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Die Bayerische Presse. Nr. 210. Würzburg, 2. September 1850.

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[Spaltenumbruch] Hr. v. Bodelschwingh nicht mehr gelten ließ ) ,
dasselbe könne nicht deliberiren. Man hat den
engern Rath berufen; und nun droht Preußen,
wenn derselbe die Verwaltung führe, wozu es
ihm die Competenz am 30. September zugestan-
den. Und da ist nun auch die Geschichte mit
den Militärverträgen dazwischen gekommen. Da
diese dem Art. 5 der Bundeskriegsverfassung wi-
dersprechen, und Oesterreich auf dieses im § 6
des Vertrags vom 30. September 1849 aner-
kannte Bundesgesetz hält, ist das gar ein casus
belli
; der Bund gilt zwar, aber nicht das Bun-
desrecht; -- so sagt man. Also der Bund gilt;
aber ohne Verfassung und ohne Recht. Was
gilt denn? wo bleiben die Rechte und Pflichten,
die Herr v. Bodelschwingh am 17. Oktober v.
J. doch anerkannte? Es kommt uns vor, als ob
in diesem Federkriege ein Mannöver stattgefun-
den hätte, wie es in wirklichen Kriegen wohl
einmal begegnet, daß die Heere mit dem Ge-
sichte gegen das Land gekehrt sind, das sie ver-
theidigen. Das ist selten gut. Es gemahnt uns
auch, daß es doch ein weiser Satz des Civilrechts
sei, daß jeder Theilhaber einer Societät oder
Gemeinschaft das Recht habe, die Auflösung zu
verlangen, wenn dabei nur ein Staatsrecht, in
Deutschland zumal, bestehen könnte. Allein wir
fürchten, eine Politik, die sich auf diesen Boden
stellt, ist keine gute. Wir schreiben dies am
Jahrestag der Rede, in welcher Herr v. Rado-
witz den Bund mit Allen, mit Vielen, oder mit
Wemgen in Aussicht stellte. Hat nun Preußens
Stellung seitdem gewonnen? -- Möchten wir es
doch alle erkennen, daß in dialectischen Formen
und Argumentationen kein Heil ist, daß sie nim-
mermehr zum Rechte, zur Eintracht führen; und
daß doch Recht und Eintracht allein Heil brin-
gen. Das Allereinfachste ist das Politischste und
das Wahrste. Friede ernährt, Unfriede verzehrt.

Deutschland.

München, 30. August. Eingetroffenen Nach-
richten im griechischen Gesandtschaftshotel zufolge
ist König Otto von Griechenland gestern Abends
in Jnnsbruck und heute Nachmittag in Hohen-
schwangau eingetroffen. -- Fürst Gortschakoff,
General=Gouverneur der Provinz Warschau, ist
heute, von mehreren russischen Notabilitäten er-
wartet, hier angekommen. -- Die Offiziere des
in Tyrol und Vorarlberg stehenden österreichischen
Armeekorps machen häufige Ausflüge in die Um-
gebung und selbst hierher. Glaubwürdigen Nach-
richten zufolge sind nun diese Beurlaubungen vor-
läufig eingestellt worden.

   

München, 31. August. Der kgl. Staatsmi-
nister des Jnnern für Kirchen= und Schulangele-
genheiten, Hr. Dr. v. Ringelmann, ist aus sei-
nem Urlaub zurück hier wieder eingetroffen. --
Der kgl. Ministerialrath im Handelsministerium
Hr. v. Kleinschrod ist von hier nach Mainz abge-
reist, um als Bevollmächtigter Bayerns an den
Anfang September daselbst wieder beginnenden
Verhandlungen der Central=Rheinschifffahrtskom-
mission Theil zu nehmen.

München, 31. Aug. Der Kommandant des
I. Armeekorps, Generallieutenant Graf v. Ysen-
burg, und der Kommandant der I. Kavallerie-
Division Se. Hoh. Prinz Eduard von Sachsen-
Altenburg inspizirten heute das hiesige Kuirassier-
Regiment und begeben sich zu gleichem Zwecke
morgen nach Augsburg und Dillingen. Bei die-
sen Jnspektionen wird zum ersten Male mit den
neuen Feldkesseln ausgerückt, welche auf der rech-
ten Seite des Pferdes angebracht sind. -- Nach
der "Allg. Ztg." führt das gedachte Armeekorps
den Titel: "Bayerisches Beobachtungskorps am
Main", unter Kommando des Generalmajors
Grafen Guiot du Ponteil, welchem der
Hauptmann vom General=Quartiermeisterstabe
Max Graf v. Bodner beigegeben ist. Wie
man vernimmt, geschieht diese Aufstellung auf
Requisition des Bundes und in Folge der Lage
der Dinge in Churhessen.

[Spaltenumbruch]

Zweibrücken, 29. August. Der Redakteur
der "Speyerer Zeitung", ehemaliges Parlaments-
mitglied und Landtagsdeputirte Kolb stand heute
wegen Preußvergehen vor den Assisen. Die Ver-
handlungen dauerten bis Nachts 12 Uhr. Das
Auditorium war äußerst zahlreich. Nach langer
Berathung sprachen die Geschworenen das Schul-
dig aus und das Assisengericht verurtheilte den
Angeklagten zu 1 Monat Gefängniß und 100 fl.
Geldstrafe.

