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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 42. Rudolstadt, 19. Juli 1847.

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Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
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Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
BREMEN:
C. Schünemann's Sortiments=Buchhandlung.

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Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
NEW - YORK: bei William Nadde.

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Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Tarischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.

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Nro 42.
Montag, 19. Juli 1847.
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Fr. Müller's Monographie.
( Fortsetzung. )

Jm Jahre 1845 brachte der Verkauf der Staatsländereien
5,077,022 Dollars ein. Sämmtliche Verkäufe vom Jahre 1787
bis 1845 ergaben die außerordentliche Summe von 118,607,335
Dollars, und durchschnittlich sind jährlich 2 Millionen Acker ver-
äußert: also auf Jahrhunderte noch Vorrath, ohne mal Teras
und Oregon hinzuzurechnen. Wenn Fabrikarbeiter 320 Acker
Landes für 80 Dollars und abwärts 40 Acker für 10 Dollars
kaufen können, wird allein hierdurch den Fabrikherren die Macht
genommen, den Arbeitslohn herabzusetzen, weil dann die Arbeiter
Bauerngüter zu diesem niedrigen Preise kaufen und ihre Familien,
statt durch zwölfstündiges Tagewerk in den Fabriken, durch Land-
bau ernähren können. Hierin liegt der große Schutz Amerika's
für die arbeitende Classe, und die heillose Klippe Europa's steht
den Vereinigten Staaten fern, hungernde Fabrikarbeiter zu er-
halten, den geringen Landbebauer untergehen zu sehen, und somit
ist die Garantie groß für denjenigen dieser Stände, der seinen
Wanderstab nach den Häfen der Union setzt, wo der Taglohn
hoch ist und bleiben wird, und der Boden seinen Mann nähret.

Jm Jahre 1820 waren mit Manufacturen aller Art beschäftigt
349,000 Menschen in den Vereinigten Staaten; im Jahre 1840
dagegen schon 791,000, und den Ertrag sämmtlicher Manufac-
turen schätzte man auf 139 Millionen Dollars. Der Ackerbau
findet, als die Hauptquelle eines jeden Landes, hier seine tüchtige
Anzahl Vertreter; man kann rechnen, daß immer von 4 bis 5
Menschen hier eine Person sich demselben widmet.

Die Bevölkerung steigt in den Bundesstaaten Nordamerika's
mit einer Schnelligkeit, wovon bisher die Weltgeschichte kein ähn-
liches Beispiel aufzuweisen hat: 1780 bestand solche aus 2,051,000
Seelen und 1844 schon aus 18,980,000; gegenwärtig aus 20
Millionen und der Census, welcher 1850 wieder stattfinden wird,
ermangelt sicherlich nicht, staunenerregende Resultate zu liefern.
Daß aber 2,487,000 Negersclaven sich unter dieser Zahl noch
befinden, ist eine Schande für ein Land, das seiner Freiheit sich
so oft mit vollen Backen rühmt! Nicht ohne Gefahr für die
Sicherheit des Staates lebt diese schwarze Menschenzahl dort,
und wehe der Stunde, wo ein Geist der Befreiung allgemein sie
[Spaltenumbruch] einst durchdringen sollte. Ohne Entschädigung die Sclaven frei
zu lassen, würde den Eigenthümern den ungeheuern Schaden von
1000 Millionen Thalern zufügen, und alle Arbeit in denjenigen
Staaten, wo die Sclaven zu halten erlaubt wird, läge darnieder.
Das Fortbestehen der Sclaverei steht aber mit der Freiheit der
Vereinigten Staaten im grellsten Widerspruche, wie die Beseitigung
dieser Herabwürdigung allergrößte Aufgabe der dortigen Staats-
männer bleibt; zur Ehre der Menschheit jedoch wollen wir hoffen,
es komme noch eine Zeit, welche diesen gordischen Knoten zu
lösen versteht!

