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Die Bayerische Presse. Nr. 174. Würzburg, 22. Juli 1850.

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Die Bayerische Presse.

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Ganzjährig 6 fl.
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Monatlich für die Stadt 30 kr.

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Eine constitutionell-monarchische Zeitung.

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Expedition: Jm Schenkhofe 2. Distr.
Nr. 533.

Einrückungsgebühr: die gespaltene Pe-
titzeile oder deren Raum 3 kr. Briefe
und Gelder frei.

[Ende Spaltensatz]

Nr. 174.
Würzburg Montag den 22. Juli. 1850.


[Beginn Spaltensatz]
Landtagsverhandlungen.

München, 18. Juli. ( Fortsetzung der CLVI.
Sitzung der Kammer der Abgeordneten. )
Am Ministertische: v. Kleinschrod und mehrere
Ministerialräthe. Der 2. Präsident eröffnet um
5 1 / 2 Uhr die Sitzung und geht sogleich zur Be-
rathung der Rückäußerung der Kammer der Reichs-
räthe über den Gesetzesentwurf, die Gerichtsorga-
nisation betr., über. Von den noch obwaltenden
5 Differenzen werden durch heutigen Kammerbe-
schluß 4 beseitigt und die 5. in eine neue Fassung
gebracht. Der Präsident ersucht sodann die Kam-
mermitglieder, die aus dem Archiv in den Hän-
den derselben besindlichen Bücher und Akten -- da
die Thätigkeit des Landtags doch ihrem nächsten
Ende entgegengehe -- nach ihrem Bestimmungs-
Ort zurückzuführen. Hierauf schließt derselbe die
Sitzung um6 1 / 4 Uhr.

München, 19. Juli. ( CLVII. Sitzung der
Kammer der Abgeordneten.
) Der Minister-
tisch unbesetzt. Der erste Präsident eröffnet um
10 1 / 2 Uhr die Sitzung. Nach Bekanntgabe des
letzten Sitzungsprotokolls und nach Verlesung der
Gesammtbeschlüsse a ) über den Gesetzesentwurf:
die Maxima der Kreisumlagen betr.; b ) über die
Rechnungsergebnisse der Verwaltung der Aerarial-
Bergwerke in der Pfalz pro 18 45 / 47 betreffend;
c ) über die Zolltarifbestimmungen ec., dann die
Postulate bezüglich der Zollverhältnisse in der Zu-
kunft betr.; d ) über die zwischen dem deutschen
Zoll= und Handelsverein und andern Staaten ab-
geschlossenen Staatsverträge erstattet Rebenack,
als Referent im 2. Ausschusse, Vortrag über die
Gesuche um Aufbesserung der dienstlichen Verhält-
nisse des Unteraufschläger=Personals, welche nach
Beschluß der Kammer dem Ministerium überwie-
sen werden. Die Kammer der Reichsräthe blieb
gestern auf ihrem Beschlusse, die im Budget ste-
henden Ansätze, das Militär betr., stehen. Der
Ausschuß schlägt daher vor: 1 ) auf eine Erhö-
hung nicht einzugehen; 2 ) weil in der höheren
Summe die niedere ohnehin enthalten sei, Ge-
sammtbeschluß über die niedere Summe bestehen
zu lassen; 3 ) eine feierliche Verwahrung gegen
eine Uebertretung der Etatsansätze nach den Be-
stimmungen der Verfassung als Verletzung dersel-
ben einzulegen. Diesen Beschlüssen trat die Kam-
mer bei und zwar dem ersten mit Allen gegen
Eine Stimme ( Laussaulx ) , dem zweiten und drit-
ten einstimmig. Es wird nun der Gesammt-
beschluß sofort verlesen. -- Ueber den Högg'schen
Antrag wird die letzte Rückäußerung der Kammer
der Reichsräthe berathen und dem Antrag dersel-
ben zugestimmt. -- Zum ständischen Schulden-
tilgungs=Commissär wurde der Abg. v. Steins-
dorf,
2r Bürgermeister von München, gewählt.
Zu seinem Ersatzmann bestimmte die Kammer den
Abg. Sedlmayr, Bierbrauer von München.
Der Präsident schließt hierauf um11 1 / 2 Uhr die
Sitzung und beraumt die letzte dieses Landtags
auf morgen 12 Uhr an.