   
Schleswig=holsteinische Ange-
legenheiten
.

Schleswig=Holstein. Der "Alt. Merk." ent-
hält folgenden Aufruf an alle waffenfähigen Mann-
schaften des Landes: Das Vaterland bedarf der
Vertheidigung aller ihm zu Gebote stehenden
Kräfte. Es ergeht demnach hiermit, im Auf-
trage der Statthalterschaft, die Aufforderung an
alle waffenfähige Männer und Jünglinge des Lan-
des, die bisher nicht der Armee angehören, sich
ungesäumt in Rendsburg in dem zu ihrer An-
nahme errichteten "Enrollirungsbureau für frei-
willige Landessöhne" zu melden. Es wird bei
deren Annahme nicht auf das Alter Rücksicht ge-
nommen werden, sondern wird nur ihr Gesund-
heitszustand und ihre körperliche Tüchtigkeit allein
über dieselben entscheiden. Rendsburg, den 25.
August 1850. Das Departement des Kriegs.
Krohn. Jensen.

Paris, 27. August. Der Corresponden des
"National" aus den Herzogthümern berichtet heute:
"Nach glaubwürdigen Quellen hat der französi-
sche Gesandte in Kopenhagen ein Prememoria über
bie Lösung der Frage der Herzogthümer überreicht.
Er stellt einerseits den Grundsatz der vollständi-
den Trennung der Herzogthümer von Deutschland
und andererseits eine breite Concession an diesel-
ben, namentlich ihre Union, als maßgebend auf.
Hingegen würden sie für immer unter einer Dy-
nastie mit Dänemark verbunden werden, jedoch
mit eigener Verfassung, Verwaltung und Finanz-
leitung. Allein die Armee und die auswärtige
Repräsentation wären beiden Theilen des neuen
Dänemarks gemeinschaftlich. Wenn ich gut un-
terricht bin, hat die Gesandschaft diesen Vorschlag
auch der Staathalterschaft überreicht und ist man
übereingekommen, vor Abgabe einer Antwort auf
diese Depesche die Feindseligkeiten nicht wieder
zu beginnen. Rußland erwartet jetzt in Ruhe
zwei Dinge: 1 ) daß der franz. Vorschlag gegen-
über den Schwierigkeiten, über welche das franz.
Cabinet zu unterrichten nicht für gut befunden,
ohne Erfolg bleibt; 2 ) daß im Falle der beinahe
unausbleiblichen Nichtannahme von Seite der Her-
zogthümer die französische Diplomatie bei Seite
geschoben werde und diese aus Verdruß über den
fehlgeschlagenen Vergleichsversuch die Vermittler-
rolle aufgebe, um der russischen Politik beizutre-
ten." -- Der Correspondent schließt mit der Be-
merkung: "Zum ersten Male wird sich Frankreich
in den nordischen Angelegenheiten unmittelbar aus-
sprechen. Die von ihm gewählte Position wird
einen entscheidenden Einfluß nicht blos auf unsere
Zukunft, sondern auch auf die des ganzen nörd-
lichen Europa's ausüben." -- Daß ein französi-
sches Memoire von dem oben angegebenen Jn-
halte in Kopenhagen und an die Statthalterschaft
überreicht wurde, ist gewiß. Es scheint, daß man
sich in Kopenhagen in großer Verlegenheit befin-
det und nicht mehr weiß, welchen einheimischen
und fremden Rathgebern man folgen und vertrauen
darf. Man hat daselbst seit dem Londoner Pro-
tokolle alle Selbstständigkeit verloren und sieht
bereits hell, daß man auf einer russischen Mine
wandelt.

Rendsburg, 27. Aug. Die Cholera ist hier
nicht unbedeutend und hat namentlich auch einen
Angriff auf unser Hauptquartier gemacht. V. d.
Tann und der Prinz von Augustenburg haben
Anfälle der Krankheit gehabt, sind aber, Gott
sei Dank, wieder vollständig auf dem Wege der
Besserung. Leider wird der gestrige, regnerisch
stürmische Tag den Gesundheitszustand insbeson-
[Spaltenumbruch] dere bei den im Bivouak liegenden Truppen nicht
verbessert haben. Die feindliche Armee soll von
typhösen Krankheiten sehr hart mitgenommen wer-
den. -- Außer dem bereits gemeldeten Vorposten-
gefechte bei Altenhof, bei dem übrigens nicht das
2., sondern das 5. Jägercorps engagirt war, hat
es in der Nacht von vorgestern zu gestern noch
ein Scharmützel bei Süderstapel gegeben, bei dem
sich der bekannte Haus v. Raumer ausgezeichnet
hat. -- Buchhändler Schwetschke von Halle, der
humoristische Verfasser der neuesten Epistolae
obscurorum virorum
, ist auf Besuch hier an-
gekommen. -- Der Zufluß von Freiwilligen dauert
fort, man wünscht aber sehr noch eine größere
Anzahl von Offizieren eintreten zu sehen, deren
man wohl noch gegen 100 würde gebrauchen
können.

