz Heinrich der Niederlande, schon seit langer Zeit designirter Statthalter des Großherzogthums, wird nun ganz bestimmt am 23. d. M. hier eintreffen, um vor der Kammer den Eid auf die Constitution zu lei- sten. Wie man sagt, soll die Kammer jetzt nicht abgeneigt sein, ihm eine jährliche Civilliste von 40,000 Fr. zu bewilligen. -- Jn der deutschen Frage hat Herr Willmar, Präsident der Regier- ung, in einer der letzten Sitzungen eine Erklärung abgegeben, und zwar dafür, daß der „alte Bund“ der zwar während der Jahre 1848 u. 49 seine Thä- tigkeit unterbrochen habe, in der Wirklichkeit und dem Rechte nach jedoch unbezweifelt fortbestehe, und daß Luxemburg deßhalb keinen Anstand habe nehmen können, die Bundesversammlung in Frank- furt zu beschicken. Jn Bezug auf die an Hrn. v. Scherff ertheilte Jnstructionen deutet Herr Will- mar nur an, daß Oesterreich die Bundesversamm- lung zunächst nur behufs vorzunehmender Revisio- nen der Bundesgesetzgebung zusammengerufen habe, und daß die hiesige Regierung ihrem Vertreter nur unter demgemäßen „Reserven“ die Theilnahme gestattet habe. Die Kammer hat sich mit dieser Erklärung vollständig genügen lassen, und mit dem einzigen Vorbehalt, daß Herr v. Scherff baldmög- lichst durch einen gebornen Luxemburger ersetzt werde, die Vertretungskosten aufs neue bewilligt. ( Köln. Z. ) Wien, 20. Okt. Vorgestern sind hier neue Depeschen aus Berlin für Hrn. v. Bernstorf ein- getroffen, als Erwiderung auf eine aus Bregenz gegen die letzte von Hrn. v. Radowitz eingesandte Note. Das preußische Cabinet legte nämlich in dieser Note ein großes Gewicht auf sein Recht, sich in die kurhessische Angelegenheit einmischen zu können. Fürst v. Schwarzenberg macht dieß Recht abhängig von dem erneuerten Eintritt Preußens zum Bundestag. Hr. v. Radowitz lehnt nicht mehr, wie man uns versichert, so wie früher diese Ansicht ab, er stellt sich blos auf das Terrain der Verständigung zwischen engerem und weiterem Bunde. Man glaubt, daß zu dieser Verständi- gung der König von Bayern seine Mediation an- geboten hat. ( D. Z. a. B. ) Wien, 22. Okt. Seit einigen Tagen bemerkt man in Pest Jndividuen in türkischer Militär- Uniform. Es sollen Ex=Honveds sein, die nach der Capitulirung Komorns in die Türkei gingen, dort, wie ihre Kleidung zeigt, Militärdienste an- nahmen, und jetzt wieder, man weiß nicht auf welche Weise zurückkehrten. Nach auswärtigen Blättern sind Desertirungen aus der Türkei eben nichts seltenes, natürlich sind es meist junge Herrn, die auch in der ungarischen Armee Couriere ode „geborne Offiziere,“ und zwar Hauptleute waren, die kein Pulver riechen konnten, aber desto fleißi- ger aus einem Gasthause in das andere in be- schnürter Uniform spazierten, Karten spielten, aßen, tranken, oder immer -- liefen. Läßt sie die schlechte Behandlung, oder das Beschwerliche des Militärdienstes nicht bleiben? Wenn ersteres der Fall, dann wollen wir kein Wort verlieren, aber nach Berichten aus der Türkei werden dort die Ungarn geschätzt und geliebt, und ihre Lage ist nichts weniger als erbärmlich. Die Flüchtlinge sind daher feige Abenteurer, die in der Meinung, dort eben so ein müßiges Leben, wie während des ungarischen Krieges zu finden, leichtsinnig aus Ungarn entwichen, und noch leichtsinniger, undank- barer, auf eine dem ungarischen Volke eben nicht zur Ehre gereichenden Art auch von hier sich aus dem Staube machten ec. Berlin, 24. Okt. Jn Betreff der Vorschläge, welche Graf Brandenburg in Warschau zu machen habe, enthält die „Deutsche Reichszeitung„ eine Mittheilung, wonach Preußen gegen Vertagung des Parlaments der Union, von Oesterreich das Zugeständniß der freien Conferenzen verlangt. Ferner: in Betreff der Verfassung Deutschlands genehmigt Preußen den Eintritt des Gesammtstaa- tes Oesterreich in den Bund, die Beseitigung ei- ner Volksvertretung bei der zu schaffenden deut- schen Centralstelle und verlangt dagegen vollstän- dige Parität mit Oesterreich. Abgesehen von der Entwickelung der deutschen Frage erbietet sich Preu- ßen, namentlich in der kurhessischen und schleswig- holsteinischen Frage, mit Oesterreich gemeinschaft- lich zu handeln. -- Die „Spener. Ztg.“ bespricht in einem längern Artikel die günstigen Erfolge der österreichischen Politik in Deutschland. Den Haupt- grund für diese Erfolge findet sie darin, weil Oe- sterreich immer wisse, was es wolle und anstrebe, und consequent dabei verharre, Preußen dagegen in einem steten Schwanken zwischen Geben und Zurucknehmen sich bewege. Die Unionspolitik Preußens, heißt es weiter, habe sich unausführ- bar erwiesen, noch unausführbarer aber sei die jetzt angetretene der freien Vereinbarung. Schießlich wird von dem Ministerium die Annahme einer festen Politik und Darlegung derselben vor den Kammern gefordert. Berlin, 24. Okt. Von preußischer Seite ist ein entschiedener Einspruch die von der Bundes- versammlung „im Namen des deutschen Bundes“ vorgenommene Ratification des Friedensvertrages mit Dänemark nach Kopenhagen abgegangen. Preu- ßen erkennt diese Ratifikation nur insofern an, als sie von den einzelnen Regierungen, welche an der Bundesversammlung sich betheiligen, erfolgt ist. Die mit Preußen verbündeten Staaten haben zu diesem Schritt Preußens ihre Zustimmung er- theilt. ( F. O. Z. ) England. London, 20. Okt. Die „Morning Post“ und andere Blätter sprechen sich über das katholische Erzbisthum Westminister ganz ähnlich aus, wie die „Times“. Dagegen enthält Palmerston's Or- gan, der „Globe“, einen Artikel, welcher in sei- ner halboffiziellen Fassung zeigt, daß die Regie- rung in der That, wie Lord Minto versichert hat, den neuen Bischöfen keine Schwierigkeiten machen wird. „Einige Blätter“, heißt es darin, „ schei- nen sehr alarmirt darüber zu sein, daß Cardinal Wiseman als Erzbischof von Westminister von Rom zurückgekehrt. Wir bemerken, daß derselbe ebenso gut Bischof war, als er England verließ, wie er es jetzt ist: seine geistliche Jurisdiction ist ist nicht vergrößert, und sein Einfluß auf weltliche Angelegenheiten ist, wie früher. -- Null. Nach einem Statue Heinrich's VIII. kann kein Geistli- cher als Bischof anerkannt werden, der nicht nach den Bestimmungen dieses Status ernannt ist: nach diesem Gesetz können alle Ceremonien des Vatican aus Dr. Wisemun, nicht mehr machen, als er vorher war. Was die Annahme des Titels: „„Erzbischof von Westminster““ angeht, so ist dieselbe entschieden eine geringere Anmaßung, als

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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 258. Würzburg, 28. Oktober 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische258_1850/2>, abgerufen am 27.05.2019.