München, 20. Juli. ( CLVIII. Sitzung der
Kammer der Abgeordneten.
) Die Gallerien
sind gedrängt voll. Am Ministertische: Staats-
minister v. d. Pfordten, v. Ringelmann, v. Aschen-
brenner und mehrere Ministerialräthe. -- Der I.
Präsident eröffnet nach 12 Uhr die Sitzung. Nach
[Spaltenumbruch] Verlesung des letzten Sitzungsprotokolls und meh-
rerer Gesammtbeschlüsse und nach einem kurzen
Vortrage des Petitionsausschuß=Sekret. spricht Fürst
v. Wallerstein in einer kurzen Anrede die Sym-
pathie seiner Freunde für Schleswig aus; hierauf
dankt Thinnes als Alterspräsident dem Präsi-
dium für seinen rastlosen Eifer, seine Unpartei-
lichkeit, seine große Umsicht bei Leitung der oft
schwierigen, oft langweiligen Debatte. -- Zur
Bestätigung dieses erheben sich sämmtliche Ab-
geordnete. -- Hegnenberg=Dux spricht seinen
feierlichsten Dank hiefür aus und belobt in einem
ausgezeichneten Vortrage die Bereitwilligkeit der
Kammer, das konstitutionellste aller Ministerien
in seinem Wirken zu unterstützen. -- Nach weni-
gen Tagen werden sich für diese Kammer die Thü-
ren dieses Hauses schließen. -- Der Dank für
die Lösung der großen Aufgabe dieses Landtages
aber bleibe den Mitbürgern, der Zukunft vorbe-
halten. Keinen Dank ernte die Kammer von sol-
chen, die jeden Fortschritt in der Revolution su-
chen, und von solchen, denen jeder Fortschritt
Revolution sei. Denn jenen sei die Kammer zu
wenig, diesen zu viel vorwärts geschritten. --
Nachdem der Präsident sich über die Schwierigkeit,
über die Größe, über die Undankbarkeit der Auf-
gabe dieses Landtages verbreitet hatte, wirft der-
selbe einen Rückblick auf die Lage Deutschlands
und gibt sich der festen Ueberzeugung hin, daß
für das deutsche Vaterland noch nicht die letzte
Stunde geschlagen. -- Den besten Beweis der
Kräftigung Deutschlands gebe Schleswig das sich
mit Macht erhebe und nicht nur seine -- nein!
des deutschen Vaterlandes Ehre schirme und sich
dafür in die Schanze werfe. -- Auf die Auf-
forderung des Präsidenten zum Beweise
der Theilnahme an Schleswig erheben
sich alle Mitglieder der Kammer mit Aus-
nahme von Döllinger und
v. Hermann.
Den Schluß der Anrede bildet ein Hoch dem Kö-
nig Max II., in welches sämmtliche Mitglieder
der Kammer stürmisch einfallen. Worauf der Prä-
sident um 1 Uhr die Sitzung schließt. -- Die
Kammer der Reichsräthe wählte den Graf Rei-
gersberg zum ständischen Schuldentilgungskom-
missar und v. Niethammer zu dessen Ersatzmann.

Deutschland.

München, 14. Juli. Der Kriegsminister hat
die Offiziere, welche nach Schleswig=Holstein wol-
len, mit ihren Urlaubsgesuchen direkt an den Kö-
nig verwiesen.

München, 19. Juli. Das Kriegsministerium
hat die Weisung an alle Garnisonen erlassen, Aus-
weise einzusenden, wie viel Mannschaft täglich in
Dienst gegeben wird. Man vermuthet deßhalb,
daß auch bei der Jnfanterie, die immer noch ei-
nen Präsentstand von 50 Mann per Compagnie
hält, eine Reduction desselben durch Beurlaubung
eintreten wird. -- Morgen Vormittag wird dem
charakterisirten Generalmajor und Vorstand des
Armeemontur = Depots, Hrn. K. Bedall, vor
versammelter Parade das Ritterkreuz des St. Mi-
chaelordens feierlich angehängt.

[Spaltenumbruch]
Schleswig=holsteinische Ange-
legenheiten
.