Altona, 28. Aug. Mit dem Abendbahnzuge
kommt die Nachricht, der dänische General de
Meza sei in Folge der in dem Gefecht bei Du-
venstedt erhaltenen Verwundung auf dem Prinzen
Palais in Schleswig verstorben.

Rendsburg, 29. August. Es heißt in einer
von einem schwedischen Offizier, der im vorjähri-
gen Feldzuge als Freiwilliger in der dänischen
Armee gedient hat, kürzlich herausgegebenen, vor
uns liegenden Schrift: "Die skandinavischen Sym-
pathien waren im Jahre 1848 derjenige Hebel,
welcher die schwedische Nation zu einer schwärme-
rischen Theilnahme für das Schicksal des Nach-
barreichs bewog. Der Schluß des Feldzuges im
Jahre 1849 hatte dagegen bei den meisten Schwe-
den, die während einer längeren Zeit in der dä-
nischen Armee gedient hatten, Ansichten hinterlas-
sen, denjenigen durchaus entgegengesetzt, mit wel-
chen sie den dänischen Boden betreten hatten, und
es erkalteten die Gefühle für ein Volk, mit dem
sie die Gefahren des Kampfes getheilt hatten."
Obiger Ausspruch, motivirt durch die Schilderun-
gen, die der Verfasser von den dänischen Zustän-
den und der Gesinnungslosigkeit des dänischen
Volks entwirft, erhält eben dadurch, daß in diesen
Tagen ein schwedischer Offizier in unsere Armee
eingetreten ist, um so mehr Gewicht. Seiner Aus-
sage nach würden ohne Zweifel manche seiner
Landsleute seinem Beispiele folgen, falls es ihnen
von ihrer Regierung gestattet würde. Uebrigens
soll die schwedische Regierung andererseits keinen
Urlaub zum Eintritt in die dänische Armee er-
theilen und somit wäre denn auch das Gerücht,
als ob eine Menge Schweden und Norweger in
dänische Dienste getreten seien, widerlegt.

Wiesbaden, 31. August. Heute Morgen um
6 Uhr ist der Graf von Chambord von hier ab-
gereist. Er nahm seinen Weg über Frankfurt.
Hr. Barande wurde durch Unwohlsein verhindert,
den Grafen zu begleiten. Gestern um 4 Uhr
Nachmittags empfing der Graf v. Chambord noch
die Abschiedsbesuche der hier anwesenden Legitimi-
sten. Er entließ dieselben mit folgenden Worten:
"Meine Freunde! Jch biete Euch, die Jhr Euern
Herd, Eure Familien meinetwegen verlassen habt,
meine letzten Grüße. Jch danke Euch für die mir
kundgegebenen Gefühle. Jhr kennt die Männer,
die mein Vertrauen besitzen; unser Weg ist uns
vorgezeichnet, wir wollen diesen Weg mit Strenge
und mit Versöhnlichkeit verfolgen. ( Ja! Ja! )
Wenn Frankreich, die gesellschaftliche Ordnung be-
droht wird und eines Tages jenes Mannes be-
darf, den Jhr Euren König nennt, und der Euer
Aller Freund ist ( Es lebe der König! ) , sollen sie
uns, Euch wie mich bereit finden. Lebt wohl,
meine Freunde! Lebt wohl!"

   

Kassel, 29. August. Jn der heutigen Sitzung
der Ständeversammlung wurde der folgende wei-
tere Entwurf einer Adresse an den Landesherrn
einstimmig angenommen: Königliche Hoheit! Durch
den mit der Eröffnung des Landtags beauftragten
Kommissär haben Ew. kgl. Hoheit die zuversicht-
liche Hoffnung aussprechen lassen, daß unsere Thä-
tigkeit eine segenbringende sein werde. Auch wir
hegen die Hoffnung und wünschen nichts sehnli-
cher, als der Staatsregierung die Unterstützung

