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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 57. Rudolstadt, 1. November 1847.

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Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.

[Beginn Spaltensatz]
Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
BREMEN:
C. Schünemann's Sortiments = Buchhandlung.

[Spaltenumbruch] [Abbildung]
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Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
NEW - YORK: bei William Radde,
broadway 322.
[Ende Spaltensatz]

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Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Tarischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.

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Nro 57.
Montag, 1. November 1847.
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[Ende Spaltensatz]

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Literatur.

Amerika. Zeitschrift für Auswanderer nach Amerika
und alle Diejenigen, welche sich über Auswanderung
nach jenem Welttheile und amerikanische Verhältnisse
Belehrung verschaffen wollen. Herausgeber: C.
Hoffmann. 2tes und 3tes ( Mai = und Juni = ) Heft.
Stollberg a. H. 1847. Verlag von Carl Hoffmann.

Jn No. 45 d. Bl. schlossen wir unsere Beurtheilung des
ersten Heftes dieser Zeitschrift damit, daß wir den Wunsch aus-
sprachen, die Leitung dieser "belehrenden Zeitschrift" möge Leuten
anvertraut werden, welche ein competentes Urtheil in Auswan-
derungssachen abzugeben im Stande und nicht, wie der Fall ist,
genöthigt sind, sich ganz und gar auf die Richtigkeit von Aus-
wanderungsschriften zu verlassen. Dieser unser wohlgemeinter
Wunsch ist uns, wie wir hören, sehr übelgenommen worden; --
leider ein Zeichen, daß er wohl nicht in Erfüllung gehen wird.
Jm Jnteresse der guten Sache aber müssen wir unsere heutige
Revue der neuesten beiden Hefte wieder mit demselben Wunsche
beginnen, mit dem wir die des ersten schlossen, denn wir sind
auch in diesen auf Fehler und Jrrthümer gestoßen, die in einer
belehrenden Zeitschrift nicht vorkommen dürfen. Wir wollen
einige anführen.

Die deutsche Gesellschaft in Newyork, von deren Wirkungs-
kreis die Zeitschrift "Amerika", wie wir aus dem ersten Hefte
nachwiesen, höchst unklare Begriffe hat, wird auch im Maihefte
in sofern falsch dargestellt, als von ihr gesagt wird, sie habe
Comptoire in Philadelphia und Baltimore, während sie doch be-
kanntlich nur ein Bureau -- Greenwich = Street, Newyork --
hat. Die deutschen Gesellschaften in Philadelphia, Baltimore ec.,
welche zum Besten deutscher Einwanderer gegründet sind, verfolgen
zwar denselben Zweck wie jene in Newyork, bestehen jedoch jede
für sich und aus eigenen Mitteln

Jn den mittleren und einigen westlichen Staaten der Union
bildet die Erzeugung des Ahornzuckers für viele Landleute eine
der vorzüglichsten Erwerbsquellen; Manche gewinnen mehrere
[Spaltenumbruch] Tausend Pfund jährlich, welche sie zum Verkaufe zur Stadt fahren
oder an Hausirer ( pedlars ) gegen andere Waaren vertauschen.
Das Zuckerkochen beschäftigt von Jahr zu Jahr immer mehr Hände,
die Production des Ahornzuckers steigt mit jedem Jahre. -- Die
Zeitschrift "Amerika" berichtet, Ahornzucker werde fast nur für
den eigenen Bedarf der Farmers gewonnen, der Handel mit dem-
selben sei fast ganz eingestellt worden.

S. 94 heißt es in einer Anmerkung:

"die beste Länderei Amerikas kann fünfzig bis hundert Jahre
bebaut werden, ohne daß Düngung nöthig wäre; nur im Osten,
als den ältesten Staaten, fängt man jetzt an, die geringere
Classe des Bodens zu düngen."

Diese Notiz kann der Herausgeber unmöglich aus den " re-
nommirtesten Journalen und Auswanderungsschriften", die er, seiner
Angabe nach, benutzt, geschöpft haben, -- sie ist durchaus falsch
und für den, der sie für wahr hinnimmt und danach handelt,
verderblich. Frischer, erst urbar gemachter Boden bedarf freilich
keines Düngers, auch solches Land nicht, welches durch Ueber-
schwemmungen regelmäßig mit Schlamm und dergl. gedüngt --
aber auch fieberisch gemacht -- wird; alle anderen Ländereien
aber, sie mögen liegen, wo sie wollen, im Westen oder im Osten,
im Süden oder im Norden, müssen nach mehrjähriger Bebauung
gedüngt werden, wenn ihre Ertragsfähigkeit nicht bedeutend ge-
schwächt werden soll. Jm Osten wird nicht jetzt erst " ange-
sangen die geringere Classe des Bodens" zu düngen, sondern
man hat dort schon lange und auch den Boden erster Classe ge-
düngt, und dasselbe wird man auch bei den Feldern jedes ordent-
lichen Landwirthes anderer Gegenden bemerken.* )

Kaum haben wir uns von unserem Erstaunen über die eben
besprochene Anmerkung erholt, so lesen wir, ein paar Seiten weiter,
der Boden von Texas bedürfe " weniger Dünger" als der der
anderen Staaten. Dieß steht nicht allein mit dem in der An-
merkung Gesagten im Widerspruch, sondern verleitet auch zu dem
Glauben, der Boden von Texas sei überall so ziemlich von gleicher
Beschaffenheit, was doch erwiesen keinesweges der Fall ist. Dann

* ) Vergl. hierüber in nächster Nummer den Brief des Hrn. Wallis
aus Toledo.    Die Red.
Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.