Rendsburg, 16. Juli. Von dem hiesigen Gou-
vernement ist heute eine Bekanntmachung erschie-
nen, wonach Rendsburg in Belagerungszustand
versetzt ist.

   

Schleswig, 16. Juli. Hier ist folgende Be-
kanntmachung erschienen: Jn Gemäßheit Auftrags
der Statthalterschaft der Herzogthümer Schleswig-
Holstein hat die schleswig=holsteinische Re-
gierung
am heutigen Tage ihren ordnungsmäßi-
gen Sitz auf dem Schlosse Gottorff wieder ein-
genommen, welches hierdurch zur öffentlichen Kunde
gebracht wird. Gottorff, den 16. Juli 1850.
Schleswig=Holsteinische Regierung.

Kiel, 17. Juli. Das Finanz = Departement
hat nachfolgende Bekanntmachung erlassen: Von
mehreren Seiten sind dem Finanz = Departement
Geldsendungen für die Staatscasse zugegangen,
theils als freiwillige Gabe, theils als frei-
williges unverzinsliches Darlehn. Bei Einsend-
ung einer Summe von 6000 Mark ist hinzuge-
fügt: das feste Auftreten der Statthalterschaft u.
Regierung habe das Vertrauen gehoben, mache
es aber auch allen Patrioten zur Pflicht, zusam-
menzuhalten und nach Kräften das Jhrige zur
Unterstützung der Regierung zu leisten. Das
Finanz=Departement hat den patriotischen Einsen-
dern hierdurch öffentlich danken wollen.

Kiel, 18. Juli. Gestern ist hier folgendes
Rundschreiben an sämmtliche Behörden an den
Küsten und Häfen der Herzogthümer Schleswig-
Holstein erschienen: Amtlicher Anzeige zufolge sind
am gestrigen Tage mehrere schleswig = holsteinische
Schiffe von den vor dem Kieler Hafen stationir-
ten dänischen Kriegsschiffen angehalten und auf-
bracht. Jn dieser Veranlassung werden zufolge
Beschlusses der Statthalterschaft sämmtliche Be-
hörden in den Herzogthümern beauftragt, die in
den Häfen und an den Küsten der Herzogthümer
sich befindenden dänischen Schiffe, und deren
als dänisches Eigenthum sich ausweisende Ladun-
gen sofort anzuhalten und an sichern Orten
unter Beschlag zu legen. Jede derartige Anhalt-
ung ist unverzüglich hierher zu berichten. Kiel,
den 17. Juli 1850. Schleswig = Holsteinische
Departements des Jnnern, der Finanzen und des
Krieges. Boysen, Francke, Krohn, S. A. Ja-
cobsen.

   

Kiel, 17. Juli. Jn der Nacht vom 15. und
16. sind dänische Matrosen, etwa 20 an der
Zahl unter Anführung eines Lieutenants nach
Hoyer eingedrungen und haben die Zollassistenten
von Krogh und Jannssen weggeschleppt. Sie se-
hen. das System des Menschenraubes beginnt von
Neuem.

   

Kopenhagen, 17. Juli. Man hat hier jetzt
Nachricht vom Ueberschreiten der schleswig-
schen Grenze
von beiden Seiten. Die Dä-
nen
sind in Sundewitt und vom Norden einge-
rückt, man meinte sogar ( in den "Neuesten Post-
nachrichten " ) , daß die beiden Corps sich nicht vor
Freitag werden vereinigt haben können und das
Alsener also noch vorher mit Willisen's gesammter
Stärke zu thun bekommen könne. -- Nach den

Die Bayerische Presse.

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Würzburg Montag den 22. Juli. 1850.


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Landtagsverhandlungen.