[Spaltenumbruch] Hr. v. Bodelschwingh nicht mehr gelten ließ ) ,
dasselbe könne nicht deliberiren. Man hat den
engern Rath berufen; und nun droht Preußen,
wenn derselbe die Verwaltung führe, wozu es
ihm die Competenz am 30. September zugestan-
den. Und da ist nun auch die Geschichte mit
den Militärverträgen dazwischen gekommen. Da
diese dem Art. 5 der Bundeskriegsverfassung wi-
dersprechen, und Oesterreich auf dieses im § 6
des Vertrags vom 30. September 1849 aner-
kannte Bundesgesetz hält, ist das gar ein casus
belli
; der Bund gilt zwar, aber nicht das Bun-
desrecht; -- so sagt man. Also der Bund gilt;
aber ohne Verfassung und ohne Recht. Was
gilt denn? wo bleiben die Rechte und Pflichten,
die Herr v. Bodelschwingh am 17. Oktober v.
J. doch anerkannte? Es kommt uns vor, als ob
in diesem Federkriege ein Mannöver stattgefun-
den hätte, wie es in wirklichen Kriegen wohl
einmal begegnet, daß die Heere mit dem Ge-
sichte gegen das Land gekehrt sind, das sie ver-
theidigen. Das ist selten gut. Es gemahnt uns
auch, daß es doch ein weiser Satz des Civilrechts
sei, daß jeder Theilhaber einer Societät oder
Gemeinschaft das Recht habe, die Auflösung zu
verlangen, wenn dabei nur ein Staatsrecht, in
Deutschland zumal, bestehen könnte. Allein wir
fürchten, eine Politik, die sich auf diesen Boden
stellt, ist keine gute. Wir schreiben dies am
Jahrestag der Rede, in welcher Herr v. Rado-
witz den Bund mit Allen, mit Vielen, oder mit
Wemgen in Aussicht stellte. Hat nun Preußens
Stellung seitdem gewonnen? -- Möchten wir es
doch alle erkennen, daß in dialectischen Formen
und Argumentationen kein Heil ist, daß sie nim-
mermehr zum Rechte, zur Eintracht führen; und
daß doch Recht und Eintracht allein Heil brin-
gen. Das Allereinfachste ist das Politischste und
das Wahrste. Friede ernährt, Unfriede verzehrt.

Deutschland.

München, 30. August. Eingetroffenen Nach-
richten im griechischen Gesandtschaftshotel zufolge
ist König Otto von Griechenland gestern Abends
in Jnnsbruck und heute Nachmittag in Hohen-
schwangau eingetroffen. -- Fürst Gortschakoff,
General=Gouverneur der Provinz Warschau, ist
heute, von mehreren russischen Notabilitäten er-
wartet, hier angekommen. -- Die Offiziere des
in Tyrol und Vorarlberg stehenden österreichischen
Armeekorps machen häufige Ausflüge in die Um-
gebung und selbst hierher. Glaubwürdigen Nach-
richten zufolge sind nun diese Beurlaubungen vor-
läufig eingestellt worden.

   

München, 31. August. Der kgl. Staatsmi-
nister des Jnnern für Kirchen= und Schulangele-
genheiten, Hr. Dr. v. Ringelmann, ist aus sei-
nem Urlaub zurück hier wieder eingetroffen. --
Der kgl. Ministerialrath im Handelsministerium
Hr. v. Kleinschrod ist von hier nach Mainz abge-
reist, um als Bevollmächtigter Bayerns an den
Anfang September daselbst wieder beginnenden
Verhandlungen der Central=Rheinschifffahrtskom-
mission Theil zu nehmen.

München, 31. Aug. Der Kommandant des
I. Armeekorps, Generallieutenant Graf v. Ysen-
burg, und der Kommandant der I. Kavallerie-
Division Se. Hoh. Prinz Eduard von Sachsen-
Altenburg inspizirten heute das hiesige Kuirassier-
Regiment und begeben sich zu gleichem Zwecke
morgen nach Augsburg und Dillingen. Bei die-
sen Jnspektionen wird zum ersten Male mit den
neuen Feldkesseln ausgerückt, welche auf der rech-
ten Seite des Pferdes angebracht sind. -- Nach
der „Allg. Ztg.“ führt das gedachte Armeekorps
den Titel: „Bayerisches Beobachtungskorps am
Main“, unter Kommando des Generalmajors
Grafen Guiot du Ponteil, welchem der
Hauptmann vom General=Quartiermeisterstabe
Max Graf v. Bodner beigegeben ist. Wie
man vernimmt, geschieht diese Aufstellung auf
Requisition des Bundes und in Folge der Lage
der Dinge in Churhessen.

[Spaltenumbruch]

Zweibrücken, 29. August. Der Redakteur
der „Speyerer Zeitung“, ehemaliges Parlaments-
mitglied und Landtagsdeputirte Kolb stand heute
wegen Preußvergehen vor den Assisen. Die Ver-
handlungen dauerten bis Nachts 12 Uhr. Das
Auditorium war äußerst zahlreich. Nach langer
Berathung sprachen die Geschworenen das Schul-
dig aus und das Assisengericht verurtheilte den
Angeklagten zu 1 Monat Gefängniß und 100 fl.
Geldstrafe.

   
Schleswig=holsteinische Ange-
legenheiten
.

Schleswig=Holstein. Der „Alt. Merk.“ ent-
hält folgenden Aufruf an alle waffenfähigen Mann-
schaften des Landes: Das Vaterland bedarf der
Vertheidigung aller ihm zu Gebote stehenden
Kräfte. Es ergeht demnach hiermit, im Auf-
trage der Statthalterschaft, die Aufforderung an
alle waffenfähige Männer und Jünglinge des Lan-
des, die bisher nicht der Armee angehören, sich
ungesäumt in Rendsburg in dem zu ihrer An-
nahme errichteten „Enrollirungsbureau für frei-
willige Landessöhne“ zu melden. Es wird bei
deren Annahme nicht auf das Alter Rücksicht ge-
nommen werden, sondern wird nur ihr Gesund-
heitszustand und ihre körperliche Tüchtigkeit allein
über dieselben entscheiden. Rendsburg, den 25.
August 1850. Das Departement des Kriegs.
Krohn. Jensen.