Zum großen Vortheile für diese Bundes = Staaten ist die
geringe Anzahl des stehenden Heeres; in Europa geht meistens
die halbe Einnahme der Reiche damit fort. Dort gehen für die
Militärschulen, Kriegvorräthe, Festungen und für das Heer, wel-
ches nur 8616 Mann im Jahre 1844 zählte, etwa 3 bis3 1 / 2
Millionen Dollars hin. Zwischen europäischen Staaten würde
dieses eine sehr geringe Macht sein; auch überschätzt man die
militärischen Kräfte der Vereinigten Staaten gewöhnlich weit,
und bedenkt nicht, daß diese Hülfsquellen aus Mangel hinrei-
chender Bevölkerung nur zum kleinen Theile aufgeschlossen sind
und die Kraft der Centralgewalt unvollkommen ist. 1845 waren
11 Linienschiffe da, 17 Fregatten, 34 kleinere Schiffe und 2
Dampfböte, mit 6100 Matrosen; die Kriegs= und Handels-
marine zusammen beschäftigte 63,000 Personen. Jn England
sind auf beiden 288,630 Mann; eine ganz andere Zahl. -- Die
amerikanische Miliz rechnet man auf 1,750,000 Streiter; brauch-
bare Cavallerie und Artillerie fehlen aber, auch die organische
Gliederung und die Haupteigenschaft: die Subordination.

Den besten Schutz finden die Vereinigten Staaten darin,
daß alle übrigen Länder Amerika's ihnen nachstehen, ein weiter Ocean
sie vom kriegserfahrenen Europa trennt, und die Hauptfeinde,
die Jndianer, in der Union mit Einschluß von Oregon nur 350,000
Seelen zählen, und sich durch stete Kriege unter den verschiedenen
Stämmen am Ende selbst aufreiben. Selbst der Krieg mit Me-
xiko, der am 24. April 1846 begann, und zu dessen Führung
General Taylor 50,000 Freiwillige und 10 Millionen Dollars
forderte, der sich 12 Regimenter sofort ausbat, die Trommel in
Neworleans zur Werbung, bei 10 Dollars Handgeld und eben
so viel monatlichen Sold, rühren ließ, aber dort nur 1200 Mann

Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
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Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
BREMEN:
C. Schünemann's Sortiments=Buchhandlung.

[Spaltenumbruch] [Abbildung]
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Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
NEW - YORK: bei William Nadde.

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Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Tarischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.

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Nro 42.
Montag, 19. Juli 1847.
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[Ende Spaltensatz]

[Beginn Spaltensatz]
Fr. Müller's Monographie.
( Fortsetzung. )

Jm Jahre 1845 brachte der Verkauf der Staatsländereien
5,077,022 Dollars ein. Sämmtliche Verkäufe vom Jahre 1787
bis 1845 ergaben die außerordentliche Summe von 118,607,335
Dollars, und durchschnittlich sind jährlich 2 Millionen Acker ver-
äußert: also auf Jahrhunderte noch Vorrath, ohne mal Teras
und Oregon hinzuzurechnen. Wenn Fabrikarbeiter 320 Acker
Landes für 80 Dollars und abwärts 40 Acker für 10 Dollars
kaufen können, wird allein hierdurch den Fabrikherren die Macht
genommen, den Arbeitslohn herabzusetzen, weil dann die Arbeiter
Bauerngüter zu diesem niedrigen Preise kaufen und ihre Familien,
statt durch zwölfstündiges Tagewerk in den Fabriken, durch Land-
bau ernähren können. Hierin liegt der große Schutz Amerika's
für die arbeitende Classe, und die heillose Klippe Europa's steht
den Vereinigten Staaten fern, hungernde Fabrikarbeiter zu er-
halten, den geringen Landbebauer untergehen zu sehen, und somit
ist die Garantie groß für denjenigen dieser Stände, der seinen
Wanderstab nach den Häfen der Union setzt, wo der Taglohn
hoch ist und bleiben wird, und der Boden seinen Mann nähret.

Jm Jahre 1820 waren mit Manufacturen aller Art beschäftigt
349,000 Menschen in den Vereinigten Staaten; im Jahre 1840
dagegen schon 791,000, und den Ertrag sämmtlicher Manufac-
turen schätzte man auf 139 Millionen Dollars. Der Ackerbau
findet, als die Hauptquelle eines jeden Landes, hier seine tüchtige
Anzahl Vertreter; man kann rechnen, daß immer von 4 bis 5
Menschen hier eine Person sich demselben widmet.