München, 18. Juli. ( Fortsetzung der CLVI.
Sitzung der Kammer der Abgeordneten. )
Am Ministertische: v. Kleinschrod und mehrere
Ministerialräthe. Der 2. Präsident eröffnet um
5 1 / 2 Uhr die Sitzung und geht sogleich zur Be-
rathung der Rückäußerung der Kammer der Reichs-
räthe über den Gesetzesentwurf, die Gerichtsorga-
nisation betr., über. Von den noch obwaltenden
5 Differenzen werden durch heutigen Kammerbe-
schluß 4 beseitigt und die 5. in eine neue Fassung
gebracht. Der Präsident ersucht sodann die Kam-
mermitglieder, die aus dem Archiv in den Hän-
den derselben besindlichen Bücher und Akten -- da
die Thätigkeit des Landtags doch ihrem nächsten
Ende entgegengehe -- nach ihrem Bestimmungs-
Ort zurückzuführen. Hierauf schließt derselbe die
Sitzung um6 1 / 4 Uhr.

München, 19. Juli. ( CLVII. Sitzung der
Kammer der Abgeordneten.
) Der Minister-
tisch unbesetzt. Der erste Präsident eröffnet um
10 1 / 2 Uhr die Sitzung. Nach Bekanntgabe des
letzten Sitzungsprotokolls und nach Verlesung der
Gesammtbeschlüsse a ) über den Gesetzesentwurf:
die Maxima der Kreisumlagen betr.; b ) über die
Rechnungsergebnisse der Verwaltung der Aerarial-
Bergwerke in der Pfalz pro 18 45 / 47 betreffend;
c ) über die Zolltarifbestimmungen ec., dann die
Postulate bezüglich der Zollverhältnisse in der Zu-
kunft betr.; d ) über die zwischen dem deutschen
Zoll= und Handelsverein und andern Staaten ab-
geschlossenen Staatsverträge erstattet Rebenack,
als Referent im 2. Ausschusse, Vortrag über die
Gesuche um Aufbesserung der dienstlichen Verhält-
nisse des Unteraufschläger=Personals, welche nach
Beschluß der Kammer dem Ministerium überwie-
sen werden. Die Kammer der Reichsräthe blieb
gestern auf ihrem Beschlusse, die im Budget ste-
henden Ansätze, das Militär betr., stehen. Der
Ausschuß schlägt daher vor: 1 ) auf eine Erhö-
hung nicht einzugehen; 2 ) weil in der höheren
Summe die niedere ohnehin enthalten sei, Ge-
sammtbeschluß über die niedere Summe bestehen
zu lassen; 3 ) eine feierliche Verwahrung gegen
eine Uebertretung der Etatsansätze nach den Be-
stimmungen der Verfassung als Verletzung dersel-
ben einzulegen. Diesen Beschlüssen trat die Kam-
mer bei und zwar dem ersten mit Allen gegen
Eine Stimme ( Laussaulx ) , dem zweiten und drit-
ten einstimmig. Es wird nun der Gesammt-
beschluß sofort verlesen. -- Ueber den Högg'schen
Antrag wird die letzte Rückäußerung der Kammer
der Reichsräthe berathen und dem Antrag dersel-
ben zugestimmt. -- Zum ständischen Schulden-
tilgungs=Commissär wurde der Abg. v. Steins-
dorf,
2r Bürgermeister von München, gewählt.
Zu seinem Ersatzmann bestimmte die Kammer den
Abg. Sedlmayr, Bierbrauer von München.
Der Präsident schließt hierauf um11 1 / 2 Uhr die
Sitzung und beraumt die letzte dieses Landtags
auf morgen 12 Uhr an.