Paris, 27. August. Der Corresponden des
„National“ aus den Herzogthümern berichtet heute:
„Nach glaubwürdigen Quellen hat der französi-
sche Gesandte in Kopenhagen ein Prememoria über
bie Lösung der Frage der Herzogthümer überreicht.
Er stellt einerseits den Grundsatz der vollständi-
den Trennung der Herzogthümer von Deutschland
und andererseits eine breite Concession an diesel-
ben, namentlich ihre Union, als maßgebend auf.
Hingegen würden sie für immer unter einer Dy-
nastie mit Dänemark verbunden werden, jedoch
mit eigener Verfassung, Verwaltung und Finanz-
leitung. Allein die Armee und die auswärtige
Repräsentation wären beiden Theilen des neuen
Dänemarks gemeinschaftlich. Wenn ich gut un-
terricht bin, hat die Gesandschaft diesen Vorschlag
auch der Staathalterschaft überreicht und ist man
übereingekommen, vor Abgabe einer Antwort auf
diese Depesche die Feindseligkeiten nicht wieder
zu beginnen. Rußland erwartet jetzt in Ruhe
zwei Dinge: 1 ) daß der franz. Vorschlag gegen-
über den Schwierigkeiten, über welche das franz.
Cabinet zu unterrichten nicht für gut befunden,
ohne Erfolg bleibt; 2 ) daß im Falle der beinahe
unausbleiblichen Nichtannahme von Seite der Her-
zogthümer die französische Diplomatie bei Seite
geschoben werde und diese aus Verdruß über den
fehlgeschlagenen Vergleichsversuch die Vermittler-
rolle aufgebe, um der russischen Politik beizutre-
ten.“ -- Der Correspondent schließt mit der Be-
merkung: „Zum ersten Male wird sich Frankreich
in den nordischen Angelegenheiten unmittelbar aus-
sprechen. Die von ihm gewählte Position wird
einen entscheidenden Einfluß nicht blos auf unsere
Zukunft, sondern auch auf die des ganzen nörd-
lichen Europa's ausüben.“ -- Daß ein französi-
sches Memoire von dem oben angegebenen Jn-
halte in Kopenhagen und an die Statthalterschaft
überreicht wurde, ist gewiß. Es scheint, daß man
sich in Kopenhagen in großer Verlegenheit befin-
det und nicht mehr weiß, welchen einheimischen
und fremden Rathgebern man folgen und vertrauen
darf. Man hat daselbst seit dem Londoner Pro-
tokolle alle Selbstständigkeit verloren und sieht
bereits hell, daß man auf einer russischen Mine
wandelt.

Rendsburg, 27. Aug. Die Cholera ist hier
nicht unbedeutend und hat namentlich auch einen
Angriff auf unser Hauptquartier gemacht. V. d.
Tann und der Prinz von Augustenburg haben
Anfälle der Krankheit gehabt, sind aber, Gott
sei Dank, wieder vollständig auf dem Wege der
Besserung. Leider wird der gestrige, regnerisch
stürmische Tag den Gesundheitszustand insbeson-
[Spaltenumbruch] dere bei den im Bivouak liegenden Truppen nicht
verbessert haben. Die feindliche Armee soll von
typhösen Krankheiten sehr hart mitgenommen wer-
den. -- Außer dem bereits gemeldeten Vorposten-
gefechte bei Altenhof, bei dem übrigens nicht das
2., sondern das 5. Jägercorps engagirt war, hat
es in der Nacht von vorgestern zu gestern noch
ein Scharmützel bei Süderstapel gegeben, bei dem
sich der bekannte Haus v. Raumer ausgezeichnet
hat. -- Buchhändler Schwetschke von Halle, der
humoristische Verfasser der neuesten Epistolae
obscurorum virorum
, ist auf Besuch hier an-
gekommen. -- Der Zufluß von Freiwilligen dauert
fort, man wünscht aber sehr noch eine größere
Anzahl von Offizieren eintreten zu sehen, deren
man wohl noch gegen 100 würde gebrauchen
können.

Altona, 28. Aug. Mit dem Abendbahnzuge
kommt die Nachricht, der dänische General de
Meza sei in Folge der in dem Gefecht bei Du-
venstedt erhaltenen Verwundung auf dem Prinzen
Palais in Schleswig verstorben.