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Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
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Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
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Mit
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und Plänen,

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für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
NEW - YORK: bei William Radde,
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Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.

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Nro 57.
Montag, 1. November 1847.
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Literatur.

Amerika. Zeitschrift für Auswanderer nach Amerika
und alle Diejenigen, welche sich über Auswanderung
nach jenem Welttheile und amerikanische Verhältnisse
Belehrung verschaffen wollen. Herausgeber: C.
Hoffmann. 2tes und 3tes ( Mai = und Juni = ) Heft.
Stollberg a. H. 1847. Verlag von Carl Hoffmann.

Jn No. 45 d. Bl. schlossen wir unsere Beurtheilung des
ersten Heftes dieser Zeitschrift damit, daß wir den Wunsch aus-
sprachen, die Leitung dieser „belehrenden Zeitschrift“ möge Leuten
anvertraut werden, welche ein competentes Urtheil in Auswan-
derungssachen abzugeben im Stande und nicht, wie der Fall ist,
genöthigt sind, sich ganz und gar auf die Richtigkeit von Aus-
wanderungsschriften zu verlassen. Dieser unser wohlgemeinter
Wunsch ist uns, wie wir hören, sehr übelgenommen worden; --
leider ein Zeichen, daß er wohl nicht in Erfüllung gehen wird.
Jm Jnteresse der guten Sache aber müssen wir unsere heutige
Revue der neuesten beiden Hefte wieder mit demselben Wunsche
beginnen, mit dem wir die des ersten schlossen, denn wir sind
auch in diesen auf Fehler und Jrrthümer gestoßen, die in einer
belehrenden Zeitschrift nicht vorkommen dürfen. Wir wollen
einige anführen.

Die deutsche Gesellschaft in Newyork, von deren Wirkungs-
kreis die Zeitschrift „Amerika“, wie wir aus dem ersten Hefte
nachwiesen, höchst unklare Begriffe hat, wird auch im Maihefte
in sofern falsch dargestellt, als von ihr gesagt wird, sie habe
Comptoire in Philadelphia und Baltimore, während sie doch be-
kanntlich nur ein Bureau -- Greenwich = Street, Newyork --
hat. Die deutschen Gesellschaften in Philadelphia, Baltimore ec.,
welche zum Besten deutscher Einwanderer gegründet sind, verfolgen
zwar denselben Zweck wie jene in Newyork, bestehen jedoch jede
für sich und aus eigenen Mitteln

Jn den mittleren und einigen westlichen Staaten der Union
bildet die Erzeugung des Ahornzuckers für viele Landleute eine
der vorzüglichsten Erwerbsquellen; Manche gewinnen mehrere
[Spaltenumbruch] Tausend Pfund jährlich, welche sie zum Verkaufe zur Stadt fahren
oder an Hausirer ( pedlars ) gegen andere Waaren vertauschen.
Das Zuckerkochen beschäftigt von Jahr zu Jahr immer mehr Hände,
die Production des Ahornzuckers steigt mit jedem Jahre. -- Die
Zeitschrift „Amerika“ berichtet, Ahornzucker werde fast nur für
den eigenen Bedarf der Farmers gewonnen, der Handel mit dem-
selben sei fast ganz eingestellt worden.

S. 94 heißt es in einer Anmerkung:

„die beste Länderei Amerikas kann fünfzig bis hundert Jahre
bebaut werden, ohne daß Düngung nöthig wäre; nur im Osten,
als den ältesten Staaten, fängt man jetzt an, die geringere
Classe des Bodens zu düngen.“

Diese Notiz kann der Herausgeber unmöglich aus den „ re-
nommirtesten Journalen und Auswanderungsschriften“, die er, seiner
Angabe nach, benutzt, geschöpft haben, -- sie ist durchaus falsch
und für den, der sie für wahr hinnimmt und danach handelt,
verderblich. Frischer, erst urbar gemachter Boden bedarf freilich
keines Düngers, auch solches Land nicht, welches durch Ueber-
schwemmungen regelmäßig mit Schlamm und dergl. gedüngt --
aber auch fieberisch gemacht -- wird; alle anderen Ländereien
aber, sie mögen liegen, wo sie wollen, im Westen oder im Osten,
im Süden oder im Norden, müssen nach mehrjähriger Bebauung
gedüngt werden, wenn ihre Ertragsfähigkeit nicht bedeutend ge-
schwächt werden soll. Jm Osten wird nicht jetzt erst „ ange-
sangen die geringere Classe des Bodens“ zu düngen, sondern
man hat dort schon lange und auch den Boden erster Classe ge-
düngt, und dasselbe wird man auch bei den Feldern jedes ordent-
lichen Landwirthes anderer Gegenden bemerken.* )

Kaum haben wir uns von unserem Erstaunen über die eben
besprochene Anmerkung erholt, so lesen wir, ein paar Seiten weiter,
der Boden von Texas bedürfe „ weniger Dünger“ als der der
anderen Staaten. Dieß steht nicht allein mit dem in der An-
merkung Gesagten im Widerspruch, sondern verleitet auch zu dem
Glauben, der Boden von Texas sei überall so ziemlich von gleicher
Beschaffenheit, was doch erwiesen keinesweges der Fall ist. Dann

* ) Vergl. hierüber in nächster Nummer den Brief des Hrn. Wallis
aus Toledo.    Die Red.
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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 57. Rudolstadt, 1. November 1847, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer57_1847/1>, abgerufen am 14.10.2019.