München, 20. Juli. ( CLVIII. Sitzung der
Kammer der Abgeordneten.
) Die Gallerien
sind gedrängt voll. Am Ministertische: Staats-
minister v. d. Pfordten, v. Ringelmann, v. Aschen-
brenner und mehrere Ministerialräthe. -- Der I.
Präsident eröffnet nach 12 Uhr die Sitzung. Nach
[Spaltenumbruch] Verlesung des letzten Sitzungsprotokolls und meh-
rerer Gesammtbeschlüsse und nach einem kurzen
Vortrage des Petitionsausschuß=Sekret. spricht Fürst
v. Wallerstein in einer kurzen Anrede die Sym-
pathie seiner Freunde für Schleswig aus; hierauf
dankt Thinnes als Alterspräsident dem Präsi-
dium für seinen rastlosen Eifer, seine Unpartei-
lichkeit, seine große Umsicht bei Leitung der oft
schwierigen, oft langweiligen Debatte. -- Zur
Bestätigung dieses erheben sich sämmtliche Ab-
geordnete. -- Hegnenberg=Dux spricht seinen
feierlichsten Dank hiefür aus und belobt in einem
ausgezeichneten Vortrage die Bereitwilligkeit der
Kammer, das konstitutionellste aller Ministerien
in seinem Wirken zu unterstützen. -- Nach weni-
gen Tagen werden sich für diese Kammer die Thü-
ren dieses Hauses schließen. -- Der Dank für
die Lösung der großen Aufgabe dieses Landtages
aber bleibe den Mitbürgern, der Zukunft vorbe-
halten. Keinen Dank ernte die Kammer von sol-
chen, die jeden Fortschritt in der Revolution su-
chen, und von solchen, denen jeder Fortschritt
Revolution sei. Denn jenen sei die Kammer zu
wenig, diesen zu viel vorwärts geschritten. --
Nachdem der Präsident sich über die Schwierigkeit,
über die Größe, über die Undankbarkeit der Auf-
gabe dieses Landtages verbreitet hatte, wirft der-
selbe einen Rückblick auf die Lage Deutschlands
und gibt sich der festen Ueberzeugung hin, daß
für das deutsche Vaterland noch nicht die letzte
Stunde geschlagen. -- Den besten Beweis der
Kräftigung Deutschlands gebe Schleswig das sich
mit Macht erhebe und nicht nur seine -- nein!
des deutschen Vaterlandes Ehre schirme und sich
dafür in die Schanze werfe. -- Auf die Auf-
forderung des Präsidenten zum Beweise
der Theilnahme an Schleswig erheben
sich alle Mitglieder der Kammer mit Aus-
nahme von Döllinger und
v. Hermann.
Den Schluß der Anrede bildet ein Hoch dem Kö-
nig Max II., in welches sämmtliche Mitglieder
der Kammer stürmisch einfallen. Worauf der Prä-
sident um 1 Uhr die Sitzung schließt. -- Die
Kammer der Reichsräthe wählte den Graf Rei-
gersberg zum ständischen Schuldentilgungskom-
missar und v. Niethammer zu dessen Ersatzmann.

Deutschland.

München, 14. Juli. Der Kriegsminister hat
die Offiziere, welche nach Schleswig=Holstein wol-
len, mit ihren Urlaubsgesuchen direkt an den Kö-
nig verwiesen.

München, 19. Juli. Das Kriegsministerium
hat die Weisung an alle Garnisonen erlassen, Aus-
weise einzusenden, wie viel Mannschaft täglich in
Dienst gegeben wird. Man vermuthet deßhalb,
daß auch bei der Jnfanterie, die immer noch ei-
nen Präsentstand von 50 Mann per Compagnie
hält, eine Reduction desselben durch Beurlaubung
eintreten wird. -- Morgen Vormittag wird dem
charakterisirten Generalmajor und Vorstand des
Armeemontur = Depots, Hrn. K. Bedall, vor
versammelter Parade das Ritterkreuz des St. Mi-
chaelordens feierlich angehängt.

[Spaltenumbruch]
Schleswig=holsteinische Ange-
legenheiten
.

Rendsburg, 16. Juli. Von dem hiesigen Gou-
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nen, wonach Rendsburg in Belagerungszustand
versetzt ist.

   

Schleswig, 16. Juli. Hier ist folgende Be-
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Holstein hat die schleswig=holsteinische Re-
gierung
am heutigen Tage ihren ordnungsmäßi-
gen Sitz auf dem Schlosse Gottorff wieder ein-
genommen, welches hierdurch zur öffentlichen Kunde
gebracht wird. Gottorff, den 16. Juli 1850.
Schleswig=Holsteinische Regierung.

Kiel, 17. Juli. Das Finanz = Departement
hat nachfolgende Bekanntmachung erlassen: Von
mehreren Seiten sind dem Finanz = Departement
Geldsendungen für die Staatscasse zugegangen,
theils als freiwillige Gabe, theils als frei-
williges unverzinsliches Darlehn. Bei Einsend-
ung einer Summe von 6000 Mark ist hinzuge-
fügt: das feste Auftreten der Statthalterschaft u.
Regierung habe das Vertrauen gehoben, mache
es aber auch allen Patrioten zur Pflicht, zusam-
menzuhalten und nach Kräften das Jhrige zur
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Finanz=Departement hat den patriotischen Einsen-
dern hierdurch öffentlich danken wollen.