Rendsburg, 29. August. Es heißt in einer
von einem schwedischen Offizier, der im vorjähri-
gen Feldzuge als Freiwilliger in der dänischen
Armee gedient hat, kürzlich herausgegebenen, vor
uns liegenden Schrift: „Die skandinavischen Sym-
pathien waren im Jahre 1848 derjenige Hebel,
welcher die schwedische Nation zu einer schwärme-
rischen Theilnahme für das Schicksal des Nach-
barreichs bewog. Der Schluß des Feldzuges im
Jahre 1849 hatte dagegen bei den meisten Schwe-
den, die während einer längeren Zeit in der dä-
nischen Armee gedient hatten, Ansichten hinterlas-
sen, denjenigen durchaus entgegengesetzt, mit wel-
chen sie den dänischen Boden betreten hatten, und
es erkalteten die Gefühle für ein Volk, mit dem
sie die Gefahren des Kampfes getheilt hatten.“
Obiger Ausspruch, motivirt durch die Schilderun-
gen, die der Verfasser von den dänischen Zustän-
den und der Gesinnungslosigkeit des dänischen
Volks entwirft, erhält eben dadurch, daß in diesen
Tagen ein schwedischer Offizier in unsere Armee
eingetreten ist, um so mehr Gewicht. Seiner Aus-
sage nach würden ohne Zweifel manche seiner
Landsleute seinem Beispiele folgen, falls es ihnen
von ihrer Regierung gestattet würde. Uebrigens
soll die schwedische Regierung andererseits keinen
Urlaub zum Eintritt in die dänische Armee er-
theilen und somit wäre denn auch das Gerücht,
als ob eine Menge Schweden und Norweger in
dänische Dienste getreten seien, widerlegt.

Wiesbaden, 31. August. Heute Morgen um
6 Uhr ist der Graf von Chambord von hier ab-
gereist. Er nahm seinen Weg über Frankfurt.
Hr. Barande wurde durch Unwohlsein verhindert,
den Grafen zu begleiten. Gestern um 4 Uhr
Nachmittags empfing der Graf v. Chambord noch
die Abschiedsbesuche der hier anwesenden Legitimi-
sten. Er entließ dieselben mit folgenden Worten:
„Meine Freunde! Jch biete Euch, die Jhr Euern
Herd, Eure Familien meinetwegen verlassen habt,
meine letzten Grüße. Jch danke Euch für die mir
kundgegebenen Gefühle. Jhr kennt die Männer,
die mein Vertrauen besitzen; unser Weg ist uns
vorgezeichnet, wir wollen diesen Weg mit Strenge
und mit Versöhnlichkeit verfolgen. ( Ja! Ja! )
Wenn Frankreich, die gesellschaftliche Ordnung be-
droht wird und eines Tages jenes Mannes be-
darf, den Jhr Euren König nennt, und der Euer
Aller Freund ist ( Es lebe der König! ) , sollen sie
uns, Euch wie mich bereit finden. Lebt wohl,
meine Freunde! Lebt wohl!“

   

