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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 33. Rudolstadt, 18. Mai 1847.

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Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
[Beginn Spaltensatz]
Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
Trimester.

[Spaltenumbruch] [Abbildung]
[Spaltenumbruch]
Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
( Ostern bis Ende 1847. )

[Ende Spaltensatz]

[Beginn Spaltensatz]
Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Taxischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.
[Spaltenumbruch]

Nro 33.
Dienstag, 18. Mai 1847.
[Spaltenumbruch]
[Ende Spaltensatz]

[Beginn Spaltensatz]
Deutsche Auswanderung.
( Schluß. )
II. Der Vorschlag einer deutschen Versammlung zur wissenschaft-
lichen Erörterung der Auswanderungs= und Colonisationsfragen.

Unsere Leser werden sich einer Aufforderung zu einer allge-
meinen Versammlung deutscher Männer zur Berathung über die
Auswanderungsfrage erinnern. Sie wurde in No. 28 dieser Blät-
ter aus der Weserzeitung aufgenommen und ohne allen Commen-
tar begleitet, weil wir eine ausführliche Besprechung derselben
später liefern wollten. Jn dem 2. Theile des Sturz' schen Vor-
trags, der obige Aufschrift führt, erfahren wir nun gleich zu
Anfang desselben, daß Herr General = Consul Sturz der Urheber
und Verfasser jener Aufforderung ist, und finden die nähere Mo-
tivirung derselben, da sie nicht unbeachtet geblieben, vielmehr in
die bedeutendsten Zeitschriften Deutschlands übergegangen und von
mehreren beifällig besprochen und die Verwirklichung des Vor-
schlags befürwortet worden ist.

Die Jdee des Hrn. General = Consuls ist folgende:

Es sollen Alle, welche irgend Sitz und Stimme bei der Aus-
wanderungsfrage in Anspruch nehmen können, Menschenfreunde,
Staatsmänner, im Fremdhandel wohl erfahrene Kaufleute, Geo-
graphen, Aerzte, Naturkundige, in den zu Zielpunkten vorgeschla-
genen Ländern durch eigene Anschauung wohl vertraute Männer,
dort Ansässige oder von dorther Zurückgekehrte, natürlich Solche
nicht ausgeschlossen, die in unzufriedener Stimmung wiederge-
kommen sind -- zu einer großen Versammlung zusammen-
treten, und ihre Meinungen und Erfahrungen aussprechen. Die
Presse soll die Discossion ergänzen. Dann, meint Hr. Sturz,
wird unfehlbar die volle Wahrheit über Alles ermittelt werden, und
das Ergebniß wird ein hohes allgemein gültiges Grundprinzip sein,
auf welchem alsdann ein System der Auswanderung und Kolonisa-
tion erbaut werden wird. Aus dem klar herausgestellten, zum vollen
Bewußtsein von Zweck und Mitteln ausgebildeten Verständniß wird
eine energische, planmäßige Wirksamkeit hervorgehen, auf allen Punk-
ten des Vaterlandes werden, in Folge der Bestimmung, vereinbarte
Kräfte sich darbieten, und diese werden im Hinstreben auf ein einiges
Ziel als konsolidirte Kraft zusammenwirken; es werden fortan Mittel
und Wege zur Erzielung großer, schöner und wohlthätiger Resultate nicht
[Spaltenumbruch] mehr mangeln. Solle aber ein folgenreiches, das ganze Emigrations-
und Kolonisationswesen umfassendes Resultat erzielt werden, so
müsse ganz Deutschland die Sache wirklich als eine National-
Angelegenheit
auffassen und in thatkräftiger Uebereinstimmung
als solche behandeln. Um dahin zu gelangen, scheint dem Hrn.
Sturz der von ihm bezeichnete Richtweg ein rechter, unter den
obwaltenden socialen und politischen Umständen vielleicht der einzig
rechte zu sein.

Zunächst komme es, um die Jdee zu verwirklichen, auf Ver-
einbarung über den Ort der vorgeschlagenen Versammlung oder
Conferenz an. Dieser Beschluß könne nur im Gefolge vielfacher
Besprechungen in den Zeitschriften zu Stande kommen, und diese
Besprechung werde füglich in der erfolgreichsten Weise und am
schnellsten dadurch veranlaßt werden, wenn besonders an den Orten,
welche ein specielles Jnteresse dabei haben, daß die Zusammen-
kunft in ihren Mauern stattfinde, und auch anderwärts, wo Theil-
nahme für den menschenfreundlichen Zweck rege sei, zunächst Local-
Vereine sich bilden, welche das erste Erforderniß, einige Geld-
mittel zur Bestreitung der Kosten der Besprechung in den Blättern
aufbringen; denn gewisse vielverbreitete, daher nicht zu umgehende
Journale öffneten leider nur für Geld ihre Columnen, sollte es
sich auch um die wichtigsten allgemeinen oder das Wohl vieler
tausend Jndividuen berührenden Angelegenheiten handeln; manche
Zeitschriften allerdings zeichneten sich durch Bereitwilligkeit zur
Mitwirkung für gemeinnützige Zwecke aus, was zur Steuer der
Wahrheit nicht unerwähnt bleiben dürfe. Wir haben in einer
anderen großen Angelegenheit dieselbe Erfahrung gemacht.