Kiel, 18. Juli. Gestern ist hier folgendes
Rundschreiben an sämmtliche Behörden an den
Küsten und Häfen der Herzogthümer Schleswig-
Holstein erschienen: Amtlicher Anzeige zufolge sind
am gestrigen Tage mehrere schleswig = holsteinische
Schiffe von den vor dem Kieler Hafen stationir-
ten dänischen Kriegsschiffen angehalten und auf-
bracht. Jn dieser Veranlassung werden zufolge
Beschlusses der Statthalterschaft sämmtliche Be-
hörden in den Herzogthümern beauftragt, die in
den Häfen und an den Küsten der Herzogthümer
sich befindenden dänischen Schiffe, und deren
als dänisches Eigenthum sich ausweisende Ladun-
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den 17. Juli 1850. Schleswig = Holsteinische
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[0001] Die Bayerische Presse. Abonnement: Ganzjährig 6 fl. Halbjährig 3 fl. Vierteljährig 1 fl. 30 kr. Monatlich für die Stadt 30 kr. Eine constitutionell-monarchische Zeitung. Expedition: Jm Schenkhofe 2. Distr. Nr. 533. Einrückungsgebühr: die gespaltene Pe- titzeile oder deren Raum 3 kr. Briefe und Gelder frei. Nr. 174. Würzburg Montag den 22. Juli. 1850. Landtagsverhandlungen. München, 18. Juli. ( Fortsetzung der CLVI. Sitzung der Kammer der Abgeordneten. ) Am Ministertische: v. Kleinschrod und mehrere Ministerialräthe. Der 2. Präsident eröffnet um 5 1 / 2 Uhr die Sitzung und geht sogleich zur Be- rathung der Rückäußerung der Kammer der Reichs- räthe über den Gesetzesentwurf, die Gerichtsorga- nisation betr., über. Von den noch obwaltenden 5 Differenzen werden durch heutigen Kammerbe- schluß 4 beseitigt und die 5. in eine neue Fassung gebracht. Der Präsident ersucht sodann die Kam- mermitglieder, die aus dem Archiv in den Hän- den derselben besindlichen Bücher und Akten -- da die Thätigkeit des Landtags doch ihrem nächsten Ende entgegengehe -- nach ihrem Bestimmungs- Ort zurückzuführen. Hierauf schließt derselbe die Sitzung um6 1 / 4 Uhr. München, 19. Juli. ( CLVII. Sitzung der Kammer der Abgeordneten. ) Der Minister- tisch unbesetzt. Der erste Präsident eröffnet um 10 1 / 2 Uhr die Sitzung. Nach Bekanntgabe des letzten Sitzungsprotokolls und nach Verlesung der Gesammtbeschlüsse a ) über den Gesetzesentwurf: die Maxima der Kreisumlagen betr.; b ) über die Rechnungsergebnisse der Verwaltung der Aerarial- Bergwerke in der Pfalz pro 18 45 / 47 betreffend; c ) über die Zolltarifbestimmungen ec., dann die Postulate bezüglich der Zollverhältnisse in der Zu- kunft betr.; d ) über die zwischen dem deutschen Zoll= und Handelsverein und andern Staaten ab- geschlossenen Staatsverträge erstattet Rebenack, als Referent im 2. Ausschusse, Vortrag über die Gesuche um Aufbesserung der dienstlichen Verhält- nisse des Unteraufschläger=Personals, welche nach Beschluß der Kammer dem Ministerium überwie- sen werden. Die Kammer der Reichsräthe blieb gestern auf ihrem Beschlusse, die im Budget ste- henden Ansätze, das Militär betr., stehen. Der Ausschuß schlägt daher vor: 1 ) auf eine Erhö- hung nicht einzugehen; 2 ) weil in der höheren Summe die niedere ohnehin enthalten sei, Ge- sammtbeschluß über die niedere Summe bestehen zu lassen; 3 ) eine feierliche Verwahrung gegen eine Uebertretung der Etatsansätze nach den Be- stimmungen der Verfassung als Verletzung dersel- ben einzulegen. Diesen Beschlüssen trat die Kam- mer bei und zwar dem ersten mit Allen gegen Eine Stimme ( Laussaulx ) , dem zweiten