Kassel, 29. August. Jn der heutigen Sitzung
der Ständeversammlung wurde der folgende wei-
tere Entwurf einer Adresse an den Landesherrn
einstimmig angenommen: Königliche Hoheit! Durch
den mit der Eröffnung des Landtags beauftragten
Kommissär haben Ew. kgl. Hoheit die zuversicht-
liche Hoffnung aussprechen lassen, daß unsere Thä-
tigkeit eine segenbringende sein werde. Auch wir
hegen die Hoffnung und wünschen nichts sehnli-
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[0002] Hr. v. Bodelschwingh nicht mehr gelten ließ ) , dasselbe könne nicht deliberiren. Man hat den engern Rath berufen; und nun droht Preußen, wenn derselbe die Verwaltung führe, wozu es ihm die Competenz am 30. September zugestan- den. Und da ist nun auch die Geschichte mit den Militärverträgen dazwischen gekommen. Da diese dem Art. 5 der Bundeskriegsverfassung wi- dersprechen, und Oesterreich auf dieses im § 6 des Vertrags vom 30. September 1849 aner- kannte Bundesgesetz hält, ist das gar ein casus belli; der Bund gilt zwar, aber nicht das Bun- desrecht; -- so sagt man. Also der Bund gilt; aber ohne Verfassung und ohne Recht. Was gilt denn? wo bleiben die Rechte und Pflichten, die Herr v. Bodelschwingh am 17. Oktober v. J. doch anerkannte? Es kommt uns vor, als ob in diesem Federkriege ein Mannöver stattgefun- den hätte, wie es in wirklichen Kriegen wohl einmal begegnet, daß die Heere mit dem Ge- sichte gegen das Land gekehrt sind, das sie ver- theidigen. Das ist selten gut. Es gemahnt uns auch, daß es doch ein weiser Satz des Civilrechts sei, daß jeder Theilhaber einer Societät oder Gemeinschaft das Recht habe, die Auflösung zu verlangen, wenn dabei nur ein Staatsrecht, in Deutschland zumal, bestehen könnte. Allein wir fürchten, eine Politik, die sich auf diesen Boden stellt, ist keine gute. Wir schreiben dies am Jahrestag der Rede, in welcher Herr v. Rado- witz den Bund mit Allen, mit Vielen, oder mit Wemgen in Aussicht stellte. Hat nun Preußens Stellung seitdem gewonnen? -- Möchten wir es doch alle erkennen, daß in dialectischen Formen und Argumentationen kein Heil ist, daß sie nim- mermehr zum Rechte, zur Eintracht führen; und daß doch Recht und Eintracht allein Heil brin- gen. Das Allereinfachste ist das Politischste und das Wahrste. Friede ernährt, Unfriede verzehrt. Deutschland. München, 30. August. Eingetroffenen Nach- richten im griechischen Gesandtschaftshotel zufolge ist König Otto von Griechenland gestern Abends in Jnnsbruck und heute Nachmittag in Hohen- schwangau eingetroffen. -- Fürst Gortschakoff, General=Gouverneur der Provinz Warschau, ist heute, von mehreren russischen Notabilitäten er- wartet, hier angekommen. -- Die Offiziere des in Tyrol und Vorarlberg stehenden österreichischen Armeekorps machen häufige Ausflüge in die Um- gebung und selbst hierher. Glaubwürdigen Nach- richten zufolge sind nun diese Beurlaubungen vor- läufig eingestellt worden. ( A. Ab. ) München, 31. August. Der kgl. Staatsmi- nister des Jnnern für Kirchen= und Schulangele- genheiten, Hr. Dr. v. Ringelmann, ist aus sei- nem Urlaub zurück hier wieder eingetroffen. -- Der kgl. Ministerialrath im Handelsministerium Hr. v. Kleinschrod ist von hier nach Mainz abge- reist, um als Bevollmächtigter Bayerns an den Anfang September daselbst wieder beginnenden Verhandlungen der Central=Rheinschifffahrtskom- mission Theil zu nehmen. München, 31. Aug. Der Kommandant des I. Armeekorps, Generallieutenant Graf v. Ysen- burg, und der Kommandant der I. Kavallerie- Division Se. Hoh. Prinz Eduard von Sachsen- Altenburg inspizirten heute das hiesige Kuirassier- Regiment und begeben sich zu gleichem Zwecke morgen nach Augsburg und Dillingen. Bei die- sen Jnspektionen wird zum ersten Male mit den neuen Feldkesseln ausgerückt, welche auf der rech- ten Seite des Pferdes angebracht sind. -- Nach der „Allg. Ztg.“ führt das gedachte Armeekorps den Titel: „Bayerisches Beobachtungskorps am Main“, unter Kommando des Generalmajors Grafen Guiot du Ponteil, welchem der Hauptmann vom General=Quartiermeisterstabe Max Graf v. Bodner beigegeben ist. Wie man vernimmt, geschieht diese Aufstellung auf Requisition des Bundes und in Folge der Lage der Dinge in Churhessen. Zweibrücken, 29. August. Der Redakteur der „Speyerer Zeitung“, ehemaliges Parlaments- mitglied und Landtagsdeputirte Kolb stand heute wegen Preußvergehen vor den Assisen. Die Ver- handlungen dauerten bis Nachts 12 Uhr. Das Auditorium war äußerst zahlreich. Nach langer Berathung sprachen die Geschworenen das Schul- dig aus und das Assisengericht verurtheilte den Angeklagten zu 1 Monat Gefängniß und 100 fl. Geldstrafe. ( N. A. Z. ) Schleswig=holsteinische Ange- legenheiten . Schleswig=Holstein. Der „Alt. Merk.“ ent- hält folgenden Aufruf an alle waffenfähigen Mann- schaften des Landes: Das Vaterland bedarf der Vertheidigung aller ihm zu Gebote stehenden Kräfte. Es ergeht demnach hiermit, im Auf- trage der Statthalterschaft, die Aufforderung an alle waffenfähige Männer und Jünglinge des Lan- des, die bisher nicht der Armee angehören, sich ungesäumt in Rendsburg in dem zu ihrer An- nahme errichteten „Enrollirungsbureau für frei- willige Landessöhne“ zu melden. Es wird bei deren Annahme nicht auf das Alter Rücksicht ge- nommen werden, sondern wird nur ihr Gesund- heitszustand und ihre körperliche Tüchtigkeit allein über dieselben entscheiden. Rendsburg, den 25. August 1850. Das Departement des Kriegs. Krohn. Jensen. Paris, 27. August. Der Corresponden des „National“ aus den Herzogthümern berichtet heute: „Nach glaubwürdigen Quellen hat der französi- sche Gesandte