Habe nun die Besprechung in den Zeitungen endlich zu einer
Vereinbarung über den Ort der Zusammenkunft geführt, so würde
es zur weiteren Förderung der Sache ersprießlich und zum Theil
nothwendig sein, daß aus den alsdann verbliebenen Beständen
der einzelnen Vereine durch Zusammenwerfen ein Fonds gebildet
würde, aus dem die weiter nothwendig werdenden Ausgaben für
Publicationen, Localitäten ec. bestritten werden könnten. Sturz's
Ansicht nach, sollte das Mitgefühl in dieser Sache von Jedem,
der es vermag, nach Vermögen durch einen Geldbeitrag bethätigt
werden, indem es ihm scheinen will, daß aus Mangel an reellen
Beiträgen in Deutschland gar manches Gemeinnützige nur un-
vollkommen oder gar nicht hat ins Leben treten können.

Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
[Beginn Spaltensatz]
Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
Trimester.

[Spaltenumbruch] [Abbildung]
[Spaltenumbruch]
Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
( Ostern bis Ende 1847. )

[Ende Spaltensatz]

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Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Taxischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.
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Nro 33.
Dienstag, 18. Mai 1847.
[Spaltenumbruch]
[Ende Spaltensatz]

[Beginn Spaltensatz]
Deutsche Auswanderung.
( Schluß. )
II. Der Vorschlag einer deutschen Versammlung zur wissenschaft-
lichen Erörterung der Auswanderungs= und Colonisationsfragen.

Unsere Leser werden sich einer Aufforderung zu einer allge-
meinen Versammlung deutscher Männer zur Berathung über die
Auswanderungsfrage erinnern. Sie wurde in No. 28 dieser Blät-
ter aus der Weserzeitung aufgenommen und ohne allen Commen-
tar begleitet, weil wir eine ausführliche Besprechung derselben
später liefern wollten. Jn dem 2. Theile des Sturz' schen Vor-
trags, der obige Aufschrift führt, erfahren wir nun gleich zu
Anfang desselben, daß Herr General = Consul Sturz der Urheber
und Verfasser jener Aufforderung ist, und finden die nähere Mo-
tivirung derselben, da sie nicht unbeachtet geblieben, vielmehr in
die bedeutendsten Zeitschriften Deutschlands übergegangen und von
mehreren beifällig besprochen und die Verwirklichung des Vor-
schlags befürwortet worden ist.

Die Jdee des Hrn. General = Consuls ist folgende:

Es sollen Alle, welche irgend Sitz und Stimme bei der Aus-
wanderungsfrage in Anspruch nehmen können, Menschenfreunde,
Staatsmänner, im Fremdhandel wohl erfahrene Kaufleute, Geo-
graphen, Aerzte, Naturkundige, in den zu Zielpunkten vorgeschla-
genen Ländern durch eigene Anschauung wohl vertraute Männer,
dort Ansässige oder von dorther Zurückgekehrte, natürlich Solche
nicht ausgeschlossen, die in unzufriedener Stimmung wiederge-
kommen sind -- zu einer großen Versammlung zusammen-
treten, und ihre Meinungen und Erfahrungen aussprechen. Die
Presse soll die Discossion ergänzen. Dann, meint Hr. Sturz,
wird unfehlbar die volle Wahrheit über Alles ermittelt werden, und
das Ergebniß wird ein hohes allgemein gültiges Grundprinzip sein,
auf welchem alsdann ein System der Auswanderung und Kolonisa-
tion erbaut werden wird. Aus dem klar herausgestellten, zum vollen
Bewußtsein von Zweck und Mitteln ausgebildeten Verständniß wird
eine energische, planmäßige Wirksamkeit hervorgehen, auf allen Punk-
ten des Vaterlandes werden, in Folge der Bestimmung, vereinbarte
Kräfte sich darbieten, und diese werden im Hinstreben auf ein einiges
Ziel als konsolidirte Kraft zusammenwirken; es werden fortan Mittel
und Wege zur Erzielung großer, schöner und wohlthätiger Resultate nicht
[Spaltenumbruch] mehr mangeln. Solle aber ein folgenreiches, das ganze Emigrations-
und Kolonisationswesen umfassendes Resultat erzielt werden, so
müsse ganz Deutschland die Sache wirklich als eine National-
Angelegenheit
auffassen und in thatkräftiger Uebereinstimmung
als solche behandeln. Um dahin zu gelangen, scheint dem Hrn.
Sturz der von ihm bezeichnete Richtweg ein rechter, unter den
obwaltenden socialen und politischen Umständen vielleicht der einzig
rechte zu sein.