und drit- ten einstimmig. Es wird nun der Gesammt- beschluß sofort verlesen. -- Ueber den Högg'schen Antrag wird die letzte Rückäußerung der Kammer der Reichsräthe berathen und dem Antrag dersel- ben zugestimmt. -- Zum ständischen Schulden- tilgungs=Commissär wurde der Abg. v. Steins- dorf, 2r Bürgermeister von München, gewählt. Zu seinem Ersatzmann bestimmte die Kammer den Abg. Sedlmayr, Bierbrauer von München. Der Präsident schließt hierauf um11 1 / 2 Uhr die Sitzung und beraumt die letzte dieses Landtags auf morgen 12 Uhr an. München, 20. Juli. ( CLVIII. Sitzung der Kammer der Abgeordneten. ) Die Gallerien sind gedrängt voll. Am Ministertische: Staats- minister v. d. Pfordten, v. Ringelmann, v. Aschen- brenner und mehrere Ministerialräthe. -- Der I. Präsident eröffnet nach 12 Uhr die Sitzung. Nach Verlesung des letzten Sitzungsprotokolls und meh- rerer Gesammtbeschlüsse und nach einem kurzen Vortrage des Petitionsausschuß=Sekret. spricht Fürst v. Wallerstein in einer kurzen Anrede die Sym- pathie seiner Freunde für Schleswig aus; hierauf dankt Thinnes als Alterspräsident dem Präsi- dium für seinen rastlosen Eifer, seine Unpartei- lichkeit, seine große Umsicht bei Leitung der oft schwierigen, oft langweiligen Debatte. -- Zur Bestätigung dieses erheben sich sämmtliche Ab- geordnete. -- Hegnenberg=Dux spricht seinen feierlichsten Dank hiefür aus und belobt in einem ausgezeichneten Vortrage die Bereitwilligkeit der Kammer, das konstitutionellste aller Ministerien in seinem Wirken zu unterstützen. -- Nach weni- gen Tagen werden sich für diese Kammer die Thü- ren dieses Hauses schließen. -- Der Dank für die Lösung der großen Aufgabe dieses Landtages aber bleibe den Mitbürgern, der Zukunft vorbe- halten. Keinen Dank ernte die Kammer von sol- chen, die jeden Fortschritt in der Revolution su- chen, und von solchen, denen jeder Fortschritt Revolution sei. Denn jenen sei die Kammer zu wenig, diesen zu viel vorwärts geschritten. -- Nachdem der Präsident sich über die Schwierigkeit, über die Größe, über die Undankbarkeit der Auf- gabe dieses Landtages verbreitet hatte, wirft der- selbe einen Rückblick auf die Lage Deutschlands und gibt sich der festen Ueberzeugung hin, daß für das deutsche Vaterland noch nicht die letzte Stunde geschlagen. -- Den besten Beweis der Kräftigung Deutschlands gebe Schleswig das sich mit Macht erhebe und nicht nur seine -- nein! des deutschen Vaterlandes Ehre schirme und sich dafür in die Schanze werfe. -- Auf die Auf- forderung des Präsidenten zum Beweise der Theilnahme an Schleswig erheben sich alle Mitglieder der Kammer mit Aus- nahme von Döllinger und v. Hermann. Den Schluß der Anrede bildet ein Hoch dem Kö- nig Max II., in welches sämmtliche Mitglieder der Kammer stürmisch einfallen. Worauf der Prä- sident um 1 Uhr die Sitzung schließt. -- Die Kammer der Reichsräthe wählte den Graf Rei- gersberg zum ständischen Schuldentilgungskom- missar und v. Niethammer zu dessen Ersatzmann. Deutschland. München, 14. Juli. Der Kriegsminister hat die Offiziere, welche nach Schleswig=Holstein wol- len, mit ihren Urlaubsgesuchen direkt an den Kö- nig verwiesen. München, 19. Juli. Das Kriegsministerium hat die Weisung an alle Garnisonen erlassen, Aus- weise einzusenden, wie viel Mannschaft täglich in Dienst gegeben wird. Man vermuthet deßhalb, daß auch bei der Jnfanterie, die immer noch ei- nen Präsentstand von 50 Mann per