in Kopenhagen ein Prememoria über bie Lösung der Frage der Herzogthümer überreicht. Er stellt einerseits den Grundsatz der vollständi- den Trennung der Herzogthümer von Deutschland und andererseits eine breite Concession an diesel- ben, namentlich ihre Union, als maßgebend auf. Hingegen würden sie für immer unter einer Dy- nastie mit Dänemark verbunden werden, jedoch mit eigener Verfassung, Verwaltung und Finanz- leitung. Allein die Armee und die auswärtige Repräsentation wären beiden Theilen des neuen Dänemarks gemeinschaftlich. Wenn ich gut un- terricht bin, hat die Gesandschaft diesen Vorschlag auch der Staathalterschaft überreicht und ist man übereingekommen, vor Abgabe einer Antwort auf diese Depesche die Feindseligkeiten nicht wieder zu beginnen. Rußland erwartet jetzt in Ruhe zwei Dinge: 1 ) daß der franz. Vorschlag gegen- über den Schwierigkeiten, über welche das franz. Cabinet zu unterrichten nicht für gut befunden, ohne Erfolg bleibt; 2 ) daß im Falle der beinahe unausbleiblichen Nichtannahme von Seite der Her- zogthümer die französische Diplomatie bei Seite geschoben werde und diese aus Verdruß über den fehlgeschlagenen Vergleichsversuch die Vermittler- rolle aufgebe, um der russischen Politik beizutre- ten.“ -- Der Correspondent schließt mit der Be- merkung: „Zum ersten Male wird sich Frankreich in den nordischen Angelegenheiten unmittelbar aus- sprechen. Die von ihm gewählte Position wird einen entscheidenden Einfluß nicht blos auf unsere Zukunft, sondern auch auf die des ganzen nörd- lichen Europa's ausüben.“ -- Daß ein französi- sches Memoire von dem oben angegebenen Jn- halte in Kopenhagen und an die Statthalterschaft überreicht wurde, ist gewiß. Es scheint, daß man sich in Kopenhagen in großer Verlegenheit befin- det und nicht mehr weiß, welchen einheimischen und fremden Rathgebern man folgen und vertrauen darf. Man hat daselbst seit dem Londoner Pro- tokolle alle Selbstständigkeit verloren und sieht bereits hell, daß man auf einer russischen Mine wandelt. Rendsburg, 27. Aug. Die Cholera ist hier nicht unbedeutend und hat namentlich auch einen Angriff auf unser Hauptquartier gemacht. V. d. Tann und der Prinz von Augustenburg haben Anfälle der Krankheit gehabt, sind aber, Gott sei Dank, wieder vollständig auf dem Wege der Besserung. Leider wird der gestrige, regnerisch stürmische Tag den Gesundheitszustand insbeson- dere bei den im Bivouak liegenden Truppen nicht verbessert haben. Die feindliche Armee soll von typhösen Krankheiten sehr hart mitgenommen wer- den. -- Außer dem bereits gemeldeten Vorposten- gefechte bei Altenhof, bei dem übrigens nicht das 2., sondern das 5. Jägercorps engagirt war, hat es in der Nacht von vorgestern zu gestern noch ein Scharmützel bei Süderstapel gegeben, bei dem sich der bekannte Haus v. 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Der Schluß des Feldzuges im Jahre 1849 hatte dagegen bei den meisten Schwe- den, die während einer längeren Zeit in der dä- nischen Armee gedient hatten, Ansichten hinterlas- sen, denjenigen durchaus entgegengesetzt, mit wel- chen sie den dänischen Boden betreten hatten, und es erkalteten die Gefühle für ein Volk, mit dem sie die Gefahren des Kampfes getheilt hatten.“ Obiger Ausspruch, motivirt durch die Schilderun- gen, die der Verfasser von den dänischen Zustän- den und der Gesinnungslosigkeit des dänischen Volks entwirft, erhält eben dadurch, daß in diesen Tagen ein schwedischer Offizier in unsere Armee eingetreten ist, um so mehr Gewicht. Seiner Aus- sage nach würden ohne Zweifel manche seiner Landsleute seinem Beispiele folgen, falls es ihnen von ihrer Regierung gestattet würde. Uebrigens soll die schwedische Regierung andererseits keinen Urlaub zum Eintritt in die dänische Armee er- theilen und somit wäre denn auch das Gerücht, als ob eine Menge Schweden und Norweger in dänische Dienste getreten seien, widerlegt. Wiesbaden, 31. August. Heute Morgen um 6 Uhr ist der Graf von Chambord von hier ab- gereist. Er nahm seinen Weg über Frankfurt. Hr. Barande wurde durch Unwohlsein verhindert, den Grafen zu begleiten. Gestern um 4 Uhr Nachmittags empfing der Graf v. Chambord noch die Abschiedsbesuche der hier anwesenden Legitimi- sten. Er entließ dieselben mit folgenden Worten: „Meine Freunde! Jch biete Euch, die Jhr Euern Herd, Eure Familien meinetwegen verlassen habt, meine letzten Grüße. Jch danke Euch für die mir kundgegebenen Gefühle. Jhr kennt die Männer, die mein Vertrauen besitzen; unser Weg ist uns vorgezeichnet, wir wollen diesen Weg mit Strenge und mit Versöhnlichkeit verfolgen. ( Ja! Ja! ) Wenn Frankreich, die gesellschaftliche Ordnung be- droht wird und eines Tages jenes Mannes be- darf, den Jhr Euren König nennt, und der Euer Aller Freund ist ( Es lebe der König! ) , sollen sie uns, Euch wie mich bereit finden. Lebt wohl, meine Freunde! Lebt wohl!“ ( N. A. Z. ) Kassel, 29. August. Jn der heutigen Sitzung der Ständeversammlung wurde der folgende wei- tere Entwurf einer Adresse an den Landesherrn einstimmig angenommen: Königliche Hoheit! Durch den mit der Eröffnung des Landtags beauftragten Kommissär haben Ew. kgl. Hoheit die zuversicht- liche Hoffnung aussprechen lassen, daß unsere Thä- tigkeit eine segenbringende sein werde. Auch wir hegen die Hoffnung und wünschen nichts sehnli- cher, als der Staatsregierung die Unterstützung

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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 210. Würzburg, 2. September 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische210_1850/2>, abgerufen am 18.07.2019.