Zunächst komme es, um die Jdee zu verwirklichen, auf Ver-
einbarung über den Ort der vorgeschlagenen Versammlung oder
Conferenz an. Dieser Beschluß könne nur im Gefolge vielfacher
Besprechungen in den Zeitschriften zu Stande kommen, und diese
Besprechung werde füglich in der erfolgreichsten Weise und am
schnellsten dadurch veranlaßt werden, wenn besonders an den Orten,
welche ein specielles Jnteresse dabei haben, daß die Zusammen-
kunft in ihren Mauern stattfinde, und auch anderwärts, wo Theil-
nahme für den menschenfreundlichen Zweck rege sei, zunächst Local-
Vereine sich bilden, welche das erste Erforderniß, einige Geld-
mittel zur Bestreitung der Kosten der Besprechung in den Blättern
aufbringen; denn gewisse vielverbreitete, daher nicht zu umgehende
Journale öffneten leider nur für Geld ihre Columnen, sollte es
sich auch um die wichtigsten allgemeinen oder das Wohl vieler
tausend Jndividuen berührenden Angelegenheiten handeln; manche
Zeitschriften allerdings zeichneten sich durch Bereitwilligkeit zur
Mitwirkung für gemeinnützige Zwecke aus, was zur Steuer der
Wahrheit nicht unerwähnt bleiben dürfe. Wir haben in einer
anderen großen Angelegenheit dieselbe Erfahrung gemacht.

Habe nun die Besprechung in den Zeitungen endlich zu einer
Vereinbarung über den Ort der Zusammenkunft geführt, so würde
es zur weiteren Förderung der Sache ersprießlich und zum Theil
nothwendig sein, daß aus den alsdann verbliebenen Beständen
der einzelnen Vereine durch Zusammenwerfen ein Fonds gebildet
würde, aus dem die weiter nothwendig werdenden Ausgaben für
Publicationen, Localitäten ec. bestritten werden könnten. Sturz's
Ansicht nach, sollte das Mitgefühl in dieser Sache von Jedem,
der es vermag, nach Vermögen durch einen Geldbeitrag bethätigt
werden, indem es ihm scheinen will, daß aus Mangel an reellen
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vollkommen oder gar nicht hat ins Leben treten können.

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Sie wurde in No. 28 dieser Blät- ter aus der Weserzeitung aufgenommen und ohne allen Commen- tar begleitet, weil wir eine ausführliche Besprechung derselben später liefern wollten. Jn dem 2. Theile des Sturz' schen Vor- trags, der obige Aufschrift führt, erfahren wir nun gleich zu Anfang desselben, daß Herr General = Consul Sturz der Urheber und Verfasser jener Aufforderung ist, und finden die nähere Mo- tivirung derselben, da sie nicht unbeachtet geblieben, vielmehr in die bedeutendsten Zeitschriften Deutschlands übergegangen und von mehreren beifällig besprochen und die Verwirklichung des Vor- schlags befürwortet worden ist. Die Jdee des Hrn. 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Aus dem klar herausgestellten, zum vollen Bewußtsein von Zweck und Mitteln ausgebildeten Verständniß wird eine energische, planmäßige Wirksamkeit hervorgehen, auf allen Punk- ten des Vaterlandes werden, in Folge der Bestimmung, vereinbarte Kräfte sich darbieten, und diese werden im Hinstreben auf ein einiges Ziel als konsolidirte Kraft zusammenwirken; es werden fortan Mittel und Wege zur Erzielung großer, schöner und wohlthätiger Resultate nicht mehr mangeln. Solle aber ein folgenreiches, das ganze Emigrations- und Kolonisationswesen umfassendes Resultat erzielt werden, so müsse ganz Deutschland die Sache wirklich als eine National- Angelegenheit auffassen und in thatkräftiger Uebereinstimmung als solche behandeln. Um dahin zu gelangen, scheint dem Hrn. Sturz der von ihm bezeichnete Richtweg ein rechter, unter den obwaltenden socialen und politischen Umständen vielleicht der einzig rechte zu sein. 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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 33. Rudolstadt, 18. Mai 1847, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer33_1847/1>, abgerufen am 25.06.2019.