Compagnie hält, eine Reduction desselben durch Beurlaubung eintreten wird. -- Morgen Vormittag wird dem charakterisirten Generalmajor und Vorstand des Armeemontur = Depots, Hrn. K. Bedall, vor versammelter Parade das Ritterkreuz des St. Mi- chaelordens feierlich angehängt. Schleswig=holsteinische Ange- legenheiten . Rendsburg, 16. Juli. Von dem hiesigen Gou- vernement ist heute eine Bekanntmachung erschie- nen, wonach Rendsburg in Belagerungszustand versetzt ist. ( B. H. ) Schleswig, 16. Juli. Hier ist folgende Be- kanntmachung erschienen: Jn Gemäßheit Auftrags der Statthalterschaft der Herzogthümer Schleswig- Holstein hat die schleswig=holsteinische Re- gierung am heutigen Tage ihren ordnungsmäßi- gen Sitz auf dem Schlosse Gottorff wieder ein- genommen, welches hierdurch zur öffentlichen Kunde gebracht wird. Gottorff, den 16. Juli 1850. Schleswig=Holsteinische Regierung. ( H. B.=H. ) Kiel, 17. Juli. Das Finanz = Departement hat nachfolgende Bekanntmachung erlassen: Von mehreren Seiten sind dem Finanz = Departement Geldsendungen für die Staatscasse zugegangen, theils als freiwillige Gabe, theils als frei- williges unverzinsliches Darlehn. Bei Einsend- ung einer Summe von 6000 Mark ist hinzuge- fügt: das feste Auftreten der Statthalterschaft u. Regierung habe das Vertrauen gehoben, mache es aber auch allen Patrioten zur Pflicht, zusam- menzuhalten und nach Kräften das Jhrige zur Unterstützung der Regierung zu leisten. Das Finanz=Departement hat den patriotischen Einsen- dern hierdurch öffentlich danken wollen. Kiel, den 17. Juli 1850. Kiel, 18. Juli. Gestern ist hier folgendes Rundschreiben an sämmtliche Behörden an den Küsten und Häfen der Herzogthümer Schleswig- Holstein erschienen: Amtlicher Anzeige zufolge sind am gestrigen Tage mehrere schleswig = holsteinische Schiffe von den vor dem Kieler Hafen stationir- ten dänischen Kriegsschiffen angehalten und auf- bracht. Jn dieser Veranlassung werden zufolge Beschlusses der Statthalterschaft sämmtliche Be- hörden in den Herzogthümern beauftragt, die in den Häfen und an den Küsten der Herzogthümer sich befindenden dänischen Schiffe, und deren als dänisches Eigenthum sich ausweisende Ladun- gen sofort anzuhalten und an sichern Orten unter Beschlag zu legen. Jede derartige Anhalt- ung ist unverzüglich hierher zu berichten. Kiel, den 17. Juli 1850. Schleswig = Holsteinische Departements des Jnnern, der Finanzen und des Krieges. Boysen, Francke, Krohn, S. A. Ja- cobsen. ( H. N. ) Kiel, 17. Juli. Jn der Nacht vom 15. und 16. sind dänische Matrosen, etwa 20 an der Zahl unter Anführung eines Lieutenants nach Hoyer eingedrungen und haben die Zollassistenten von Krogh und Jannssen weggeschleppt. Sie se- hen. das System des Menschenraubes beginnt von Neuem. ( H. N. ) Kopenhagen, 17. Juli. Man hat hier jetzt Nachricht vom Ueberschreiten der schleswig- schen Grenze von beiden Seiten. Die Dä- nen sind in Sundewitt und vom Norden einge- rückt, man meinte sogar ( in den „Neuesten Post- nachrichten “ ) , daß die beiden Corps sich nicht vor Freitag werden vereinigt haben können und das Alsener also noch vorher mit Willisen's gesammter Stärke zu thun bekommen könne. -- Nach den

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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 174. Würzburg, 22. Juli 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische174_1850/1>, abgerufen am 22.10.2019.