Die Bevölkerung steigt in den Bundesstaaten Nordamerika's
mit einer Schnelligkeit, wovon bisher die Weltgeschichte kein ähn-
liches Beispiel aufzuweisen hat: 1780 bestand solche aus 2,051,000
Seelen und 1844 schon aus 18,980,000; gegenwärtig aus 20
Millionen und der Census, welcher 1850 wieder stattfinden wird,
ermangelt sicherlich nicht, staunenerregende Resultate zu liefern.
Daß aber 2,487,000 Negersclaven sich unter dieser Zahl noch
befinden, ist eine Schande für ein Land, das seiner Freiheit sich
so oft mit vollen Backen rühmt! Nicht ohne Gefahr für die
Sicherheit des Staates lebt diese schwarze Menschenzahl dort,
und wehe der Stunde, wo ein Geist der Befreiung allgemein sie
[Spaltenumbruch] einst durchdringen sollte. Ohne Entschädigung die Sclaven frei
zu lassen, würde den Eigenthümern den ungeheuern Schaden von
1000 Millionen Thalern zufügen, und alle Arbeit in denjenigen
Staaten, wo die Sclaven zu halten erlaubt wird, läge darnieder.
Das Fortbestehen der Sclaverei steht aber mit der Freiheit der
Vereinigten Staaten im grellsten Widerspruche, wie die Beseitigung
dieser Herabwürdigung allergrößte Aufgabe der dortigen Staats-
männer bleibt; zur Ehre der Menschheit jedoch wollen wir hoffen,
es komme noch eine Zeit, welche diesen gordischen Knoten zu
lösen versteht!

Zum großen Vortheile für diese Bundes = Staaten ist die
geringe Anzahl des stehenden Heeres; in Europa geht meistens
die halbe Einnahme der Reiche damit fort. Dort gehen für die
Militärschulen, Kriegvorräthe, Festungen und für das Heer, wel-
ches nur 8616 Mann im Jahre 1844 zählte, etwa 3 bis3 1 / 2
Millionen Dollars hin. Zwischen europäischen Staaten würde
dieses eine sehr geringe Macht sein; auch überschätzt man die
militärischen Kräfte der Vereinigten Staaten gewöhnlich weit,
und bedenkt nicht, daß diese Hülfsquellen aus Mangel hinrei-
chender Bevölkerung nur zum kleinen Theile aufgeschlossen sind
und die Kraft der Centralgewalt unvollkommen ist. 1845 waren
11 Linienschiffe da, 17 Fregatten, 34 kleinere Schiffe und 2
Dampfböte, mit 6100 Matrosen; die Kriegs= und Handels-
marine zusammen beschäftigte 63,000 Personen. Jn England
sind auf beiden 288,630 Mann; eine ganz andere Zahl. -- Die
amerikanische Miliz rechnet man auf 1,750,000 Streiter; brauch-
bare Cavallerie und Artillerie fehlen aber, auch die organische
Gliederung und die Haupteigenschaft: die Subordination.

Den besten Schutz finden die Vereinigten Staaten darin,
daß alle übrigen Länder Amerika's ihnen nachstehen, ein weiter Ocean
sie vom kriegserfahrenen Europa trennt, und die Hauptfeinde,
die Jndianer, in der Union mit Einschluß von Oregon nur 350,000
Seelen zählen, und sich durch stete Kriege unter den verschiedenen
Stämmen am Ende selbst aufreiben. Selbst der Krieg mit Me-
xiko, der am 24. April 1846 begann, und zu dessen Führung
General Taylor 50,000 Freiwillige und 10 Millionen Dollars
forderte, der sich 12 Regimenter sofort ausbat, die Trommel in
Neworleans zur Werbung, bei 10 Dollars Handgeld und eben
so viel monatlichen Sold, rühren ließ, aber dort nur 1200 Mann

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Sämmtliche Verkäufe vom Jahre 1787 bis 1845 ergaben die außerordentliche Summe von 118,607,335 Dollars, und durchschnittlich sind jährlich 2 Millionen Acker ver- äußert: also auf Jahrhunderte noch Vorrath, ohne mal Teras und Oregon hinzuzurechnen. Wenn Fabrikarbeiter 320 Acker Landes für 80 Dollars und abwärts 40 Acker für 10 Dollars kaufen können, wird allein hierdurch den Fabrikherren die Macht genommen, den Arbeitslohn herabzusetzen, weil dann die Arbeiter Bauerngüter zu diesem niedrigen Preise kaufen und ihre Familien, statt durch zwölfstündiges Tagewerk in den Fabriken, durch Land- bau ernähren können. Hierin liegt der große Schutz Amerika's für die arbeitende Classe, und die heillose Klippe Europa's steht den Vereinigten Staaten fern, hungernde Fabrikarbeiter zu er- halten, den geringen Landbebauer untergehen zu sehen, und somit ist die Garantie groß für denjenigen dieser Stände, der seinen Wanderstab nach den Häfen der Union setzt, wo der Taglohn hoch ist und bleiben wird, und der Boden seinen Mann nähret. Jm Jahre 1820 waren mit Manufacturen aller Art beschäftigt 349,000 Menschen in den Vereinigten Staaten; im Jahre 1840 dagegen schon 791,000, und den Ertrag sämmtlicher Manufac- turen schätzte man auf 139 Millionen Dollars. Der Ackerbau findet, als die Hauptquelle eines jeden Landes, hier seine tüchtige Anzahl Vertreter; man kann rechnen, daß immer von 4 bis 5 Menschen hier eine Person sich demselben widmet. Die Bevölkerung steigt in den Bundesstaaten Nordamerika's mit einer Schnelligkeit, wovon bisher die Weltgeschichte kein ähn- liches Beispiel aufzuweisen hat: 1780 bestand solche aus 2,051,000 Seelen und 1844 schon aus 18,980,000; gegenwärtig aus 20 Millionen und der Census, welcher 1850 wieder stattfinden wird, ermangelt sicherlich nicht, staunenerregende Resultate zu liefern. Daß aber 2,487,000 Negersclaven sich unter dieser Zahl noch befinden, ist eine Schande für ein Land, das seiner Freiheit sich so oft mit vollen Backen rühmt! Nicht ohne Gefahr für die Sicherheit des Staates lebt diese schwarze Menschenzahl dort, und wehe der Stunde, wo ein Geist der Befreiung allgemein sie einst durchdringen sollte. Ohne Entschädigung die Sclaven frei zu lassen, würde den Eigenthümern den ungeheuern Schaden von 1000 Millionen Thalern zufügen, und alle Arbeit in denjenigen Staaten, wo die Sclaven zu halten erlaubt wird, läge darnieder. 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Zwischen europäischen Staaten würde dieses eine sehr geringe Macht sein; auch überschätzt man die militärischen Kräfte der Vereinigten Staaten gewöhnlich weit, und bedenkt nicht, daß diese Hülfsquellen aus Mangel hinrei- chender Bevölkerung nur zum kleinen Theile aufgeschlossen sind und die Kraft der Centralgewalt unvollkommen ist. 1845 waren 11 Linienschiffe da, 17 Fregatten, 34 kleinere Schiffe und 2 Dampfböte, mit 6100 Matrosen; die Kriegs= und Handels- marine zusammen beschäftigte 63,000 Personen. Jn England sind auf beiden 288,630 Mann; eine ganz andere Zahl. -- Die amerikanische Miliz rechnet man auf 1,750,000 Streiter; brauch- bare Cavallerie und Artillerie fehlen aber, auch die organische Gliederung und die Haupteigenschaft: die Subordination. Den besten Schutz finden die Vereinigten Staaten darin, daß alle übrigen Länder Amerika's ihnen nachstehen, ein weiter Ocean sie vom kriegserfahrenen Europa trennt, und die Hauptfeinde, die Jndianer, in der Union mit Einschluß von Oregon nur 350,000 Seelen zählen, und sich durch stete Kriege unter den verschiedenen Stämmen am Ende selbst aufreiben. Selbst der Krieg mit Me- xiko, der am 24. April 1846 begann, und zu dessen Führung General Taylor 50,000 Freiwillige und 10 Millionen Dollars forderte, der sich 12 Regimenter sofort ausbat, die Trommel in Neworleans zur Werbung, bei 10 Dollars Handgeld und eben so viel monatlichen Sold, rühren ließ, aber dort nur 1200 Mann

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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 42. Rudolstadt, 19. Juli 1847, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer42_1847/1>, abgerufen am 16.06.2019.